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MarcCologne

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Beiträge: 1 036

Registrierungsdatum: 4. Juli 2005

1

Sonntag, 8. April 2007, 15:25

Die Bachkantate (059): BWV249: Kommt, eilet und laufet

BWV 249: Kommt, eilet und laufet
Osteroratorium (Leipzig, 1. April 1725)



Lesungen:
Epistel: 1. Kor. 5,6-8 (Christus ist unser Osterlamm)
Evangelium: Mark. 16,1-8 (Die Auferstehung Christi)


Elf Sätze, Aufführungsdauer: ca. 47 Minuten

Textdichter: unbekannt (evtl. Picander?)



Besetzung:
Soli: Sopran, Alt, Tenor, Bass; Coro: SATB; Blockflöte I + II, Traversflöte, Oboe I + II, Oboe d’amore, Tromba I-III, Fagott, Pauken, Violino I/II, Viola, Continuo




1. Sinfonia (D-Dur) Oboe I + II, Tromba I-III, Fagott, Pauken, Streicher, Continuo

2. Adagio (h-moll) Traversflöte (od. Oboe I), Streicher, Continuo

3. Chorus SATB, Oboe I + II, Tromba I-III, Pauken, Streicher, Continuo
Kommt, eilet und laufet, ihr flüchtigen Füße,
Erreichet die Höhle, die Jesum bedeckt!
Lachen und Scherzen
Begleitet die Herzen,
Denn unser Heil ist auferweckt.

4. Recitativo Sopran, Alt, Tenor, Bass, Continuo
Maria Magdalena
O kalter Männer Sinn!
Wo ist die Liebe hin,
Die ihr dem Heiland schuldig seid?
Maria Jacobi
Ein schwaches Weib muss euch beschämen!
Petrus
Ach, ein betrübtes Grämen
Johannes
Und banges Herzeleid
Petrus, Johannes
Hat mit gesalz’nen Tränen
Und wehmutsvollem Sehnen
Ihm eine Salbung zugedacht,
Maria Jacobi, Maria Magdalena
Die ihr, wie wir, umsonst gemacht.

5. Aria Sopran, Traversflöte, Continuo
Maria Jacobi
Seele, deine Spezereien
Sollen nicht mehr Myrrhen sein.
Denn allein
Mit dem Lorbeerkranze prangen,
Stillt dein ängstliches Verlangen.

6. Recitativo Alt, Tenor, Bass, Continuo
Petrus
Hier ist die Gruft
Johannes
Und hier der Stein,
Der solche zugedeckt;
Wo aber wird mein Heiland sein?
Maria Magdalena
Er ist vom Tode auferweckt!
Wir trafen einen Engel an,
Der hat uns solches kundgetan.
Petrus
Hier seh’ ich mit Vergnügen
Das Schweißtuch abgewickelt liegen.

7. Aria Tenor, Blockflöte I + II, Violino I/II, Continuo
Petrus
Sanfte soll mein Todeskummer
Nur ein Schlummer,
Jesu, durch dein Schweißtuch sein.
Ja, das wird mich dort erfrischen
Und die Zähren meiner Pein
Von den Wangen tröstlich wischen.

8. Recitativo Sopran, Alt, Continuo
Maria Jacobi, Maria Magdalena
Indessen seufzen wir
Mit brennender Begier:
Ach, könnt’ es doch nur bald geschehen,
Den Heiland selbst zu sehen!

9. Aria Alt, Oboe d’amore, Streicher, Continuo
Maria Magdalena
Saget, saget mir geschwinde,
Saget, wo ich Jesum finde,
Welchen meine Seele liebt!
Komm doch, komm, umfasse mich,
Denn mein Herz ist ohne dich
Ganz verwaiset und betrübt.

10. Recitativo Bass, Continuo
Johannes
Wir sind erfreut,
Dass unser Jesus wieder lebt,
Und unser Herz,
So erst in Traurigkeit zerflossen und geschwebt,
Vergisst den Schmerz
Und sinnt auf Freudenlieder;
Denn unser Heiland lebet wieder.

11. Chorus SATB, Tromba I-III, Oboe I + II, Pauken, Streicher, Continuo
Preis und Dank
Bleibe, Herr, dein Lobgesang!
Höll’ und Teufel sind bezwungen,
Ihre Pforten sind zerstört;
Jauchzet, ihr erlösten Zungen,
Dass man es im Himmel hört!
Eröffnet, ihr Himmel, die prächtigen Bogen,
Der Löwe von Juda kömmt siegend gezogen!


