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MSchenk

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Donnerstag, 4. Oktober 2018, 19:44

Ich bin ehrlich gesagt froh, dass auf den Opernbühnen nicht mehr alles züchtig und bieder zugehen muss, damit sich bloß keiner aufregt oder gar in einen kataplektischen Anfall taumelt.

Hierzu vielleicht recht amüsant ein Brief an die Intendanz:

Sehr geehrter Herr Everding, leider bin ich gezwungen, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß meine Ehefrau nach dem Besuch o. gen. Oper einen Nervenzusammenbruch (unter dem 1.Akt) erlitten hat. Dieser Zumutung einer disharmonischen Musik (Lärm) können Sie einem psychisch normalen Publikum nicht anbieten (*) [...] Ich meine, in der Oper sollte man sich entspannen und das Leben schön finden, aber keinesfalls durch krankhaften, überspannten "Musiklärm" traumatisiert werden.

(*) Abonnenten sind besonders ungeschützt!"
[aus Aribert Reimanns "Lear", Weg einer neuen Oper, Hrsg. K.Schultz, dtv 1984; S.109]

Ebd. meint C.H.Henneberg, der Librettist des Reimannschen Lear: "Gewisse Bildungsvoraussetzungen gelten für die Oper und sollten rücksichtslos beansprucht werden." Er läßt dabei allerdings offen, ob diese Inanspruchnahme auch für "wahre Opernfreunde" gilt ... :hello:
mfG Michael

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MSchenk

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62

Donnerstag, 4. Oktober 2018, 21:32

Eine weitere musikalische Anmerkung bzw. Frage an Experten: Ich könnte schwören, die Arie der Morgana im 3ten Akt "Credete al mio dolore" ist aus einer der Bach-Passionen abgeschrieben!?
mfG Michael

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Rheingold1876

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63

Donnerstag, 4. Oktober 2018, 22:00

Eine weitere musikalische Anmerkung bzw. Frage an Experten: Ich könnte schwören, die Arie der Morgana im 3ten Akt "Credete al mio dolore" ist aus einer der Bach-Passionen abgeschrieben!?


Obwohl kein Experte und nicht einmal ein Kenner bin, würde ich dieser Annahme nicht folgen wollen. Der Inhalt der Schmerzensarie der Morgana lässt allerdings auch für mich gewisse stilistische Ähnlichkeiten mit Bach aufkommen. Es st ja fast die gleiche Zeit. Bachs große Passionen sind den Jahren nach nur wenig älter als die "Alcina". Etwas aber finde ich interessant: Vergleicht man HIP-Produktionen beider Komponisten miteinander erscheint mir die Ähnlichkeit größer als in herkömmlichen Interpretationen.
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MSchenk

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64

Donnerstag, 4. Oktober 2018, 22:11

Etwas aber finde ich interessant: Vergleicht man HIP-Produktionen beider Komponisten miteinander erscheint mir die Ähnlichkeit größer als in herkömmlichen Interpretationen.
Hierzu meinte ein Bekannter, der am kommenden Samstag ebenfalls dabei sein wird und sich verschiedene Aufnahmen der Alcina angehört hat, es sei jedesmal eine andere Oper. Dabei ist der Unterschied zwischen z.B.

oder
und

natürlich klar. Aber auch die letztgenannte Aufnahme und die in diesem Thread in Rede stehende DVD

unterscheiden sich schon wesentlich, nicht nur in der Besetzung des Ruggiero.
mfG Michael

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65

Donnerstag, 4. Oktober 2018, 22:21

Der Bekannte kann gut hören. So einen sollte man immer dabei haben. :) Besondere Hinwendung verdient meiner Auffassung nach die Cappella Coloniensis, die in der von Dir auch gezeigten Aufnahme unter Ferdinand Leitner spielt und die man vielleicht nicht auf Anhieb mit HIP in Verbindung bringt. Leitner hat mit diesem Orchester aber sehr frühzeitig in diese Richtung gearbeitet.
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MSchenk

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Donnerstag, 4. Oktober 2018, 22:39

Besondere Hinwendung verdient meiner Auffassung nach die Cappella Coloniensis, die in der von Dir auch gezeigten Aufnahme unter Ferdinand Leitner spielt und die man vielleicht nicht auf Anhieb mit HIP in Verbindung bringt. Leitner hat mit diesem Orchester aber sehr frühzeitig in diese Richtung gearbeitet.

Und er wohl nicht nur die Alcina aufgenommen, sondern auch

und

Mir ist Leitner vor allem in Erinerung als erster Dirigent, den ich hier in Hamburg mit einer Wagner-Oper erlebt habe: Damals im "zarten" Alter von wohl 15 oder 16 musste es dann allerdings nichts weniger sein, als der Parsifal (an einem Karfreitag!) mit Peter Hofmann in der Titelpartie ...
mfG Michael

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67

Freitag, 5. Oktober 2018, 07:15

Mir ist Leitner vor allem in Erinerung als erster Dirigent, den ich hier in Hamburg mit einer Wagner-Oper erlebt habe: Damals im "zarten" Alter von wohl 15 oder 16 musste es dann allerdings nichts weniger sein, als der Parsifal (an einem Karfreitag!) mit Peter Hofmann in der Titelpartie ...


In diesem Alter hat auch mir der "Parsifal" am meisten Spaß gemacht - wenn den das Wort Spaß überhaupt umschreiben kann, was mich bewegte. Dieser fast unschuldige Schauer, der hat sich später so nie wieder eingestellt. :( Schön, dass Du auf den "Tamerlano" kommst, der bei Leiter scharf gekürzt ist. Man muss schon genau hinhören, um herauszufinden, wie er seinen neuen Ansatz bei Handel versuchte. Leider sind die männlichen Hauptprotagonisten mit Franz Mazura (Tamerlano) und Kieth Engen (Andronico) in diesem Fall nicht die glücklichste Wahl. Mazura machte sich vor allem im Wagnerfach, als Pizarro oder Scarpia einen Namen, folglich bringt ihn niemand zwangsläufig in Verbindung mit Händel. Engen hat zumindest durch seine Mitwirkung in vielen Produktionen von Karl Richter Erfahrungen mit Barockmusik, die ihm nun zu Gute kommen. Bei allem Fortschritt, den die Aufnahme durch einen sehr leichten, flotten und durchsichtigen Orchesterklang markiert, wird sie durch die Besetzung der beiden männlichen Partien stilistisch zurückgeworfen – wirkt inzwischen doch sehr historisch, eben wie man in den 1960ern besetzte. Harnoncourt oder Jacobs waren noch nicht auf dem Plan. In der Uraufführung der Oper 1724 in London wurden beide Rollen - wenn ich richtig informiert bin - von Kastraten gesungen. Wir schweifen ab. Es geht hier um "Alcina", für die ich Dir, lieber Michael, Erbauung wünsche.
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Freitag, 5. Oktober 2018, 11:21

Eine weitere musikalische Anmerkung bzw. Frage an Experten: Ich könnte schwören, die Arie der Morgana im 3ten Akt "Credete al mio dolore" ist aus einer der Bach-Passionen abgeschrieben!?


Nein. Händel hat sich zwar von allem Möglichen "inspirieren" lassen (bis hin zur aus heutiger Sicht dreisten Kopie), aber mit Bach gibt es meines Wissens keine direkten Überschneidungen/Anleihen. Wenn so ein Eindruck entsteht, basiert das Stück meistens auf einer so verbreiteten Geste oder Tonfolge, dass sie als barockes Allgemeingut gesehen werden muss. Oder auf einem Stück aus einem lutherischen Choral (was hier natürlich nicht passt).