Sie sind nicht angemeldet.


JPC Amazon

AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

Wolfram

Prägender Forenuser

  • »Wolfram« ist männlich
  • »Wolfram« wurde gesperrt

Beiträge: 4 158

Registrierungsdatum: 5. August 2006

31

Sonntag, 24. Juni 2012, 20:29

Liebe SchallundWahn,

gerne schließe ich mich Joseph II. und Rheingold an - der 2. Aufzug der Walküre gehört sogar für viele Wagnerianer nicht zu derer Lieblngsmusik.

Wenn dieser Aufzug Dir in den Einspielungen mit Krauss und Böhm gar nicht gefällt, würde ich die Ursache nicht in den Aufnahmen suchen. Die sind gut. Wenn die Walküre auf einer imaginären Skala von 0 bis 10 bei Dir jetzt irgendwo zwischen 2 und 4 steht, was soll dann bei einer über-super-hyper-ultra-genialen Aufnahme herauskommen? Mehr als 5? Wohl kaum ... kann es sein, dass Du derzeit an anderer Musik mehr Freude hättest, jenseits der 7?

Meine Favoriten sind zwei Aufnahmen mit Leinsdorf, New York live 06. Dezember 1941 (Melchior/Varnay/Schorr/Traubel) und seine Studio-Aufnahme (Vickers/Brouwenstijn/London/Nilsson). In der New Yorker Aufnahme ist der von Dir verschmähte zweite Aufzug sogar leicht gekürzt ... :)

Natürlich der bereits erwähnte erste Aufzug mit Melchior/Lehmann/List unter Bruno Walter.

Kennst Du schon den Holländer oder die Meistersinger ... ? Vor der dritten oder vierten Walküre vielleicht interessanter ...

Danke für Deine Rückmeldung zu "Vom Winde beweint"!!
Viele Grüße, Wolfram

9079wolfgang

Prägender Forenuser

  • »9079wolfgang« ist männlich

Beiträge: 7 136

Registrierungsdatum: 15. April 2010

32

Sonntag, 24. Juni 2012, 20:39

Zitat von »SchallundWahn«

Wie einige andere, die das zu diesem Thema auch schon erwähnt haben, tue ich mich mit "Der Walküre" immer noch schwer, von allen Teilen des "Rings", vielleicht sogar aller Wagner-Opern (nur die frühen kenne ich gar nicht) ist sie für mich bisher die am wenigsten zugängliche, sie ist mir bisher einfach fremd geblieben.

Um Dir die Walküre zu "erarbeiten", kann ich Dir diese z. Zt. preiswerte und gute Aufnahme empfehlen:

W.S.

Rheingold1876

Prägender Forenuser

  • »Rheingold1876« ist männlich

Beiträge: 4 583

Registrierungsdatum: 5. Mai 2011

33

Sonntag, 24. Juni 2012, 21:16

etwas dahinter — René Pape


Pape? Also wenn der Wotan singt, schlafe auch ich ein. Allein der Gedanke.

Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

SchallundWahn

Prägender Forenuser

  • »SchallundWahn« ist weiblich

Beiträge: 872

Registrierungsdatum: 5. Juni 2012

34

Sonntag, 24. Juni 2012, 21:48

etwas dahinter — René Pape
Pape? Also wenn der Wotan singt, schlafe auch ich ein. Allein der Gedanke.
:D
Obwohl grundsätzlich Pape-Befürworterin...ein toller Wotan ist er (bis jetzt) nicht, eigentlich auch kein besonders interessanter Wagner-Sänger im Allgemeinen, außer noch als Marke.


Kennst Du schon den Holländer oder die Meistersinger ... ? Vor der dritten oder vierten Walküre vielleicht interessanter
Holländer kenne und liebe ich, Meistersinger habe ich auch, gefällt ebenfalls...ich kenne so weit eigentlich alles von Wagner (außer das vor dem Holländer), deswegen versuche ich ja auch gerade die Walküre in diesen Kanon aufzunehmen.
"Die Glücklichen sind neugierig."
(Friedrich Nietzsche)

  • »Giovanni Bertati« ist männlich

Beiträge: 136

Registrierungsdatum: 26. Januar 2009

35

Sonntag, 24. Juni 2012, 21:50

Ist DIE WALKÜRE für mich persönlich der schwächste Teil der Tetralogie?

