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Joseph II.

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1

Samstag, 30. September 2017, 15:21

Haydn-Sinfonien mit Pauken

Der Gedanke zu diesem Thread kam mir dieser Tage. Die meisten unter uns werden vornehmlich die späten Sinfonien von Joseph Haydn, ab den Pariser Sinfonien (also ab Nr. 82), besser kennen als die davor. Selbst unter den Parisern scheint die Verwendung obligatorischer Pauken ja mehrheitlich nicht der Fall zu sein. Wenn ich mich nicht irre, kommen sie nur in der 82. und in der 86. zum Einsatz. Auch bei den "namenlosen" Sinfonien Nr. 88 bis 92 fehlen die Pauken in der 89. und 91. Erst in den Londoner Sinfonien (Nr. 93 bis 104) scheinen sie durchgängig dabei zu sein.

Meine Frage nun: In welchen Sinfonien vor Nr. 82 kommen bei Haydn Pauken zum Einsatz? Welche war denn die erste überhaupt? War das folglich sogar die allererste Sinfonie der Musikgeschichte mit Pauken? Und in welchen seiner Sinfonien sind sie nicht obligatorisch, sprich: es gibt Aufführungen mit und ohne Pauken?

Für mich persönlich sind Werke mit Pauken irgendwie reizvoller, so dass ich mir dann gezielter eben solche aus dem unüberschaubar erscheinenden Haydn'schen Œuvre in nächster Zeit vornehmen würde. ;)
"Auflehnung ist das heiligste aller Rechte und die notwendigste aller Pflichten." – Gilbert du Motier, Marquis de La Fayette

Agon

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2

Samstag, 30. September 2017, 18:20

Sinfonie Nr. 48 C-Dur "Maria Theresia"

Es gibt kein richtiges Leben im falschen. (Theodor W. Adorno)

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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3

Samstag, 30. September 2017, 19:53

Hatten wir das schonmal?
Als Faustregel "verlangen" Sinfonien in C-Dur und D-Dur tendenziell Pauken und Trompeten (oder ggf. "hohe Hörner" wie authentisch in Nr. 48 oder ggf. beides, wie ebenfalls in manchen Interpretationen dieses Werks). In meiner Übersicht (TB von Feder/Larsen auf der Basis des New Grove Artikels) sind Trp. und Pauken manchmal in Klammern gesetzt, dann handelt es sich wohl um philologisch nicht ganz gesicherte Stimmen. Sie entsprechen aber wohl der Praxis. Insbesonder spielten, wenn Trompeten spielten, immer die Pauken mit, d.h. man kann, wenn Trompetenstimmen vorliegen, die Paukenstimmen ergänzen. Ich zähle einfach mal die Nummern auf. Einige Interpreten lassen allerdings die optionalen/rekonstruierten Stimmen weg, finde ich meistens weniger gut.

13 (
20
32, 33, 37 ( die sind alle wohl noch Vor-Eszterhazy
38 (
41 (
48 (
50
53 (jedenfalls in einer der Fassungen)
54
56
60
61
69
70
72 (
73 (
75 (
82
86
88
90 (
92 (
93-105

Joseph II.

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Registrierungsdatum: 29. März 2005

4

Samstag, 30. September 2017, 20:50

Besten Dank für diese wertvollen Infos! :hail:

Ich konnte sogar noch eine weitere eruieren: Sinfonie Nr. 63 "La Roxelane" gibt es in zwei Fassungen. Die Erstfassung hat neben einem zweiten Fagott auch Trompeten und Pauken. Zwar scheint die Wissenschaft mittlerweile von dieser "ersten Fassung" abgerückt zu sein (laut Joseph-Haydn-Institut Köln "eine hypothetische Zusammenstellung von Sätzen, die so kaum existiert haben dürfte"), aber zumindest Wladimir Jurowski hat sie in jüngster Zeit so aufgeführt.
"Auflehnung ist das heiligste aller Rechte und die notwendigste aller Pflichten." – Gilbert du Motier, Marquis de La Fayette

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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5

Samstag, 30. September 2017, 21:52

Dass eine alternative Fassung von 63 gibt wird in meinem Verzeichnis auch erwähnt, aber nichts zur Instrumentierung. Der Kopfsatz ist ohnehin eine Bearbeitung? der Ouverture zu "Il mondo della luna" und in der Oper sind Trompeten/Pauken dabei.
Es gibt eine ganze Reihe von Haydn-Sinfonien, die nachträgliche Zusammenstellungen von Sätzen sind. Das gucke ich jetzt aber nicht auch noch en detail nach.

Von den Interpreten lässt Goodman meines Wissens meistens/immer? die Fassungen ohne Trp./Pk. musizieren.

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

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6

Sonntag, 1. Oktober 2017, 21:49

Ich finde auch, daß Pauken - hinzukomponiert oder nicht - einer Sinfonie im Stile Haydns mehr Farbe und "Drive" verleihen. Wenn ich richtig informiert bin, dann hat man sich im 18. Jahrhundert realtiv wenig um Besetzungsvorschriften gekümmert, man hat angepasst was anzupassen ging, stets die Möglichkeiten des entsprechenden Orchesters im Auge, das für eine Aufführung vorgesehen war. Ich habe mir aus der obigen Liste die Sinfone Nr 13 herausgeklaubt und in den diversen Texten dazu gelesen, daß sie mit vier Hörnern besetzt war, eben weil Haydn in seinem Orchester 4 Hörner zur Verfügung hatte.
Aber es geht hier ja um die Pauken. Die sind am Autograph zu finden, allerdings nachträglich von fremder Hand hinzugefügt. Wikipedia geht davon aus, daß dies mit Billigung Haydns geschah. Das ist sehr wahrscheinlich, denn Haydn hätte (es sei denn daß die Ergänzung nach seinem Tod erfolgt wäre) sicher irgend eine mißbilligende Notiz hinterlassen, Es ist auch ferner anzunehmen, daß die Erweiterung schon in jüngeren Jahren Haydns stattgefunden hat. denn gegen Lebensende des Komponisten war das Werk vermutlich in den Augen der Zeitgenossen schon hoffnungslos antiquiert.
Ich habe mir eine Aufnahme dieser Sinfonie herausgesucht und wurde auf Anhieb fündig: Das Stuttgarte Kammerorchester unter Dennis Russel Davies spielt die Fassung MIT Pauken........

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix