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MSchenk

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Beiträge: 2 774

Registrierungsdatum: 5. März 2011

1

Freitag, 19. Oktober 2018, 21:13

13.10.2018 (Staatsoper Hamburg) Erich Wolfgang Korngold "Die tote Stadt"

Marie/Marietta - Allison Oakes
Brigitta - Marta Swiderska
Paul - Klaus Florian Vogt
Frank/Fritz - Alexey Bogdanchikov

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg unter der musikalischen Leitung von Roland Kluttig;
Inszenierung Karoline Gruber, Bühnenbild Roy Spahn, Kostüme Mechthild Seipel, Licht Hans Toelstede.

(15.Vorstellung seit der Premiere am 22.März 2015)

Auch dieser Opernbesuch ist nun schon wieder eine Woche her, aber die Erinnerung daran sollte noch für einen kleinen Bericht ausreichen: Vor allem im Gedächtnis geblieben sind die gesanglichen Leistungen in den beiden Hauptpartien Marietta und Paul. Allison Oakes überzeugte als nicht unbedingt stimmschönener, aber in der Höhe klarer und dramatischer Sopran. Wir werden sie in wenigen Wochen als Gutrune hören und sehen. Ihr zur Seite KFV - von dem einige Forumsmitglieder (z.B. in diesem auch aus anderen Gründen unsäglichen Thread) ja gerne behaupten, er könne eigentlich nicht singen - mit seiner feinen, aber zumindest live auch immer wieder überraschend kraftvollen Stimme. Auffällig für mich an diesem Abend eine hervorragende Legato-Kultur, sowie die Tatsache, dass Vogts Timbre mit der Zeit nachdunkelt, was ihrem Klang außerordentlich zugute kommt und dem Sänger zukünftig vermutlich noch einige Möglichkeiten in der Rollenauswahl bietet. Für meine Ohren deutlich zu leise und auch leicht verwaschen präsentierte sich Alexey Bogdanchikov in der Doppelrolle Frank/Fritz. Am Pult stand mit dem GMD des Coburger Landestheaters Roland Kluttig ein versierter Operndirigent, der den großen Apparat - ein Bekannter meinte, die Oper sei ja schön, aber auch ein wenig hypertroph geraten - gut zusammenzuhalten vermochte.

Die Inszenierung von Karolin Gruber verwendet im wesentlichen ein Einheitsbühnenbild. Der Bühnenboden weist die Struktur von (blonden) Haaren auf. Als Effekt schiebt sich zu Beginn des zweiten Bildes ein Schiffsbug von hinten in die linke Hälfte der Bühne. Alles wirkt - dem Sujet entsprechend - ein wenig düster und morbide. Der Clou besteht darin, dass Marie/Marietta/Brigitta - die Figuren sind hier in den Traumbildern scheinbar auf eine Person "reduziert" - im dritten Bild offensichtlich schwanger ist.

Wer sich ein eigenes Bild machen will, sei auf folgenden Trailer verwiesen:



Nach nunmehr vier jeweils auf eigene Weise gelungen Opernabenden (Così fan tutte, Alcina, Luisa Miller und Die tote Stadt) geht es am Sonntag auch endlich wieder ins Konzert: Niemand geringerer als Sylvain Cambreling wird dann die Nachfolge des leider viel zu früh verstorbenen Sir Jeffrey Tates als neuer Chefdirigent der Hamburger Symphoniker antreten. Und bereits dieses erste Programm macht mit Helmut Lachenmanns "Staub" für Orchester, Schönbergs eindringlichem Melodram A Survivor from Warsaw op.46 und Beethovens Symphonie Nr.9 d-moll op.125 die nicht geringen Ambitionen des neuen "Pultvorsitzenden" deutlich.

(Alle Links zuletzt aufgerufen am 19.10.2018)
mfG Michael

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2

Freitag, 19. Oktober 2018, 22:58

Dank, daß Du berichtet hast! Ich hätte Dich wahrscheinlich sonst direkt darum gebeten.
Dein Urteil über KFV teile ich voll und ganz. Ich bin immer wieder davon beeindruckt, wie er mit seiner Stimme große Opernhäuser füllt. Und was er singt, bleibt immer verständlich.
Es grüßt Hans
..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
-- Aydan Özoğuz

Amfortas08

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Registrierungsdatum: 4. Juni 2008

3

Samstag, 20. Oktober 2018, 00:04

Danke für dein Tote-Stadt-Feedback aus HSV-Town
Niemand geringerer als Sylvain Cambreling wird dann die Nachfolge des leider viel zu früh verstorbenen Sir Jeffrey Tates als neuer Chefdirigent der Hamburger Symphoniker antreten. Und bereits dieses erste Programm macht mit Helmut Lachenmanns "Staub" für Orchester, Schönbergs eindringlichem Melodram A Survivor from Warsaw op.46 und Beethovens Symphonie Nr.9 d-moll op.125 die nicht geringen Ambitionen des neuen "Pultvorsitzenden" deutlich.
Cambeling hatte am 17.12.10 in Friedrichshafen mit den SWRlern schon mal Schönbergs Überlebenden mit Beethovens 9. dirigiert und dabei den Überlebenden im 4. Satz von op. 125 hineinmontiert. Wurde auch vom SWR 2 gesendet. Die Idee stammt m.E. als erstes von Michael Gielen. Er praktizierte es in Frankfurt etwa Ende der 70ziger Jahre. Ein FAZ-Kritiker bedauerte damals - vermutlich krokodilstränen-like - dass das Auditorium den Dirigenten lediglich mit kühlem Applaus davonkommen ließ, statt von seinem Recht Gebrauch zu machen, ihn zu köpfen.

MSchenk

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Beiträge: 2 774

Registrierungsdatum: 5. März 2011

4

Samstag, 20. Oktober 2018, 11:53

Dank, daß Du berichtet hast! Ich hätte Dich wahrscheinlich sonst direkt darum gebeten. Dein Urteil über KFV teile ich voll und ganz. Ich bin immer wieder davon beeindruckt, wie er mit seiner Stimme große Opernhäuser füllt. Und was er singt, bleibt immer verständlich.
Ich habe KFV über die letzten Jahre hier in Hamburg in den verschiedensten Rollen und Werken erlebt (Parsifal, Lohengrin, Meistersinger, Die tote Stadt, Beethoven 9te & Missa solemnis, Schmidt Das Buch mit sieben Siegeln). Das für mich Erstaunliche ist, dass ich vor allem in den Opernaufführungen - ich habe das hier irgendwo schonmal geschrieben - zu Beginn häufig dieses Gefühl des "Schön! Aber das hält der nie im Leben durch ..." habe, um dann am Ende festzustellen, dass KFV mich in absolut überzeugender Weise eines Besseren belehrt hat. Über die Textverständlichkeit haben wir, d.h. meine drei Bekannten und ich uns am vergangenen Samstag in der Pause ebenfalls unterhalten und waren wie Du der einhelligen Meinung, dass Vogt dbzgl. nichts vorzuwerfen ist.
mfG Michael

Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.