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m-mueller

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1

Sonntag, 31. Dezember 2017, 14:46

Langsame, gefühlvolle Stücke im Barock

Der Barockmusik wird mitunter schon mal vorgeworfen, sie bestehe im Wesentlichen aus einer Hintereinanderreihung schneller Noten, die auf verwirrend ähnliche Weise immer wiederkehrend dargestellt werden.

Für Leute, die nicht barockaffin sind und z.B. Entwicklungen innerhalb von z.B. Toccaten oder Fugen nicht so schätzen, ist da vielleicht auch was dran.

Deshalb sollen hier mal andere Stücke dargestellt werden, die langsam sind, eindrücklich sind, eine schöne Melodie haben und doch auch aus dem Barock stammen. Nun haben viele Barockkonzerte einen langsamen Mittelteil, das fast schon obligate Adagio, das grundsätzlich für diesen Thread in Frage käme, aber viele Adagien sind lieblos komponiert, weil sie meist nur dazu dienten, einen Rahmen für die Improvisationskunst der Interpreten zu bieten. Diese Stücke, die in heutigen Aufnahmen, die sich ja meist an den Notentext halten, nicht weiter erwähnenswert sind, sollen hier nicht aufgeführt werden.

Welche aber sind die "schönen" Adagien oder andere, ähnliche Stücke, und was sind die besten Interpretationen?

Timo

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2

Sonntag, 31. Dezember 2017, 14:50

Ich finde den ersten Satz der Violinsonate g-Moll BWV 1001 ganz schön, z.B. mit Grumiaux:

m-mueller

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3

Sonntag, 31. Dezember 2017, 14:52

Ich fange mal mit einem Stück an, das ich schon als Jugendlicher phantastisch fand, und zwar das Adagio aus dem Oboenkonzert op. 9 Nr. 2 von Albinoni. Die Oboe schwebt wie eine leichte, weiße Wolke über dem irdischen Geschehen des Basso Continuo.

Es spielen Anthony Camden, Oboe, sowie die London Virtuosi unter John Georgiadis


m-mueller

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4

Sonntag, 31. Dezember 2017, 15:01

Hallo Timo,

vielen Dank für Deine Beteiligung.

Du meinst anscheinend dieses Stück:



Ich stimme Dir da völlig zu, es ist ein wunderschönes Adagio.

Anscheinend ist mir aber wohl doch nicht ganz gelungen darzustellen, was die Intentionen dieses Threads sein sollen: er soll sich besonders an Leute richten, die eben nicht so barockaffin sind wie wir. Ich habe meine Mutter mal in genau so ein Konzert geschleppt, und sie sagte hinterher, sie habe sich die ganze Zeit über gelangweilt - und dann dieses Kratzen auf der Violine...

Also bitte bei der Auswahl der Stücke überlegen, ob es auch für den normalen "plebs" in Frage kommt.

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5

Sonntag, 31. Dezember 2017, 15:12

Bach: Air aus der 3. Orchestersuite :D
Meine Favoriten wären aber eher der langsame Satz aus dem E-Dur-Violinkonzert oder z.B. der erste oder der dritte Satz aus der h-moll-Sonate für Violine und Cembalo


Händel: Sarabande aus Cembalosuite d-moll (Barry Lyndon, Levi's Werbung)


WoKa

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6

Sonntag, 31. Dezember 2017, 15:12

Hallo!

Vielleicht ist dieses Stück ja geeignet, Menschen für´s Barock zu gewinnen.

Eine der ersten Klassik CDs, die ich mir zugelegt habe, war diese:



Darauf enthalten das Oboenkonzert d-moll von Alessandro Marcello.

Ich liebe dieses Adagio, wenngleich ich jetzt nach gefühlt einigen Jahren erstmals diese CD wieder bewusst in den Player legen werde.



Gruß und Danke für diesen Thread
WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

Timo

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7

Sonntag, 31. Dezember 2017, 15:19

Hallo Timo,

vielen Dank für Deine Beteiligung.

Du meinst anscheinend dieses Stück:



Ich stimme Dir da völlig zu, es ist ein wunderschönes Adagio.

Anscheinend ist mir aber wohl doch nicht ganz gelungen darzustellen, was die Intentionen dieses Threads sein sollen: er soll sich besonders an Leute richten, die eben nicht so barockaffin sind wie wir. Ich habe meine Mutter mal in genau so ein Konzert geschleppt, und sie sagte hinterher, sie habe sich die ganze Zeit über gelangweilt - und dann dieses Kratzen auf der Violine...

