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BigBerlinBear

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1

Montag, 23. August 2004, 14:42

Mozarts Große Messe in c-moll - ein gewaltiger Torso

Nachdem Mozart im jahr 1781 aus dem Dienst des salzburger Erzbishcofs ausgeschieden war, schuf er, abgesehen von "Ave verum corpus" (1791) kein vollständiges liturgisches Werk mehr.
Mozart hatte von jeher die Absicht, geistliche Werke im sogenannetn "strengen" Kirchenstil zu schaffen, doch der persönliche Geschmack seines Salzburger Dienstherren stand diesem Wunsch entgegen...
Wenige Tage vor seinem Tode erreichte Mozart die Nachricht, daß er zum Kapellmeister an St. Stephan in Wien ernannt worden sei. Sein bitterer Kommentar dazu war :"Jetzt,nach dem ich eine Position übertragen bekommen habe, in der ich nach Belieben schreiben könnte und fühle, daß ich imstande wäre, Großes zu vollbringen, jetzt muss ich sterben...
Diese Messe ist, neben dem Requiem, die bedeutendste Kirchenkomposition des Meisters und zählt, trotz ihrer
Unvollendung, zu seinen vollkommensten Schöpfungen. Mozart hatte die Absicht, das Werk in Salzburg 1783 fertig zu stellen und aufzuführen. Ausserdem wollte er bei dieser Gelegenheit seine Frau Constanze Weber, die er im Jahr vorher geheiratet hatte,
seinem Vater Leopold, der gegen diese Verbindung war, vorstellen. Beides mislang: Leopold Mozart schnitt die Frau seines Sohnes weiter und Mozart sah sich wahrscheinloch aufgrund der dadurch entstandenen Spannungen nicht mehr in der Lage, die Komposition zu vollenden. In welcher Form dann das Werk am 25. 08. 1783 in der Salzburger Peterskirche erklang ist nicht mehr rekonstruierbar,aber das Constanze eine hervorragende Sängerin gewesen sein muss, steht anhand der exorbitanten Schwierigkeiten der Sopran-Partien ausser Frage. Stilistisch ist die Messe ein Werk voller Kontraste:
Das ausführliche Studium der Werke Bachs und Händels ist allgegenwärtig; im doppelchörigen "Qui tollis" wird das berühmte
"Crucifixus" des Venezianers Antonio Lotti zitiert, das kein Geringerer als Bach für würdig befand, es von eigener Hand abzuschreiben... An anderen Stellen werden Hasse und die Meister der Neapolitanischen Schule (Hasse,Pergolesi, Leo) angerufen, aber aufgrund seiner starken Kontraste und einem aus´drucksvollem Helldunkel in der Gesamtanlage, ist das Werk reifster, unverwechselbarer Mozart.
Wahrscheinlich hat John Eliot Gardiner mit seiner Einspielung aus dem Jahr 1986 auf Jahre hinaus die Rezeption dieser Komposition maßstäblich geprägt, wobei auch dem hinreissenden Sopran Sylvia McNairs ein Großteil der Wirkung anzurechnen ist. Hier haben wir eines der wirklich großen Werke der Musikliteratur in einer wahrhaft vollendeten Einspielung,
eine CD für die ominöse "einsame Insel, eine Aufnahme, die ich seit fast 20 jahren wieder und immer wieder höre.


Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

Uwe

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2

Montag, 23. August 2004, 14:46

Hallo BBB,

leider kenne ich die Aufnahme Gardiners nicht. Scheint wohl eine echte Lücke in meinem Regal zu sein. Meine Hör- und Vergleichsmöglichkeiten beschränkten sich bisher auf Fricsay(Stader,Töpper, Haefliger, Sardi),


Harnoncourt (Laki, Dénes, Equiluz,Holl)


und auf LP mit Rudolf Moralt(Stich-Randall, Rössl-Majdan, Kmentt, Raninger),
wobei ich bisher den "historischen" Aufnahmen von Fricsay und Moralt den Vorzug vor der "historisierenden" Harnoncourts gegeben habe, der für mich nicht den richtigen "spirituellen" Tonfall trifft.
Neuere Einspielungen kenne ich leider nicht.

