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salisburgensis

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1

Dienstag, 10. Mai 2005, 18:04

Händel, Georg Friedrich: Die Oratorien

Hier soll es, in Anlehnung an den schon bestehenden Thread zu Händels Opern, um seine Oratorien gehen. Ausgeschlossen wird der Messias, der bereits seinen eigenen Thread hat: der Messias-Thread.

Bereits in seiner Zeit in Italien zwischen 1706 und 1710 schreibt Händel erste Werke dieser Gattung, nämlich La Resurrezione und Il Trionfo Del Tempo e del Disinganno, letzteres überarbeitet Händel etwa 20 Jahre später nocheinmal. Bereits in England, komponiert er 1716/17 die Brockespassion, benannt nach dem Hamburger Librettisten Johann Heinrich Brockes, ein Stück, welches von etlichen Komponisten der Zeit verwendet wurde. Kurze Zeit später folgen die ersten Versionen von Acis et Galatea und Esther, beides sogenannte Masques, eine Gattung, die in England schon seit längerem sehr beliebt war. Während Händel mitten in seiner produktiven Opern-Phase war und hier ausschließlich italienische Texte komponierte, sind diese beiden Stücke bereits in englischer Sprache verfasst.

Die Initialzündung seines Oratorienschaffens waren wohl unauthorisierte Aufführungen der beiden englischsprachigen Masques im Jahre 1732, die recht erfolgreich liefen. Daraufhin überarbeitete Händel selbst die beiden Stücke und hatte großen Erfolg damit. Für die Folgesaison ließ er die Oper ruhen und schrieb die beiden Oratorien Deborah, unter intensiver Verwendung älteren Materials, und Athalia. Obwohl er mit seiner Opernunternehmung bereits 1728 zum ersten Mal Schiffbruch erlitten hatte, die beiden Oratorien sehr gut liefen und im Folgejahr, 1734, die erneute finanzielle Aufgabe des Haymarket Theatre folgten, hielt Händel an der Oper fest und es vergingen weitere 4 Jahre bis zum nächsten Oratorium.

Erst nach dem dritten wirtschaftlichen und diesmal auch gesundheitlichen Ruin folgen 1738 dann Saul und Israel in Egypt, 1740 L'Allegro, il Penseroso ed il Moderato und 1741 Messiah sowie Samson. Nachdem mit der italienischen Oper beim englischen Publikum für Händel nichts mehr zu holen war, am 10. Februar 1741 führte Händel seine letzte Oper Deidamia zum dritten und letzten Mal auf, was zugleich Händels letzte Opernaufführung überhaupt ist, wandte er sich nun ganz dem Oratorium zu.

Bis zu seinem Tod folgten noch 14 große Oratorien, Stücke wie Semele, Belshazzar, Juddas Maccabeus, Solomon oder Jephta. Die Arbeit am letzteren, im Jahre 1751, wurde durch die fortschreitende Erblindung Händels immer wieder unterbrochen. So schreibt er in die Partitur während er den Chor How dark, oh Lord, are thy decrees schrieb: "biß hierher kommen den 13. Febr. 1751 verhindert worden wegen des gesichts meines linken Auges so relaxt" Und später, als es sich etwas besserte: "den 23. dieses etwas beßer worden"

Jephta blieb sein letztes Stück; jedoch 1756 wurde The Triumph of Time and Truth aufgeführt, eine Übersetzung von Il Trionfo del tempo mit Zufügungen einiger beliebter Arien Händels.

Thomas

CD-Empfehlungen meinerseits folgen...
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salisburgensis

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2

Mittwoch, 11. Mai 2005, 10:14

Meine erste Empfehlung gilt dem Oratorium Alexander Balus (HWV 65). Es gehört zu meinen absoluten Favoriten.

Händel schrieb es im Jahre 1747. Fast alles ist neu komponiert, nur wenige Stücke hat er aus älteren Werken übernommen, z.B. zwei Arien aus La Resurrezione von 1708. Im Autograph finden wir die Daten der Fertigstellung, zwischen dem 1. und 24. Juni schrieb er die ersten beiden Teile, der dritte war am schon am 30. Juni fertig. Mit der abschließenden Instrumentierung war das Werk am 4. Juli abgeschlossen. Dieser Geschwindigkeit ist typisch für Händels Kompositionsweise. Er brauchte, solange er im Vollbesitz seiner Kräfte war, selten länger als 4-5 Wochen, um eine Oper oder ein Oratorium zu vollenden.

Das Libretto stammt von Reverend Thomas Morell, der für mehrere der späten Oratorien den Text lieferte (Jephta, The Choice of Hercules, Joshua & Judas Maccabaeus). Die Handlung stammt aus den ersten Kapiteln des aprokryphen Ersten Buch Makkabäer. Es geht darin um die Liebe des Syrischen Königs Alexander Balus zu einer Tochter des Ptolemäus, des Königs von Ägypten. Das Stück ist damit gewissermaßen eine Fortsetzung des ein Jahr früher entstandenen Judas Maccabaeus.

