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Joseph II.

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1

Dienstag, 8. März 2011, 16:11

Robert Schumann: Symphonie Nr. 1 B-Dur op. 38 "Frühlingssymphonie"

Über seine vier Symphonien allgemein haben wir bereits seit langem einem Thread (Robert Schumann - Die Sinfonien). Zu den einzelnen jedoch nicht. So bekommt nur auch die Erste ihren. ;)

An nur vier Jännertagen des Jahres 1841 komponiert, in einem "Frühlingsdrang" Schumanns, wie er selbst schreibt:

"Ich schrieb die Sinfonie, wenn ich sagen darf, in jenem Frühlingsdrang, der den Menschen wohl bis in das höchste Alter hinreißt und in jedem Jahr von neuem überfällt. Schildern, malen wollte ich nicht; daß aber eben die Zeit, in der die Sinfonie entstand, auf ihre Gestaltung, und daß sie grade so geworden, wie sie ist, eingewirkt hat, glaube ich wohl."
– Robert Schumann

Zu Beginn der Symphonie werden von den Blechbläsern die Schlußzeilen eines Gedichts von Adolf Böttger intoniert:

"O wende, wende deinen Lauf
Im Tale blüht der Frühling auf!"


Satzbezeichnungen:

1. Andante un poco maestoso – Allegro molto vivace
2. Larghetto
3. Scherzo. Molto vivace
4. Allegro animato e grazioso

Aufnahmen:

Wie bereits bei der 4. verweise ich auch bei der 1. Symphonie auf m. E. empfehlenswerte Aufnahmen. Und wieder nenne ich die vier selben Dirigenten: Furtwängler (1951), Sawallisch (1972), Bernstein (1984), Karajan (1971).





LG
Joseph
:hello:
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

teleton

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2

Dienstag, 8. März 2011, 20:20

Den frühen Bernstein und Szell nicht vergessen

Hallo Joseph,

Deine Schumann-Favoriten Karajan (DG, 1971) und Bernstein (DG, 1984) teile ich mit Dir.

Aber ich möchte unbedingt noch den frühen Bernstein (SONY) hinzufügen. Hier ist der Unterschied von Tempo her (zum Glück) nicht so groß, wie oftmals bei Bernstein und seinen stark ausgewalzten späten DG - Aufnahmen gegeben, bei denen er nicht loslassen kann.
Die New Yorker Aufnahmen haben noch einen Schuss mehr überschwängliche Lebensfreude; dafür aber eine etwas gedecktere Klangtechnik (als seine bei DG), zu bieten.


SONY, 10/1960, ADD

Auch genauso wichtig und nicht zu vergessen und sehr referenzwürdig:
Präzise, zupackend, straff, flott ... ebenfalls super !

Szell / Cleveland Orchestera


SONY, 10/1958, ADD


*** Genau wie Travinius das für seinen Gardiner (DG) sieht, möchte ich diese Beiden (Bernstein und Szell) auch auf die anderen Schumann-Snfonien ausweiten !
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Travinius

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3

Dienstag, 8. März 2011, 22:10

*** Genau wie Travinius das für seinen Gardiner (DG) sieht, möchte ich diese Beiden (Bernstein und Szell) auch auf die anderen Schumann-Snfonien ausweiten !

Das will ich dann auch nicht schuldig bleiben - aber aus bester, eigener Überzeugung:


Ausnahmsweise möchte ich auch mal die Mahler-Bearbeitung der Schumann-Symphonien unter Chailly in den Ring werfen:


Ich mache das aus einem bestimmten Grund: gerade in dieser Symphonie fühlt man die Mahler-Anpassungen deutlicher als bei den anderen: die Eröffnungsfanfare modifizierte Mahler so, wie er meinte, dass Schumann sie geschrieben hätte, wenn seine Hörner diese Töne hätten angeben können. Das mag man für zweifelhaft halten, ich finde das eine interessante, zusätzliche Perspektive auf Schumann (und letztlich auch auf Mahler). Meinen Chailly-Schumann möchte ich nicht mehr missen, würde ihn aber nie zu meiner persönlichen Referenz erklären.
LuciusTravinius Potellus

Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)

teleton

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4

Donnerstag, 24. März 2011, 10:57

Schumann mit Levine (DG)

Hallo Schumann-Freunde,

nach den mannigfaltigen Empfehlungen und meinen vorab gewonnen Höreindrücken habe ich mir die GA der Schumann-Sinfonien mit Levine / Berliner PH (DG, 1988,1992, DDD) zugelegt:
:jubel: Ich hätte noch vor einem Monat nicht erwartet, das ich nach meinen Favoriten Szell (Sony), Bernstein (Sony) und Karajan (DG) einen Schumann präsentiert bekommen könnte, de so packend und geladen ankommt.
Ich hatte auch in die Philadelphia Orchestra-aufnahmen eingehört, die auch überzeugend klangen, aber nicht ganz den Kick hatten. Sie waren irgendwie braver.

Noch vor kurzem habe ich die wirklich sehr gut und fetzig gespielten Gardiner-Aufnahmen (DG) bekommen, die Travinius im Vorbeitrag so schätzt. Straffes Tempo, emotionaler Zugriff, gute Pauken --- aber die HIP - Besetzung verhindert, das komplexe Passagen die richtige Wirkung auf den Hörer erhalten. Es fehlt mir einfach das "Gänsehautfeeliing".

Zitat

Dazu möchte ich Swjatoslaw aus einem anderen Thread zitieren:
Ab Mozart - und erst Recht bei Beethoven, Bruckner oder Brahms - hört für mich persönlich dann aber nun wirklich der Spaß auf mit "HIP". Dann müssen die wunderbaren Sinfonieorcherster ran, die wir heute haben.
Genau !

:jubel: Wie wunderbar packend ein Sinfonieorchester klingen kann, davon kann man sich bei Levine mit den Berliner PH überzeugen - fantastisch ! Auch die DG-DDD-Klangwiedergabe läßt keine Klangwünsche offen und klingt weit natürlicher als technisch bedingt die Szell- und Bernstein-Aufnahmen bei SONY.
Levine ist den forschen Karajan-Tempi sehr ähnlich (freilich nicht so rasend wie Szell) und setzt von der Interpretation stellenweise sogar noch einen drauf.

Meine Begeisterung für Levine bezieht sich auch nicht nur auf die herrlich frische Frühlingssinfonie Sinfonie Nr.1 .....


DG, 1988;1992, DDD


Einziges Manko ist die Manfred-Ouvertüre, die von Levine soweit gut interpretiert wird. Er setzt teils andere ungewohnte Akzente. Aber --- die Aufnahmen scheint aus verschiedenen Takes zusammengeschnitten zu sein. Es sind deutlich über Kopfhörer an drei Stellen im ersten Drittel Schnitte zu hören.
*** An der Manfred - Ouvertüre kommt an Bernstein (SONY) offenbar keiner vorbei !
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Klaus 2

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5

Freitag, 10. August 2012, 21:50

Meines Wissens hat Schumann diese Symphonie eben nicht im Frühlng geschrieben, sondern im tiefsten Winter. Es ist also wohl die Sehnsucht nach Wärme, Licht und Farbe, die ihn getrieben hat. Insofern ist das Bild des Frühlings auch etwas überhöht.
Mir fällt auf, dass es relativ wild zugeht (ich besitze die Bernstein Box, die im 1. Beitrag gezeigt wurde). Insofern gibt es ganz leichte Anklänge an die Sichtweise von Stravinsky, für den der Frühling ja mit einem Gemetzel einhergeht. Schumann scheint sich vom Frühling einen gewaltigen Sieg gegen den Winter zu versprechen, keinen sanften Blütenregen, sondern Austreibung von Gevatter Frost.
Eine schöne Symphonie, aber nicht der ganz große Wurf.
Musik für einen kalten Winternachtmittag....
Tschö
Klaus
ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

Maurice

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6

Montag, 13. August 2012, 20:11

An nur vier Jännertagen des Jahres 1841 komponiert, in einem "Frühlingsdrang" Schumanns, wie er selbst schreibt …
Meines Wissens hat Schumann diese Symphonie eben nicht im Frühlng geschrieben, sondern im tiefsten Winter …

Hat das hier jemand behauptet? Siehe das erste Zitat – wer lesen kann …


Gerne nenne ich auch noch zwei Aufnahmen, die mir gut gefallen:


Dausgaard ist immer für eine Überraschung gut …


und Sinopoli liefert mit den Dresdnern eine feurige Aufnahme ab.

Die Empfehlung teleton’s bzgl. Levine / Berliner Philharmoniker möchte ich ausdrücklich unterstreichen! :!:
Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

Joseph II.

