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Joseph II.

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1

Dienstag, 8. März 2011, 14:30

Robert Schumann: Symphonie Nr. 4 d-Moll op. 120 – Die Revidierte

Man sollte meinen, nach sieben Jahren "Tamino" gäbe es keine Lücken mehr. Tatsächlich findet man bei genauerem Hinsehen immer wieder welche. So auch heute: Mir fiel auf, daß es bei Schumann bisher zwar einen Thread über seine vier Symphonien allgemein gibt (Robert Schumann - Die Sinfonien), bei den einzelnen aber bis dato nur einen über die Zweite (Robert Schumann: Sinfonie Nr. 2 C-Dur – Musik, Krankheit und Politik). Das ist fast merkwürdig, schätze ich persönlich die Popularität der anderen drei sogar höher ein. Jedenfalls soll nun ein Anfang gemacht sein, und daher widme ich diesen Thread der Vierten. ;)

Komponiert wurde sie im Jahre 1841, ist somit eigentlich chronologisch seine zweite Symphonie, jedoch wurde sie 1851 umfassend umgearbeitet.

Satzbezeichnungen:

1841:

1. Andante con moto – Allegro di molto
2. Romanza. Andante
3. Scherzo. Presto
4. Largo – Finale. Allegro vivace

1851:

1. Ziemlich langsam – Lebhaft
2. Romanze. Ziemlich langsam
3. Scherzo. Lebhaft
4. Langsam – Lebhaft – Schneller – Presto

Aufnahmen:

Legendär ist vor allem die Berliner Studioeinspielung Furtwänglers von 1953, die dieser an einem einzigen Tag, wie in einem Live-Konzert, aufnahm. Daneben sind m. E. unbedingt erwähnenswert die Aufnahme von Sawallisch mit den Dresdnern 1972, Bernsteins 1984er Wiener Aufnahme sowie die Aufnahmen Karajans mit den Berlinern im Studio 1971 und (fast besser) live mit den Wienern 1987 (auf der neuen Box als Zugabe mit enthalten).




Interessieren würden mich die Aufnahmen von Levine (es scheint zwei zu geben) und auch Szell.

Und: Gibt es auch Aufnahmen der 1841er Urversion? Gardiner vielleicht? Wo liegen die Unterschiede?

LG
Joseph
:hello:
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

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2

Dienstag, 8. März 2011, 15:02

Gibt es auch Aufnahmen der 1841er Urversion? Gardiner vielleicht?

Jawoll, er hat beide Fassungen aufgenommen, hier zu hören:

(Gab es nicht einmal eine größere Schumann-Box, wo diese CDs auch noch drinnen waren?)
:hello:

Joseph II.

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3

Dienstag, 8. März 2011, 15:15

Zitat

(Gab es nicht einmal eine größere Schumann-Box, wo diese CDs auch noch drinnen waren?)

Dürfte wohl diese (inzwischen vergriffene) Box sein:

»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Norbert

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4

Dienstag, 8. März 2011, 15:31

Der erste Dirigent, der die Leipziger Version von 1841 einspielte, war Kurt Masur.



Auch Harnoncourt hat in seiner Gesamtaufnahme der Sinfonien die Urversion eingespielt:



Die Unterschiede beider Fassungen sind deutlich hörbar. Die Erstfassung ist gekennzeichnet "durch eine insgesamt durchsichtigere Satzstruktur mit z.T. kantableren melodischen Linien - zügigere Tempi - eine gerafftere formale Anlage (z.B. erster Satz, dessen Exposition nicht wiederholt wird; kürzere Überleitung zum Finale) - eine in Details feinere, teilweise auch virtuosere Instrumentierung (z.B. Hörner und Streicher in der Überleitung zwei Takte vor dem Finale)." (aus dem Beiheft zur Masur-Aufnahme)
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Norbert

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5

Dienstag, 8. März 2011, 19:15

Fast vergaß ich, daß auch Roger Norrington die Urversion der 4. Sinfonie eingespielt hat:



Und noch ein Nachtrag: Mit James Levine existieren in der Tat zwei Gesamtaufnahmen, bei denen dann natürlich auch die 4. Sinfonie enthalten ist (welch Erkenntnis... ;) ):

-aufgenommen 1977, 78

-produziert 1988 und 92

Mir persönlich sagen die RCA-Aufnahmen erheblich mehr zu, da die späteren mit den Berlinern Philharmonikern zu klangpoliert-knallig sind.
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

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Gustav Mahler

s.bummer

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6

Sonntag, 13. März 2011, 20:06

Stimmt! Sehe ich genau so.

