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thdeck

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Registrierungsdatum: 7. Oktober 2010

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Sonntag, 31. Dezember 2017, 16:33

HAYDN: La fedeltà premiata – Gegen Zwangsehe!

Die Oper wurde 1780 komponiert und trägt im Hoboken-Verzeichnis die Nummer 10, sie entstand also nach L’isola disabitata und vor Orlando Paladino. Das Libretto ist eine Bearbeitung der L’infedeltà fedele, geschrieben von Giambattista Lorenzi und vertont von Domenico Cimarosa im Jahr 1779. Die Uraufführung war am 25. Februar 1781 auf Esterháza anlässlich der Wiedereröffnung des zuvor abgebrannten Opernhauses.

Die Handlung spielt in Cuma (nordwestlich von Neapel) in antiker Zeit, die Bewohner verehren Diana, die Göttin der Jagd. Die Besetzung besteht aus acht Personen:

Melibeo (Bass): Diana-Priester, Chef von Lindoro. Ist böse. Will Amaranta.
Lindoro (Tenor): Tempeldiener, ein Trottel. Will Celia, die in Wirklichkeit Fillide ist.
Amaranta (Sopran): Schwester von Lindoro, gerade in Cuma angekommen. Ist auf der Suche nach einem Liebhaber und verliebt sich in Perrucchetto. Spinnt ein bisschen.
Perrucchetto (Bariton): Graf, spinnt total. Macht sich erst an Amaranta, dann an Celia, dann an Nerina ran.
Nerina (Sopran): Junges Mädchen, etwas einfältig, will Lindoro, der ihr allerdings wegen Celia untreu geworden ist.
Fileno (Tenor): Schäfer, Freund von Fillide, die er tot glaubt. Eigentlich der Held der Geschichte. Der Mann ist fit.
Fillide/Celia (Mezzosopran): Junge Frau, als Fillide die Geliebte von Fileno. Nach Schlangenbiss für tot gehalten. Hat aber überlebt und nennt sich nun Celia. Zusammen mit Fileno die wichtigste Figur der Oper. Eine der stärksten Frauengestalten in Haydns Opernschaffen.
Diana (Sopran): Göttin der Jagd. Bringt am Ende die Leute zur Vernunft.

Zu den Tonarten lässt sich ganz grob folgendes sagen:

Die Haupttonart der Oper ist D-Dur („fröhlich, freudig, jubelnd“), so beginnt und endet sie. Sie gehört zu den Leuten vor Ort, zur Jagd, zur Göttin Diana. Fileno und Celia singen dagegen meistens in Es-Dur („heroisch“), ein klarer Hinweis auf ihre edle Gesinnung. Zweimal kommt auch G-Dur („ländlich“) vor: Ganz am Anfang ist der Grund klar, aber auch bei Filenos Arie im zweiten Akt versteht man schnell: Er begibt sich dort auf Nerinas Ebene. Amarantas erste Arie steht in H-Dur: „stark gefärbt, wilde Leidenschaften ankündigend, aus den grellsten Farben zusammen gesetzt“ (Schubart: Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst): passt! Schwieriger zu verstehen ist die Verwendung von A-Dur („Liebe“) bei Arien von Lindoro, Perrucchetto und Amaranta: Bei Lindoro passt es, aber bei Perrucchetto (Nr. 19) und Amaranta (Nr. 22) kann man es nur so erklären, dass Perrucchetto ohnehin ständig in irgendwen verliebt ist und dass Amaranta trotz der Vorwürfe an den Grafen immer noch an ihm hängt.


I. AKT

Die Ouvertüre (D-Dur) wurde auch als vierter Satz der Sinfonie Nr. 73 „La Chasse“ (1781) verwendet. Das Jagd-Thema passt zur Jagdgöttin Diana, deren angeblicher Wunsch nach Menschenopfern in der Oper thematisiert wird und die schließlich dem Spuk ein Ende bereiten wird.

Die Ouvertüre wirkt eher wie der letzte Satz einer Sinfonie, nicht wie der Beginn einer Oper, sie scheint aber tatsächlich vor der Sinfonie entstanden zu sein. Möglicherweise soll die Ouvertüre den Ausklang einer Jagd darstellen.

Nr. 1 Introduzione (G-Dur) Bella dea, che in ciel risplendi
Nerina, Lindoro, Melibeo sowie ein Chor aus Schäfern und Schäferinnen huldigen mit festlichem Gesang der „keuschen Göttin“ Diana.

Jene Diana, die angeblich Menschenopfer fordert. Wo doch der aufgeklärte Mensch weiß, dass das gar nicht Dianas Art ist, die hat doch nur ihre Jagd im Kopf. Hier deutet sich schon an, dass die Religion missbraucht wird.