Die Uraufführung im Covent Garden Theatre fand erst 1748 statt, am 23. März. Die Pausen zwischen den Teilen seiner großen Werke pflegte Händel mit seinen weithin bekannten und berühmten Orgelimprovisationen zu füllen. Oder auch mit kleineren Kompositionen wie den Concerti grossi. In diesem Konzert gab es wahrscheinlich das kurz vorher komponierte Concerto a due cori Nr. 2 in F-Dur (HWV 333).

Für das Orchester verwendet Händel die für seine Oratorien recht typische Besetzung mit 2 Traversflöten, 2 Oboen, 2 Fagotte, 2 Hörner, 2 Trompeten, Pauken, Harfe, Mandoline, Streicher und Continuo. Lediglich Harfe und Mandoline heben sich etwas gegen die übliche Besetzung ab. Der Chor ist vierstimmig gesetzt.

Die Aufnahme der Wahl ist zweifelsohne diese:



Lynne Dawson, Claron McFadden, Catherine Denley, Charles Daniels, Michael George,
New College Choir Oxford, King's Consort & Choir unter Robert King erschienen 1998 bei hyperion.

Robert King hat mit seinem Ensemble etliche Händelsche Oratorien eingespielt, in einer großartigen Art und Weise. Diese Aufnahmen gehören zum absoluten Non plus Ultra beim Thema Händel-Oratorium und werden im Laufe dieses Threads sicher von mir noch ausführlicher erwähnt.

Thomas
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der Lullist

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3

Mittwoch, 11. Mai 2005, 15:22

Hallo Salisburgensis,

mit Händels Oratorien habe ich mich bisher eher weniger beschäftigt, mich haben seine Opern mehr angesprochen und ich habe ettlich davon angesammelt.

Ich bin gespannt welche Aufnahmen Du noch anpreisen wirst, denn ich bin sehr daran interessiert.
Bei diesem Thema werde ich mich etwas zurückhalten und gespannt Deine Posts verfolgen.

Neben dem Messiah von Paul McCreesh, La Resurezzione unter McGeegan, Israel in Egypt John Eliot Gardiner, Semele ebenfalls unter Gardiner die sich in meinem Besitz befinden ist mir vor allem das wunderbare "Il Trionfo del Tempo" ans Herz gewachsen.


Ich besitze die Interpretation der "Musiciens du Louvre" unter Minkowski.

Also ich hoffe Du zeigst uns noch viele weitere Aufnahmen auf die sich lohnen.
"Alexander Balus" habe ich immer zurückgestellt - aber irgendwann - es ging genau um diese Aufnahme - wird auch sie mein sein!

salisburgensis

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4

Mittwoch, 11. Mai 2005, 16:19

Zitat

"Alexander Balus" habe ich immer zurückgestellt - aber irgendwann - es ging genau um diese Aufnahme - wird auch sie mein sein!


Viel Auswahl hast du auch nicht. Auf einem Recital mit Renée Fleming gibt´s Rezitativ Calm thou my soul, kind Isis und Arie Convey me to some peaceful shore aus dem Finale des Oratoriums. Dazu kann ich nichts sagen, weil ich Recital-CDs überhaupt nicht mag.

Und es gibt eine weitere Gesamtaufnahme, erschienen bei Newport mit Julianne Baird, Jennifer Lane, D’Anna Fortunato, Lorie Gratis, Frederick Urrey und Peter Castaldi, dazu die
Palmer Singers und das Brewer Chamber Orchestra unter Rudolph Palmer. Die waren ein wenig schneller mit der Aufnahme, die aber im selben Jahr veröffentlichet wurde wie Robert Kings Aufnahme, und heften sich folglich das Prädikat Premier Recording an die Brust. Was allerdings nicht stimmt, denn auf dem Label DA CAMERA MAGNA erschien bereits 1965 eine Aufnahme. Diese Aufnahme kenne ich allerdings nicht, hab nur von deren Existenz gelesen.

Der Griff zu Kings Aufnahme auf hyperion ist trotzdem der Beste.

Thomas
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Christoph_Glaus

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5

Mittwoch, 11. Mai 2005, 16:42

Hallo,

Weil Händel's Musik jeden, der offenen Herzens seinen Melodien lauscht in eine andere Sphäre hebt, so bin auch ich diesem musikalisch verspielten Maestro des Barock verfallen. Mit verspielt meine ich den stilistisch doch recht grossen Unterschied zu seinem Altersgenossen J.S. Bach.
So habe auch ich nebst einigen Opern vorallem Oratorien in meinem Regal.

