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La Roche

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1

Donnerstag, 12. April 2018, 14:17

Oedipe von George Enescu in Gera

Am Freitag, dem 13.4.2018 (wenn das kein Omen ist!!) findet in Gera die Premiere der o.g. Oper statt. Ich werde diese Oper ansehen, da die Bühnenbilder von Duncan Haylor für meine Begriffe vielversprechend sind. Leider kann ich sie nicht einstellen, sie sind wohl noch geschützt. Ich habe besagten Duncan Hayler aber in allerbester Erinnerung durch seine Mitwirkung bei "Scharlatan" und "Jekyll and Hyde" in Gera, die für mich in der heutigen Zeit überirdisch schön und einfallsreich waren. Außerdem bin ich neugierig auf die Musik, wovon bei YT einige Beispiele zu sehen und zu hören sind. Es ist irgendwie eine Mischung aus Strawinsky und Wagner, aus Strauss und Schostakowitsch, also aus verrückt und spätromantisch. Musikbeispiele aus YT haben mich angesprochen.

Ich werde allerdings nicht zur Premiere gehen, sondern voraussichtlich am 21.4. in die zweite Vorstellung. Ich kollidiere da zwar mit der Bundesliga in der ARD, aber wozu habe ich eine Festplatte.

Als Gast für die Rolle des Oedipe wurde der Franzose Sebastian Soules gewonnen, der immerhin Meisterkurse bei Fischer-Dieskau, Walter Berry, Brigitte Fassbaender und Jose van Dam belegte und der auch schon bei den Bregenzer Festspielen und mehrfach in Wien gastierte. Hier das Team:

Ich werde nach dem Besuch berichten.
Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer


Bertarido

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2

Donnerstag, 12. April 2018, 14:36

Lieber La Roche,

dann wünsche ich Dir einen gelungenen Opernbesuch und freue mich auf Deinen Bericht. Enescus "Oedipe" ist für mich eine der eindruckvollsten Opern des 20. Jahrhunderts, die immer noch viel zu selten aufgeführt wird, auch wenn es in den letzten Jahren erfreulicherweise einige Neuproduktionen gab. Ich habe dieses Werk bisher nur 2016 am ROH in London in einer musikalisch wie szenisch sehr überzeugenden Produktion erleben können.

La Roche

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3

Samstag, 21. April 2018, 10:35

So, nun ist es bald so weit. Heute abend geht La Roche mit Frau in die Oedipe.

Was hat mich veranlaßt, eine total unbekannte Oper zu besuchen??

Da ist einmal die Neugier, etwas Unbekanntes zu entdecken. Forscherdrang sozusagen, eine Eigenschaft, die vielen Chemikern eigen ist. Aber warum gerade Oedipe? Warum gerade Enescu? Ein normaler Musikliebhaber (wie ich auch, ohne Musikstudium) kennt Enescu maximal von seiner rumänischen Rhapsodie, einem sehr volkstümlichen und virtuosen Stück mit hoher Publikumswirkung. Unser Orchester hat das auch schon einmal gebracht. Aber sonst einen Grund, in Oedipe zu gehen ? Ich, ein Fan von Strauss, Wagner, den Italienern? Musik von 1936?? Ich verbinde damit Musik, die nicht für jedermanns Ohren angenehm ist, Schönberg nach den Gurreliedern, Alban Berg u.a. Aber es ist doch auch die Zeit, in der Werke wie Daphne, Die Liebe der Danae u.a. auf die Bühne kamen, Musik, die meine Ohren mögen!!

