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Milletre

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91

Montag, 8. August 2011, 13:37

Mit der Diskrepanz von Zeichen- und Wertevorrat wollte ich lediglich begründen, warum die heutige Generation diejenigen Inszenierungen, die Milletre in seiner Jugend für überragend und zeitlos hielt (und heute noch hält), anders bewerten könnte. Und ganz vorsichtig habe ich eine Vermutung geäußert, woran es liegen mag, wenn wir etwas für zeitlos halten.

Da haben wir aber auch aneinander vorbei diskutiert, lieber Wolfram. Natürlich gab es in den 60ern gute bis ausgezeichnete Inszenierungen, vor allem aber auch praktikable, so dass sich jeder Gast darin relativ mühelos orientieren konnte. Daneben gab es freilich auch Inszenierungen, die man lieber vergessen möchte. Aber immer - unkommentiert, wie geglückt oder debakelt - war der Schauplatz der Handlung klar ersichtlich.

Was ich für zeitlos, manchmal auch für singulär in ewiger und dankbarer Erinnerung behalten werde, ist die Leistung großer Dirigenten, des zuweilen konkurrenzlos aufregenden und spannenden, ja überirdisch schön spielenden Orchesters, wo fast alle Musiker auch beeindruckende Solisten waren, und dann vor allem Sänger, die das Publikum wohl nie vergessen können wird.

Ich verschweige nicht, dass es auch in so manchen Repertoire-Vorstellungen im Orchester drunter und drüber ging, und auch der Chor gelegentlich olympische Schwimmfeste veranstaltete ...
Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

Wolfram

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92

Montag, 8. August 2011, 13:52

Da haben wir aber auch aneinander vorbei diskutiert, lieber Wolfram.

Lieber Milletre,

das mag sein!

Was ich für zeitlos, manchmal auch für singulär in ewiger und dankbarer Erinnerung behalten werde, ist die Leistung großer Dirigenten, des zuweilen konkurrenzlos aufregenden und spannenden, ja überirdisch schön spielenden Orchesters,

Natürlich ist es eine große Leistung eines Dirigenten, ein Orchester zu überirdisch schönem Spiel bewegen zu können. Ich denke etwa an Herbert von Karajans Aufnahmen von Werken von R. Strauss (Heldenleben 195x, Tod+Verkl 197x, 4 letzte Lieder 197x mit Janowitz), Sibelius (197x DG) oder sogar Schönberg (Verklärte Nacht, Var. op. 31). Das ist eine jahrelange Kleinarbeit, die für Außenstehende kaum erfassbar ist und erst nach Jahren Früchte trägt.

Die Frage ist, ob eine heutige Generation noch dieses Bedürfnis nach Schönheit hat - mir steht Toscaninis Bohème näher als die Studioproduktion Karajans. Oder etwa in der Götterdämmerung: Die Stierhörner würde ich gerne "unschön" hören. Oder auch die Schreckensfanfare in Beethovens 9.

Dessenungeachtet kann ich von Karajans Leistung in "seiner" Bohème, "seiner" Götterdämmerung, "seinem" Parsifal usw. durchaus würdigen - als Orchestererzieher aber mehr denn als Interpret.
Viele Grüße, Wolfram

Theophilus

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93

Montag, 8. August 2011, 17:03

Die Frage ist, ob eine heutige Generation noch dieses Bedürfnis nach Schönheit hat...

Das ist eigentlich keine Frage mehr - nicht nur dieses Forum zeigt dies ausführlich. Auch der allgemeine Trend hat sich schon lange davon losgesagt. Jetzt befinden wir uns auf der Suche nach der musikalischen Wahrheit in der Wiedergabe - was immer dabei noch herauskommen mag. Vor einigen Jahrzehnten war man bei Spitzeninterpreten in Punkto Schönklang auf einem Niveau angelangt, das nicht mehr nennenswert steigerungsfähig war bzw. von vielen ohnehin nicht mehr erreicht wurde. Um die Stagnation zu vermeiden, musste man neue Ziele ins Auge fassen und so wechselte man eben die Paradigmen. Der normale Lauf der Welt...

:hello:

Wolfram

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94

Montag, 8. August 2011, 17:28

Lieber Theophilus,

ich weiß nicht recht, was Ursache und was Wirkung ist.

Suchte man nach neuen Zielen ("Wahrheit") nur deswegen, weil die alten ("Schönheit") für die besten Musiker nicht mehr steigerbar und für die anderen Musiker unerreichbar waren?

Oder gab es nicht allgemein ein Streben nach Authentizität, nach Echtheit, nach Hinterfragen von überkommenen Werten - bis hin zu den 1968ern? Ein Streben, das die Leistungen eines Karajan, eines Amadeus-Quartetts in neuem Lichte sah?

Ich bin kein Zeitzeuge - ich sage aber, die Karajan-Bohème (Studio) ist geschminkt. Übrigens auch der 1977er Beethoven von Karajan - maximal klangschön, gewiss, aber das Drama blieb dafür auf der Strecke.
Viele Grüße, Wolfram

Amfortas08

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95

Montag, 8. August 2011, 18:08

Zitat

Suchte man nach neuen Zielen ("Wahrheit") nur deswegen, weil die alten ("Schönheit") für die besten Musiker nicht mehr steigerbar und für die anderen Musiker unerreichbar waren?
Schönheit als Erscheinung ist - nach meiner Erfahrung - keine Konstante, sondern Schönheit wechselt ihre Gestalt, ihren Ausdruck. Das sollte im Begriff von Schönheit berücksichtigt werden.
z.B. Dissonanzen, strenge formale Fügungen, Komplexität können als schön erfahren werden.

Wenn ich mir Wiedergaben z.B. unter Scherchen, Leibowitz, Toscanini, Stiedry, Mitropoulus oder Rosbaud etc. reinziehe, dann drängt sich dabei die Frage auf, ob das Streben nach " Authentizität" überhaupt einen "neuen" Trend der letzten Jahrzehnte ausmacht oder nicht doch bereits wesentlich früher sich entwickelte.
:hello:

Theophilus

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96

Montag, 8. August 2011, 19:13

Suchte man nach neuen Zielen ("Wahrheit") nur deswegen, weil die alten ("Schönheit") für die besten Musiker nicht mehr steigerbar und für die anderen Musiker unerreichbar waren?
Es ist doch immer das gleiche: ist eine bestimmte Entwicklung weitgehend ausgereizt, sucht man neue Wege.