Ein Oratorium, welches mir seit langem ans Herz gewachsen ist, ist das "Occasional Oratorio", das seinem Namen entsprechend eher ein Gelegenheitswerk ist und in einer politisch schwierigen Zeit (Feb. 1746 / London) entstanden und im Covent Garden Theatre aufgeführt wurde. Es ist zwischen den bekannteren Werke "Belshazzar" und "Judas Maccabaeus" geschrieben worden.
Es ist musikalisch nicht so leicht zugänglich wie seine Parade-Oratorien (Messias etc). Je mehr man es jedoch hört, gefallen die Melodien immer mehr.
Meine Lieblings-Nummer, bei welcher ich mich einer anderen Welt fühle, ist die Bass-Arie unterstützt durch Trompete / Oboe und Chor! (Track Nr. 3 auf der 2.CD)



Die einzige Aufnahme dieses Oratoriums ist bei Hyperion erschienen
SUSAN GRITTON, LISA MILNE sopranos
JAMES BOWMAN countertenor
JOHN MARK AINSLEY tenor
MICHAEL GEORGE bass

CHOIR OF NEW COLLEGE, OXFORD
CHORISTERS AND CHOIR OF THE KING'S CONSORT
THE KING'S CONSORT

ROBERT KING conductor



Einziges Manko bei Händel und vieler seiner barocken Zeitgenossen, weil sie nicht wissen konnten, dass es einmal eine digitalisierte Welt gibt, in der alle Werke untersucht und verglichen werden können, haben sie der Einfachheit wegen mehrere Nummern innerhalb ihrer Werke ausgetauscht. Drum hat man auch bei diesem Oratorium immer wieder diesen Aha-Effekt, wo man glaubt etwas zu kennen, obwohl es hier gar nicht original ist.


Gruss
Christoph
Über Geschmack kann man - aber muss man nicht streiten!

der Lullist

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Mittwoch, 11. Mai 2005, 18:50

Das hat Händel wohl nur in zweiter Linie aus Zeitnot getan - er führte seine Werke ja selbst auf und bekam mit welche Arien beim Publikum gut ankamen und was nicht.
Auch Herr Bach hat das gerne getan, denn es wäre ja schade gewesen etwas kunstvolles zu komponieren was max. 1 oder 2 Mal aufgeführt worden wäre um dann für immer zu verschwinden.
Ich sehe darin nichts verwerfliches, zumal in dieser Zeit die moralische Geisteshaltung diesbezüglich ganz anders gestrickt war "Geistiges Eigentum" gab es nicht - und so wurde geklaut was das Zeug hielt, wenn man bei sich selbst plündert so ist da auch aus meiner heutigen Sicht nichts schlimmes dran, wie gesagt.

Vivaldi war da schon dreister, er hatte komplette Opern für ein anderes Libretto zurecht gemacht und eventuell das ein oder andere Rezitativ neu geschrieben - er gab ja sogerne damit an, das er über 100 Oper verfasst habe - mit dieser Methode kein Problem auf die Zahl zu kommen :D

Händel war da etwas dezenter.
Allein die Melodie der berühmten Arie "Laschia ch'io pianga" hatte Händel sooft verwurstet, als Arie in "Rinaldo" in "Il Trionfo del Tempo" und als Sarabande in "Almira" mit Sicherheit gibt es noch weitere Versionen, aber die Melodie ist genial, ich find's gut!

Viele sehen Händel eher mit Geringschätzung - das "seltsamste" Kommentar: "Ich mag ihn nicht, er komponiert alles in D-Dur" :rolleyes: nun ja verlassen wir das Reich der Vorurteile... ich halte ihn jedoch für den zweitgrößten Komponisten des Barock, wer für mich der Größte ist dürfte mittlerweile bekannt sein :D
Seine Genialität und seine sensible Musiksprache verzaubern mich jedesmal wieder aufs neue - aber das kann man erst erleben wenn man sich traut mal etwas anderes zu hören als die Feuerwerksmusik.
Die direktheit mit der die verschiedenen Gefühle per Musik vermittelt hatte mich zuerst schockiert, dann aber habe ich es lieben gelernt. Bei Händel braucht man wahrlich keinen Text.

salisburgensis

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7

Freitag, 13. Mai 2005, 14:47

Das nächste Oratorium, welches ich vorstellen möchte ist Saul, geschrieben nach überstandenem Schlaganfall im Jahre 1738 zwischen dem 23. Juli und dem 27. September und uraufgeführt am 16. Januar des Folgejahres im King´s Theatre. Das Libretto stammt von Charles Jennens, der später auch den Text zum Messias verfaßte. Saul ist nach Esther, Deborah und Athalia das vierte "echte" Oratorium Händels.

Im Mittelpunkt des Stoffes, entnommen aus den beiden Büchern Samuel des Alten Testamentes, steht der Untergang des König Saul und dem gleichzeitigen Aufstieg Davids, dem Bezwinger von Goliath. Saul sieht sich in seiner Eitelkeit gekränkt, dass dem jungen David, designierter Nachfolger Sauls, die Liebe des Volkes gehört. Zurück aus der Schlacht, wird der Held David gefeiert, vor allem die Frauen liegen ihm zu Füßen. Klar, dass da der König sauer ist. :D In dieser Willkommenszene im ersten Akt setzt Händel ein "Tubalkain" ein, ein mit Tasten spielbares Glockenspiel, mit welchen die Frauen David hoch leben lassen.

Auch ließ Händel extra eine neue Orgel kommen, die sonst nicht zur üblichen Besetzung der Oratorien gehört, ebensowenig wie die drei Posaunen. Es gibt eine ganze Reihe instrumentaler Zwischenstücke, die manchmal an eines von Händel Orgelkonzerten erinnern.

