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1

Freitag, 11. Mai 2007, 18:35

Mehr als ein Epigone Giglis – Ferruccio Tagliavini

Liebe Forianer,

einer meiner Lieblingssänger scheint hier noch keine eigene Plattform zu haben. Dieser Thread soll also Ferruccio Tagliavini gewidmet sein, einem Tenor, den viele für den letzten echten tenore di grazia halten, einem Sänger, der dem großen Tito Schipa nachfolgte, in dessen Tradition auch Sänger wie Cesare Valletti, Alfredo Kraus und letztlich auch Juan Diego Florez stehen.

Tagliavinis Karriere dauerte, grob bemessen, etwa von 1940 bis 1960. Ich hätte daher diesen Thread genauso gut dem Orchideenforum über Schellackschätze anvertrauen können, hoffe hier aber auf etwas breitere Resonanz.



Geboren wurde Ferruccio Tagliavini am 14.08.1913 im italienischen Barco. Seine Bühnenkarriere begann 1938. In den 40er Jahren feierte er insbesondere als Nemorino in Donizettis „L’elisir d’amore“ größte Erfolge. Der internationale Durchbruch gelang 1948, als er als einer der ersten italienischen Sänger nach Ende des Weltkriegs an die New Yorker Metropolitan Opera eingeladen wurde. Sein Bohème-Rodolfo wurde dort zu einem Sensationserfolg. In den Zeitungen war zu lesen, dass an der MET in den letzten Jahren kein Tenor diese Rolle so bewegend gestaltet habe. Zu beachten ist dabei, dass der Rodolfo in den Vorjahren auch von einem gewissen Jussi Björling gesungen worden war.

Um 1950 wurde Tagliavini in Italien als der legitime Nachfolger Beniamino Giglis gesehen. Wohl auch deshalb konnte Tagliavini, der Gigli sehr bewunderte, nicht widerstehen, seiner Stimme einige von Giglis Glanzpartien zuzumuten. Ab den 50er Jahren trat er dann vielfach auch als Faust (Boito), Cavaradossi oder Riccardo (Maskenball) auf. Das führte dazu, dass seine Stimme nachdunkelte und an Flexibilität und an der charakteristischen Süße verlor.

Seine Karriere beendete er offiziell erst 1970. Ferruccio Tagliavini starb am 28.01.1995 in Reggio Emilia. Er wurde 81 Jahre alt.


Gerade in den 50er und 60er Jahren, als die sensible, fein gezeichnete Gesangskunst nicht besonders in Mode war, hat man Tagliavini teilweise als schmalzig abgetan. Ich kann das nicht nachempfinden. Anders als bei Gigli, dessen Effekte ich manchmal als sehr gewollt und übertrieben empfinde, stören mich Tagliavinis wohl dosierte Schluchzer überhaupt nicht. Mich beeindrucken vielmehr seine kluge Phrasierung, sein außerordentliches Einfühlungsvermögen und der geschickte Einsatz der voix mixte. Relativ untypisch für einen tenore die grazia ist allerdings die (vor allem in späteren Jahren) relativ kurze Höhe und ein gut ausgeprägtes Brustregister.

Tagliavini ist für mein Empfinden der ideale Sänger, um verträumte Melancholie auszudrücken. Unerreicht ist er für mich daher als Elvino (Sonnambula), Werther und als Fritz (Mascagni). Immer noch ausgezeichnet gefällt er mir zum Beispiel als Nemorino, Rodolfo, Fenton, Duca (Rigoletto) und Faust (Boito).

Noch zwei CD-Empfehlungen:



Eine schöne Sammlung von frühen Aufnahmen Tagliavinis wurde 2003 von Warner auf drei CDs veröffentlicht. Hier kann man gut erkennen, was die Stimme Tagliavinis auszeichnet: Seine stilvolle Linienführung, die großartige Stimmkontrolle und der zarte Ton, gepaart mit der Fähigkeit zur dramatischen Attacke. Man erlebt hier einfach einen der besten Belcantisten des 20. Jahrhunderts. Die früheste Aufnahme aus dieser Sammlung stammt aus dem Jahr 1939 - ein sehr verträumtes Kirschenduett aus Mascagnis L’amico Fritz, das Tagliavini zusammen mit Magda Olivero singt, die damals ebenfalls am Anfang ihrer langen Karriere stand.



