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Gerhard Wischniewski

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Beiträge: 4 181

Registrierungsdatum: 7. April 2011

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Mittwoch, 20. September 2017, 17:51

FRANCHETTI, Alberto: CRISTOFORO COLOMBO

Alberto Franchetti ( 1860 – 1942 )
Cristoforo Colombo
(Christoph Columbus)

Lyrisches Drama in vier Akten und einem Epilog
Libretto: Luigi Illica
Originalsprache: Italienisch

Uraufführung: Genua 1892

PERSONEN DER HANDLUNG
Cristoforo Colombo, Bariton
Isabella,Königin von Aragonien, Sopran
Don Fernan Guevara, Offizier der königlichen Garde, Tenor
Matheos, Kapìtän der Mannschaft, Tenor
Bobadilla, königlicher Gesandter, Bass
Don Roldano Ximenes, Vertrauensmann des Kardinals Talavera, ein Intrigant, Bass
Marguerite, Offizier, Bariton
Roderigo di Triana, Offizier, Bass
Diaz, Offizier, Tenor
Anacoana, eine indianische Fürstin, Mezzosopran
Iguamota, ihre Tochter, Sopran
Ein alter Kazike, Bass
Yanika, Mezzosopran
Drei Romei (Pilger), Tenor, Bariton, Bass
Nanyanka, Tänzerin
Hofstaat, Edle, Offiziere, Soldaten, Seeleute, Wachen, Pilger, Indianer, Volk

Orte und Zeiten der Handlung: Salamanca 1487, auf der Santa Maria 1492, Amerika 1503, Medina del Campo 1506

INHALTSANGABE

ERSTER AKT
Weiter Hof im Kloster St. Stefano in Salamanca, 1487
Eine Menge Volkes wartet auf die Herren der Ratsversammlung, die darüber entscheiden sollen,dass der Genuese Columbus die Schiffe für seine geplante westliche Route nach Indien erhalten soll. Einige Ritter fragen sich, wie die Entscheidung ausgehen soll. Selbst der Vertraute des Kardinals Talavera, Roldano weiß es nicht, weil Columbus ein Günstling der Königin Isabella sei. Er gibt jedoch seine Abneigung gegen dessen Pläne zu erkennen: Die Einbildung eines Narren!
Dann kommt die Prozession mit dem Kardinal an der Spitze. Das Volk schreit Gloria und wirft sich auf die Knie. Die Prozession tritt ins Kloster ein. Roldano und einige Ritter bleiben auf der Terrasse.
Aus dem Kloster kommen drei Pilger (Romei) mit Musikinstrumenten. Sie singen abwechselnd eine Ballade, in der von neuen Welten jenseits des Meers die Rede ist. Das Volk ist begeistert. Roldano jedoch hält sie für verrückte Vagabunden. Er singt danach ein Lied, in dem er grausige Bilder eines untergegangenen Schiffes beschwört, und jagt dem Volk damit Schrecken ein.
Da öffnet sich die Tür des Klosters und die Prozession zieht betend vorbei. Wir erfahren, dass Columbus' Anliegen als Traum eines Narren abgelehnt wurde.
Schließlich kommt auch Columbus. Die Menge verspottet ihn und will ihn mit einem zerfetzten Hut als Krone, einem zerlumpten Tuch als Mantel und einem Besen als Zepter zum neuen König der Meere krönen.
In diesem Augenblick erscheint der Offizier Guevara, der ihm freundlich gesinnt ist, und ruft das Volk zur Ordnung, das sich dann entfernt. Columbus bedankt sich bei ihm und als dieser gegangen ist, beklagt er sein Schicksal. Die Klage wird unterbrochen durch Gesänge aus der Klosterkapelle, wo Königin Isabella mit Frauen betet. Dann tritt sie aus der Kapelle und findet Columbus. Er klagt ihr sein Leid. Sie versinkt zunächst in eine Vision, in der sie – wie er - von den neuen Ländern träumt. Dann nimmt sie ihr Diadem vom Kopf und will es Columbus überreichen, damit er die Schiffe kaufen und ausrüsten kann. Er sinkt ihr zu Füßen, der Vorhang fällt.

ZWEITER AKT
Auf dem Schiff Santa Maria, 1492, einbrechende Nacht
Der Kapitän Matheos ist verärgert, dass es wegen der Flaute kein Vorwärtskommen gibt. Vom Begleitschiff, der Pinta, die in der Nähe liegt, hört man die Gesänge der drei Pilger.
Matheos glaubt, vom Wege abgekommen zu sein, die Expedition schon dem Tode geweiht und verunsichert damit die bereits mutlose Mannschaft noch mehr. Allen voran Roldano bestürmen sie Columbus, der sie beruhigt, dass die Sterne auch nicht immer zuverlässig seien und auch schon mal auf Abwege gehen, selbst der zuverlässigste, der Polarstern, trüge schon mal und so auch die Kompassnadel. Schließlich stimmt die Mannschaft in seine Zuversicht mit ein.
Roldano hat sich unterdessen mit spöttischen Blicken entfernt und kommt nun mit der Meldung, man habe ein Stück Holz aus dem Meer gefischt. Dies stellt sich jedoch als der zerbrochene Mast eines Schiffes heraus. Roldano spottet. Jedes Stück Holz könne ihnen als Sarg dienen. Die Stimmung schlägt wieder ins Gegenteil um.
Nach und nach ziehen sich alle ins Schiffsinnere zurück.
Columbus, allein geblieben, zweifelt einen Moment: Ob er sich nicht doch geirrt hat? Doch dann verdrängt er dies Gedanken und glaubt an seine göttliche Sendung.
Der Morgen dämmert, und während die Mönche und die Mannschaft das Morgengebet sprechen, macht sich Roldano an die Offiziere und Ritter heran. Man solle Columbus ins Meer werfen und zurückkehren. Dann wiegelt er auch die Mannschaft auf und alle verlangen die Rückkehr.
Sie dringen auf das Hinterdeck, wo Columbus steht und in der Ferne ein Feuer sieht. Dann ertönt von der Pinta ein Kanonenschuss, und Rufe hallen herüber: Man hat Land gesichtet. Als alle das erkennen, bricht Jubel aus. Columbus und die Mönche preisen Gott.

DRITTER AKT
Ufer des heiligen Sees in Xaragua mit einer Grotte, 1503
Spanische Soldaten verfolgen einen Kaziken, um zu erfahren, wo Gold versteckt ist. Seine Tochter Yanika versucht vergeblich, sie aufzuhalten. Sie schlagen ihn, lassen ihn, tödlich verwundet, liegen und entfernen sich. Die Bewohner des Ortes finden Yanika und ihren Vater, der in ihren Armen stirbt. Es folgt eine indianische Totenklage.
Auf dem See erscheint ein Boot mit Anacoana und der Chor der Indianer preist seine Fürstin. Ein alter Kazike zeigt ihr das neueste Opfer der Spanier. Yanika und der Chor fordern sie auf, den Tod zu rächen. Doch sie zögert: Der Himmel verschmäht noch die Rache. Die Zukunft des Volks sei ein friedliches Geschick.
Der Alte wirft ihr vor, sie habe den Spaniern die Hand gereicht und Roldana in das Bett ihres von den Spaniern ermordeten Gatten genommen. Eine Dirne dürfe nicht über das Volk herrschen. Doch sie nennt seine Worte Frevel und fordert die Indianer zu einem rituellen Tanz auf. Während dessen erklärt sie dem Alten, dass sie Roldano nur benutze um von ihm ein Geheimnis zu erfahren und Columbus wieder ins Land zu locken. Der Alte bittet seine Königin um Verzeihung, doch sie sagt, dass sie nicht mehr Königin sei, sondern ihre Tochter Iguamota als Nachfolgerin eingesetzt habe.
Als Roldano naht schickt sie alle fort und spielt ihm Liebe vor. Er verkündet, dass Columbus landen werde und sie erklärt, diesen töten zu wollen. Er bittet sie, zu schweigen, denn schon treten Guevara als Bote der Ankunft, und gleichzeitig die Offiziere Marguerite und Diaz auf.
Er verkündet, dass Roldano und die anderen seine Gefangenen seien. Sie haben das Gold und die Waffen abzuliefern und sollen mit einem Schiff als Rebellen nach Spanien gebracht werden. Sie widersprechen, Columbus hetze jetzt die Spanier gegeneinander. Er allein sei der Rebell. Aber Guevara erklärt, er bleibe Columbus treu.
Roldano gibt seine Sache verloren, doch Anacoanda macht ihm Mut. Sie ruft die Tänzerinnen herbei, die mit Blumen kommen und Guevara wird schwach. Es stellt sich heraus, dass ihm bei der Landung Iguamota begegnet ist und er sich in sie verliebt hat. Anacoana schickt Nanyanka, Iguamota herbei zu holen. Als Guevara sie erblickt schwärmt er von ihrer Schönheit und auch sie hat sich in ihn verliebt. Die anderen freuen sich, dass er Feuer gefangen hat.
In einem Ensemble singen Iguamota und Guevara ein schwärmerisches Liebesduett, während sich Roldana, Marguerite und Diaz freuen, dass er angebissen hat und Anacoana an die Freiheit ihres Landes denkt.