Auch wenn das Werk heute den Titel "Osteroratorium" trägt, hat Bach es ursprünglich als "Osterkantate" bezeichnet, wobei die Grenzen zwischen beiden Gattungen sicher fließend sind.

Immerhin gibt es hier die Besonderheit (die sich in keinem anderen kirchenmusikalischen Werk Bachs wiederholt), dass es eine Handlung gibt, mit klar definierten "Rollen" handelnder Figuren. Es tritt kein Erzähler oder Evangelist oder dergleichen (wie in den Passionen oder im Weihnachtsoratorium) auf.

Die Bezeichnung "Oratorium" für diese Kantate stammt immerhin von Bach selber - und zwar aus den 1730er Jahren, als er offenbar für die großen Feste des Kirchenjahres solche Oratorien plante (und zum Teil) auch verwirklichte: Aus dieser Zeit stammen u. a. das schon erwähnte Weihnachtsoratorium BWV 248 oder das Himmelfahrtsoratorium BWV 11.
In dem Zusammenhang hat er sich wahrscheinlich seiner Komposition aus dem Jahre 1725 erinnert und diese zum "Oratorium" aufgewertet. Vielleicht hat er den Plan verworfen, ein neues (Oster-)Werk zu komponieren, das dem "üblichen" Schema mit Evangelistenbericht und betrachtenden Arien und Chorälen entsprochen hätte.

Für ein ausgewachsenes "Oratorium" ist diese Kantate eigentlich ein bissel knapp geraten, aber das kann man z. B. über das Himmelfahrtsoratorium auch sagen...

Der heute übliche Textbeginn "Kommt, eilet und laufet" hatte übrigens mehrere Änderungen erfahren, bevor er die jetzige Gestalt angenommen hat. So hieß es z. B. mal "Kommt, gehet und eilet", oder "Kommt, fliehet und eilet"...

Ein weiteres Kuriosum gibt es zum Eigangschor noch zu berichten:
Der Chorsatz wird heute gerne als Duett begonnen und als Chorsatz beschlossen. Dies ist anscheinend von Bach so nicht vorgesehen gewesen. Ursprünglich war der Chorsatz nämlich ein Duettsatz, der in einer späteren Fassung von Bach in den hier erwähnten vierstimmigen Chorsatz umgewandelt wurde.
Bachforscher Wilhelm Rust hatte Ende des 19. Jahrhunderts im Rahmen der ersten Bachausgabe beide Fassungen dieses Satzes kombiniert aufgeführt, um beide Versionen im Druck erscheinen zu lassen. Dies führte dann in der Folge offenbar zu dem Missverständnis auf Interpretenseite, beide Fassungen (Duett und Chorsatz) miteinander zu kombinieren, was von Bach so aber nie beabsichtigt war.
Es könnte interessant sein, bei den verschiedenen Einspielungen einmal darauf zu achten, ob und (wenn ja) wie die beiden Fassungen dieses vokalen Eingangsstückes getrennt oder miteinander vermischt werden.

Bei dem hier besprochenen Osteroratorium handelt es sich übrigens um eine Parodie der Schäferkantate "Entfliehet, verschwindet, entweichet, ihr Sorgen" (BWV 249 a), die 1725 für den Weißenfelser Hof, anlässlich des Geburtstags von Herzog Christian, entstanden war. Die Rezitative wurden allerdings vollständig neu für die Osterkantate komponiert.

Die beiden einleitenden Instrumentalsätze stammen vermutlich aus einer "Sinfonia" (?) aus Bachs Köthener Zeit, die heute in ihrer Ursprungsgestalt verschollen ist.
"Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
(Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

Bernhard

Prägender Forenuser

  • »Bernhard« ist männlich

Beiträge: 3 511

Registrierungsdatum: 26. Februar 2007

2

Sonntag, 8. April 2007, 18:41

RE: Die Bachkantate (059): BWV249: Kommt, eilet und laufet

Guten Morgen

Zitat

Original von MarcCologne
BWV 249: Kommt, eilet und laufet
Osteroratorium (Leipzig, 1. April 1725)


Mit dieser



Aufnahme begann ich heute meinen (Arbeits)Tag.
Die solistische Besetzung sagt mir aber überhaupt nicht zu. Bemerkenswert (textlich wie von der Instrumentierung) die Aria "Sanfte soll mein Todeskummer" ;( ;(
Gar nicht österlich !


