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La Roche

Prägender Forenuser

  • »La Roche« ist männlich

Beiträge: 3 029

Registrierungsdatum: 21. Februar 2012

31

Dienstag, 21. August 2018, 19:32

Lieber Fiesco,
vielen Dank für Deine freundliche Korrektur zum Inhalt der CD "Alles Kapriolen". Ich hätte mich ja geärgert, wenn jemand neugierig die CD bestellt hätte und keine Musik aus der genannten Operette darin gefunden hätte. Sicher hätte ich aufmerksam werden müssen, daß die Operette eigentlich "Alles Capriolen" heißt und die CD "Alles Kapriolen".
Herzlichst La Roche
Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • »Uwe Aisenpreis« ist männlich
  • »Uwe Aisenpreis« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 470

Registrierungsdatum: 8. Januar 2010

32

Samstag, 10. November 2018, 20:10

Kurt Weill: Der Kuhhandel

Leider konnte auch Kurt Weills „Der Kuhandel“ meine Erwartungen an eine „moderne“ Operette nicht erfüllen. Nach eigenen Worten wollte Weill mit diesem Werk "eine Operette weit weg vom Operetten-Schund zuwege bringen“ und „an die beste Tradition der Operette, die seit Jahrzehnten verschüttet war, endlich wieder anknüpfen“. Was er genau mit ersterem meinte, ist nicht ganz klar – tatsächlich gab es ja zu dieser Zeit eine ähnliche Operetten-Inflation wie heutzutage beim Musical – bei Letzterem dachte er jedoch an Offenbach, den er sehr verehrte. Ich finde, weit weg vom Schund, das dürfte ihm gelungen sein aber vom Geist und Witz eines Offenbach ist das Werk weit entfernt. Das liegt zunächst mal am Textbuch. Die Handlung, die ich hier nicht eigens beschreiben will, denn sie ist hier nachzulesen, hätte durchaus das Potential dazu, denn wie es bei Offenbach Anspielungen auf die Großen seiner Zeit (Napolen III und Kaiserin Eugénie) gibt, finden sich solche bei Weil z. B. auf Göring und Göppels und wenn in der "Großherzogin" der Minister einen Krieg anzettelt, weil er befürchtet, die Großherzogin könnte sich langweilen und dabei auf die Idee kommen, selbst Politik zu betreiben, so zettelt im Kuhhandel ein US-amerikanischer Waffenhändler einen Krieg unter zwei Inselstaaten an, um seine Waffen verkaufen zu können. Aber gerade der letzte Vergleich führt mich zu der Frage: welcher von beiden ist lustiger? Genau darin liegt die Crux im Kuhhandel: alles ist ernsthaft, schulmeisterhaft, mit erhobenem Zeigefinger und kein bisschen lustig. Das gilt sowohl für den Handlungsverlauf, die Dialoge, die Liedertexte und folgerichtig auch für die Musik.

Die Musik selbst ist nach meinem Empfinden stilistisch sehr unterschiedlich, mal sehr schön mit einer ungewöhnlichen, für die damalige Zeit modernen Instrumentation, teils sehr modern und avantgardistisch und dann wieder eher konventionell – aber nie lustig. Und da nützt es auch nichts, wenn z. B. der ORF schreibt:

Zitat

Nicht, dass es nicht weiter den typischen deklamatorischen Weill-Balladenton gäbe, wie man ihn seit "Happy End" kennt. Sehr raffiniert kommt er diesmal daher in der reichhaltigeren und manchmal sogar pariserisch angehauchten Orchestereinkleidung.

Und hier noch ein weiteres Zitat. "Die Welt" schreibt anlässlich einer Aufführung des Anhaltischen Theater im Jahre 2000:

Zitat

Weill befindet sich hier in einer Übergangsphase, ist auf der Suche nach einer neuen musikalischen Identität. Nett klingt das, aber manchmal auch eintönig und nie so inspiriert oder genialisch wie in früheren oder späteren Werken.

Mein Fazit: Ein durchaus ambitioniertes Werk, eine ernste Satire, aber kein musikalisches Werk, das sich als Operette durchsetzen kann.

Noch ein Wort zur Inszenierung der Wiener Volksoper, auf der diese DVD basiert.


Man kann sie eigentlich unter Regietheater einordnen, vielleicht nicht ganz „lupenrein“ aber doch sehr eigenartig. Da spielt, singt und tanzt das Liebespaar in der Eingangsszene zwischen ständig schaukelnder Wäsche herum. Der lustlose Präsident des bis dato noch friedlichen Inselteils agiert aus einer an Seilen von der Decke herunterschwebenden Couch, die Szene eines Mädchenraubs nach heidnischem Brauch (Ich wohne auf der anderen Seite des Flusses) wird weder durch den Text und schon gar nicht durch die Choreographie verständlich, Chor und Ballett tragen merkwürdige Kostüme und generell leidet das Ganze unter mangelhafter Textverständlichkeit.

:( Uwe