Also ab ins Internet, Probehören. Einiges ist im Angebot, mein erster Eindruck ist "naja". Begeisterung klingt anders!! Dann stellte das Theater erste Fotos auf seine Website. Wenn das Bilder gewesen wären, wo man in Naziuniformen gekleidete und mit Kalaschnikows bewaffnete Menschen, vielleicht noch blutbesudelt gesehen hätte, wärs das gewesen. Aber da waren ästhetische Bilder, historisierend, und sie waren von Duncan Heyler, den ich von verschiedenen Inszenierungen in Gera sehr, sehr positiv in Erinnerung hatte (und der nächste Spielzeit Hoffmanns Erzählungen machen wird). Und so kommt es, wie es kommen muß. Die Bilder gaben den Anstoß, meine Vorsicht zu überwinden und Karten zu bestellen. Hier ist der Link zur Oedipe:

https://www.tpthueringen.de/stuecke-konzerte/oedipe-599/

Dazu kam eine fast euphorische Premierenkritik. Man sprach von "ständig Ovations", eine Reaktion, die in Gera in der Oper eher selten geworden ist. Nun ist es so weit. Heute nachmittag wird sich geputzt, 18.45 kommt das Taxi (mit dem eigenen Auto geht nicht, der Parkplatz ist gesperrt, da ist Rummel) und wir erleben etwas, was ich noch nicht kenne. Die Hemmschwelle wurde durch das Bühnenbild und den Presseartikel gesenkt.

Herzlichst La Roche
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chrissy

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4

Samstag, 21. April 2018, 15:07

Lieber La Roche
Ich habe mir den Link angehört /angeschaut und wenn ich auch zugeben muß - das ist ganz sicher nicht "meine Musik",
sind die Kostüme und auch das Bühnenbild vielversprechend.
Und ich finde es richtig gut, daß ihr beide nach langer Zeit wieder mal live "Theaterluft schnuppern" werdet.
Ich wünsche Euch viel Freude und ein hoffentlich rundum tolles, beglückendes Erlebnis.
Bin dann schon mal auf Deinen Bericht gespannt und was mich auch interessiert - was habt ihr für Plätze, zu welchem Preis und ob das Haus gut besucht war.
Also dann, auf geht´s - beste Wünsche und Grüße an Dich und Hannelore

CHRISSY
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Gerhard Wischniewski

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5

Samstag, 21. April 2018, 17:01

Lieber LaRoche

ich kenne und besitze auch die Sinfonien von Enescu, die ich durchaus für hörenswert halte. Die Oper kenne ich leider auch noch nicht, und ich wäre bei den Bildern, die du eingestellt hast, sicherlich auch dort hin gegangen, weil auch ich begierig bin, Neues in angemessener Form zu erleben. Es wir sicherlich kein verlorener Abend sein. Ich freue mich auf deinen Bericht.

Liebe Grüße
Gerhard
Ich mache dringend darauf aufmerksam, dass die szenischen Vorschriften, wie sie in der Partitur mit großer Genauigkeit angegeben sind, mit skrupulöser Treue befolgt werden.
(Wagner in einem Brief zu seinem "Tannhäuser" an Stocks 1841)

La Roche

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6

Sonntag, 22. April 2018, 09:27

Bin dann schon mal auf Deinen Bericht gespannt und was mich auch interessiert - was habt ihr für Plätze, zu welchem Preis und ob das Haus gut besucht war.
Also dann, auf geht´s - beste Wünsche und Grüße an Dich und Hannelore
Lieber Chrissy,

meinen Bericht kannst Du bald weiter unten lesen, ich mache mich gleich daran. Aber die für Dich interessanten Dinge gleich einmal hier:

1. Es war kein Theaterwetter. Es war heiß im Theatersaal, dazu kam viel Bühnenrauch und mehrfach offenes Feuer auf der Bühne. Das hat den Theaterbesuch abgewertet, aber keinesfalls das Stück. Nicht nur wir haben furchtbar geschwitzt.
2. Wir saßen Parkett, 4. Reihe. Eigentlich sitzen wir fast immer im Parkett. Da französisch gesungen wurde, kamen Übertitel, aber die waren selbst in der 4. Reihe gut zu lesen, sie waren nicht allzu hoch. Ohne deutschen Text ist das Stück sehr schwer verständlich.
3. Eine Karte kostet 32,00 Euro. Ich weiß, daß Du für dieses Geld 4x oder noch öfter nach Liberec fahren könntest. Ich frag mich, wie man in Liberec seinen Etat deckt. Evtl. sind die staatlichen Zuschüsse höher als bei uns?
4. Parkett und 1. Rang waren randvoll, im 2. Rang waren aber einige Plätze frei. Man kann sagen, daß es sehr, sehr gut besucht war, worüber ich erstaunt war. Letztens in der Entführung waren wesentlich weniger Leute!!. Viele Auswärtige offensichtlich im Publikum, denn Bekannte waren nur wenige da. Aufgefallen ist uns, daß die meisten Zuschauer festlich gekleidet waren, anders als im Abopublikum sonst gewöhnt. In Gera gehen viele so ins Theater, wie sie sonst auch ins Büro oder einkaufen gehen. Das war gestern anders!! Gestern war die Kleiderordnung ähnlich der in Chemnitz, wo man sich auch noch fein anzieht, wenn man in die Oper geht.
5. Wie schon gesagt, wegen des total zugebauten Parkplatzes (Rummel) sind wir mit dem Taxi gefahren. Auch das hat geklappt, aber erschrocken war ich über den Preis. Für ca. 2,5 km Fahrstrecke haben wir 11,00 Euro für eine Fahrt zahlen müssen. Aber es war gut so, denn ein Bekannter war bereits 2 Stunden vor Beginn da, und er hat nur relativ weit entfernt einen Parkplatz finden können. Der Rummel war infolge des guten Wetters auch sehr gut besucht. Die Oper hat incl. einer Pause 3 Stunden gedauert.

So, nun mach ich mich an die Oper.

Herzlichst La Roche
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La Roche

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Sonntag, 22. April 2018, 10:29

Gestern war nun die Oedipe dran. Die äußeren Bedingungen habe ich im Beitrag 6 schon beschrieben.

Laut Programmheft ist für dieses Werk ein gewaltiges Orchester vonnöten, welches das Platzangebot unseres Orchestergrabens deutlich sprengt. Ich glaube, die über 70 noch engagierten Orchestermitglieder waren vollzählig anwesend, dazu noch Gäste. Die beiden Harfen (in Gera ist nur 1 Harfenspielerin engagiert) saßen seitlich in der ehemaligen Fürstenloge, Schlagwerk und auch Bläser waren im Bühnenunterboden plaziert und durch klug ausbalancierte Schallverbreitungselemente voll hörbar. Der Orchesterklang war ausbalanciert und an keiner Stelle zu laut. Das will bei dem Stück etwas heißen, denn es hat extrem laute und wirkunsvolle Stellen, die Schauer über den Rücken laufen lassen!! Ereignisse wie der Groll der Götter wurden wirkungsvoll umgesetzt, phantastisch!!!

Zur Musik hat der GMD Laurent Wagner gemeint, daß dagegen Schönbergs "Moses und Aron" eine Operette sei. Es ist leitmotivisch aufgebaut, hat keine Rezetative und Arien und auch keine Duette, wie man das aus der klassischen Oper kennt. Im Programmheft ist zu lesen, daß die ca. 500 Seiten starke Partitur an keiner Stelle auch nur die Wiederholung eines einzigen Taktes vorsieht. Die Leitmotivtechnik baut auf Variationen auf, nicht wie bei Wagner, sondern wie bei Enescu!Der Intendant hatte auf die Frage, warum er gearde dieses Werk ausgewählt und was ihn besoders beeindruckt habe nur eine Antwort gegeben: die Wucht der Musik! Und da muß ich ihm recht geben! Die Handlung der Oper ist nicht fröhlich, da wird orakelt, gemordet, gestorben, da werden Ungeheuer wie die männermordende Sphinx auf die Bühne gebracht. Das Sterben ist kein leises Sterben wie bei Verdi, wo man durchaus mal im 6/8-Takt sterben kann. In Oedipe wird getötet, und die Musik malt das Gemälde dazu!! Sie ist für meine Begriffe teils spätromantisch (besonders der versöhnende 4. Akt), teils expressionistisch. Sie erinnert klanglich an Elektra, aber auch wieder in den spätromantischen Phrasen an Daphne oder die Danae.

Und da sind wir beim Inhalt. Die Ödipussage wurde von Sophokles mehrfach im Antikendrama auf die Bühne gebracht, und der Stoff der Sage wurde zusammenfassend in die Oper übernommen. Für die historische Richtigkeit wurde als Berater Prof. Dr. Ulrich Sinn gewonnen, der Lehrstuhlinhaber für klassische Archäologie der Uni Würzburg war. Also sollte Authentizität gegeben sein!!!

Haupterlebnis war die Bühnengestaltung durch Duncan Hayler. Er zauberte ein Spektakel auf die Bühne, wie ich es bisher in Gera nur von ihm erlebt habe, z.B. in Jekyll and Hyde. Da war offenes Feuer auf der Bühne, da wurde die gesamte Bühnentechnik wirkungsvoll eingestzt, daß man am liebsten AAAAAh und OOOOH gemacht hätte. Aber immer im Sinne der Handlung, niemals nur als Showelement! Hier paßte alles, von der antikähnlichen Bekleidung bis zur wirkungsvollen Gestaltung der die Stadt Theben bewachenden Sphinx, die aus einem riesigen Bühnenaufbau hervorkroch, welches sich nach ihrem Tod zu den Toren der Stadt Theben öffnete. Ungeheuer wirkungsvoll!!

Der Aufwand, diese Oper zu inszenieren, ist enorm gewesen. Das Theater Gera hat 2017 den "Theaterpreis des Bundes" mit finanziell nicht unbedeutenden Mitteln erhalten, und nur dadurch war diese Inszenierung möglich. Es mußten zusätzliche Choristen verpflichtet werden, wodurch eine ungeheure Klanggewalt in den Massenszenen erreicht wurde. Das Orchester unter GMD Laurent Wagner hatte die schwere Aufgabe, ein auch für sie völlig unbekanntes Stück einzustudieren und so zu präsentieren, daß die Sänger nicht zugedeckt wurden. Das gelang überaus beeindruckend. Verdientermaßen wurde das Orchester und sein Leiter, aber auch der Chor mit Ovationen belohnt!!!

Unter den Solisten stach der Darsteller des Ödipus, der Franzose Sebastien Soules hervor. Laut Programmheft beträgt sein gesanglicher Anteil fast 2/3 der gesamten Gesangsdarbietungen. Er vermochte seinen kraftvollen Bariton gut einzuteilen, so daß er in der Stebeszene einen äußerst wirkungsvollen Schluß bringen konnte. Der Jubel war unbeschreiblich. Alle anderen Solisten besetzten mehrere Rollen, und sie machten ihre Sache ordentlich.

Es ist erstaunlich, was ein Stadttheater wie Gera zu bringen in der Lage ist, wenn die entsprechenden Mittel vorhanden sind. Das konnte auch der rumänische Botschafter in Deutschland feststellen, der eine Grußbotschaft sendete (ich glaube, er war auch in der Premiere, wie auch der Intendant der Staatsoper Bukarest). Ich kann allen Opernfreunden empfehlen, diese Inszenierung anzusehen, wenn sie diese Art der Musik mögen und wenn sie nicht darauf stehen, Naziuniformen, Kalaschnikows u.a. Modernisierungen sehen zu müssen. Blut allerdings fließt reichlich. Es ändert aber nichts an einem großartigem Erlebnis!

Herzlichst La Roche
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Caruso41

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8

Sonntag, 22. April 2018, 12:34

Lieber LaRoche,

es freut mich, dass Dein Mut, Dich auf ein unbekanntes Werk, mit einem unvertrauten Musikstil und dann noch dazu in einer eigenwilligen Inszenierung einzulassen, voll belohnt wurde und Du ein starkes Opernerlebnis hattest.

Sebastien Soules hat übrigens vor etlichen Jahren einen Meisterkurs bei José van Dam, der ja ein überragender Interpret des Oedipe war, besucht. Ich habe ihn als Orazio in der Wiederentdeckung von "Amleto" von Franco Faccio und in "Cinque Mars" von Charles Gounod gehört und fand ihn auch sehr überzeugend.

Beste Grüße

Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

La Roche

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9

Sonntag, 22. April 2018, 13:31

es freut mich, dass Dein Mut, Dich auf ein unbekanntes Werk, mit einem unvertrauten Musikstil und dann noch dazu in einer eigenwilligen Inszenierung einzulassen,
Lieber caruso 41,

ja ,es war ein Erlebnis. Es war ein total unbekanntes Werk (Ich glaube nicht nur für mich, auch viele Taminos werden das Stück nicht kennen) und ein neuer Musikstil. Aber es war keine eigenwillige Inszenierung!! Wenn man einen Experten für Archäologie wie Prof. Sinn als Berater ins Regieteam für eine Oper mit Inhalt aus der griechischen Mythologie holt, dann doch mit dem Ziel einer möglichst mythologisch angenäherten Interpretation, und das ist in meinen Augen nichts eigenwilliges, sondern sollte die Normalität sein!!!

Eigenwillig wären für mich Inszenierungen, wie man sie ausschnittweise oder komplett bei youtube sehen kann, z.B. in Frankfurt mit irgendwelchen Armeeuniformen, in Bukarest mit Stahlgerüsten und auch in London. Ich hatte betont, daß mich zum Besuch der Vorstellung nur der Trailer, die Bühnenbilder und die Premierenkritik zur Premiere im Geraer Theater veranlaßt haben, und Hauptgrund war die szenische Darstellung von Duncan Hayler. Die Inszenierungen in Frankfurt, Bukarest und London hätten ohne mich auskommen müssen!!!!

Herzlichst La Roche
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chrissy

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10

Sonntag, 22. April 2018, 16:30


ja ,es war ein Erlebnis.
Das freut mich für Dich /für Euch, lieber La Roche. Vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht, den ich mit großem Interesse gelesen habe.
Danke auch für Deinen informativen Vorbericht an mich.

Herzliche Grüße und noch einen schönen Rest - Sonntag wünscht
CHRISSY

(PS.: Große Freude und Erleichterung über den heutigen gaaaaanz wichtigen Auswärtssieg!!!)
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Gerhard Wischniewski

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11

Sonntag, 22. April 2018, 18:48

Lieber La Roche,

danke für den ausführlichen Bericht. Es freut mich, dass ihr einen - wie ich aus deiner Schilderung erkenne - Opernabend hattet, der euch nach längerer Zeit wieder einmal begeistern konnte und der - so wie ich es sehe - keineswegs eine eigenwillige Inszenierung eines "modischen" Regisseurs war. Was die Musik betrifft, ich habe einmal bei youtube in die Aufnahme aus der Wiener Staatsoper von 1997 an verschiedenen Stellen hineingehört. Ich finde sie durchaus nicht so schlecht. Ich habe eine Reihe modernerer und weniger bekannter Werke, in die ich mich erst einmal mehrfach hören musste, um mich dafür zu begeistern. Wenn diese Oper dann noch mit passenden Bühnenbildern und Kostümen in unverfälschter Handlung dargeboten wird, würde ich sofort ebenfalls hineingehen, wenn Gera nicht so weit von mir entfernt wäre, dass ich es an einem Abend mit öffentlichen Verkehrsmitteln hin- und zurück schaffen könnte.