Gruß aus Hamburg
Uwe

BigBerlinBear

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3

Montag, 23. August 2004, 14:51

Uwe schrieb:

[Zitat]Leider kenne ich die Aufnahme Gardiners nicht. Scheint wohl eine echte Lücke in meinem Regal zu sein.[/Zitat]

Hallo Uwe, an der Gardiner-Einspielung kommt man aus zweierlei Gründen nicht vorbei: zum einen wegen der Ergänzungen, die Gardiner selber mit gebotener Erfurcht vorgenommen hat, zum andern wegen Sylvia McNair, die man einfach gehört haben muss...
Ich kenne aber jemand, der auf die Abbado-Aufnahme schwört, die ich nicht besitze. Die Harnoncourt-Einspielung ist gediegen, aber nicht bewegend; die Aufzeichung unter Fricsay dagegen ist
ausserdordentlich, wie fast alles, was uns dieser Dirigent hinterließ. Leider kann die akustische
Seite der Einspielung nicht mit der künstlerischen mithalten, was schade ist, denn auch damals vermochte Tontechnik bedeutend mehr, als hier geboten wird.

Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

Uwe

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4

Montag, 23. August 2004, 14:53

Hallo BBB,

BBB schrieb:

[Zitat]...Ich kenne aber jemand, der auf die Abbado-Aufnahme schwört...[/Zitat]

zu meiner Schande muß ich gestehen, dass ich die Abbado-Aufnahme bisher noch gar nicht kannte, bzw. noch gar nicht von ihr wusste... Du schreibst zwar, du besitzt sie nicht, aber hast du sie einmal gehört?

Gruß
Uwe

BigBerlinBear

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5

Montag, 23. August 2004, 14:56

Uwe schrieb:

[Zitat]zu meiner Schande muß ich gestehen, dass ich die Abbado-Aufnahme bisher noch gar nicht kannte,[/Zitat]

Vollständig habe ich nur das "Est incarnatus est" mit Arleen Auger gehört, die ich sehr schätze...
Allerdings konnte sie, und derzeit wohl niemand, nicht mit dem "himmlischen" Timbre einer Syliva McNair konkurrieren. Möglicherweise bewahrheitet sich hier, daß das Gute der Feind des Ausserordentlichen ist.
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6

Samstag, 9. Oktober 2004, 17:03

RE: Mozarts Große Messe in c-moll - ein gewaltiger Torso

Ich bin erst seit ganz kurzer Zeit bei tamino dabei (durch Zufall entdeckt), reagiere daher vergleichsweise spät. Aber angesichts der Worte zu Sylvia McNair und der c-moll-Messe von Mozart möchte ich mich doch noch dazu melden: Die Aufnahme würde auch ich auf die einsame Insel mitnehmen! Schön, daß hier jemand ist, der das auch so empfindet!

Vor längerer Zeit hörte ich, daß Philips und Sylvia McNair sich verkracht haben (sie wollte sich nicht verheizen lassen, hieß es). Seitdem hat Philips eine Aufnahme nach der anderen mit Sylvia McNair gestrichen. Man muß heute schon Glück haben, wenn man etwas von ihr bekommt.

reklov29

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7

Samstag, 8. Januar 2005, 20:49

Mozarts Große Messe in c-moll - ein gewaltiger Torso

Hallo BigBerlinBaer,
Deine Aussage:
an der Gardiner-Einspielung kommt man aus zweierlei Gründen nicht vorbei: zum einen wegen der Ergänzungen, die Gardiner selber mit gebotener Erfurcht vorgenommen hat, zum andern wegen Sylvia McNair, die man einfach gehört haben muss...
------------------------------------------------------------------------
Hier kann ich Dir zustimmen.... eine vortreffliche Wiedergabe.... habe sie gerade im Player......
Gardiner hat einige Korrekturen an Schmitts Credo-Ergänzungen vorgenommen und die Streicherstimmen
des "Et incarnatus" in einem Stil umgeschrieben, der näher an Mozart herankommt......

