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Dr. Holger Kaletha

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Beiträge: 6 816

Registrierungsdatum: 2. Februar 2008

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Dienstag, 8. Mai 2018, 21:24

Igor Shukov (1936-2018)



Zu lesen war im Thread über Verstorbene aus dem Kulturleben - ich entdeckte es mehr oder weniger zufällig:
Bereits am 26.01.2018 ist der russische Pianist und Dirigent Igor Shukov (geb. 31. 08. 1936 in Gorki)
verstorben.

Als Musiker verstummte er bereits 2010. nachdem er einen Schlaganfall erlitten hatte. Shukov war berühmt für seine Einspielungen der Werke Skriabins, hatte aber ein sehr weites Repertoire, das die Werke Rameaus ebenso umfasste wie die Chopins oder Prokoffievs. In den 1980er Jahren trat er zudem als Dirigent auf, nachdem er das neue Moskauer Kammerorchester gegründet hatte. Nach dessen Auflösung wandte er sich wieder seiner Pianistenkarriere zu. Ein bemerkenswerter Musiker war Shukov; auf Wikipedia-Superlative mag ich mich nicht einlassen, persölich habe ich für Shukovs Spiel eine sehr hohe Wertschätzung. Das er nun von uns gegangen ist betrübt mich ebenso wie der Umstand, dass ich die Nachricht von seinem Tode nur zufällig erfahren habe. Westliches Marketing hat diesen bemerkenswerten Piansiten nicht gepushed, so dass sein Heimgang hiesigen Medien offenbar kein Nachruf wert war. Das ist beschämend. Möge er in Frieden ruhen.



Liebe Grüße vom Thomas :hello:
Damit sich nicht auch das Tamino-Forum schämen muss, eröffne ich diesen Thread posthum zu seinen Ehren - Shukov hat es wahrlich verdient!

Traurig, nachdem ich den Nachruf von Thomas las, habe ich mir die abgebildete letzte Aufnahme von ihm gleich bestellt. Er spielt die Visions fugitives zwar nicht so spektakulär wie Gilels oder Richter, aber die lyrischen Qualitäten seines Spiels sind einfach bestechend. Dazu trägt auch die Aufnahmetechnik bei - der Flügel ist sehr breit abgebildet, so dass sich der Klavierklang zu einer großen Klanglandschaft auffächert. So klar, so sauber durchleuchtet ohne Pomp kann man auch Tschaikowsky-Sonate hören, die sicher nicht zu den stärksten Kompositionen des russischen Meisters zählt. Prokofieffs kurze flüchtige Visionen spielt er kristallklar und subtil die Klangfacetten aushorchend. Die Sternstunde ist aber für mich die Berg-Sonate - allein deswegen schon lohnt sich die Anschaffung der CD. Durchsichtig gespielt wie eine "Kammersymphonie" kann man auch die kleinste musikalische Entwicklung bis ins Detail verfolgen. Ein würdiger Abschluss eines Künstlerlebens um diesen bemerkenswerten Pianisten in Erinnerung zu behalten - nicht nur mit seinem vielgelobten Scriabin! :)

Schöne Grüße
Holger