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nemorino

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  • »nemorino« ist männlich

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31

Mittwoch, 11. April 2018, 19:03

Lieber Fiesco,

jetzt funktioniert es auch bei mir wieder problemlos mit der ASIN (wie z.B. im Kurt Moll- und im Mono-Thread). Hoffentlich bleibt's dabei!

Gruß, Nemorino
Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

Dr. Holger Kaletha

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32

Donnerstag, 12. April 2018, 06:27

Alceo Galliera (1910-1996) war überhaupt als Begleiter bekannt und berühmt, obwohl er auch Aufnahmen ohne Solist(en) gemacht hat, so z.B. eine schöne Neue Welt-Sinfonie von 1954 mit dem Philharmonia Orchestra, leider nur Mono. Und dann gibt es noch den legendären "Barbiere" mit Maria Callas und Tito Gobbi, da erweist er sich auch als erfahrener Operndirigent.

Doch sein eigentlicher Schwerpunkt (zumindest was Plattenaufnahmen betrifft) lag auf dem Gebiet der Begleitung großer Künstler, unter denen sich so berühmte Namen wie Artur Schnabel, Walter Gieseking, Dinu Lipatti, Ingrid Haebler und der von Dir bereits genannte Claudio Arrau befinden. Auch mit dem Geiger Arthur Grumiaux hat er zusammengearbeitet, es gibt eine frühe Stereo-Produktion von Beethovens Violinkonzert.

Eine besonders schöne Aufnahme ist die der Beethoven-Konzerte 4 & 5, mit Walter Gieseking und dem Philharmonia Orchestra, 1955 bereits in Stereo produziert. Die gefällt mir viel besser als die ältere Aufnahme von 1951 mit Karajan. Leider ist sie z.Zt. aber nur zu einem Mondpreis zu haben (über 60 €). Da spielt dann auch der Preis eine Rolle :D ! Leider bekomme ich die Abbildung nicht hierher.
Lieber Nemorino,

die Gieseking-Aufnahme hätte ich auch zu gerne - Lipatti habe ich natürlich und mit Schnabel und Galliera das 5. Beethoven-Konzert.



Gestern habe ich diesen BBC-Mitschnitt von 1955 gehört. So allmählich wird mir klar, wie Andas Spiel in den 50igern ist. Es geht ihm um die Kontrolle von Emotionalität und virtuose Perfektion. Anders als in den 70igern, wo sein Spiel durch seine Natürlichkeit und intuitive Freizügigkeit besticht, hat er hier doch eine "Synthese" der beiden Pole noch nicht ganz erreicht. So wirkt sein Spiel öfters eben auch betont "kontrolliert" und deshalb manchmal ein klein wenig (zu) kühl-kalkuliert. Die "Paganini-Vatiationen" mit müheloser Leichtigkeit gespielt sind wirklich schwer beeindruckend - er lässt die Schlussvariation weg aus Heft I und spielt das Thema von Heft II nicht, dazu spart er sich etliche Wiederholungen. Beide Hefte im Konzert komplett spielen ohne Striche - das ist offenbar doch ein zu großer Brocken, um ihn im Konzert zu bewältigen. Gegenüber ABM wirkt Anda "kühler" und auch "technischer". Aber von diesem Niveau können sich selbst einige Jung-Virtuosen von heute eine Scheibe abschneiden! Bei der Beethoven-Sonate fehlt mir im Kopfsatz die typische Beethovensche Dynamik, das klingt mehr nach Mozart. Bei Schumann ist der Eindruck ähnlich wie bei Brahms. Wirklich umwerfend gespielt ist der Bartok! Das macht Anda keiner nach! :)

Schöne Grüße
Holger

nemorino

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33

Donnerstag, 12. April 2018, 09:54

die Gieseking-Aufnahme hätte ich auch zu gerne

Lieber Holger,

die alte CD-Ausgabe aus der Billig-Serie "Laser" mit den Konzerten 4 & 5 ist tatsächlich nur zu einem Mondpreis zu haben. Stattdessen bin ich soeben bei Amazon auf folgende Ausgabe gestoßen:
z.Zt. gebraucht bei Amazon für schlappe € 2,67 + Versandkosten!
Da ist nur das Konzert Nr. 4 mit Gieseking/Galliera drauf, gekoppelt mit Beethovens Violinkonzert mit Josef Suk/Sir Adrian Boult (eine schöne Aufnahme, in der Suk die seltenen Kadenzen seines Landsmanns Vása Príhoda spielt, aufgenommen 1970, London, Kingsway Hall).
Was die Klavierkonzerte 4 u. 5 betrifft, so scheint mir ohnehin das Vierte besonders hörenswert (an Nr. 5 hat man sich ein wenig "sattgehört", ich zumindest). Gieseking spielt da die weniger bekannte zweite Original-Kadenz Beethovens im Kopfsatz.

LG, Nemorino
Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

Dr. Holger Kaletha

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34

Freitag, 13. April 2018, 07:20

die alte CD-Ausgabe aus der Billig-Serie "Laser" mit den Konzerten 4 & 5 ist tatsächlich nur zu einem Mondpreis zu haben. Stattdessen bin ich soeben bei Amazon auf folgende Ausgabe gestoßen:
Lieber Nemorino,

Danke für den Tip! Am Wochenende werde ich nochmals "forsten". Eschenbach ist jedenfalls gestern angekommen... :hello:

Schöne Grüße
Holger

Dr. Holger Kaletha

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35

Samstag, 21. April 2018, 08:51

Das Tschaikowsky-Konzert Nr. 1 mit Alceo Galliera



Tschaikowskys 1. Klavierkonzert ist als "Renner" bekannt und wird leider auch als solches vernutzt, nämlich als rasant herunterzuspielendes Virtuosen-Schaustück behandelt. Dabei empfand Tschaikowsky eine wirklich tiefe Abscheu gegen den Virtuosendonner auf dem Klavier. Wenn man das im Hinterkopf behält, weiß man Geza Andas Aufnahme um so mehr zu schätzen. Er spielt das Konzert mit einer bis ins kleinste Detail wohldurchdachten, abgeklärten Klassizität und dabei zugleich mit poetischer Kraft, hervorragend einfühlsam begleitet von Alceo Galliera. Dabei verfügt er über alle manuellen Fähigkeiten, die man für dieses Konzert braucht und weiß auch an den virtuosen Stellen, wo es sein muss, aufzudrehen. So langsam habe ich den langsamen Satz noch nie gespielt gehört - aber weit gefehlt, dass Anda irgend etwas an virtuoser Potenz fehlen würde: Im virtuosen Solo brennt Anda dann geradezu explodierend sein virtuoses Feuerwerk ab. Das Finale wird im Tempo wohltuend nicht überdreht und die Kadenz mit den Oktaven nicht in sinnleere, kraftmeierische Tastendonnerei verwandelt. Sicher, die idiomatisch russische, leidenschaftliche "Seele" findet man bei Anda nicht. Das ist eher ein "verwestlichter" Tschaikowsky, wobei Tschaikowsky in Russland zu Lebzeiten ja den Ruf hatte, ein Westler zu sein. Wer sich also das Tschaikowsky-Konzert leid gehört hat, dem empfehle ich zur Wiederentdeckung, dass dieser viel zu viel gehörte "Brocken" weit mehr ist als nur ein Virtuosen-Renner, sondern großartige Musik, in deren Schönheiten man sich wirklich zuhörend vertiefen kann, nunmehr drei Aufnahmen: Claudio Arrau, Lazar Berman und eben diese von Geza Anda. :)

Schöne Grüße
Holger

Schneewittchen

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36

Samstag, 21. April 2018, 09:38

Eine besonders schöne Aufnahme ist die der Beethoven-Konzerte 4 & 5, mit Walter Gieseking und dem Philharmonia Orchestra, 1955 bereits in Stereo produziert. Die gefällt mir viel besser als die ältere Aufnahme von 1951 mit Karajan.

Hier das CD-Cover:
mfG
Michael

Dr. Holger Kaletha

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37

Mittwoch, 1. August 2018, 19:12



Wie Geza Anda das Schumann-Konzert beginnt kommt man zu der beglückenden Erkenntnis: So ist bzw. war eigentlich Romantik, schwärmerisch-leidenschaftlich. Er und das Orchester haben keine Angst vor Tempowechseln und Anda versteht es kongenial, die romantischen Stimmungswechsel mit höchster Flexibilität und zugleich sehr organisch-natürlich zu gestalten. Beim Finale verzichtet er auf virtuose Brillanz, nimmt es melodisch poetisch. Wunderbar! :) :) :)

Schöne Grüße
Holger

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

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Registrierungsdatum: 9. August 2004

38

Mittwoch, 1. August 2018, 21:01

Irgendwie erinnere ich mich dunkel, daß Anda gegen Ende seines Lebens einen Vertrag über eine Neuaufnahme sämtlicher Mozart Klavierkonzerte abgeschlossen hat - die aber scheinbar nie realisiert wurde. Ich erinner mich, daß ich damals fast böse auf den Pianisten war, weil seine neue Firma (eurodisc?) ihm die Worte in den Mund legte, er könne nun endlich die Konzerte so gestalten, wie sie seiner persönlichen Auffassung entsprächen (Nämlich dunkler abgetönt) Ich empfand diese Aussage damals als Abwertung der DGG Aufnahme, die ich für maßstäblich hielt und immer noch halte....
Erinnert sich vielleicht jemand wie das genau war ?

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Dr. Holger Kaletha

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Registrierungsdatum: 2. Februar 2008

39

Donnerstag, 2. August 2018, 11:36

Irgendwie erinnere ich mich dunkel, daß Anda gegen Ende seines Lebens einen Vertrag über eine Neuaufnahme sämtlicher Mozart Klavierkonzerte abgeschlossen hat - die aber scheinbar nie realisiert wurde. Ich erinner mich, daß ich damals fast böse auf den Pianisten war, weil seine neue Firma (eurodisc?) ihm die Worte in den Mund legte, er könne nun endlich die Konzerte so gestalten, wie sie seiner persönlichen Auffassung entsprächen (Nämlich dunkler abgetönt) Ich empfand diese Aussage damals als Abwertung der DGG Aufnahme, die ich für maßstäblich hielt und immer noch halte....
Erinnert sich vielleicht jemand wie das genau war ?
Lieber Alfred,

das höre ich zum ersten Mal! Er hat die Konzerte ja selber auch dirigiert, persönlicher geht es also eigentlich nicht. :D Und so etwas ist ein Mammutprojekt, das man glaube ich so schnell nicht zweimal angeht. :hello:

Schöne Grüße
Holger