Sie sind nicht angemeldet.


JPC Amazon

AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 19 213

Registrierungsdatum: 9. August 2004

1

Dienstag, 2. Oktober 2018, 10:11

Bildbetrachtung - Pieter Brueghel. d. Ä: Der Turmbau zu Babel (Wiener Fassung)


Wenn ich hier bereits zu Beginn es Projekts „Bildbetrachtung“ oder Bildbeschreibung“ (was ja nicht ganz dasselbe ist, und ich hier eine Mischform praktiziere) erneut ein Bild von Pieter Brueghel, d. Ä, thematisiere, dann ist das auch der in Kürze startenden Bruegel Ausstellung im Kunsthistorischen Museum in Wien geschuldet. Von den 40 als authentisch anerkannten Pieter Brueghels d. Ä (ein 41. aus einer Privatsammlung wurde vor kurzem als eigenhändig erkannt) befinden sich 12 im KHM, welches somit über die größte Brueghel Sammlung der Welt verfügt. In dieser Ausstellung werden weitere 16 aus aller Welt als Leihgaben zu sehen sein. Ein Jahrhundertereignis !!

Zurück zum „Turmbau zu Babel“
Das Thema wurde in der Vergangenheit oftmals als Vorlage für Gemälde genommen, Brueghel selbst hat zwei gemalt
Die Abbildung zeigt die „Wiener Fassung“ von 1563 (die andere Version hängt in Rotterdam)

Bemerkenswert ist unter anderem die runde Bauform. Einige meiner Quellen behaupten, Brueghel sei hier vom Kolosseum inspiriert gewesen. Zumindest erinnert der Baustil eher an den römischen, als an den Babylonischen. Das an sich überzeugende Werk strotzt nur so von „Stilbrüchen“ – in jener Zeit unvermeidlich – Wir sehen dergleichen auch bei den zahlreichen Darstellungen der „Geburt Christi“
Auch hier haben wir teilweise Orientalische Elemente , z.B. die Arbeiter die vor König Nimrod (eine legändere Figur, die vermutlich nie existiert hat) den Kotau machen. Dann aber weist die Stadt im Hintergrund eindeutig niederländischen Charakter auf. Die Bautechnik –Kran, Seilwinde etc entspricht dem technischen Stand zu Brueghels Zeit. Der Detailreichtum des Bildes ist beachtlich, wenngleich bei Brueghel nicht ungewöhnlich. Es gelingt dem Künstler sehr gut , dem Betrachter unterschwellig die Undurchführbarkeit des Projekts vor Augen zu führen,indem er die Winzigkeit der Menschen zeigt und auch die Unvollkommenheit des Bauwerks, das sich schon im unfertigen Zustand leicht zur Seite neigt – wie der Schiefe Turm von Pisa.
Wer Zeit und Lust hat, der kann stundenlang vor dem Gemälde verbringen, er wird immer wieder neu interessante Details ausfindig machen….

mfg aus Wien
Alfred

MIT ARBEIT VERSAUT MAN SICH DIE GANZE FREIZEIT

dr.pingel

Prägender Forenuser

  • »dr.pingel« ist männlich

Beiträge: 4 301

Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

2

Dienstag, 2. Oktober 2018, 14:08

Es gab in Babylon mehrere Türme, sog. Zikkurats. Die sahen natürlich komplett anders aus als der Turm von Brueghel. Da haben wir sozusagen ein "Regietheaterbild" vor uns (in meinem Wiener Semester war ich fast jeden Vormittag im Kunstmuseum - ein Traum. Der Eintritt bei den staatlichen Kunstmuseen war für Studenten frei. Das galt selbst für Preußen!)
Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)