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sagitt

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Beiträge: 2 569

Registrierungsdatum: 1. November 2004

1

Donnerstag, 9. Juni 2005, 07:47

Brahms: Trio für Klarinette, Violoncello & Klavier, op. 114

Sagitt meint:

Endlich komme ich dazu, eines mehr liebsten Kammermusikwerke vorzustellen. Das elegische Klarinettentrio von Brahms, 1890, entstand, also ein Spätwerk. Der sicher mindestens melancholische Herr Brahms hat für den Klarinettisten Mühlfeld ein Werk geschrieben und der Nachwelt hinterlassen, das jeden Vergleich mit anderen Werken bestehen kann,beginnend mit einem wunderbaren dunklen Aufgang des Cellos. Ich habe es beim ersten Hören gleich außerordentlich geschätzt. Vielleicht liegt dies an der großartigen Aufnahme, die ich besitze. Andras Schiff spielt Klavier,ein Friedrich Dolezal / Wiener helft mir, wer ist das ?) spielt sehr intensiv Cello, ein mir ebenso unbekannter Peter Schmidl die Klarinette ( Mitglieder der Wiener Philharmoniker ?). Die Aufnahme ist sehr sehr schön.

Vielleicht kommen andere Anregungen ?

Ich würde mich freuen

Caesar73

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Beiträge: 4 372

Registrierungsdatum: 22. März 2005

2

Donnerstag, 9. Juni 2005, 12:22

Da könnte ich noch empfehlen:



Ich besitze die Aufnahme selbst, gefällt mir außerordentlich gut. Fast noch lieber als das Trio sind mir die beiden Sonaten für Klarinette und Klavier- ob man jetzt diese Fassung mehr schätzt, oder Brahms´ Bearbeitung für Viola und Klavier ist Geschmacksfrage, ich ziehe jedenfalls die Urfassung vor!


Herzliche Grüße, :hello: :hello: :hello:

Christian
Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

Theophilus

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Beiträge: 10 823

Registrierungsdatum: 1. Dezember 2004

3

Donnerstag, 9. Juni 2005, 12:38

RE: Brahms op. 114

Hallo Sagittarius

Friedrich Dolezal: 1. Cellist der Wiener Philharmoniker. Spielte auch in verschiedenen Kammermusikformationen.

Peter Schmidl: 1. Klarinettist der Wiener Philharmoniker und auch weltberühmter Solist (hat mit Böhm, Bernstein und Previn Klarinettenkonzerte eingespielt). Spielt ebenfalls viel Kammermusik (auch einiges auf CD).

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

sagitt

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Beiträge: 2 569

Registrierungsdatum: 1. November 2004

4

Donnerstag, 9. Juni 2005, 15:51

RE: Brahms op. 114

Sagitt sagt Dank.

Ich ahnte, es würde Aufklärung geben.

Die Aufnahme, wenn man sie noch bekommen kann, ist sehr zu empfehlen.

Schöne Grüße aus Bremen

Carola

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Beiträge: 839

Registrierungsdatum: 25. Oktober 2005

5

Mittwoch, 30. Januar 2008, 20:55

Uwes Schwierigkeiten mit dem Klaviertrio Op. 101 veranlassten mich dazu, diese Doppel-CD mal wieder aus dem Regal zu ziehen:



Und siehe da, ich hatte doch glatt vergessen, dass es von Brahms ja auch ein sehr schönes Klarinettentrio gibt!

Im Harenberg las ich dann von einer Bearbeitung für Bratsche, Cello, Klavier, die Brahms selbst angefertigt hat. Kennt die jemand? Das würde ich gerne mal hören, auch, wenn ich mir kaum vorstellen kann, dass es besser klingt als die Version für Klarinette.

Die oben gezeigte Doppel-CD mit sämtlichen Trios von Brahms gibt es über den Amazon-Marktplatz recht günstig, ansonsten scheint sie vergriffen zu sein. Die Klarinette spielt hier George Pieterson.