Amaranta bekommt (immer noch als Teil der Introduzione) einen kleinen Solo-Auftritt, sie bringt Diana zwei Tauben als Opfer dar:

Kavatine Amaranta (C-Dur) Prendi, prendi, o Diana, queste belle innocenti tortorelle
(„Nimm, nimm, oh Diana, diese schönen unschuldigen Turteltäubchen“)

Anschließend erklärt Melibeo Amaranta das derzeitige Problem der Region. Es ist auf einem Marmorstein eingemeißelt:

Ogn’anno il mostro abbia due fidi amanti; e, in vece lor, se a quella istessa morte volontaria si espone un’alma forte, voi pace avrete, e cesseranno i pianti.
(„Jedes Jahr soll das Ungeheuer zwei treue Liebende zum Opfer haben; und wenn anstatt derer eine starke Seele freiwillig in den Tod geht, werdet ihr Frieden haben, und das Weinen wird aufhören.“)

Da wird also mal wieder eine menschliche Gemeinschaft der Tyrannei der Religion ausgesetzt: Ein Fall für die Aufklärung. Da ist Haydn sofort zur Stelle. Gut, dass wir ihn haben!

Melibeo erklärt weiter, dass schon zehn Liebespaare dem Ungeheuer zum Opfer gefallen sind. Amaranta wird ganz anders zumute, wo sie doch auf der Suche nach einem Liebhaber ist: Il far l’amore in questi luoghi è cosa molto seria. („An diesem Ort ist das Praktizieren der Liebe eine ernste Angelegenheit.“) Melibeo beruhigt sie: Tempeldiener seien davon ausgenommen. Und macht ihr sogleich einen Liebesantrag.

Da haben wir’s: Das Volk steht unter der Knute der Priester, die ihrerseits keinerlei Veranlassung finden, sich in Liebesangelegenheiten zurückzuhalten.

Amaranta geht auf Melibeos Werben nur zum Schein ein. Weiter erfährt man, dass Nerina von ihrem Geliebten Lindoro (ein etwas einfältiger Tempeldiener, Melibeo ist sein Chef) verlassen wurde, weil dieser neuerdings eine gewisse Celia liebt. Amaranta ist Lindoros Schwester und schlägt sich daher auf dessen Seite. Er träumt schon mal von seinem zukünftigen Eheglück:

Nr. 2: Arie Lindoro (A-Dur) Già mi sembra di sentire de’ stromenti il gran fracasso
(„Schon meine ich den großen Lärm der Instrumente zu hören“)
Die Musik wirkt hier genauso übermütig wie der Text der Arie bzw. Lindoros augenblickliche Stimmung.

Melibeo bekräftigt bei dieser Gelegenheit seinen eigenen Heiratsantrag an Amaranta. Diese warnt ihn vor ihrer Untreue, versucht ihn aber sogleich zu beruhigen:

Nr. 3: Arie Amaranta (H-Dur) Per te m’accese amore un dolce foco in petto
(„Für dich entflammte die Liebe ein süßes Feuer in der Brust“) Im weiteren Verlauf der Arie vergleicht sie ihre Treue mit der einer Turteltaube.

Unter großem Tumult erscheint Perrucchetto auf der Szene:

Nr. 4: Arie Perrucchetto (g-Moll) Salvo... aiuto... piano, ma piano... Cosa fu?
Hier parodiert Haydn ganz offensichtlich seinen eigenen „Sturm und Drang“-Stil. Der ziemlich verrückte Graf wurde von Räubern bedroht, was ihn ganz aus der Fassung brachte. Er hat aber durchaus Ahnung vom Leben: Am Ende wünscht er – natürlich nur zur Beruhigung – diverse Weine: Capo rosso, capo bianco (vermutlich sizilianische Weine), Wein aus Zypern, Rheinwein (er meint wohl Riesling), kanarischen Wein, oder almeno („wenigstens“) einen Bordeaux.

Melibeo bringt ihn schnell auf den Boden der Tatsachen zurück: Er könne nur mit Wasser dienen. Perrucchetto will sich gerade über die Trostlosigkeit einer solchen Gegend auslassen, als er Amaranta erblickt und sich sofort an sie ranmacht. Beim folgenden Flirt gehen beide ziemlich zur Sache. Melibeo (der Amaranta bekanntlich für sich haben will) tobt. Nach außen hin bleibt er verbindlich: Hier gebe es keine Unterkunft, der Graf möge doch bitte weiterziehen. Perrucchetto schlägt das Haus Melibeos vor, was dieser natürlich ablehnt. Amaranta meint, dass der Graf doch bei ihr wohnen könne. Dies führt seitens Melibeo zu einem schnellen Meinungsumschwung, und er lädt den Grafen zu sich ein. Mittels einer Arie macht er ihm aber unmissverständlich klar, was Sache ist:

Nr. 5: Arie Melibeo (D-Dur) Mi dica, il mio signore, ha visto mai ne’ prati due tori innamorati per gelosia cozzar?
(„Sagen Sie, mein Herr, haben Sie jemals gesehen, wie zwei verliebte Stiere auf der Weide aus Eifersucht mit den Hörnern gekämpft haben?“)
Melibeo greift also zum Bild des wütenden Stiers, um Perrucchetto seinen Standpunkt zu verdeutlichen. Die Passage co’ muggiti fanno le selve risuonar („mit Gebrüll lassen sie die Wälder widerhallen“) unterstreicht Haydn mit dem Einsatz von Hörnern.

Perrucchetto nimmt die Eifersucht Melibeos zur Kenntnis, lässt sich davon aber nicht beeindrucken und lädt Amaranta zu einem Spaziergang ein. Fileno tritt auf:

Nr. 6: Arie Fileno (Es-Dur) Dove, oh dio, rivolgo il piede, infelice, sventurato
(“Wohin soll ich Unglücklicher den Schritt lenken”)
Er betrauert den Verlust seiner Geliebten Fillide. Der hinzugekommenen Nerina erklärt er die Ursache: Kurz vor der Hochzeit wurde Fillide von einer Schlange gebissen und starb. Er weiß zu diesem Zeitpunkt nicht, dass Fillide überlebte und unter dem Namen „Celia“ ein neues Leben angefangen hat. Nerina hat ebenfalls Liebeskummer, sie erzählt Fileno ihre Geschichte: Mit ihrem Lindoro war schon die Hochzeit geplant, als dieser sich in ein Mädchen namens Celia verliebte und Nerina verließ. Weder Fileno noch Nerina wissen, dass Celia in Wirklichkeit Fillide ist. Nerina bittet Fileno, Celia dahingehend zu beeinflussen, dass sie von Lindoro ablässt.

Nr. 7: Arie Nerina (D-Dur) È amore di natura un barbaro, un crudele, che l’alma più fedele è avvezzo a tormentar
(„Die Liebe ist von Natur aus eine Barbarin, eine Grausame, die aus Gewohnheit die treueste Seele quält“)
Sie beklagt also ihr mangelndes Glück in der Liebe, danach verlässt sie die Szene.

Endlich tritt die oben erwähnte Celia (die in Wirklichkeit Fillide ist) auf:

Nr. 8: Arie Celia (Es-Dur) Placidi ruscelletti, fiorite piagge amiche
(„Ruhige Bächlein, freundliche, blühende Felder“)
Sie beklagt ebenfalls ihr Unglück, aber wesentlich bildhafter als die einfältige Nerina: Da werden sanfte Bäche, blühende Felder und sonnige Hügel beschworen, ob sie jemals ein unglücklicheres Herz gesehen hätten als das ihre. Haydn nutzt das für allerlei Lautmalereien.

Celia ist der Meinung, Fileno (der sie tot glaubt) habe sie verlassen. Sie legt sich schlafen, wobei ihr Gesicht verdeckt ist. Nerina führt Fileno her und macht ihn auf Celia aufmerksam. Lindoro, der ihn Celia verliebt ist, erscheint ebenfalls, wird aber von Fileno (der allerdings mit dem Namen „Celia“ nichts anfangen kann) gleich verjagt. Fileno nähert sich der Schlafenden, sie wacht auf, und beide erkennen sich. Jetzt wäre alles gut, aber leider erscheinen Melibeo (der böse Priester) und Lindoro. Da Celia weiß, dass Melibeo ein sich liebendes Paar sucht, das dem Ungeheuer geopfert werden soll, muss sie Fileno nach außen hin abweisen, um beider Leben zu retten. Anschließend kann sie Fileno nur mit Mühe davon abbringen, sich mit einem Pfeil umzubringen.

Amaranta und Perrucchetto kommen hinzu, letzterer möchte auf großspurige Art den vermeintlichen Streit schlichten. Melibeo dagegen ahnt die Wahrheit: In questi due vedo del mostro prepararsi la cena. („In diesen beiden sehe ich, wie das Abendessen für das Ungeheuer bereitet wird.“) Er verhört Celia, diese bleibt standhaft, das heißt, sie verleugnet Fileno, was jenen schier zur Verzweiflung bringt:

Nr. 9: Arie Fileno (B-Dur) Miseri affetti miei, povera fedeltà!
(„Meine unglücklichen Gefühle, meine arme Treue!“)
B-Dur drückt laut Schubart „heitere Liebe, gutes Gewissen, Hoffnung, Hinsehnen nach einer bessern Welt“ aus. Die Arie hat eine schnelle Einleitung und einen ersten Gesangsteil in Adagio. Danach kommt aber ein Presto, in dem Rache geschworen wird...

Fileno geht ab, Celia eilt ihm nach (Melibeo zieht seine Schlüsse daraus), Lindoro folgt Celia. Auch Perrucchetto – eben noch in Amaranta verliebt – fühlt sich von Celia angezogen und macht sich kurz auf die Suche nach ihr, ist aber gleich wieder da. Amaranta tobt:

Nr. 10: Arie Amaranta (h-Moll) Vanne... fuggi... traditore!
Das Stück beginnt wie eine typische Rachearie, bald drückt die Musik aber auch Amarantas Unsicherheit aus (Ma non trovo in me quel core, che vorrei trovar in me. – „Aber ich finde in mir nicht jenes Herz, das ich gern in mir finden würde.“) Der Tonarten-Meister sagt zu h-Moll: „Ton der Geduld, der stillen Erwartung seines Schicksals, und der Ergebung in die göttliche Fügung“. So ist das.

Szenenwechsel: Melibeo hat Celia gefunden und erpresst sie: Entweder sie heiratet Lindoro (seinen Tempeldiener), oder sie wird zusammen mit Fileno dem Ungeheuer zum Fraß vorgeworfen. Melibeo geht ab, Nerina kommt. Diese betrachtet Celia als ihre Rivalin, da Lindoro sie wegen ihr verlassen hat. Celia bittet Nerina, Fileno zu suchen und ihn zur Flucht zu bewegen. Nerina ahnt, dass Celia in Fileno verliebt ist. Diese antwortet ausweichend:

Nr. 11: Arie Celia (Es-Dur) Deh soccorri un’infelice, e di più non ricercar
(„Ach hilf einer Unglücklichen, und forsche nicht weiter nach“)
Ein erhabenes Stück, ganz zu Celias edler Natur passend. Der Mittelteil wird von einem schönen Hornsolo eingeleitet, es erinnert an eine ähnliche Stelle aus Fidelio. Der dritte Teil ist schneller und enthält einige Koloraturen (io comincio a vacillar – „ich beginne zu schwanken“).

Celia geht ab, Perrucchetto kommt und macht sich sogleich an Nerina heran, dabei benutzt er die absurdesten Vergleiche: t’amo al par d’Orfeo, bella Euridice; che più felice sei col tuo campione che Didone non fu ne’ propri amori coll’avanzo di Troja e il re de’ Mori („ich liebe dich wie Orfeo, schöne Euridice; du bist mit deinem Helden glücklicher als Dido in ihrer Liebe zum letzten Trojaner [=Aeneas] und zum Mohrenkönig“). Das Ganze wird in einer Arie vertieft:

Nr. 12: Arie Perrucchetto (B-Dur) Coll’amoroso foco tu m’accendesti il core
(„Mit dem Feuer der Liebe hast du mein Herz entzündet“)
Auch hier vergleicht er Nerina mit Euridice und Dido. Dummerweise macht sich während seines Gesangs Nerina aus dem Staub, und Amaranta kommt, und so werden flugs aus den Schmeicheleien für Nerina Vorwürfe an Amaranta: Il tuo procedere si chiama offendere l’inalterabile mia fedeltà. („Dein Vorgehen nennt man Beleidigen meiner unerschütterlichen Treue.“)

Perrucchetto verschwindet erst mal, Melibeo und ihr Bruder Lindoro werden Zeuge von Amarantas Wutanfall. Das folgende Finale ist eines der längsten in Haydns Opernschaffen:

Nr. 13: Finale I (B-Dur)

(a) Questi torti, questi affronti, non li soffre una mia pari.
(Amaranta: „Diese Kränkungen, diese Beleidigungen kann jemand wie ich nicht ertragen.“)
Melibeo und Lindoro fragen, was los sei, aber Amaranta ist ganz außer sich und zu einer Schilderung der Sachlage nicht fähig. Nachdem sie sich gefangen hat, fragt sie nach Celia, ob jene bereit sei, Lindoro zu heiraten. Melibeo meint, sie werde sich fügen. Und da kommt sie auch schon. Amaranta und Melibeo lassen Lindoro mit Celia allein.

(b) Ah non tremarmi tanto, povero cor, in seno.
(Celia: „Ach zittere nicht, armes Herz, in meiner Brust.“)
Die Musik wird langsamer und lieblicher, mit Flötenbegleitung, wie es sich für eine schöne und empfindsame Frau wie Celia gehört. Lindoro stimmt in ihren Gesang ein. Er bezeichnet sich schon als ihr Gatte, das Schicksal wolle es so. Damit erreicht er bei Celia gar nichts:

(c) Anima vil, rispondo: che tu lo speri invano.
(Celia: „Armseliger, ich antworte: dass du vergeblich hoffst.“)
Dabei beschleunigt die Musik, und am Ende bekommt Lindoro eine schallende Ohrfeige. Celia flüchtet.

(d) Ah villana, alle selve incallita sei fuggita?
(Amaranta: „Ah du verstocktes Biest, bist du in den Wald geflüchtet?“)
Die Musik nimmt einen neuen Rhythmus an. Amaranta ist aus ihrem Versteck gekommen und macht ihrem Ärger über Celias Weigerung, ihren Bruder zu heiraten, Luft. Melibeo kommt ebenfalls zurück und fragt Amaranta, was vorgefallen ist. Sie verweist ihn an ihren Bruder und geht ab. Lindoro erzählt Melibeo von seiner Ohrfeige. Nerina und Perrucchetto, der ihr nachstellt, kommen hinzu. Damit wird es maximal kompliziert: Bekanntlich ist Amaranta auf Nerina eifersüchtig und diese wiederum auf Celia. Alle vier Anwesenden (Nerina, Lindoro, Perrucchetto, Melibeo) stellen fest: Chi non prova d’amore gli inganni, i tormenti d’amore non sa. („Wer die Täuschungen der Liebe nicht erfährt, kennt auch ihre Qualen nicht.“) Nerina geht ab, Amaranta kommt, mit Celia im Arm:

(e) Lasciami... lasciami... che pretendi da un’anima meschina?
(Celia: „Lass mich, lass mich, was willst du von einer armen Seele?“)
Das Wortgefecht zwischen Celia und Amaranta wird von dramatischer Musik untermalt. Dazwischen nervt Perrucchetto, der plötzlich wieder Gefallen an Amaranta findet und sie umschmeichelt. Er wird verscheucht. Melibeo redet auf Celia ein. Ihre Antwort: Libero ho il cor in seno. – „Mein Herz ist frei in meiner Brust.“ Tja, lieber Melibeo: Celia ist eine Frau der Aufklärung. Leute wie du landen auf dem Müllhaufen der Geschichte.