Zitat

Vorweg gesagt, will ich bekunden, daß DIE WALKÜRE für mich persönlich der schwächste Teil der Tetralogie ist.
Für mich, und nicht nur für mich, war DIE WALKÜRE der Einstieg in die Welt des RINGs. Und dann bei meinem ersten RING in meinem damals noch jungen "Opernleben" durfte ich am 1. Mai 1974 eine großartige Aufführung unter Horst Stein erleben: in der alten Karajan-Inszenierung im Haus am Ring sangen und spielten James King, Gwyneth Jones, Karl Ridderbusch, Christa Ludwig, Theo Adam und Birgit Nilsson.

Nein, wer an einem solchen Abend mit dem Wälsungenpaar gelitten hat, Zeuge des Streits des Götterpaares war und von der Todverkündung Brünnhildes erschüttert wurde, für den kann DIE WALKÜRE nicht der schwächste Teil der Tetralogie sein.

Kurz darauf "leistete" ich mir dann den RING auf Schallplatte (17 LP), für einen Schüler eine wirkliche Investition. Der Schallplattenhändler meines Vertrauens empfahl mir den Solt-RING. Für mich war und ist diese Einspielung in ihrer Verbindung von Dirigat, Orchesterleistung, Sängerensemble und tontechnischer Qualität der Maßstab. Leider ist DIE WALKÜRE der relative Schwachpunkt - für Hotter kam die Aufnahme einfach zu spät.

DIE WALKÜRE meiner Wahl ist auch eine Wiener Studioproduktion, allerdings aus dem Jahr 1954, in ausgezeichneter Monoqualität:

Wilhelm Furtwängler leitete die Wiener Philharmoniker und hatte mit Ludwig Suthaus, Leonie Rysanek, Gottlob Frick, Margarete Klose, Ferdinand Frantz und Martha Mödl ein außergewöhnliches Sängernesamble im Studio versammelt - ein Tondokument von singulärem Rang.

Von den Stereoeinspielungen liegt für mich der Bayreuther Mitschnitt aus dem Jahr 1967 voran.

Auch dem großen Karl Böhm stand ein ausgeglichenes Sängerensemble zur Verfügung (James King, Leonie Rysanek, Gerd Nienstedt, Annelies Burmeister, Theo Adam und Birgit Nilsson) - und was hier an Bühnenatmosphäre durch die Tontechnik eingefangen wurde, der Schrei Sieglindes wurde schon erwähnt, macht aus diesem Mitschnitt meine Stereoempfehlung.

Ein absolutes Muss für jeden Liebhaber der WALKÜRE ist sicher die Wiener Aufnahme des 1. Aktes aus dem Jahr 1935

Der unübertroffene Lauritz Melchior als Siegmund, die intensive Lotte Lehmann als Sieglinde und der unerschütterliche Emanuel List als Hunding und das unter dem Dirigenten Bruno Walter - ein erschütterndes Musiktheatererlebnis!

Liebe Grüße aus Wien

Giovanni
Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum. (Friedrich Nietzsche)