Mit Gruß von Carola
Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen. (Astrid Lindgren)

6

Dienstag, 5. Februar 2008, 16:55

Zitat

Original von Carola
Im Harenberg las ich dann von einer Bearbeitung für Bratsche, Cello, Klavier, die Brahms selbst angefertigt hat. Kennt die jemand? Das würde ich gerne mal hören, auch, wenn ich mir kaum vorstellen kann, dass es besser klingt als die Version für Klarinette.


Liebe Carola,

das Klarinettentrio in der Fassung für Viola, Cello und Bratsche habe ich vor Jahren in einem Konzert gehört. Ich erinnere mich, dass ich gar nicht amüsiert war.

Der Reiz der Verbindung zwischen Klarinette und Cello - die beide Brahms ausgesprochen idiomatisch behandelt - geht davon aus, dass zwei Instrumentencharaktere, zwei Klangwelten aufeinander treffen. Ich empfinde es so, dass das Trio auch aus diesem Kontrast heraus lebt - der schlicht und einfach entfällt, wenn Cello und Bratsche ineinandergreifen - zumal die Tonumfänge von Cello und Bratsche in weitesten Bereichen zusammenfallen. Ich fand, das Trio hatte durch diese Besetzung wesentliche Anteile seines Reizes verloren.

Gleichwohl: Es gibt wohl Aufnahmen beispielsweise mit Vassily Lobanov, Klavier; Diemut Poppen, Viola; Dimitri Ferschtman, Cello, KAM CD 9504, die anscheinend über Lobanovs deutsche Internetseite bestellt werden kann,
oder mit Carmen Piazzini, Klavier, Vidor Nagy, Viola, Jürgen Gerlinger, Cello, HERA02119 (Klassikcenter Kassel):


Liebe Grüße, Ulrich

7

Sonntag, 17. Februar 2008, 19:22

RE: Brahms: Trio für Klarinette, Violoncello & Klavier, op. 114

Zu den sympathischen Zügen von Komponisten zähle ich die Offenheit, sich von anderen Menschen zu neuen Weren inspirieren zu lassen. Die sagenumwobene Muse mag eine solche vielleicht meist eher im Stillen wirkende Inspirationsquelle sein. Etwas „bodenständiger“ und eher öffentlich wahrnehmbar ist es dann aber, wenn beispielsweise ein/e außergewöhnliche/r InstrumentalistIn eine/n Komponistin/en veranlasst, gerade für sie/ihn und auf ihre/seine besonderen Fähigkeiten hin ausgerichtet zu komponieren. Die Zahl der Beispiele für eine solche wechselseitige Befruchtung ist Legion. Mstislav Rostropovich hat eine kaum überschaubare Vielzahl von Kompositionen auf sich gezogen. In jüngerer Zeit wäre Martin Fröst als eines von vielen Beispielen zu nennen, für den und dessen Technik Kalevi Aho 2005 sein Klarinettenkonzert schrieb.

Zu Brahms' Zeiten war es Richard Mühlfeld (1856-1907), der eine solche Magie auf den Komponisten ausübte. Mühlfeld war zunächst Geiger, seit 1879 Erster Klarinettist bei der Meininger Hofkapelle. Daneben wurde er später Erster Klarinettist des Bayreuther Festspielorchesters, ab 1890 war er Musikalischer Leiter des Meininger Hoftheaters. Er war gefragter Klavierlehrer, erfolgreicher Chorleiter, unterwies Sängerinnen und Sänger in seiner Atem- und Phrasierungstechnik – ein Hans Dampf in allen Gassen, und dabei ein Könner auf vielen Gebieten. Mit Richard, Cosima und Siegfried Wagner war er befreundet und pflegte seine Kontakte zu vielen Großkopfeten des politischen und Musiklebens, 1889 erhielt er die bayerische goldene Medaille für Wissenschaft und Kunst. Mühlfeld war also ein Mann, der zu Beginn der 90er Jahre, nicht zuletzt mit Übernahme der Hoftheaterleitung, voller Energie und Tatendrang seine musikalische Umwelt beflügelte.