Oder gab es nicht allgemein ein Streben nach Authentizität, nach Echtheit, nach Hinterfragen von überkommenen Werten - bis hin zu den 1968ern? Ein Streben, das die Leistungen eines Karajan, eines Amadeus-Quartetts in neuem Lichte sah?
Schließt nahtlos an den vorigen Absatz an. Eine historische Entwicklung auf ihrem Höhepunkt beginnt auf der Stelle zu treten. In der Geschichte eines Volkes kommt es dann zumeist zu einem Niedergang, in der Musik hat man die Möglichkeit, mit oft gleitendem Übergang neue Werte zu verfolgen (obwohl es natürlich schon auch revolutionäre Cäsuren gegeben hat).

Ich bin kein Zeitzeuge - ich sage aber, die Karajan-Bohème (Studio) ist geschminkt. Übrigens auch der 1977er Beethoven von Karajan - maximal klangschön, gewiss, aber das Drama blieb dafür auf der Strecke.
Wie auch immer du das empfindest, aber die Boheme ist in ihrer Art eigentlich nicht mehr zu überbieten (wie auch die darauf folgende Butterfly). Man kann es eigentlich nur mehr anders machen. Und was das Beispiel Beethoven betrifft: es geht um die Quadratur des Kreises, es geht um die Ausbalancierung von Parametern, die nicht alle zugleich optimiert werden können. Der Interpret trifft die Auswahl, welche Aspekte er stärker berücksichtigt und fast zu jeder Zeit gibt es eine Mehrheit für eine Tendenz in der Interpretation...

:hello:

Wolfram

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97

Montag, 8. August 2011, 19:23

Wie auch immer du das empfindest, aber die Boheme ist in ihrer Art eigentlich nicht mehr zu überbieten (wie auch die darauf folgende Butterfly).

Das würde ich nicht bestreiten wollen! Ich kann nur darin kein Lob für den Interpreten Karajan erkennen. Allerdings ist das handwerkliche Geschick des Orchestererziehers Karajans höchster Bewunderung wert.

Und was das Beispiel Beethoven betrifft: es geht um die Quadratur des Kreises, es geht um die Ausbalancierung von Parametern, die nicht alle zugleich optimiert werden können. Der Interpret trifft die Auswahl, welche Aspekte er stärker berücksichtigt und fast zu jeder Zeit gibt es eine Mehrheit für eine Tendenz in der Interpretation...

Ja. Aber zum einen tempora mutantur et nos mutantur in illis und zum anderen glaube ich nicht, dass die Berücksichtigung des Parameters "Schönheit" (mit den von Amfortas genannten Bemerkungen) gerade bei Beethoven im Sinne des Komponisten wäre. Da wären mir die Gegensätze, die Inhomogenitäten, die Überraschungen und Schocks, die Brüche viel wichtiger.
Viele Grüße, Wolfram

Theophilus

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98

Montag, 8. August 2011, 20:35

Das würde ich nicht bestreiten wollen! Ich kann nur darin kein Lob für den Interpreten Karajan erkennen. Allerdings ist das handwerkliche Geschick des Orchestererziehers Karajans höchster Bewunderung wert.
Das ist allerdings alleine dein Problem. Ich könnte mir vorstellen, dass es für viele Leute sehr wohl ein Kompliment darstellt, wenn einem Interpreten eine Wiedergabe der Superlative gelingt. Und dass es für ein Musikwerk von Rang mehr als eine Art von wirklich befriedigender Realisierung gibt, ist doch auch eine Erkenntnis, die durchaus schon ein wenig um sich gegriffen hat...

Ja. Aber zum einen tempora mutantur et nos mutantur in illis und zum anderen glaube ich nicht, dass die Berücksichtigung des Parameters "Schönheit" (mit den von Amfortas genannten Bemerkungen) gerade bei Beethoven im Sinne des Komponisten wäre. Da wären mir die Gegensätze, die Inhomogenitäten, die Überraschungen und Schocks, die Brüche viel wichtiger.
Es war zu einer Zeit eine vorherrschende Tendenz aber es gab auch damals Andersdenkende bei Interpreten und Rezipienten. Und was dir lieber ist, ist deine Privatsache, allerdings solltest du Interpreten nicht vorwerfen, dass sie deine Präferenzen missachten. Auch ist es in meinen Augen fraglich, ob man wirklich objektiv entscheiden kann, welche Form der Interpretation richtiger ist (Beethoven brachte einen neuen musikalischen Ausdruck, der sich deutlich von Mozart und Haydn unterscheidet; und obwohl er weitgehend die gleiche musikalische Syntax verwendet, dehnt und streckt er sie dergestalt, dass Neues entstand; ich bin überzeugt, dass man Beethoven damals so "schön" wie nur irgend möglich gespielt hat, und dennoch war jedem Hörer das Neue in dieser Musik sofort klar; wir haben das aber in der historischen Distanz vergessen und verlernt, dafür bekommen wir heute von engagierten Interpreten Aufführungen, wo Gegensätze, Inhomogenitäten und Brüche besonders herausgearbeitet werden; das macht aber nur unter der Prämisse Sinn, weil wir von neuerer Musik noch viel extremeres gewohnt sind, so dass wir einen "normal" gespielten Beethoven gar nicht mehr als den Neuerer empfinden, der er tatsächlich war; deswegen wird aber eine derart übertriebene Interpretation nicht "richtiger").

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Theophilus

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99

Montag, 8. August 2011, 20:35

Das würde ich nicht bestreiten wollen! Ich kann nur darin kein Lob für den Interpreten Karajan erkennen. Allerdings ist das handwerkliche Geschick des Orchestererziehers Karajans höchster Bewunderung wert.
Das ist allerdings alleine dein Problem. Ich könnte mir vorstellen, dass es für viele Leute sehr wohl ein Kompliment darstellt, wenn einem Interpreten eine Wiedergabe der Superlative gelingt. Und dass es für ein Musikwerk von Rang mehr als eine Art von wirklich befriedigender Realisierung gibt, ist doch auch eine Erkenntnis, die durchaus schon ein wenig um sich gegriffen hat...