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7

Sonntag, 2. Februar 2014, 16:08

New Philharmonia Orchestra/Klemperer (1965)

Ich zitiere mich mal selbst, um den Beitrag nicht im Nirwana verschwinden zu lassen:

Zitat

Schumann: Symphonie Nr. 1 "Frühlingssymphonie"
New Philharmonie Orchestra
Otto Klemperer
Aufnahme: Abbey Road Studio, London, Oktober 1965

Im Schumann-Zyklus Klemperers, entstanden zwischen 1960 (4.) und 1969 (3.), nimmt die 1965 eingespielte Aufnahme der "Frühlingssymphonie" gewissermaßen eine Mittelstellung ein. Mit gut 35 Minuten Spielzeit sicherlich eine gedehnte Interpretation, kann man den Vorwurf der zu langsamen Spielzeit doch m. E. nicht aufrechterhalten. Gerade ging der Kopfsatz zu Ende, und ich muss wirklich lange überlegen, ob ich den je besser gehört habe.


Der positive Eindruck findet sich auch in den drei übrigen Sätzen bestätigt, in denen sich Klemperer durchschnittlich 1-2 Minuten mehr Zeit gönnt als die meisten anderen Interpreten (12:35 - 7:26 - 6:07 - 9:31). Der Höhepunkt des Werkes ist für mich aber tatsächlich der Kopfsatz, der hier wahrlich monumental daherkommt. Zum ersten Mal wurde mir das Zitat des Gedichts von Adolf Böttger, welches die Blechbläser anstimmen, richtig bewusst:

"O wende, wende deinen Lauf —
Im Thale blüht der Frühling auf!"


In diesem Sinne: Der Frühling darf kommen! :D
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Norbert

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8

Montag, 3. Februar 2014, 09:43

Lieber Joseph,

gerade will es der Zufall, daß ich auch die Sinfonie mit Klemperer höre, aber für mich "blüht" rein gar nichts. ;)
Im Gegenteil, der Frühling stapft bleischwer heran, er kommt viel zu wuchtig daher, so als ob er sich nach einem Kampf mit dem Winter als schlapper Sieger präsentiert.

Die "Monumentalität", die Du vollkommen zurecht bemerkt hast, schadet der filigranen Virtuosität im Finale beispielsweise in meinen Ohren vollkommen.
Natürlich hat Klemperer auch seine guten Momente, seine Detailarbeit ist vorbildlich, der Transparenzgewinn durch die deutsche Orchesteraufstellung enorm, aber er dirigiert "seinen Schumann wie seinen Beethoven", zu wuchtig, zu "steinern", "granitartig" im Ausarbeiten der Rhythmen und Kontrasten im Orchesterspiel, einfach "zu groß".

Meine Betrachtungen sollen (und werden) Deine Freude an der Interpretation natürlich nicht nehmen, sie zeigen lediglich auf, daß die späten Aufnahmen der Schumann Sinfonien polarisieren. Für mich bleiben sie (abgesehen von der 4.), wie ich es in einem anderen Thread irgendwann einmal ausdrückte, "Fehlinterpretationen auf einem hohen Niveau".
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Joseph II.

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9

Montag, 3. Februar 2014, 12:26

Lieber Norbert,

ich danke für Deine Höreindrücke, auch wenn sie sich unterscheiden, aber dies belebt ja auch das Forum und führt zu teilweise anregenden Diskussionen. ;)

Und da gäbe es eigentlich gar Potential für einen eigenen Thread: Was bei Beethoven scheinbar passt (monumental, wuchtig, "wie in Marmor gemeißelt"), löst bei Schumann (nicht nur bei Dir) oft andere Reaktionen aus. Klemperers Mozart wird ja auch kontroverser diskutiert als sein Beethoven. Nun darf man sich, zumal nach der "HIP-Welle", natürlich fragen, ob wir uns das bei Beethoven nicht auch zu leicht machen und dort nicht eigentlich auch von "Fehlinterpretationen auf hohem Niveau" sprechen müssten. Vielleicht sind es auch die Hörgewohnheiten. Einen "titanenhaften" Beethoven haben wir vielleicht schon in Kindertagen so gehört, bei Schumann ist diese Sichtweise hingegen exotischer (warum auch immer).
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

William B.A.

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10

Freitag, 28. Februar 2014, 02:49


Robert Schumann. Symphonie Nr. 1 B-dur op. 38 "Frühlingssymphonie"
Deutsche Kammerphilahrmonie Bremen,
Dirigent: Paavo Järvi
AD: 2012
Spielzeiten: 11:16-6:00-5:23-8:28 -- 31:07 min.;

Ich darf an dieser Stelle meine Neuerwerbung kurz vorstellen, die ja in diesem Thread wohl noch nicht genannt worden ist. Nach den letzten beiden Postings, lieber Joseph und lieber Norbert, kann ich wohl verstehen, dass das hier in eine Tempodiskussion ausarten kann. Aber man muss auch mal überlegen, wann Schumann diese Symphonie komponiert hat: innerhalb weniger Tage im Januar, fertig instrumentiert im Februar, nachdem er vorher von seiner damaligen verlobten, Clara Wieck, zu diesem Tun animiert worden war:

Zitat

Clara Wieck: Nimm es mir nicht übel, lieber Robert, wenn ich Dir sage, dass in mir sehr der Wunsch rege geworden ist, dass Du doch auch für Orchester schreiben möchtest. Dein Fantasie und dein Geist ist zu groß für das schwache Klavier. Sieh doch, ob du es nicht kannst? Ich habe nun einmal die Überzeugung, Du müsstest ein 2ter Beethoven sein".
Nun, diese Überzeugung von Clara Wieck konnte leider nicht in Erfüllung gehen, aber es spricht für Robert Schumann und sein Selbstvertrauen, dass er durch die Entdeckung und Aufführung der Neunten Schubert in Leipzig mit auf diese Spur gekommen ist und dass er, ähnlich wie Felix Mendelssohn-Bartholdy und vor ihm Schubert nicht versucht hat, sich mit Beethoven zu messen, sondern einen eigenen Weg zu gehen. Und der war, wie ich finden, mit seiner ersten Symphonie beschritten. Das konnte natürlich keine 5. Beethoven oder 6. Tschaikowsky oder 8. Bruckner werden, sondern eine 1. Schumann, ein beschwingtes, lyrisches Werk, das natürlich schwerlich monumental aufgeführt werden kann.
Da haben, wie ich finde, Paavo Järvi und sein Bremer Orchester den Nagel auf den Kopf getroffen und eine beschwingte, mitreißende Aufführung geliefert, natürlich von der Besetzung her gegenüber den Beethoven-Symphonien gesteigert, vor allem im Blechbläsersektor (4 Hörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen), aber auch eine Vergrößerung des Streicherapparates. Dennoch haben sich Paavo Järvi und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen ihren Swing bewahrt und hier eine leichtfüßige, und, wo es nottat, auch eindringliche Interpretation abgeliefert mit einem Höchstmaß an Engagement und Können. Ich bin mal gespannt, wie die weiteren drei Symphonien ausfallen. Die Vierte, wenn ich mich recht entsinne, habe ich ja vor einigen Jahren mit dieser Truppe auf dem SHMF in Kiel erlebt und war damals schon begeistert.

Ich glaube, lieber Norbert, dass dir diese Aufnahme auch gefallen wird.

Liebe Grüße

Willi :thumbsup: :thumbsup:
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Norbert

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11

Freitag, 28. Februar 2014, 09:06

Lieber Willi,

danke für Deine Beschreibung.
Da ich mich immer noch nicht zum Kauf eines DVD-Players durchringen konnte, dürfte es schwierig werden, mir diese Aufnahme zuzulegen, aber die CDs mit Järvi befinden sich schon länger auf meinem Wunschzettel.
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

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Gustav Mahler

teleton

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12

Freitag, 28. Februar 2014, 18:58

RE: Paavo Järvi / Deutsche Kammerphilharmonie Bremen (2012)

Lieber Willi und Norbert,

es freut mich und wundert mich nicht im geringsten, dass Dir die Aufführung der Sinfonie Nr.1 mit P.Järvi so gut gefällt. Bei den weiteren Sinfonien 2-4 wirst Du noch Dein blaues Wunder erleben - und das in positivster Hinsicht !

