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Chorknabe

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1

Dienstag, 17. April 2007, 19:43

"streichelzart" - Werke für Streichorchester

Hallo,

irgendwie kam mir die letzten Tage die Idee für diesen Thread. Eigentlich wundert es mich ein wenig dass noch niemand vorher etwas derartiges gestartet hat. Denn der ganz besondere, warme und weiche Klang der Streicher prodiuziert auch in großer Besetzung einen ganz unverwechselbaren und wunderschönen Sound.

Zu Beginn möchte ich 2 Werke nennen bzw. kurz vorstellen.

Als erstes muss in diesem Thread natürlich das Streicherstück schlechthin genannt werden:
Samuel Barber - Adagio for Strings

Unzählige mal verwurstet in Film, Werbung und sogar Pop hat es trotzdem nie von seiner ganz besonderen Wirkung eingebüßt.
Es scheint fast zeitlos dahinzuschweben. Rhythmus ist spielt hier wahrlich keine Rolle. Alle Hektik der Welt vergessen machend jagt es dem Zuhörer mit jeden neuen Akkord Schauer nach Schauer über den Rücken, um sich nach einer Weile zu einem Höhepunkt hinaufzuschwingen, der nur noch Klang ist. Überhaupt ist das ganze Stück Streicherklang pur, und man droht fast daran zu ersticken, so wundervoll intensiv umfluten einen die Streichertöne.
Dieses Werk begleitet mich schon seit 15 Jahren meines jungen Lebens, und es hat wesentlich zu meiner Liebe für die klassische Musik beigetragen. Und es vermag mich immer noch völlig aus dieser Welt zu entführen in eine Sphäre, in der alles von einem abzufallen scheint.
Ein wahnsinnig intensives Stück!


Das andere Werk, was ich erst vor kurzen auf einer neuen gekauften CD entdeckt habe, ist von einem isländischen Komponisten geschrieben worden:
Jon Leifs - Reminiscence du Nord, op.40

Wer einige Werke von Leifs kennt, wird ein wahrlich gewaltiges Gepolter erwarten. Das Gegenteil jedoch ist der Fall. Schildert Leifs noch in Hekla unter Zuhilfenahme eines aberwitzigen Schlagwerkaufgebotes einen Vulkanausbruch, kann man hier plätzlich sehr weiche und zarte Töne hören. Die Musik ist stark von isländischer Volksmusik geprägt (was mir übrigens sehr zusagt). Von einigen kurzen kleinen Ausbrüchen umwebt, gleitet die Musik auf einen Höhepunkt zu, der zugleich das Ende des Werks darstellt.
Ich war sehr, und zudem positiv, überrascht von diesem zu einigen seinen anderen Werken reichlich konträren Streichstück von Jon Leifs. Ebenfalls eine fette Empfehlung.

Jetzt bin ich aber sehr gespannt auf Eure Nennungen und Vorstellung von Streicher-only-Werken. Orchestermusik ist mir noch recht neu, aber gerade diesem Gengre beginne ich mit Haut und Haar zu verfallen :)


Liebe grüße, der Thomas. :hello:

  • »Barbirolli« ist männlich
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2

Dienstag, 17. April 2007, 20:21

Hallo Thomas,

ich verstehe deine Lust auf das Bad im Streicherklang gut. Manchmal geht es mir genauso. Wenn du es dir so richtig schmelzend-satt, romatisch bis an den Rand des Kitsches geben möchtest, empfehle ich dir die Streicherserenaden Dvoraks, Elgars und Tschaikowskys, beispielsweise auf folgender günstiger CD:



Ein Kleinod, etwas banal aber sehr wirkungsvoll, hat auch Sibelius beigetragen: Sein Andante festivo, komponiert für ein Fabrik-Jubiläum (!) ist kompositorisch sicher keine Großtat des Meisters, aber ein wirkungsvoller Heuler für die Streicher.

Gruß
B.
"Once you've seen your face on a bottle of salad dressing, it's hard to take yourself seriously."
Paul Newman

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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3

Dienstag, 17. April 2007, 20:41

Ich habe keinerlei Bedarf für lenorweich, aber glücklicherweise gibt es ja auch ein paar andere Stücke für die Besetzung:

Britten: Bridge-Variationen
Bartok: Divertimento

und wenn man noch ein paar andere Nicht-Bläser dazuläßt, natürlich

Bartok: Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta

noch zwei Spätestromantiker:

Schönberg: Verklärte Nacht
Vaughan Williams: Tallis-Fantasie

:hello:

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

andythr

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4

Dienstag, 17. April 2007, 20:53

Streicherserenade

ein paar sehr schöne Werke:

Karlowicz, Miechyslaw (1876-1909)
Streicherserenade op. 2

Reinecke, Carl Heinrich (1824-1910)
Streicherserenade op. 242;
12 Tondichtungen für Streicher

Fuchs, Robert (1847-1927)
Serenade für Streicher Nr. 3 op. 21

Suk, Josef (1874-1935)
Serenade für Streicher op. 6

petemonova

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5

Dienstag, 17. April 2007, 21:46

Ich mag die Streichermusik auch sehr gerne.
Neben den schon erwähnten Werken von Vaughan Williams, Barber, Tschaikowskij und Sibelius liebe ich die Suite im alten Stil "Aus Holbergs Zeit" von Edvard Grieg.
Ein wunderbares Stück im Neobarock geschrieben und bei mir immer Hochgefühle auslösend. :jubel: :jubel:


Gruß, Peter.
Musik zu hören ist zweifellos eine der extravagantesten Arten, sein Geld auszugeben.
- Mauricio Kagel

Khampan

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6

Dienstag, 17. April 2007, 22:24

Janacek, Idylle (1878)
ein noch relativ streichzartes frühes Werk von Janacek, noch nicht in seinem späteren, typisch ruppig-expressiven Stil, für den ich ihn so liebe. Aber ein Versuch wert.

Strawinsky, Apollon musagète (1928, rev. 1947)
radikale Kehrtwende Strawinskys nach seiner ersten progressiven Phase (Sacre) - klassizistisch, dezent, zauberhaft aber doch unverkennbar Strawinsky.
Neben dem (schon genannten) Divertimento von Bartok mein Lieblingswerk für Streichorchester.

Arthur Honegger, Sinfonie Nr. 2 (1941)
Eine vollgültige Sinfonie, in der es auch hart zur Sache geht. Jaja, das können Streicher auch! Auf dem fulminanten Höhepunkt im letzten Satz erscheint ein Choral in D-Dur, in dem die Violinen von einer Trompete verstärkt werden (ist zwar ad libitum, aber dieses geniale Tüpfelchen auf dem i läßt sich kein Dirigent entgehen).
Nicht so bekannt, gleichwohl das stärkste aller bisher genannten Werke, würde ich mal frech behaupten.

Richard Strauss, Metamorphosen (1945), Studie für 23 Solostreicher
Wer gerne im Streicherklang badet, kommt hier voll auf seine Kosten.

Gruß,
Khampan

Uwe Schoof

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7

Dienstag, 17. April 2007, 23:19

Peter Sculthorpe

Noch ein melancholisches, ruhiges und intimes 10-minütiges Streicherstück, das in diesem Kreise gefallen finden könnte:

"Lament For Strings" aus 1976 von Peter Sculthorpe.

Ja, es ist erst einige Jahrzehnte jung, aber nicht abschrecken lassen, da eingängig und tonalitätsbezogen.

Uwe
Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

teleton

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8

Mittwoch, 18. April 2007, 09:10

Hindemith und Schostakowitsch für Streichorchester

Zitat

Ich habe keinerlei Bedarf für lenorweich, aber glücklicherweise gibt es ja auch ein paar andere Stücke für die Besetzung


Diesem Zitat von Johannes Roehl möchte ich mich voll anschließen !