VIERTER AKT
Paradiesfluss bei Xaragua mit einem Tempel.
Anacoana steht mit ihrer Tochter und Jungfrauen auf der Tempelterrasse. Columbus sitzt, von Spaniern umgeben auf einem Thron gegenüber. Wenn der Vorhang aufgeht, steigt Anacoana von der Terrasse herunter und wirft sich Columbus zu Füssen, bezeichnet sich als Schuldige, er möge ihr verzeihen. Dieser weiß zwar noch nicht den Grund, verzeiht ihr aber im Voraus, von ihren Reizen betört. Dann zeigt sich der wahre Grund. Sie führt Roldano, Marguerite und Diaz aus dem Tempel und bekennt, dass sie es schuld sei, dass diese sich noch nicht auf dem Schiff nach Spanien befänden. Roldano sei ihr Gatte. (Dieser flüstert seinen Komplizen zu, sie sollen sich so stellen, als ob das wahr wäre). Sie habe den jungen Guevara gebeten, dass sie zuerst bei Columbus für sie flehen dürfe. Columbus ist gerührt und zeigt sich barmherzig. Doch da tritt Guevara hervor und wirft ihr Lüge vor. Sie habe den Tod der Spanier gewollt, daher verlangt er ihren Tod. Iguamota fleht um Gnade für sie und jetzt erst erfährt Guevara, dass diese die Tochter Anacoandas ist. Guevara ist erschüttert über das, was er angerichtet hat.
In einem Ensemble drücken alle ihre Gefühle aus: die Spanier, die ihren Tod fordern, die Indianer, die ihr Glück zerstört sehen, Columbus, der barmherzig sein will, die drei Rebellen, die die Spanier noch aufzustacheln versuchen, Anacoana, die ihrem Tod gefasst ins Auge sieht, Iguamota, dass ihre Liebe zu Guevara ihrer Mutter den Tod bringt, und Guevara über seinen Verrat.
Da hört man entfernt Stimmen und ein Schiff mit dem Banner Kastiliens taucht auf. Bobadilla als königlicher Gesandter steigt an Land und verkündet, dass er vom König alle Vollmachten habe. Columbus übergibt ihm die Macht. Ronaldo klagt Columbus an, dieser habe sich hier zum König machen wollen. Auf Columbus' Einspruch trägt er vor, dass Columbus für den Tod vieler Indianer verantwortlich sei, und ergeht sich in weiteren Lügen. Er verlangt von Anacoana deren Bestätigung. Als Anacoana dies nicht bestätigen will und ihn des Verrats bezichtigt, tötet er sie.
Bobadillo übergibt Roldano das königliche Wappen und will Columbus verhaften. Es formiert sich ein Kampf zwischen den Getreuen des Columbus und den übrigen Spaniern, den Columbus verhindert, indem er sich freiwillig in Gefangenschaft begibt. Aus dem Tempel ertönen die Trauergesänge der Indianer für ihre tote Königin.

EPILOG
Königliche Begräbniskapelle bei Medina del Campo, 1506
Columbus und Guevara – sichtlich gealtert - treten ein. Sie wollen noch einmal die Königin sehen, zu der durch die Kapelle ein geheimer Gang führt. Columbus ist erschöpft. Ihn kann nichts mehr erfreuen, weder die Sonne noch der Gesang der Vögel. Guevara hofft, dass die Königin ihn wieder aufrichten kann.
Da treten Mönche, ein Requiem singend, auf und gehen in die Krypta. Anschließend folgen Mädchen mit Blumen und einem Trauergesang. Auf seine Frage erfährt Columbus, dass die Königin vor drei Tagen gestorben ist. Nun verfällt er in ein Delirium, in dem noch einmal sein Leben an ihm vorbeizieht und er schließlich den Tod sieht. Mit einem letzten Gebet auf den Lippen stirbt er, Guevara kniet bei ihm nieder, der Vorhang fällt langsam.
Gar nichts liegt mir daran, ob man meine Sachen gibt: mir liegt einzig daran, dass man sie so gibt, wie ich's mir gedacht habe; wer das nicht will und kann, der soll's bleiben lassen.
(Richard Wagner an Ferdinand Heine, Dezember 1852)

Gerhard Wischniewski

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Mittwoch, 20. September 2017, 17:56

Anmerkung:
Dieser Inhaltsangabe liegt das Libretto der vieraktigen Originalfassung zugrunde. Die Oper wurde zum 400. Jahrestag der Entdeckung Amerikas in Auftrag gegeben. Später entstanden weitere Fassungen, in denen der dritte und vierte Akt zusammengelegt und teilweise umgearbeitet wurden. Der nachstehenden Aufnahme liegt die Fassung in drei Akten und dem Epilog zugrunde. Sie basiert – soweit mir bekannt – auf einer konzertanten Aufführung aus Frankfurt 1991, die auch auf youtube zu sehen ist. Die Aufzeichnung einer szenischen Aufführung ist mir nicht bekannt.
Gar nichts liegt mir daran, ob man meine Sachen gibt: mir liegt einzig daran, dass man sie so gibt, wie ich's mir gedacht habe; wer das nicht will und kann, der soll's bleiben lassen.
(Richard Wagner an Ferdinand Heine, Dezember 1852)