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WoKa

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Samstag, 24. Februar 2018, 19:15

Lieber hart!

Vielen Dank für Deine Reaktion auf meinen Beitrag. Im Moment sitze ich im Foyer des Palatin in Wiesloch wo ich einen sicherlich schönen Lieder- und Kammermusikabend mit Katja Stuber erleben werde.
Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

WoKa

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92

Sonntag, 25. Februar 2018, 13:35

Hallo!

Es war ein sehr schönes Konzert mit viel Fantasie in der Zusammenstellung.

Interpreten:

Katja Stuber - Sopran
Christoph Eß - Horn
Boris Kusnezow - Klavier

Das Programm begann mit der Hornsonate op. 17 von Ludwig van Beethoven. Sehr beeindruckend das Zusammenspiel der beiden Protagonisten.

Es schlossen sich verschiedene Schubert - Lieder an:

Die Unterscheidung
Lachen und Weinen
Erster Verlust
Das Echo
Die Männer sind méchant
Der Vollmond strahlt

Anschließend von Richard Strauss Alphorn WoO 29 (Lied für Sopran, Horn und Klavier).
Zum Abschluss des ersten Teils Frauenliebe und -leben (Er der herrlichste von allen) von Franz Lachner für dieselbe Besetzung.

Anm.: Ich habe anschließend versucht, mich im Netz schlau zu machen. Franz Lachner hat von nur einzelne der Chamisso-Gedichte vertont. Im Netz habe ich noch "Er ist gekommen" gefunden. Weiß jemand Genaueres darüber?


Der zweite Teil begann wieder kammermusikalisch mit dem Adagio und Allegro As-Dur für Horn und Klavier op. 70 von Robert Schumann.

Anschließend wieder Lieder von Franz Schubert

Die Forelle
Am Strome
Der Fischer
Des Fischers Liebesglück (ich liebe dieses Lied!)
Auf dem Wasser zu singen.

Gefolgt wieder von der Dreierbesetzung mit Horn: Auf dem Strom (Lied für Sopran, Horn und Klavier).

Zugaben:

Rossini: Rendez-vous de chasse (Horn Solo)#
Mendelssohn: Auf den Flügeln des Gesangs
Ignaz Lachner (Sohn von Franz Lachner): Überall Du (Für Stimme, Horn und Klavier)

Das Programm macht Lust auf Mehr in dieser Kombination. Das Zusammenspiel der 3 war hervorragend, Katja Stuber war klar emotional in ihrem Gesang, Die Virtuosität des Hornisten (vor allem bei der Rossini-Zugabe) beeindruckend, die Klavierbegleitung hervorragend.

Ein großes Kompliment an den Organisator dieser Veranstaltung im Palatin.

Katja Stuber
Christoph Eß
Boris Kusnezow

Hier die Vertonung von "Er der Herrlichste von allen" in einer anderen Besetzung:



Gruß WoKa
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Victor Hugo

hart

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93

Sonntag, 25. Februar 2018, 18:37

Anm.: Ich habe anschließend versucht, mich im Netz schlau zu machen. Franz Lachner hat von nur einzelne der Chamisso-Gedichte vertont. Im Netz habe ich noch "Er ist gekommen" gefunden. Weiß jemand Genaueres darüber?

Schumann ist der dritte Komponist, der sich des Chamisso-Textes angenommen hat; bereits 1836 hatte Carl Loewe diesen Zyklus komponiert – und zwar alle neun Strophen, während Schumann nur acht vertont hat. Der allererste Komponist von Frauenliebe und- Leben war Franz Kugler (1808-1858), ein enger Freund Chamissos. 1831 vertonte Franz Lachner das erste Lied des Zyklus „Seit ich ihn gesehen“.

WoKa

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94

Sonntag, 25. Februar 2018, 18:45

Hallo Hart,

vielen Dank für die Antwort.

Offenbar hat Lachner auch "Er der Herrlichste von allen" aus den Gedichten Chamissos vertont. sind das die beiden einzigen Vertonungen von ihm?