:jubel: Hier zwei eindrucksvolle Beispiele was aus einem Streichorchester "rauß geholt" werden kann an Rhytmik und Gänsehautfaktor:

1. Hindemith: Konzertmusik für Streicher und Bläser op.50


2. Schostakowitsch: Kammersinfonien op.110a und 118a


Was man aus Streichquartetten machen kann zeigt hier Barshai in bester Interpretationsmanier.

--------------------------------------------------------------------

Bei der von J.Roehl erwähnten und von mir heißgeliebten Bartok: Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta wäre ich nie auf die Idee gekommen, diese hier zu erwähnen, da es kein reines Streichorchesterwerk ist und Schlagzeug und Saiteninstrumente (auch andere außer Streicher) dominierend eingesetzt sind. Für mich ist das ein Orchesterwerk ohne Bläser.
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Wulf

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9

Mittwoch, 18. April 2007, 12:52

Zitat

Original von petemonova
Ich mag die Streichermusik auch sehr gerne.
Neben den schon erwähnten Werken von Vaughan Williams, Barber, Tschaikowskij und Sibelius liebe ich die Suite im alten Stil "Aus Holbergs Zeit" von Edvard Grieg.
Ein wunderbares Stück im Neobarock geschrieben und bei mir immer Hochgefühle auslösend. :jubel: :jubel:


Gruß, Peter.


Hallo Peter, kennst Du eigentlich die ursrüngliche Fassung für Klavier?? Ist auch nicht übel, obwohl ich hier auch die Streicherversion bevorzuge :yes:

LG
Wulf.
Carreras, I'll never stop saying Carreraaaas!
(Leonard Bernstein)

petemonova

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10

Donnerstag, 19. April 2007, 01:30

Ich habe letztens auszugsweise eine Version für 2 Klaviere (oder war es Klavier vierhändig?) gehört und fand das echt super, das hat mir mitunter viel besser gefallen als die Streicherversion. Vermutlich, weil man einige Wendungen doch klarer und deutlicher gehört hat.

Das war mir aber schon wieder entfallen, dass das Original für Klavier war!

:hello:


Gruß, Peter.
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Chorknabe

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11

Donnerstag, 3. Mai 2007, 22:46

RE: "streichelzart" - Werke für Streichorchester

Ein weiteres Werk möchte ich hier unbedingt nennen:

Orawa von Wojciech Kilar

Teilweise recht minimalistisch angehaucht, mit dem typischen Stil von Kilar. Ein wirklich tolles Stück!

Dies Aufnahme hier kann ich sehr empfehlen:


Liebe Grüße, der Thomas. :hello:

Chorknabe

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12

Mittwoch, 16. Januar 2008, 18:35

RE: "streichelzart" - Werke für Streichorchester

Unbedingt Erwähnung sollte hier ein Werk des Lettischen Komponisten Peteris Vasks finden. Seine Symphony No. 1 Balsis (Voices) for string orchestra ist eine ungeheuer intensive und getragene Musik.

Sehr zu empfehlen ist folgende Einspielung:



Übrigens hat Vasks eine große Vorliebe für die Streichinstrumente, was allein seine zahlreichen sinfonischen Werke für diese Besetzung beweisen:
  • 2005 Canto di forza for 12 cellos
  • 2002 Musica appassionata for string orchestra
  • 2001 Viatore for string orchestra or organ
  • 1997 Distant Light, Concerto for violin and string orchestra
  • 1996 Adagio for string orchestra
  • 1996 Musica adventus for string orchestra
  • 1994 Concerto per violoncello ed orchestra
  • 1991 Symphony No. 1 Balsis (Voices) for string orchestra
  • 1983 Musica dolorosa for string orchestra
  • 1982 Vestijums (Message) for large string orchestra, percussion, two pianos


Liebe Grüße, der Thomas. :hello:

Friese

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13

Sonntag, 4. Februar 2018, 13:49

Dann will ich diesen Thread mal wieder aufleben lassen. Einmal weil ich Streichorchester oder Streichersinfonie gerell gerne höre, aber auch weil ich mir eine neue Hindemith CD gekauft habe, von Paavo Järvi mit dem Frankfurter RSO und darauf die "5 Stücke für Streichorchester Op. 44" gefunden habe.

Das Stück gefällt mir richtig gut. Ich werde dazu sicherlich auch noch in einem anderen Thread berichten. Alle Stücke auf der CD sind Live aufgenommen. Irgendwann in den letzten drei, vier Jahren. Genau weiß ich es gerade nicht. Herausgekommen ist sie 2018

teleton

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14

Sonntag, 4. Februar 2018, 14:44

Hallo Friese,

die Hindemith: 5 Stücke für Streichorchester Op. 44 kenne ich gar nicht. Die mit Paavo Järvi dürfte wohl auch eine der ersten Einspielungen davon sein.
8o Aber mit dieser CD hast Du vermutlich eine der TOP-Aufnahme der Mathis-Sinfonie und den Sinfonischen Metharmorphosen zur Verfügung.
:hello: Es würde mich freuen dazu in den entsprechenden Threads ein paar Höreindrücke von Dir zu lesen.


Ein paar weitere Werke für Streichorchester seien auch noch erwähnt:

Eshpai: 2 Stücke für Streichorchester (1999)
Britten: Simpel Symphony op.4
Hartmann: Concerto funebre
Strawinsky: Konzert für Streicher D-Dur
Holst: St.Pauls Suite op.29
Sibelius: Andante festivo
Nielsen: Little Suite op.1
Grieg: Aus Holbergs Zeit - Suite op.40
Mendelssohn: Streichersinfonien Nr.1 - 13
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Friese

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15

Sonntag, 4. Februar 2018, 15:40

Hallo Teleton,

Ich habe die Aufnahme erst seit zwei Tagen, aber ich bin bis jetzt wirklich begeistert und werde mich da sicherlich auch noch in den Spezialthreads zu äußern.

So wie du Pauken magst, mag ich Streicher von daher hätte sich die Aufnahme schon für die 5 Stücke für Streichorchester gelohnt. Ich wusste gar nicht, dass das so selten ist. ES ist wirklich ein tolles Stück Musik, wenn man Streichorchester mag.

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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16

Sonntag, 4. Februar 2018, 16:06

Hindemith: Trauermusik
Tippett: Fantasia Concertante über ein Thema von Corelli, Konzert für Doppelorchester, "Little Music"
Vaughan Williams: Five Variants of Dives and Lazarus
Elgar: Introduktion and Allegro op.47
Frank Martin: Polyptyque
Bernard Herrmann: "Psycho"

Dr. Holger Kaletha

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17

Sonntag, 4. Februar 2018, 16:21

Josef Suk: Streicherserenade



Wirklich traumhaft schön ist die Streicherserenade des 18-jährigen Josef Suk. Ein musikalisches Juwel! Als Antonin Dvorak die Partitur seines Schwiegersohnes an seinen Freund Johannes Brahms schickte, war auch der entzückt!

Ich habe eine ältere - nicht mehr erhältliche - Supraphon-CD. Da ist die Fantasie für Violine und Orchester drauf und dazu die Streicherserenade. Der Dirigent der Serenade ist allerdings Frantisek Jilek (der wunderbare symphonische Suiten der Janacek-Opern gemacht hat) und nicht wie bei der Fantasie Vaclav Neumann. Das wird auch auf dieser CD so sein. :)

Schöne Sonntagsgrüße
Holger

Dr. Holger Kaletha

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18

Sonntag, 4. Februar 2018, 18:32