Das berühmteste Stück aus Saul ist freilich der Trauermarsch, der vor dem Klagegesang auf den Tod von Saul und dessen Sohn Jonathan erklingt. Auch hierfür hatte Händel ein Zuckerl parat. Er lieh sich große Artilleriepauken aus dem Tower aus, die eine Oktav tiefer klingen als die gewöhnlichen Instrumente. Charles Burney, der berühmte Musikreisende schrieb ein halbes Jahrhundert später dazu: Dieses äußerst glücklicht und rührende Stück, welches schon beynahe ein halbes Jahrhundert hindurch gleich beliebt geblieben, und so einfach, so feyerlich und traurig ist, daß man es nicht spielen hören kann, ohne in schwermütiges Gefühl zu versinken".

Die Auswahl an Aufnahmen dieses Oratoriums ist groß. Viele Protagonisten der Alten Musik (aber nicht nur) haben das Werk aufgenommen. Hier einige Besispiele:

Scholl, Argenta, Padmore, Gritton, Davies,
Gabrieli Consort & Players, Paul McCreesh, Archiv 2002

Miles, Ragin, Brown, Mackie, Holton, Ainsley, Dawson,
Monteverdi Choir, English Baroque Soloists, Gardiner, Phillips 1991

Reinhart, Koch, Elwes, Kermes, Kalpers,
Kammerchor Köln, Collegium Cartusianum, Neumann, MDG 1997

Fischer-Dieskau, Rolfe-Johnson, Esswood, Varady,
Concentus Musicus, Harnoncourt, Teldec 1985

MacLeod, Cordier, Schlick, McFadden, Beekman,
Junge Kantorei, Barockorchester Frankfurt, Martini, Naxos 1997

Argenta, Chance, Berner, Balbach,
Kammerchor Maulbronn, Hannoversche Hofkapelle, Budday, EKM 2003



Ich möchte meine Kommentare auf die beiden erstgenannten Aufnahmen beschränken, hoffe aber, dass jemand was zu den anderen (oder weiteren nicht von mir erwähnten) sagen kann. Beide sind absolut empfehlenswert. Gardiner packt das ganze etwas dramatischer an als McCreesh. Die Orchester und Chöre stehen einander in nichts nach, wobei mir der etwas vollere Klang der McCreesh-Aufnahme besser gefällt. Auch die Solisten sind allesamt Spitzenklasse. Hier gebe ich in der Rolle des David Andreas Scholl den Vorzug, der das Jugendlich-Unschuldige des David besser darstellen kann. In der Rolle des Saul, übrigens eins der seltenen Beispiel für einen Baß in einer Hauptrolle, punktet klar die Gardiner-Aufnahme mit Alaister Miles´ grandioser Stimme.

Thomas
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8

Freitag, 3. Juni 2005, 13:34

Die nächste Empfehlung gilt dem Judas Maccabaeus.

Diese Oratorium schrieb Händel im Juli des Jahres 1746, gewissermaßen als Reaktion auf die Schlacht von Culloden, die am 16. April 1746 stattfand und in der die Schotten von den unter der Führung des Duke of Cumberland stehenden Engländern vernichtend geschlagen wurden. Händel sah in diesem Sieg der Engländer einen willkommenen Anlaß zu einem Oratorium, um den Siegern zu huldigen. Zu diesem Zwecke gab er bei Thomas Morell ein Libretto in Auftrag. Es sollte zwar auf die Situation anwendbar sein, aber nicht zukonkret werden, um spätere Wiederaufführungen zu ermöglichen. Das Libretto ist folglich auch dem siegreichen Duke of Cumberland gewidmet, die Widung vermeidet aber Bezüge zur blutigen Auseinandersetzung mit den Stuarts:

"To His Royal Prince William, Duke of Cumberland, this faint portraiture of a Truly Wise, Valiant, and Virtuos Commander, As to the Possessor of the like Noble Qualities, is, with most profound Respect and Veneration, inscribed, by his Royal Highness's most obedient, and most devotet Servant, The Author."

Morell entschied sich für den Stoff um Judas Maccabaeus, entnommen aus den Makkabäer-Büchern des alten Testamentes, der israelitische Anführer, der sein Volk unerschrocken gegen die Feinde in den Kampf führt und siegreich aus allen Schlachten hervorgeht. Im Vordergrund in Händels Oratorium steht aber nicht das Kriegsgetümmel, sondern die Gefühlslage der Beteiligten, der Protagonisten wie dem Volk als Ganzes. Diese wechselt recht schnell hin und her zwischen ausgelassenem Jubel über die errungenen Siege und der Melancholie über neuerlich heraufziehende Schlachten. Judas muß sein Volk immer wieder aufrichten und dessen Moral stärken, um gegen die Feinde bestehen zu können.

Judas Maccabaeus ist nach dem Messias das zu Lebzeiten Händels beliebteste Oratorium, und auch noch danach. Allein Händel hat es rund 40 Mal aufgeführt, es stand bis zu seinem Tod fast in jedem Jahr auf dem Spielplan des Covent Garden. Und auch über das 19. Jahrundert hinweg hat es immer wieder Aufführungen gegeben, z.B. durch Zelter, Mendelsohn oder Franz Liszt. Die "Einer mit Gott gegenAlle"- Geschichte faszinierte auch die Nationalsozialisten in Dritten Reich. Sie spannten das Werk für ihre Zwecke ein und brachten es unter Titeln wie Der Held oder Der Feldherr zur Aufführung.