Brahms hingegen schloss 1890 mit seinem zweiten Streichquintett op. 111 gerade offiziell sein Lebenswerk ab. Im Sommer 1889 hatte er – nach 15 Liedern opp. 105 bis 107 in 1886 – gerade die Überarbeitung seines ersten Klaviertrios op. 8 abgeschlossen, seine dritte Violinsonate op. 108 geschrieben. Dazwischen lagen noch die Deutschen Fest- und Gedenksprüche op. 109 für Doppelchor und die Motetten op. 110. Im Dezember 1890 schrieb er seinem Verleger Simrock dann, es gehe alles nicht mehr so leicht von der Hand, er glaube – nach den Mühen des zweiten Streichquintetts - „fertig“ zu sein, nach diesem Höhepunkt müsse alles weiteres unweigerlich abfallen. Brahms vernichtete Skizzen und unvollendete Manuskripte.

In dieser Endzeitstimmung wirkte Mühlfeld mit seinem Klarinettenton wie ein Katalysator auf Brahms. Vielleicht musste Brahms erst zu dieser Leere gelangen. Um die Klarinette als das Instrument wahrzunehmen, für das er noch etwas zu sagen hatte. Mühlfeld kennen gelernt hatte Brahms ja schon vor Jahren, da er seit 1881 jährlich mehrere Tage mit der Meininger Hofkapelle unter von Bülow, später unter Steinbach arbeitete. Mühlfeld blies die Soloklarinette also schon 1885 bei der Uraufführung von Brahms' vierter Sinfonie durch die Hofkapelle.

Als Brahms im März 1891 wieder in Meiningen war, machte der Dirigent Fritz Steinbach ihn ausdrücklich auf den Klarinettisten aufmerksam, und diesmal – nachdem alles andere von ihm abgefallen war – war Brahms' Ohr offen für die Klarinette. Er ließ sich vorspielen, immer wieder, Weber und vor allem Mozart, und befasste sich so mit den Möglichkeiten und Gegebenheiten der Klarinette. Der Katalysator wirkte, Brahms schrieb dieses wundervolle Klarinettentrio op. 114, das im November 1891 privat erst- und im Dezember des Jahres öffentlich uraufgeführt wurde. Für Mühlfeld sollten noch das Klarinettenquintett op. 115 ebenfalls im Sommer 1891 und die beiden Klarinettensonaten im Sommer 1894 folgen, op. 120 Nrn. 1 und 2. (Bemerkenswert an solchen persönlichen Inspirationen finde ich dann allerdings auch, welche Kreise sie ziehen können: Als Reger im Frühjahr 1900 eher zufällig Ohrenzeuge einer privaten Aufführung von Brahms' erster Klarinettensonate wurde, meinte er am Ende nur: „Schön, werde ich auch zwei solche Dinger schreiben!“, tat's und hatte seine beiden ersten Klarinettensonaten op. 49 drei Wochen später druckfertig gestellt.)

Wann immer man den Beginn des Spätwerks Brahms' ansetzen will, mit dem Klarinettentrio jedenfalls setzte eine Art großartiger Coda ein, die Werke für Klarinette stellen in eigentlicher Weise die Kern- und Abschlussphase dieses Spätwerkes dar. Nach den Sonaten op. 120 kommen noch die Vier Ernsten Gesänge op. 121 für Bassstimme und die elf Choralvorspiele op. 122 für Orgel – der elfte und letzte Choral auf „O Welt, ich muss Dich lassen“. Am 3. April 1897 verstirbt Brahms in Wien.

Diese Positionierung in Brahms' Leben lässt eine gewisse Ehrfurcht vor diesen Werken leicht nachvollziehen. Dabei scheinen die Interpreten gelegentlich zu vergessen, dass Brahms diese Werke gerade noch nicht aus dem Jenseits herüber und zurück gesandt hatte. Fast statisch können zum Beispiel erster und zweiter Satz dabei geraten, um hier der Musik nur keine womöglich ungebührliche Akzentuierung angedeihen zu lassen. Ein solcher heiliger Schrecken vor dem späten Brahms scheint auch Roland Pöntinen, Martin Fröst und Torleif Thedéen bei ihrer Einspielung für BIS (BIS-SACD-1353) gehemmt zu haben:



