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William B.A.

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31

Montag, 6. März 2017, 15:30

80. Geburtstag

Ich möchte auch hier auf den heutigen 80. Geburtstag Siegfried Vogels aufmerksam machen, an den ich hier erinnert habe:

Erinnerungen an verstorbene und Geburtstags-Glückwünsche an lebende Musiker

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

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32

Montag, 6. März 2017, 18:42

Heute, am 80. Geburtstag meines live erlebten Lieblingsopernsängers (mehr als 250 Live-Erlebnisse in Rolle wie Komtur, Don Alfonso, Sarastro, Rocco, Kaspar, Colonna, Daland, Landgraf, König Heinrich, König Marke, Hans Sachs, Veit Pogner, Fafner in "Rheingold" und "Walküre", Hunding (1. Akt) und Gurnemanz, die vier Bösewichte in "Hoffmanns Erzählungen", Kezal, Zar Saltan, Baron Ochs auf Lerchenau, Graf Waldner, Sir Morosus, La Roche und Totenrichter in "Lukullus" sowie in etwa zehn weiteren Rollen, die ich jetzt nicht alle aufzähle) kam per Mail eines Online-Aufnahme-Anbieters, bei dem ich über eine Drittperson (ich selbst tue mich mit Online-Geschäften schwer, muss ich gestehen) bereits einmal eine schöne Aufnahme erworben habe, eine Liste von "Neuigkeiten", die eine Aufnahme enthielt, die ich seit etwa 20 Jahren suche: Siegfried Vogel in seinen besten Jahren als Hans Sachs, komplett, 1985 in Toronto.

https://wagnerdisco.net/audio/die-meiste…-otvos-toronto/

Ich habe gleich meinen guten Freund gebeten, mir diese runterzuladen, die 5 Dollar, die das kostet, gebe ich ihm gerne wieder, muss ich aber wahrscheinlich nicht mal...
Jetzt freue ich mich schon wie ein kleines Kind darauf, diese Aufnahme zu hören. :rolleyes:

Beim Deutschen Rundfunkarchiv habe ich inzwischen auch alles zu ihm (vor-) recherchiert und auch einige Aufnahmen bestellt, darunter zwei Mal Wotans Abschied aus dem 3. Akt "Die Walküre", aber die sind leider noch nicht eingetroffen.

Ende Feburar war ich zwei tage lang im Historischen Archiv der Semperoper Dresden und habe dort alle Besetzungezettel von zumindest sechs Inszenierungen eingesehen, in denen Vogel ab und an oder sogar regelmäßig gastiert hat. Ich habe diese alle noch gesehen, auch mit ihm. Schöne Erinnerungen wurden dort geweckt.

Den Rocco in der legendären Mielitz-Inszenierung des "Fidelio", wo pünktlich zum 40. Jahrestag der DDR Mauer und Stacheldraht auf die Bühne kamen, sang Vogel 28x, den Daland in Wolfgang Wagners "Holländer"-Inszenierung 8x, den König Heinrich im Mielitz-"Lohengrin" 10x, in der aus Bayreuth nach Dresden übertragenen "Meistersinger"-Inszenierung Wolfgang Wagners sang er 6x den Hans Sachs und 6x den Veit Pogner, in Theo Adams "Parsifal"-Inszenierung war er 1988 die Premierenbesetzung des Gurnemanz und sang diese Rolle in Dresden bis 1994 insgesamt 10x. Den Baron Ochs auf Lerchenau im "Rosenkavalier" in der Semperoper-Inszenierung von Joachim Herz sang Vogel sogar 17x.

Andere Inszenierungen wie "Arabella"-Hollmann, "Die schweigsame Frau"-Marelli, "Capriccio"-Marelli, "Tristan"-Marelli, "Tannhäuser"-Konwitschny, "Die verkaufte Braut"-Konwitschny, "Così fan tutte"-Albrecht oder "Die Soldaten"-Decker konnte ich in den zwei Tagen leider nicht auch noch auswerten, aber das habe ich alles mit ihm gesehen. :)

Herzlichen Glückwunsch zum 80., lieber Herr Vogel, und noch viele frohe und gesunde Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre! :jubel:
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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33

Montag, 6. März 2017, 18:58

Siegfried Vogel als Händel-Sänger

Händel sang Vogel auf der Opernbühne eher selten, Händel und Bach im Konzertsaal in jungen Jahren ab und an, später selten. Und wenn um 1980 doch nochmal ein Auslandsangebot für eine "Matthäus"-Passion kam, besuchte er vorher seinen Freund und Ensemblekollegen Siegfried Lorenz, den er als Bach-Spezialisten sehr schätzte, und ging mit ihm (am Flügel und quasi als Lehrer) die Partie durch, bevor er losfuhr, wie er mir einmal sagte.