Für die späteren Aufführungen hat Händel zahlreiche Änderungen vorgenommen, zu Einen, um das Stück an die zur Verfügung stehenden Sänger anzupassen, als auch um beim Publikum beliebt Arien oder Chöre einzubauen. Fast alles sind Wiederverwertungen aus anderen Stücken. Am bekanntesten ist sicherlich die Arie "See, the conqu'ring hero comes, sound the trumpets, beat the drums", die er 1750 aus dem Oratorium Joshua übernahm. Das Stück ist hierzulande besser bekannt als das Weihnachtslied "Tochter Zion, freue dich".

Aufnahmen dieses Oratoriums gibt eine ganze Reihe. Meine Empfehlung ist folgende:

Kirkby, Denley, Bowman, McDougall, George,
King's Consort unter Robert King
erschienen 1992 bei hyperion.

Weitere Einspielungen sind u.a.:
Davies, Palmer, Baker, Shirley-Quirk, Esswood,
English Chamber Orchestra, Mackerras auf Archiv

Wunderlich, Welter, Giebel, Pöld, Falk,
Bayr. RSO & Chor, Kubelik auf Orfeo

Janowitz, Töpper, Schreier, Haefliger, Adam,
Rundfunkchor & RSO Berlin, Koch auf Berlin Classics

Thomas
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BigBerlinBear

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9

Donnerstag, 9. Juni 2005, 13:13

Händels "Semele"- Oper oder Oratorium

Hallo Thomas, da isser schon, der Semele-thread:

Das Oratorium "Semele" entstand in der letzten Schaffensphase des Komponisten im Sommer 1743 und konnte am 10.Februar 1744 in Covent Garden uraufgeführt werden. Weder der Komponist noch die rezipierende Nachwelt waren sih sicher, on es sich bei diesem Werk um eine Oper, ein Oratorium oder eine Mischform aus beiden handelt. Dieses Werk ist bezeichnend für das, was der User peet einmal an andrer Stelle als "Händels formales Chaos" definiert hat, wenn auch ich darin absolut nichts ehrenrühriges sehe !Wer die von Händel häufig besonders herausgestellten großen Chorsszenen erwartet, dürfte von dem Werk enntäuscht sein, spielt dieser hier nur eine kleine, das Randgeschehen kommentierende Rolle:

Die Mythologie von der "Semele" können wir hier nachlesen:
http://www.lexikon-definition.de/Semele-(Mythologie).html



Die Besetzung wurde bei der Uraufführung von folgenden Sängern gesungen:
Semele, Tochter von Cadmus - Elisabeth Duparc, genannt "La Francesina" (Sopran)
Jupiter - John Beard (Tenor)
Apollo - John Beard
Athamas, ein böotischer Prinz - Daniel Sullivan (Countertenor)
Juno - Esther Young (Alt)
Ino, Schwester Semeles - Esther Young
Iris, Götterbotin - Christina Maria Avoglio (Sopran)
Cadmus/Hohepriester/Somnus : Henry Theodore Reinhold (Bass)

Herz-und Selenstück des Werkes sind die herrlichen Arien, mit denen Händel alle seine Protagonisten reichlich bedenkt
und so wundert es denn nicht, wenn Meine Referenzaufnahme nicht die üblliche "Oratorien-Crew" präsentiert, sondern.
In prachtvoller Besetzung erschien das Werk bei DGG im jahr 1991:

Battle, Horne, Ramey, Aler, McNair, Chance,
English Chamber Orchestra, Nelson

Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

martello

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10

Donnerstag, 18. August 2005, 09:28

Als ich "Semele" vor einigen Jahren erstmals im Radio hörte, wurde das Werk als "Opera in the manner of an oratorio" beschrieben - eine meines Erachtens ziemlich passende Einstufung.

Im besonderen schätze ich ja an Händels Oratorien, dass sie allesamt ein wenig "verkappte Opern" sind; der großartige Bühnendramatiker Händel also trotz Genrewechsels nie aus der eigenen Haut herauskonnte (hätte Bach eine Oper geschrieben, wäre sie wohl ein ähnliches Mischwesen geworden - unter umgekehrten Voraussetzungen). Signifikant ist ja auch, dass derzeit Händels Oratorien immer wieder szenisch aufgeführt werden; so "Theodora" schon vor einigen Jahren in Glyndebourne (mit David Daniels, gibt's auch als DVD) oder - wenn ich mich nicht ganz irre - ein hochgelobter "Saul" in München.

Insofern hier nochmals der Hinweis auf die wunderbare "Theodora", die es in einer großartigen Einspielung unter William Christie (Erato) gibt.

salisburgensis

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Dienstag, 27. September 2005, 19:06

Nachtrag zum Saul:

Da bisher keiner meiner Bitte nachkam, zu anderen Aufnahmen was zu schreiben, muß ich das eben selber tun. Und zwar zur Aufnahme von Harnoncourt.