Gruß
WoKa
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Victor Hugo

hart

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Sonntag, 25. Februar 2018, 20:19

Lieber WoKa.
hier noch ein Interpretationsbeispiel


Auf dieser CD werden zwei Lachner-Vertonungen aus den neun Chamisso-Gedichten angeboten, ich gehe davon aus, dass er nur diese beiden vertont hat.

Frauenliebe und -leben op. 82 Franz Paul Lachner (1803-1890)
Seit ich ihn gesehen
Er, der Herrlichste von allen

hart

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96

Samstag, 14. April 2018, 23:29

HEIDELBERGER FRÜHLING - Wieder einmal eine herrliche Abschlussmatinee der Stipendiaten

Am Donnerstag, 12. April 2018 waren in der Heidelberger Stadthalle in zwei Veranstaltungen eine Menge Kunstlieder zu hören. Morgens um elf stand das Abschlusskonzert der Liedakademie auf dem Programm und abends um halb acht eine »Schumanniade«

Wie Thorsten Schmidt, der Intendant des HEIDELBERGER FRÜHLING, in seinen einführenden Worten sagte, betreut Thomas Hampson nun schon seit 2004 diese Heidelberger Meisterkurse. Man darf sich das aber nicht so vorstellen, dass da blutjunge Anfänger kommen, die erste Gesangsversuche machen; das sind alles Sängerinnen und Sänger, die sich andernorts schon einige Meriten erworben haben.

Frauen- und Männerstimmen waren ausgewogen vertreten und es wurden Lied-Kompositionen von zehn Komponisten zu Gehör gebracht, was ein schönes und interessantes Programm ergab, denn wo kann man schon Lieder von Erich Wolfgang Korngold, Georges Bizet, Reynaldo Hahn oder Miguel Ortega live im Konzertsaal erleben?

Und da waren Interpreten dabei die aufhorchen ließen, zum Beispiel dieser argentinische Bariton German E. Alcántara, der die Lieder von Korngold und Ortega mit erstaunlicher Souveränität in den Raum stellte, mit einer Stimme die an Josef Metternich erinnerte (obwohl dieser natürlich kein Liedsänger war). Auch der mazedonischen Mezzosopranistin Ema Nikolovska hätte man gerne mal einen ganzen Abend lang zugehört; »ganz hervorragend« habe ich da als Gedankenstütze auf dem Programmzettel notiert, sie trug Lieder von Schumann, Brahms und Mahler vor, eines schöner als das andere gesungen - was ist schön? Was will man damit beschreiben? Da mag jeder andere Parameter haben, meine Kriterien sind (scheinbar) müheloses und natürliches Singen. Auch von der französischen Mezzosopranistin Adèle Charvet wird man noch einiges hören, an diesem Morgen hat sie ein Abschiedslied von Georges Bizet vorgetragen und wohl die meisten Konzertbesucher mit ihrem in Venezuela geborenen Landsmann Reynaldo Hahn bekannt gemacht.
Jessica Dandy - wann hört man schon mal einen Contralto? - sang »Nimmersatte Liebe« von Hugo Wolf und Mahlers »Ich bin der Welt abhanden gekommen», das ist auch auf YouTube von ihr zu hören, ein fast unglaublicher Unterschied zum viel besseren Liveerlebnis.

Zum Beginn der Matinee sang Theresa Pilsl Schuberts »Im Frühling«, den Schlusspunkt setzte Julien van Mellaerts mit Schumanns »Frühlingsnacht« und draußen war es auch endlich Frühling geworden. Die Stadthalle war zwar nicht rappelvoll, aber für einen so ungewöhnlichen Termin wie einem Donnerstag-Vormittag, sehr gut besucht - glückliches Heidelberg! Wo gibt es sowas noch?