An der Berliner Staatsoper sang er in Händels "Julius Cäsar" Cäsars Antipoden Ptolemäus - damals war es noch selbstverständlich, die ehemaligen Kastratenpartien nach unten zu oktavieren und von Bassisten singen zu lassen, während heute fast überall Countertenöre diese Rollen übernommen haben. Die Titelpartie sang an der Staatsoper Berlin kein Geringerer als Theo Adam.
1970 war die Premiere, 1980 gastierte die Produktion in Japan und wurde in der Berlin noch ein oder zwei Jahre weitergespielt. Eine Fernsehaufzeichnung der Inszenierung von Erhard Fischer unter der musikalischen Leitung von Peter Schreier erfolgte 1978.



Noch faszinierender als die Arien (z.B. ab 22:15 oder ab 1:29:35) finde ich sein kurzes Arioso ab 1:21:47, wo seine optische und stimmliche "Verführungskunst" wunderbar erlebbar wird. Man hört die "Sonne", die er in der Stimme hatte (für einen Bass wenig schwer, grob und körnig, sondern eher jung, hell und frisch im Klang), und man sieht, wie der Frauenheld, dem die Damen scharenweise zu Füßen fielen sich quasi selbst spielt. :D
Wenn man beim Schlusspplaus in der Fernsehaufzeichnung der "Meistersinger" den großen stattlichen Vogel direkt neben dem deutlich kleineren Adam stehen sieht, hant man, warum...
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34

Montag, 6. März 2017, 19:34

Siegfried Vogel als Mozart-Sänger

Mit Mozart machte sich der junge Siegfried Vogel einen Namen und schaffte mit Mozart den Sprung von der Staatsoper Dresden an die Deutsche Staatsoper Berlin. Er folgte dabei seinem Dresdner Generalmusikdirektor Otmar Suitner, der bereits zur Spielzeit 1964/65 von Dresden nach Berlin wechselte und an der Lindenoper nicht auf die Dienste des ihm aus Dresden gut bekannten jungen Bassisten Siegfried Vogel verzichten wollte.
In einem Interview mit der Opernzeitschrift "Orpheus" hat Vogel Anfang der 1990er Jahre (1991?) berichtet, wie es dazu kam: Suitner wollte im Apollo-Saal eine "Così fan tutte" in Originalsprache herausbringen, was damals in der DDR absolut unüblich war. In Dresden hatte Vogel auch schon unter ihm den Alfonso gesungen. In Berlin war die Premiere natürlich Theo Adam vorbehalten, aber dieser hatte nur wenig Zeit und so sang von zehn Vorstellungen dann immer Adam in etwa zwei und Vogel in etwa acht. Das ging mehr als 20 Jahre lang so, zudem gastierte diese Produktion in vielen Ländern. Seine Debütrolle im Februar 1965 war ebenfalls eine Mozart-Rolle: der Leporello im "Don Giovanni". Figaro, Leporello, Don Alfonso und Sarastro - war waren über Jahre seine wichtigsten Rollen, noch bevor er sich die großen Wagner- und Strauss-Rollen eroberte.

Den Leporello sang Vogel in Berlin ebenso wie den Don Alfonso mal in deutscher und mal in italienischer Sprache. Noch im Alter gedachte er immer rührend der damaligen italienischen Sprachtrainerin an der Deutschen Staatsoper Berlin: Isolde Ranft. Er tat sich mit dem Italienischen auch leichter als sein berühmter Kollege Theo Adam, er war freilich auch noch 9 Jahre jünger, als die Originalsprachlichkeit von Suitner (bei einigen Stücken) an der Staatsoper Berlin eingeführt wurde.