Nun der neueste Hit:
Am 15 Januar 2005 soll nun in kompletter Überarbeitung durch den Musikwissen-
schaftler und Pianist Robert D.Levin, die er bereits 1991 nach historisch- kritischen Kriterien vervollständigt und editiert hat, in der New Yorker Carnegie Hall unter der Leitung von Helmuth Rilling und der Gächinger Kantorei, das Werk in dieser Fassung aufgeführt werden....
Wie oft müssen noch Überarbeitungen stattfinden...?
Hier tut man dem Urkomponisten bestimmt keinen Gefallen.... jeder will sich wohl neu proflieren......?

Eine weitere hörenswerte Einspielung unter Claudio Abbado und den Berliner Philharmonikern....
eingepielt im September 2001....


Claudio Abbado
Messe In C-Moll,Kv 427 CD / 17.09.01
Sony Music Entertainment GmbH (Scl)
Bestellnummer: 5099708979324
Komponist: Mozart,Wolfgang Amadeus

Grüße
reklov29
Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
Zitat: J.E.G.

Ulli

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8

Montag, 17. Januar 2005, 10:35

Salut,

kleiner Hinweis für die Anhänger der c-moll Messe: Es dürfte bekannt sein, das der wohl berühmteste Bearbeiter dieser Messe Mozart selbst ist - nämlich in der Form der zum Oratorium "Davidde penitente" KV 469 umgearbeiteten Messe. Hier wurden noch zwei, drei Arien ergänzt und eine schöne Kadenz für das Ex-Credo komponiert.

Damit ist die c-moll-Messe, so schön sie auch als Fragment ist, vollkommen!

Liebe Grüße
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

sagitt

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9

Sonntag, 20. Februar 2005, 15:41

Davide

Sagitt meint:

Als Ergänzung zur Ergänzung. Es gab-und wie ich bei Recherche feststelle gibt es noch- von dieser Variante der c-moll Messe eine sehr schöne Einspielung mit Kuijken und La petite bande.Kuiken hat dieses Repertoire ohnehin sehr transparent-lebendig gestaltet ( zB die Jahreszeiten von Haydn). Sein Orchester und sein Chor ist vorzüglich, die Sopranistin Laki kann nicht mit der Konkurrenz mithalten,zum Ausgleich singt der großartige Mozarttenor Blochwitz die eingefügte Tenorarie mit sehr schönen leichten Ansatz.
Als Zugabe gibt es das Ave verum KV 618.
An Kuijken ist seine Natürlichkeit zu schätzen. Da wo Gardiner kalte Pracht entfaltet,ist ,natürlich in der Tradition der historischen Spielweise stehend,musikantisch. Vielleicht ist dies eine bestimmte Schule ? Da wäre ich auf andere Hörerfahrungen gespannt. Ich könnte als zweites Beispiel für diesen Unterschied die h-moll Messe von Leonhardt auf der einen und von Gardiner auf der anderen nennen.

Ulli

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10

Donnerstag, 31. März 2005, 12:46

Salut,

Robert Levin hat es auch versucht, die c-moll Messe KV 427 zu „rekonstruieren“. Eine „Uraufführung“ des Flickenteppichs fand am 15. Januar 2005 in New York statt und im Rahmen des Osterklangfestivals in Wien unter Helmuth Rilling.

Georg Leyrer schreibt dazu:

Zitat


Denn klar ist: Levin ist nicht Mozart, und wo einst Genie am Werk war, arbeitet nun das gewissenhafte Handwerk - und zuweilen auch all zu viel originärer Levin. Denn manche Ergänzung, wo Levin sich mit Mut zum Lücken-Füllen in großem Maße selbst kompositorisch verwirklicht, ist natürlich anmaßend. Aber sind sie das wirklich? Auch die großen Meister der Malerei ließen manche Skizze von Schülern vollenden.

