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Gregor

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721

Mittwoch, 20. Juni 2018, 01:40

Interessant ist, dass nun alle drei Preisträger der Jahrganges 2011 in Wien engagiert sind:

Und auch die Gewinnerin des Ersten Preises von 2017, Svetlina Stoyanova, kommt nun nach Wien.
Mit Beginn der Saison 2018/19 ist Stoyanova Mitglied des Ensembles der Wiener Staatsoper! :)
Am 07. September 2018 stellt sie sich dem Publikum der Wiener Staatsoper vor und gibt mit der Dryade in Strauss' Ariadne auf Naxos ihr Hausdebüt. Bereits im Oktober kündigt sie die Staatsoper als Cherubino in Mozart's Le nozze di Figaro an.

Wir haben uns nach ihrem Gewinn beim Gesangswettbewerb "Neue Stimmen" näher mit Stoyanova beschäftigt. Zur Erinnerung, hier noch einmal einer ihrer "Siegertitel". ;)

Zitat



Svetlina Stoyanova - Parto, parto - La clemenza di Tito (Mozart)



Gregor

Caruso41

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722

Mittwoch, 20. Juni 2018, 09:58

Lieber Operus!

Dank Dir für Deine ausführliche Antwort!

Warum wenig Kommentare kommen hast Du zum Teil erklärt. Ich denke es liegt auch dran, dass Du die eingestellten Klangbeispiele meistens kompetent kommentierst. Das akzeptieren die Leser und setzten nicht noch eine eigene Meinung drauf, weil sie Dein Urteil als stimmig und überzeugend finden. Bitte sei zufrieden mit diesem unbestreitbaren Erfolg.

Deine Erklärung ist ja ziemlich schmeichelhaft, aber ich mag sie nicht recht glauben! Es wird doch in anderen Threads, in denen es um die Oper geht, so viel gestritten. Sogar den kenntnisreichen und fein argumentierenden Analysen von Holger Kaletha wurde immer wieder heftig widersprochen.
Ich mag mich einfach nicht damit zufrieden geben, dass es nicht gelingen will, einen Austausch über die NEUEN STIMMEN in Gang zu bringen.

Ich war bis jetzt zwei Mal in einer Jury eines Gesangswettbewerbs. Für mich unfassbar, wie es unter aktiven Sängern und renommierten Gesangspädogen so unterschiedliche Meinungen und heftige Streitereien über die Leistungen der Teilnehmer geben konnte.

Das ist doch eigentlich überhaupt nicht verwunderlich angesichts der Tatsache, dass es viele Ebenen gibt, die für die Sängerbeurteilung wichtig sind, und noch viel mehr Kriterien, die dabei zum Tagen kommen müssen. Und es gibt einfach objektive Kriterien und auch solche, die rein subjektiv sind. Vielleicht darf ich noch mal daran erinnern, dass ich versucht habe, das zu systematisieren, was bei der Beurteilung von Sängern relevant ist.

Beurteilung von Sängern – Eine Frage das Geschmacks oder objektiver Kriterien?

Besser wenig Kommentare als wieder einen neuen Kriegschauplatz.

Kommentare müssen ja nun wirklich nicht einen Krieg in Gang setzen!


Lieber Gregor,

hab’ Dank für diese schöne Nachricht.
Svetlina Stoyanova hat es ja wirklich schnell geschafft. Ich wünsche ihr für den Start und die weitere Karriere alles Gute.
Für alle, die unsere Diskussion über die Preisträger von Gütersloh nicht mehr in Erinnerung haben, gebe ich noch mal den Link, der direkt dahin führt:
Entdeckungen: Neue Stimmen

Der Sängerwettbewerb wird im Beitrag #446 vorgestellt. Die Diskussion über die Preisträger beginnt ab Beitrag #453.

Euch beiden liebe Grüße

Caruso41
;) - ;) - ;)

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rodolfo39

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723

Mittwoch, 20. Juni 2018, 11:39

Hab grad mal im Livestream Programm der Wiener Staatsoper nachgeschaut. Ariadne auf Naxos wird übertagen, bei der Besetzung stand Frau Stoyanova nicht dabei. Ihr Mezzo klingt fantastisch und sie besitzt Ausstrahlung. In Bregenz wird sie die dieses Jahr die Rosina singen, ich nehme mal an im Festspielhaus, da es auf der Seebühne Carmen gibt.