Hier kann man seinen Leporello komplett in Originalsprache beim Japan-Gastspiel der Berliner Staatsoper im Jahre 1977 hören und sehen (leider ist die Tonqualität nicht so rosig und auch das Bild ist eher mäßig):



In dieser schon kürzlich von "Chrissy" in einer anderen Rubrik vorgestellten DEFA-verfilmten "Gala Unter den Linden" singt Vogel die Register-Arie des Leporello hingegen in deutscher Sprache, auch in der nachfolgenden Fernsehsendung:



Diese "sonnige", genüsslich-hintersinnige Register-Arie (ab 0:57:48) ist für mich einer der absoluten Höhepunkte dieser an Höhepunkten nun wirklich nicht armen Gala!
Ud hier gabs vor der Register-Arie noch ein kleines Interview (ab 0:03:45)



Der Sarastro war Vogels häufigste Rolle an der Deutschen Staatsoper Berlin. Ihn sang er zwischen 1965 und 2001weit mehr als 100 Mal (bis 1994 schon 113x, und dann kamen noch so einige). Seine zweithäufigste Rolle an der Staatsoper Berlin war der Figaro mit 84 Vorstellungen, an dritter stelle folgt der Ochs mit 74 Vorstellungen, auf Platz 4 folgt Don Alfonso mit 73 Vorstellungen und auf Platz 5 der Rossini-Basilio mit 68 Vorstellungen. Den Leporello (nur auf Platz 11) sang Vogel 38x, zudem auch 13x den Don Giovanni. An der Staatsoper sang Vogel auch den Dr. Bartolo im Apollo-Saal-"Figaro" (und parallel dazu den Figaro selbst sowohl im großen Haus als auch im Apollo-Saal) und den Publius in "Titus". An der Komischen Oper Berlin übernahm er in den 1990er Jahren den Komtur. Den Osmin hat er hingegen nie gesungen, obwohl man das fälschlicherweise immer wieder liest.

Keine Rolle sag Vogel öfter und länger als den Sarastro: mindestens seit 1965 und bis 2001, das sind stolze 36 Jahre! Eigentlich war seine Stimme für die Rolle nur bedingt geeignet, war ja anfangs ein äußerst agiler und flexibler Spiel-Bass, der locker auch hätte den Papageno singen können, aber seine Größe und Autorität auf der Bühne machten ihn zum Sarastro: obwohl er nicht die stimmliche Schwärze und die Tiefen hatte wie etwa sein Ensemblekollege Fritz Hübner. Das hört man beim aufgezeichneten Japan-Gastspiel 1980 auch:





Als die Staatsoper Berlin zehn Jahre später wieder mit der "Zauberflöte" in Japan gastierte, war Hübner die Erstbesetzung und Vogel nur die Zweitbesetzung für den Sarastro (freilich sang Vogel bei diesem ausgedehnten Japan-Gastspiel neben dem Sarastro auch Kaspar, König Marke und Ochs, wärehd Hübner neben dem Sarastro nur noch den Eremiten sang). In den Neunziger Jahren reifte Vogels Stimme freilich noch und dunkelte nach, er bekam damals erst die Tiefe, die ihm vorher etwas gefehlt hatte: Ich habe um 2000 noch einige grandiose Sarastros von ihm in der Everding-Inszenierung erlebt. Bereits in der Münchner Everding-Inszenierung war Vogel Ende der 1970er Jahre die Premierenbesetzung für den Sarastro. Theo Adam war der Sprecher und Kurt Böhme der eine Priester - quasi drei Dresdner Bässe gleichzeitig in München.
Auch an der Wiener Staatsoper gastierte Vogel als Sarastro, die eigentlichen Gastspiel-Triumphe feierte er hedoch als Wagner- und Strauss-Sänger, denn Rollen wie Figaro oder Leporello werden doch häufig aus dem eigenen Ensemble besetzt, zumindest war das damals noch so.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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William B.A.