SchallundWahn

Prägender Forenuser

  • »SchallundWahn« ist weiblich

Beiträge: 872

Registrierungsdatum: 5. Juni 2012

36

Sonntag, 1. Juli 2012, 10:23

Auf den Rat von Rheingold die mir bisher eher verschlossen gebliebene Walküre scheibenweise zu erschließen, habe ich genau damit vergangene Woche begonnen...was läger ferner mit dem 1. Akt anzufangen, der schon früher gewisse Reize auf mich ausübte. So habe ich mir zuerst nur einzelne Szenen angehört, die von rheingold erwähnten mit Lorenz/Teschemacher, hat mir auf jeden Fall schon mal zugesagt.
Habe mir dann, die hier oft lobende Aufnahme des 1.Akt mit Melchior und Lehmann unter Bruno Walter besorgt...zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich den Namen Lauritz Melchior zwar unzählige Male vernommen, aber nie näher darauf eingegangen war...bis jetzt, mein Gott, ich habe einen neuen "Lieblings-Siegmund"! Der Wahnsinn, all das Jubelgeschrei um diesen Sänger gewinnt für mich endlich mal Boden. Grandios, rheingold trifft es da genau :
An Hand diese Aufnahme, die ganz anders ist als mein Einstieg es war, bekam ich eine Vorstellung von den lyrischen, fast liedhaften Möglichkeiten des Wagnergesangs, die heute so selten geworden ist.

Habe dann auch gleich nach der von Wolfram erwähnten Leinsdorf-Aufnahme gesucht und bin fündig geworden (gerade die Varnay als Brünhilde interessiert mich über Melchior hinaus und Leinsdorf habe ich als Dirigent immer in guter Erinnerung), kann darüber auch nur sagen :jubel: (wenigstens über den ersten Akt, bin gespannt auf die Varnay in den folgenden)

Die nächster Zeit arbeite ich mich weiter vor zum bisher besonders geschmähten 2.Akt bzw. einzlner Szenen daraus.
Vielen Dank nochmal an alle, die mir geantwortet haben für die Hilfe und Empfehlungen.
"Die Glücklichen sind neugierig."
(Friedrich Nietzsche)

Wolfram

Prägender Forenuser

  • »Wolfram« ist männlich
  • »Wolfram« wurde gesperrt

Beiträge: 4 158

Registrierungsdatum: 5. August 2006

37

Sonntag, 1. Juli 2012, 13:05

Varnay als Brünhilde

Die Varnay gibt in der genannten Aufnahme ihr Debut als Sieglinde, sogar ihr Bühnendebut. Die Brünnhilde singt die legendäre Helen Traubel. Trotzdem - oder deswegen! - ist es eine Wahnsinnsaufnahme!

:hello:
Viele Grüße, Wolfram

SchallundWahn

Prägender Forenuser

  • »SchallundWahn« ist weiblich

Beiträge: 872

Registrierungsdatum: 5. Juni 2012

38

Sonntag, 1. Juli 2012, 14:28

Ach gott, na dann habe ich ja total falsch gehört (habe den Leinsdorf nämlich bei youtube angeschaut) Uuups :pinch: , dann habe ich die Varnay ja schon die ganze Zeit im Ohr gehabt...so kann's auch gehen :wacko: Dann muss ich das in meinem Kopf jetzt erstmal berichtigen! :)
Steht auch eigentlich drunter...wer lesen kann ist klar im Vorteil :P
"Die Glücklichen sind neugierig."
(Friedrich Nietzsche)

SchallundWahn

Prägender Forenuser

  • »SchallundWahn« ist weiblich

Beiträge: 872

Registrierungsdatum: 5. Juni 2012

39

Sonntag, 8. Juli 2012, 20:55

So nun habe ich mich weiter vorgekämpft, habe mich nämlich dem dritten Akt gewidmet, da es da ja auch einiges gab, was mir schon immer gefiel (zB Wotan's Abschied). So langsam durchdringe ich das, denke ich.
Und habe es dann auch gleich noch mit dem ersten Auftritt der Brünhild im zweiten Akt versucht. Wie rheingold meinte, ist das wirklich eine Szene, die man lieb gewinnen kann und nachdem ich einige Versionen davon jetzt des öfteren gehört habe, komme ich auch stetig dahin.
Nur jetzt kommt das eigentliche Problem, nämlich die Szene mit Fricka und Wotan...langweilig! Immer noch! Die von wolfram erwähnte leinsdorf-Aufnahme ist ja im zweiten Akt gekürzt, aber letztlich ist das ja eher kontraproduktiv, da ich ja das ganze Werk erschließen will, ich komme also um den zweiten Akt und insbesondere die genannte Szene nicht herum.
Gibt es da denn wirklich keine Version, die wenigestens einen Funken Interesse an dieser Szene wecken kann?
"Die Glücklichen sind neugierig."
(Friedrich Nietzsche)

Siegfried

Prägender Forenuser

  • »Siegfried« ist männlich

Beiträge: 4 705

Registrierungsdatum: 26. Oktober 2005

40

Montag, 9. Juli 2012, 10:39

Walküre und Langeweile?