Caruso41

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724

Mittwoch, 20. Juni 2018, 15:07

Noch zu Yamina Maarmar

Lieber Rodolfo!

Die Sopranistin Yamina Maamar zählt zu den international gefragtesten Künstlerinnen ihres Fachs...…..


Ja, solche Sätze stehen eigentlich oft in biografischen Notizen, die die Künstler selbst oder ihre Agenturen veröffentlichen. Dann folgt eine Liste der Opernhäuser, an denen sie gesungen haben. Nicht selten werden dann etliche renommierte Häuser aufgeführt werden, an denen sie nur mal gastiert haben. Dadurch geben diese biografischen Notizen mitunter nicht ein besonders spezifisches Bild von den Karrierewegen der jeweiligen Künstler. Man gewinnt den Eindruck, jeder singt allüberall! Vor allem natürlich an den reputierlichen Adressen. Diese biografischen Notizen werden dann von den Opernhäusern, an denen die Sänger engagiert sind, meist unredigiert übernommen.
Deshalb bin ich Dir dankbar, dass Du schon deutlich machst: Yamina Maamar hat eigentlich ihre künstlerische Heimat vor allem zwischen Kaiserslautern, Darmstadt, Gelsenkirchen und Bremerhaven. Und das seit gut zwölf Jahren, seit sie ins Sopranfach gegangen ist. In dieser Zeit hat sie sich entschieden in dramatischen und hochdramatischen Rollen etabliert. Dein Bericht über ihre Abigaille ist ein Beleg dafür, dass sie in diesem Fach stimmlich und darstellerisch überzeugen kann.

Hat sie auch das Potential, ihre Karriere auf einem höheren Level fortzusetzen?

Für mich ist die Frage leider nicht zu beantworten.
Die bei YouTube eingestellten Aufnahmen sind einfach in zu prekärer technischer Qualität. Eine differenziertere Einschätzung ist auf dieser Grundlage wirklich nicht möglich. Immerhin habe ich durch ihre Tove in Schönbergs Gurreliedern einen Live-Eindruck und kann sagen, dass sie besser klingt, als das, was man von ihr als Leonore, Isolde und Salome bei YouTube hört.
Sie hat eine große Stimme, weder warm noch rund, aber glanzvoll und durchdringend. Die Höhen haben eine vibrierende Intensität, oft auch ein nicht mehr kontrolliertes Vibrato. Überhaupt scheint ihr Ausgeglichenheit nicht so sehr am Herzen zu liegen. Trotzdem hat sie schon die Fähigkeit, sehr lange Bögen auf dem Atem zu singen und fein zu kolorieren. Gleichwohl gäbe es an ihrer Gesangstechnik Einiges zu kritisieren.

Muss man das überhaupt thematisieren?
Mir ist eine gute Gesangstechnik schon wichtig. Aber sie ist nicht alles.
Maamar ist eine Sängerin, die entschieden auf dramatische Unmittelbarkeit und Wirkung zielt. Sie stürzt sich in die Partien mit einem imponierenden Furor und gestaltet mit einer starken Intensität und expressiven Farben. Das wird von vielen Opernbesuchern durchaus mehr geschätzt als technischer Feinschliff - und es kann denkwürdige Opernabende bescheren. Zwischen Bremerhaven und Kaiserslautern allemal.

Möglicherweise auch in reputierlicheren Opernzentren?

Danke boch mal für Deine Vorstellung!
Beste Grüße

Caruso41
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Caruso41

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725

Donnerstag, 21. Juni 2018, 08:48

Da es bisher nur Texte über sie gibt, will ich wenigstens mal ein Foto von Yamina Maanar einstellen.



Vielleicht findet noch jemand ein Video, das eine einigermaßen adäquate Vorstellung von Stimme und Gesangskunst der Künstlerin vermitteln kann?

Ich habe nur in der Sound Cloud technisch befriedigende Aufnahmen gefunden. Zum Beispiel: Die Grete mit einer Szene aus Der ferne Klang von Schreker!

https://soundcloud.com/yamina-maamar/grete-der-ferne-klang

Oder drei Lieder für Klarinette, Klavier und Sopran Op. 103 von Spohr.

https://soundcloud.com/yamina-maamar/lou…r-lieder-op-103



Beste Grüße

Caruso41
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Caruso41

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726

Montag, 25. Juni 2018, 18:19

Arsen Soghomonyan - Eine Tenorhoffnung aus Armenien?

