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Alfred_Schmidt

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Registrierungsdatum: 9. August 2004

1

Dienstag, 7. Februar 2017, 15:46

Wichtige und unterschätzte Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts

Tja - schon wieder so ein "Aufzählungs - und Voting.Thread wie neulich so viele gestartet wurden ? (die sind natürlich wichtiger, als viele denken)
Die Antwort ist ein klares JEIN
Denn in da sind einige Schwierigkeiten eingebaut.

a) Es dürfen beliebig viele Komponisten nominiert werden
b) Jede Niminierung bekommt einen eigenen Beitrag
c) über jeden nominierten Komponisten muß ein kurzer Bericht geschrieben werden
(wie ihr ihn vorstellt ist Eure Sache
d) auf bestehende Threads zu diesem Komponiosten darf hingewiesen werden.
e) sollte es keinen Thread zu diesem Kompnisten geben, dann darf drauf hingewiesen werden

Die Möglich keit von diesem Thread aus weitere zu gestalten ist natürlich gegeben, vermutlich wird es ein sehr spezifisches Thema für einige wenige Interessenten sien - macht nichts....

Der Thread ist quasi die Antwort auf Lutgras Buchempfehlung und die darauf folgende Kritik an derAuswahl dort erwähnter Künstler. Also - machen wir es besser !!!! (oder zumindestens RESPEKTABEL) :untertauch:

EDIT: (Die Moderation kann Beiträge auch nachträglich erweitern)

Teletons Beitrag ist vorbildlich - Er schreibt persönliches zum Komponisten und verlinkt daneben auf einen berits zu diesem Thema bestehenden Thread. So bleibt der Nominierte in Erinnerung und man kann sich daran beteiligen.
Dieser Thread ist quasi als Appetitanreger für berits bestehende oder erst zu schaffende Spezialthreads gedacht. Er ist ein "Geschenk" von mir an alle Anhänger "zeithgenössischer" Musik - aber sie werden auch quasi herausgefordert das Projekt am Leben zu erhalten, bzw idealerweise aufblühen zu lassen,

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

teleton

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Registrierungsdatum: 10. Dezember 2004

2

Mittwoch, 8. Februar 2017, 00:27

Andrei Eshpai (1925 - 2015)

Der marische Komponist Andrei Eshpai gehört zu den wenig bekannten und leider unterschätzten Komponisten des 20./21.Jhd.
Leider ist die Verfügbarkeit seiner wichtigsten Werke auf CD zwar gegeben, aber immer noch sehr unterrepräsentiert und viel zu knapp bemessen. Seine 9 Sinfonien sind nur Stückweise zu einem Bruchteil auf CD verfügbar. Zum Glück kann man aich auf YT ein Bild machen, da dort fast alle abgerufen werden können --- doch kann die Klangquali dort letztendlich nicht zufriedenstellen.

*** Die russischen Dirigenten Swetlanow, Fedossejew und Kitaenko haben sich neben einigen Anderen für Eshpais Schaffen eingesetzt, so manche UA aufgeführt und auch einige CD´s herausgebracht.


:!: Zur Vorstellung des Komponisten möchte ich nicht alles noch einmal schreiben und zitiere deshalb den vorbildlichen Startbeitrag von Lutgra aus dem Thread Andrei Eshpai - Marischer Komponist :

Die Mari sind ein kleines (600,000 Personen) russisches Volk finnisch-ugrischen Ursprungs, das überwiegend in der Mari-Republik an der Wolga lebt. Die Geschichte des Mari-Volkes lässt sich bis in vorchristliche Zeiten zurückverfolgen. Die Mari haben sich bis heute Volksbräuche und Naturreligionen bewahrt und sprechen eine eigene Sprache.

Die Mari haben einen Komponisten hervorbracht, Andrei Eshpai, der bei uns im Westen kaum bekannt ist.

Und ich frage mich, und zumindest Teleton ist da nach seinen mehrfachen Hinweisen hier im Forum offensichtlich der gleichen Meinung:
Wieso glaubt die Welt auf diese Musik verzichten zu können?

Ich halte Andrei Eshpai nach Schostakowitsch, Prokofieff und Myaskovsky für den bedeutendsten sowjetischen Komponisten des 20. Jahrhunderts.