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35

Montag, 6. März 2017, 20:03

Lieber Stimmenliebhaber, endlich erfahre ich mal eine Reaktion auf eine Verlinkung mit dem Erinnerungs- und Geburtstagsthread, und dann gleich eine so kompetente und gründliche, aber es hätte mich in diesem speziellen Fall auch gewundert, wenn diese Reaktion nicht erfolgt wäre. ;)

Liebe Grüße

Willi :)
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Stimmenliebhaber

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36

Montag, 6. März 2017, 20:15

Danke für die Blumen, lieber Willi, aber für eine Fortsetzung bin ich durch die traurige Nachricht vom Ableben des wunderbaren Sängers Kurt Moll jetzt nicht in Stimmung. :(
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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operus

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37

Montag, 6. März 2017, 22:22

Auch wir werden Siegfried Vogel, der mehrmals geschätzter Gast bei unseren Künstlertreffen war, noch gebührend gratulieren. Ich hatte aus der Presse fälschlicher Weise den 8. Mai notiert. Nur auf Tamino und Euch kann man sich wirklich verlassen. Obwohl heute Trauer angesagt ist, da bekannt wurde, dass Vogels großer Kollege Kurt Moll gestern mit fast 79 Jahren verstorben ist.

Herzlichst
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9079wolfgang

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38

Montag, 6. März 2017, 23:37

Von mir auch die allerherzlichaten Glückwünsche zum 80. Geburtstag. Durch ein bekanntes Tamino-Mitglied bin ich zusätzlich zu meinen schon im Besitz befindlichen Aufnahmen mit Siegfried Vogel noch bereichert worden. Da werde ich nun Einiges von ihm in den nächsten Tagen anhören.

Alles Gute und weiterhin beste Gesundheit!
W.S.

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39

Dienstag, 7. März 2017, 00:22

Auch wir werden Siegfried Vogel, der mehrmals geschätzter Gast bei unseren Künstlertreffen war, noch gebührend gratulieren. Ich hatte aus der Presse fälschlicher Weise den 8. Mai notiert. Nur auf Tamino und Euch kann man sich wirklich verlassen. Obwohl heute Trauer angesagt ist, da bekannt wurde, dass Vogels großer Kollege Kurt Moll gestern mit fast 79 Jahren verstorben ist.

Herzlichst
Operus
Vogel und Moll haben an der Deutschen Staatsoper Berlin ja auch gemeinsam auf der Bühne gestanden oder in Rollen alterniert. Seit 1965 hat Vogel an der Berliner Staatsoper den Sarastro gesungen, aber um 1970 hat auch Kurt Moll vielfach an der Berliner Staatsoper den Sarastro gesungen - und Vogel sang in diesen Aufführungen den Sprecher (vielleicht auch als Sicherheit, weil man nie ganz sicher sein konnte, dass Moll auch unbeschadet durch die Grenzkontrollen kam). Dass die mehr als 10x der Fall war, kann man in meinem bei TAMINO eingestellten Besetzungsarchiv der Deutschen Staatsoper Berlin rekonstruieren.
Beim Moskau-Gastspiel 1969 muss Kurt Moll auch mit Vogel als Pogner alterniert haben, einen anderen Grund dass er beim Gastspiel dabei war, kann es eigentlich nicht geben. Hier war Vogel 1968 die Premierenbesetzung. Bei der zweiten Wagner-Premiere am Haus im Jahr 1968 war Kurt Moll die Premierenbesetzung als Daland, Vogel sang ihm ab 1969 nach. Ähnlich war es beim Kaspar, wo Kurt Moll 1970 in der umstrittenen Berghaus-Inszenierung des "Freischütz" als Premierenbesetzung den Kaspar sang. Vogel übernahm im Folgejahr. 1972 gab es an der Staatsoper eine Premiere "Boris Godunow" mit Kurt Moll in der Titelpartie, Fritz Hübner als Pimen und Siegfried Vogel als Rangoni - was für ein Bass-Fest! :rolleyes:
Siegfried Vogel hat Kurt Moll gekannt, geschätzt und gemocht, noch vor zwei Jahren hat er mir gegenüber voller Hochachtung von ihm gesprochen. Die Nachricht vom Tod des großen Fachkollegen hat ihm seinen heutigen 80. Geburtstag ganz sicherlich getrübt.
Ehrlich gesagt bin ich in meinen ersten Operngängerjahren überhaupt nur in "Rosenkavalier"-Aufführungen gegangen, in denen entweder Siegfried Vogel oder Kurt Moll den Ochs sangen. Moll hatte die größere Röhre, die schwärzere Stimme, die beeindruckendere Tiefe, aber Vogel war der größere Gestalter, hat der Partie unglaublich viele Facetten entlockt, hatte ein herrlich kopfiges Piano-"Heu" und bleibt der Partie auch sonst sängerisch nichts schuldig, in der Gestaltung war es ein Feuerwerk an Esprit, wie ich es so nie wieder erlebt habe. Nachdem Moll und Vogel die Rolle aus Altergründen abgelegt hatten, habe ich dann doch noch 2-3- andere namhafte Rollenvertreter als Ochs erlebt - und war enttäuscht...
Vogel hat bei seinen Interpretationen nicht nur Wert auf die Töne, sondern vor allem auch auf eine ausgefeilte sprachliche Gestaltung der Partien gelegt, was bei Parlandopartien wie Ochs, Morosus oder La Roche natürlich Gold wert ist, weil man da mit reinem Tönen nicht sehr weit kommt und nicht genügend in den Rollen-Kosmos eindringt.