Liebe Grüße
Gerhard
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(Wagner in einem Brief zu seinem "Tannhäuser" an Stocks 1841)

La Roche

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12

Montag, 23. April 2018, 08:55

(PS.: Große Freude und Erleichterung über den heutigen gaaaaanz wichtigen Auswärtssieg!!!)
Lieber Chrissy,

danke für Deine anerkennenden Worte zum Oedipe. Ja, es ist nicht Deine Musik, und ich wäre ohne die eingestellten Bilder auch nicht in die Vorstellung gegangen!! Nun waren wir drin, und es hat uns gefallen. Aber nochmal reingehen würde auch ich nicht, höchstens den 4. Akt würde ich nochmals ansehen. Die Musik ist noch wilder und aufwühlender, teilweise sogar abschreckender als z.B. in der Elektra!! Aber sie paßt mit jeder Note zum Stück!

Für mich bleibt eine Frage, die Frage nach der Ökonomie. Das Stück wird im Mai noch einmal gespielt, dann geht es nach Altenburg. Ob es nächste Spielzeit nochmals kommen wird, weiß ich nicht. Als ehemaliger Selbständiger bleibt das Kosten: Nutzen-Verhältnis, und das ist offensichtlich so negativ, daß ein Privatmann pleite gehen würde. Auch wenn es am Samstag voll war, die Publikumsmeinung war nicht so positiv wie meine, und die Jubler (wozu auch ich gehörte) waren nicht alle Anwesenden. Viele haben auch ständig auf die Uhr geschaut. Aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis in Gera kommen überwiegend kritische Stimmen über die Spielplangestaltung in Gera. Mit dem Oedipe kommt Gera überregional in die Opernberichterstattungen, der Intendant sammelt überregional Anerkennungspunkte, aber regional hat er nicht nur Freunde. Das ist in Liberec sicher anders.

Dir einen herzlichen Glückwunsch zum Auswärtssieg!!!

Herzlichst La Roche
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musikwanderer

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13

Montag, 23. April 2018, 12:21

Auch von mir, lieber La Roche, ein herzliches 'Danke' für einen lesenswerten Bericht über 'Oedipe' von Enescu.
Danke sage ich aber auch für eine Anregung, mal wieder eine Erweiterung meines persönlichen Opern-Repertoires bekommen zu haben.

:hello:
.

MUSIKWANDERER

La Roche

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14

Montag, 23. April 2018, 14:32

Ja, lieber Musikwanderer, wenn man diese "schräge" Musik nicht nur als Lärm empfindet, dann ist "Oedipe" durchaus ein Werk, welches man ansehen kann. Allerdings gehören Musik und Bild bei mir eng zusammen, und da war die Geraer Inszenierung für mich ein Erlebnis der positiven Art.

Ich kann mir vorstellen, daß es nicht leicht ist, diese Musik ohne Bild, d.h. nur als Tonkonserve zu ertragen. Und ich glaube auch, daß die Musik meilenweit (vielleicht sogar Lichtjahre) von der Dir so naheliegenden Barockmusik entfernt ist.

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  • »Johannes Roehl« ist männlich

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15

Montag, 23. April 2018, 18:01

Das "Kosten-Nutzen"-Verhältnis ist bei nahezu allen Opern so, dass ein Privatunternehmer pleite gehen würde. Frag Händel... ;)
Deswegen wird Oper seit jeher meistens (auch) durch öffentliche Mittel oder Sponsoren finanziert. (Und selbst bei Händel war es kein "freier Markt", sondern es ging eher darum, möglichst viel finanzielle und öffentlichkeitswirksame Unterstützung bestimmter Adelsparteien einzuwerben.)
Wenn das nicht der Fall wäre, gäbe es in einem halben Dutzend Großstädte in Deutschland Tosca, Zauberflöte und noch ein paar ähnliche "Kracher" in der Art wie es jahrelang Cats oder Starlight Express in den Musical-Theatern gab. Sonst nix. In Gera gäbe es vielleicht einen Club a la Rotary, der ein paar Gastspiele im Jahr sponsern würde, aber keinen regulären Opernbetrieb. Weder Zauberflöte noch Oedipe.