Seine Musik ist tonal, äußerst eingänglich und brilliant orchestriert. Vor allem, dem Mann fallen noch Melodien ein, die sofort im Ohr hängen bleiben und nachklingen. Melodien, die offensichtlich auch aus der Volksmusik der Mari gespeist werden, das bietet kein anderer Komponist. Das und seine Orchestrierungstechnik sind so eigen, dass man bei einem Eshpai Stück nach wenigen Takten erkennt, von wem es stammt. Das ist üblicherweise Kennzeichen großer Musik.

Andrej Eshpai hat m.W. vor allem fürs Orchester komponiert, es gibt 9 Symphonien und mindestens ein, wenn nicht zwei Dutzend Solokonzerte für alle möglichen Instrumente und Kombinationen davon.

Die Tonträgerlage ist allerdings ziemlich traurig. Praktisch alle Aufnahmen von seiner Musik sind vom russischen Label Melodiya gemacht worden und bis heute kaum auf CD erschienen. Russian Disc hatte mal zwei CDs mit den Symphonien 4 und 5 und einigen Solokonzerten im Programm, die sind vergriffen.
Damit gibt es derzeit nur 4 CDs beim amerikanischen Albany Label, die offensichtlich einige Lizenzaufnahmen von Melodiya bekommen konnten. Und sonst bleibt nur das Internet. Ca. die Hälfte der Musik auf meinem ipod von Eshpai sind downloads von vermutlich illegal hochgeladenen Melodiya-Aufnahmen. Alle verfügbaren Einspielungen sind klanglich eher mäßig. Somit wäre mein größter Wunsch, diese tolle Musik mal im heute üblichen Sound zu hören. Ich hoffe, einer der Verantwortlichen bei cpo, BIS, Ondine, Chandos, Hyperion.. liest das hier.


:thumbsup: Hier ein YT-Link zu einem seiner mitreissensten Werke - dem
Konzert für Orchester (Concerto Grosso) für Trompete, Klavier, Vibraphon, Kontrabass und Orchester (1966).

Ich wähle hier eine YT-Aufführung mit Video und dem Odense PO von 2014 - die 2.Aufnahme mit Swetlanow aus dem Jahre 1974 ist aber von der Int noch besser (die gibts es auf der ALBANY-CD Vol.2).

...
Gruß aus Bonn, Wolfgang

lutgra

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Registrierungsdatum: 9. April 2013

3

Mittwoch, 8. Februar 2017, 23:07

Richard Arnell (1917-2009)

Richard Arnell war ein englischer Komponist, der u.a. sechs Symphonien, ebenso viele Streichquartette, Ballett- und Filmusiken geschrieben hat. Gefördert durch Bernhard Herrmann und aufgeführt in den Nachkriegsjahren durch Dirigenten wie Beecham und Barbirolli ist er für fast 50 Jahre komplett in Vergessenheit geraten. Wer seine Musik hört, wird das kaum fassen können. Gerade höre ich seine 1. Symphonie, schon das ein wunderbares Werk. Die Einspielung vieler seiner Werke durch Martin Yates für Dutton Records ist eine der diskographischen Großtaten der letzten Jahre.

Wenn man mich bitten würde, die m.E. fünf besten britischen Symphonien zu nennen, wäre eine auf jeden Fall dabei, die 3. von Richard Arnell. Geboren 1917, Schüler von John Ireland, lebte er in den Jahren des 2. Weltkriegs in New York, wo er sich mit Virgil Thomson und Mark Rothko anfreundete und zur Greenwich Village Scene gehörte. Dirigenten wie Thomas Beecham, Norman del Mar und John Barbirolli haben sich für seine Musik eingesetzt, letzterer hat diese Symphonie in gekürzter Form 1953 auf dem Cheltenham Festival dirigiert. Mit dem Aufkommen der Darmstadt Avantgarde geriet auch seine Musik zunehmend in Vergessenheit.

Das Jahr der Komposition sagt es, dies ist eine Symphonie, die stark vom zu Ende gehenden Weltkrieg geprägt ist, also dramatisch in den schnellen Sätzen und tragisch im grandiosen Andante. 60 min, 6 Sätze, wobei der 1. und der 5. als Prologe für die jeweils nachfolgenden angesehen werden können. Die Tonsprache von Arnell ist fortschrittlich tonal. Ich würde sie so auf halbem Weg zwischen Nielsen (4. + 5.) und Robert Simpson ansiedeln, mit einer kleinen Prise Mahler dabei. Sie ist aber wesentlich zugänglicher als die von Simpson. Im Hollywood der 50er Jahre wäre Arnell auch nicht arbeitslos gewesen. Die Symphonie ist voll mit melodischen Einfällen, auch einigen Fast-Zitaten, aber das ganze ist zu einem überzeugenden Ganzen zusammen gewoben. Die Orchestrierung dürfte die jeder anderen britischen Symphonie in den Schatten stellen. Wer auf Blechbläser steht, hier gibt es die volle Dröhnung. Dirigat und Sound 10/10.

