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WoKa

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Sonntag, 4. Februar 2018, 00:03

1840 – Dokumente und Informationen zum Liederjahr Robert Schumanns

Hallo!

Seit einiger Zeit befasse ich mich mit den Liedern von Robert Schumann. Dabei komme ich an der einzigartigen Verdichtung der Gedichtvertonungen mit Klavierbegleitung im Jahr 1840 natürlich nicht vorbei. Nachdem Clara und Robert Schumann den Rosenkrieg gegen ihren Vater Friedrich Wieck von Gericht gewonnen hatten und am 12. September 1840 geheiratet hatten, waren sie vom Glück getragen.

Es gibt zu dieser Zeit, zur Vergangenheit von Clara Wieck, die sie hinter sich ließ und dem "Flow" den Robert Schumanns Liedschaffen (zum Teil gemeinsam mit der Ehefrau) erfuhr, unendlich viele Dokumente und Teste.

Ich möchte im Folgenden in loser Folge solche Dokumente, Informationen etc. ohne großen Kommentar hier einstellen. Dabei werde ich keine Chronologie einhalten, sondern ggf. eine kurze zeitliche oder biografische Einordnung voran stellen. Natürlich sind Kommentare, Diskussionen oder Ergänzungen nicht nur erlaubt sondern erwünscht.

Ich hoffe, das interessiert Euch. In absehbarer Zeit möchte ich einen Parallel-Thread eröffnen, in dem wir gemeinsam einen Liederabend gestalten. doch dazu später mehr.

Jetzt möchte ich den ersten Eintrag in das gemeinsame Tagebuch von Clara und Robert Schumann nach der Trauung hier einstellen:

"Am 13ten September 1840.

Mein herzliebstes junges Weib,

Laß Dich vor Allem auf das Zärtlichste küssen am heutigen
Tage, dem ersten Deiner Frauenschaft, dem ersten Deines
22sten Jahres. Das Büchlein, das ich heute eröffne, hat eine gar
innige Bedeutung; es soll ein Tagebuch werden über Alles, was
uns gemeinsam berührt in unserem Haus- und Ehestand; unsre
Wünsche, unsere Hoffnungen sollen darin aufgezeichnet wer-
den; auch soll es sein ein Büchlein der Bitten, die wir an einander
zu richten haben, wo das Wort nicht ausreicht; auch eines
der Vermittlung und Versöhnung, wenn wir uns etwa verkannt
hatten; kurz ein guter wahrer Freund soll es uns sein, dem wir
Alles vertrauen, dem unsre Herzen offen stehen. Bist Du damit
einverstanden, Iiebes Weib, so versprich mir auch, daß Du Dich
streng an die Statuten unsres geheimen Eheordens halten willst,
wie ich es selbst Dir hiermit verspreche.

Alle acht Tage wechseln wir ab in der Führung des Secretariats;
alle Sonntage (früh zum Caffee womöglich) erfolgt die Ueber-
gabe des Tagebuchs, wobei es Keinem verwehrt ist, auch einen
Kuß beizufügen. Das Geschriebene wird alsdann gelesen, im
Stillen oder auch laut, je nachdem der Inhalt es verlangt, Ver-
gessenes nachgetragen, Wünsche werden angehört, Anträge ge-
stellt und bewilligt, und überhaupt der ganze Lebenslauf der
Woche sorgfältig erwogen, ob er auch ein würdiger und thätiger
war, ob wir uns nach innen und außen immer mehr im Wohl-
stand befestigt ob wir uns auch in unserer geliebten Kunst immer
mehr vervollkommnet.

Die Aufzeichnungen in einer Woche dürfen nie unter einer Seite
betragen; wer dagegen fehlt, bekommt eine Strafe, die wir uns
noch aussinnen wollen. Sollte sich je ein Mitglied unsres Eheor-
dens einfallen lassen, eine Woche lang gar nichts einzuzeichnen,
so wird die Strafe sehr verschärft; ein Fall indess, der bei unserer
bekannten gegenseitigen Hochschatzung und Pflichtkenntniß
kaum zu denken.