Ganz rechts im Bild, Thomas Hampson, der stolze künstlerische Leiter des Meisterkurses

Die Programmfolge:

Theresa Pilsl - Sopran / Daniel Gerzenberg, Klavier
Franz Schubert:
Im Frühling
Hugo Wolf:
In dem Schatten meiner Locken
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Johannes Maas - Tenor / Toni Ming Geiger, Klavier
Franz Schubert:
Ganymed
Erlkönig
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Erma Nikolovska - Mezzosopran / Harry Rylance, Klavier
Robert Schumann:
Röselein, Röselein
Johannes Brahms:
Sapphische Ode
Die Trauernde
Gustav Mahler:
Wer hat dies Liedlein erdacht?
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Ferdinand Keller - Tenor / Daniel Gerzenberg, Klavier
Franz Schubert:
Auflösung
Taubenpost
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Matthias Hoffmann - Bariton / Toni Ming Geiger, Klavier
Gabriel Fauré:
En Sourdine
Hugo Wolf:
Der Feuerreiter
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Germán Alcántara - Bariton / Daniel Gerzenberg, Klavier
Erich Wolfgang Korngold:
Come Away
Miguel Ortega:
Romanza de la Luna, Luna
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Adéle Charvet - Mezzosopran / Ammiel Bushakevitz, Klavier
Georges Bizet:
Les Adieux de l'hôtesse arabe
Reynaldo Hahn:
Á Chloris
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Giulia Laudano - Mezzosopran / Harry Rylance, Klavier
Robert Schumann: Gedichte der Königin Maria Stuart
Abschied von Frankreich
Nach der Geburt ihres Sohnes
An die Königin Elisabeth
Abschied von der Welt
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Jessica Dandy - Contraalto / Harry Rylance, Klavier
Hugo Wolf:
Nimmersatte Liebe
Gustav Mahler:
Ich bin der Welt abhanden gekommen
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Julien van Mellaerts - Bariton / Daniel Gerzenberg, Klavier
Hugo Wolf:
Ganymed
Robert Schumann:
Mondnacht
Frühlingsnacht
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Zugabe sämtlicher Mitwirkenden:
Johannes Brahms: Ein kleiner hübscher Vogel


Auftritt eines Duos beim Abschlusskonzert

Bilder: studio visuell

hart

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97

Sonntag, 15. April 2018, 00:01

HEIDELBERGER FRÜHLING - Eine Schumanniade

Es macht schon Sinn, hier in Heidelberg eine Schumanniade zu machen, denn Robert Schumann kam auf das Drängen seiner Mutter am 21. Mai 1829 zum Beginn seines Jurastudiums in die Stadt, die er am 24. September 1830, mit dem inzwischen gereiften Entschluss Künstler zu werden, wieder verließ.

Kaum hatten die Stipendiaten die Bühne geräumt, wurde auch schon der Konzertflügel nach rechts verschoben und auf der linken Seite der Bühne ein Perserteppich ausgerollt, der die Unterlage für eine gemütliche Sitzgruppe bildete - siehe Foto - der rechts stehende Flügel ging nicht mehr aufs Bild. Das waren die Vorbereitungen zu einer literarisch-musikalischen Soiree.



Der Instrumentalmusikalische Teil des Abends wurde von den zwei Pianisten Sholto Kynoch und Nicholas Rimmer, dem Klarinettisten Han Kim, der Violinistin Tianwa Yang und Gabriel Schwabe mit seinem Violoncello bestritten. Hinzu kam noch die Mezzosopranistin Anna Stéphany - ganz rechts im Bild - eine Gewinnerin des Kathleen Ferrier Award, die auf respektable Auftritte an bedeutenden Häusern zurückblicken kann. Das Ganze verband die Schauspielerin Martina Gedeck, indem sie aus Briefen von Clara und Robert Schumann rezitierte und mit den Musikern kleine Interviews führte.
Die Instrumentalisten führten Stücke in unterschiedlicher Besetzung auf, dann spielte Han Kim Solo auf seiner Klarinette und die Pianisten auch mal vierhändig Klavier ...