Im Booklet steht, dass die etwas älteren Kollegen Edmund Rubbra, William Alwyn und Benjamin Frankel das Werk gut geheissen aber an verschiedenen Einzelheiten herumgekrittelt hätten. Da kann ich nur sagen, Jungs, lasst mal die Kirche im Dorf, ihr habt so etwas nicht hingekriegt.

Wer sich für die Symphonie des 20. Jahrhunderts in seiner ganzen Breite interessiert, kommt m.E. an diesem Werk nicht vorbei. Die anderen Symphonie (es gibt 7) sind auch hörenswert, aber diese ist das Meisterstück.

Für die Skeptiker: Hier gibt es ein halbes Dutzend Reviews

Friese

Schüler

  • »Friese« ist männlich

Beiträge: 108

Registrierungsdatum: 5. August 2017

4

Montag, 11. September 2017, 22:56

Pehr Henrik Nordgren war ein finnischer Komponist, der vom 19.01.1944 bis zum 25.08.2008 lebte. Ab 1958 erhielt Nordgren Violinunterricht in Helsinki und studierte von 1962 bis 1967 Musikwissenschaft an der dortigen Universität sowie von 1965 bis 1969 privat Komposition bei Joonas Kokkonen. An der Universität für Kunst und Musik in Tokio ergänzte er von 1970 bis 1973 seine Kompositionsstudien bei Yoshio Hasegawa und lernte die traditionelle japanische Musik kennen, die schon bald seine eigenen Werke beeinflusste. Weitere Einflüsse kamen aus der finnischen Volksmusik. Ich persönlich hätte ja gerne mal die Kwaidan II: Drei Klavier-Ballade für das linke Hand nach japanischen Geistergeschichten op. 127 (2004) gehört, aber leider habe ich keine Aufnahme finden können.

Alle 8 Symphonien von Nordgren sind derzeit zumindest in einer Interpretation auf Tonträger zu haben. Dafür gibt es das Cello-Konzert Nr. 1 wohl mindestens 3 mal und auch einige andere Kompositionen, wie sein Violinenkonzert und die Sinfonie für Streicher ist derzeit in verschiedenen Interpretationen zu bekommen. Für unsere Opernfreunde, Nordgren hat auch eine Oper geschrieben. Den svarte munken (Der schwarze Mönch). Kammeroper nach einer Geschichte von Anton Tschechow.

Nordgren hat sehr eng mit dem Ostrobottnischen Kammerorchester und seinem Leiter Juha Kangas zusammengearbeitet, was zu einer hohen Zahl an Werken für Streichorchester führte. Außerdem wurde von Kangas und dem Ostrobottnischen Kammerorchester ca. 20 Werke Nordgrens Uraufgeführt.

Nordgren selber hat einmal gesagt, die Gefühle von Mitleid, Schmerz und Klage begleiten ihn sein Leben lang. Und von diesen Gefühlen ist sein Werk durchzogen. Aber man findet auch Immer wieder folkloristische Stellen in seiner Stücken, so etwas wie ein Markenzeichen bei Nordgren. Was spannend ist und ruhige Stellen immer wieder aufbricht.

Ich selber finde das Cello-Konzert Nr. 1 klasse! Es lohnt sich da mal rein zu hören. Es ist etwas kantig, aber dadurch ist es auch interessant, hat auch viele sehr entspannte Stellen und lässt sich immer wieder gut hören.

Es gibt einen allgemeinen Thread zu Nordgren Nordgrender ganze 8 Beiträge hat. Aber ich habe jetzt erst einmal hier gepostet,weil dieser Thread ja als Appetitanreger dienen soll. Was eine schöne Idee ist, wie ich finde. Meiner Meinung nach kann man Nordgren prima hören und er hätte es verdient viel häufiger gespielt zu werden.

Hier noch mal zwei Anregungen. Die Streichersymphonie