So betrachtet man das Geschehen interessiert wie den Torso eines Menschen ohne Gliedmaßen, an den ein findiger Chirurg Beine seines Bruders und je einen Arm von Mutter und Schwester genäht hat. Da bleibt dann doch das nagende Gefühl des Zweifels am Wert einer solchen Vervollständigung nicht aus, egal wie überzeugend sie ausgeführt ist. Und die Gewissheit dräut, dass starke 50 Minuten unvollendete, aber originale Mozart-Ruine lebensfähiger sind als 75 Minuten Mozart-Patchwork.


Obwohl ich die Rekonstruktion nicht gehört habe weiß ich, dass Leyrer mir aus dem Herzen spricht.

Hat jemand von den Wienern diese Torsophonie gehört?

Cordialement,
Ulli

P.S. Wann wird endlich das Lange-Bild vollendet?
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Caesar73

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11

Donnerstag, 31. März 2005, 20:49

c-moll Messe

Liebe Forianer,

die Aufnhame von Aufnahme von Gardiner besaß ich zwar, hatte sie aber seit einigen Jahren nicht gehört (eine Sünde ich weiß....) sei dann aber nach Besuch bei Tamino endlich einmal wieder gehört. Und ich war wirklich begeistert!

Was die Fassung von Levin angeht: Die würde ich erst gerne mal hören- und dann entscheiden. Aber muß man das überhaupt? Natürlich wäre es ein Traum, Mozart hätte die Messe selbst vollendet, aber da dies nicht der Fall ist ist es doch besser ein ausgewiesener Spezialist versucht sich dran, als irgendein anderer. Es sei denn man möchte nicht mit dem Torso vorlieb nehmen.

Grüße,

Christian
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Ulli

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12

Donnerstag, 31. März 2005, 21:10

Salut,

das irrwitzige daran ist, dass die c-moll Messe KV 427 kein Fragment im eigentlichen Sinne ist: Mozart hat zumindest in den vorhandenen Teilen alle Stimmen vollständig ausgeführt [und wenn nicht in der Messe selbst, dann später im Davidde penitente]. Mozart selbst hat diese Messe persönlich aufgeführt und die fehlenden Musiknummern aus anderen Messen seiner selbst genommen.

Es macht für mich definitiv keinen Sinn, nicht vorhandene Parts dazu zu erfinden resp. anhand irgendwelcher nicht näher ausgeführter Skizzen zu „rekonstruieren“.

Anders sieht das aus, wenn wirklich fragmentarische Manuskripte vorliegen [wie z.B. die beiden Opern L’Oca del Cairo und Lo sposo deluso oder das Doppelkonzert Klavier/Violine und das Tripelkonzert Violine/Viola/Cello]. Zwar hat hier Erik Smith sehr unvollkommen gearbeitet [grauenhaft instrumentiert und noch grauenhafter fortgeführt], aber zumindest sind die Werke hörbar gemacht.

Levin hat hier an der c-moll Messe herumgedoktort, wo gar nichts zu rekonstruieren ist.

Cordialement,
Ulli
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BigBerlinBear

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13

Donnerstag, 31. März 2005, 22:25

Ulli meint:

Zitat

Levin hat hier an der c-moll Messe herumgedoktort, wo gar nichts zu rekonstruieren ist.


:] ja, er hat wohl eine Bratschen gegen eine Cellostimme vertauscht, was in dem Falle überflüssig wie ein Kropf war :rolleyes:
Abgesehn von kurzer Aufmerksamkeit durch die Presse wird auch dieses
(leider) NICHT dazu führen, die Cmollmesse öfter zu hören !
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GiselherHH

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14

Donnerstag, 4. August 2005, 11:33

Hallo,

wer sich aus eigener Anschauung (bzw. -hörung) eine Meinung über die Levinsche Arbeit bilden will, der kann dies in Hamburg am 15. bzw. 16.01.2006 tun. Dort steht die rekonstruierte Fassung von Mozarts c-moll-Messe auf dem Programm, zusammen mit der "Haffner"-Sinfonie. Es spielt das Philharmonische Staatsorchester Hamburg unter der Leitung seiner neuen GMD Simone Young.