Zugegeben: Nach dem Genuß des orgiastischen 1. Walküre-Aktes tut man sich mit der Begeisterung für den 2. schon etwas schwerer. Doch seine Szenen sind unverzichtbarer Teil des Gesamtwerks und damit müssen wir leben.

Was SchallundWahns empfundene Langeweile bei der Wotan-Fricka-Szene betrifft, möchte ich diese weniger der Handlung als vielmehr den Akteuren zuzuschreiben. Man begegnet, wenn man Glück hat, mitreißenden Sängerdarstellern und eben diesen Langweilern. Namen möchte ich hier bewusst keine nennen, doch wir kennen sie alle.

Ich erinnere mich noch gut an die Stuttgarter Ponelle-Inszenierung der 80er, da wurden Fricka von Waltraud Meier und Wotan von Wolfgang Probst verkörpert. Bei besagter Szene lief mir der Schauer den Rücken runter, als Fricka ihrem Göttergatten die Leviten verlesen hat. Das war Dramatik in Vollendung. So etwas passierte mir bei all den anderen Walküre-Besuchen nicht mehr.

Ein Indiz dafür, wie sehr die Oper von den sie darstellenden Sängerpersönlichkeiten lebt.
Freundliche Grüße Siegfried

Milletre

Prägender Forenuser

  • »Milletre« ist männlich

Beiträge: 1 388

Registrierungsdatum: 18. März 2008

41

Montag, 9. Juli 2012, 13:49

Szene Wotan - Fricka mit Hotter und Christa Ludwig! (Wer bliebe ruhig, hört' er dies!) - besonders beeindruckend die kühl-überlegene Antwort Wotans auf Frickas Anwürfe: Heut' hast du's erlebt!
Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

Liebestraum

Prägender Forenuser

  • »Liebestraum« ist männlich
  • »Liebestraum« wurde gesperrt

Beiträge: 3 121

Registrierungsdatum: 5. Mai 2006

42

Mittwoch, 24. April 2013, 22:38


  • Künstler: Jonas Kaufmann, Nina Stemme, René Pape, Anja Kampe, Mikhail Petrenko
    Mariinsky Orchestra
    Valery Gergiev
  • Label: Mariinsky, DDD, 2012

Von den Solisten her dürfte diese Aufnahme derzeit nicht zu toppen sein. Orchestral ist sie als eher etwas über den Durchschnitt einzuordnen. Auch wenn ich mit vielen Produktionen unter der Leitung Gergievs nicht so einverstanden bin, so ist doch zu honorieren, dass er sich äußerst stark darum bemüht, dem Mariinsky Wagner-Flair einzuhauchen. So ist dann leider auch das Ergebnis: alle bemühen sich sehr, aber dieses Bemühtsein geht eben nicht spurlos am Gehör vorüber. Die Musik kommt nicht recht zum fließen.

:hello: LT
Arm bin ich auf die Welt gekommen,
alle meine Mitgift ist Haupt und Hand.
---
Beharrlichkeit führt zum Ziel!
---
Das wahre Genie wird bei Bewunderung des Fremden nicht dessen Nachahmer,
sondern erhält dadurch nur den schönen Anstoß, neue Bahnen zu finden.
---
... wenn ich keine Oper unter den Fäusten habe ist mir nicht wohl!
---
Soli deo gloria
(CMvW -- Carl Maria von Weber)

Norbert

Moderator

  • »Norbert« ist männlich

Beiträge: 7 333

Registrierungsdatum: 11. August 2004

43

Mittwoch, 24. April 2013, 23:44

Hallo Liebestraum,

was die Gesangsleistung angeht, so stimme ich abgesehen vom darstellerisch und sängerisch höchst durchschnittlichen Mikhail Petrenko als Hunding zu. Besser lässt sich Wagner heute nicht oder zumindest kaum besetzen.