(f) Se non si trova, oh dio, un cor che sia pietoso, la morte almen riposo conceda al mio penar.
(Fileno: „Wenn sich, oh Gott, kein mitleidiges Herz findet, gewähre wenigstens der Tod Ruhe für meine Qualen.“)
Der gefesselte Fileno wurde von Schäfern hergeführt. Die Musik hat sich wieder beruhigt, entsprechend Filenos Resignation. Er fragt, was sein Verbrechen sei. Das weiß eigentlich keiner. Perrucchetto erklärt es: „Die hier“ (Celia) solle „den da“ (Lindoro) heiraten.

(g) T’intendo, sì, spietata: vuoi far sugli occhi miei pompa del tuo rigor.
(Fileno [zu Celia]: „Ich verstehe dich, ja, Unbarmherzige: du willst vor meinen Augen deine Grausamkeit zur Schau stellen.“)
Die Musik beschleunigt, die Szene wird zunehmend erregter. Celia ist entsetzt, zumal sie ihre wahren Gefühle für Fileno nicht zeigen darf. Die anderen drei wollen jetzt endgültig Celia zur Hochzeit mit Lindoro zwingen. Leider kommt etwas dazwischen:

(h) Aiutatemi... son morta... Fui da’ satiri inseguita, che nascosti in certe fratte mi volevano acchiappar.
(Nerina: „Helft mir, ich sterbe. Ich wurde von Satyrn verfolgt, die im Gebüsch versteckt waren und mich fangen wollten.“)
Die Musik wirkt jetzt gehetzt, zumal die Wilden tatsächlich kommen. Alle sind entsetzt. Amaranta bittet Perrucchetto, sein Schwert zu ziehen. Jetzt könnte er glänzen, aber leider ist er ein Feigling: Sein Schwert sei in der Scheide eingerostet. Melibeo ruft die Schäfer zu Hilfe.

(i) Ah, pietà... Fileno mio... Fileno...
(Celia: „Ach, habt Mitleid... mein Fileno... Fileno...“)
Es kommt zum Kampf – musikalisch untermalt – zwischen den Satyrn und den Schäfern. Einem Satyr gelingt es, Celia zu rauben. Der Kampf geht weiter, die Szene wird immer chaotischer. Am Ende singen alle zusammen:

(j) Ah, che il duolo disperato par che ceda e venga meno; ma poi torna più spietato, e soffribile non è.
(„Ach, der verzweifelte Schmerz scheint nachzulassen, aber danach kehrt er umso unbarmherziger zurück, das ist nicht zu ertragen.“)
Das Schlussensemble, dauert allein schon über zwei Minuten, dieses Finale hat es wirklich in sich. Am Ende siegen die Schäfer, die Satyrn werden verjagt.


II. AKT

[Nr. 14: Arie Lindoro (F-Dur) Non vi sdegnate, mia signorina]
Diese Arie ist im Hoboken-Verzeichnis gelistet, in der Dorati-Aufnahme aber nicht enthalten.

Melibeo macht sich Gedanken über Amarantas Zuneigung zu Perrucchetto. Fazit: Der Graf muss beseitigt werden. Nerina erscheint und fragt nach Neuigkeiten zu Fileno. Melibeo erklärt, dass sie diesen heiraten solle, wenn es mit Lindoro nicht klappt, außerdem solle sie sich nicht immer so zieren:

Nr. 15: Arie Melibeo (D-Dur) Sappi, che la bellezza senza la gentilezza è un fonte senza l’onde
(„Wisse, dass die Schönheit ohne Freundlichkeit wie ein Brunnen ohne Wasser ist“)
Insgesamt lässt er sich über die Vergänglichkeit der Schönheit aus, dabei benutzt er ganz nette Metaphern:
se nel tuo capo nevica („wenn es auf deinem Kopf schneit“ – Haare werden grau)
la bocca se si spopola („wenn der Mund sich entvölkert“ – Zähne fallen aus)
Am Ende wird er voll frauenfeindlich: Dunque per tempo pensaci, che il merto d’una femmina svanisce coll’età. („Also denke rechtzeitig daran, dass der Wert einer Frau mit dem Alter verfliegt.“) Wenn er das zu Celia sagen würde, würde der Bevölkerungsrückgang in seinem Mund bereits jetzt einsetzen...

Nerina möchte beweisen, dass sie sehr wohl in der Lage ist, einen Mann für sich zu gewinnen. Und da kommen auch schon die beiden Kandidaten Fileno und Lindoro, dazu aber auch Celia. Komplikationen sind also wieder vorprogrammiert.

Nerina entscheidet sich für Fileno, und das klappt bestens, weil dieser zum Schein auf ihr Werben eingeht, um sich an der vermeintlich untreuen Celia zu rächen, die das Ganze aus einem Versteck beobachtet. So ein Liebesspiel muss natürlich durch eine Arie vertieft werden:

Nr. 16: Arie Fileno (G-Dur) Se da’ begli occhi tuoi nacque l’incendio mio
(„Wenn durch deine schönen Augen das Feuer in mir entfacht wird, ärgere dich nicht, wenn ich dann für dich brenne“)

Anschließend stellt Celia Nerina zur Rede. Nerina rät ihr, Fileno zu vergessen und einen anderen Liebhaber zu suchen:

Nr. 17: Arie Nerina (F-Dur) Volgi pure ad altr’oggetto quel tuo mesto afflitto core
(„Dein trauriges, kummervolles Herz möge sich einem anderen Objekt zuwenden“)
Es wohne halt nicht in jeder Brust eine dankbare Seele, und eine Schönheit habe nicht immer Glück in der Liebe.