Nähere Einzelheiten in der als PDF-Datei downloadbaren Saisonvorschau unter www.philharmoniker-hamburg.de

Grüße

GiselherHH
"Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."

(Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

Ulli

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15

Donnerstag, 4. August 2005, 12:11

Salut,

Danke für den Hinweis; dennoch kann ich mich mit einer Anmerkung nicht zügeln: Was soll diese Kombination von Messe und Sinfonie? Igitt...

Außerdem sollte die c-moll-Messe nach einer erfolgreichen "Rekonstruktion" ausreichend lang sein...

Addio
Ulli
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Donnerstag, 4. August 2005, 12:28

Hallo Ulli,

die "Haffner"-Sinfonie steht wohl deswegen auf dem Programm, damit man vor der c-moll-Messe eine Pause hat, in der das Catering der Musikhalle durch Getränkeverkauf Geld verdienen kann (ist ja schließlich eine GmbH...). Die Messe dafür mittendrin zu unterbrechen, wäre wohl noch schlimmer.

Grüße

GiselherHH
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Ulli

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17

Donnerstag, 4. August 2005, 12:42

Salut,

da hätte ich eine passende Requiem-Rekonstruktion anstelle der Sinfonie gewählt.

Das macht auch mehr Durst, weil man dann noch mehr heult...

:evil:


Ulli
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Caesar73

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18

Dienstag, 8. November 2005, 19:35

Heute habe ich mir die Aufnahme der Levinschen Rekonstuktion gekauft, Gardiners Einspielung besitze ich schon, jetzt bin ich gespannt wie die Neueinspielung dagegen abschneidet, das Solistenquartett ist ja hochkarätig, auch wenn Sylvia McNair (Gardiner) wirklich nur schwer zu erreichen ist. Schreibe ausführlicher wenn ich die Aufnahme gehört habe.

Über die Frage ob eine solche Rekonstruktion Sinn macht, welche Argumente dafür und welche dagegen sprechen, ist ja in diesem Thread schon einiges geschrieben worden, aber da das Forum ja inzwischen einigen Zuwachs erfahren hat, gibt es ja vielleicht neue Standpunkte und Ansichten.

Was meint Ihr? Ist Levins Projekt ein Sakrileg? Eine Farce? Oder ein legitimer Ansatz?
Welche Aufnahmen der c-moll Messe kennt Ihr und was sind Eure Favoriten- natürlich von besonderem Interesse was haltet Ihr von Levin´s Versuch?



Herzliche Grüße,

Christian
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19

Mittwoch, 18. Januar 2006, 23:19

Soeben brachte Bayern 4 Klassik wieder einmal Wolfgang Amadeus Mozarts Messe c-Moll, KV 427 (Bearb. Franz Beyer) mit Arleen Augér, Sopran; Frederica von Stade, Mezzosopran; Frank Lopardo, Tenor, Cornelius Hauptmann, Bass; sowie Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Leonard Bernstein, aufgenommen im April 1990 in der Stiftsbasilika Waldsassen, später veröffentlicht auf DGG-CD.
Man hört ein vollblütiges Klangbild, einen romantischen, großen Mozart in der Tradition von Bruno Walter und Karl Böhm, als wäre es Musik von Anton Bruckner – Bernsteins „christliches“ Vermächtnis. Ein zutiefst innig, ja heilig empfundenes Glaubensbekenntnis Bernsteins, weit weg vom Versuch, Mozarts Musik im Sinne einer historischen Aufführungspraxis „originalgetreu“ entschlackt wiederzugeben. Bernsteins Glaubensdenkmal als Abschied seines Dirigentenlebens von Europa.