Zu Gergiev: Er braucht für die Walküre eine gute halbe Stunde länger als Karl Böhm. Das hört man natürlich.
Wenn man sich an Gergievs schwelgerischen Ton und an das Auskosten der romantischen Momente gewöhnt hat, dann kann man mit seinem Klangkonzept leben, abgesehen vom letzten Akt.
Der Walkürenritt ist für mich eindeutig zu langsam, es ist eher ein gemütlicher Trab als ein Ritt, und bei Wotans Abschied gilt das gleiche. Für mich ist deutlich zu hören, daß Rene Pape mit dem Tempo auch nicht so einverstanden ist, denn mehr als einmal hatte ich das Gefühl, er müsse sich bremsen, er ist nicht 100%ig im Einklang mit dem Orchester.

Empfindest Du das auch so mit Pape?
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Liebestraum

Prägender Forenuser

  • »Liebestraum« ist männlich
  • »Liebestraum« wurde gesperrt

Beiträge: 3 121

Registrierungsdatum: 5. Mai 2006

44

Donnerstag, 25. April 2013, 00:01

Hallo Norbert,

es ist nicht immer die Spieldauer eines Werks, die zwiespältig über eine Produktion urteilen lässt. Man muss es ganz deutlich sagen: Gergiev ist (noch) kein Wagner-Dirigent. Das spürt man. Nun hat sich Gergiev sehr auf diese Einspielung vorbereitet, aber, er muss sein Konzept nun noch einem an Wagner wenig geschulten Orchester weiter leiten. Und da läuft manches nicht so rund: es wird sehr viel Wagner buchstabiert, statt die Musik fließen zu lassen (damit hat dann auch Pape seine Probleme!). Das Auskosten von schwelgerischen Momenten sind eben in der Tat nur Momente.

Verzichten möchte ich dennoch nicht auf diese Aufnahme: Dafür sind die Leistungen der Gesangssolisten (mit Ausnahme von Petrenko) zu grandios!


:hello: LT
Arm bin ich auf die Welt gekommen,
alle meine Mitgift ist Haupt und Hand.
---
Beharrlichkeit führt zum Ziel!
---
Das wahre Genie wird bei Bewunderung des Fremden nicht dessen Nachahmer,
sondern erhält dadurch nur den schönen Anstoß, neue Bahnen zu finden.
---
... wenn ich keine Oper unter den Fäusten habe ist mir nicht wohl!
---
Soli deo gloria
(CMvW -- Carl Maria von Weber)

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

  • »operus« ist männlich

Beiträge: 5 314

Registrierungsdatum: 14. Mai 2008

45

Donnerstag, 25. April 2013, 09:57

Lieber Liebestraum,

mit Deiner Beurteilung der sängerischen Leistungen in der "Walküre" unter Gergiev stimme ich weitgehend überein. Nur für mich ist der ansonsten hervorragende René Pape ein nur schön singender Wotan. Es fehlt ihm die Autorität und das natürliche Gewicht, das z. B. ein Hans Hotter nahezu selbstverständlich verkörperte. Da liefert z. B. heute Tomasz Konietzny eine darstellerisch weit ausgefeiltere Interpetation ab. Bei dem Hunding Petrenko darf man gar nicht an Emauel List, Herbert Alsen, Josef Greindl oder gar Gottlob Frick denken. Der absolute beste Vertreter dieser Partie ist heute Hans-Peter König.
Beim Dirigat stehen die schwelgerischen Teile im Vordergrund. Die Dramatik und Spannung der herrlichen Wagnerschen Musik kann dagegen kaum überzeugend vermittelt werden.