Szenenwechsel. Es wird eine Jagd zu Ehren der Diana (Jagdgöttin) veranstaltet. Dazu braucht es bekanntlich einen Jägerchor:

Nr. 18a: Jägerchor (D-Dur) Più la belva nel bosco non freme, più de’ veltri non s’ode il latrar
(„Die wilden Tiere toben nicht mehr im Wald, das Bellen der Windhunde hört man nicht mehr“)

Melibeo ruft zum „Kampf mit den stärksten wilden Tieren“ auf. Amaranta will auch mitmachen. Perrucchetto ist ebenfalls mit von der Partie, er macht aber keinen Hehl daraus, dass er es nur auf Amaranta abgesehen hat. Melibeo mahnt ihn zur Ordnung, hier gehe es nicht um Liebe, sondern um die Jagd.

Mit dem Jagdmotiv aus der Ouvertüre wird das Zeichen zum Beginn der Jagd gegeben.

Perrucchetto versagt auf der ganzen Linie: Er wird von einem Bären verfolgt und flüchtet auf einen Baum. Seine Amaranta wird derweilen von einem Wildschwein bedroht und ruft ihn zur Hilfe. Leider ist er viel zu ängstlich, und so ist es dem plötzlich auftauchenden Fileno vorbehalten, das Wildschwein zu töten und Amaranta zu retten. Gleich danach zieht sich Fileno wieder zurück.

Die Jagd geht zu Ende, die Trophäen (es gab auch erfolgreiche Jäger) werden zum Tempel gebracht. Perrucchetto behauptet, er habe das Wildschwein getötet. Lindoro entlarvt ihn als Schwindler, was von Perrucchetto geleugnet wird. Er bietet dazu eine ganze Arie auf:

Nr. 19: Arie Perrucchetto (A-Dur) Di questo audace ferro al fiero lampo e fosco, di’, non vedesti il bosco, la selva impallidir?
(„Sag, sahst du nicht den Wald, den Forst erbleichen vor dem stolzen und finsteren Strahl diesen kühnen Stahls?“)
Diese Worte sind an das tote Wildschwein gerichtet, das anschließend getadelt wird, weil es – da tot – nicht antwortet. Auch der Baum, auf den Perrucchetto geflüchtet ist, macht keine Anstalten, von dessen angeblichen Heldentaten zu berichten. Und als das Wildschwein noch mal zuckt, gerät Perrucchetto in Panik und flieht.

Nr. 18b: Jägerchor (D-Dur) Più la belva nel bosco non freme, più de’ veltri non s’ode il latrar

Mit einer weiteren Wiederholung des Jägerchors geht das Jagdspektakel zu Ende. Danach wechselt die Szene. Fileno ist allein in einer dunklen Höhle:

Nr. 20a: Accompagnato Fileno (Es-Dur) Bastano, bastano i pianti: assai, assai quest’antro risuonò de’ miei sospiri
(„Genug der Tränen: reichlich hallte diese Höhle wider von meinen Seufzern“)
Es sei jetzt Zeit zu sterben, Fillide (=Celia) wolle seinen Tod, also solle sie ihn haben. Gerade will er sich erstechen, da fällt ihm ein, dass zu einem richtigen Selbstmord auch ein Abschiedsbrief gehört. Da kein Briefpapier zur Stelle ist, ritzt er den Text in einen Baumstamm ein: Per ... Fillide ... infedel ... morì ... Fileno. („Wegen der treulosen Fillide starb Fileno.“) Danach stimmt er eine letzte Arie an:

Nr. 20b: Arie Fileno (d-Moll) Recida il ferro istesso questa penosa vita, renda la mano ardita l’eccesso del dolor
(„Derselbe Stahl möge dieses qualvolle Leben beenden, das Übermaß an Schmerz möge meiner Hand Mut verleihen“)
Das Instrument ist übrigens kein Messer, sondern einer seiner Pfeile, und zack, da ist er auch schon zerbrochen. Schnell ist eine andere Lösung gefunden: Da eccelsa rupe a tante mie sventure termine imponga il precipizio mio. („Der Sturz von einem hohen Felsen möge meinem großen Unglück ein Ende setzen.“)

Am Ende verlässt er die Szene – immer noch lebend. Dabei verpasst er ganz knapp Celia, die nur noch Filenos zerbrochenen Pfeil und die Inschrift auf dem Baumstamm vorfindet:

Nr. 21a: Accompagnato Celia (C-Dur) Ah come il core mi palpita in seno!
(„Wie pocht mein Herz in der Brust!“)
Sie liest Filenos „Abschiedsbrief“ und ist kurz davor, in Ohnmacht zu fallen. Sie ist völlig verzweifelt und glaubt sogar, Filenos an sie gerichtete Vorwürfe aus dem Jenseits zu hören:

Nr. 21b: Arie Celia (Es-Dur) Ombra del caro bene, ah non chiamarmi infida
(„Du Schatten meines Geliebten, nenne mich nicht treulos“)
In ihrer Arie versucht sie zu erklären, dass sie nur aus Liebe zu ihm so treulos erscheinen musste. Danach zieht sie sich in die Höhle zurück.