La Roche

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16

Montag, 23. April 2018, 19:29

Lieber Johannes,

sicher stimmt Deine Aussage. Aber wenn Du Dir bitte mal anschauen würdest:

- Saul in Ein Dor (Kammeroper von Josef Tal)
- Die Jugens Abrahams (Oper von Michael Gnesin)
- Die weiße Rose (Udo Zimmermann)
- Oedipe
- Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny
- Masepa (Tschaikowski)

Das sind Opern, die 2017/18 in Gera oder Altenburg Premiere hatten und die keine Renner geworden sind oder werden!! Dazu kommen noch die verkaufte Braut, Don Pasquale und die Entführung aus dem Serail. Da stimmt in meinen Augen die Relation für ein Stadttheater nicht. Keine Operette für das dafür vorhandene Publikum, (das ändern auch 2 Musicals nicht, die im Programm stehen), kein Verdi oder Puccini, kein Strauss oder Wagner (Gera hatte fast jedes Jahr mind einen Wagner im Spielplan). Als Wiederaufnahme ein verunglückter Rigoletto befriedigt das Publikum auch nicht!!

Mir persönlich ist das mit der Oedipe recht, mir hats gefallen. Der überregionale Zuspruch ist schon schön. Leider füllt dieser Zuspruch das Theater nicht.
Wie in vielen anderen Häusern ist auch bei uns das Theater nicht täglich bespielt und ist selbst bei Premieren der 2. Rang geschlossen, weil das Publikum ausbleibt!! Leider Tatsache. Und jetzt habe ich nicht über Regie geredet, sondern über Spielplangestaltung!

Für 2018/19 ist allerdings eine Verbesserung in Sicht. Immerhin kommt der Vogelhändler, macht Duncan Heyler Hoffmanns Erzählungen. Aber kein neuer Italiener (unser Intendant muß die nicht mögen), kein Wagner, kein Strauss usw. Und im Konzert kommen endlich wieder Bruckner (7.), Mahler(5.) und Strauss (Heldenleben) und noch ein paar gute Sachen (z.B. ein ganzer Abend nur für Ravel). Also durchaus auch mind. 5 Vorstellungen, die mich interessieren. Dazu eine unbekannte Oper (die Passagierin, von Weinberg) bei der ich abwartend bin.

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Fiesco

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17

Montag, 23. April 2018, 20:14

Zitat

La Roche
Dazu eine unbekannte Oper (die Passagierin, von Weinberg) bei der ich abwartend bin.


Naja, so unbekannt ist die Oper von Weinberg nun auch wieder nicht, solltest du dir unbedingt nicht entgehen lassen, eine hervorragende Story mit eindringlicher Musik!

LG Fiesco
Die Tonkunst begrub hier einen reichen Besitz, aber noch viel schönere Hoffnungen.

Grillparzers Worte auf der Reliefplatte Schuberts.

musikwanderer

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18

Dienstag, 24. April 2018, 09:29

Ja, lieber Musikwanderer, wenn man diese "schräge" Musik nicht nur als Lärm empfindet, dann ist "Oedipe" durchaus ein Werk, welches man ansehen kann. [...] Und ich glaube auch, daß die Musik meilenweit (vielleicht sogar Lichtjahre) von der Dir so naheliegenden Barockmusik entfernt ist.
Na ja, das ist so nicht ganz richtig, denn das Hauptgewicht meines Musikinteresses liegt schon bei der 'Wiener Klassik'- aber auch die spätere Musik ist nicht aus meinem Interessenkreis verschwunden. Was ich absolut nicht mag, sind Geräusche, die unter dem Vorwand, Musik zu sein, daherkommen. Ein Tamino-User (ich weiß nicht mehr, wer es wahr) hatte den Spruch 'Nur beim Stockhausen krieg' ich Ohrensausen' (unvollständig und aus dem Gedächtnis zitiert)...