Herzlichst
Operus
Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

Norbert

Moderator

  • »Norbert« ist männlich

Beiträge: 7 333

Registrierungsdatum: 11. August 2004

46

Donnerstag, 25. April 2013, 11:32

Hallo Norbert,

es ist nicht immer die Spieldauer eines Werks, die zwiespältig über eine Produktion urteilen lässt.
Hallo Liebestraum,

das ist natürlich richtig. Der reine Spielzeitvergleich zwischen Böhm und Gergiev ist zu "nichtssagend".
Wo Böhm ein Musikdrama in 210 Minuten entwirft lässt Gergiev in 240 Schönklang walten. So passt es besser, denke ich.

Ausdrücklich hervorheben aus dem hervorragenden Gesangsensemble möchte ich Jonas Kaufmann. In vielen Rollen (u.a. Lohengrin, Cavaradossi, Florestan) hat er mir den Vortrag verleidet durch das "künstliche Abdunkeln" seines baritonal gefärbten Tenors, durch sein "kehliges Singen", durch sein "Anschluchzen" mancher Töne, aber nichts ist hier davon zu hören.
Er singt "frei", lässt sein Organ natürlich klingen, ist stimmlich in Bestform und verkörpert sowohl den Kämpfer als auch den Liebhaber glaubwürdig. Zudem intoniert er hervorragend wortdeutlich und verzichtet komplett auf Effekthascherei (ewig langgezogene "Wälse"-Rufe z.B.). Ein solches Rollenporträt hätte ich ihm, ehrlich gesagt, nicht zugetraut und bin entsprechend begeistert.
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

David

Anfänger

  • »David« ist männlich
  • »David« wurde gesperrt

Beiträge: 75

Registrierungsdatum: 2. März 2018

47

Sonntag, 4. März 2018, 14:14

Was hat es mit dem Schrei auf sich?

Hallo zusammen,

Ich versuche jetzt einfach mal diesen älteren Thread abseits der Aufnahmen Diskussion mit einer Frage wieder zu nutzen:

Es wurde hier bereits auf den Schrei hingewiesen, den Leonie Rysanek als Sieglinde ausstößt, wenn Siegmund im ersten Akt das Schwert aus dem Stamm zieht. Ich kenne diesen Aufschrei nur aus Aufnahmen mit Rysanek (Böhm 1967 in Bayreuth und Klobucar 1968 an der Met).
In meiner Partitur kann ich diesen Schrei nicht finden.
Kann mich vielleicht jemand hier im Forum darüber aufklären, was es mit diesem Schrei auf sich hat? Ist das eine Rysanek spezifische Sache?

Herzliche Grüße
David
Herzliche Grüße
David

Stimmenliebhaber

Prägender Forenuser

  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

Beiträge: 7 947

Registrierungsdatum: 3. Dezember 2012

48

Sonntag, 4. März 2018, 14:33

Ja, sie hat diese beiden Schreie an diesen beiden Stellen einfach gemacht und damit beim Publikum viel Eindruck erzielt.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

David

Anfänger

  • »David« ist männlich
  • »David« wurde gesperrt

Beiträge: 75

Registrierungsdatum: 2. März 2018

49

Sonntag, 4. März 2018, 14:35

Vielen Dank für die schnelle Antwort :thumbsup:

Sind dir ähnliche Eigenbeiträge von anderen Sängern auch bekannt?
Ich finde den Gedanken sehr interessant...
HG David
Herzliche Grüße
David

Stimmenliebhaber

Prägender Forenuser

  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

Beiträge: 7 947

Registrierungsdatum: 3. Dezember 2012

50

Sonntag, 4. März 2018, 14:58

Sind dir ähnliche Eigenbeiträge von anderen Sängern auch bekannt?
Ekkehard Wlaschiha hat als Alberich im "Rheingold" nicht erst wie üblich am Ende des Fluchs höhnisch gelacht, sondern bereits immer schon kurz, aber furchteinflößend nach seiner Frage "Bin ich nun frei?".
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