Ich glaube die Int von Klemperer (Beiträge 7-9) und P.Järvi können kaum unterschiedlicher ausfallen als hier aktuell. Alles was Norbert bei Klemperer bemängelt (es blüht nichts; Frühling stapft bleischwer heran; kommt viel zu wuchtig daher ...u.s.w.) wandelt sich bei P.Järvi ins Gegenteil.
Sicher - bei Karajan (DG), Bernstein (SONY und DG), Solti (Decca), Szell (SONY), Levine (DG) hat das Ganze vielleicht ein sinfonischeres Gewandt durch die grössere Besetzung. Bei Schumman bin ich empfindlich, aber so frisch und bühend habe ich die Erste noch nicht gehört und kann mich trotz meiner Favoriten voll mit P.Järvis Int identifizieren - :thumbsup: Es macht einfach Spass zuzuhören zu zu sehen !
Ich würde auch Dir, lieber Norbert auf jeden Fall die DVD-Ausgabe (oder BluRay, die ich nicht brauche) empfehlen. Das Ganze als Konzerterlebnis mit Bild zu hören/sehen macht einfach noch mehr Spass, als nur die CD. Aber wenn Du tatsächlich keinen DVD-Player haben willst (Die Multiformarplayer kosten doch nichts mehr !), dann sollte auch die CD - Ausgabe zu dem gleichen positiven Eindruck führen. Ich muss sagen, dass ich die CD mir jetzt "zu wenig wäre". Denn wie herzerfrischend die Bremer Musiker an Werk gehen, das muss man gesehen haben. :!: Davon zeugt auch die ausgezeichnete Doku-DVD mit Proben und Erklärungen verschiedener Musiker zum Inhalt aller 4 Schumann-Sinfonien.
:angel: Das Zusammenspiel dieses Orchesters ist genial. Da wird nicht mal eben Schumann runtergespielt, so wie die Noten es hergeben - nein - Schumann wird gelebt !!!
Gruß aus Bonn, Wolfgang

William B.A.

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13

Freitag, 28. Februar 2014, 19:15

Zitat

Norbert: Da ich mich immer noch nicht zum Kauf eines DVD-Players durchringen konnte....
Lieber Norbert, vielleicht geht es ja auch anders. Möglicherweise spielt dein PC ja auch DVD's ab, und wenn du dann noch einen zweiten Verstärker hast, an den du deine Soundkarte anschließen kannst (einen guten Kopfhörer hast du bestimmt!?), dann ist das Problem doch gelöst. Ich höre und sehe meine DVD's alle am PC, weil ich diese Geräteausstattung (Mein für diese Zwecke hervorragend geeigneter Yamaha-Verstärker hat am Urwaldfluss keine 300 € gekostet, und mein 24-Zoll-LED-Full HD-Bildschirm und mein PHILIPS Fidelio X1-Kopfhörer tun ihr Übriges, um für ungeschmälerten Hör- und Seh-Genuss zu sorgen, und bei den Aufführungen der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen gibt es allerhand zu sehen und zu hören, und wenn man Paavo Järvi bei einer Aufführung so häufig ins Gesicht sehen kann, bekommt man Einiges von seiner Philosophie mit.
Also frisch ans Werk!

Liebe Grüße

Willi :thumbup:
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Norbert

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14

Freitag, 28. Februar 2014, 22:48

Lieber Wolfgang, lieber Willi,

ich danke für Euren Zuspruch, aber ich bin eher am Ergebnis einer Interpretation interessiert als an der Schlagtechnik des Dirigenten.

Ich sehe ab und an bei "Classica" Konzert- und/oder Opernaufführungen, bin aber kein großer Freund davon, Konzerte oder Opern auf Fernsehgröße reduziert zu sehen.

Ich bin diesbezüglich eigen. ;)
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

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teleton

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15

Freitag, 28. Februar 2014, 23:14

RE: P.Järvi

Ich bin diesbezüglich eigen.

Lieber Norbert,

akzeptiert - dann nimm die SACD´s, dann hast Du auf der SACD mit der Sinf.Nr.2 auch noch die Schumann-Ouvertüren dabei.


RCA, SACD 2010

:thumbup: Der Klang dieser Aufnahmen gehört zum Besten, was ich in den letzten Jahren an Aufnahmen gehört habe.
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Alfred_Schmidt