Eine meiner Lieblingsopernaufnahmen überhaupt ist diese Gesamtaufnahme von Francesco Cileas „L’Arlesiana“, eine RAI-Aufnahme, die 1951 anlässlich des Todes des Komponisten entstand. Tagliavini singt hier an der Seite seiner Ehefrau Pia Tassinari einen fantastischen Federico. Seine Stimme ist ideal für diese Rolle geeignet und noch in voller Blüte.

Noch ein Wort zum Werk: „L’Arlesiana“ stammt aus der lyrischen Strömung des Verismo und wurde 1897 mit Caruso als Federico mit großem Erfolg uraufgeführt. Dennoch hat sich die Oper wohl nie wirklich durchsetzen können – warum, kann ich nicht nachvollziehen. Mir gefällt die Oper jedenfalls besser als Cileas bekanntere „Adriana Lecouvreur“. Allein das Lamento des Federico (È la solita storia del pastore) aus dem 2.Akt gehört noch zum Repertoire vieler Tenöre. Der Oper zugrunde liegt das symbolistische Stück „L’Arlésienne“ von Alphonse Daudet, für das Georges Bizet die Bühnenmusik komponierte.

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2

Dienstag, 15. Mai 2007, 23:38

Den Enthusiasmus für Tagliavini kann ich nicht voll und ganz teilen. Er war meiner Meinung nach weder ein Tenore di grazia (das wurde ihm zu Anfang seiner Karriere unterstellt) noch ein Lirico spinto (der versuchte er am Ende seiner Karriere zu sein). Deshalb paßt zu ihm auch nicht der Titel Gigli-Epigone. Tagliavini haftete ein ganz großes Manko an: Es gelang ihm nicht, seine außerordentlich süß klingende Kopfstimme mit der etwas stumpfen, bronzenen Bruststimme zu vereinen. Das Resultat war besonders nach 1945 entweder falsettiges Säuseln oder brustiges Bellen (man höre seine La Bohème für Cetra). Dazu kam der Verlust der hohen Töne. Nach Mitte der 1950er Jahre vermied er alles, was jenseits des hohen B lag und ging wohl deshalb auch ganz gezielt ins für ihn ganz schwere Repertoire über. Seine Sternstunden hatte er ohne Zweifel in der oben genannten Cilea-Partie, aber auch als Almaviva in Rossinis Barbiere (zu sehen/hören auf einem Video, gemeinsam mit Tito Gobbi als Figaro). Dazu natürlich die frühen Aufnahmen für Cetra (1941), besonders das Duett aus L'amico Fritz mit Magda Olivero.

Hätte er seinen oben genannten Fehler in den Griff bekommen, dann bin ich mir sicher, daß er ein zweiter Gigli hätte werden können.
Mein Wort hörtest Du... hüte Dich wohl.

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3

Mittwoch, 16. Mai 2007, 15:43

Hallo Mengelberg,

die Kritik, die du an Ferruccio Tagliavini äußerst, kann ich zum Teil nachvollziehen und auch teilen.

Allerdings halte ich Tagliavini schon für einen tenore di grazia. Für meinen Geschmack hat er viele der klassischen Rollen eines tenore di grazia (Almaviva, Elvino, Nemorino, Werther) sehr überzeugend gesungen. Seine frühen Aufnahmen zeigen meines Erachtens auch, dass er durchaus über einen guten Registerausgleich verfügte.

Beim Hören seiner Aufnahmen habe ich den Eindruck, dass sich Tagliavinis Stimme in der Zeit um 1950 verändert hat und dunkler, brustiger wurde, wodurch er sich vom Ideal eines tenore di grazia entfernte. Damit einher ging die Wahl zu schwerer Partien. Schon 1948 hat Tagliavini Arien aus der Fanciulla del West und aus Andrea Chenier aufgenommen. Der Wechsel ins (für ihn) schwere Fach dürfte dabei wohl mehr gewollt als durch stimmliche Mängel erzwungen gewesen sein. Als sich Gigli von der Opernbühne verabschiedet hatte, suchte man nach einem Nachfolger und der Blick fiel auf Tagliavini, der stilistisch mit Gigli einiges gemein hatte. Dass Tagliavinis Stimme kleiner war als die Giglis, wurde (wohl auch von Tagliavini selbst) übersehen oder verdrängt. Daher ist er in der Tat auch für mich nicht der Nachfolger Giglis, weswegen mein Thread-Titel wohl nicht ganz gelungen ist. Tagliavini verfügte über ein sehr zartes Organ; ich glaube, erst der Wechsel ins für ihn zu schwere Repertoire zwang ihn zu dem Bellen, das du zu Recht monierst. Man kann das in einem Tosca-Mitschnitt aus dem Jahr 1955 hören, in dem Tagliavini von einer hochdramatischen Renata Tebaldi förmlich an die Wand gesungen wird und versucht das fehlende Stimmvolumen durch das erwähnte Rufen zu kompensieren – das hätte er besser lassen sollen.

Ab Mitte der 50er Jahre sang er dann in der Tat meist ohne Mischung der Register. Auch die Cetra-Aufnahme von La Bohème ist dafür ein Beispiel, wobei ich davon ausgehe, dass Tagliavini hier einen schlechten Tag – denn die Aufnahme entstand an nur einem Tag (12.07.1952) – gehabt hat. Das "Che gelida manina" singt er transponiert und wirkt trotzdem alles andere als souverän. Das konnte er zweifellos besser. Trotz allem mag ich die Einspielung durchaus, was aber nicht nur an Tagliavini liegt.

Insgesamt ist Ferruccio Tagliavini einer von diesen Sängern, die ich trotz ihrer Schwächen sehr gern mag. Wer die Verwendung des Falsetts durch Männerstimmen ablehnt, wird an der Stimme Tagliavinis wenig Gefallen finden. Mir gefallen sein Timbre und seine Phrasierung, die ihn – so finde ich – als einen großen Künstler auszeichnet.

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4

Mittwoch, 16. Mai 2007, 20:45

Hallo Zauberton,

ich stimme in den meisten Punkten mit Dir überein. Irgendwie ist für mich Tagliavini ein ähnlicher Fall wie Giuseppe di Stefano, der in ganz jungen Jahren über einen guten Registerausgleich verfügte - und ihn dann sehr bald wieder verlor (nämlich auch so um die Mitte der 1950er Jahre) und dann Rollen wie Andrea Chenier und Radames sang. Nur was Tagliavinis Anlage angeht, bin ich mit Dir nicht ganz einer Meinung. Daß Tagliavini überhaupt in der Lage war, einen Riccardo oder einen Cavaradossi mit Erfolg auf der Bühne zu singen, scheint mir ein Beweis dafür, daß es sich bei ihm um mehr als "nur" um einen Tenore di Grazia handelt. Oder anders herum: Ich glaube nicht, daß ein astreiner Tenore di Grazia wie Juan Diego Floréz so etwas könnte.
Ich habe eine Doppel-LP mit Live-Mitschnitten, auf der ein Höhepunkt die große Arie aus Massenets Manon ist (Ah dispar vision) - die Dramatik und der packende Ton, den Tagliavini da anschlägt, gehen für mich weit über das hinaus, was ein Tenore di Grazia zu leisten imstande wäre. Freilich singt er da schon brustig, wenn auch moderat. Wäre er bei der starken Falsett-Mischung geblieben, dann OK, dann wäre er vielleicht auch in meinem Buch ein Tenore di Grazia geblieben.
Tagliavini gefällt mir übrigens als Liedinterpret außerordentlich gut. Es gibt ein paar schöne neapolitanische Lieder und Filmsongs (bei TIMA erschienen und zur Zeit vergriffen) und Aufnahmen einiger Sizilianischer Volkslieder, die einfach betörend sind.

Beste Grüße

:hello:
M.
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5

Mittwoch, 16. Mai 2007, 21:51

Hallo Mengelberg,

so wie es aussieht, kommen wir vielleicht doch noch auf einen gemeinsamen Nenner.

Tagliavini hatte diese große Süße in der Kopfstimme, die auch Tito Schipa hatte. Deshalb hat er am Anfang seiner Karriere die klassischen Partien eines tenore di grazia gesungen – ich finde mit durchschlagendem Erfolg. Weil Tagliavinis beste Aufnahmen aus diesem Repertoire stammen, habe ich ihn einfach bei den tenori di grazia einsortiert. Vielleicht ist es auch so, dass gerade der harte Kern seiner Stimme die Interpretationen so besonders macht.

Weil seine Bruststimme fraglos stärker ausgeprägt war als zum Beispiel bei Cesare Valletti oder Alfredo Kraus, konnte er zwar Rollen wie den Cavaradossi auf der Bühne singen, was aber der Stimme meines Erachtens nicht besonders gut bekam. Das Nachdunkeln seiner Stimme kann ich mir nur damit erklären, dass er sein Brustregister überstrapaziert hat, um die in diesen Partien notwendige Durchschlagskraft zu erreichen. Tagliavini wäre daher wohl besser bei seinem ursprünglichen Repertoire geblieben. Die Parallele zu Giuseppe di Stefano gefällt mir. Beide haben am Anfang ihrer Karriere wirklich zauberhaft gesungen, aber stimmlich ziemlich bald abgebaut und dann mit der Wahl zu schwerer Partien alles noch schlimmer gemacht. Beide Sänger höre ich trotzdem sehr gern.

Einige Lieder und Filmsongs mit Tagliavini sind übrigens auch auf der dritten CD der Warner-Box drauf, die ich oben abgebildet habe (Voglio vivere così u.ä.). Die meisten Aufnahmen sind von 1941.

Grüße nach Berlin
:hello:

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6

Mittwoch, 16. Mai 2007, 22:17

Hallo Zauberton,

auf einen gemeinsamen Nenner kommen wir bestimmt! Ich glaube nämlich auch, daß das Nachdunkeln durch die Überstrapazierung der Bruststimme entstanden ist (oder umgekehrt... es ist wie mit dem Ei und der Henne). Das hat übrigens dazu geführt, daß sowohl Di Stefano als auch Tagliavini zeitweise brustiger gesungen haben als die meisten ihrer Kollegen, vor allem in der hohen Lage - was natürlich ein echter Stimmkiller ist. Höre Dir mal die Aufnahme der Puritani mit Di Stefano von 1952 an. Da ist seine Stimme noch ganz gut in Schuß, und es gelingt ihm da, die hohen und höchsten Töne wirklich fast vollkommen "in petto" herauszustemmen. Wahnsinn - und vielleicht gerade so faszinierend, weil es gleichzeitig so risikobehaftet war.
Zurück zu Tagliavini und ein kleines postscriptum meinerseits: Schau' doch mal bei Youtube nach dem Duett aus L'amico Fritz mit Magda Olivero. Da taucht dann ein Video auf - nicht mit Tagliavini sondern mit Claudio Villa. Ein Canzoniere, der allerdings in der besten Tagliavini-Tradition stand. Diese Kopfstimme...
Daß der Moderator ihn als "Tenore di grazia" vorstellt, findet er allerdings übertrieben...

:hello:
Gute Nacht!
M.
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7

Freitag, 18. Mai 2007, 11:31

Hallo Mengelberg,

du scheinst nicht viel Glück mit deinen Verweisen ins world wide web zu haben. Das Kirschenduett von Youtube ist leider in der Zwischenzeit entfernt, "due to terms of use violation". Schade.

Ich nehme an, dass du mit der Puritani-Aufnahme den Livemitschnitt aus Mexico meinst. Wenn man von der miserablen Aufnahmequalität und dem typischen mexikanischen Chaos im Orchestergraben einmal absieht, ist das eine wirklich mitreißende Aufnahme. Callas ist sehr gut, di Stefano knallt die hohen Ds (oder wurde transponiert?) mit einem Selbstbewusstsein hin, dass es (nur für den Hörer) atemberaubend ist. Die Studioaufnahme, die ein Jahr später entstand, gehört meines Erachtens nicht zu di Stefanos besten Aufnahmen. Seine Stimme ist auch hier sehr schön, aber gerade in der Höhe klingt er eng und angestrengt.