Da es sich hier um einen Lied-Thread handelt, soll nur auf das Liedprogramm an diesem Abend eingegangen werden. Aus den »Myrthen« op. 25 hatte man ausgewählt:

Widmung - Friedrich Rückert

Der Nussbaum - Julius Mosen

Die Hochländer-Witwe - Wilhelm Gerhard, basierend auf Robert Burns

Hochländers Abschied - Wilhelm Gerhard, basierend auf Robert Burns

Hochländisches Wiegenlied - Wilhelm Gerhard, basierend auf Robert Burns

Du bist wie eine Blume - Heinrich Heine

Aus östlichen Rosen - Friedrich Rückert

Zum Schluss - Friedrich Rückert

»Myrthen«, ist eine Sammlung von Gedichten unterschiedlicher Autoren, die insgesamt 26 Gedichte umfasst; Robert Schumann vertonte diese Gedichte als Hochzeitsgeschenk für seine Frau Clara.
Für diesen Abend in Heidelberg hatte man davon acht ausgewählt, die mit den entsprechend passenden Brieffragmenten in Verbindung gebracht wurden.

Das Gedicht »Widmung« schrieb Friedrich Rückert als Lobpreis seiner Braut Luise, kaum eine andere Frau der Weltliteratur wurde so mit Gedichten verehrt. Es ist Teil der Sammlung »Liebesfrühling« (1821) und entspricht geradezu programmatisch der Gefühlslage Schumanns, der das Gedicht vertonte und als Eröffnung der Liederfolge »Myrthen« im Jahr 1840 seiner Braut Clara zu Hochzeit schenkte. Das war ja alles so wunderbar vorformuliert, das hätten seine eigenen Worte sein können.

Robert Schumann benutzt in dieser Liedsammlung auch fremdsprachige Literatur, die er zumeist in deutschen Übersetzungen las, wie etwa die Gedichte des Schotten Robert Burns (1759-1796), die er in der Übertragung durch den deutschen Dichter Wilhelm Gerhard (1780–1858) kannte.
Verblüffend ist, dass auch dieser Wilhelm Gerhard einen Bezug zu Heidelberg hat, er ist hier, aus der Schweiz kommend, gestorben.
Diese Hochländer-Lieder von Robert Schumann sind höchst selten im Konzertsaal zu hören, hier von einer Engländerin interpretiert, die vermutlich die von ihr besungene Landschaft kennt.
Die erfahrene Opernsängerin, die bei den Interviews ihre Muttersprache benutzte, hat die deutschen Texte gut verinnerlicht und mit der intimen Interpretation des Wiegenliedes all denen eine besondere Freude gemacht, die kultivierten Gesang lieben.
»Zum Schluss« bildet auch den Schluss der Sammlung dieser 26 »Myrthen«-Gedichte.

Bild: studio visuell

operus

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98

Sonntag, 15. April 2018, 09:29

Lieber Hart,
danke für Deine wie immer so informativen Berichte. Sehr positiv, dass beim Heidelberger Frühling junge Sänger so geehrt und gefördert wurden. Nur wo sind bitte die Bässe? Im ganzen von Dir eingestellten Progamm konnte ich keinen Tieftöner erkennen. Mit Kurt Moll ist wohl der letzte hochkarätige Basso profondo von uns gegangen und schon bei ihm könnte man fragen, ober er nicht bereits mehr Basso Cantante war. Die Zeit von Emanuel List, Ivar Andresen, Gerog Hann, Ludwig Hoffmann, Herbert Alsen, Luwig Weber, Josef Greindl, Kurt Böhme und selbstverständlich Gottlob Frick scheint unwiederbringlich vorbei zu sein. Warum ist das so? Lässt unsere schnelllebige Zeit einfach keine solche schwarzen Bassjuwelen mehr reifen?

Herzlichst
Operus

 
Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

hart

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99

Sonntag, 15. April 2018, 22:28

Lieber Operus,
schon als ich im März 2017 vom internationalen Heidelberger Wettbewerb »DAS LIED« berichtete, fragte unser Stimmenliebhaber hier im Forum: »Kein einziger Bass?«

Beim professionellen Sänger umfasst die Stimmlage meist zwei Oktaven. Große Stimmen sind durchaus in der Lage über 4 bis 5 Oktaven zu singen. Echte Bässe sind selten anzutreffen, es wird vermutet, dass nur 5 Prozent der Männer, die Bass singen, echte Bässe als Singstimme besitzen.