Nerina und Melibeo treten auf, letzterer führt Böses im Schilde: Sein Ziel ist, Celia und Perrucchetto zum Liebespaar zu erklären und die beiden der Göttin Diana zu opfern. Damit hat er Amaranta für sich, außerdem kann er sich rühmen, Nerina wieder mit Lindoro zusammengebracht zu haben. Amaranta und Lindoro kommen hinzu. Amaranta fragt nach „ihrem“ Grafen: Er sei mit Celia in der Höhle, dort würden die beiden ihr Liebesspiel treiben. Durch diese böse Intrige seitens Melibeo verliert auch der Graf den letzten Rückhalt bei der Gruppe. Amaranta ist fassungslos:

Nr. 22a: Accompagnato Amaranta (A-Dur) Barbaro conte... è questa la mercé, che tu rendi...
(„Grausamer Graf... das ist der Dank, den du mir erweist...“)

Nr. 22b: Arie Amaranta (A-Dur) Dell’amor mio fedele è questa la mercé! Come potesti, ingrato, così mancar di fé?
(„Dies ist der Dank für meine treue Liebe! Wie konnte es dir, Undankbarer, so an Treue mangeln?“)
Hier handelt es sich in erster Linie um eine Liebeserklärung mit viel Gefühl. Im zweiten Teil der Arie schlägt Amarantas Klage zunächst in Rachelust um, aber selbst da heißt es am Ende: e pur fra l’odio e l’ira pietà risponde amor („und doch antwortet zwischen Hass und Zorn die Liebe mit Mitleid“).

Auch Nerina ist bei der ganzen Sache unwohl, obwohl sie nicht versteht, was vorgeht. Fileno kommt hinzu (mit dem Selbstmord scheint es nicht geklappt zu haben) und fragt nach Celia. Melibeo macht nur Andeutungen. Das Finale kann beginnen:

Nr. 23: Finale II (Es-Dur)

(a) Quel silenzio e quelli pianti!
(Fileno: „Diese Stille und dieses Weinen!“)
Er ahnt Schlimmes. Nerina übernimmt Filenos Melodie: Sie fühlt sich Fileno nahe, gleichzeitig ist ihr klar, dass er verraten wird. Lindoro stimmt ein, er ist ebenfalls innerlich zerrissen.

(b) Si vada... si soccorra l’amato mio nemico...
(Amaranta: „Man gehe... man eile meinem geliebten Feind zu Hilfe...“)
Mit Amarantas Auftritt kommt es zu einer Beschleunigung. Sie ahnt, dass Perrucchetto getötet werden soll und möchte ihn retten. Lindoro will „seine“ Celia dann aber auch gerettet sehen. Fileno ahnt Schreckliches. Lindoro, Nerina und Amaranta beschränken sich auf Andeutungen. Da kommt aber schon Melibeo mit Gefolge und den beiden Opfern: Celia und Perrucchetto. Sie sind ganz in weiß gekleidet und dem Tod geweiht.

(c) Queste due vittime, casta Diana, che fide ardevano di occulto amor, ti offre la misera gente Cumana fra le sue lagrime e il suo dolor.
(Melibeo: „Diese beiden Opfer, keusche Diana, die sich im Verborgenen der treuen Liebe hingaben, bringt dir das arme Volk von Cuma unter Tränen und Schmerz.“)
Die Musik wird traurig, wenn auch nur von Melibeo geheuchelt. Der Tonfall erinnert übrigens an eine Stelle aus La Bohème (4. Akt, Colline verabschiedet sich von seinem Mantel: Vecchia zimarra, senti, io resto al pian, tu ascendere il sacromonte or devi): Was wäre Puccini ohne Haydn! Amaranta, Nerina, Fileno und Lindoro können oder wollen nichts gegen die sich anbahnende Katastrophe tun. Celia dagegen ist aus anderem Holz geschnitzt:

(d) Perfido cielo ingrato! Empio destin, tiranno! Vittima d’un inganno dunque morir dovrò?
(Celia: „Heimtückische undankbare Götter! Böses Schicksal, Tyrann! Als Opfer eines Betruges soll ich also sterben?“)
Die Musik wird energisch. Perrucchetto übernimmt ihre Melodie, bleibt sprachlich aber seinem Stil treu: Einen Würdenträger, einen Grafen, einen vornehmen Herren dem Ungeheuer opfern? Melibeos lapidare Antwort: Ma Cintia così brama. Cynthia (=Diana) wolle es halt so. Perrucchetto entschuldigt sich bei „dieser Dame, wer immer das sei“. Die Musik erinnert hier stark an Mozart, speziell an eines der Finali von Don Giovanni (sieben Jahre später entstanden). Die beiden Unglücklichen finden selbst bei Amaranta und Fileno wenig Unterstützung, da diese sich von den beiden „Treulosen“ hintergangen fühlen. Melibeo drängt, die Sache zu Ende zu bringen. Nerina und Lindoro wollen ihn aufhalten – vergeblich. Celia und Perrucchetto beginnen, sich in ihr Schicksal zu fügen.

