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Alfred_Schmidt

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Montag, 4. Januar 2016, 03:44

Nr. 30: Sergej LYAPUNOV, Klavierkonzert Nr 1 op. 4

Im Rahmen meiner Aufarbeitung bisher ungehörter CDs meiner Sammlung bin ich bei der abgebildeten CD der Hyperion Serie "The Romantic Piano Concerto" Vol 30 angekommen. Das unter anderem darauf enthaltene Klavierkonzert Nr 1 op.4 habe ich nunmehr zweimal in Folge gehört.
Über Lyapunows Klavierkonzert Nr 1 in es-moll wurde bereits in diesem Thread von unserem Mitglied Teleton geschrieben.
siehe Beitrag Nr 4
Prinzipiell pflichte ich meinem Vorschreiber bei, daß dieses Konzert nicht auf knallige Effekte setzt, allerdings bewerte ich es anders.Was der eine als "zu brav" findet, ist für den anderen (mich) "ausgewogen". Das kann meiner Meinung nach dem gesamten Konzert bestätigt werden. Gemäßigte Brillianz wechselt mit lyrischen Episoden, auch Liebhaber perlenden Klavierspiels könnten auf ihrer Kosten kommen. Die "große Pranke" und aufgesetzte Virtuosität fehlt indes erstaunlicherweise.
Dennoch merkt man dem Konzert an, daß Lyapunow selbst ein ausgezeichneter Pianist war. Sein Klavierkonzert Nr 1 op 4 widmete Lyapunow seinem einstigen Lehrer Mili Balakirew, der hier auch bei der Komposition ein wenig mitgemischt hat. Das Werk wurde mit dem Glinka Preis ausgezeichnet.

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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JLang

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62

Samstag, 30. Januar 2016, 14:20

The Romantic Piano Concerto 21: A. Dreyschock: Klavierkonzert d-moll op. 137

In meinem letzten Beitrag in diesem thread hatte ich versprochen, auf Dreyschock zurückzukommen und dort bereits leise Zweifel an diesem Werk geäußert. Die Zweifel sind insofern zu relativieren, als dass ich beim ersten mal von Kullack wahrhaft gefesselt war und Dreyschock mit dagegen "nur" gut unterhalten hatte. Aber nun erst einmal die technischen Daten.

Alexander Dreyschock, Klavierkonzert d-moll op. 137
Piers Lane; BBC Symphony Orchestra unter Niklas Willén


Alexander Dreyschock war - wie einige seiner Zeitgenossen - vor allem für seine stupende Virtuosität bekannt, wobei vor allem seine linke Hand muss er bis an die Grenzen austrainiert haben, so dass zu ihm der Spruch überliefert ist "sie haben keine linke Hand, sie haben zwei rechte Hände" (von Johann Baptist Cramer). Neben Liszt und Thalberg gehörte er vermutlich zu den bekanntesten Virtuosen des 19. Jhs. Diese Virtuosität führte aber nicht zuletzt durch den kritischen R. Schumann zu großer Ablehnung. Hört man das Klavierkonzert, so würde ich mir diese Kritik nicht zu eigen machen, verstehe aber schon, warum sie geäußert wurde. Es ist im ersten und dritten Satz ein musikalisches Feuerwerk allererster Güte, das mir beim Hören selbst viel Freude bereitet, das aber nach dem Hören wenig Bleibendes besitzt (bei Kullack habe ich das ganz anders empfunden und vermutlich aus diesem starken Kontrast resultiert.
Das Allegro ma non troppo beginnt mit gravitätischem Orchestereinsatz, auf den dann das Klavier nach Akkordschlägen mit einem hochvirtuosen Part beginnt, der aber schnell von einem ruhigen Fluß des Spiels abgelöst wird, das anschließend in ein stetes Perlen von Tonfolgen in Form schneller Läufe und Akkordsprünge übergeht. Das ist mir manchmal einfach zu viel des Guten, weil sich mir das inhaltliche Ziel dieser nervösen Vorwärtsbewegung, die gegen Ende das Satzes auch parallel zur wieder schwerer werdenden Orchesterbegleitung nicht aufhört und sich mir nicht unmittelbar erschließt. Gestoppt wird das fortwährende Perlen der Töne erst im zweiten Satz, dem Andante con moto, das ein in sich ruhender, romantischer geradezu schwelgender Mittelsatz par excellence ist. Über einem klangschönen Streicherteppich breitet sich eine erst zaghafte, sanfte Melodilinie aus, die anschließend in die Mittellagen zurückgeführt wird, aber immer in den Diskant ausgreift. Dreyschock verwendet hier ganz schlichte Tonfolgen und nimmt kaum dynamische Abstufungen vor. Gerade in der Schlichtheit lädt der Satz zum "sich versenken" ein. Hier ist es meiner Hörempfindung nach vor allem dem beseelten Anschlag von Piers Lane zu verdanken, dass er nicht zu vordergründig-süßlich gerät.
Abgeschlossen wird das Konzert in einem Allegro vivace. Eingeleitet von Fanfaren beginnt der Klavierpart von Beginn an mit unablässigen Läufen, die nur von den Einlassungen der tutti unterbrochen werden. Für mich "retten" die klangschönen Passagen, die erneut von großer Schlichtheit sin diesen Satz, weil er sie ihm Struktur geben. Der Rest ist eine unablässige Aneinanderreihung brillanter Einfälle, die für sich genommen Spaß bereiten, aber in der Kombination dann doch etwas angestrengt wirken. Man hat das Gefühl, hier sollte jede Idee untergebracht werden.
Alles in allem ist es nach einem Empfinden ein Klavierkonzert, das je nach Stimmung Freude bereitet, aber gegenüber anderen dieser Serie doch etwas zurücksteht. Hyperion hat es geschafft, mit Piers Lane einen Pianisten zu verpflichten, der sich von der Speilfreude dieser Werke anstecken lässt, die nicht nur im informativen booklet, sondern im Klavierspiel hörbar zum Ausdruck kommt. Wegen Dreyschock würde ich die Einspielung dennoch nicht unbedingt erwerben. Aber das Kullack-Klavierkonzert ist für mich ein Gewinn. Außerdem ist es Hyperion hoch anzurechnen, auf dieser CD zwei bis dahin nicht eingespielte Werke vorgelegt und damit erneut das Repertoire verbreitert zu haben. Denn es ist ja auch nicht uninteressant, die Klavierkonzerte, die sich heute im Konzert "durchgesetzt haben" einmal im Kontext ihrer Entstehungszeit zu hören und festzustellen, dass möglicherweise das ein oder nicht gespielte Werke auch seine Berechtigung im heutigen Konzertsaal besäße. Denn auch Grieg bietet ja vor allem eine Fülle an Ideen und brillanten Einfällen, die einem an manchen Tagen etwas zu viel werden kann.

Beste Grüße zum Wochenende
JLang
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(R. Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln)

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63

Donnerstag, 26. Mai 2016, 22:08

Nr. 1: Ignacy Jan PADEREWSKI: Klavierkonzert in a-moll op. 17

Ignacy Jan Paderewsky (1860-1941) war 39 Jahre alt, als er sein Klavierkonzert komponierte. Seine Ausbildung als Pianist hatte er bei Theodor Leschetitzky in Wien absolviert, er unbestrittenen Kapazität unter den Klavierpädagogen jener Tage. Zuvor hatte er bei Friedrich Kiel in Berlin Komposition studiert. 1888 gelang ihm in Wien der Durchbruch als Pianist uns ebeso veröffentlichte er sein Klavierkonzert in diesem Jahr. Er war sich seiner Wirkung nicht sicher und bat Camille Saint Saens um seine Meinung, bezüglich Änderungsvorschlägen und verbesserungen. Saint, Saens - obwohl in Zeitdruck liess sich das Konzert vorspielen und befand es dann für absolut perfekt, Änderungen seien keine notwendig. Das Andante gefiel ihm sogar derart gut. daß er bat, es ein zweites Mal zu spielen. Das Konzert wurde, wie vorausgesagt, ein voller Erfolg
Zum subjektiven Hörerlebnis: Das Konzert begint knallig, lässt aber schon nach wenigen Takten erkennen, daß es sich auch schmeichelweich präsentieren kann, Beim Ensatz des Klaviers erinnerte ich mich daran, daß dem Komponisten ein weicher Anschlag nachgesagt wurde, für den er berühmt war. Das Konzert verfügt über alles Was ein solches Konzert braucht: Brillianz und Kraft, schmeichelnde Passagen, tiefgehende introvertierte Stellen, denn wieder solche mit Attacke, ja sogar Pauken werden an eine Stelle ingesetzt. Das alles wohl ausgewogen und dosiert - immer den Gesamteffekt im Auge.
Schade, daß es von Paderewski lediglich dieses eine Klavieronzert gibt, aber er engagierte sich politisch und setzte sich für ein souveränes Polen ein und wurde dort 1919 schliesslich Aussenminister und Ministerrpräsident......

mfg aus Wien
Alfred

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Alfred_Schmidt

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64

Samstag, 28. Mai 2016, 16:36

Nr. 2: Nicolai MEDTNER: Klavierkonzert Nr 3 in e-moll op 60

Sucht man in den beiden heute als "führend" bezeichneten Konzertführern in deutscher Sprache nach dem Namen Nicolai Medtner (1880-1951) , so wird man dies vergeblich tun. Warum dies so ist, dazu möchte ich mich nicht äussern - jedenfalls ist es eine Schande. Es wird einem aber klar welches Verdienst der hyperion Serie "The romantic Piano Concerto" zukommt, welche Pioniertat es war, als sie um etwa 1990 gegründet wurde. Ich habe soeben Medtner Klavierkonzert Nr 3 gehört, und sollte ich es mit einem Wort beschreiben,so wäre dieses "Phänomenal" Schon der Beginn des ersten Satzes mit sofortigem Einsatz des Soloinstrumients ist forsch und beeindruckend, kraftvoll aber nicht bombastisch, drängend , aber nicht überhetzt. stets musikalisch, natürlich. Bald folgt eine lyrische Passage, wie man sie sich klangschöner kaum vorstellen mag. Medtner lääst sein Konzert auch gelegentlich mit den Muskeln spielen, zeigt aber dann neben der Pianistenpranke auch Samptpfoten oder erfreut und mit perlenden Passagen. Keine Modernismen oder atonalen Stellen trüben das Bild dieses konsequent spätromantischen Konzertes, das indes alles andere als langweilig oder belanglos wirkt. Natürlich trägt auch der brilliant-einfühlsame Vortrag von Nikolai Demidenko zu einer beeindruckenden Aufnahme bei. Die Vergleichsaufnahme mit Konstantin Scherbakov kenne ich allerding (noch) nicht.
Der zweite Satz klingt vor allem zu Beginn, als wäre er von einem frühromantischen Komponisten geschrieben, allerdings wird dieser Eindruck dann durch einige Eigenwilligkeiten bewusst zerstört, in Folge wechseln stille Passagen mit lebhafteren. der Start des 3. Satztes voll fröhlichkeit und Tempo schäumt geradezu über vor Lebenslust. Auch wenn aus dem Finalsatz von Beethovens 9. in der Tat nichts zitiert wird, so höre ich stellenweise eine stimmungmäßige Verwandtschaft zu "Freude schöner Götterfunken"......
Efektvoll endet das Konzert.
Es wurde übrigens Sergej Rachmaninov gewidmet...

mfg aus Wien
Alfred

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Sonntag, 29. Mai 2016, 19:07

Nr. 3: Felix MENDELSSOHN-BARTHOLDY: Konzert für 2 Klaviere und Orchester in As-dur

Felix Mendelssohn-Bartholdy galt einst – ähnlich wie Mozart – als Wunderkind. Bereits mit neun Jahren trat er öffentlich als Musiker auf, und zwar am 24. Oktober 1818 als Pianist in einem Klaviertrio von Joseph Wölfl. Ab 1820 begann er regelmäßig zu komponieren, und zwar mit beeindruckender Geschwindigkeit. Sein erstes erhaltenes Werk, ein Violinkonzert, stammt aus dem Jahre 1822.
Das unter anderem auf dieser Hyperion CD der Serie „The Romantic Piano Concerto“ Folge 3 enthalten Konzert für 2 Klaviere und Orchester in As-Dur entstand am 12. November 1824.
Wie immer bei Jugendwerken fanden sich Kritiker ein, die dem Konzert (und seinem ebenfalls auf der CD befindlichen Gegenstück in E- dur) Mangel an thematischer Substanz vorwarfen (Das 2. Konzert wird zu einem anderen Zeitpunkt vorgestellt) Das Konzert war längst von den Spielplänen gestrichen, und erst 1950 in der Berliner Staatsbibliothek wiedergefunden worden. Es handelt sich hier um ein sehr helles freundliches Werk ohne düstere Passagen in der Nachfolge der leichteren Mozart-Klavierkonzerte mit Anklängen an Weber und Hummel und natürlich schon einer gehörigen Portion an Eigenprofil. Ein sehr lebensfrohes quirlendes und strahlendes Konzert, das gute Laune schafft und eigentlich bekannter sein sollte als es gegenwärtig zu sein scheint….

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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66

Montag, 30. Mai 2016, 23:26

Nr. 5a: Nikolai RIMSKY-KORSAKOV: Klavierkonzert in cis-moll op 30

Das Klavierkonzert in cis-moll op 30 von Nikolai Rimsky-Korsakov (1844-1908) entstand in den Jahren 1882/83. Die Uraufführung fand im März 1884 an Mili Balakirevs Freischule in St. Petersburg statt. Das Thema dieses Konzert entstammt der Volksmusiksammlung von Mili Balakirev . Es wird sofort nach den ersten Takten vom Fagott vorgestellt, bevor noch ein Ton des Klaviers ertönt, etwas später von der Klarinette wiederholt. Später zieht sich dieses Thema durch das gesamte Werk. Beeindruckend und überraschend auch die Fanfaren zu begin des dritten Satzes.
Das Konzert ist Franz Liszt gewidmet, dessen Einfluß auf diese Komposition Rimsky Korsakov explizit betont, der aber doch nicht so stark ausgeprägt ist, wie der Komponist behauptet. Stolz vermerkt er, daß es "doch recht gut geklungen hat" und daß Balakirev erstaunt war, daß ein "Nichtpianist" (Rimski spielte eher mittelmäßig Klavier) solch ein virtuoses Klaviergerechtes Konzert schreiben konnte. Ich selbst würde es als eher lyrisch - allerdings mit virtuosen Einschüben - bezeichnen. Rimsky-Korsakov hat untertrieben , wenn er fand, es klänge recht gut - mir gefiel es ausgezeichnet.

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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Montag, 30. Mai 2016, 23:51

RE: Balakiriew und Rimsky-Korsakow

:angel: Diese Hyperion - CD (Beitrag 66) ist wirklich eine der ganz herausragenden aus der umfangreichen Serie. Tolle CD !

In diesem Thread taucht sie bis jetzt zum 3. mal auf (Beitrag 3 und 19). Die Aufnahmen dieser drei russischen Konzerte mit dem recht unbekannten Pianisten Malsolm Bins sind besser, als die jeweiligen russischen Vergleichsaufnahmen und klanglich ohnehin unübertroffen. Auch David Lloyd-Jones erreicht auch orchestral mit seiner English Northern PH das gewünschte und passende russische Flair auf den Punkt.
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Alfred_Schmidt

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Mittwoch, 1. Juni 2016, 23:42

Nr 4: Anton ARENSKY: Klavierkonzert in f moll op 2

Ein sehr eingängiges Konzert, dessen Autor scheinbar diverse Anleihen bei Chopin, Tschaikowski, Schumann und Mendelssohn nimmt – aber lesen wir diese Behauptung nicht beinahe bei jedem eher unbekannten Komponisten von Klavierkonzerten jener Zeit ? Das Klavierkonzert – es ist dreisätzig - wurde 1883 erstmals aufgeführt und war damals ein großer Erfolg, Gewidmet ist es dem Cellisten Carl Davidoff (1838-1889) Es enthält nichts Revolutionäres oder Innovatives ist aber angenehm zu hören, und kam deshalb beim zeitgenössischen Publikum gut an. Heute, da ein Komponist üblicherweise danach beurteilt wird, was er in der Musik „weitergebracht“ hat, ist das Interesse an diesem Klavierkonzert eher gering, da die Zielgruppe nicht vorhanden ist und Arensky gerne in die Nähe der „Salonmusik“ gestellt wird. Wie nicht anders zu erwarten scheint daher der Name Anton Arensky in den üblichen deutschsprachigen Konzertführern nicht auf.....

mfg aus Wien
Alfred

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Donnerstag, 2. Juni 2016, 00:06

Lieber Alfred,

für Deine unermüdlichen Vorstellungen wollte ich nochmal sehr danken.
Sie erinnern mich daran, dass noch ein kleiner Stapel der Serie bei mir liegt und gehört werden will. Dann ende ich auch hoffentlich Zeit, etwas ausführlicher dazu zu schreiben (momentan ist meine Zeit leider wieder extrem knapp bemessen).

Herzliche Grüße
JLang
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Freitag, 7. Oktober 2016, 19:54

Nr 61a - Theodor DÖHLER (1814-1856) Klavierkonzert in A-dur op 7



Das Hören der Aufnahme hat mir besondere Freude bereitet, das Lesen der biographischen Notizen und Kritiken über den Komponisten ebenfalls.
Döhler wurde 1814 in Neapel geboren, weil sein deutscher Vater dort einen Posten als Regimentskapellmeister bekleidete. Er hatte vorerst Julius Benedict (1804-1889) als musikalischen Lehrer. Mit 13 Jahren trat er bereit öffentlich als Pianist auf. Als der Vater nach Lucca übersiedelte folgt ihm der Sohn. Später ging Döhler nach Wien, wo er Unterricht bei Carl Czerny (Klavier)und Simon Sechter (Komposition) erhielt. Danach, 1832 Auftritte im Wiener Musikverein (das heutige Musikvereinsgebäude gab es damals allerdings nicht)
Ernennung zum Kammervirtuosen in Parma, zahlreiche konzertreisen durch Europa. 1846 erhielt er in Lucca den Titel eines Barons .
Irgendwie scheint er viele Feinde gehabt zu haben, die ihm den Erfolg nicht gönnten. Robert Schumann bekräftigte schriftlich seine Abneigung gegen diesen Komponisten (er bezog sich auf das Werk) dessen Kompositionen nicht wirklich künstlerisch wertvoll seien.
Ähnliches schrieb Heinrich Heine über sein Klavierspiel:
„Der Letzte unter den Pianisten zweiten Ranges, oder erster unter den Pianisten dritten Ranges.“
Zeitgenössische Musiklexika bezeichneten seine Werke als gefällig und seicht, ihn selbst als Salonkomponisten
„seine Fantasien, Variationen und Transkriptionen sind wahlweise herausgeputzt mit „billigerStickerei“ und sentimentalem Zuckerwassrer…….seine Werke, wenn man sie denn so nennen kann, reichen bis zu einem op 75…….

Am Vorwurf von „mangelndem Tiefgang“ mag ein Körnchen Wahrheit enthalten sein, Döhler muß so etwas wie ein Paganini auf dem Klavier gewesen sein. Dem widersprechen zeitgenössische Kritiker, die sein Spiel als von vornehmer Blässe gezeichnet bezeichneten. Ein Widerspruch nach dem anderen- generell allzu viele Widersprüche für meinen Geschmack

Das Klavierkonzert op 7 strotz nämlicht von Schwierigkeiten für den Pianisten und es ist sehr eingängig, um nicht zu sagen gefällig. Das zeitgenössische Publikum dürfte hingerissen gewesen sein. Ich gestehe, mir gefiel es auch: Hell durchsichtig, eigenwillig, galoppierend, perlend, eingängig, effektvoll. Das wären in aller Kürze die Attribute, welche ich diesem Konzert zuspräche. Es wurde 1836 komponiert, da war Döhler 22 Jahre alt.

mfg aus Wien
Alfred

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Mittwoch, 19. Oktober 2016, 00:14

Nr 59a - Wladyslaw ZELENSKI (1837-1921) -Klavierkonzert in Es-dur

Das hier zu Gehör gebrachte Klavierkonzert in Es-Dur op 60 ist das einzige, das er je geschrieben hat. Es entstand 1903 ind ist ignacy Friedmann gewidmet (1882-1948) Der etwas zurückhaltenden Beginn des Konzerts trügt. Jede Menge Schwierigkeiten hält der Komponist für den Pianisten bereit. es gibt sehr publikumswirksame Passagen. die so ziemlich alles abdecken was ein Hörer um die Jahrhundertwende 1900 von einem Konzert dieser Art erwarten durfte, heute wird man sie eventuell als ein wenig zu plakativ oder zu dramatisch beurteilen. Persönlich bin ich indes immer wieder verwundert und begeistert zugleich, wie viele relativ unbekannte, doch hochinteresssante Klavierkonzerte in dieser Serie "The Romantic Piano Concerto" bereits veröffentlicht wurden, wobei die Qualität auf hohem Level stets annnähernd konstant blieb.....

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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Freitag, 18. November 2016, 20:06

Nr 69a - Alfred HILL (1869-1960= Klavierkonzert in A-dur (1941)

Das Klavierkonzert in A-dur ist viersätzig und besteht aus folgenden – mit Namen versehenen Teilen:

1) The Question – Adagio –Allegro moderato
2) Intermezzo (Fancies) –Presto
3) Nocturne (Hommage to Chopin) Adagio con moto
4) Finale (Contrasts) Allegro

Ausnahmsweise habe ich die allerneueste Folge (Vol 69) der Serie „The Romantic Piano Concerto“ gleich nach ihrem Erscheinen abgehört (wobei mir noch viele ältere Folgen fehlen, die bei mir im Archiv ihrer Entdeckung harren). Der Grund hierfür waren einige eher negative Kritiken bei Online-Shops in Form von niedriger Punktevergabe, die auf uns im Forum den Eindruck von böswilliger Manipulation von Seiten eines oder mehrerer User hinterließen (was natürlich nur eine Hypothese ist)
Ich habe fürs erste mal das Klavierkonzert des australischen Komponisten Alfred Hill (1869-1960) unter die Lupe genommen. Hill ist den meisten Mitgliedern und Mitlesern vermutlich schon durch seine Streichquartette bekannt, welche bei Naxos komplett als Serie erschienen und durchwegs auf positive Resonanz stiessen.
Hill ist natürlich kein Neuerer, kein Vertreter der Avantgarde, sondern er schreibt sehr melodiös, die Tradition fortführend, vileeich ein wenig rückwärtsgewandt, nostalgisch, was IMO durchaus Charme hat.
Sein 1941 datiertes Klavierkonzert beruht eigentlich auf einer durch den Komponisten selbst vorgenommenen Umarbeitung und Orchestrierung seiner Klaviersonate in A-dur, deren Entstehung auf vor 1920 geschätzt wird.


Generell kann gesagt werden, daß es sich bei diesem Konzert ein eher delikates, als auftrumpfendes Stück handelt. Vornehme Zurückhaltung ist angesagt, was nicht gleichbedeutend mit Langeweile zu sehen ist. Vielmehr werden die Soloparts sehr durchsichtig und perlend angelegt, ein Hauch von Melancholie ist gelegentlich zu verspüren, aber auch einer von Harmonie. Persönlich höre ich Anklänge an Chopin nicht nur im 3. Satz. Diese sind ehr Ausdruck einer geschmacklichen Grundhaltung, als epigonale Tendenzen. Das Konzert endet allerdings so, dass man den Eindruck gewinnen könnte, man habe hier ein wuchtiges Virtuosenkonzert gehört, was allersdings eher eine (vom Komponisten gewollte ?) „misdirection“ sein dürfte. Für dieses Konzert steht eher Klangschönheit, eleganz und Harmonie als oberflächliche plakative Brillianz.
Das Soloklavier wurde von der Tontechnik superb aufgezeichnet.
Die dem Konzert zugrundeliegende Klaviersonate in A-dur ist ebenfalls auf dieser Edition enthalten…..

Ein kurzer Bericht über das ebenfalls auf dieser CD enthaltene Klavierkonzert von George Frederick Boyle folgt zu gegebener Zeit in diesem Thread.....

mfg aus Wien
Alfred

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Freitag, 3. März 2017, 13:49

Diesen Monat sind die Mädels dran:


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Sonntag, 26. März 2017, 14:45

Nr 3b - Felix MENDELSSOHN: Konzert für 2 Klaviere in E-dur (1823)

Ich versuche nun allmählich vor allem die ersten Ausgaben der Serie zu hören und hier kurz vorzustellen, wobei ich nicht etwa die gesamte CD sondern - je nach Gelegenheit, Lust und Laune - einzelne Konzerte herauspicke. Irgendwann wird dieses Wirrwarr dann so unübersichtlich, daß ein Indes erstellte werden muss, WO denn jedes einzelne Konzert in diesem Thread zu finden sei. (Davor fürchte ich mich schon heute)

Unser heutiger Kandidat ist Mendelssohns Konzert für 2 Klaviere in E-dur. Es war am 17. Oktober 1823 fertiggestellt, ist also mehr als ein Jahr älter, als das bereits in diesem Thread vorgestellte Konzert in As.Dur (ebenfalls für 2 Klaviere). Prinzipiell gilt das dort gesagte auch hier: Perlendes leichtes, heiteres Klavierspiel mit abwechselnd in sich ruhenden Passagen, die aber niemals düster oder melancholisch, sondern von einer heiteren Grundstimmung getragen sind. Mozart schimmert an einigen Stellen allenfalls durch ist aber nicht das Vorbild Mendelssohns, das offensichtlich eher bei Weber und Hummel zu suchen - und auf diese Weise indirekt doch wieder Mozart verpflichtet ist. Dieses und das Schwestenkonzert - so konnte ich es dem Booklet der CD entnehmen - waren völlig vergessen und tauchten erst 1950 in irgendwelchen Archiven wieder auf. Glücklicherweise - muß man sagen

mit freundlichen Grüßen aus Wien

ALfred

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Mittwoch, 29. März 2017, 21:55

Nr 4c - Sergeij BORTKIEWICZ : Klavierkonzert Nr 1 op 16

Dieses Konzert ist ein Wolf im Schafspelz. Der erste Satz, also jener der von Anbeginn den Eindruck prägt, beginnt ein wenig nichtssagend, fast könnte man sagen gelangweilt, gewinnt aber relativ schnell an Fahrt, soll heißen, gewinnt an Kraft, Fülle, Bestimmtheit und - wenn man so will - plakativer Wirkung. Das ist ja auch an der Satzbezeichnung (Lento.Allegro deciso) gut abzulesen.
Es handelt sich hier um ein typisches Virtuosenkonzert, und Virtuosenkonzerte waren typischerweise nie wirklich durch „musikalischen Tiefgang“ charakterisiert. Darauf muß natürlich jeder Verfasser eines Booklettextes explizit hinweisen. Hier wird das Beispiel zur Filmmusik strapaziert, welche hier Pate stand, quasi Filmmusik ohne Film.
Mag sein – auch nicht schlecht. Immerhin war das Konzert bei seiner Uraufführung ein großer Erfolg. Diese Aufnahme des Konzerts war übrigens laut Booklet die erste, die ungekürzt ist, eine ältere Einspielung ist bereit aus den Katalogen verschwunden. Der Autor des Hyperion Booklets billigte dem Komponisten immerhin eine üppige Orchestrierung und eine berauschend bravouröse Stimmführung zu. Dem würde ich vollinhaltlich beipflichten. Vor allem der Finalsatz ist ein Hammer. Auch wenn solch eine Beschreibung in einem seriösen Aufsatz über klassische Musik nichts verloren hat - es trifft den Nagel auf den Kopf!!
Ein sehr effektvolles Werk, das kontemplative, leuchtend farbige und gelegentlich auch bombastische Züge aufweist – und das IMO alles in idealer Balance. Das seiner Frau gewidmete Konzert wurde 1912 erstmals aufgeführt und begeistert angenommen.

Mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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Sonntag, 2. April 2017, 15:30

Gestern ist mir gewissermsßen ein "Kunstfehler" passiert, als ich ein weiteres Konzert in diesen Thread einfügen wollte. Er ist ja sehr unübersichtlich, weil die Beiträge zu den Konzerten ungeordnet erscheinen, etwas, das sich nicht vermeiden lässt wenn mehrere Nutzer schreiben und dazu noch jedes Konzert EINZELN besprochen wird. An einem Verzeichnis arbeite ich derzeit, es ist aber derart kompliziert in der Erstellung, daß ich vermutlich die Fertigstellung nicht erleben werde, dennoch hoffe ich bis Jahresende einen erstern Abschnitt vorlegen zu können.
Ich habe also das Klavierkonzert von Rimsky Korsakoff gehört und ein grobes Konzept für meinen geplanten Beitrag im Kopf erstellt.
Im letzten Moment, entdeckte ich dann Beitrag 66, wo ich das Konzert schon kurz vorgestellt hatte. Vergebne Liebesmüh also. Schade.
Nein nicht ganz. Das Hören des Konzertes hat mich gestern mehr beeindruckt als vor einem knappen Jahr, ja regelrecht begeistert ob seiner Vielfalt und Originalität (zumindest habe ich das gestern so empfunden) Schon mein erster Eindruch im Jahre 2016 war sehr positiv, gestern war ich so etwas wie begeistert (wenn ich dieser Eigenschaft überhaupt fähig bin). denn Rimsky Korsakoff bringt eine ganze Menge an überraschenden Wendungen in diesem lediglich knappe 15 Minuten dauernden Konzert unter und findet - wie ich meine eine eigene Tonsprache, die ihn von den Virtuosenkonzerten seiner Zeit heraushebt. Da mir das beim ersten Mal Hören nicht aufgefallen ist, bitte ich dieses Statement mit Vorsicht zu geniessen und sich selbst ein Bild zu machen.

mfg aus Wien
Alfred

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Sonntag, 2. April 2017, 23:36

Ernö DOHNÁNYI Klavierkonzert Nr 2 in h-moll op 42

Erst rund 50 Jahre nach seinem ersten Klavierkonzert (siehe Beitrag Nr 21),nämlich 1946/47 schreibt Dohnányi sein zweites, das wenig Änderung im Stil des Komponisten erkennen lässt – von Avantgarde oder Moderne keine Spur. Das Konzert bedient sich weitgehend der Sprache der Spätromantik. WIKIPEDIA und der Autor des Booklets sind sich nicht einig darüber ob der Komponist Anklänge an ungarische, bzw. pseudoungarische Musik einfließen lässt oder nicht. Ich selbst kann das leider nicht beurteilen.
Das Konzert beginnt mit einer sehr forschen Orchestereinleitung, der sich fast augenblicklich das Soloinstrument anschließt. In seiner Unmittelbarkeit des Beginns fühlte ich mich flüchtig an Tschaikowskys Klavierkonzert Nr 1 erinnert..
Hatte ich im meiner Einleitung behauptet, es gäbe hier nichts neues, so entspricht das nicht ganz der Realität, Dohnányi ist zwar erzkonservativ, dennoch entwickelt er so etwas wie eine eigene Sprache, die eigentlich nicht zuordenbar ist, wo man bei genauem Hinhören doch eine gewisse, wenn auch sehr subtile Veränderung gegenüber der Vergangenheit erkennen kann- so man sie sucht.
Das Konzert ist durchaus effektvoll und in den Ecksätzen überaus extrovertiert, aber auch im Mittelteil hörenswert, Man könnte sich die Frage stellen warum es nicht mehr beachtet wird, aber die Antwort ist schon in der Tatsache gegeben, dass Klavierkonzerte des 19. und frühen 20 Jahrhunderts – von Ausnahmen abgesehen - generell ein Nischendasein führen – bis auf Widerruf….Das Konzert ist zwar viel später entstanden, greift aber weitgehend den alten Stil auf…
Wie bei der Hyperion Serie "The romantic Piano Concerto" nicht anders zu erwarten ist die Aufnahme interpretatorisch und tontechnisch vom Feinsten.

Mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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Samstag, 19. August 2017, 23:39

Nr 71a - Cipriani POTTER: Klavierkonzert Nr 2 (1832)

Endlich hat man sich Cipriani Potters (1792-1871) wieder entsonnen und gibt nach langer Pause wieder Aufnahmen seiner Werke heraus. Es gab schon vor vielen Jahren einige Aufnahmen seiner Sinfonien (für Unicorn- Kanchana) Aber die sind seit Jahren gestrichen. Noch 2005 war nicht mal der Name Potters im Internet zu finden, obwohl er bei Attwood und Wölfl in London , und später (auf Anraten Beethovens) zwischen 1817 und 1819 beim berühmten Pädagogen und Kontapunktspezialisten Aloys Förster (1748-1823) in Wien studiert hat. Beethoven hielt Potter für äusserst talentiert und gab ihm Ratschläge für seine Kompositionen. Das oder die Zusammentreffen mit Beethoven hat großen Eindruck bei Potter hinterlassen, sodaß er ein Buch mit dem Titel "Erinnerungen an Beethoven" verfasst hat.Kommen wir aber nunn zum Klavierkonzert Nr 2, welches ich heute gehört habe. Es wurde am 17 Dezember 1932 abgeschlossen und ist eines der drei erhaltenen von vier Klavierkonzerten.
Es ist ziemlich schwer es stilistisch einzuordnen, man hört ansatzweise gleichermaßen den Mozart- und Beethovenverehrer, der indes auch schon mit einem Fuß in der Romantik steht.sehr effektvoll ohne aufdringlich zu wirken. Indes gibt es auxh keinen wirklichen Versuch seine geliebten Vorbilder zu imitieren, die zum Zeitpunkt von Potters Komposition schon beide tot waren
Besonders geglückt finde ich den innigen 2. Satz. Aber auch der 3. ist eine Welt für sich - fast frei von äusseren Einflüssen (?), eingängig vor Temperament überschäumend und mit bereits einkomponierten Schlußapplaus

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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Alfred_Schmidt

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Sonntag, 20. August 2017, 21:13

Nr 71b - Cipriani POTTER: Klavierkonzert Nr 4 (1835)

Drei Jahre sind seit der Komposition des 2. Klavierkonzerts verstrichen, als Potter sein 4. und letztes schreibt. Es ist - so das überhaupt geht . noch eindrucksvoller als das erste. Wahrscheinlich auf Grund seiner auftrumpfenden Gebärde im ersten Satz, der an einen verkappten Militärmarsch erinnert, wird es auch "das Militärische" genannt. Die Uraufführung erfolgte am 26. Mai 1835, fertgiggestellt war es bereits am 16 Jänner des gleichen Jahres.
Themen mit einem hohern Wiedererkennungswert (hierin der Nr 2 überlegen) und ein strahlend triumphierendern Unterton zeichnen den ersten Satz aus. Der zweite Satz ist behaglich-entspannt, niemals melancholisch oder zu verhalten. Interessant die Instrumentierung, die das Orchester gelegentlich fast völlig zurückzunehmen scheint , um für kurze Zeir anderen Soloinstumenten den Auftritt zu ermöglichen. Ein gewisser Ansatz zum Bombast ist beim 3. Satz unüberhörbar, eine Eigenart, die viele Klavierkonzerte der Post-Beethoven-Ära dieser Zeit aufweisen. Bei Potter ist sie indes nicht stark ausgeprägt. Irgendwie erinnerten mich die beiden bislang gehörten Konzerte an andere Klavierkonzerte (John Field ? - Muzio Clementi ?) jener Tage....

mit freundlichen Gtüßen aus Wien
Alfred

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Montag, 23. Oktober 2017, 11:46

Nr 8a - Nikolai MEDTNER : Klavierkonzert Nr1 in c-moll

In Medtners kompositorischem Schaffen nehmen die Klavierkonzerte eine überragende Rolle ein, gefolgt von den Klaviersonaten. Medtner hat weder Sinfonien, noch Konzerte für andere Soloinstrumente komponiert. Das Klavierkonzert ist kein „Einstiegswerk“ sondern steht seinen später folgenden in nichts nach. Nach dreijähriger Arbet war es 1917 vollendet –Medtner war damals 37 Jahre alt., Er widmete es dem Gedenken seiner Mutter.
Wieder mal war es der uns nun schon bekannte Dirigent und Kunstmäzen Serge Koussevitzky, welcher die in Moskau stattfindende Uraufführung am 12. Mai 1918 leitete.
Medtner selbst, er war als hervorragender Pianist bekannt, saß am Klavier.
Persömliche Eindrücke. Medtner verbindet enspanntes Musizieren mit brillanten Stellen, die indes niemals überwiegen oder reiner Virtuosendemonstration dienen. Gelegentlich lässt er es auch im Orchester knallen und gibt dem Konzert, das was das zeitgenössische Publikum von einem Klavierkonzert um die Jahrhundertwende erwartete also auch Spuren von auftrumpendem Bombast, Eigentlich sind Medtners Klavierkonzerte – auch das erste – schon ein wenig rückwärtsgewandtt, wenn man sie mit zeitnah entstandenen Konzerten anderer Komponisten vergleicht. Vielleicht ist es das, was sie mir so vertraut macht.

Mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

clck 8342

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