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Davidoff

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1

Sonntag, 23. Dezember 2007, 01:34

RUBBRA Edmund - Die Symphonien

Edmund Rubbra (1901 – 1986)

Die Symphonien

Klassische Formgebung und Improvisation

Edmund Rubbra war ein äußerst zurückhaltender Mensch und gab im allgemeinen wenig Hinweise auf die außermusikalischen Ideen, die zur Gestaltung seiner Musik beitrugen. Als kreativer Mensch reagierte er jedoch nachdrücklich auf Landschaften, auf politische und soziale Ereignisse der damaligen Zeit und wohl insbesondere auf religiöse und philosophische Vorstellungen und Gedankengänge. Alle diese Einflüsse fanden direkten Ausdruck in seiner Musik.

Edmund Rubbra wurde am 23. Mai 1901 in Northampton geboren. Er wuchs in den bescheidenen Verhältnissen einer Arbeiterfamilie auf, wo seine Mutter ihm ersten Klavierunterricht erteilte. Mit vierzehn Jahren verließ er die Schule, arbeitete als Bahnangestellter und gab mit 16 Jahren ein erstes Konzert mit Werken von Cyril Scott (1879 – 1970), der so auf ihn aufmerksam wurde und ihm daraufhin Klavier- und Kompositionsstunden erteilte. Vier Jahre später wurde er am Royal College of Music in London aufgenommen, wo seine Lehrer Gustav Holst (1874 – 1934) für Komposition, und Reginald Owen Morris (1886 – 1948 ) für Harmonie und Kontrapunkt waren. Beide hatten starken Einfluss auf seine weitere Entwicklung, und mit Begeisterung studierte Rubbra die Tudor-Musik der englischen Renaissance. Bis zum Zweiten Weltkrieg führte Rubbra ein künstlerisch äußerst bewegtes Leben, als Pianist und Tonsetzer (in beiden Funktionen wirkte er bei einer reisenden Theatergruppe mit), Lehrer und Kritiker. In den dreißiger Jahren wurde man allmählich auf sein Schaffen aufmerksam, das mittlerweile ausgeprägten Eigenton bewies. Seine erste Symphonie entstand 1934 -1937. Innerhalb vier Jahren folgten drei weitere Symphonien, die ihm den Rang als einen der führenden Komponisten des Landes sicherten – auch wenn, da sich bei ihm in besonders offensichtlicher Weise alle Elemente der kontrapunktischen Substanz unterordneten, oftmals seine Instrumentation als grau und eintönig gerügt wurde und das Desinteresse am ausgeprägten Effekt breiterem Erfolg auf Dauer im Wege stehen sollte. Nach dem Krieg sorgte das fortschrittsbetonte Klima zunehmend für Gegenwind. Bald galt Rubbra als Konservativer, was sich bei näherer Betrachtung nicht aufrechterhalten lässt. Die Symphonien Nr. 5 - 7, zwischen 1947 und 1957 entstanden, waren zeitweise ziemlich erfolgreich und wurden unter Dirigenten wie Stokowski, Boult oder Barbirolli gespielt. Ab der achten Symphonie (1966-68 ) wurde Rubbras Orchesterpalette noch farbenfroher, sinnlicher. Zum späten Höhepunkt seiner Symphonik gehören die nur für Holzbläser, zwei Hörner und Streicher besetzte Symphonie Nr. 10, und die einsätzige, seiner Frau Colette gewidmete Symphonie Nr. 11, die auch Rubbras letztes Werk für großes Orchester ist.




Edmund Rubbra (l.) und Adrian Boult (r.) studieren eine Partitur



Symphonie Nr. 1 op. 44

01. Allegro moderato e tempestoso
02. Perigourdine: Allegro bucolico e giocoso
03. Lento

Entstehung: 1935 – 1937
Uraufführung: 30.04.1937
Dirigent: Sir Adrian Boult
Verlag: Alfred Lengnick & Co., London
Dauer: ca. 35 Minuten


Symphonie Nr. 2 op. 45

01. Lento rubato –
02. Scherzo: Vivace assai
03. Adagio tranquillo
04. Rondo: Allegro amabile – Coda: Presto

Entstehung: 1937, rev. 1950
Uraufführung: 16.12.1938
Dirigent: Sir Adrian Boult
Verlag: Alfred Lengnick & Co., London
Dauer: ca. 34 Minuten


Symphonie Nr. 3 op. 49

01. Moderato
02. Allegro
03. Molto adagio ma liberamente
04. Tema con 7 variazioni e fuga

Entstehung: 1938 – 1939
Uraufführung: 15.12.1940
Dirigent: Sir Malcolm Sargent
Verlag: Alfred Lengnick & Co., London
Dauer: 35 Minuten


Symphonie Nr. 4 op. 53

01. Con moto
02. Intermezzo: Allegretto grazioso
03. Introduzione: Grave e molto calmo – Allegro maestoso

Entstehung: 1940 – 1942
Uraufführung: 14.08.1942
Dirigent: Edmund Rubbra
Verlag: Alfred Lengnick & Co., London
Dauer: ca. 28 Minuten


Symphonie Nr. 5 op. 63

01. Adagio
02. Allegro moderato
03. Grave –
04. Allegro vivo

Entstehung: 1947 – 1948
Uraufführung: 26.01.1949
Dirigent: Sir Adrian Boult
Verlag: Alfred Lengnick & Co., London
Dauer: ca. 27 Minuten


Symphonie Nr. 6 op. 80

01. Lento (Sempre flessibile) – Allegretto
02. Canto: Largo e sereno
03. Vivace impetuoso
04. Poco andante – Allegro moderato

Entstehung: 1953 – 1954
Uraufführung: 17.11.1954
Dirigent: Sir Malcolm Sargent
Verlag: Alfred Lengnick & Co., London
Dauer: ca. 33 Minuten


Symphonie Nr. 7 in C op. 88

01. Lento e molto espressivo
02. Vivace e leggiero
03. Passcaglia and Fugue: Lento

Entstehung: 1956 - 1957
Uraufführung: 01.10.1957
Dirigent: Andrzej Panufnik
Verlag: Alfred Lengnick & Co., London
Dauer: ca. 35 Minuten


Symphonie Nr. 8 op. 132
Hommage à Teilhard de Chardin

01. Moderato
02. Allegretto con brio
03. Poco lento

Entstehung: 1966 – 1968
Uraufführung: 05.01.1971
Dirigent: Sir Charles Groves
Verlag: Alfred Lengnick & Co., London
Dauer: ca. 24 Minuten


Symphonie Nr. 9 op. 140 “Sinfonia Sacra”
The Resurection

01. Prelude –
02. Chorus: Crux fidelis –
03. Chorale: Almighty Lord we pray thee –
04. Narrator: Now in the place where he was crucified –
05. Narrator: Peter went forth –
06. Chorus: Regina coeli –
07. Narrator: And behold, two of them went –
08. Conversation piece (Orchestra) –
09. Narrator: And Jesus led them –
10. Narrator: Viri Galilaei

Entstehung: 1961 – 1972
Uraufführung: 20.02.1973
Dirigent: Sir Charles Groves
Verlag: Alfred Lengnick & Co., London
Dauer: ca. 45 Minuten


Symphonie Nr. 10 op. 145 “Sinfonia da camera”
For Sir Arthur Bliss

01. Lento e liberamente –
02. Scherzando ma grazioso –
03. Lento –
04. Molto adagio

Entstehung: 1974
Uraufführung: 08.01.1975
Dirigent: ?
Verlag: Alfred Lengnick & Co., London
Dauer: ca. 15 Minuten


Symphonie Nr. 11 op. 153 in one movement
For Colette

Andante moderato Adagio: calmo e sereno

Entstehung: 1977 – 1979
Uraufführung: 20.08.1980
Dirigent: ?
Verlag: Alfred Lengnick & Co., London
Dauer: ca. 15 Minuten



Aufnahmen:

Symphonien 1 – 11

Lynne Dawson, Sopran
Della Kones, Alt
Stephen Roberts, Bariton
BBC National Symphony Orchestra of Wales
Richard Hickox

Chandos




Symphonien 3 & 4
A Tribute op. 56
Overture Resurgam op. 149

New Philharmonia Orchestra
Vernon Handley
London Philharmonic Orchestra
Sir Adrian Boult

Lyrita




Symphonien 6 & 8
Soliloquy for cello and orchestra op. 57

Rohan De Saram, Violoncello
Philharmonia Orchestra
Norman Del Mar
London Symphony Orchestra
Vernon Handley

Lyrita




Symphonien 2 & 7
Festival Overture op. 62

New Philharmonia Orchestra
Vernon Handley
London Philharmonic Orchestra
Sir Adrian Boult

Lyrita




Welche Werke kennt Ihr und welche Aufnahmen würdet Ihr empfehlen?


Davidoff
Verachtet mir die Meister nicht

Michael Schlechtriem

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2

Sonntag, 23. Dezember 2007, 03:04

Hallo Davidoff,

Zitat

auch wenn, da sich bei ihm in besonders offensichtlicher Weise alle Elemente der kontrapunktischen Substanz unterordneten, oftmals seine Instrumentation als grau und eintönig gerügt wurde und das Desinteresse am ausgeprägten Effekt breiterem Erfolg auf Dauer im Wege stehen sollte

Genau das ist mein Problem seit 25 Jahren mit der Musik von Rubbra.

Aber den Anfang seines Klavierkonzertes mag ich.
Wenn er dieses Niveau nur im Laufe des Werkes beibehalten hätte.

:hello:
Michael
"I should never have switched from Scotch to Martinis.“
Humphrey Bogarts letzte Worte.

WolfgangZ

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Registrierungsdatum: 16. April 2007

3

Sonntag, 23. Dezember 2007, 11:47

Hallo, Davidoff!

Ich habe einst einen Mitschnitt der sechsten Sinfonie mit Hickox angefertigt und werde sie mal wieder anhören. In Erinnerung habe ich einen eher dunklen, durchaus britischen Klang, quasi ein geglätteter Bax oder Vaughan Williams.

Aber wenn es, Michael zufolge, ein Klavierkonzert mit einem guten Anfang gibt, dann wäre das doch für mich eine gute Möglichkeit zum Weitermachen. :D

Besten Gruß, Wolfgang
Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

audiamus

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4

Sonntag, 23. Dezember 2007, 13:28

Wenn wir schon am Klippenrand des OT stehen: Besonders empfehlen möchte ich das Violinkonzert Op. 103, uraufgeführt 1960.

Große Linien und phantasievolle rhapsodische bis ausgesprochen lyrische Elemente (ein wundervoll poetischer zweiter Satz).
Natürlich alles unterlegt mit britisch-herbem Charme, den man zum Genuss schon mögen muss.

Die Symphonien sind bislang an mir vorbei gegangen, aber auch wenn ich mich vielleicht nicht durch alle elf graben werde, so wird mir dieser Thread Anlass genug sein, mal etwas auf die Pirsch zu gehen.

Thanks a bundle, Davidoff.


audiamus


.

"Oh, das schmeckt gut. Danke!" - Johannes Brahms' letzte Worte

Davidoff

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5

Sonntag, 23. Dezember 2007, 15:54

Zitat

Original von audiamus

Die Symphonien sind bislang an mir vorbei gegangen, aber auch wenn ich mich vielleicht nicht durch alle elf graben werde, so wird mir dieser Thread Anlass genug sein, mal etwas auf die Pirsch zu gehen.


Dann möchte ich Dir gerne folgende Symphonien empfehlen, die nicht "grau und eintönig" klingen, sondern prachtvoll strahlen und vor Freude überschäumen:

Symphonie Nr. 3 op. 49

Symphonie Nr. 5 op. 63

Symphonie Nr. 7 op. 88

(Was aber nicht heißen soll, dass die anderen Symphonien öde sind!)

Davidoff
Verachtet mir die Meister nicht

audiamus

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6

Sonntag, 23. Dezember 2007, 17:26

Danke erneut. Mal sehen, was das Christkind noch an last minute gifts zu bieten hat.


audiamus

"Oh, das schmeckt gut. Danke!" - Johannes Brahms' letzte Worte

teleton

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7

Montag, 24. Dezember 2007, 10:06

Rubbra muß bei mir noch zünden

Hallo Davidoff,

Danke für deine Empfehlung, sich mit den Sinfonien Nr.3,5,und 7 zu beschäftigen.
Diese werde ich in nächster Zeit mal hören.

Die Rubbra-Sinfonien habe ich in der Hickox-GA eher zufällig, da sie nach Bestellung in meiner Verwandtschaft doppelt geliefert wurden.