musikwanderer

Prägender Forenuser

  • »musikwanderer« ist männlich

Beiträge: 4 242

Registrierungsdatum: 20. Januar 2010

51

Sonntag, 4. März 2018, 17:51

Ohne zu wissen, ob die Rysanek den Schrei von sich aus in die Szene eingefügt hat oder ob ein Regisseurseinfall war, finde ich ihn durchaus passend: Ich begreife ihn als Sieglindes Wahrnehmung, wer sich da in ihre Hütte verirrt hat. War es bis zu diesem Zeitpunkt mehr eine Ahnung, wird es durch 'Wehwalts' Können, das Schwert aus dem Stamm zu ziehen, für sie zur Gewissheit wer da vor ihr steht, fallen ihr, sozusagen, die Schuppen von den Augen.

Ich gebe zu, dass dieser Schrei mir bei anderen Aufnahmen regelrecht fehlt...

:hello:
.

MUSIKWANDERER

Rheingold1876

Prägender Forenuser

  • »Rheingold1876« ist männlich

Beiträge: 4 583

Registrierungsdatum: 5. Mai 2011

52

Sonntag, 4. März 2018, 18:44

Schauen wir doch mal im Textbuch nach der fraglichen Stelle::

SIEGMUND
springt auf den Stamm zu und fasst den Schwertgriff
Siegmund heiss' ich und Siegmund bin ich!
Bezeug' es dies Schwert, das zaglos ich halte!
Wälse verhiess mir, in höchster Not
fänd' ich es einst: ich fass' es nun!
Heiligster Minne höchste Not,
sehnender Liebe sehrende Not
brennt mir hell in der Brust,
drängt zu Tat und Tod:
Notung! Notung! So nenn' ich dich, Schwert -
Notung! Notung! Neidlicher Stahl!
Zeig' deiner Schärfe schneidenden Zahn:
heraus aus der Scheide zu mir!

Er zieht mit einem gewaltigen Zuck das Schwert aus dem Stamme und zeigt es der von Staunen und Entzücken erfassten Sieglinde

Siegmund, den Wälsung, siehst du, Weib!
Als Brautgabe bringt er dies Schwert:
so freit er sich
die seligste Frau;
dem Feindeshaus entführt er dich so.
Fern von hier folge mir nun,
fort in des Lenzes lachendes Haus:
dort schützt dich Notung, das Schwert,
wenn Siegmund dir liebend erlag!

Was macht nun ein Mensch, der von Staunen und Entzücken erfasst wird? Eine Möglichkeit ist es, in dieser Ausnahmesituation einen Schrei auszustoßen - als Zeichen und Ausdruck von Befreiung. Ich meine irgendwo gelesen zu haben, dass dieser Schrei die eigene Erfindung der Rysanek gewesen ist, die durch den Regisseur goutiert wurde. In der Gesamtaufnahme, die unter Furtwängler im Studio entstand, schreit sie (noch) nicht. Sie schreit aber auch in anderen Opern, zum Beispiel in "Salome", wenn ihr der Kopf des Jochanaan aus der Zisterne heraufgereicht wird. Es war wohl ihr unverwüstliches Temperament und ihr Gespür für dramatische Bühnensituationen.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Stimmenliebhaber

Prägender Forenuser

  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

Beiträge: 7 947

Registrierungsdatum: 3. Dezember 2012

53

Sonntag, 4. März 2018, 19:53

Ich habe die Rysanek live nur noch als Klytämnestra schreien erlebt, die beiden Schreie, wenn ihr Sohn Orest ihn umbringt. Das war beinahe eindrucksvolle als der ganze Gesangsauftritt davor - wobei: lachen (bei der Nachricht vom Tod des Orest) konnte sie auch!

Damals erzählten mir ältere Opernbesucher von ihren beiden Schreien als Sieglinde, die sich ihnen in der Erinnerung eingebrannt hatten.

Im gleichen Monat (März 1993) erlebte ich sie auch als Kabanicha, aber da hatte sie meiner Erinnerung nach nichts zu lachen und auch nichts zu schreien...
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)