Ja. Aber zum einen tempora mutantur et nos mutantur in illis und zum anderen glaube ich nicht, dass die Berücksichtigung des Parameters "Schönheit" (mit den von Amfortas genannten Bemerkungen) gerade bei Beethoven im Sinne des Komponisten wäre. Da wären mir die Gegensätze, die Inhomogenitäten, die Überraschungen und Schocks, die Brüche viel wichtiger.
Es war zu einer Zeit eine vorherrschende Tendenz aber es gab auch damals Andersdenkende bei Interpreten und Rezipienten. Und was dir lieber ist, ist deine Privatsache, allerdings solltest du Interpreten nicht vorwerfen, dass sie deine Präferenzen missachten. Auch ist es in meinen Augen fraglich, ob man wirklich objektiv entscheiden kann, welche Form der Interpretation richtiger ist (Beethoven brachte einen neuen musikalischen Ausdruck, der sich deutlich von Mozart und Haydn unterscheidet; und obwohl er weitgehend die gleiche musikalische Syntax verwendet, dehnt und streckt er sie dergestalt, dass Neues entstand; ich bin überzeugt, dass man Beethoven damals so "schön" wie nur irgend möglich gespielt hat, und dennoch war jedem Hörer das Neue in dieser Musik sofort klar; wir haben das aber in der historischen Distanz vergessen und verlernt, dafür bekommen wir heute von engagierten Interpreten Aufführungen, wo Gegensätze, Inhomogenitäten und Brüche besonders herausgearbeitet werden; das macht aber nur unter der Prämisse Sinn, weil wir von neuerer Musik noch viel extremeres gewohnt sind, so dass wir einen "normal" gespielten Beethoven gar nicht mehr als den Neuerer empfinden, der er tatsächlich war; deswegen wird aber eine derart übertriebene Interpretation nicht "richtiger").

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Theophilus

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100

Montag, 8. August 2011, 20:35

Das würde ich nicht bestreiten wollen! Ich kann nur darin kein Lob für den Interpreten Karajan erkennen. Allerdings ist das handwerkliche Geschick des Orchestererziehers Karajans höchster Bewunderung wert.
Das ist allerdings alleine dein Problem. Ich könnte mir vorstellen, dass es für viele Leute sehr wohl ein Kompliment darstellt, wenn einem Interpreten eine Wiedergabe der Superlative gelingt. Und dass es für ein Musikwerk von Rang mehr als eine Art von wirklich befriedigender Realisierung gibt, ist doch auch eine Erkenntnis, die durchaus schon ein wenig um sich gegriffen hat...

Ja. Aber zum einen tempora mutantur et nos mutantur in illis und zum anderen glaube ich nicht, dass die Berücksichtigung des Parameters "Schönheit" (mit den von Amfortas genannten Bemerkungen) gerade bei Beethoven im Sinne des Komponisten wäre. Da wären mir die Gegensätze, die Inhomogenitäten, die Überraschungen und Schocks, die Brüche viel wichtiger.
Es war zu einer Zeit eine vorherrschende Tendenz aber es gab auch damals Andersdenkende bei Interpreten und Rezipienten. Und was dir lieber ist, ist deine Privatsache, allerdings solltest du Interpreten nicht vorwerfen, dass sie deine Präferenzen missachten. Auch ist es in meinen Augen fraglich, ob man wirklich objektiv entscheiden kann, welche Form der Interpretation richtiger ist (Beethoven brachte einen neuen musikalischen Ausdruck, der sich deutlich von Mozart und Haydn unterscheidet; und obwohl er weitgehend die gleiche musikalische Syntax verwendet, dehnt und streckt er sie dergestalt, dass Neues entstand; ich bin überzeugt, dass man Beethoven damals so "schön" wie nur irgend möglich gespielt hat, und dennoch war jedem Hörer das Neue in dieser Musik sofort klar; wir haben das aber in der historischen Distanz vergessen und verlernt dafür bekommen wir heute von engagierten Interpreten Aufführungen, wo Gegensätze, Inhomogenitäten und Brüche besonders herausgearbeitet werden; das macht aber nur unter der Prämisse Sinn, weil wir von neuerer Musik noch viel extremeres gewohnt sind, so dass wir einen "normal" gespielten Beethoven gar nicht mehr als den Neuerer empfinden, der er tatsächlich war; deswegen wird aber eine derart übertriebene Interpretation nicht "richtiger").

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Wolfram

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Montag, 8. August 2011, 21:02

Das würde ich nicht bestreiten wollen! Ich kann nur darin kein Lob für den Interpreten Karajan erkennen. Allerdings ist das handwerkliche Geschick des Orchestererziehers Karajans höchster Bewunderung wert.
Das ist allerdings alleine dein Problem. Ich könnte mir vorstellen, dass es für viele Leute sehr wohl ein Kompliment darstellt, wenn einem Interpreten eine Wiedergabe der Superlative gelingt.

Ich weiß nicht, ob es ein Kompliment ist, wenn man sagt: Dirigent XY hat das Werk so schön gespielt, wie es überhaupt nur geht. - Um ein anderes Beispiel zu nehmen: Bei Strawinskys Sacre wäre es geradezu ein Verriss.

Bei der Bohème finde ich Karajans Spiel überzuckert, zu schwülstig-überladen. Das ist eine Geschmacksfrage - aber deswegen doch noch lange nicht ein Problem meinerseits. Der eine mag helle, süße Schokolade, der andere mag lieber die Bitternoten. Wo ist das Problem?

ich bin überzeugt, dass man Beethoven damals so "schön" wie nur irgend möglich gespielt hat,

Beethoven war berüchtigt, etliche Klaviere durch sein Spiel in Konzerten schwer beschädigt zu haben. Ich glaube nicht, dass dies mit einem Spiel geschehen ist, das primär auf Schönheit abzielte.
Viele Grüße, Wolfram

Theophilus

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102

Montag, 8. August 2011, 22:22

Ich weiß nicht, ob es ein Kompliment ist, wenn man sagt: Dirigent XY hat das Werk so schön gespielt, wie es überhaupt nur geht. - Um ein anderes Beispiel zu nehmen: Bei Strawinskys Sacre wäre es geradezu ein Verriss.
Es ist egal, ob du es weißt. In vielen Fällen kann es dennoch ein großes Kompliment sein. Und was den Sacre betrifft, nun ja, da denkt man primär nicht daran, dass hier in Schönheit gestorben wird. Aber auch der Sacre bietet eine große Bandbreite des möglichen Orchesterausdrucks. In bin überzeugt, dass Pierre Monteux bei der Uraufführung eine wesentlich noblere Version dirigierte als das archaische Gestampfe, das man heutzutage gelegentlich vorgesetzt bekommt. War es deswegen schlechter? Immerhin hat Monteux nach dem Uraufführungsdesaster praktisch im Alleingang dem Werk auch im Konzertsaal zum schnellen Erfolg verholfen. Außerdem muss Schönheit nicht a priori schmalzig oder zuckerlsüß sein. Aber auch ein idiomatisch gelungener Sacre kann durch perfektes Orchesterspiel eine eigene Art von Schönheit entwickeln...