Ob ich mich sonst jemals dafür interessiert hätte ist fraglich.
Ich habe in den letzten Jahren mehrmals in die Chandos-Box reingehört und hier und da schon interessante Abschnitte gehört. Aber es ist eigendlich nichts hängen geblieben, sodas ich nun keine Sinfonie benennen könnte in der ich außergewöhnliches gehört hätte. Vom Zugang her bieten die Werke allesamt keine Schwierigkeiten, da voll tonale Musik - aber der zündende Funke - wo ist der ?
Von daher kann ich Michael Schlechtriems Eindrücke zu Rubbra nachvollziehen.

:hello: Ich werde meine Eindrücke zu Rubbra, gemäß deiner Werk-Empfehlungen auffrischen und berichten.
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Davidoff

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Beiträge: 1 266

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8

Montag, 24. Dezember 2007, 10:51

Lieber Teleton,

die drei von mir vorgeschlagenen Werke gehören in der Tatg zu meinen Lieblingsstücken des Komponisten. Vor allem der herrliche Variationensatz (4) der dritten Symphonie und die sich daran anschließende Fuge sind wunderbar anzuhören.
:jubel:

Ich wünsche Dir und allen anderen viel Spaß mit diesen Werken.

Davidoff
Verachtet mir die Meister nicht

Alfred_Schmidt

Administrator

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Registrierungsdatum: 9. August 2004

9

Dienstag, 16. Oktober 2018, 12:41

Ich besitze - dank der "Lyrita-Aktion" nun 2 Sinfonien von Rubbra, nämlich die 3. und 4. Sinfonie. Gehört habe ich heute die 3. Sinfonie, kann also keine allgemeine Aussage zu Rubbras Sinfonien im allgemeinen machen. Schon zu Beginn konnte ich zu meiner Überraschung feststellen, daß das Werk recht angenehm klingt. Der nächste Eindruck war dann der einer gewissen Beliebigkeit, wie sie IMO oft bei englischen Komponisten seiner Generation festzustellen ist (oder korrekter ausgedrückt: "wie ich glaubte, feststellen zu können")
Dieser Eindruck war indes nur von kurzer Dauer, denn Rubbra setzt immer wieder akustische Akzente von eher hoher Dynamik und Effekt, die das Interesse stets wach halten - mich wundert, daß hier "teleton" nicht begeistert davon ist. Persönlich gefällt mir diese Sinfonie besser als das meiste, das ich bisher von Rubbras englischen Zeitgenossen gehört habe. Enstehungszeit und Spieldauer findet ihr im Eröffnungsbeitrag von Davidoff.
Für mich war diese Sinfonie eine positive Überraschung. Sie war einst auch beim (englischen ??) Publikum sehr beliebt geriet aber allmählich in Vergessenheit. Die späteren Sinfonien (Rubbra schrieb 11 an der Zahl) hatten weniger Resonanz. Mittelfristig könnte hier die Ursache hinterfragt werden.
Daß Rubbra weder im Harenberg Konzertführer - noch im Reclam-Komponistenlexikon Platz gefunden haben sei nur der Vollständigkeit vermerkt.
Auch bei "Der große Konzertführer" von Csampai/Holland wird Rubbra mit keinem Satz erwähnt

mfg aus Wien
Alfred

MIT ARBEIT VERSAUT MAN SICH DIE GANZE FREIZEIT

teleton

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10

Montag, 22. Oktober 2018, 19:53

Dieser Eindruck war indes nur von kurzer Dauer, denn Rubbra setzt immer wieder akustische Akzente von eher hoher Dynamik und Effekt, die das Interesse stets wach halten - mich wundert, daß hier "teleton" nicht begeistert davon ist. Persönlich gefällt mir diese Sinfonie besser als das meiste, das ich bisher von Rubbras englischen Zeitgenossen gehört habe.


Bei der Masse, was man an CD´s zu hören hat, was man empfohlen bekommt (auch bei TAMINO) und die eigenen Prioritäten berücksichtigend, steht Rubbra bei mir immer noch hinten an ... mein letzter Beitrag war hier von 2007 ....
:pfeif: ja, die Rubbra - Box habe ich in der Tat seitdem nicht mehr angerührt ... folgt demnächst ... nur - :D wann ist demnächst ???
Gruß aus Bonn, Wolfgang

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