Um auf Tagliavini zurückzukommen: Die Partie, in der er neben dem Nemorino die größten Erfolge gefeiert hat, war der Werther. Es existieren gleich drei Aufnahmen von ihm in dieser Rolle, eine Radioaufnahme aus dem Jahr 1953 zusammen mit seiner Ehefrau Pia Tassinari und zwei Liveaufnahmen, 1952 mit Simionato, 1959 mit Gencer. Die beiden Livemitschnitte sind italienisch gesungen. Man muss dazu sagen, dass die Oper in allen drei Aufnahmen, wie nicht anders in den 1950er Jahren zu erwarten, stilistisch ein wenig italianisiert worden ist. Französischer singen zum Beispiel Georges Thill oder Nicolai Gedda. Mir gefällt Tagliavini trotzdem.



petra

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8

Montag, 27. August 2007, 19:25

Hallo Zauberton und Mengelberg,

ich bin der Anregung aus dem Gigli-thread gefolgt, da ich diesen Sänger auch sehr gern höre.
Ähnlich wie für Björling, der trotz seines Metalls ursprünglich eigentlich auch eine eher zarte Stimme hatte und aus seinen Anfangsjahren wunderbar lyrische Aufnahmen hinterlassen hat, dann aber schon früh unbedingt in das Spinto-Fach wollte, gilt auch wohl für Tagliavini:

Zitat von »'Zauberton«

Tagliavini wäre daher wohl besser bei seinem ursprünglichen Repertoire geblieben.

Es war vielleicht eine Frage des Zeitgeschmacks: Auch di Stefano (den ich übrigens aus unerfindlichen Gründen trotz seiner anfangs wunderbaren Stimme nicht gern singen höre) wählte schon früh die dramatischeren Rollen, dann kamen del Monaco und Corelli ...

Als schmalzig habe ich Tagliavini nie empfunden. Vielleicht setzt er manchmal etwas mehr auf sentimentale Effekte als z.B. Cesare Valetti, aber die "verträumte Melancholie" und die sensible Phrasierung seines Singens sprechen mich immer wieder an.

Außer dem Kirschenduett mit Olivero mag ich besonders gern seinen Elvino in der Somnambula (mit Lina Pagliughi, einer meiner Lieblingssängerinnen) und das zauberhafte: "Lucieta xe bel nome" aus Wolf-Ferraris "I Quattro Rusteghi".


:hello: Petra
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Harald Kral

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9

Dienstag, 28. August 2007, 15:05

Tagiavini

Bei Naxos gibt es eine schöne CD mit Duetten und Arien mit seiner Ehefrau Pia Tassinardi


Harald

Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
(Vinícius de Moraes)

Harald Kral

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10

Mittwoch, 14. August 2013, 09:54

Zum 100. Geburtstag

Heute vor 100 Jahren geboren:



Ferruccio Tagliavini (* 14. August 1913 in Reggio nell’Emilia; † 28. Januar 1995 in Reggio nell’Emilia) war einer der bedeutendsten italienischen Operntenöre des 20. Jahrhunderts.
1938 gewann Ferruccio Tagliavini einen nationalen Gesangswettbewerb und debütierte als Rodolfo in Puccinis La Bohème am Opernhaus in Florenz. Kriegsbedingt trat er in den folgenden Jahren ausschließlich in Italien auf, wo er aber schnell zu einem der beliebtesten Opernsänger wurde, allerdings stets im Schatten von Beniamino Gigli stand.

LG
Harald

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William B.A.

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11

Donnerstag, 29. Januar 2015, 01:16

Heute ist Ferruccio Tagliavinis


20. Todestag.


Liebe Grüße

Willi
:)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Manfred

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12

Donnerstag, 29. Januar 2015, 20:05

Lieber Willi,

vielen Dank, dass Du an diesen großen Künstler erinnerst. Für mich Grund genug, Ferruccio Tagliavini in einer seiner besten Rollen zu hören. Seine Arie " O amore, o bella luce del core" aus der Oper "L'amico Fritz" zählt für mich zu den Sternstunden des Tenorgesangs. Die musikalische Leitung der Aufnahme hatte übrigens der Komponist der Oper: Pietro Mascagni.



Gruß
Manfred
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Enrico Caruso

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("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
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William B.A.

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13

Freitag, 14. August 2015, 22:05

Und heute hat er Geburtstag. Dazu habe ich heute die Lucia ausgesucht:



Heute ist sein 102. Geburtstag.