Die Aufnahme ist nicht schlecht, aber sie hat meiner Meinung nach zwei große Schwachpunkte. Der eine ist der Chor (Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor), der mir für Barockmusik absolut ungeeignet scheint. Zum massiv und vor allem zu viel Vibrato. Da jammert jeder für sich, eben ein typischer Opernchor. :wacky: Das hat jedenfalls nichts mit Chorklang zu tun.

Und der zweite Schwachpunkt ist Dietrich Fischer-Dieskau als Saul. Ich keine seine Aufnahmen von Liedern nicht, aber wenn er auch so Lieder sänge wie er in dieser Aufnahme singt, wäre er mit Sicherheit nicht DER Liedsänger schlechthin geworden. Er ist unsauber, er klingt sehr vulgär, die Aussprach des Englischen ist teilweise mangelhaft... Naja, vielleicht hat er einen schlechten Tag gehabt, die Aufnahme ist ein live-Mitschnitt.

Thomas
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Ulli

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12

Sonntag, 2. Oktober 2005, 23:48

Salut,

ich hoffe, ich habe nichts überlesen und möchte meine allgemeine Wunschliste erweitern um:

Oratorio per la Resurezzione di Nostro Signor Gesù Cristo.



beinhaltet daraus eine Aria dell'Angelo:

Disseratevi, o porte d'Averno, :D
E al bel lume
D'un lume, ch'è Eterno
Tutto in lampi si sciogla l'orror.
Cedete orride porte,
Cedete al Re di Gloria,
Che della sua vittoria
Voi siete il promi honor.

Öffnet Euch, Ihr Pforten der Hölle,
Um im zarten Schimmer
Eines Lichtes, welches ewig ist,
Ersterbe blitzschnell die Schrecknis.
Weicht, grauenvolle Türe,
Weicht dem König des Ruhmes,
Denn für seinen Sieg
Seid ihr die erste Ehre.

Auch enthalten "Notte, notte funesta"...

das macht Lust auf MEHR

Gibt's da eine empfehlenswerte "zackige" Einspielung?

LG
Ulli

P.S. Durch den Titel dieser CD dürfte sich vielleicht auch etwas zu Händels "Semele" lüften...
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der Lullist

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13

Montag, 3. Oktober 2005, 00:16

Hallo Ulli, also mir sind zwei ganz gute bekannt:


No. 1 besitze ich (weil nicht nur gut sondern auch billig :D )


Philharmonia Baroque Orchestra / Mc Geegan

den Angelo singt Lisa Saffer


No. 2 dürfte wohl besser sein:



Les Musiciens du Louvre / Minkowski


Du magst anscheinend Trompetenarien... :D

Die Arien aus diesem Oratorium sind allerdings auch in späteren Werken immer mal wieder zu finden.

Ulli

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14

Montag, 3. Oktober 2005, 00:28

Salut,

Merci beaucoup... ich glaube, ich werde mir Letztgenannte vormerken. In der That: Trompetten in Kombination mit Coloraturen haben was an sich, was mich fesselt.

Beste Grüße
Ulli
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der Lullist

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15

Montag, 3. Oktober 2005, 00:33

Tja es gab da mal eine wunderbare Aufnahme mit Kantaten von Alessandro Scarlatti und Melani.
Naturtrompeten im Wettstreit mit der Sopranistin Judith Nelson, das hätte Dir gefallen, nur leider ist die CD nicht mehr erhältlich....

Ulli

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16

Montag, 3. Oktober 2005, 00:39

Och, ich werde mich selbst demnächst mal diesem Genre kompositorisch annehmen und ein würdiges Opfer auserwählen... :D

Aber Danke für die Hinweise.

Übrigens finde ich die Wut in diesen Arien einfach urkomisch - animiert zu einem verrückten Hexen- oder Satanstanz. Manchmal meine ich, Händel wollte die Zuhörerschaft absichtlich damit verar***en.

:angel:

Ulli
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17

Montag, 3. Oktober 2005, 16:36

Hallo Ulli,

damit dir die Wahl nicht zu leicht fällt, hier noch der Hinweis auf eine ebenso schöne Einspielung, die auch nicht die Welt kostet:


Argenta, Schlick, Laurens, Mey, Mertens,
Amsterdam Baroque Orchestra unter Ton Koopman,
erschienen bei erato


Thomas
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Joseph II.

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18

Sonntag, 5. Februar 2006, 15:09

RE: Händels "Semele"- Oper oder Oratorium

Zitat

Original von BigBerlinBear
Über "Semele":
"Wer die von Händel häufig besonders herausgestellten großen Chorsszenen erwartet, dürfte von dem Werk enntäuscht sein, spielt dieser hier nur eine kleine, das Randgeschehen kommentierende Rolle"

Hallo, BigBerlinBear!

Also ich finde gerade die (wenn auch seltenen) Chorszenen herausragend: "Avert these omens, all ye pow'rs!", "Cease, cease your vows, 'tis impious to proceed" und "Hail Cadmus, hail!".
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Joseph II.