Liebe Opern- und Stimmenliebhaber!

Warum wenig Kommentare kommen ……. Ich denke es liegt auch dran, dass Du die eingestellten Klangbeispiele meistens kompetent kommentierst. Das akzeptieren die Leser und setzten nicht noch eine eigene Meinung drauf, weil sie Dein Urteil als stimmig und überzeugend finden……
Willst Du mehr Kommentar, wäre es vielleicht fördernd, wenn Du zunächst keinen eigenen Kommentar geben würdest und die User aufforderst als erste Ihre Meinung zu äußern.


Heute will ich also mal eine NEUE STIMME so vorstellen, wie Operus es angeregt hat. Ich werde mich mit Bemerkungen zur Stimme zurückhalten und nicht versuchen, ihre Eigenheiten und ihre Manier zu beschreiben. Ich werde auch nicht meine Meinung zur Gesangstechnik sagen! Ihre Vorzüge und Mängel werde ich nicht thematisieren.
Vielleicht ermuntert das zum genauen Hören und dazu, die Höreindrücke selbstständig und als ganz eigene Eindrücke zu formulieren.

Der Sänger, dessen Stimme ich heute vorstellen will, heißt
Arsen Soghomonyan



Er stammt aus Armenien und ist 1983 in Eriwan geboren. Auch seine Ausbildung hat er in seiner Heimatstadt am Barkhudaryan Konservatorium genossen. Er ging früh ins Engagement in Eriwan. 2006 gewann er den Armenischen Staatspreis und noch im selben Jahr den 'Pavel Lisitsian International Competition of Opera Singers' in Vladikavkaz. Er lernte Pavel Lisitian persönlich kennen, bekam Unterricht bei ihm und besuchte auch seine Meisterklasse.

Ich habe Arsen Soghomonyan 2016 in der Moskauer Stanislavsky Opera gehört – und zwar als Figaro in Rossinis “Il barbiere di Siviglia“. Also als Bariton! Ich habe mir ja vorgenommen, nichts zu Stimme und Gesang zu sagen. Soviel aber sei gestattet: Mich hat er sehr beeindruckt. Deshalb habe ich auch versucht, seinen weiteren Weg zu verfolgen.

Inzwischen hat er einen Fachwechsel zum Tenor vollzogen. Im Frühjahr 2017 debutierte er als Cavaradossi in „Tosca“ an der Stanislavsky Opera. Schnell hat er sich weitere Partien des dramatischen Tenorfaches erarbeitet und an verschiedenen Bühnen in Moskau gesungen: Canio, Alvaro, Manrico und José.

Für das nächste Jahr wird er nun im Programm der Berliner Philharmoniker als Otello angekündigt. Er soll in einer konzertanten Aufführung des Werkes unter Daniele Gatti in der Berliner Philharmonie singen.

Ist Arsen Soghomonyan vielleicht der lang ersehnte Tenor für die schweren italienischen Partien? Mögt Ihr die Stimme? Welches Potenial hört Ihr bei ihm? Was bringt er mit? Seid ihr skeptisch? Hört Ihr Probleme? Defizite?
Macht Euch selbst einen Eindruck! Auf jeden Kommentar und auf jede Meinung bin ich neugierig!

Leider gibt es nur wenige Aufnahmen von ihm bei Youtube und die sind denn auch nur mit Klavierbegleitung. Das hat immerhin den Vorzug, dass die Stimme nicht gestützt wird und kein Orchester da ist, das Atmosphäre und Stimmung schaffen würde. Das muss die Stimme schon alleine bringen!

Zunächst kann man die Stimme mit der Cavatine des Figaro aus Rossinis “Il barbiere di Siviglia“ hören – also im Baritonfach!
https://www.youtube.com/watch?v=xq8aqyKM…91Hk4Q3&index=3



Als Tenor kann ich Arsen Soghomonyan zusammen mit Hibla Gerzmawa im Liebesduett aus Verdis „Otello“ vorstellen.
https://www.youtube.com/watch?v=Y5ywVhm7vCE


Und noch eine kleine Zugabe: Turridus Abschied von der Mutter!
https://www.youtube.com/watch?v=ad92KhdPjZo


Ich bin gespannt auf Bemerkungen und Kommentare!

Beste Grüße

Caruso41
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Caruso41

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727

Freitag, 29. Juni 2018, 19:10

Zu Lise Davidsen

Liebe Opernaficionados und Melomanen!

Auch die Vorstellung, wie sie Operus vorgeschlagen hatte, brachte keinerlei Bemerkungen oder Kommentare!
Das muss aber wohl keine schlechtes Zeichen für Arsen Soghomonyan sein. Das Schicksal teilt er mit etlichen Sängern, die hier als NEUE STIMMEN entdeckt und vorgestellt wurden. Ihre Karriere hat das glücklicherweise nicht beeinträchtigt!

Auch Lise Davidsen, die norwegische Sopranistin, die ich im Beitrag #335 vorgestellt hatte und über deren Weg noch etwas in den Beiträgen #345 und #376 angefügt werden konnte, stieß ja auf kein Interesse - wenn man mal von einem Dreizeilen-Kommentar und einer eher ungalanten Bemerkung absieht.
Jetzt kündigt Decca an, dass Sie die Sopranisten unter Vertrag genommen hat. Noch in diesem Jahr soll das erste Soloalbum von ihr erscheinen, auf dem sie von Richard Strauss "Vier letzte Lieder" sowie Opernszenen aus "Ariadne auf Naxos" und aus Wagners "Tannhäuser" singt.
Es soll sogar eine Gesamtaufnahme geplant sein. Aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen habe ich gehört, es sei an Cherubinis "Medea" gedacht.




Lise Davidsen ist auch auf den folgenden kürzlich erschienenen CDs zu hören:






Beste Grüße

Caruso41
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Fiesco

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728

Samstag, 30. Juni 2018, 11:04


Auch Lise Davidsen, die norwegische Sopranistin, die ich im Beitrag #335 vorgestellt hatte und über deren Weg noch etwas in den Beiträgen #345 und #376 angefügt werden konnte, stieß ja auf kein Interesse - wenn man mal von einem Dreizeilen-Kommentar und einer eher ungalanten Bemerkung absieht.
Jetzt kündigt Decca an, dass Sie die Sopranisten unter Vertrag genommen hat. Noch in diesem Jahr soll das erste Soloalbum von ihr erscheinen, auf dem sie von Richard Strauss "Vier letzte Lieder" sowie Opernszenen aus "Ariadne auf Naxos" und aus Wagners "Tannhäuser" singt.
Es soll sogar eine Gesamtaufnahme geplant sein. Aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen habe ich gehört, es sei an Cherubinis "Medea" gedacht.
Lise Davidsen ist auch auf den folgenden kürzlich erschienenen CDs zu hören:

Beste Grüße
Caruso41

Hallo Caruso41, du meckert immer viel rum, aber du solltest auch mal versuchen richtig zu verlinken, damit Alfred etwas Kohle abbekommt!
LG Fiesco

PS: was mich betrifft ich höre nur noch Renaissance und Barockmusik alles andere geht mir momentan am allerwertesten vorbei! :D
Die Tonkunst begrub hier einen reichen Besitz, aber noch viel schönere Hoffnungen.

Grillparzers Worte auf der Reliefplatte Schuberts.

operus

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729

Samstag, 30. Juni 2018, 17:29

Spät kommt er doch er kommt: ein Kommentar zum Tenor Arsen Soghomonyan. Viele bedeutende Tenöre kommen aus dem Baritonfach und haben sich dann im Zuge ihrer weiteren Entwicklung die tenorale Höhen vollends erarbeitet. Die Stimme von Sogohomonyan ist dunkel gefärbt, klingt robust und kräftig, sie passt zu der äußeren Erscheinung des Sängers. Die Höhen werden ohne Probleme gemeistert. Die Stimme tendiert durch ihre vorhandene Kraft ins Dramatische. Das baritonal gefärbte Timbre klingt besonders in den tiefen und mittleren Lagen tonschön. Was noch nicht voll da ist sind leuchtende Strahlkraft und tenoraler Glanz. Auch die typische italienische Kantilene muss noch weiter entwickelt werden. Turidus Abschied überzeugt von den eingestellten Aufnahmen am meisten. Hier gestaltet Soghomonjan sehr abwechlungsreich und beweist, dass er auch über wunderschöne Pianotöne verfügt. Es dürfte klug sein, dass er heute schwerpunktmäßig Verismo-Rollen bevorzugt. Ob er allerdings der lange erwartete dramatische Tenor für die schweren italienischen Partien ist, muss seine weitere Entwicklung und die Zukunft beweisen. Ein Hoffnungsträger dafür ist er in jedem Fall. Beim Mangel an dramatischen Heldentenören könnte ihm durchaus der Weg in die Spitzenklasse gelingen. Der geplante Otello wird dafür sicherlich ein Prüfstein sein. Interessant wäre, ihn auch im deutschen Fach, also bei Wagner zu hören. Caruso sollte und wird den Weg dieses Sängers beobachten und begleiten und uns sicherlich auf dem Laufenden halten, auch wenn weitere Aufnahmen von Soghomonyan auf den Markt kommen. Mit seiner Agentur sollte er über eine Namensänderung nachdenken Soghomoyan klingt sperrig, ist schwierig auszusprechen und zu merken.