Bei der Bohème finde ich Karajans Spiel überzuckert, zu schwülstig-überladen. Das ist eine Geschmacksfrage - aber deswegen doch noch lange nicht ein Problem meinerseits. Der eine mag helle, süße Schokolade, der andere mag lieber die Bitternoten. Wo ist das Problem?
Das Problem liegt darin, dass du aus einer persönlichen Geschmacksfrage ("überzuckert") eine allgemeine Aussage ableitest ("kein Kompliment für Karajan"). Da geht so nicht. Was wäre, wenn 80% der Musikhörer der gegenteiligen Meinung wären? Ich kenne sogar dezidierte Karan-Gegner, die nur mit zusammengebissenen Zähnen vorsichtig-positives über HvK von sich geben, und die der Boheme dennoch ein phantastisches Dirigat konzidieren...


Beethoven war berüchtigt, etliche Klaviere durch sein Spiel in Konzerten schwer beschädigt zu haben. Ich glaube nicht, dass dies mit einem Spiel geschehen ist, das primär auf Schönheit abzielte.
Du lenkst ab. Wir sprachen von den Symphonien und deren Wiedergabe. Die Ästethik von Klavierspiel unterscheidet sich grundlegend von jener des Orchesterspiels. Außerdem besagt dein Beispiel nicht mehr und nicht weniger, als dass Beethoven mit den technischen Gegebenheiten der Klaviere seiner Zeit unzufrieden war (und damit notabene auf diesem Sektor definitiv für die Zukunft komponiert hat; damit wird das Argument der HIP-Vertreter, Beethoven müsse natürlich auf Instrumenten seiner Zeit aufgeführt werden, speziell beim Klavier ganz locker ad absurdum geführt; es war in mehreren dokumentierten Fällen so, dass Komponisten mit den aktuellen Gegebenheiten am Instrumentensektor nicht zufrieden waren, insbesondere dort, wo sie eine schnelle Entwicklung miterlebten und so ihre wahren Idealvorstellungen in absehbarer Zeit realisiert erhoffen konnten). Wir wissen vor allem, dass Beethoven mehr dynamische Fähigkeiten forderte, als es damalige Instrumente diesseits ihrer Zerstörungsschwelle zu bieten in der Lage waren. Mit einem modernen Konzertflügel könnte er problemlos seine dynamischen Vorstellungen realisieren und vielleicht dennoch einem "schönen" Klavierton nachhängen. Beim Orchester könnte es sehr ähnlich sein. Ein modernes Orchester kann bei höchster Klangkultur eine Dynamik entwickeln, die einem das Toupet wegfliegen lässt. Erst wenn ich gezielt in den Grenzbereich der Instrumente gehe, muss ich Abstriche in Punkto Klangqualität machen. Beethoven wäre von der Durchschlagskraft eines modernen Symphonieorchesters völlig geplättet gewesen - warum sollen wir annehmen, dass er dabei nicht auch hohe Spielkultur genossen hätte?

:hello:

Wolfram

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103

Montag, 8. August 2011, 22:44

Lieber Theophilus!

Es ist egal, ob du es weißt.

Manchmal finde ich Deinen Ton doch sehr herablassend.

Das Problem liegt darin, dass du aus einer persönlichen Geschmacksfrage ("überzuckert") eine allgemeine Aussage ableitest ("kein Kompliment für Karajan").

Und? Für wen ist das ein Problem?

Was wäre, wenn 80% der Musikhörer der gegenteiligen Meinung wären?

Das würde für mich nichts ändern. Warum soll ich dann anders urteilen?

Ich kenne sogar dezidierte Karan-Gegner, die nur mit zusammengebissenen Zähnen vorsichtig-positives über HvK von sich geben, und die der Boheme dennoch ein phantastisches Dirigat konzidieren...

Ich habe HvKs Interpretationen oft genug sehr gelobt und will das jetzt nicht wiederholen. Weiter oben hast Du mit vorgeworfen, dass ich Spezielles mit Allgemeinem vermenge - machst Du hier nicht Ähnliches? Ich finde viele Karajan-Aufnahmen ausgezeichnet, aber nicht unebdingt die Bohème. Ich kann die Karajan-Bohème genießen, denke dann aber weniger an Puccini. Den höre ich eher woanders. - Im Übrigen finde ich HvK als Orchesterleiter der Bohème kaum zu übertreffen, den Interpreten bewerte ich aber bei weitem nicht so hoch. Was meinst Du also mit "phantastisches Dirigat" - Dirigiertechnik, Orchesterbeherrschung oder Interpretation?

Wir wissen vor allem, dass Beethoven mehr dynamische Fähigkeiten forderte, als es damalige Instrumente diesseits ihrer Zerstörungsschwelle zu bieten in der Lage waren. Mit einem modernen Konzertflügel könnte er problemlos seine dynamischen Vorstellungen realisieren und vielleicht dennoch einem "schönen" Klavierton nachhängen. Beim Orchester könnte es sehr ähnlich sein.

Na ja, da wird es doch sehr spekulativ, nicht wahr? Beethoven ist sehr weit weg von uns, aus dem, was von seinen Charaktereigenschaften überliefert ist und von dem, was in den Noten steht (und von dem, was demgegenüber Standard zu dessen Zeit war - Harmonik, Vortragsbezeichnungen), scheint mir eine Interpretation in extremis näher an Beethovens Vorstellungen zu liegen als eine mit dem Fokus auf Schönheit.
Viele Grüße, Wolfram

Theophilus

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104

Dienstag, 9. August 2011, 03:51

Manchmal finde ich Deinen Ton doch sehr herablassend.
Ja? Ich passe mich doch lediglich deinem herablassenden Tonfall Künstlern gegenüber an. ;)

Und? Für wen ist das ein Problem?
Ich bin der Meinung, dass dies keine zulässige Form der Argumentation ist. Damit würgt man zwangsläufig eine sinnvolle Diskussion ab.