Zitat

Die beiden einleitenden Instrumentalsätze stammen vermutlich aus einer "Sinfonia" (?) aus Bachs Köthener Zeit, die heute in ihrer Ursprungsgestalt verschollen ist.



R. Goebel hat mit seiner (gewesenenen :( :( ) "Musica antiqua Köln" sie auf dieser



CD als "Concerto D-Dur" eingespielt :jubel: :jubel:

Gruß aus der Kurpfalz

Bernhard

andythr

Profi

  • »andythr« ist männlich

Beiträge: 350

Registrierungsdatum: 6. Januar 2007

3

Freitag, 21. März 2008, 11:20

Aus gegebenem Anlass höre ich mal wieder das Osteroratorium mit dem Collegium Vocale unter Herreweghe:




Ein hervorragendes Solistenensemble bietet hier gemeinsam mit dem Collegium Vocale eine sehr schöne Aufnahme.

kalli

Profi

  • »kalli« ist männlich

Beiträge: 475

Registrierungsdatum: 14. Oktober 2010

4

Dienstag, 1. Mai 2018, 09:13

Ostern ist zwar vorbei.......

Aber ich höre gerade diese für mich wunderbare Aufnahme mit Suzuki :

https://www.amazon.de/Bach-J-S-Easter-Or…ratorium+suzuki

Die Sänger sind mir nicht näher bekannt - aber mir gefallen sie und auch die Orchesterleistung sehr gut.

Schönen 1. Mai noch !

Kalli

Glockenton

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  • »Glockenton« ist männlich

Beiträge: 2 014

Registrierungsdatum: 27. Juli 2006

5

Dienstag, 1. Mai 2018, 20:59

Diese Kantate kann ich in drei Einspielungen sehr empfehlen:

1. Gustav Leonhardt

2. Philippe Herreweghe

3. Masaaki Suzuki

Alle habe ihre jeweiligen Vorzüge. Die Sopranarie mit der Soloflöte ( "Seele, Deine Spezereien...") ist wohl mit einem gewissen Abstand bei Suzuki am schönsten. Die japanische Sängerin Yukari Nonoshita macht es ganz außergewöhnlich gut - einfach traumhaft, aber auch die Instrumentalisten verbinden alle notwendigen und denkbaren Aspekte zu einem Glücksfall der Bachinterpretationen.

Aber wie gesagt: die anderen haben auch ihre großen Vorzüge. Leonhardt verstand so viel von Klarheit in der Artikulation, und damit verbunden ist ja immer auh eine schwingender Akzentuierung in allen Bereichen. Herreweghe ist ein Klangästhet und mittlerweile bei manchen neuen Aufnahmen kaum noch erreichbar, weil er mit seinen Leuten einfach eine derart riesige Bacherfahrung hat und eben über einen sehr feinen Geschmack verfügt.

Gruß
Glockenton

William B.A.

Erleuchteter

  • »William B.A.« ist männlich

Beiträge: 17 328

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

6

Dienstag, 1. Mai 2018, 23:20

Ich habe diese Kantate in folgenden drei Einspielungen (nach Aufnahmedatum geordnet):

1. Marcel Couraud, Stuttgarter Bachchor- und Orchester, Firtz Wunderlich, Tenor, Friedrike Sailer, Sopran, Margarete Bence, Alt, August Messthaler, Bass, AD: 1958
2. Wolfgang Gönnenwein, Süddeutscher Madrigalchor und Süddeutsches Kammerorchester, Teresa Zylis-Gara, Sopran, Patricia Johnson, Alt, Theo Altmeyer, Tenor, Dietrich Fischer-Dieskau, Bass, AD: III/1964
3. Helmuth Rilling, Gächinger Kantorei & Bach-Collegium Stuttgart, Arleen Augér, Sopran, Julia Hamari, Alt, Adalbert Kraus, Tenor, Philippe Huttenlocher, AD: 12/1980, III/5 1981

Ich habe gerade die Sopran-Arie mit Teresa Zylis-Gara gehört. Das hat mich sehr angesprochen. Ich werde sehen, ob ich morgen Zeit finde, Friedrike Sailer und Arleen Augér zu hören und hier darüber zu schreiben.

Liebe Grüße und gute Nacht

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).