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16

Donnerstag, 5. Oktober 2017, 16:20



Ich hatte in meiner Jugend eine gewisse Abneigung gegen Schumann. Daher ist meine Sammlung siesbezüglich recht klein, notabene, da einiges, das ich besaß nicht mehr vorhanden ist, weil ich die Vinylsammlung entsorgt habe. So fand ich heute lediglich eine Version der Sinfonie Nr 1 von Schumann in meiner Sammlung., nämlich eine SONY CD mit dem Sinfonieorchester des Bayrischen Rundfunks unter Rafael Kubelik. Die Aufnahme stammt von 1979 und wurde im Herkulessal in MÜnchen aufgenommen. Sie klingt erstaunlich frisch, wovon alerdingd beim jpc Soundsample nichts zu bemerken ist. Daher kann ich auch keinen Vergleich mit der älteren Aufnahmm für DGG machen, weil ich nicht weiss, wie die im Original klingt.
Die von mir erwähnte Aufnahme ist übrigens derzeit in 2 Gesamtaufnahmen erhältlich, eine als Eigenimport aus Japan importierte Gesamtaufnahme für 22.99 Euro ODER aber im Rahmen einer 7 CD umfassenden Edition aller von Kubelik für Sony aufgenommenen Sinfonien um 11.99 Euro - so steht zumindest derzeit im jpc Angebot !!!
Kommen wir zu Sinfonie an sich. Ich musste mich über mein Urteil vor ca 45 Jahren nur wundern. Wie konnte ich die Genialität, Originalität und Klangraffinesse dieses Werkes nur überhören?? Ich weiß, daß ich hier seinerzeit eine Fortsetzung von Beethoven und Schuberts Sinfonien erwartet hatte. Und diese Erwartung wurde natürlich nicht erfüllt, wenngleich ich im 3. Satz eine oberflächliche Nähe zu Schubert zu hören glaubte, ebenfalls oft nicht allzu entfernt von Mendelssohn-Bartholdy, der übrigens am 31. März 1841 die Uraufführung der Sinfonie durch das Gewandhausorchester Leipzig leitete- In diversen Konzertführern war einiges interessantes über das Werk zu lesen, etwa, daß die Sinfonie von der zeitgenössischen Kritik eher verhalten beurteilt wurde, sie sich aber dennoch rasch durchsetzte, weil das Publikum positiv reagierte, Schumann (er war ja selbst ein unbarmherziger Kritiker) dennoch sehr zufrieden war und sich vornahm in Zukunft vorzugsweise Sinfonien zu schreiben, weil ihm das Klavier "zu eng geworden sei". In Anbetracht der ihm noch verbleibenden Lebensspanne hat er sich ja auch an diesen Vorsatz gehalten. Die Sinfonie hatte ursprüngig griffige Satznamen , die indes noch vor der Drucklegung gestrichen wurden, da Schumann nicht in den Verdacht geraten wollte "Programmusik" zu schreiben......

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

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17

Donnerstag, 5. Oktober 2017, 19:04

Die Sinfonie schließt sich sehr deutlich an Beethoven und Schubert an. Es ist schwer, in der Fanfare der Einleitung (und der Tatsache, dass sie am Ende des Satzes wieder auftaucht) kein Echo von Schuberts "Großer" zu hören. Auch der rhythmisch bestimmte Hauptteil des Kopfsatzes hat etwas von Schuberts C-Dur und Beethovens 4. Im langsamen Satz hören einige thematische Anklänge an Beethovens 2.
Der volkstümliche Charakter der beiden letzten Sätze ist vermutlich zu allgemein, um ihn direkt mit Schubert in Verbindung zu bringen. (das Finalthema erinnert mich ein wenig an das Finale von Schuberts Streichquintett, aber ich glaube dieses Werk kannte Schumann gar nicht...) Scherzo in Moll könnte von Schuberts 2. oder 5. inspiriert sein, aber wieder scheint mir eher unwahrscheinlich, dass Schumann diese Werke überhaupt kannte.

Obwohl ich nicht glaube, dass Schumann, der das Werk ja in sehr kurzer Zeit geschrieben hat, das so präzise geplant hat, so scheint es mir doch eine typische "Erste". Schumann bleibt in einem Rahmen, der mit den größten Sinfonien Beethovens und Schuberts vergleichsweise bescheiden anmutet, sowohl im Umfang als auch in der emotionalen Spannweite, orientiert sich da eher an etwas älteren "klassizistischen" Werken wie Beethovens 2. und 4. Es ist ein größtenteils heiteres Werk. Dabei übernimmt er aber schon den romantischen Klang vom späten Schubert, mit ein paar Ergänzungen wie der Triangel oder dem noch satter eingesetzten Blech. Wenn auch von Schubert beeinflusst, so ist die Verbindung von Einleitungsthema und Kopfsatz durchaus orginell. Ebenso die beiden unterschiedlichen Trios im Scherzo (im Grunde eine ganz naheliegende Erweiterung dieser Satzform, die aber recht selten gemacht wurde).
Also ingesamt genau die richtige Mischung, mit der man zeigt, dass man die Vorgaben der großen Vorgänger aufzugreifen versteht, ohne sie zu imitieren.