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Alexander

Freundlicher Gruß
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20

Donnerstag, 19. Januar 2006, 00:07

Ja, die Bernstein-Aufnahme hat schon ihre wundervollen Stellen, sicher eine wirklich empfehlenswerte Deutung!!!

Um mich wirklich auf die Aufnahme festzulegen fehlt mir noch zu viel in meinem Besitz, nämlich Gardiner, Harnoncourt, vielleicht Fricsay, Abbado und vielleicht noch James Levine (eher nicht).

Im Besitz sind derzeit Bernstein, Solti, Colin Davis und William Christie.

Colin Davis´Aufnahme hat mich klanglich enttäuscht, aber ich muß mal wieder reinhören...
Bei Christie war mir der Chor möglicherweise dann doch etwas zu dünn und das Orchester zu schlank, muß aber auch noch mal reinhören,
und Soltis Aufnahme empfand ich auch nicht als das Optimum (unruhig dirigiert, nicht befriedigender Chor)
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21

Freitag, 20. Januar 2006, 16:43

Ich muß mir mal wieder selbst widersprechen:

Als ich Soltis Aufnahme zum ersten mal hörte (einige Jahre her) hatte ich noch nicht das Verständnis für die c-moll-Messe, das ich heute habe.
Ich suchte damals wohl hauptsächliche eine Aufnahme mit einem mächtigen, düsteren Beginns des Kyrie und sah mich mit Soltis Aufnahme nicht ganz befriedigt...

Als ich die Aufnahme dann heute wieder hörte, hat sie mir deutlich besser gefallen, vor allem die Stellen, die mich damals so wenig interessierten. Das incarnatus zum Beispiel ist Solti sehr innig gelungen.
An "Innigkeit" kann und will er Bernstein nicht übertreffen, was ja sowohl ein Vorteil als auch ein Nachteil dieser Aufnahme ist (denn wer will schon immer Bernsteins Extrem-Deutung hören?)

Zu einer Solti-Kaufempfehlung will ich mich dennoch nicht hinreissen lassen, ausserdem ist die Aufnahme derzeit nicht im Handel.

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Donnerstag, 30. März 2006, 19:14

Hallo zusammen !

Ich habe mir vorgestern die "neue" Levinsche c-Moll-Messe gekauftt. Ich möchte hinzufügen, dass ich live bei einem der Konzerte dabei war, die als Grundlage für die Aufnahme dienten.

Mein Eindruck nach diesem Konzert war sehr positiv und auch meine Nachbarn in der Liederhalle zu Stuttgart waren sichtlich angetan.

Man kann natürlich zu dieser Ergänzung stehen wie man möchte, man wird Argumente dafür und dagegen finden, je nach gusto. Ich für meinen Teil sage, es ist einfach tolle Musik, die Robert Levin hinzugefügt hat.

Ich mag besonders das Et Resurrexit und den Schlußchor. Wobei der Schlußchor für ein "Dona nobis pacem" fast etwas zu "zackig" ist. Mir gefällts und ich finde auch, dass es sich nach Mozart anhört.

ciao :hello:

Andreas
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Donnerstag, 13. April 2006, 19:30

Die DGG bringt eine sehr interessante Einspielung neu auf den Markt:


Karajan, 1982

Habe mal reingehört: Klingt wirklich vielversprechend!

Zitat von KlassikAkzente: Es entstand auf diese Weise eine Referenzeinspielung, über die der strenge Penguin Guide folgendermaßen urteilte: "In dieser digitalen Aufnahme von 1982, der c-Moll-Messe, verleiht Karajan dem größten unter Mozarts Chorwerken Händel'schen Glanz ... Die Solisten singen hervorragend, vor allem Barbara Hendricks, deren traumhaft schöne Stimme hinreißend eingefangen ist".
"Auflehnung ist das heiligste aller Rechte und die notwendigste aller Pflichten." – Gilbert du Motier, Marquis de La Fayette

ThomasBernhard

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24

Donnerstag, 13. April 2006, 23:07

Ich möchte zu gerne wissen, was der "gestrenge Penguin" in dem Teil geschrieben hat, den Universal durch die Pünktchen wegzensiert hat...