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Mittwoch, 8. Februar 2006, 23:56

Ein anderes großes Oratorium Händels ist ISRAEL IN EGYPT, auch bekannt als "Chor-Oratorium". Beim Publikum kam es bei der Premiere am 4. April 1739 nicht besonders gut an - es fehlten die Solo-Arien. Nichtsdestotrotz zählt es meiner Meinung nach - vielleicht gerade deswegen - zu den größten Werken des Wahlengländers.

Empfehlenswerte Aufnahme:



CAROLA NOSSEK, Sopran
PETRA-INES STRATE, Sopran
ROSEMARIE LANG, Alt
CHRISTIAN VOGEL, Tenor
SIEGFRIED LORENZ, Baß
GOTHART STIER, Baß

GERT LOTH, Continuo-Orgel I
WALTER HEINZ BERNSTEIN, Continuo-Cembalo und Continuo-Orgel II

RUNDFUNKCHOR LEIPZIG (Einstudierung: Jörg Peter Weigle)
RUNDFUNK-SINFONIE-ORCHESTER LEIPZIG
WOLF-DIETER HAUSCHILD
1981


Zwar auf Deutsch und keine historische Aufnahmepraxis, aber trotzdem empfehlenswert. Ansonsten schaut das Angebot auf dem Markt erschreckend gering aus: Neben Gardiner gibt es noch Mackerras und einige andere, unbekanntere Aufnahmen.
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salisburgensis

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Donnerstag, 9. Februar 2006, 10:39

Von Israel in Egypt gibt es meines Erachtens noch keine vollkommen überzeugende Aufnahme. Momentan gebührt der Ruhm der besten Aufnahme jedoch ganz klar Gardiner.

Ich finde das quantitative Angebot an Aufnahmes dieses Stückes gar nicht so schlecht wie Felipe II. das beschreibt. Mir fallen auf Anhieb sieben Stück ein, das sieht bei anderen Oratorien Händels viel schlimmer aus.


:hello:
Thomas
Da freute sich der Hase:
"Wie schön ist meine Nase
und auch mein blaues Ohr!
Das kommt so selten vor."
- H. Heine -

Joseph II.

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21

Donnerstag, 9. Februar 2006, 22:21

Zitat

Original von salisburgensis
Ich finde das quantitative Angebot an Aufnahmes dieses Stückes gar nicht so schlecht wie Felipe II. das beschreibt. Mir fallen auf Anhieb sieben Stück ein, das sieht bei anderen Oratorien Händels viel schlimmer aus.

Hallo, Thomas!

Gut, das kann schon sein, ich habe auch noch nicht wirklich besonders intensiv nach weiteren gesucht. ;)

Gruß,
Felipe
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Freitag, 10. Februar 2006, 12:35

Zitat

Original von salisburgensis
Von Israel in Egypt gibt es meines Erachtens noch keine vollkommen überzeugende Aufnahme. Momentan gebührt der Ruhm der besten Aufnahme jedoch ganz klar Gardiner.

Ich finde das quantitative Angebot an Aufnahmes dieses Stückes gar nicht so schlecht wie Felipe II. das beschreibt. Mir fallen auf Anhieb sieben Stück ein, das sieht bei anderen Oratorien Händels viel schlimmer aus.


Umso ärgerlicher, dass man selbst bei in mancher Hinsicht sehr guten Einspielungen wie die Gardiners (oder auch Parrott, die dreitelige Version mit der Klage um Joseph als ersten Teil) dicke Abstriche machen muß, besonders bei den Solisten :wacky: Die sind gerade bei der chorisch hervorragenden und auch nmitreissenden Philips-Einspielungen Gardiners ziemlich mies, weil er die einfach aus dem Chor genommen hat. Ich will "The Lord is a man of war" endlich mal mit zwei richtigen Bässen, nicht hellgrauen Choristen ohne Durchschlagskraft...
Die frühe Gardiners bei Erato kenne ich indes nicht, hat die mal jemand mit der späteren verglichen?

viele Grüße

JR
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musicophil

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Freitag, 24. Februar 2006, 14:42

Offenbar ist hier nicht bekannt, daß rund die Jahre siebzig vom Label "Vanguard" eine Menge Händeloratoria erschienen.
Ich kaufte mir damals die LPs, und war sehr glücklich als sie später auf CD erschienen.

Größtenteils wurden sie ausgeführt von English Chamber Orchestra, geleitet von Johannes Somary.
Berühmte englische Sänger/Sängerinnen wirkten mit. Ich nenne einige Namen: Sheila Armstrong, Felicity Palmer, Heather Harper, Helen Watts, Robert Tear, Alexander Young und John Shirley-Quirk.

Ob es sie jetzt noch alle gibt, bezweifle ich. Google gab mir keine Auskünfte (hab nich alles angeschaut).
Bin immer bereit, falls einer eine Aufnahme sucht, die Nummer der CD zu geben.
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Freitag, 24. Februar 2006, 22:48

Zitat

Original von musicophil
Größtenteils wurden sie ausgeführt von English Chamber Orchestra, geleitet von Johannes Somary.
Berühmte englische Sänger/Sängerinnen wirkten mit. Ich nenne einige Namen: Sheila Armstrong, Felicity Palmer, Heather Harper, Helen Watts, Robert Tear, Alexander Young und John Shirley-Quirk.

