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hart

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  • »hart« ist männlich

Beiträge: 1 887

Registrierungsdatum: 7. Dezember 2009

31

Freitag, 22. September 2017, 18:43

Das ist ein Strassenbahnbetriebshof der örtlichen Verkehrsgesellschaft direkt hinter den Gleisen des Hauptbahnhofs gelegen.

Na, da haben wir doch unser Regietheater ...

Der große Erneuerer und Altmeister des Liedgesangs, Dietrich Fischer-Dieskau, machte einmal seinem Ärger Luft und hat die Auswüchse der Eventkultur im Konzert- und Opernbetrieb attackiert. »Seltsame Späße« seien das, Schuberts »Winterreise« etwa im Boxring aufzuführen oder zu Gustav Mahlers Musik tanzen zu lassen.

Dietrich Fischer-Dieskau? Kennt den noch jemand hier?

moderato

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  • »moderato« ist männlich
  • »moderato« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 5 182

Registrierungsdatum: 14. November 2010

32

Freitag, 22. September 2017, 18:47

Ich empfehle wie unser neues Mitglied Fiesco Ian Bostridges Buch "Schuberts Winterreise, Lieder von Liebe und Schmerz" zu lesen. Ich habe mir bislang unbekannte Seiten dieses Gipfelwerkes der Liedkunst erfahren.

Beeindruckt hat mich, wie in Bostridges Text immer wieder die Haltung des Sängers als Vortragender erscheint, welche Erfahrungen er im Rezital gemacht hat und welche Herausforderungen er gemeistert hat.

Ian Bostridge ist ein Sänger von herausragendem Niveau. Seine Interpretationen werden in unserem Forum kontrovers diskutiert, geliebt und geschmäht. Ein Artikel von Patrick Bahmers in der FAZ beschreibt, was sich an einem Lieder-Rezital an der Schubertiade im Bregenzurwald 2016 ereignet hatte und wie Ian Bostridge reagiert hatte.

"http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buehne-und-konzert/festspiele/attacke-auf-ian-bostridge-bei-der-schubertiade-14410001.html"

Wenn ich mit Musikern, Profis in Sachen Liedgesang, mich über Ian Bostridge unterhalte und austausche, sprechen sie seinen Interpretationen immer höchstes Lob aus: Ein Sänger, der viel wagt.

Als Zugabe in seinen Rezitals singt Ian Bostridge zuweilen dieses Lied: Hugo Wolf, Abschied, Mörike-Lieder ;)


.
Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer

Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
.

zweiterbass

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  • »zweiterbass« ist männlich

Beiträge: 4 168

Registrierungsdatum: 2. Juni 2010

33

Sonntag, 11. März 2018, 13:36

Hallo,

zu Bostridge habe ich in anderen Threads schon gepostet - hier noch nicht.

Bitte den Beitrag hier Nr. 2 lesen - Welcher andere Sänger hat neben seiner Gesangsausbildung noch eine solche Bildung vorzuweisen? Das ist seinen Interpretationen anzumerken.


...wie Bostridge z.B. "Frühlingsglaube" singt - ich finde ihn auch faszinierend wegen der "Übersetzung" aus dem Englischen, also der gestochenen Diktion, der kontrollierten Emotion usw. ...Ich mag ihn sehr.

Ich auch!

Gerade habe ich zu seiner (Bostridge's)Interpretation von Schuberts Winterreise, die hart in seinem Thread "Kunstlieder modifiziert, arrangiert..." anzeigte, Stellung genommen. Bostridge ist für mich der - höchst moderne - Repräsentant des Regietheaters auf der Bühne des Liedgesangs. Weit entfernt von jener Auffassung und Überzeugung eines Dietrich Fischer-Dieskau, dass es Aufgabe und Pflicht des Interpreten sei, sich in den Dienst am musikalischen Werk zu stellen.

Aus weiteren Beiträgen von Helmut stelle ich fest, dass seine Meinung nicht nur für die Winterreise zutrifft, sondern allgemein seinen Interpretationen gilt.

Bostridge singt die "Winterreise" nach meinem Eindruck als Betroffener und nicht reflexiv. So, als ob er die Geschichte im Moment der Vortrags selbst durchlebt und durchleidet. Das halte ich für eine legitime Möglichkeit.

Auch so kann dem Werk gedient werden.

https://www.amazon.de/Lieder-Ian-Bostrid…words=bostridge
Diese Aufnahme ist ohne Fehl - stimmlich sehr variabel, absolut intonationsrein, hervorragende Textverständlichkeit und mit viel Einfühlungsvermögen interpretiert.

Viele Grüße
zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

Helmut Hofmann

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  • »Helmut Hofmann« ist männlich

Beiträge: 5 875

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

34

Sonntag, 11. März 2018, 16:59

Zit.zweiterbass: "Aus weiteren Beiträgen von Helmut stelle ich fest, dass seine Meinung nicht nur für die Winterreise zutrifft, sondern allgemein seinen Interpretationen gilt."