Zitat

Mir persönlich sagen die RCA-Aufnahmen erheblich mehr zu, da die späteren mit den Berlinern Philharmonikern zu klangpoliert-knallig sind.

ich würde sogar soweit gehen wollen, dass ich diese Aufnahmen meinen "geliebten Szell Aufnahmen" vorziehen würde.

Gruß S.
Johannes Richter: Neue Ideen setzen sich nur durch, weil die Anhänger der alten aussterben

teleton

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7

Mittwoch, 16. März 2011, 10:47

RE: Levine und Schumann

Hallo Norbert und Hans,

bei jpc geben die Soundproben ein ziemlich gutes Bild über die zu erwartenden Ergebnisse der beiden Levine - Aufnahmen ab. Ich habe mich wegen der zahlreichen Kritiken, die ich bisher gelesen habe, damit intensiv beschäftigt und festgestellt, das mir gerade die DG-Aufnahmen verdammt gut gefallen könnten - auch klanglich ist besonders die DG-GA allererste Sahne.

Ich bin jetzt in der Tat überrascht, von Levine so einen mitreissenden Schumann bekommen zu können !
*** Ob es nötig ist nach den GA mit Karajan (DG), Szell (SONY), Bernstein (DG und Sony), dem Reinfall mit Chailly (wegen der fürchterlichen Mahler-Verstümmlung), der Enttäuschung mit dem hier lahmen Marriner und der nicht immer ganz positiven Überraschung mit Gardiner nun noch eine weiter GA brauche, muß ich erst noch mal überprüfen !
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Joseph II.

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8

Freitag, 6. Mai 2011, 16:30

Knappertsbusch

Ich habe mir in der letzten Zeit die drei erhältlichen Mitschnitte unter Knappertsbusch gekauft:





Staatskapelle Dresden, 04.11.1956
I. 9'54 – II. 4'34 – III. 4'37 – IV. 7'42








Münchner Philharmoniker, 06.01.1962
I. 11'00 – II. 4'51 – III. 6'28 – IV. 6'43 (die letzten 30 Sekunden des III. Satzes gehören eigentlich zum IV. Satz – scheinbar ein Fehler)







Wiener Philharmoniker, 16.12.1962
I. 11'03 – II. 5'05 – III. 5'05 – IV. 8'16





Fangen wir mit der Tonqualität an: Die ist in Wien eindeutig am besten, gefolgt von Dresden. Der Münchner Mitschnitt ist leider suboptimal festgehalten. Pauken und Blech gehen da oftmals fast unter.

Die meiste Spontaneität bringt Knappertsbusch mit den Dresdnern herüber (siehe auch die Spielzeiten). Allerdings empfinde ich die Wiener Aufnahme am intensivsten. Packend vom ersten bis zum letzten Takt. Man merkt, daß die Wiener mit vollem Einsatz spielen und ihr bestes geben – manchmal fast darüber hinaus. Die Blechbläser sind absolut sensationell und treten in unnachahmlichen Crescendi sehr prägnant in Erscheinung (typischer Knappertbusch-Spätstil). Die Streicher spielen wie auf der Stuhlkante – alles andere als gelangweilt heruntergespielt. Das wunderbare Hauptmotiv wird in hochromantischer Manier voll ausgekostet. Sensationell etwa auch der Auftakt des Finalsatzes mit einem enormen Spannungsbogen.

Insgesamt also Wien knapp vor Dresden (das sehr gemessene, feierliche Tempo sagt mir mehr zu). München fällt etwas ab, wie gesagt schon tontechnisch, und auch die Bläser haben mal nen Wackler.

Sicher keine perfekten Studio-Hochglanzprodukte, aber (für mich) gerade auch deswegen hochinteressant und eine Bereicherung meiner Sammlung.

LG
Joseph
:hello:
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William B.A.

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9

Mittwoch, 12. März 2014, 02:53

Ich wundere mich, dass der vor fast drei Jahren von Joseph II ins Leben gerufene Thread bisher bei 8 Postings stehen geblieben ist. Da will ich heute mal eine neue Aufnahme hinzufügen:

Robert Schumann: Symphonie Nr. 4 d-moll op. 120,
Deutsche Kammerphilharmonie Bremen,
Dirigent: Paavo Järvi,
AD. 2012,
Spielzeiten: 10:38-4:18-6:59-8:10 -- 30:05 min.;

Paavo Järvi und die Seinen gehen in gewohnter Weise zu Werke. Wie bei Beethoven nicht anders gewohnt, spielen sie alle Wiederholungen und lassen sich auch von der sich allmählich auflösenden klassischen Sonatensatzform und der Viersätzigkeit der klassischen Sinfonie nicht aus der Ruhe bringen. Sie spielen die vier Sätze, die in der Tat manchmal nicht so leicht auseinander zu halten sind, souverän und mit großem Engagement, wie gesagt. Hier wird natürlich die Entwicklung der Romantik besonders deutlich. Die klassische Form noch der Frühlings-Symphonie ist nicht mehr vorhanden.
Dennoch ist dies ein prachtvolles, schwungvolles, aber auch mit lyrischen Momenten gesegnetes Werk, das ebenso wie die anderen Schumannschen Symphonien und diejenigen Mendelssohns als Stationen auf dem Weg zu den hochromantischen Symphonien eines Johannes Brahms und den spätromantischen Symphonien eines Anton Bruckner und eines Gustav Mahler liegen.
Insgrsamt ist dies sicher ein heruasragender Zyklus der Schumann-Symphonien des 21. Jahrhunderts.

Liebe Grüße

Willi :thumbsup:
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

teleton

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10

Mittwoch, 12. März 2014, 11:09

Ich wundere mich, dass der vor fast drei Jahren von Joseph II ins Leben gerufene Thread bisher bei 8 Postings stehen geblieben ist.

Lieber Willi,
das liegt daran, dass das was zu sagen war bereits in den anderen Schumann-Threads zu den einzelnen Sinfonien und im Thread Schumann-Sinfonien - Welcher Zyklus ist der Beste ? gesagt wurde.


Ich möchte hier mal eine Reihung für die Sinfonie Nr.4 vornehmen, in wie weit ich meine Aufnahmen favorisiere:
Ich muss aber gleich dazu sagen, dass ich alle überdurchschnittlich gut finde und ausserordentlich schätze, denn eine ganze Reihe weniger geschätze habe ich bereits nicht mehr im Bestand.

1. Karajan / Berliner PH (DG, 1972, ADD) - die hat mich von allen auch mehr geprägt als jede Andere und stellt für mich den Referenz-Bezugspunkt dar
2. P.Järvi / Deutsche Kammerphilharmonie Bremen (SONY, 2012 - DVD) - die grosse positive Überraschung im und aus dem 21.Jhd
3. Szell / Cleveland Orchestra (SONY, 1960, ADD)
4. Solti / Wiener PH (Decca, 1967, ADD)
5. Bernstein / New Yorker PH (SONY, 1960, ADD)
6. Bernstein / Wiener PH (DG, 1985, DDD)
7. Levine / Berliner PH (DG, 1992, DDD) - die finde ich im übrigen weit besser und mitreissender als seine Philadelphia - Aufnahme(n)

:angel: Jede dieser Aufnahmen hat ihre positiven Seiten. Im Prinzip möchte ich keine davon mehr missen !