Liebe Grüße

Willi :)
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9079wolfgang

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14

Donnerstag, 3. Mai 2018, 20:34

Ferruccio Tagliavini stand zwar nach Meinung vieler Fachleute im Schatten von Benjamino Gigli, aber ich ziehe ihn in einigen Opernaufnahmen Gigli vor. Z. Bsp. in folgendem "Maskenball". Er singt den Ricardo inniger und ohne die bekannten Schluchzer von Gigli. Eine sehr empfehlenswerte Aufnahme in hervorragender Besetzung:

W.S.

operus

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15

Donnerstag, 3. Mai 2018, 21:03

Ferruccio Tagliavini stand zwar nach Meinung vieler Fachleute im Schatten von Benjamino Gigli, aber ich ziehe ihn in einigen Opernaufnahmen Gigli vor. Z. Bsp. in folgendem "Maskenball". Er singt den Ricardo inniger und ohne die bekannten Schluchzer von Gigli. Eine sehr empfehlenswerte Aufnahme in hervorragender Besetzung:

Lieber Wolfgang,

wenn Feruccio Tagliavini Gigli kopierte fiel er ab. Eine Kopie ist meist schlechter als das Original. Er sang bestimmte Partien, von denen Du eine nennst wahhrscheinlich vollkommener als Gigli. Benjamino Gigli war in seiner Art des gefühlsbetonten, emotional überbordenden Sängers einmalig. Für alle die eine solche Art goutieren ist er unerreicht - ich gestehe, dass ich dazu gehöre und z. B. bei seinem "Ave Maria" zerfließe.

Herzlichst
Operus
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9079wolfgang

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16

Donnerstag, 3. Mai 2018, 22:12

Lieber Hans!

Natürlich höre ich auch Gigli gerne. Ich besitze viele Aufnahmen von ihm, besonders in Schellack. Aber hier geht es um die Aufnahme "Ein Maskenball" und nicht um "Ave Maria", und sein Ricardo gefällt mir eindeutig besser als mit Gigli. Aber warum sollten wir immer einer Meinung sein, das wäre doch zu eintönig. ;)

Herzlichst
Wolfgang
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operus

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17

Freitag, 4. Mai 2018, 07:28

Aber hier geht es um die Aufnahme "Ein Maskenball" und nicht um "Ave Maria", und sein Ricardo gefällt mir eindeutig besser als mit Gigli. Aber warum sollten wir immer einer Meinung sein, das wäre doch zu eintönig. ;)

Herzlichst
Wolfgang
Lieber Wolfgang,
wir sind doch völlig einer Meinung. Ich schrieb doch, dass Tagliavini bestimmte Partien rollendeckender singt als Gigli. Nur in seiner gefühligen Art, die ja auch der Angriffspunkt auf Gigli ist, war Benjamino unübertrefflich. Nicht ohne Grund nannte ich als Beweis Ave Maria. Den Maskenball mit Tagliavini kenne ich nicht. Mal sehen wie ich da einmal hineinhören kann.

Herzlichst
Operus
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Rheingold1876

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18

Freitag, 4. Mai 2018, 07:40

Den Maskenball mit Tagliavini kenne ich nicht. Mal sehen wie ich da einmal hineinhören kann.


Hier kannst du, lieber operus!


https://www.youtube.com/watch?v=Pcezzx5xOtM
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

operus

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19

Freitag, 4. Mai 2018, 19:45

Das ist wieder einmal zu nett von Dir, dass Du mir Gelegenheit gibst in diese Aufnahme hinein zu schnuppern, um sie dann, - gegen den Widerstand meiner Holden wegen massiver Platzprobleme - doch zu kaufen.
Halt wieder die bewährte kollegiale Unterstützung im Forum.
Herzlichst
Hans
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nemorino

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20

Mittwoch, 8. August 2018, 21:32

Großartig auch sein Herzog von Mantua in "Rigoletto":


mit Giuseppe Taddei (Rigoletto), Lina Pagliughi (Gilda) und Giulio Neri als dem schwärzesten, furchterregendsten Sparafucile, den ich kenne.
Chor und Orchester von RAI Turin, Dirigent: Angelo Questa (Aufnahme: CETRA 1954, Turin, Mono).
Es fällt mir immer schwer, mich zwischen Tagliavini und Alfredo Kraus als dem "besten", aristokratischsten Duca zu entscheiden.

LG, Nemorino
Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).