Ich habe in der Tat so meine Probleme mit dem Liedgesang von Ian Bostridge, lieber zweiterbass. Und jedes Mal, wenn ich sie geäußert habe, stellte sich bei mir ein ungutes Gefühl ein, weil ich natürlich wusste, dass Du Bostridge als Liedinterpreten sehr schätzt.
Aber es ist noch nicht so lange her, dass ich hier im Forum - wieder einmal - die Erfahrung machte - machen musste, - dass Liedgesang ein höchst heikles Thema ist, weil beim Urteil darüber allzu viel Subjektivität mit ins Spiel kommt. Und so halte ich mich lieber aus dieser Sache raus.
Ich verspreche Dir aber, dass ich mir - weil ich ja nun diesen Schumann-Thread gestartet habe - heute noch die Interpretation der "Dichterliebe" durch Ian Bostridge sehr aufmerksam anhören und überprüfen werde, ob meine Vorbehalte ihm gegenüber wirklich berechtigt sind.

Glockenton

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  • »Glockenton« ist männlich

Beiträge: 2 014

Registrierungsdatum: 27. Juli 2006

35

Sonntag, 11. März 2018, 19:52

Aus der sehr großen Medienbibliothek der NMH in Oslo habe ich mir viele CDs und Blue-ray/DVDs ausgeliehen.
Vieles davon habe ich entweder anschließend gekauft oder vergessen.

Doch eine Produktion ist mir in nahezu schmerzhafter Erinnerung geblieben, nämlich die Winterreise Schuberts mit eben diesem Ian Bostrigde.
Ich habe es ungefähr bis zur Hälfte ausgehalten, mir das anzutun, habe mich dann aber auf das kurze Anspielen des Restes beschränkt.
In diesem Fall sind Helmut Hofmanns Auffassung und meine zu eben dieser Interpretation nahezu deckungsgleich.
Natürlich bleibt Fischer-Dieskau für dieses Werk mein Maßstab ( seine Aufnahme mit Brendel, trotz allen Argumenten, dass er früher mehr auf Stimme sang....eben!), aber ich höre mir auch andere Interpretationen an.
In diesem Fall jedoch empfand ich die ganze Herangehensweise des Tenors als irgendwie affektiert, nahezu zerstörerisch und -wie gesagt- schwer zu ertragen.
Das geht mir allerdings auch bei getanzten oder sonstwie arrangierten Versionen der Winterreise so. Da wende ich mich immer mit Grausen ab.

Ich muss noch hinzufügen, dass ich ihn als Bach-Tenor durchaus gerne bis sehr höre, z.B. in einem Adventskonzert mit BWV 61 usw. unter Harnoncourt oder als Evangelist unter Herreweghe. Der leicht englische Akzent stört mich bei dieser Barock-Literatur irgendwie nicht.
Doch sein Ansatz zur Winterreise ist mir bei allem großen Respekt vor diesem Sänger einfach nicht "my cup of tea" - sorry, Sir.

Gruß
Glockenton

zweiterbass

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  • »zweiterbass« ist männlich

Beiträge: 4 168

Registrierungsdatum: 2. Juni 2010

36

Sonntag, 11. März 2018, 20:23

Hallo,

Nachtrag zu meinem Beitrag Nr. 35.

Auf YouTube gibt es einzelne Lieder aus der genannten CD (die inzwischen ziemlich überteuert ist) ; es handelt sich dabei um Aufnahmen aus 1998; damit kann meine Bewertung nachgehört werden.

Viele Grüße
zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

WoKa

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  • »WoKa« ist männlich

Beiträge: 2 644

Registrierungsdatum: 12. Februar 2015

37

Sonntag, 11. März 2018, 22:56

Hallo!

Mein Verhältnis zur Interpretation der Winterreise durch Ian Bostridge ist zwiespältig.

Zu meinem Live-Eindruck hier meine Konzertkritik aus dem vergangenen Jahr.

Heidelberger Frühling Bostridge Winterreise

Anders verhält es sich mit seiner Interpretation auf CD. Im Regal steht die CD mit Leif Ove Andsnes, die ich wiederum sehr gerne höre.
Und sein Wissen um die Winterreise ist sicherlich unerreicht.

Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

Helmut Hofmann

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  • »Helmut Hofmann« ist männlich

Beiträge: 5 875

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

38

Mittwoch, 14. März 2018, 18:38

Hallo, lieber zweiterbass!

Ich druckse herum und scheue mich, da mir Äußerungen über gesangliche Interpretation von Liedmusik hier neuerdings nicht mehr so ganz geheuer sind, von meinen Erfahrungen zu berichten, die ich mit dem Anhören der Aufnahme von Schumanns "Dichterliebe" mit Ian Bostridge gemacht habe.
Aber da ich Dir dieses Anhören ja versprochen habe, solltest Du wenigstens dieses wissen:

Ich war überrascht und stark beeindruckt. Zwar kann Bostridge auch hier nicht von seiner - wie ich finde - Untugend ablassen, in die melodische Linie zu viel affektiven Gehalt einzubringen und das lyrische Wort gleichsam deklamatorisch auszuschlachten, - was mich im Fall von Schuberts "Winterreise" so sehr gestört und zu meinem negativen Urteil geführt hat.