Ob es sie jetzt noch alle gibt, bezweifle ich. Google gab mir keine Auskünfte (hab nich alles angeschaut).
Bin immer bereit, falls einer eine Aufnahme sucht, die Nummer der CD zu geben.


Eien Teilmenge davon ist bei "Brilliant Classics" wiederveröffentlicht worden (Messiah in einer riesigen Händel-Box, Theodora, Solomon, Judas Maccabaeus usw. auch einzeln.
Ich halte die Qualität dieser Aufnahmen für recht gemischt: Der Chor ist durchgehend mittelprächtig bis mies; da ist ein moderern Kammerchor wie Gardiners oder auch der Rias-Kammerchor auf einem gänzlich anderen Niveau.
Die Sänger sind allerdings zumindest teilweise hervorragend (Young in Maccabaeus, die Frauenstimmen in Messiah, Forrester u.a in Theodora). Hörenswert von denen, die ich kenne, finde ich Maccabaeus (ist indes die einzige, die ich kenne, trotz einiger Bauchschmerzen beim Chor), Theodora (trotz Kürzungen) und auch den Messiah (wegen Minton u. Price, die Chöre überspringt man besser...). Dazu kommen einige Kürzungen und im Falle des Solomon die Transposition der Titelrolle zum Bariton. Auf diesen Solomon kann man aus diesen Gründen (wiederum auch der Chor :wacky: ) heute m.E. gut verzichten.

viele Grüße

JR
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musicophil

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25

Montag, 27. Februar 2006, 12:17

Zitat

Original von Johannes Roehl
Ich halte die Qualität dieser Aufnahmen für recht gemischt: Der Chor ist durchgehend mittelprächtig bis mies; da ist ein moderern Kammerchor wie Gardiners oder auch der Rias-Kammerchor auf einem gänzlich anderen Niveau.
Die Sänger sind allerdings zumindest teilweise hervorragend...

Auf ... Solomon kann man aus diesen Gründen (wiederum auch der Chor :wacky: ) heute m.E. gut verzichten.

Ich bin fast Pleite wegen der Unmenge CDs und DVDs die ich kaufe.
Da hat der Solomon (und was sonst noch mehr ersetzt werden muß) Pech gehabt. Er muß ja warten.
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BigBerlinBear

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Mittwoch, 8. März 2006, 22:08

Vom "Dettingen Tedeum" gibt es überhaupt nur eine einzige Aufnahme, die dem Werk wirklich gerecht wird, und zwar seit über 20 Jahren DIESE:



Die Aufnahme aus dem Jahr 1982 war übrigens meine erste CD, die ich voller Stolz nachhause trug....
Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

Joseph II.

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27

Sonntag, 12. März 2006, 01:00

Ein weiteres Oratorium Händels ist Samson.

Mir sind derzeit nur wenige Aufnahmen bekannt, von denen ich keine besitze. Welche sind empfehlenswert?


Christophers, 1996


Budday, 1999


Harnoncourt, 1992
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Sonntag, 12. März 2006, 12:22

Zitat

Original von Felipe II.
Ein weiteres Oratorium Händels ist Samson.

Harnoncourt, 1992


Ich kenne nur die; indes auch nicht besonders gut. Zwar recht dramatisch, aber live und etwas durchwachsen bei den Sängenr (Kowalski hat den Zenit überschritten); Rolfe Johnson als Samson ist jedoch gut (AFAIK ist sie leicht gekürzt, was aber kein Nachteil sein muß). Das Werk selbst ist nach meinem bisherigen Eindruck nicht unbedingt in der erlauchten Klasse von Solomon, Saul, Theodora, aber trotzdem natürlich hörenswert!

Vielleicht kann einer der Barockexperten noch Substantielleres beitragen...

viele Grüße

JR
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29

Montag, 13. März 2006, 13:30

Zitat

Original von Felipe II.
Ein weiteres Oratorium Händels ist Samson.

Mir sind derzeit nur wenige Aufnahmen bekannt, von denen ich keine besitze. Welche sind empfehlenswert?



Hallo Felipe,

als einer, der HIP weitestgehend ablehnt, müßte dir das eigentlich prima gefallen:




vielleicht auch noch das:




Beides ist momentan vermutlich nur gebraucht zu bekommen.


:hello:
Thomas
Da freute sich der Hase:
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Montag, 13. März 2006, 14:14

Zitat

Original von salisburgensis

Zitat

Original von Felipe II.
Ein weiteres Oratorium Händels ist Samson.

Mir sind derzeit nur wenige Aufnahmen bekannt, von denen ich keine besitze. Welche sind empfehlenswert?



Hallo Felipe,

als einer, der HIP weitestgehend ablehnt, müßte dir das eigentlich prima gefallen:




vielleicht auch noch das:




Beides ist momentan vermutlich nur gebraucht zu bekommen.


:hello:
Thomas

Hallo, Thomas!

Danke Dir, die beiden Aufnahmen kannte ich gar nicht. Nun, es ist nicht so, daß ich die HIP generell ablehne, nur gefallen mir durchaus auch Nicht-HIP-Aufnahmen. ;)
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