Also bitte bei der Auswahl der Stücke überlegen, ob es auch für den normalen "plebs" in Frage kommt.
Ah, das war mir nicht bewusst. :)

Wenn Johannes von "erste oder der dritte Satz aus der h-moll-Sonate für Violine und Cembalo" redet, könnte man auch noch die c-Moll Sonate BWV 1017 erwähnen, dort auch der erste und dritte Satz. Mit Violine und Cembalo oder auch Violine und Klavier, z.B. mit Glenn Gould und Menuhin:

m-mueller

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8

Sonntag, 31. Dezember 2017, 15:19

Bach: Air aus der 3. Orchestersuite :D
Meine Favoriten wären aber eher der langsame Satz aus dem E-Dur-Violinkonzert oder z.B. der erste oder der dritte Satz aus der h-moll-Sonate für Violine und Cembalo


Händel: Sarabande aus Cembalosuite d-moll (Barry Lyndon, Levi's Werbung)




Die Sarabande trifft es exakt!

Air natürlich auch, aber ich stimme zu, wir müssen hier nicht noch mehr Eulen nach Athen tragen, wenn ich mal Deinen "Emoji" in diese Richtung interpretieren darf. Also Nicht-Albinonis Adagio und Pachelbels Canon seien auch ausgeschlossen.

m-mueller

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9

Sonntag, 31. Dezember 2017, 15:24

Hallo Woka,

schöne Aufnahme eines für diesen Thread sehr geeigneten Adagios.

m-mueller

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10

Sonntag, 31. Dezember 2017, 15:31

Hallo Timo,

vielen Dank für den Link auf das Video von BWV 1017. Obwohl Gould-Fan kannte ich es bisher noch nicht.

Timo

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11

Sonntag, 31. Dezember 2017, 15:40

Die CD (nicht mit Menuhin) ist übrigens hier:

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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12

Sonntag, 31. Dezember 2017, 16:05

"Siciliano"-Sätze im wiegenden 12/8 oder 6/8-Takt passen nicht nur zu Weihnachten (Hirten), sondern sind oft auch melodisch eingängig:

ein ziemlich un-HIPpes La Paix


Bach/Kempff/Kissin:



eigentlich Flötensonate (aber nicht dem Cover entsprechend, sondern un-HIP Rampal, die Flöte offensichtlich viel zu laut für das Cembalo...)


Timo

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13

Sonntag, 31. Dezember 2017, 16:24

Vielleicht noch die (Hirten-)Sinfonia G-Dur aus der zweiten Kantate des Weihnachtsoratoriums:

dr.pingel

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14

Sonntag, 31. Dezember 2017, 17:23

Die Parallele zur Hirtenmusik aus dem WO ist die "Pifa" aus dem Messias, für Streicher und 2 Fagotte. Das Wort Pifa leitet sich wohl von den "Pifferari" ab, was im Mittelalter die Bezeichnung der Stadtpfeifer war. Wir haben den Messias hier 2013 aufgeführt, mit einem großartigen Orchester aus Köln (Nel dolce). Bei der Pifa zeigte unser Kantor eine schöne Geste: dieses Stück hat er nicht dirigiert!
Was ist ein Mensch, der Waffen träget? Der Schwert und Harnisch angeleget? Ein Zeugnis der verderbten Welt (Oratorium von Telemann)!

Timo

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15

Dienstag, 2. Januar 2018, 05:28

Händel, Rinaldo: Die sehr berühmten Arien "Cara sposa" (Largo)

und "Lascia ch'io pianga" (Largo)


Vivaldi: "Cum dederit" aus "Nisi Dominus" http://www.tamino-klassikforum.at/index.php?page=Thread&threadID=20231


(auch z.B. mit Andreas Scholl statt Philippe Jaroussky)

WoKa

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16

Dienstag, 2. Januar 2018, 09:42

Hallo!

Zählt wohl noch zum späten Barock - der deutsche komponist Johann Ludwig Krebs, der 1713 in Weimar geboren wurde.

Hier seine Fantasie für Oboe und Klavier mit Vladimir Kurlin (Oboe), einem Mitglied des Leningrader Kammerorchesters. Begleitet wird er von Sergei Tsatsorin an der Orgel.



Gruß WoKa
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Victor Hugo

m-mueller

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17

Dienstag, 2. Januar 2018, 20:48

Hallo Timo, Woka,

alles schöne Stücke (die Krebs-Fantasie kannte ich auch noch nicht), aber bei Lascia würde ich doch statt Jaroussky eine andere Version bevorzugen, manches finde ich dort etwas dick aufgetragen.

Mein Favorit ist Julia Lezhneva, die eine dem Barock sehr angemessene eher vibratoarme Version singt:


Gerhard Wischniewski

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18

Dienstag, 2. Januar 2018, 22:04

Gerade jetzt zur Weihnachtszeit ist eines meiner Lieblingsstücke das gefühlvolle Pastorale (Largo) aus dem Concerto grosso per il Santissimo Natale von Francesco Manfredini.



Liebe Grüße
Gerhard
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

WoKa

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19

Dienstag, 9. Januar 2018, 22:23

Hallo!

Ein Stück aus dem französischen Hochbarock: Jacqueline du Pré spielt die Air aus "Les gouts réunis (13ième concert)".

Bitte folgenden Link anklicken:
Link

"Die Concerts Royaux ( Royal Concerts ) sind vier von François Couperin für den französischen Hof von Ludwig XIV zwischen 1714 und 1715 komponierte Suiten - daher der Zusatz "royal". Komponiert, während Kammermusikkonzerte in Mode waren, sollen sie mehr als nur tanzen hören. Sie wurden 1722 ohne Angabe von Instrumenten veröffentlicht; Daher kann das gleiche Stück für Solo gespielt werden harpsichord oder von einem Ensemble mit einem Bass - Instrumente, eine Violine, eine Viole und einer Oboe oder einer Flöte . (Diese Instrumentationsfreiheit findet sich auch in bestimmten Werken von Marin Marais undGaspard Le Roux ). Diese Sammlung wurde 1724 um eine Reihe von "Nouveaux Concerts" mit dem Untertitel " Goûts réunis" ergänzt, die "wiedervereinigten Geschmäcker" französischer und italienischer Stile." (Wikipedia)

Gruß WoKa
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Victor Hugo

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20

Freitag, 19. Januar 2018, 22:32

Eines meiner absoluten Lieblingsstücke: Bach-Siloti: Präludium h-moll BWV 855a

Hier in der Kurzversion von Alexis Weissenberg:


isi014

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21

Dienstag, 23. Januar 2018, 09:16

Für mich eines der bekanntesten und schönsten barocken Liebeslieder.


Zuerst von Philippe Jaroussky.



Zum Vergleich Benjamino Gigli, der das Werk noch langsamer vorträgt, wenn er auch für meinen Geschmack ein bisschen zu viel Glissando singt. - Das vermittelte Gefühl ist trotzdem ein Wahnsinn für mich.


LG
isi
Die Menschen muss man nehmen, wie sie sind, nicht wie sie sein sollten.
Franz Schubert

m-mueller

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22

Freitag, 2. Februar 2018, 20:11

sehr schön und gefühlvoll gespielt:

, BWV 999

Timo

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23

Samstag, 3. Februar 2018, 09:20

Die Originaltonart vom Präludium BWV 999 ist ja c-Moll. Transponiert ist es aber leichter zu spielen. Es erinnert mit seinen gebrochenen Akkorden etwas an das Präludium C-Dur aus dem Wohltemperierten Klavier Buch 1.

Ich finde diesen Thread sehr interessant. Spricht etwas dagegen, analoge Threads auch für andere Epochen aufzumachen?

m-mueller

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Sonntag, 4. Februar 2018, 20:11

Hallo Timo,

dagegen spricht sicherlich gar nichts, und ich hätte auch schon ein paar Ideen für Beiträge.

Hier aber erstmal ein sehr schöner Mittelsatz aus einem von Bach (BWV 972) transponierten Konzert von Vivaldi (RV 230).


m-mueller

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Donnerstag, 15. Februar 2018, 14:07

Händel, Basso ostinato (eigentlich der 2. Satz aus dem Orgelkonzert op.7, Nr. 5, g-moll) in einer bemerkenswert gut registrierten Aufführung aus der Martinikerk, Bolsward, in den Niederlanden. Es spielt André van Vliet.




Hier derselbe Organist mit demselben Stück auf einer Art besserer Heimorgel - und schon ist ein guter Teil des Zaubers verschwunden.


m-mueller

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26

Freitag, 16. Februar 2018, 21:32

Jacqueline du Pré spielt Händel: Sonate g-moll, HWV 287


Fiesco

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27

Sonntag, 18. Februar 2018, 17:36

Taci, o di morte Arie des Medo aus der Oper Il Medo von Leonardo Vinci

Hier leider nur die Hälfte ....klick mit Filippo Mineccia, Countertenor

Und hier ganz ....klick mit David Hansen, Countertenor

Das ist überirdisch schön!

LG Fiesco
Il divino Claudio
"Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

Fiesco

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28

Mittwoch, 28. Februar 2018, 12:37

Das wohl schönste Duett von Händel *As steals the morn* aus "L'ALLEGRO, IL PENSEROSO, ED IL MODERATO"

Duett Sopran/Tenor
Mark Padmore/Lucy Crowe
The English Concert / Andrew Manze

Wie der Morgen sich an die Nacht heranstiehlt
und die Schatten dahinschmelzen lässt,
so löst Wahrheit die verführerische Einbildung auf,
und der erwachende Verstand verscheucht
den Rauch, der den Sinn vernebelte,
indem er die Vernunft wieder ans Tageslicht bringt.


LG Fiesco
Il divino Claudio
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29

Donnerstag, 8. März 2018, 01:06

Hallo Fiesco,

ausgezeichnete Version von As steals the morn!

m-mueller

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30

Donnerstag, 8. März 2018, 01:17

Hier ein Stück, das ich auch bei "Gitarre, mon amour" eingestellt habe. Chaconne g-moll von Silvius Leopold Weiss, Zeitgenosse Bachs und der größte Lautenist seiner Zeit.