(e) Via si vada, ché la dea il tributo aspetta già.
(Melibeo: „Man entferne sich, da die Göttin ihren Tribut erwartet.“)
Die Musik wird hastiger, die Szene eilt ihrem Höhepunkt entgegen. Celia und Perrucchetto sind verzweifelt. Wie können die Leute so grausam sein? Plötzlich wird die Handlung durch lauten Donner gestoppt:

(f) Che caso barbaro e inaspettato!.....Was für ein grausames und unerwartetes Ereignis!
Minaccia fulmini il cielo irato!..............Der zornige Himmel droht mit Blitzen!
Da fieri palpiti, da smanie orribili.........Vor wildem Zucken, vor schrecklicher Raserei
sento dividersi in petto il cor!.............fühle ich das Herz in der Brust zerspringen!
I venti fremono; i tuoni stridono,........Die Winde brausen; die Donner hallen,
chi può resistere a tant’orror?............wer kann so vielem Schrecken widerstehen?

Damit ist das grausame Geschehen erst mal unterbrochen, und der Akt ist zu Ende.


III. AKT

Celia – immer noch in weiß gekleidet und zur Opferung vorgesehen – bittet Fileno, ihn zu lieben, da nur das sie retten könne.

Nr. 24: Duett Celia-Fileno (E-Dur) Ah se tu vuoi ch’io viva, caro mio dolce amore, rendimi il tuo bel core, o lasciami morir
(„Ach, wenn du willst, dass ich lebe, mein teurer süßer Geliebter, schenke mir dein schönes Herz, oder lass mich sterben“)
Leider kommen die beiden noch nicht zusammen: Fileno deutet an, dass Celia „zu ihrer eigenen Pein“ weiterleben werde. Die Musik erinnert stark an Mozart. Nach dem Duett entfernen sich beide in verschiedene Richtungen.

Perrucchetto, ebenfalls in weißem Gewand, wird von Melibeo und den Schäfern hergeführt. Perrucchetto versucht erneut, seine Haut zu retten: Die „Frau Diana“ wolle ein sich treu liebendes Paar zum Opfer? Melibeo bejaht. Er, Perrucchetto sei aber niemals treu gegenüber Frauen gewesen, man könne jetzt also umkehren. Melibeo wird wütend, er drängt die Schäfer zur Eile.

Jetzt erscheint Amaranta und erhebt schwere Vorwürfe gegen Melibeo: Es sei nicht Diana gewesen, die Perrucchetto als Opfer gefordert habe, vielmehr wolle Melibeo einen Nebenbuhler beseitigen. Melibeo und die Schäfer wenden nun Gewalt an und zerren den armen Perrucchetto in Richtung Opferstätte.

Szenenwechsel: Amaranta, Lindoro, Melibeo, Celia und Perrucchetto, die beiden letzteren von Schäfern bewacht, sind jetzt am See, wo das Opfer stattfinden soll. Der Himmel verfinstert sich, das Ungeheuer erscheint. Plötzlich taucht Fileno auf: Amici, si sospenda l’orribil sagrificio. – „Freunde, das grausame Opfer sei beendet.“

Er erinnert daran, dass die jährliche Opferung eines Liebespaares aufhören kann, wenn sich eine Einzelperson findet, die sich freiwillig opfert: Or la vittima è pronta; ed io son quella. – „Nun, das Opfer ist bereit; und ich bin es.“ Er läuft in Richtung des Ungeheuers. Dieses wird unvermittelt von einem Blitz getroffen, und an seiner Stelle erscheint die Göttin Diana in Person:

Nr. 25: Accompagnato Diana (D-Dur) Pace, Cumani, pace. L’oracolo è adempito, e questo è il core della ninfa sagrilega già tolto al simulacro mio.
(„Friede, Cumaner, Friede. Das Orakel ist erfüllt, und hier ist das Herz, einst von dem frevelhaften Mädchen meinem Ebenbild entwendet.“)
Dianas Ansprache wird von einer kurzen, prägnanten Jagdmusik eingeleitet. Die Göttin führt weiter aus, dass Filenos großzügiges Angebot ausreiche, um sie zu besänftigen. Melibeo sei dagegen für seine Untaten mit dem Tod bestraft worden. Im zweiten, ruhigeren Teil ihres Accompagnato-Rezitativs vereint sie Amaranta mit dem Grafen und Celia mit Fileno. Dabei wird endlich auch der Titel der Oper zitiert: dell’innocente ninfa sì rara fedeltà premiata sia – „des unschuldigen Mädchens [d.h. Celias] so seltene Treue sei belohnt“.

Jetzt fehlt nur noch der Schlusschor:

Nr. 26: Chor (D-Dur) Quanto più diletta e piace, quanto cara è quella gioia, preceduta dalla noia d’un incomodo dolor.
(„Um wie viel mehr erfreut und gefällt, wie überaus teuer ist jene Freude, der das Ungemach eines lästigen Schmerzes voranging.“)



Thomas