Neen, nee, Karajan/Mozart ist mir eine unheimliche Kombination.
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25

Freitag, 14. April 2006, 04:09

Zitat

Original von ThomasBernhard
Neen, nee, Karajan/Mozart ist mir eine unheimliche Kombination.

Vorurteil? - Also sein Mozart-Requiem kann sich hören lassen (ich meine folgende die Aufnahme aus der Karajan Gold-Reihe).

"Auflehnung ist das heiligste aller Rechte und die notwendigste aller Pflichten." – Gilbert du Motier, Marquis de La Fayette

ThomasBernhard

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26

Freitag, 14. April 2006, 11:47

Gott zum Gruße, Majestät,

Nein, keine Vorurteile. Ich schätze nicht wenige Karajanaufnahmen durchaus sehr, aber das Mozartrequiem mag ich in beiden DG-Einspielungen nicht. Die alte Version mit Wilma Lipp ist unerträglich, die Digitalaufnahme ist mir in den meisten Sätzen auch unanhörbar, nachdem mich Christies und Harnoncourts neue Aufnahme überzeugt haben. Auch Abbado, Gardiner (etwas extrem schlank), Walter (live Salzburg), sogar Bernstein (DG), sogar Solti (Decca), vielleicht sogar Böhm (Orfeo, live Wiener Staatsoper), obwohl da einiges subotimal ist, finde ich deutlich interessanter und natürlicher als die Karajanschlacke. Lediglich die Sony-Aufnahme von Giulini läßt mich etwas ratlos zurück.

Klar will man eine Einspielung des Mozartrequiems (und natürlich auch der c-moll-Messe, in deren Thread wir uns befinden) mit satten Orchester und großem Chor auch haben, aber Karajans Aufnahmen sind mir für dieses Repertoire dann doch zu satt und schwerverdaulich.

Warum Karajans Mozartrequiemeinspielungen bei Gramophone und andernorts so freundliche Aufnahme gefunden haben, ist mir unverständlich, aber man muß ja auch nicht alles hinterfragen.

Nix für ungut, hör mal in Christies Aufnahme rein. :hello:
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27

Freitag, 14. April 2006, 16:29

Christie ist immer super, keine Frage. :yes:
Probieren geht über Studieren. ;)
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28

Montag, 1. Mai 2006, 17:18

RE: Mozarts Große Messe in c-moll - ein gewaltiger Torso

Hallo zusammen,

mir gefällt die c-moll-Messe KV 427 genau so,wie der Komponist sie geschaffen hat.Warum Mozart das Agnus Dei nicht dazukomponiert hat,bleibt ein Rätsel.Er wollte es eigentlich nach seiner Vermählung mit Konstanze nachholen,es kam jedoch nicht dazu.
Alle anderen Sätze sind vorhanden.Und an grandiosen Solo-Partien übertrifft diese Messe alle anderen ihrer Art.
Da brauchts in meinen Augen keinen Kurpfuscher,der an dem Werk herumdoktert,nur,um es zu vervollständigen.Solche Anmaßung verbietet sich eigentlich von selbst.Und Herr Rilling,den ich als Bach-Interpret überaus schätze,hat diesem Mozart-Werk durch das Aufpfropfen eines Fremdkörpers keinen Dienst erwiesen.
Original bleibt Original,basta!
Freundliche Grüße Siegfried

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Sonntag, 25. Juni 2006, 14:25