Alle diese Sätze und Gesetze sind auch auf Reisen u. dgl. zu be-
obachten, und das Tagebuch muß immer mit.
Eine Zierde unsres Tagebüchelchens soll wie gesagt die Kritik
unserer künstlerischen Leistungen werden; z. B. kommt genau
hinein, was Du vorzüglich studiert, was Du componirt, was Du
Neues kennen gelernt hast und was Du davon denkst; dasselbe
findet bei mir Statt. Eine andere Hauptzierde des Buches bilden:
Charakterschilderungen z. B. bedeutender Künstler, die wir in der
Nähe gesehen. Anekdoten, Humoristisches bleibt keinesweges
ausgeschlossen.

Das Schönste und Herzigste aber, was das Buch enthalten soll,
will ich Dir, mein liebes Weib, nicht noch beim Namen nennen:
Deine und meine schönen Hoffnungen, die der Himmel segnen
wolle, Deine und meine Besorgnisse, wie sie das Leben in der
Ehe mit sich bringt; kurz allen Freuden und Leiden des ehelichen
Lebens soll hier eine treue Geschichte geschrieben werden,
die uns noch im spätern Alter erfreuen wird.
Bist Du mit all diesem einverstanden, mein Herzensweib, so
schreibe Deinen Namen unter meinen, und lass uns als Talis-
mane noch die drei Worte aussprechen, worauf alles Glück des
Lebens beruht:

Fleiß, Sparsamkeit und Treue.

Ich bin es wahrhaftig Dein
Dich herzlich liebender Mann Robert, und Du?
CLARA SCHUMANN: auch ich, Dein Dir von ganzer Seele
ergebenes Weib Clara."

Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

hart

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Sonntag, 4. Februar 2018, 00:54

Buchempfehlung



Lieber WoKa,
da kannst Du mal ein bisschen drin Blättern ...

WoKa

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Sonntag, 4. Februar 2018, 01:08

Hallo!

Die Lieder des Jahres 1840 (op. 142 lässt sich nicht eindeutig zuordnen) - es sei denn, einer unserer Liedexperten hat eine entsprechende Information.

Gruß WoKa

1840

Liederkreis von Heinrich Heine (op. 24)

Nr. 1 Morgens steh' ich auf
Nr. 2 Es treibt mich hin
Nr. 3 Ich wandelte unter den Bäumen
Nr. 4 Lieb' Liebchen, leg's Händchen
Nr. 5 Schöne Wiege meiner Leiden
Nr. 6 Warte, warte, wilder Schiffsmann
Nr. 7 Berg' und Burgen schaun herunter
Nr. 8 Anfangs wollt' ich fast verzagen
Nr. 9 Mit Myrthen und Rosen

Myrthen (op. 25)

Nr. 1 Widmung
Nr. 2 Freisinn
Nr. 3 Der Nussbaum
Nr. 4 Jemand
Nr. 5 Sitz' ich allein
Nr. 6 Setze mir nicht
Nr. 7 Die Lotosblume
Nr. 8 Talismane
Nr. 9 Lied der Suleika
Nr. 10 Die Hochländer-Witwe
Nr. 11 Mutter, Mutter
Nr. 12 Lass mich ihm am Busen
Nr. 13 Hochländers Abschied
Nr. 14 Hochländisches Wiegenlied
Nr. 15 Aus den hebräischen Gesängen
Nr. 16 Rätsel
Nr. 17 Leis' rudern hier
Nr. 18 Wenn durch die Piazetta
Nr. 19 Hauptmanns Weib
Nr. 20 Weit, weit
Nr. 21 Was will die einsame Träne
Nr. 22 Niemand
Nr. 23 Im Westen
Nr. 24 Du bist wie eine Blume
Nr. 25 Aus den östlichen Rosen
Nr. 26 Zum Schluss

Lieder und Gesänge für Singstimme und Klavier (Heft 1) (op. 27)

Nr. 1 Sag' an, o lieber Vogel mein
Nr. 2 Dem roten Röslein gleicht mein Lieb
Nr. 3 Was soll ich sagen?
Nr. 4 Jasminenstrauch
Nr. 5 Nur ein lächelnder Blick

Drei Gedichte von Emanuel Geibel (op. 29)

Nr. 1 Ländliches Lied
Nr. 2 In meinem Garten die Nelken
Nr. 3 Zigeunerleben

Drei Gedichte von Emanuel Geibel (op. 30)

Nr. 1 Der Knabe mit dem Wunderhorn
Nr. 2 Der Page
Nr. 3 Der Hidalgo

Drei Gesänge von Adalbert von Chamisso (op. 31)

Nr. 1 Die Löwenbraut
Nr. 2 Die Kartenlegerin
Nr. 3 Die rote Hanne

Sechs Lieder für vierstimmigen Männergesang (op. 33)

Nr. 1 Der träumende See
Nr. 2 Die Minnesänger
Nr. 3 Die Lotosblume
Nr. 4 Der Zecher als Doktrinär
Nr. 5 Rastlose Liebe
Nr. 6 Frühlingsglöckchen

Vier Duette (op. 34)

Nr. 1 Liebesgarten
Nr. 2 Liebhabers Ständchen
Nr. 3 Unterm Fenster
Nr. 4 Familiengemälde

Zwölf Gedichte von Justinus Kerner (op. 35)

Nr. 1 Lust der Sturmnacht
Nr. 2 Stirb, Lieb' und Freud'
Nr. 3 Wanderlied
Nr. 4 Erstes Grün
Nr. 5 Sehnsucht nach der Waldgegend
Nr. 6 Auf das Trinkglas eines verstorbenen Freundes
Nr. 7 Wanderung
Nr. 8 Stille Liebe
Nr. 9 Frage
Nr. 10 Stille Tränen
Nr. 11 Wer machte dich so krank?
Nr. 12 Alte Laute

Sechs Gedichte aus dem Liederbuch eines Malers von Reinick (op. 36)

Nr. 1 Sonntags am Rhein
Nr. 2 Ständchen
Nr. 3 Nichts Schöneres
Nr. 4 An den Sonnenschein
Nr. 5 Dichters Genesung
Nr. 6 Liebesbotschaft

Zwölf Gedichte aus Friedrich Rückerts „Liebesfrühling“ (op. 37)

Nr. 1 Der Himmel hat eine Träne geweint
Nr. 2 Er ist gekommen
Nr. 3 O ihr Herren
Nr. 4 Liebst du um Schönheit
Nr. 5 Ich hab' in mich gesogen
Nr. 6 Liebste, was kann denn uns scheiden
Nr. 7 Schön ist das Fest des Lenzes
Nr. 8 Flügel! Flügel! um zu fliegen
Nr. 9 Rose, Meer und Sonne
Nr. 10 O Sonn', o Meer, or Rose!
Nr. 11 Warum willst du and're fragen?
Nr. 12 So wahr die Sonne scheinet

Liederkreis von Joseph Freiherr von Eichendorff (op. 39)

Nr. 1 In der Fremde
Nr. 2 Intermezzo
Nr. 3 Waldesgespräch
Nr. 4 Die Stille
Nr. 5 Mondnacht
Nr. 6 Schöne Fremde
Nr. 7 Auf einer Burg
Nr. 8 In der Fremde
Nr. 9 Wehmut
Nr. 10 Zwielicht
Nr. 11 Im Walde
Nr. 12 Frühlingsnacht

Fünf Lieder für Singstimme und Klavier (op. 40)

Nr. 1 Märzveilchen
Nr. 2 Muttertraum
Nr. 3 Der Soldat
Nr. 4 Der Spielmann
Nr. 5 Verratene Liebe

„Frauenliebe und Leben“ von Adalbert von Chamisso (op. 42)

Nr. 1 Seit ich ihn gesehen
Nr. 2 Er, der Herrlichste von allen
Nr. 3 Ich kann's nicht fassen
Nr. 4 Du Ring an meinem Finger
Nr. 5 Helft mir, ihr Schwestern
Nr. 6 Süßer Freund, du blickest
Nr. 7 An meinem Herzen
Nr. 8 Nun hast du mir den ersten Schmerz getan

Drei zweistimmige Lieder (op. 43)

Nr. 1 Wenn ich ein Vöglein wär'
Nr. 2 Herbstlied
Nr. 3 Schön Blümelein

Romanzen und Balladen für Singstimme und Klavier (Heft 1) (op. 45)

Nr. 1 Der Schatzgräber
Nr. 2 Frühlingsfahrt
Nr. 3 Abends am Strand

Dichterliebe (op. 48)

Nr. 1 Im wunderschönen Monat Mai
Nr. 2 Aus meinen Tränen sprießen
Nr. 3 Die Rose, die Lilie
Nr. 4 Wenn ich in deine Augen seh'
Nr. 5 Ich will meine Seele tauchen
Nr. 6 Im Rhein, im heiligen Strome
Nr. 7 Ich grolle nicht
Nr. 8 Und wüssten's die Blumen
Nr. 9 Das ist ein Flöten und Geigen
Nr. 10 Hör' ich das Liedchen klingen
Nr. 11 Ein Jüngling liebt ein Mädchen
Nr. 12 Am leuchtenden Sommermorgen
Nr. 13 Ich hab' im Traum geweinet
Nr. 14 Allnächtlich im Traume
Nr. 15 Aus alten Märchen winkt es
Nr. 16 Die alten, bösen Lieder

Romanzen und Balladen für Singstimme und Klavier (Heft 2) (op. 49)

Nr. 1 Die beiden Grenadiere
Nr. 2 Die feindlichen Brüder
Nr. 3 Die Nonne

Romanzen und Balladen für Singstimme und Klavier (Heft 3) (op. 53)

Nr. 1 Blondels Lied
Nr. 2 Loreley
Nr. 3a Der arme Peter I
Nr. 3b Der arme Peter II

Belsazar (op. 57)

Lieder und Gesänge von J. Kerner, H. Heine, Graf Strachwitz und Shakespeare (op. 127)

Nr. 1 Sängers Trost
Nr. 2 Dein Angesicht
Nr. 3 Es leuchtet meine Liebe
Nr. 4 Mein altes Ross
Nr. 5 Schlusslied des Narren

1840-1852

Vier Gesänge für Singstimme und Klavier (op. 142)

Nr. 1 Trost im Gesang
Nr. 2 Lehn' deine Wang' an meine Wang'
Nr. 3 Mädchen-Schwermut
Nr. 4 Mein Wagen rollet langsam
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

hart

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Sonntag, 4. Februar 2018, 12:10

Informationen zu op. 142 von Robert Schumann

Die Lieder des Jahres 1840 (op. 142 lässt sich nicht eindeutig zuordnen) - es sei denn, einer unserer Liedexperten hat eine entsprechende Information.


Lieber WoKa,
heutzutage halten sich ja viele für Experten ... ich bab´ da einfach etwas geblättert und folgende Informationen gefunden:
Im Schumann Handbuch von Ulrich Tadday findet man in der Zeittafel »Vier Gesänge op. 142« eindeutig unter dem Jahr 1840.

Der Box SCHUMANN THE COMPLETE SONGS ist ein ganz hervorragend gestaltetes und umfangreiches Booklet beigegeben. Da steht auf Seite 89, dass die Heine-Lieder »Lehn´ deine Wang´ an meine Wang´ « (op. 142/2) und »Mein Wagen rollet langsam« (op. 142/4) im Mai 1840 entstanden sind.