Herzlichst
Operus
Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

Rheingold1876

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Sonntag, 1. Juli 2018, 09:06

Ist Arsen Soghomonyan vielleicht der lang ersehnte Tenor für die schweren italienischen Partien? Mögt Ihr die Stimme? Welches Potenial hört Ihr bei ihm? Was bringt er mit? Seid ihr skeptisch? Hört Ihr Probleme? Defizite?
Macht Euch selbst einen Eindruck! Auf jeden Kommentar und auf jede Meinung bin ich neugierig!


Mit Stimmen, die weder das eine noch das andere sind, tue ich mich schwer, zumal dann, wenn ein sich andeutender, schwebender Fachwechsel nicht das Ereignis einer Entwicklung ist sondern gleich am Beginn einer Laufbahn als Ausdruck von Unbestimmtheit und Unentschlossenheit steht. Dieser Sänger, der keine vierzig ist, tut sich schwer damit. Er wird sich entscheiden und dann nochmal intensiv an seiner Technik arbeiten müssen. In meinem Ohren klingt er ein bisschen wie Kaufmann in ein paar Jahren. ;) In der italienischen Oper habe ich eine gewisse Helligkeit und Strahlkraft gern. Und nicht diese zugezogenen schweren stimmlichen Vorhänge. Mehr Temperament dürfte auch sein. Da geht nichts los. Sein Turridu kommt nicht von der Stelle. Als hätte er Blei unter den Füßen. Das Material selbst finde ich schon interessant. Aber es braucht noch viel Formung. Was daraus wird, vermag ich nicht zu sagen. Also bleibe ich skeptisch. Da muss Schliff rein. Mit ist der Vortrag auch zu verwaschen, zu gaumig. Als erschweren für eine Beurteilung von Arsen Soghomonyan kommt die Klavierbegleitung hinzu. Wenn ich etwas gar nicht mag, dann Opernszenen mit Klavier. :(
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

La Roche

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Sonntag, 1. Juli 2018, 09:55

ein Turridu kommt nicht von der Stelle. Als hätte er Blei unter den Füßen. Das Material selbst finde ich schon interessant. Aber es braucht noch viel Formung. Was daraus wird, vermag ich nicht zu sagen. Also bleibe ich skeptisch. Da muss Schliff rein. Mit ist der Vortrag auch zu verwaschen, zu gaumig. Als erschweren für eine Beurteilung von Arsen Soghomonyan kommt die Klavierbegleitung hinzu. Wenn ich etwas gar nicht mag, dann Opernszenen mit Klavier.

Lieber Rüdiger, ich habe mir den jungen Mann auch angehört und muß Dir leider recht geben, auch oder besonders zur Klavierbegleitung. Deine Meinung "daß die Stimme noch Formung" braucht teile ich indessen nur bedingt. Der junge Mann (1990 geboren) ist eigentlich in einem Alter, wo sowohl er als auch seine Lehrer wissen sollten, wohin die Reise geht. Die Stimme tendiert wohl nicht zur italienischen Oper, evtl. als Othello oder Andre Chenier mag ich ihn mir vorstellen. Die Stimme ist wohl recht kraftvoll, soweit man das sagen kann, wobei meine Feststellung durch die Liveeinstellungen erhärtet wird. Ich glaube, er sollte sich in Richtung heldisches Fach entwickeln. Aber das müssen er selbst und seine Lehrer entscheiden. Die Kraft dazu scheint er zu haben. Damit bin ich bei operus, der ihn auch eher im dramatischen Fach sieht. Für einen Herzog oder Rudolf ist seine Stimme einfach zu schwer. Aber eine gute Karriere kann er schon erwarten, wenn es mit 40 nicht schon etwas spät ist.

Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer


Melomane

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Sonntag, 1. Juli 2018, 11:04

Er stammt aus Armenien und ist 1983 in Eriwan geboren.



Der junge Mann (1990 geboren) ist eigentlich in einem Alter, wo sowohl er als auch seine Lehrer wissen sollten, wohin die Reise geht.



Aber eine gute Karriere kann er schon erwarten, wenn es mit 40 nicht schon etwas spät ist.


Es handelt sich bei Herrn Soghomonyan ganz eindeutig um den neuen Domingo, so groß wie die Verwirrung bezüglich seines Geburtsjahres und seines Alters bereits jetzt ist.

rodolfo39

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733

Sonntag, 1. Juli 2018, 12:09

Der Turridu hat mich auch ich so überzeugt und ich kann mich Rheingold und operus in den Beurteilungen nur anschlißen.

operus

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734

Sonntag, 1. Juli 2018, 13:35

Es handelt sich bei Herrn Soghomonyan ganz eindeutig um den neuen Domingo, so groß wie die Verwirrung bezüglich seines Geburtsjahres und seines Alters bereits jetzt ist.

Lieber Melomane,
Du beweist treffenden Humor, wenn es denn nicht Ironie oder Sarkasmus ist. Beim ordnen des Nachlasses von Gottlob Frick fand ich auch eine Notiz, wo das Geburtsjahr von Domingo mit 1934 angegeben war. Ich habe mir das deshalb gut gemerkt, weil ich auch ein 1934er bin. Wenn das stimmt, ist das was Domingo leistet bewundernswert, egal welches Fach, was und wie er singt. Allein wie er als Posa in Wien im "Don Carlos" liegende und knieende Szenen, Auf- und Hinlegen gemeistert hat ist bewundernswert. Allerdings - und das ist die Realität - wirkte er gegen einen jungen agilen Carlos doch alt -- sehr, sehr alt.

Hezrlichst

Operus, der hier sehr gut mitühlen kann.
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Sonntag, 1. Juli 2018, 20:22

Weiter zu Arsen Soghomonyan

Ihr Lieben!

Erst mal herzlichen Dank, dass ihr Euch mit Arsen Soghomonyan beschäftigt und eure Höreindrücke mitgeteilt habt. Ich habe sie mit Interesse und hoffentlich auch mit der gebotenen Sorgfalt studiert.

Erst will ich mal auf Rheingolds Schlussbemerkung eingehen, weil da das Dilemma angesprochen wird, ob man überhaupt etwas sagen kann, wenn man lediglich prekäre Aufnahmen hören kann:
Als erschwerend für eine Beurteilung von Arsen Soghomonyan kommt die Klavierbegleitung hinzu. Wenn ich etwas gar nicht mag, dann Opernszenen mit Klavier.

Daran haben mich Aufnahmen von Tamango, de Lucia, Bonci, Anselmi, Escalais und anderen gewöhnt. Es fördert meiner Meinung nach sogar die Konzentration auf Stimme und Gesang. Allerdings ist es oft schwer, sich von Sängern, die nur vom Klavier begleitet werden, in die dramatische Dimension der Szene versetzen zu lassen.

Aber nun mein Kommentar zu euren Kommentaren.

Die Stimme von Soghomonyan ist dunkel gefärbt, klingt robust und kräftig, sie passt zu der äußeren Erscheinung des Sängers. Die Höhen werden ohne Probleme gemeistert. Die Stimme tendiert durch ihre vorhandene Kraft ins Dramatische. Das baritonal gefärbte Timbre klingt besonders in den tiefen und mittleren Lagen tonschön.
Das Material selbst finde ich schon interessant.

Die Stimme ist wohl recht kraftvoll,...... Ich glaube, er sollte sich in Richtung heldisches Fach entwickeln.

Die üppig klingende, wohlgerundete Stimme scheint mir fest und sicher fokussiert. Euren Beschreibungen ihrer Charakteristika stimme ich voll zu. Von daher scheint sie für das Tenorfach, in dem Arsen Soghomonyan erst seit einem Jahr singt, bestens geeignet. Er hat die athletische Energie, die der Otello braucht aber auch die Fähigkeit, lyrische Phrasen mit langem Atem auszusingen. Dass die Berliner Philharmoniker ihn eingeladen haben, den Otello in der Philharmonie aufzuführen, kann ich voll nachvollziehen.

Was noch nicht voll da ist, sind leuchtende Strahlkraft und tenoraler Glanz.