Das würde für mich nichts ändern. Warum soll ich dann anders urteilen?
Du brauchst überhaupt nichts ändern, solange du in einer sehr subjektiven Angelegenheit in der Position einer extremen Minderheit keinen Anspruch auf allgemeine Aussagen erhebst.

Im Übrigen finde ich HvK als Orchesterleiter der Bohème kaum zu übertreffen, den Interpreten bewerte ich aber bei weitem nicht so hoch.
Diese Ansicht ist dir unbenommen. Man muss ja nicht immer der gleichen Meinung sein...

Na ja, da wird es doch sehr spekulativ, nicht wahr? Beethoven ist sehr weit weg von uns, aus dem, was von seinen Charaktereigenschaften überliefert ist und von dem, was in den Noten steht (und von dem, was demgegenüber Standard zu dessen Zeit war - Harmonik, Vortragsbezeichnungen), scheint mir eine Interpretation in extremis näher an Beethovens Vorstellungen zu liegen als eine mit dem Fokus auf Schönheit.
Dieser Meinung bin ich eigentlich nicht. Die Orchester jener Zeit waren geschult an Mozart, Haydn und den anderen zeitgenössischen Komponisten. Die haben Beethoven nicht anders gespielt als ihr schon bekanntes Repertoire und wie ich schon schrieb, war den damaligen Hörern Beethovens neue Qualitäten auch ohne jegliches Übertreiben oder Betonen sonnenklar.

Was jetzt Beethoven selbst angeht: wir wissen, dass er schon als junger Musiker sehr selbstbewusst und energisch aber auch aufbrausend und rechthaberisch war. Außerdem kannte er keine Scheu vor höhergestellten Persönlichkeiten. Im Alter, nach einsetzender Taubheit und physisch sowie psychisch schwer krank, übersteigerten sich diese Eigenschaften ins pathologische. Man sollte sich in Beethovens Beurteilung nicht zu sehr am alten Kämpfer orientieren, der im Wesentlichen nur mehr eine Symphonie, die Missa Solemnis und ein paar späte Klaviersonaten und Streichquartette komponierte. Er war als junger Musiker als Pianist sehr erfolgreich, wir sind in der ersten Phase der Wiener Klassik, das Rokoko ist noch nicht lange vorbei. Glaubst du ernsthaft, dass er im Stil deiner Schilderung damals großen Erfolg gehabt hätte? Sicher nicht. Aber auch seine Kompositionen aus dieser Zeit, so die erste Hälfte der Klaviersonaten und die drei ersten Klavierkonzerte sind für damalige Ohren fortschrittliche, aber dennoch sehr wohlkingende Kompositionen. Und zu dieser Zeit hat er auch noch keine Fortepianos zertöppert...

:hello:

Wolfram

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105

Dienstag, 9. August 2011, 08:40

Mein lieber Theophilus!

Ich bin der Meinung, dass dies keine zulässige Form der Argumentation ist. Damit würgt man zwangsläufig eine sinnvolle Diskussion ab.

Da möchte ich doch mal den Verlauf in der chronologischen Reihenfolge zusammenstellen:
Bei der Bohème finde ich Karajans Spiel überzuckert, zu schwülstig-überladen. Das ist eine Geschmacksfrage - aber deswegen doch noch lange nicht ein Problem meinerseits. Der eine mag helle, süße Schokolade, der andere mag lieber die Bitternoten. Wo ist das Problem?

Das Problem liegt darin, dass du aus einer persönlichen Geschmacksfrage ("überzuckert") eine allgemeine Aussage ableitest

Und? Für wen ist das ein Problem?

Ich bin der Meinung, dass dies keine zulässige Form der Argumentation ist. Damit würgt man zwangsläufig eine sinnvolle Diskussion ab.

Ich meine vor diesem Kontext nicht, die Diskussion abgewürgt zu haben. Du hast die Frage, für wen denn da ein Problem existiert, nicht beantwortet.

Du brauchst überhaupt nichts ändern, solange du in einer sehr subjektiven Angelegenheit in der Position einer extremen Minderheit keinen Anspruch auf allgemeine Aussagen erhebst.

Na, ob ich bzgl. der Ansicht, dass Beethoven eine Interpretation in extremis angemessener wäre als eine, die einseitig auf Schönheit abzielt, eine extreme Minderheit darstelle, das sei doch mal dahingestellt.

Es gab zu allen Zeiten diese und jene Ansätze. Es gab Kempff, es gab aber auch Gulda. Es gab Furtwängler, es gab aber auch Scherchen. Es gab Karl Böhm, es gab aber auch Leibowitz. Es gibt Thielemann, es gibt aber auch Paavo Järvi. - Die strukturbetonten, Rhythmus-fokussierten Ansätze, die die einkomponierten Härten auch als solche herausarbeiten (in der Eroica erklingt an einer Stelle ein [lokaler] Tonika-Akkord gleichzeitig mit seiner Dominante - eine barbarische Dissonanz, und bei Zeitgenossen Beethovens wohl kaum nachzuweisen), sind vielleicht stets in der Minderheit - soweit stimme ich Dir zu -, aber eine extreme Minderheit ist es bestimmt nicht. Die Guldas, Scherchens, Leibowitz' und Järvis dieser Welt hatten immer ihre Fangemeinde, und das war stets mehr als ein esoterischer Club.
Viele Grüße, Wolfram

Amfortas08

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106

Mittwoch, 10. August 2011, 19:58


Orchestral ein Gegenpol zur Lesart Toscaninis. Was an Details und Deutlichkeit unter Karajan herausgearbeitet wird, ist schon atemberaubend.

Weniger atemberaubend jedoch der barbarische Schnitt im 2. Akt (3. Szene), der zur Folge hat, dass sich der codaähnliche Abschnitt, der mit Desdemonas Worten „Splende il cielo ..„ eingeleitet wird, nicht vergleichbar deutlich vom Chor der Frauen, Kinder und Seeleute sich abhebt und damit als Bruch zum vorangegangenem Ablauf sich zu geringfügig ausprägt

...und der schändliche Schnitt im 3. Akt (8. Szene), wodurch der anschließende Wutausbruch Otellos verharmlost wird....