Wer bei diesen dreien in den ersten beiden Sätzen ehrfürchtig entschlummert, dem kann man es durchaus nachsehen. Dieses Trio mit dieser Aufnahme kennen zu lernen, kann den Ersthörer völlig überflüssige Mühen kosten, ihm einen gänzlich unentspannten Eindruck von dieser Musik vermitteln und ihm das Werk insgesamt verleiden. Für den dritten Satz können die Herren dann offenbar etwas mehr Interesse aufbringen und auch vermitteln, der lezte Satz fällt in seinem Spannungsgefüge wieder ab. Für mich ist diese Darbietung völlig unverständlich. (Fröst und Pöntinen spielen auf derselben CD die beiden Klarinettensonaten hochinteressant, mit brillianter Innenspannung, eine absolute Empfehlung; Fröst als Solist hat bereits diverse empfehlenswerte Aufnahmen vorgelegt; auch Thedéen habe ich mit guten Aufnahmen kennen gelernt.)

Deutlich günstiger hatten es für MDG Dabringhaus & Grimm die Herren Claudius Tanski, Dieter Klöcker und Christoph Henkel getroffen:



Eine gute Aufnahme, die durchaus interessant ist, in allen Sätzen mit angemessenem Spannungsbogen. Allein: es wirkt unterm Strich letztlich alles so altväterlich, und dabei hatte Brahms sich doch gerade erfrischen, katalysieren lassen von Mühlfeld, war aufgeblüht und schien noch einmal jung geworden zu sein. Davon bringen diese Herren so recht nichts herüber.

Sehr wohl tun dies Gerrit Zitterbart und Birgit Erichson vom Abegg-Trio zusammen mit Martin Spangenberg an der Klarinette auf ihrer 2007 bei Tacet (TACET 151) als Volume IV ihrer Gesamtaufnahme der Brahms'schen Klaviertrios erschienen Einspielung:



Brahms ist katalysiert, er steht so lebendig und lebensfroh vor uns, wie er sich damals wahrscheinlich mit Mühlfelds Künsten vor Augen und Ohren gefühlt hat, mit wiedererweckter Fähigkeit zu komponieren und mit dem entsprechenden Glauben versehen. Hier erstarren die Musiker nicht in Ehrfurcht und scheu vor dem Alterswerk. Es gelingt ihnen, den Funken überspringen zu lassen und den Hörer unmittelbar für diese Musik einzunehmen und zu begeistern. Weder machen sie Brahms älter als er damals war, noch vermeiden sie jegliche Gefühlsregung, Akzentuierung und Spannung, um bloß niemanden aufzuwecken.

Diese Aufnahme empfehle ich ohne jeden Vorbehalt.

Liebe Grüße, Ulrich

a.b.

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Beiträge: 881

Registrierungsdatum: 19. August 2006

8

Dienstag, 15. Mai 2012, 18:05

unglaublich lange hat hier niemand mehr etwas geschrieben....

Ich habe mich nun durch knapp 20 Aufnahmen durchgehört und einen eindeutigen Favoriten für mich gefunden:

Karl Leister, Georg Donderer, Christoph Eschenbach - DGG - 1967
Hier habe ich alles, was mir gefällt: Traumhaft schönes differenzerstes, abwechslungsreiches Klarinettenspiel, präsentes Klavier, mitreißende Dramatik, ohne die Lyrik oder atmende Ruhe zu vernachlässigen, tolle Durchgestaltung, auch viel Farbgestaltung, große stimmige, dynamische Kontraste und zu Herzen gehende Musikalität bei viel Lebendigkeit. Schon lange keinen Interpretationsvergleich gehört, wo ich so völlig eindeutig und weit vor den anderen einen Favoriten ausfindig machen konnte!

Leider derzeit nur in dieser 5-CD-Box erhältlich:


Ebenfalls für durchaus empfehlenswert befunden haben ich:
George Pieterson, Bernard Greenhouse, Menahem Pressler (Beaux Arts Trio) - Philips 1979
Antonio Tinelli, Giorgio Casati, Giuliano Mazzoccante - Phoenix , 2009
Arthur Campbell, Daniel Raclot , Jean-Pascal Meyer - Audite , 2005
Gruß ab

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Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
J. Locke