Hier kann man Siegfried Vogel als Ochs hören:







Und hier seinen Berliner Morosus, den er auch an der Wiener Staatsoper sang, und zwar als Premierenbesetzung an der Seite von Edita Gruberova. Später sang er die Rolle auch noch an der Semperoper Dresden.



Und hier noch sein letzter La Roche, 2004 in Edinburgh, mit 67! neben Leuten wie Jonas Kaufmann, Christopher Maltman, Soile Isokoski und Anne-Sophie von Otter - und dennoch war er das Zentrum der (konzertanten) Aufführung, zumindest der Szenen, an denen er beteiligt war:



Nun ist aus diesem Beitrag, der eigentlich "Siegfried Vogel und Kurt Moll" heißt, auch noch ein Beitrag "Siegfried Vogel und Richard Strauss" geworden.
Den nun eigentlich noch notwendigen Beitrag "Siegfried Vogel und Richard Wagner" liefere ich vielleicht nochmal nach...
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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40

Dienstag, 7. März 2017, 22:32

Siegfried Vogel in seinen besten Jahren als Hans Sachs, komplett, 1985 in Toronto.

https://wagnerdisco.net/audio/die-meiste…-otvos-toronto/

Ich habe gleich meinen guten Freund gebeten, mir diese runterzuladen, die 5 Dollar, die das kostet, gebe ich ihm gerne wieder, muss ich aber wahrscheinlich nicht mal...
Jetzt freue ich mich schon wie ein kleines Kind darauf, diese Aufnahme zu hören. :rolleyes:
Jetzt habe ich die Aufnahme und höre, beginnend mit dem 2. Akt. Sehr gute technische Qualität, der Beginn des 2. Akt ist auch musikalisch überzeugend. Kurz nach Beginn des 2. Aktes fingen die Leute plötzlich an zu klatschen, da ging vermutlich der Vorhang auf und offenbarte ein schönes Bühnenbild. :rolleyes:

Toller Flieder-Monolog! :)
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41

Dienstag, 7. März 2017, 23:02

Den Mut meinen Lieblingssänger so herauszustellen, wie Du es bei dem auch von mir sehr geschätzten Siegfried Vogel machst, habe ich nicht. Wir wollten bei der Gottlob-Frick-Gesellschaft nie einen Personenkult, sondern an alle Sängergrößen erinnern. Ich galube das ist unser Erfolg und Grundlage meiner freundschaflichen Beziehungen zu Moll, Salminen, Edelmann, Groissböck usw. Manchmal ist weniger mehr!
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42

Dienstag, 7. März 2017, 23:12

Hier ist ein wichtiger Sänger 80 geworden und ich habe ihn genauso umfangreich gewürdigt, wie ich es auch schon in anderen Fällen (z.B. Eva-Maria Bundschuh, Magdalena Hajossyova, Klaus König, Siegfried Lorenz u.a.) gemacht habe. Mit "Personenkult" hat das gar ichts zu tun, den könnt ihr in Ölbronn nun wirklich besser...
Und ich werde ich demnächst auch wissen lassen, wenn ich der Meinung sein sollte, dass bei dir weniger mitunter mehr wäre... :no:
(Bei deinem letzten Beitrag bin ich zum Beispiel ganz entschieden dieser Meinung!)
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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43