In der italienischen Oper habe ich eine gewisse Helligkeit und Strahlkraft gern. Und nicht diese zugezogenen schweren stimmlichen Vorhänge.

Ja, auch diesen Einsichten kann ich rundum zustimmen. Eine hell leuchtende Strahlkraft, wie wir sie von Tamagno, de Muro, Lauri-Volpi und anderen kennen, hat die Stimme nicht — wird sie auch nicht gewinnen. Und der Sänger wäre schlecht beraten, sie zu erzwingen. Allerdings stört mich das nicht so sehr!

Warum? Nun, die Stimme ist nicht stumpf. Vielmehr entfaltet sie einen schönen bronzenen Glanz. Eigentlich sogar in allen Lagen. Wie Soghomonyan beispielweise das ‚venere splende‘ in den Nachthimmel über Zypern setzt und sogar noch ein Decrescendo wagt, ohne die tonliche Substanz zu verlieren, hat für mich schon Format und verbreitet auch echten Glanz.
Dass er klingen würde, wie Kaufmann in 4 Jahren, kann ich nicht nachvollziehen. Zumindest singt er nicht kehlig, er knödelt nicht und muss auch nicht hochstemmen, wie Kaufmann das schon seit einiger Zeit leider allzu oft tut.

Er wird sich entscheiden und dann nochmal intensiv an seiner Technik arbeiten müssen.
Auch die typische italienische Kantilene muss noch weiter entwickelt werden.

Ob er an der Technik wirklich grundlegend arbeiten muss, weiß ich nicht. Auf jeden Fall wird er sich den italienischen Gesangsstil anverwandeln müssen und die italienische Manier. Man möchte ihm wünschen, er könnte mit einem Gabriele Santini die wichtigen Partien des italienischen Repertoires erarbeiten. Ob da Gatti der geeignete Förderer sein kann, will ich nicht beurteilen. Eher schon Pappano.

Turidus Abschied überzeugt von den eingestellten Aufnahmen am meisten. Hier gestaltet Soghomonjan sehr abwechlungsreich und beweist, dass er auch über wunderschöne Pianotöne verfügt.

In dem Abschied Turiddus hört man deutlich, wie sehr ihn Lisitzian geprägt hat. Der verhaltene, fast stockende Beginn, die feinen Differenzierungen der Lautstärke, die sinnfälligen Färbungen von Tönen und Phrasen - das alles hört man heutzutage eher selten. Leidenschaften und Verzweiflung ausstellen können viele. Aber ist das wirklich die ganze Wahrheit dieser Szene?
Und, lieber Operus, die Piani sind wirklich wunderschön. Heute klingen sie ja bei vielen Tenören wie heruntergewürgte Forti oder substanzlos und zittrig — wenn sie sich die Herren nicht gleich ganz sparen.

Mehr Temperament dürfte auch sein.

Wirklich? Gerade die Ruhe und Entspanntheit, mit der er Otellos Liebesduett angeht, finde ich schon überzeugend. Und dass er auch dramatisch attackieren kann und dabei Zug nach vorne entfaltet, beweist die Passage ‚Pingea dell’armi il fremito, la pugna…..’ in Otellos Liebesduett recht überzeugend.

Und dann noch ein Wort zum Namen: Er ist doch sehr melodiös und spricht sich eigentlich auch leicht aus. Ich weiß nicht, ob man den ändern muss um eine Karriere zu fördern.

Liebe Grüße Euch allen!

Caruso41
;) - ;) - ;)

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Dienstag, 3. Juli 2018, 10:04

Caruso sollte und wird den Weg dieses Sängers beobachten und begleiten und uns sicherlich auf dem Laufenden halten, auch wenn weitere Aufnahmen von Soghomonyan auf den Markt kommen.


Lieber Operus, werte Melomanen!

Da kann ich immerhin schon ankündigen, dass Arsen Soghomonyan schon bald ganz in Deiner Nähe zu hören sein wird:
Er wird ab Januar in Frankfurt in Verdis "La forza del destino" als Alvaro zu hören sein.

Im Juni/Juli des kommenden Jahres soll er auch am Royal Opera House Covent Garden in London als Don José zu hören sein! Er wird zusammen mit der Carmen von Clémentine Margaine singen, die ja auch in diesem Thread als NEUE STIMME vorgestellt worden war.

Beste Grüße

Caruso41
;) - ;) - ;)

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