:hello:
.

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19

Dienstag, 24. April 2018, 10:55

Enescu ist musikalisch vielleicht am ehesten mit Szymanowski oder einigem von Richard Strauss vergleichbar; ich kenne zwar Oedipe nicht, aber Enescus Instrumentalmusik ist ein bißchen "moderner" als Rachmaninov, aber tendenziell "romantischer" als z.B. Bartok.

Die kleineren Stadttheater sind ein bißchen im Dilemma. Sie brauchen etwas Standardrepertoire und populäres, können dabei aber kaum gegen die in den Großstädten gebotene Qualität an, Dann wollen sie oft auch ein wenig überregionale Aufmerksamkeit und dafür braucht man Raritäten.
In Gießen (für das Oedipe definitiv eine Nummer zu groß wäre) haben sie das in den letzten Jahrzehnten insgesamt ganz gut hingekriegt (ich habe vorübergehend aber einige Jahre woanders gewohnt und es auch nicht immer verfolgt). Es gibt eigentlich immer eine Operette, allerdings manchmal weniger bekannte oder ungewöhnlicher inszeniert (dieses Jahr "Herbstmanöver" von Kalman), es gibt immer ein oder zwei sehr bekannte Opern (heuer Ariadne und Don Giovanni) und etwas weniger bekanntes (Schwanda).

20

Dienstag, 24. April 2018, 11:34

Sehr interessant!

Lieber La Roche, das war ein interessanter Bericht! Schön, wenn ein Opernkenner u. -liebhaber, der an seinem Opernhaus hängt, schreibt! Es grüßt Hans.
..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
-- Aydan Özoğuz

La Roche

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21

Dienstag, 24. April 2018, 13:47

Enescu ist musikalisch vielleicht am ehesten mit Szymanowski oder einigem von Richard Strauss vergleichbar; ich kenne zwar Oedipe nicht, aber Enescus Instrumentalmusik ist ein bißchen "moderner" als Rachmaninov, aber tendenziell "romantischer" als z.B. Bartok.
Lieber Johannes,

manchmal klingt Oedipe tatsächlich wie Strauss, am ehesten wie Elektra oder Salome, nicht aber wie die mythologischen Spätopern nach Hofmannsthal. Sie ist von ungeheurer Wucht, und es ist eine Riesenleistung unseres Orchesters gewesen. Du kannst die Oedipe-Musik auch nicht vergleichen mit der rumänischen Rhapsodie, das ist dagegen Tanzmusik, Unterhaltungsmusik, zwar virtuos, aber nicht "schräg". Rachmaninow ist dagegen "leichte Kost". Der GMD des Geraer Theaters verglich nicht umsonst den Oedipe mit "Moses und Aron", die er dagegen als Operette bezeichnete. Harter Tobak. Aber ich bleibe dabei, die Musik war toll, und besonders der 4. Akt fast ein Träumchen. Ich mags ein bißchen schräg, wie könnte ich sonst Strauss lieben!! Leider denken nicht alle Geraer so wie ich!!

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La Roche

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22

Dienstag, 24. April 2018, 13:51

Lieber La Roche, das war ein interessanter Bericht! Schön, wenn ein Opernkenner u. -liebhaber, der an seinem Opernhaus hängt, schreibt! Es grüßt Hans.
Danke, lieber Hans. Ja, ich kanns nicht leugnen, Gera ist mein Haustheater, leider in den letzten Jahren etwas abgerutscht in meinen Sympathiewerten. Das liegt leider oft an der Regie, aber auch an der Stückauswahl, wobei ich durchaus Neues mag, aber es muß zu meinem Geschmack passen. Der Oedipe war musikalisch eine Grenze, aber ich war noch auf meiner Seite!!

Herzlichst La Roche
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