Dienstag, 7. März 2017, 23:35

Lieber Stimmenliebhaber,
warum so empfindlich. Darf ich daran erinnern, dass ich es war, der aus Überzeugung den Thread für Siegfried Vogel gestartet hat. Ich schreibe Dir gerade, dass wir bei der Gottlob-Frick-Gesellschaft Personenkult wie der Teufel das Weihwasser scheuen und prompt unterstellst Du uns, dass wir das besser könnten als Du.. :no: Ich habe gerade einen Nachruf für Kurt Moll geschrieben und bin dadurch in einer nachdenklichen Stimmung, Wenn Du diesen Artikel im Neuen Merker Wien lesen wirst, spürst Du vielleicht, dass ich bei jedem Wort überlegte und abgewogen habe, das ja keine Wertung der beiden von mir verehrten Künstlerpersönlichkeiten entstehen könnte, zumal beide ja auch unterschiedliche Stimmcharaktere waren.

So und nun gehe ich schlafen, wünsche Dir ebenfalls eine gute Nacht und morgen vielleicht ein wenig Nachdenken über die Botschaft, die ich Dir geben wollte. :hello:
Herzlichst
Operus


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44

Dienstag, 7. März 2017, 23:38

"Operus", weder in fetter noch in normaler Schrift lasse ich mich hier von dir oder sonstwem maßregeln und mir vorschreiben, wie viel ich zu welchem Sänger schreibe!
Ich habe dir nie vorgeschrieben, wie viel du hier zu welchem Sänger schreibst - wie käme ich dazu??? Und wie kommst du nun umgekehrt dazu??? Und das Wort "Personenkult" hast du hier in den Ring geworfen, darüber solltest du vielleicht mal bis morgen nachdenken!

P.S.: Dabei habt ihr in Ölbronn nun wirklich die weit bessere Infrastruktur und Personaldecke, an die Sänger zu erinnern, als ich das als Einzelkämpfer hier und anderswo könnte. Aber den 80. Geburtstag von Siegfried Vogel zu vergessen bzw. auf den 8. Mai zu verlegen, war nicht unbedingt ein Ruhmesblatt...
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45

Mittwoch, 8. März 2017, 07:25

"Operus", weder in fetter noch in normaler Schrift lasse ich mich hier von dir oder sonstwem maßregeln und mir vorschreiben, wie viel ich zu welchem Sänger schreibe!
Ich habe dir nie vorgeschrieben, wie viel du hier zu welchem Sänger schreibst - wie käme ich dazu??? Und wie kommst du nun umgekehrt dazu??? Und das Wort "Personenkult" hast du hier in den Ring geworfen, darüber solltest du vielleicht mal bis morgen nachdenken!

P.S.: Dabei habt ihr in Ölbronn nun wirklich die weit bessere Infrastruktur und Personaldecke, an die Sänger zu erinnern, als ich das als Einzelkämpfer hier und anderswo könnte. Aber den 80. Geburtstag von Siegfried Vogel zu vergessen bzw. auf den 8. Mai zu verlegen, war nicht unbedingt ein Ruhmesblatt...
Lieber iStimmenliebhaber,

nichts liegt mir ferner, als Dich zu maßregeln, dazu habe ich kein Recht. Ich äußerte lediglich eine Meinung. Bitte schreibe es auf 's Konto der Tamino-Freundschaft und wir beenden bitte diiese Diskussion. Du bist zu wertvoll für's Forum und ich habe schon zu viele Anregungen von Dir bekommen, deshalb sollte diese Beziehung sollte nicht durch eine Meinungsverschiedenheit getrübt werden.
Herzlichst
Operus
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46

Mittwoch, 8. März 2017, 08:35

Lieber "Operus",
vielen Dank für deine morgendliche Nachricht, die ganz meiner Meinung entspricht.
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47

Mittwoch, 8. März 2017, 10:22

Gestern habe ich noch den 2. und den 3. Akt gehört! Vogel ist wunderbar als Sachs: so leicht und locker mit jugendlicher Stimme singt er so Rolle so souverän und klangschön, wie ich es kaum je gehört habe.
Leider ist der 3. Akt mit gleich einigen Strichen versehen, was besonders den schwächelnden Stolzing betrifft.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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