Im Internet gibt es eine Liste von Sängerinnen und Sängern klassischer Musik, die berühmte Stimmen in verschiedenen Epochen darstellt. Hier wird eine Trennung zwischen dem 19. Jahrhundert und nach dem Jahr 2000 gemacht. Sicher sind da Ungenauigkeiten unvermeidlich, weil sich eben manches nicht exakt trennen lässt und mit dem Prädikat »berühmt« ist das ja auch so eine Sache ...

Aber diese Liste weist für das 19. Jahrhundert 69 Bassisten aus und nach dem Jahr 2000 finden sich 30 Sänger diese Stimmfachs.

Beim internationalen Gesangswettbewerb NEUE STIMMEN der Bertelsmann Stiftung hat 2015 der 28-jährige Bass Anatoli Sivko aus Weißrussland bei den Herren den ersten Preis vor zwei Tenören gemacht. Sivko ist bei YouTube sehr präsent, aber nicht mit Kunstliedern. So ein junger Künstler kann sich mit den bekannten Bass-Arien der Opernliteratur die Opernhäuser der Welt erobern, warum sollte er im Mühlehof zu Mühlacker Loewe-Balladen singen?

Auf dem Programm des Heidelberger Abschlusskonzertes vermisst man nicht nur die Bass-Stimme, sondern auch den Komponisten Carl Loewe, der ja seine Lieder und Balladen als Tenor vortrug und - die cpo Edition beweist es - auch für Frauenstimmen durchaus singbar ist.

Es tut mir ehrlich leid, aber der nächste hier vorgestellte Liedsänger ist ein Tenor ...

hart

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100

Sonntag, 15. April 2018, 22:59

Heidelberger Frühling 2018

Lied-Matinee Ilker Arcayürek / Hartmut Höll am 13. April 2018



1989 kam der fünfjährige, in Istanbul geborene Ilker Arcayürek, nach Wien und hatte seine musikalischen Ambitionen zunächst auf das Klavier gerichtet; als seine Lust daran schwindet, sorgt die Mutter dafür, dass Ilker beim Mozart Knabenchor in Wien singen kann, schließlich entdeckte er seine Stimme als ausbaufähiges Instrument und arbeitete daran, aber eine Musikhochschule hat er aus finanziellen Gründen nicht besucht. Bei einem Gesangswettbewerb in Wien errang er zwar keinen Preis, wurde jedoch dort von einem Herrn gehört, der Ilker Arcayürek zu einer Art Opernpraktikum nach Zürich brachte, das war 2010
Auf Zürich folgte von 2013-2015 ein Engagement an das Stadttheater Klagenfurt, wo er dann erstmals in Hauptrollen auf der Bühne stand, inzwischen folgte ein Wechsel ans Theater in Nürnberg.
2016 war er erster Preisträger des internationalen Wettbewerbs für Liedkunst der Hugo Wolf Akademie in Stuttgart. Im Herbst 2016 gab er sein Rezital-Debüt in der Wigmore Hall in London, etwas später dann im Concertgebouw Amsterdam - um nur einige wichtige Stationen zu nennen. 2017 kam seine CD »Der Einsame« mit Schubert-Liedern heraus.
Nun also sein Debüt in der altehrwürdigen Aula der Universität Heidelberg.

Die kurze Vorstellung des Tenors dieser Matinee ist dem Umstand geschuldet, dass es sich hier um keinen altbekannten Interpreten handelt, der schon seit Jahrzehnten auf den Liedpodien der Welt zu Hause ist. Genau dies trifft aber auf Hartmut Höll zu, der einer der bekanntesten Liedbegleiter überhaupt ist; über einen Zeitraum von Zehn Jahren hatte er Dietrich Fischer-Dieskaus Gesang begleitet, mit der japanischen Sängerin Mitsuko Shirai bildet er schon seit den 1970er Jahren ein in der ganzen Welt bekanntes Duo.

Das Programm:

Franz Schubert (1797-1828)
Der Musensohn op. 92,1 D 764
Frühlingsglaube op. 20,2 D 686
Der Jüngling an der Quelle D 300
An den Mond
An die Laute op. 81,2 D 905
Schäfers Klagelied op. 3,1 D 121
Rastlose Liebe op. 5,1 D 138
Die Liebe hat gelogen op. 23,1 D 751
Nachtstück op. 36,2 D 672

- Hier folgte nur eine kurze Pause für die Interpreten und den Beifall für das bisher Gebotene -

Robert Schumann (1810-1856) - Zwölf Gedichte op. 35 »Kerner-Lieder«
Lust der Sturmnacht
Stirb, Lieb´ und Freud´!
Wanderlied
Erstes Grün
Sehnsucht nach der Waldgegend
Auf das Trinkglas eines verstorbenen Freundes
Wanderung
Stille Liebe
Frage
Stille Tränen
Wer macht dich so krank?
Alte Laute

Zugabe:
Schwanengesang op. 23 Nr. 3 D 744

Über den Noten von »Der Musensohn« steht des Komponisten Anweisung »Ziemlich lebhaft«; dem hat der Sänger zwar voll entsprochen, dennoch wird Hartmut Höll gehört haben, dass Fischer-Dieskau diese Anweisung differenzierter gestaltet hat. Es ist natürlich etwas unfair, einen Einsteiger ins Liedfach mit dem größten aller Liedsänger zu vergleichen, aber Kritik muss ja einen Vergleichsmaßstab haben. Das ist in der Tat ein Problem bei diesem ersten Programmteil mit seinen neun, meist hochkarätigen Schubert-Liedern, die der eifrige Liederabend-Geher seit Jahrzehnten, von den Besten gesungen, im Ohr hat. Wenn Arcayürek stark forciert, besteht die Gefahr, dass die Stimme nicht mehr schön klingt, wenn es leiser wurde, war es immer schöner, aber das ist das Empfinden eines Einzelnen ...
Man will erstaunt sein, will bewundern können, was da vorne passiert - das war bei »Die Liebe hat gelogen« der Fall, da war Kraft und Saft und Schönheit des Tons, so etwas nimmt man mit nach Hause. Auch das »Nachtstück« passte gut zur zurückgenommenen Stimme.

Nach diesen neun Schubert-Liedern zogen sich die Interpreten kurz zurück, wobei man in der Alten Aula nicht einfach an der seitlichen Bühne verschwinden kann, sondern durch den Mittelgang des Saales schreiten muss, was an diesem Morgen durch herzlichen Beifall begleitet wurde.

Grundsätzlich sollte man jedem Sänger dankbar sein, der dieses Dutzend Kerner-Lieder mitbringt, aber das ist natürlich auch wieder so eine subjektive Aussage, objektiv kann man nur begründen - weil sie eher seltener auf dem Programm stehen.
Direkt auf die »Sturmnacht« folgt dieses getragene »Zu Augsburg steht ein hohes Haus ...«, da konnte sich Arcayüreks Stimme so richtig wohlfühlen und Schönklang erzeugen.
Darauf das burschikose »Wanderlied«, das so richtig zum Mitsingen reizt, und am Ende Beifall heischt, aber wer möchte schon einen Zyklus zerreißen?
Bei »Stille Tränen« geht es nicht so still zu, wenn der Sänger seinen Schmerz hinausschreit und der Pianist scheinbar unkontrolliert in die Tasten haut, ein Prachtstück für den Sänger.
Bei den beiden letzten ruhigen Stücken des Zyklus konnte Ilker Arcayürek sein schönes Piano wunderbar einsetzen und nach dem »Weckt mich ein Engel nur«, brauchte es ein paar Sekunden, bis man bekundete, dass der Vortrag gefallen hat. Der Beifall war herzlich und lautstark, 21 Lieder am Stück zu singen ist immer eine bewundernswerte Leistung.

Ilker Arcayürek steht heute im Genre Lied und von der Stimmlage her in Konkurrenz mit dem gleichaltrigen Julian Prégardien und dem etwas jüngeren Peter Mauro - man wird sehen, wie sich die Sache entwickelt ...

Bild: studio visuell