Eigentlich antworte ich nicht auf "Basta"-Beiträge, aber warum Mozart nicht an der Messe weitergearbeitet hat, liegt auf der Hand: Christoph Wolff arbeitete heraus, daß "dank" der josephinischen Reformen in der Kirchenmusik zwischen 1783 und 1790 in Österreich praktisch kein Komponist mehr größer begleitete Kirchenmusik schreiben durfte. Deshalb hat Mozart das Wertvollste, Fertige (nälich Kyrie und Gloria) in die Kantate "Davide Penetente" "hinübergerettet". Es steht zu vermuten, daß von Mozart dazu ergänzte Teile daraus (insbesondere die Sopran-Arie und eine Solokadenz) vielleicht ursprünglich für die Messe gedacht waren.
Ben

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[I]"Kritik an anderen sollte keinem die eigene Leistung ersparen."[/I]

Ulli

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30

Sonntag, 25. Juni 2006, 14:49

Zitat

Original von ben cohrs
Deshalb hat Mozart das Wertvollste, Fertige (nälich Kyrie und Gloria) in die Kantate "Davide Penetente" "hinübergerettet". Es steht zu vermuten, daß von Mozart dazu ergänzte Teile daraus (insbesondere die Sopran-Arie und eine Solokadenz) vielleicht ursprünglich für die Messe gedacht waren.


Salut,

das ist so nicht korrekt bzw. nicht eindeutig formuliert: Mozart hat folgende Teile der c-moll-Messe, die m. W. im Autograph vorliegen bzw. vorlagen, für das Oratorium Davidde penitente verwendet:

1 Kyrie -> Alzai le flebili
2 Gloria -> Cantiam
3 Laudamus te -> Lungi le cure
4 Gratias -> Sii pur sempre
5 Domine -> Sorgi, o Signore

Einschub: Arie "A te, fra tanti", komponiert bzw. vollendet 06.03.1785

6 Qui tollis -> Se vuoi...

Einschub: Arie "Fra l'oscure", komponiert bzw. vollendet 11.03.1785

7 Quoniam -> Tutte le mie
8 Jesu Christe -> Chi in Dio
9 Cum Sancto -> Di tai pericoli / Solokadenz

Die Messe wurde ja am 26. Oktober 1783 in der Peterskirche aufgeführt, dabei sang Konstanze Mozart die Sopranpartie [Das Oratorium wurde im März 1785 aufgeführt]. Unklar ist - für mich - ob [wie es im Köchel steht], [für uns, heute] "fehlende" Messe-Teile aus anderen Messen [Mozarts?] ergänzt wurden oder ob nicht doch das gesamte Werk vollendet war!? Es ist durchaus denkabr und entsprach auch der gängigen Praxis [vgl. Bach, Händel], dass Mozart den Auftrag zur Komposition des Oratoriums annahm und aus Zeitmangel Teile der [vollendeten] Messe verwendete und sie mit anderem Text unterlegte - so wundert es nicht, dass die übrigen Teile, die er nicht für das Oratorium benötigte, abhanden gekommen sind...

Kurios! – Ich wüßte nicht, warum nicht?

Da das Autograph heute teilweise verschollen ist [oder wiederentdeckt?], wird sich dies nicht klären lassen. Fakt ist, dass die Messe als solche aufgeführt wurde und das jede Menge Skizzenmaterial vorhanden ist. Daraus aber zu schliessen, die Messe sei nie vollendet worden, halte ich für sehr gewagt, wenn auch einiges dafür spricht. Ein Fragment ist sie in jedem Fall heute.

Zitat

Christoph Wolff arbeitete heraus, daß "dank" der josephinischen Reformen in der Kirchenmusik zwischen 1783 und 1790 in Österreich praktisch kein Komponist mehr größer begleitete Kirchenmusik schreiben durfte.


Dies ist eine interessante und wichtige Feststellung, da es nach dem Tode von Joseph II. offenbar dann weiterging... aber Mozart hat die unvollendeten Teile [wenn sie überhaupt unvollendet ware, bgl. oben] nicht einmal für sein Requiem verbraten, sehr schade. Auf die Idee ist auch noch niemand gekommen, die Requiem- und c-moll-Messe-Teile [notfalls transponiert] zusammenzuschmelzen... das wäre eine noch akzeptable Lösung.

Viele Grüße
Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)