Die Lieder »Mädchen Schwermut« (op. 142/3) und »Trost im Gesang« (op. 142/1) wurden erst im Herbst des Jahres 1840 geschaffen, ab Oktober vertonte Schumann sage und schreibe Texte von acht verschiedenen Dichtern, dann blieb er wieder bei Justinus Kerner hängen, wie in besagtem Booklet auf Seite 93 dargestellt ist. Das Lied »Trost im Gesang« entstand demnach zwischen 20. und 21. November 1840.

WoKa

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Sonntag, 4. Februar 2018, 13:51

Hallo hart!

Danke für die erhellende Antwort.

Sprichst Du von dieser Box? Die habe ich gestern geordert.



Gruß WoKa
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Victor Hugo

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Sonntag, 4. Februar 2018, 14:18

Hallo!

Um den Kampf der beiden für eine gemeinsame Zukunft und die Intensität der Auseinandersetzung mit dem Vater zu verstehen, ist es sinnvoll, sich Belege dafür heranzuziehen, wie begabt Clara war. Diese Begabung hatte ihr Vater mehr als 10 Jahre unterstützt. Die Angst, dieses Kapital zu verlieren, führte dazu, dass er sich für die (fast) kompromisslose Auseinandersetzung mit übelsten Verleumdungen vor Gericht entschied.

Ein Beleg für ihr Talent ist die Besprechung eines Konzertes 1837/38 in Wien, die Franz Liszt verfasste und in der er vor allem die Interpretation der f-moll-Sonate (wird dann wohl die Apassionata gewesen sein?) von Beethoven pries:

"Ich hatte noch das Glück, die junge und höchst interessante Pianistin Clara Wieck kennen zu lernen, die im verflossenen Winter ebenso verdientes, als außerordentliches Aufsehen hier gemacht hatte. Ihr Talent entzückte mich: vollendete technische Beherrschung, Tiefe und Wahrheit des Gefühls und durchaus edle Haltung ist es, was die insbesondere auszeichnet. Ihr außerordentlicher und merkwürdig schöner Vortrag der berühmten Beethoven-Sonate in F-Moll begeisterte den berühmten dramatischen Dichter Grillparzer zu einem Gedichte, in dem er die anmuthige Künstlerin verherrlichte:"


Das Grillparzer -Gedicht folg in Kürze.

Gruß WoKa
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Sonntag, 4. Februar 2018, 20:44

und noch ein Buch ...


Zwar möchte ich hier nicht den Buchhändler geben, aber ich finde, dass man ein ziemlich klares Bild über das Verhältnis von Friedrich Wieck zu seiner Tochter erhält, wenn man diese 609 Seiten gelesen hat, es war mir eine hochwillkommene Lektüre auf der Fahrt zum Besuch der Wohnung von Clara und Robert in Leipzig - die ja noch existiert - und dem Grab von Friedrich Wick auf dem Trinitatisfriedhof in Dresden-Johannstadt.
Wer sich für dieses Thema interessiert, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen!

WoKa

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Sonntag, 4. Februar 2018, 22:16

Hallo!

Ich denke, es macht durchaus Sinn, in einem solchen Thread auch auf einschlägige Literatur hinzuweisen. Eher ein kleines Büchlein, aber auch aufschlussreich:



Und hier das Gedicht von Franz Grillparzer:

Ein Wundermann, der Welt, des Lebens satt,
Schloß seine Zauber grollend ein
In festverwahrten, demantharten Schrein,
Und warf den Schlüssel in das Meer und starb.
Die Menschlein mühen sich geschäftig ab,
Umsonst! kein Sperrzeug löst das harte Schloß,
Und seine Zauber schlafen wie ihr Meister.
Ein Schäferkind, am Strand des Meeres spielend,
Sieht zu der hastig unberufnen Jagd.
Sinnvoll gedankenlos, wie Mädchen sind,
Senkt sie die weißen Finger in die Flut
Und faßt, und hebt, und hats. – Es ist der Schlüssel!
Auf springt sie, auf, mit höhern Herzensschlägen,
Der Schrein blinkt wie aus Augen ihr entgegen,
Der Schlüssel paßt. Der Deckel fliegt. Die Geister,
Sie steigen auf und senken dienend sich
Der anmutreichen, unschuldsvollen Herrin,
Die sie mit weißen Fingern, spielend, lenkt.

Franz Grillparzer

Gruß WoKa
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9

Montag, 5. Februar 2018, 18:50

Hallo!

Clara – Tagebucheintrag 12. September 1840 – Hochzeitstag:

"Was soll ich über diesen Tag sagen!
Es war ein schöner Tag, und selbst die Sonne warf, als wir zur Trauung fuhren, ihre milden Strahlen auf uns, als ob sie unseren Bund segnen wolle. Um zehn Uhr ging die Trauung vor sich in Schönefeld, ein Choral begann, dann sprach der Prediger, ein Jugendfreund Roberts. Mein ganzes Innere war von Dank erfüllt zu dem, der uns doch endlich über so viele Felsen und Klippen einander zugeführt…
Nichts störte an diesem Tag, und so sei er denn auch in diesem Buche als der schönste und wichtigste meines Lebens gekennzeichnet. Eine Periode meines Lebens ist nun beschlossen…
Jetzt geht ein neues Leben an, ein schönes Leben, das Leben in dem, den man über alles und sich selbst liebt."

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Montag, 5. Februar 2018, 23:42

Da wurde viel geschrieben, die beiden sollen im Jahr vor der Hochzeit über tausend Seiten Briefpapier verbraucht haben ...

Peter Gülke, ein ausgezeichneter Schumann-Kenner, schreibt in seinem Buch ROBERT SCHUMANN - GLÜCK UND ELEND DER ROMANTIK
Seite 83:
»Die auf Selbstverleugnung trainierte Clara ließ es geschehen, stellte sich häufig als unterlegen und seiner unwürdig da und fragte zu gegebener Zeit vorsichtig an, ob sie dem Vater einen Brief schreiben dürfe. Die Wonnen des schwer erkämpften Zusammenseins wird sie sich und ihm oft mehr eingeredet, denn als "Glück die Fülle" erlebt haben.«

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Dienstag, 6. Februar 2018, 22:25

Hallo!

Liebesfrühling op.37:

Am 24. Mai 1842 schickte Schumann ein Druckexemplar an den Dichter Friedrich Rückert. Am 15. Juni erhielt das Musikerehepaar ein Dankgedicht in Ghaselenform, das Clara ins Ehetagebuch abschrieb:

„Lang ist’s, lang
Seit ich meinen Liebesfrühling sang.
Aus Herzensdrang,
Wie er entsprang,
Verklang in Einsamkeit der Klang.
Zwanzig Jahr
Wurden’s, da hört ich hier und dar
Der Vogelschar
Einen, der klar
Pfiff einen Ton, der dorther war.

Und nun gar
Kommt im einundzwanzigsten Jahr
Ein Vogelpaar,
Macht mir erst klar,
Daß nicht ein Ton verloren war.

Meine Lieder
Singt ihr wieder,
Mein Empfinden klingt ihr wieder,
Mein Gefühl
Beschwingt ihr wieder,
Meinen Frühling
Bringt ihr wieder,
Mich, wie schön,
Verjüngt ihr wieder:

Nehmt meinen Dank,
Wenn auch die Welt,
Wie mir einst, ihren vorenthält!

Und werdet ihr den Dank erlangen,
So hab ich meinen mit empfangen.

Am 13ten September 1840.

Gruß WoKa
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Victor Hugo