...mehr als fraglich also, ob ein Freund konservativer Opernaufführungen diese „Opernzerstörung“ Karajans ohne weiteres zu billigen bereit ist.
:hello:

Milletre

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107

Donnerstag, 11. August 2011, 10:58

Ich gebe dir völlig recht. Bedauerlicherweise war Karajan in puncto Strichen sehr großzügig - zum Schaden des betreffenden Werks (Siegfried, Fidelio, Tristan, FROSCH ...). Dennoch, von Zerstörung will ich nicht reden, eher von schmerzlichen Eingriffen - leider! ("Nowbody is perfect", auch Karajan war es nicht.)
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zweiterbass

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Donnerstag, 11. August 2011, 16:32

Zitat von »Wolfram« Manchmal finde ich Deinen Ton doch sehr herablassend.
Ja? Ich passe mich doch lediglich deinem herablassenden Tonfall Künstlern gegenüber an.

Den herablassenden Ton von "Theophilus" kann ich nur bestätigen, was an nachstehendem Beispiel, nicht das Erste, nachvollzogen werden kann.

Zitat von »zweiterbass« Es gäbe eine einfache Lösung, kritische Stimmen aus dem rot-grünen Eck zu vermeiden:
Die Eintrittspreise (auch z. B. in Bayreuth usw.) müssen a l l e Kosten decken und sozial Schwache erhalten Zuschüsse, statt auch den Nichtschwachen günstige Preise zu offerieren, die sich sozial Schwache immer noch nicht leisten können.

Glaubst du eigentlich, du bist der Erste, der auf diesen glorreichen Gedanken gekommen ist?
Und die "Entschuldigung" bei Wolfram kann ja hier wohl nicht passen.
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

La Roche

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Montag, 27. Februar 2012, 09:40

Regietheater

Als Neuling in diesem Forum hat meine Meinung natürlich nicht das Gewicht der "Meister". Wenn man eine Oper zum x-ten Male sieht, dann hat man eine Erwartungshaltung. Und die Erwartungshaltung eines normalen Opernbesuchers ist sicher nicht die, welche viele der im Tamino vertretenen "Meister" haben. Und die Presse sowie die Theatermacher machen was sie wollen, zum Teil gegen und nicht für das Publikum.

Wem nützt es, wenn z.B. im Maskenball in Erfurt 30 Damen über 60 Jahre nackt auftreten? Was hat das mit Verdis Oper zu tun?

Oder in Gera, meiner Heimatstadt. Vor ca. 3 Jahren der Lohengrin. Handlung in einer runtergekommenen Werkhalle am Rande von Gera. In der Ecke steht ein Dixi-Klo (reingegangen ist keiner). König Heinrich im 1. Akt als Kohl, im 2. als Schröder, im 3. als Merkel. Lohengrin ist ein asiatischer Investor, der die blühenden Landschaften verspricht und natürlich nicht halten kann. Elsa ein Dummchen. Ortrud ist sexy, Telramund nur doof. Manchmal stehen sie am Imbißstand und essen Würstchen (hoffentlich wenigstens Thüringer). Gesanglich für Gera toll (den Lohengrin sollte eigentlich Per Landskog singen, der hat nach der 1. Probe bye-bye gesagt), das Orchester über sich hinausgewachsen, der verstärkte Chor wäre eines großen Opernhauses würdig gewesen. Anwesend in der Premiere Mitglieder deutschen Wagner-Gesellschaft aus Trier und anderswo ganz im Westen. Einhelliger Jubel für die musiaklisch Beteiligten. Für den Regisseur und den Bühnenbildner nicht ein Klatschen, nur Buhs (ich glaube, der Regisseur hieß Lutz). Unruhe, Gelächter, Aufhören-Rufe schon während der Vorstellung. Die Lokalpresse schrieb, es war ein spannender Abend, Applaus und Ablehnung hielten sich die Waage. Stimmte doch nicht!! Applaus nur für Musiker, Ablehnung nur für Regie. Man sollte meinen, daß das als Mißerfolg gilt. Aber die Presse in Gera hat geworben bei weiteren Vorstellungen, daß es eine erfolgreiche, wenn auch kontrovers diskutierte Aufführung war. Nach 4 Vorstellungen war Schluß, keiner wollte es mehr sehen. Riesenaufwand, aber umsonst. Ich habe danach übrigens mein Anrecht gekündigt, zumal die nächste Vorsatellung ein Schauspiel namens "Bauernstaat" war, ein einfach ekliges Sexstück, zudem ältere Leute verhöhnend. Man sollte denken, daß Theaterdirektoren merken, daß das zahlende Publikum ein Theater trägt. Weit gefehlt. Im Folgejahr der Tannhäuser, Handlung im Hause Thomas Mann. Wieder Applaus für die Musiker, Buhs für die Regie. Der verantwortliche Intendant in Gera hat sein Budget so stark überzogen, daß er gehen mußte. Hoffentlich wird es nun anders.
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer


rodolfo39

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110

Montag, 27. Februar 2012, 12:22

Genau das ist es was ich schon seit Jahren kritisiere: Das die Intendanten nur auf den Premieren Skandal aus sind und in der Zeitung sein wollen, damit dann wenigsten die nächsten Vorstellungen gut besucht sind, aber das so eine Aufführung in manchen Häusern bis zu 10 mal pro Spielzeit aufgeführt wird, und das sich eine Oper nicht nur mit Abonnenten füllt, daran denken die Intendanten nicht.

Joseph II.

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111

Montag, 27. Februar 2012, 12:26

Zitat

Die Lokalpresse schrieb, es war ein spannender Abend, Applaus und Ablehnung hielten sich die Waage. Stimmte doch nicht!! Applaus nur für Musiker, Ablehnung nur für Regie.

So könnte man es auch verdrehen. Tut die Presse übrigens generell oft in solchen Situationen. Ich trau daher auch keinen Rezensionen der Presse mehr.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Alfred_Schmidt

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112

Montag, 27. Februar 2012, 12:58

Wir kommen wieder ein wenig vom Thema ab - in Richtung Regietheater - was nicht notwendig ist - weil die Anzahl unserer Regietheatherthreads ohnedies erklecklich ist

Regietheater - letzte verbliebene Schrumpfform linker Ideologie ?
Oper - Was war eigentlich VOR dem Regietheater ?
Widerstand gegen das Regietheater wächst unaufhörlich - ist das Ende nah ?
Was ist so faszinierend am Regietheater ?
Bieito überstanden(!!!!)- Fidelio in München
Gallionsfiguen des Regietheaters: Isido Mermelstein inszeniert "Carmen"
Chinesischer Starregisseur PLEM - PLEM inszeniert die Zauberflöte

Daher möchte ich nochmal Resume ziehen - auch wenn ich im Prinzip schon einiges gesagt habe.

Der Name KONSERVATIVE Opernaufführung - auch wenn (fast) alle wissen was hier gemeint ist - ist unglücklich gewählt, da er implizit aussagt, daß diese Art Oper zu inszenieren veraltet oder zumindest nicht mehr zeitgemäß wär.
Aber ich gebe zu, daß auch "werktreue Inszenierung" nicht die richtige Formulierung wäre.

Vielleicht wäre "korrekte Opernaufführung " die richtige Bezeichnung - aber leider hat ja die Bezeichnung "korrekt" in den letzten Jahren einen Bedeutungswandel erlitten (ja erlitten !!) wie die meisten Positivattribute der Vergangenheit. (Ehre, Treue, Vaterland, Elite, Nationalstolz, brav)

Die Geschichte soll so realisiert werden, wie es aus dem Libretto hervorgeht.

Es wird Leute geben, die da meinen, die Aufführung müsste unter den gleichen Rahmenbedingungen stattfinden wie zur Zeit der Entstehung. Ich verschliesse mich diesem Gedanken des "Opernmuseums" nicht völlig -er mag in Einzelfällen auf seine Weise reizvoll sein - jedoch ungleich wirksamer ist es, das Libetto der Vergangenheit mit heutigen Mitteln zu realisieren.
Hexenspuk und Feuerzauber, Erscheinungen, optische und akustische Effekte (z.b.Donner, Blitz, Regen, Sonnenuntergang etc etc) lassen sich heute viel überzeugender darstellen als vor 100 oder 200 Jahren....

Aber schon damals hat man sich - so die Geldmittel es erlaubten - um höchste Realitätstreue, bzw vorgetäuschte Realität bemüht. Im laufe der Jahre wurden die Methoden verfeinert, man vertand es selbst Phnatasiewelten so realistisch auf die Bühne zu zaubern, daß der oft unglaubwürdige Inhalt der Opern cachiert wurde und das Publikum suggestiv in den Bann der Handlung gezogen wurde.

Diese Grundhaltung ist eine zeitlose, wenngleich sich die Mittel der Realisierung naturgemäß ändern müssen. Heute wissen wir, wie ein Wikingerhelm NICHT ausgesehen hat - und es wäre jedem Ausstatter zu raten nicht die "klassische Form" (Hörnerhelm) zu wählen, die Richard Wagners Bühnenbildner Ende des 19. Jahrhunderts kreierte - so wirkungsvoll, daß dieser Helm bis heute von vielen für "authentisch" betrachtet wird) - es sei denn, wenn er damit Lachsalven des informierten Publikums auslösen möchte - ein durchaus vorstellbarer Vorgang in der heutigen Zeit...
Die Wikinger benutzen nämlich den Sogenannten Vendelhelm oder Brillenhelm - der schon ein wenig anders - wenngleich nicht so bühnenwirksam aussah.

Ich bin also eher ein Anhänger des "Korrekten Operntheaters" - wobei die Effekte auf die Spitze getrieben werden dürfen - damit die Geschichte einigermaßen glaubwürdig rüberkommt...

mfg aus Wien

Alfred

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Wolfram

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Montag, 27. Februar 2012, 13:01

Aber schon damals hat man sich - so die Geldmittel es erlaubten - um höchste Realitätstreue, bzw vorgetäuschte Realität bemüht. Im laufe der Jahre wurden die Methoden verfeinert, man vertand es selbst Phnatasiewelten so realistisch auf die Bühne zu zaubern, daß der oft unglaubwürdige Inhalt der Opern cachiert wurde und das Publikum suggestiv in den Bann der Handlung gezogen wurde.

Na, da hat der Film "Avatar" doch die Maßstäbe gesetzt - das wäre ein völlig neues Feld für den Opernfilm!

:hello:
Viele Grüße, Wolfram

Alfred_Schmidt

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114

Montag, 27. Februar 2012, 13:12

Zitat

Na, da hat der Film "Avatar" doch die Maßstäbe gesetzt - das wäre ein völlig neues Feld für den Opernfilm!


Nicht nur. Sehen wir uns die amerikanischen Historienschinken der sechziger Jahre mal an. Heute mögen sie kitschig und unglaubwürdig wirken - als sie gemacht wurden -lockten sie ein Massenpublikum in die Kinos. Und genau solchen Filmen mussten sich Operninszenierungen stellen. - Und sie taten es mit Erfolg.

Oper im Film ?
Ich weiss nicht - oder anders gesagt - ich mag sie nicht.
Oper benötigt eine Opernbühne- ein Opernhaus.
Selbst Freilichtaufführungen stehe ich eher reserviert gegenüber.
Die Kunst, eine Oper glaubwürdig zum Leben zu erwecken besteht meiner Meinung nach gerade darin, dies mit den beschränkten Mitteln einer Opernbühne zu tun - und dabei vergessen zu machen, daß es sich NUR um eine Opernbühne handelt.....

Eigenartigerweise empfinde ich bei Opernfilmen an "Originalschauplätzen" im Freien - die Handlung noch unglaubwürdiger und hölzerner, als sie es meist ohnehin schon ist......

mfg aus Wien

Alfred

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Montag, 27. Februar 2012, 15:57

Na, da hat der Film "Avatar" doch die Maßstäbe gesetzt - das wäre ein völlig neues Feld für den Opernfilm
Wieso nur Film? Für ein Bühnenbild wäre da sicher auch einiges machbar, und warum auch nicht, solange die Ausführenden noch echt sind.
Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

La Roche

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Dienstag, 28. Februar 2012, 13:49

Amfortas 08

Als Neuer im Tamino habe ich etliche Stunden mit dem Studium der Diskussion über "konservative Opernaufführungen" verbracht.

Mir ist eines aufgefallen. Nur einer - Amfortas 08 - verteidigt vehement die Verfremdungen des Regietheaters. Sein gutes Recht. Aber fast alle anderen Diskussionsteilnehmer können dieser Art des Theaters nichts abgewinnen. Ich habe sie nicht gezählt. Aber wenn es nur sagen wir mal - 48 sind, dann verkörpert Amfortas 08 nur 4 % eines doch recht repräsentativen Querschnitts. Das könnte auch bei den Opernbesuchern so sein. Nur wo gibt es 4 % Regietheateraufführungen und 96 % konservatives = klassisches Theater? Die Wiener und die Münchener, vielleicht auch die Berliner (zumindest wenn Domingo eine Gastrolle gibt) haben noch einige Aufführungen, deren Besuch Freude bereitet. Aber schon in Dresden, und noch mehr in der Provinz ist das Verhältnis eher umgekehrt.

Deshalb bin ich froh, daß es Leute wie bei Tamino gibt, denen das genauso wie mir mißfällt. Nur haben wir leider wenig Einfluß. Die Presse ist einseitig für krankhafte Deutungen. Zum Glück gibt es die Möglichkeit, mit den Füßen abzustimmen. In leipzig hat eine Auslastung unter 50 % dankenswerterweise dazu geführ, daß Konwitschny weggeekelt wurde. Schirmer als GMD und Intendant will Oper auch wieder für "Lieschen Müller" machen. Von Leipzig gingen schon einmal Signale aus! Hoffentlich auch in dieser Angelegenheit.
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer


farinelli

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Dienstag, 28. Februar 2012, 14:06

In deinem Eifer sind dir meine bescheidenen Beiträge in den einschlägigen Threads gewiß entgangen. Überdies mußt du aber die Anzahl der Beiträge durch ihr inneres Gewicht dividieren, dann kommst du auf andere statistische Werte.

Die Presse ist einseitig für krankhafte Deutungen

... - Das ist eine Sprache, die ich vermeiden möchte.

Dann tu es auch! Und bitte keine persönlich gerichtete Bemerkungen!

Theophilus


:hello:
Zerging in Dunst das heilge römsche Reich

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Donnerstag, 1. März 2012, 17:20

Ich bin also eher ein Anhänger des "Korrekten Operntheaters" - wobei die Effekte auf die Spitze getrieben werden dürfen - damit die Geschichte einigermaßen glaubwürdig rüberkommt..

Da mußte also Alfred zwischen konservativ, werktreu und korrekt sich entscheiden und beleuchtet damit ein sprachliches Dilemma.

Wie will man sich allen verständlich machen ohne einen allgemein akzeptierten Begriffsapparat?

Da greife ich eben zur deskriptiven Methode, vor allem, weil dann sicher auch die Anzahl der Kontrahenten (im positiven Sinne) wächst.

Eine konservative Opernaufführung bedeute für mich, dass ein für mich alles entscheidendes Kriterium des Regietheaters entfällt,
nämlich das der Ablenkung von der Musik,
außer der reinen Verfälschung natürlich, aber dann ist es eben eine andere Oper.

Somit ist die Auffassung eines Regisseurs, den mancher als, wenn auch gemäßigten, Repräsentanten des Regietheaters ansieht
in meine Augen doch eher werkgetreu.

Ich denke da an Nikolaus Lehnhoff.

Konkret spreche ich von seiner Elektra mit Iréne Theorin und Waltraud Meier.

Wenn mir die aufdringlichen Nahaufnahmen des Ponnelle-Rigoletto missfallen haben (übrigens meine einziger Einwand, den ich je gegen eine
Ponnelle-Inszenierung hatte),

so finde ich sie hier unentbehrlich.

Zu diesem Urteil tragen vor allem die außerordentlichen Schauspieler-Qualitäten der Protagonisten bei.

Die Hilflosigkeit Klytämnestras, die eiskalte Verachtung und der bornierte Fanatismus Elektras spiegeln sich so eindrucksvoll
in deren Gesichter wider,

dass man sich fragt, ob hier nicht die Sänger von professionellen Schauspielern dargestellt werden.
Das ist natürlich nicht der Fall.

Überzeugend auch die vergeblichen Versuche der ´kleinbürgerlichen´Chrysothemis
ihrer Schwester eine andere Welt zu öffnen.


Eine ganz persönliche Reflexion: Mir schien sie dem Paulinchen im Struwelpeter ähnlich.


Diese Aufnahme gibt es auf DVD in bestechender Bild- und Tonqualität.

Für mich ist sie nicht weniger werkgetreu als Karl Böhms Filmversion, wenn auch
weniger konservativ.


Hm, sind doch verschiedene Begriffe?


Eine kleine, boshafte Bemerkung an den Wagnerfreund in mir:

Hans Sachs hätte sich sicher darüber gewundert, wie schön ein Italiener (Daniele Gatti) Strauss dirigieren kann.


9079wolfgang

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119

Samstag, 28. April 2012, 18:37

Zitat

Von rodolfo39:
Genau das ist es was ich schon seit Jahren kritisiere: Das die Intendanten nur auf den Premieren Skandal aus sind und in der Zeitung sein wollen, damit dann wenigsten die nächsten Vorstellungen gut besucht sind, aber das so eine Aufführung in manchen Häusern bis zu 10 mal pro Spielzeit aufgeführt wird, und das sich eine Oper nicht nur mit Abonnenten füllt, daran denken die Intendanten nicht.

Ein neues Beispiel:

Im gestrigen Kölner "Express" wurde über eine neu ausgegrabene Oper von E.T.A. Hoffmann berichtet. "Der Trank der Unsterblichkeit" wird im Erfurter Theater heute Abend uraufgeführt. Als "besonderer Leckerbissen" wird hier auf nackte oder halbnackte Sänger- und Sängerinnen auf einem Foto hingewiesen: "Spärlich bekleidet steht eine Sängerin vor einem opulent beladenen Speisetisch. Diese Aufnahme macht Appetit auf die Oper. Sie verspricht ein Hörgenuss (und ein Augenschmaus) zu werden." Wenn ich es recht verstehe, scheint die Musik hier nur zweitrangig zu sein. Der Trend hin zur Fleischbeschau scheint sich immer weiter fortzusetzen.
W.S.

Gerhard Wischniewski

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120

Samstag, 28. April 2012, 22:41

Lieber Wolfgang,

was ist von einem Boulevardblatt auch anderes zu erwarten? Diese "Bild dir meine Meinung" -Blätter, und da ist Express keine Ausnahme, tragen doch hauptsächlich dazu bei, dass unsere Gesellschaft immer mehr auf die seichte und schlüpfrige Ebene gelenkt wird, und solche Opernhäuser gleiten auch immer mehr dahin ab, für den Pöbel inszenieren zu wollen.

Liebe Grüße
Gerhard
Ich mache dringend darauf aufmerksam, dass die szenischen Vorschriften, wie sie in der Partitur mit großer Genauigkeit angegeben sind, mit skrupulöser Treue befolgt werden.
(Wagner in einem Brief zu seinem "Tannhäuser" an Stocks 1841)