Als 8. Aufnahme habe ich noch Gardiner / Orch.Revolut.et Romantique (DG-Archiv, 1997, DDD), aber die gehört nicht zu meinen Favoriten (CD nur wegen des Konzertstückes für 4Hörner und Orchester behalten).
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Agon

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11

Freitag, 29. Dezember 2017, 18:58

Im Rahmen meines aktuellen Schumann 4 - Anfalls höre ich mich momentan durch die verschiedensten Aufnahmen. Mit erstaunlichen Ergebnissen und Entdeckungen.

Als absolute Klassiker, zeitlos, beispielhaft, empfinde ich folgende Aufnahmen:

- Wilhelm Furtwängler, Berliner Philharmoniker (DG, 1953)
- Pierre Monteux, San Francisco Symphony Orchestra (RCA, 1952)
- Otto Klemperer, Philharmonia Orchestra (EMI, 1961)
- Klaus Tennstedt, Berliner Philharmoniker (EMI, 1980)
- Wolfgang Sawallisch, Staatskapelle Dresden (EMI, 1972)
- Guido Cantelli, Philharmonia Orchestra (EMI, 1953)
- Hermann Abendroth, RSO Leipzig (Eterna, 1956)

Ebenfalls herausragend sind:

- Günter Wand, NDR-Sinfonieorchester (RCA, 1990)
- Günter Wand, DSO Berlin (Profil, 1995)
- Riccardo Muti, Wiener Philharmoniker (Philips, 1993)
- Daniel Barenboim, Staatskapelle Berlin (Teldec, 2003)
- Franz Konwitschny, Gewandhausorchester Leipzig (Eterna, 1961)
- Herbert von Karajan, Staatskapelle Dresden(!) (DG, 1972)

sowie Livemitschnitte u.a. mit Herbert Kegel, Eugen Jochum.
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. (Theodor W. Adorno)

teleton

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12

Mittwoch, 11. Juli 2018, 22:47

Karajan mit den Berliner und Wiener PH

Von den Schumann-Sinfonien habe ich noch eine ältere GA-Ausgabe (DG), in der nicht seine Wiener PH-Aufnahme enthalten ist; wie in der Neuausgabe.
Das hat mich immer schon gewurmt und deshalb habe ich mir die Einzel-CD mit Schumann 4 und Dvorak 8 gekauft:


DG, 1985, DDD

Karajan ist in meinen Augen und Ohren schon ein ganz famoser Schumann-Dirigent. Seine DG-Aufnahme mit den Berliner PH von 1971 der Sinfonie Nr.4 hatte ich schon 2014 als meine Favoritenaufnahme genannt. Kann dieses Ereignis (so kann man es wirklich nennen) noch übertroffen werden ?
Wie ich durch abgebiltere CD mit seiner DG-Aufnahme mit den Wienern von 1985 feststellte = NEIN !
Karajan, wie gewohnt auf hohem Niveau ... aber irgendwie ohne die gefühlte Hingabe, die Emotionen und auch die Präzision !! Selbst der recht dicke Klang aus Wien kann kaum richtig überzeugen.
:thumbup: Welch wunderbare Details wurden in Berlin 1971 präsentiert ... ja, richtig auch alle Paukenstellen sind alle präsent und geben den (wo angebracht) rhythmischen Drive. Kann das noch besser gehen ?
:hail: Die Karajan-Aufnahme der Vierten - mit den Berliner PH , die mich von Anfang an geprägt hat, bleibt an der Spitze.


DG, 1971, ADD



***OT:
Auch die Dvorak 8 mit den WPH ist für sich gesehen sehr hörenswert und macht schon Spass. Aber dennoch irgendwie zu altermild.
8o Welch ein Unterschied zu der Hammeraufnahme mit den Wiener PH (DEcca) = :!: Ja, hier waren es die WPH, die hier 1960 einfach das NonPlus Ultra an Emotion, Spannung lieferten; im Finale herrlich überdreht mit einer überschwänglich lebensfrohen Aussage .... so wie auf dem Niveau der spitzenmässigen Dohnanyi-Aufnahme - ebenfalls (Decca) ...
Gruß aus Bonn, Wolfgang