Hier aber, bei der Dichterliebe - und übrigens beim "Liederkreis op. 24", den ich mir aus gegebenem Anlass auch angehört habe - lässt er diesbezüglich Maß walten, und siehe da: Es ist eine gesangliche Interpretation dabei herausgekommen, die, wie ich finde, der Liedmusik nicht nur voll und ganz gerecht wird, sondern dem Hörer sogar neue Dimensionen zu erschließen und ihn diesbezüglich zu beeindrucken vermag.

So erging es mir jedenfalls. Und ich zog daraus erneut die Schlussfolgerung, die ich an anderer Stelle des Forums schon einmal geäußert habe:
Niemals in genereller und pauschalisierender Weise über Sänger und Sängerinnen und ihren interpretierenden Umgang mit Musik urteilen. Man sollte es grundsätzlich nur unter Bezugnahme auf das einzelne musikalische Werk tun.

Hier Bostridges "Dichterliebe", die ich zwar von einer CD gehört habe, aber sie dürfte mit der von diesem Link identisch sein:


hart

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  • »hart« ist männlich

Beiträge: 1 887

Registrierungsdatum: 7. Dezember 2009

39

Mittwoch, 14. März 2018, 21:22

Wenn es so bequem und verführerisch gemacht wird, dass man nur ein Dreieck anzuklicken braucht, dann unterbricht man eben seine Arbeit und hört nicht nur mal rein, sondern mag nirgendwo abbrechen, weil diese Musik immer wieder fasziniert.
Ich war überrascht und stark beeindruckt. Zwar kann Bostridge auch hier nicht von seiner - wie ich finde - Untugend ablassen, in die melodische Linie zu viel affektiven Gehalt einzubringen

Nachdem ich Bostridge über viele Jahre immer wieder im Schwarzenberger Konzertsaal gehört hatte - er ist dort so eine Art »Hausgott« - und natürlich auch in Schwetzingen, wo er zwar kein »Hausgott« ist, aber schon die »Winterreise« gesungen hat, nahm meine anfängliche Begeisterung im Laufe der Zeit ab; der Grund: zu viel affektiver Gehalt, was sich so im Laufe der Jahre nach meinem subjektiven Empfinden entwickelte, aber ich spreche hier etwa von einem Dutzend Erlebnissen im Konzertsaal, CD-Hören ist wieder was anderes ...
In der von Helmut eingestellten Aufnahme bekommt von mir Bostridge die »Erlaubnis« dies da zu tun wo er es macht, weil es nach meiner Ansicht einfach hin passt - eine insgesamt hörenswerte Aufnahme!

zweiterbass

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  • »zweiterbass« ist männlich

Beiträge: 4 168

Registrierungsdatum: 2. Juni 2010

40

Sonntag, 18. März 2018, 12:28

Hallo,
ich kenne keinen anderen Sänger, der neben seiner Gesangsausbildung noch eine solche Bildung vorzuweisen hat wie Bostridge; das ist aus seinen Interpretationen herauszuhören!

Zu der hier geäußerten Kritik an seinem Gesangsstil, seiner Wortbehandlung, seinen Interpretationen:
Jeder Rezitator eines Gedichtes wird versuchen, bei seiner Gedichtinterpretation alle Möglichkeiten der sprachlichen Gestaltung auszuschöpfen.
Warum soll das einem Liedsänger – Bostridge - verwehrt sein bzw. als unangemessen bewertet werden? Gerade der Liedsänger, der den Sinngehalt des Gedichtes in Verbindung mit der dazu komponierten Musik (die diesen verdeutlicht/überhöht) auf den Hörer übertragen will, muss die optimale sprachliche Gestaltung des Textes in seinen Liedvortrag einbringen.

Nachtrag zu meinem Beitrag Nr. 33.
Auf YouTube gibt es einzelne Lieder aus der vorgestellten CD (die inzwischen ziemlich überteuert ist) ; es handelt sich dabei um Aufnahmen aus 1998; damit kann meine Bewertung in Beitrag Nr. 33 nachgehört werden.


Auf YouTube hier nun einige Übernahmen aus der vorgestellten CD.


https://www.youtube.com/watch?v=4OyRAOa57o0
https://www.youtube.com/watch?v=YSo5yUxgohA
https://www.youtube.com/watch?v=fngyZ6HiaSk
https://www.youtube.com/watch?v=a8_1W08R97E
https://www.youtube.com/watch?v=HpfiDqV0tMY
https://www.youtube.com/watch?v=4TiVrXrOOYU
https://www.youtube.com/watch?v=J4pKL6B5lxo
https://www.youtube.com/watch?v=lg1iOnA-DZY
https://www.youtube.com/watch?v=JoeDEdOUx-M
https://www.youtube.com/watch?v=cxhbc0u5znA


Viele Grüße
zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler