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der Lullist

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1

Dienstag, 1. Februar 2005, 13:43

Steffani, ein italienischer Lullist in Deutschland

Agostino Steffani
geb. am 25. Juli 1654 in Castelfranco bei Padua, gest. am 12. Februar 1728 in Frankfurt am Main

Steffani gehört zu den damals berühmtesten Komponisten überhaupt, er war eine der schillernsten Figuren dieser Zeit, sowohl musikalisch als auch politisch.

Einer seiner Lehrer war der münchner Hofkapellmeister Kerll. Steffani viel dem Kurfürsten durch seine bemerkenswerte Stimme auf und so sang er schon mit 14 Jahren in den italienischen Opern die am Hof aufgeführt wurden.
1672 studierte er in Rom bei Bernabei (Kapellmeister in St. Peter)
Bernabei wurde zum Hofkapellmeister in München und brachte Steffani wieder mit. Er wurde Hoforganist.
Dann in den folgenden Jahren besuchte er Paris um bei Lully zu studieren. Bei der Uraufführung von Bellerophon 1679 war er anwesend. Er spielte vor Louis XIV und erhielt ein Jahr später die Priesterweihe.
In der Zwischenzeit war der alte Kurfürst von Bayern gestorben und Maximilian II. förderte die Karriere Steffanis erheblich. Er wurde zum Kammermusikdirektor ernannt und brachte seine erste Oper auf die Bühne (Marcus Aurelius).
Zwischen 1682 und 1684 wurde er mit diversen Geheimaufträgen betraut und wurde so zum Agenten. So verschlug es in auch nach Hannover, einem ebenso schillernden Hof wie München. Als er widererwarten die Stelle des Hofkapellmeisters in München nicht erhielt zog er nach Hannover wo man ihn mit Kusshand aufnahm.
Der Hof in Hannover unterschied sich stark von den anderen Höfen "Deutschlands" - hier wurde zuerst die französische Hofhaltung nach Sonnenkönigart, Sprache und Musik adaptiert.
Jetzt kam Steffanis große Stunde, er hatte bei Lully studiert. Seine Opernaufführungen waren denen in Paris und Versailles vergleichbar.

Er vermochte es wie kein Zweiter, sowohl die italienischen Opern und Kantaten wie auch französische Orchestermusik zu komponieren und diese zu vereinen. Kaum ein anderer schaffte es so dicht an den Stil des Florentiners heranzureichen wie er, er übertraf sogar die Franzosen selbst.

In den 90er Jahre war er sehr mit diplomatischen Aufträgen beschäftigt, er war Gesanter des bayrischen Hofes in Brüssel.
In München ging das Amt des Hofkapellmeisters an Torri da Steffani zu beschäftigt war um weiter Musik zu machen.
Dann kam der spanische Erbfolgekrieg und Steffani spielte in Sachen Diplomatie eine tragende Rolle, doch hatte er nur wenig Erfolg und kehrte nach Hannover zurück.
1703 trat er in die Dienste des Pfalzkurfürsten in Düsseldorf, aber nicht als Musiker, sondern erhielt politische Aufgaben.
Er wurde zum Generalvorsitzenden des pfälzischen Staats ernannt sowie zum rector magnificus und später zum curator der Universität in Heidelberg.
Zwischen 1708 und 1709 vermittelte er in einem Krieg zwischen Papst und Kaiser, er wurde Hausprälat und Thronassistent, ein paar Tage später erhielt er das apostolische Vikariat in Norddeutschland - er war für Missions- Kirchenhäuser in Preussen, der Pfalz und Braunschweig verantwortlich und sollte für deren Unterhalt sorgen, was aus Geldmangel nicht funktionierte und ihn tief enttäuschte.
Steffani war Hofkapellmeister in Hannover und als 1710 Georg Friedrich Händel dort ankam unterstützte der alte Meister den jungen Musiker wo er nur konnte.
1722 kehrte er nach Italien , nach Padua zurück da seine Gönner nach und nach verstarben oder einen neuen Job bekommen hatten (der Kurfürst wurde König von England). erst 1725 kehrte er nach Hannover zurück.

Steffanis Prestige als Komponist schien nie zu verblassen, selbst wenn er Jahre nichts Neues schuf, ein guter Beweis für seinen Ruhm ist die Ernennung zum Vorsitzenden der Akademie der Vokalmusik in London (besser bekannt als Academie of Ancient music).
Mittlerweile war seine Gesundheit angegriffen und die langen Reisen setzen ihm zu. Er beschloss nun seine Tage in Italien zu beschließen, bei einer Rast in Frankfurt starb er dann an einem Gehirnschlag.

Da von seinem Werken mittlerweile einige gute Einspielungen vorliegen will ich hier gleich noch 2CD's empfehlen:

Steffani - Suites Théatrales
Sonatorio de la Gioiosa Marca
erschienen bei Divox - das bisher beste Beispiel für seine frz. Orchestermusik

Steffani - Duetti da Camera
Arcadia
erschienen bei Glossa
italienische Duette die seine Kunst was die Oper betrifft erahnen lassen

Opern gibt es bisher keine vollständige Einspielung, nur von Enrico Leone einen Querschnitt, der aber gestrichen wurde.

der Lullist

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2

Sonntag, 26. Februar 2006, 13:38

Das muß ich wohl bei der Fülle von Titeln die dieser Mann im Laufe seines Lebens anhäufte glatt vergessen haben:
1706 wurde er sogar zum Bischof ernannt - was auch das ungewöhnliche Portrait das ihn darstellen soll erklärt:



Agostino Steffani



mitlerweile hab ich auch noch einige Aufnahmen entdeckt:


Duetti da Camera
Arcadia

die schon angesprochene wunderbare CD mit den Kammerduetten.
Diese Duette sind kleine Miniaturopern, vergleichbar mit den Kantaten von Alessandro Scarlatti, aber für 2 Stimmen.

Die beiden Sänger, Claudio Cavina ( Countertenor ) und Rossana Bertini ( Sopran ) sind einfach nur göttlich. Das Ensemble besticht durch fantasievolle Begleitung mit Barockharfe, Theorbe, Gambe und Cembalo.




Agostino Steffani
Suites Theatrales

Sonatori de la Gioiosa Marca

Suiten aus den Opern "Henrico Leone" , "I Trionfi del Fato" , "Niobe, Regina di Tebe" und "Amor vien dal Fasto"

tja da merkt man sofort dass er bei Lully studierte, die Suiten sind im besten französischem Stil geschrieben, ich würde sogar behaupten, das Steffani dem Stil des Meisters näher kommt als irgend jemand sonst!
Die Interpretation ist ziemlich gut, mit allerlei Schlagwerk ist das ganze recht farbig.

Außerdem gibt es hier noch etwas ganz einmalige, was ich so noch nie vorher gehört habe - eine gesungene Ouvertüre!
Die Ouvertüre im typischen Stil Lullys wird zuerst durch das Orchester eröffnet, dann kommt der Chor hinzu.
Eine der schönsten Barockaufnahmen die ich kenne!



Tage Alter Musik in Herne 2001 - Allianzen

ein Querschnitt durch die Oper "Tassilone" ( 1709 )
Monique Zanetti / Musica Alta Ripa

:jubel: :jubel: :jubel:


ich habe ja das Vergnügen einen Mitschnitt der Oper "Alarico il Balta" zu besitzen - Steffanis Opern sind großartige Meisterwerke - es ist einfach nur traurig, dass kaum etwas bisher aufgenommen wurde.




Musik am Hofe von Hannover
Capella Agostino Steffani

zwar nur eine kurze Suite aus der Oper "La lotta d'Hercole" und die Chaconne aus "Enrico Leone".
Den größten Teil machen festliche Orchesterwerke von Venturini, Valoix und Farinel aus, die durchaus hörenswert sind.
Daneben gibt es Kamermusik von Lully, Marais und Philidor.

Besonders genial sind auch zwei Concerts anonymer Autoren.




Steffani: Stabat Mater
Biber: Requiem

Koor & Barokorkest van de Niederlandse / Bachvereniging

Wärend Bibers Requiem mit Pauken und Trompeten eher an Festmusik erinnert, ist das Stabat mater von Steffani eher eine verhaltene Komposition die noch die alten Formen Palestrinas erkennen läßt.


Ich hoffe ja inständig dass seine Opern bald mal von den Spezialisten Christie, Jacobs, Rousset, Reyne oder Minkowski entdeckt werden.
Für mich gehört Steffani zu den interessantesten und größten Komponisten überhaupt.
Ich habe es bisher bei keinem erlebt, das einer die beiden Stile so dermaßen in Perfektion beherrscht und dabei noch so wundervolle Musik komponierte.

salisburgensis

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3

Mittwoch, 7. Juni 2006, 22:41

Zitat von »Lullist«


Steffani: Stabat Mater
Biber: Requiem

Koor & Barokorkest van de Niederlandse / Bachvereniging

[...] ist das Stabat mater von Steffani eher eine verhaltene Komposition die noch die alten Formen Palestrinas erkennen läßt.

Dem möchte ich leise widersprechen. Ich höre da weder ein verhaltenes Stück, noch finde ich, dass die Tonsprache auf die Palestrinas zurückgeht. Keine Frage, es ist in Teilen sehr altertümlich komponiert, aber so weit zurück geht das glaube ich nicht. Verhalten deswegen nicht, weil Steffani mit ziemlich drastisch Mitteln Affekte wie Schmerz und Verzweiflung malt. Ständig tauchen in diesem Text Worte wie Schmerz, Kreuz, Leid, Marter, Tränen, Jammer, Tod etc. auf. Steffani findet immer neue Mittel, wie er das musikalisch ausdrückt. Deshalb ist dieses Stabat mater für mich wie eine Mischung aus Schreien, Weinen, Zerknirschung - musikalische Selbstgeißelung sozusagen; und das eine halbe Stunde lang! Das muß man erstmal aushalten können. Selbst der Schluß, wo es heißt Jesus, wenn mein Leib wird sterben, laß dann meine Seele erben deines Himmels Seligkeit. spendet keinen Trost.


:hello:
Thomas
Da freute sich der Hase:
"Wie schön ist meine Nase
und auch mein blaues Ohr!
Das kommt so selten vor."
- H. Heine -

Bernhard

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4

Sonntag, 30. September 2007, 09:29

Guten Morgen

Agostini Steffani, der ein bewegtes Leben führte und zeitweise als Diplomat im Dienst der Kurfürsten von der Pfalz stand, ist auch in meiner Sammlung kaum vertreten, möcht aber noch auf diese



CD mit "Cantatas, Duets and Sonatas", eingespielt vom Ensemble Fons Musicae hinweisen.

Gruß aus der Kurpfalz

Bernhard

Bernhard

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5

Samstag, 1. März 2008, 13:21

RE: Steffani, ein italienischer Lullist in Deutschland

Guten Tag

Zitat

Original von der Lullist
Opern gibt es bisher keine vollständige Einspielung, nur von Enrico Leone einen Querschnitt, der aber gestrichen wurde.

Bei den Schwetzinger Festspielen wird seine 1688 uraufgeführte Oper "Niobe, Re di Tepe" mit dem SWR VOKALENSEMBLE STUTTGART und dem
BALTHASAR-NEUMANN-ENSEMBLE unter der Leitung von Thomas Hengelbrock aufgeführt; ob es wohl davon eine CD-Einspielung gibt ?
Jedenfalls wird die Oper weltweit im Radio gesendet.


Gruß :hello:

aus Schwetzingen

Bernhard

musikwanderer

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6

Donnerstag, 12. Februar 2015, 09:48

Heute vor 287 Jahren (folglich am 12. Februar 1728) starb in Frankfurt am Main, auf dem Weg in seine italienische Heimat, wo er den Rest seines Lebens verbringen wollte, der hier vorgestellte Komponist, Kleriker und Diplomat Agostino Steffani. Ich kenne nicht eine einzige Komposition von ihm - jedenfalls nicht bewusst -, sein Name ist mir lediglich aus der Händel-Literatur ein Begriff.

...was mit dieser 3-CD-Box - beispielsweise - geändert werden könnte. Jedenfalls sind die Hörschnipsel für den Liebhaber der Barockmusik vielversprechend - Bartoli hin, Fasolis her.

:hello:
.

MUSIKWANDERER

dr.pingel

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7

Donnerstag, 12. Februar 2015, 11:25

Es gab vor Jahrzehnten einen Querschnitt seiner Oper "Tassilone" unter G. Kehr aus Mainz, mit einem schrecklichen Orchester und furchtbaren Sängern. Selbst da konnte man spüren, dass es tolle Muisk war. Zudem besitze ich eine DVD eine Porträts, das glaube ich, 2014 bei arte lief und in der die Bartoli, die ich sonst nicht mag, hervorragend war. Außerdem gibt es eine Aufnahme seiner Niobe (siehe Beitrag 5). Steffani war lange Zeit das, was ich auch war: ein Düsseldorfer.
Der Mensch hat drei Wege, klug zu handeln. Erstens durch Nachdenken, das ist der edelste. Zweitens durch Nachahmen, das ist der leichteste. Drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste (M.Brzoska, dt. Aphoristiker)

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8

Donnerstag, 12. Februar 2015, 11:27

Zu den besonders einflussreichen Werken Steffanis zählen wohl die "Kammerduette", eine Gattung, die von Händel und anderen aufgegriffen wurde. Der Witz hier ist u.a., wie der Ausdruck einer kleinen Opernszene und die kontrapunktische Satzkunst einer Triosonate verknüpft werden. Es gibt ein paar Aufnahmen, aber besonders üppig ist die Diskographie nicht.

Eine Auswahl findet man auf der Neuauflage der o.g. Glossa-CD ebenso wie auf einem älteren (ca. 1980) Mitschnitt bei der Archiv-Produktion; letztere enthält auch Duette mit tieferen Männerstimmen.


musikwanderer

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9

Samstag, 25. Juli 2015, 12:31

Heute vor 361 Jahren wurde er in Castelfranco (Veneto) geboren: Agostino Steffani. Seinen Lebenslauf muss ich hier nicht anfügen, der Blick auf den Eröffnungsbeitrag weist alles Notwendige auf; einige Beiträge weiter ist sogar ein Bildnis des vielseitigen Mannes eingesetzt worden.

:hello:
.

MUSIKWANDERER

Bertarido

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10

Samstag, 25. Juli 2015, 13:08

Ich habe diesen Komponisten durch Cecilia Bartoli kennengelernt, die mit Ihren Steffani-Projekt durch die Konzertsäle gezogen ist und das Publikum beglückt hat (das ist hier keineswegs ironisch gemeint, ein Live-Auftritt der Bartoli ist immer ein beglückendes Erlebnis). Da in einem älteren Beitrag noch steht, dass keine komplette Oper von Steffani auf CD erschienen ist, sei hier der Hinweis gestattet, dass es inzwischen eine hörenswerte Gesamtaufnahme des "Orlando generoso" gibt:





Caruso41

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11

Dienstag, 22. September 2015, 12:09

Forum Agostino Steffani in Hannover

Wohl bisher noch nicht erwähnt

Mehr als 300 Jahre lang schlummerte "Niobe, Regina di Tebe" in den Archiven.
2008 grub sie Thomas Hengelbrock aus! Die von ihm geleitete Aufführung in Schwetzingen 2011 war ein Triumph! Vielleicht wurde erst durch sie die Aufmerksamkeit auf diesen Barockkomponisten gelenkt!

Jetzt gibt es diese Oper in einer Neueinspielung die wohl zu Recht mit dem ECHO KLASSIK ausgezeichnet wurde!
Man hört, dass Steffanis Musik nicht weniger spannend ist als sein Lebenslauf! Herrliche Arien! Enorm dramatisch und höchst emotional!
Großartige Gesangsleistungen von den meisten Solisten - natürlich besonders Amanda Forsithe als Manto (eine wunderbar lyrische Stimme) und wieder einmal - als der eigentliche Star der Aufnahme - Karina Gauvin, eine der überragenden Barocksopranistinnen der Gegenwart!
Dass ein Philippe Jaroussky in den virtuosen Arien deutlich an seine Grenzen kommt, ist aber schon interessant. Was muss es damals für Sänger gegeben haben, wenn Steffani ihnen solche Anforderungen stellte!?!? Wir haben ja heute eine große Begeisterung für Counter-Tenöre aber offenbar können selbst die besten von ihnen nicht bewältigen, was für die Kastraten geschrieben wurde.
Aber das sollte die Neugier auf die Oper und diese Aufnahme nicht dämpfen. Sie wird immerhin getragen durch das Boston Early Music Festival Orchestra. Das braucht sich wirklich hinter keinem europäischen Originalklang-Ensemble zu verstecken!

Wer sich von dieser Aufnahme für Steffani begeistern lässt, und vielleicht längst schon begeistert war, wird die Nachricht gerne hören, dass künftig in Hannover jedes Jahr ein Steffani-Festival geboten werden soll!

In diesem Jahr vom 22. bis 26. September!



Weitere Informationen:

http://forum-agostino-steffani.de/index-2.php

Ich bin ja eigentlich kein Barockopern-Spezialist. Aber ich höre sie doch öfter mal sehr gerne. Und Steffani ist schon ein Komponist, der mich mit seiner phantastischen Kontrapunkt-Beherrschung, seiner Originalität in der Instrumentation und seinem melodischen Erfindungsreichtum sehr fesselt! Bemerkenswert finde ich auch die prägnante Charakterisierung der Figuren in seinen Opern. Das kann man in der o. a. Niobe bewundern aber das hatte ich auch vor einigen Jahren in der Aufführung von Enrico Leone, die in der Hannoverschen Staatsoper 1989 aus Anlass ihres 300. Geburtstages in einer lustvollen Inszenierungvon Herbert Wernicke gegeben wurde. sehr eindrucksvoll gefunden!!


In diesem Jahr passt es mir terminlich nicht, aber sicher werde ich die Bemühungen des Forum Agostino Steffani weiter aufmerksam verfolgen!

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Alfred_Schmidt

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12

Mittwoch, 20. Juli 2016, 23:30


Wie man sehen kann, bleibt die Zeit nicht stehen. Die "alte Garde" hier (vor 2009) hat gelegentlich das Fehlen von Opern Steffanis im Angebot beklagt, zwei Neuerscheinungen wurden seither schon gezeigt. Ich füge eine dritte hinzu, die 1687 in München geschriebene Oper "Alarico", der vollständige Name ist übrigens „Alarico il Baltha, cioè l‘Audace, Rè di Gothi“.... Steffani verdankt übrigens seine Wiederentdeckung vermutlich dem sympathischen Trend, Barockopern wieder auszugraben und zumindest auf Tonträger zugänglich zu machen.

Hier ein Tonbeispiel aus der gezeigten Aufnahme


und hier ein Sample mit Cecilia Bartoli


mfg aus Wien
Alfred

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Alfred_Schmidt

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13

Freitag, 9. September 2016, 23:29

Seit Februar 2015 ist die hier abgebildete Aufnahme von Kammerduetten Steffanis im Handel. Ich habe sie - angeregt durch diesen Thread - vor einigen Wochen erworben. Die Aufnahmen stammen vom 19.-22. Juni 2014 und wurden in der Chiesa di San Celestino, Pietole, Mantua für BRILLIANT CLASSICS gemacht, es handelt sich also um eine Eigenproduktion und keine Lizenzveröffentlichung.
Meiner Meinung nach übrigens eine äusserst gelungene Aufnahme, sowohl von den Stimmen, als auch von der Tontechnik her....
Keon Wunder daß Steffani zu Lebzeiten einen geradezu legendären Ruf innehatte. Seine Opern waren weltberühmt, deine Kammerduette vermitteln einen Hauch davon - bis in unsere heutige Zeit....
Vielleicht sollte man noch anmerken, daß diese Musik mehr ist als nur ein interessantes musikhistorisches Studienobjekt, sie ist eingängig und umschmeichelt das Ohr des Hörers.....

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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Caruso41

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14

Donnerstag, 2. Februar 2017, 19:01



2. Festwoche FORUM AGOSTINO STEFFANI
02.-05. Februar 2017

2. Februar, 19.30 Uhr, NDR Landesfunkhaus, Kleiner Sendesaal
in Kooperation NDR / FAS
Vortragsabend
Prof. Dr. Colin Timms (Birmingham), Ehrenpräsident und Kurator des FAS,
"Einführung in Agostino Steffanis Orlando generoso: Musik und Handlung"
Dr. Nicole K. Strohmann (Hannover / Kassel), Forschungszentrum Musik und Gender (HMTMH),
"Feste feiern wie in Venedig: Steffanis Opern im Spiegel der hannoverschen Festkultur"
(Eintritt frei)

3. Februar, 18.00 Uhr, Orangerie Herrenhausen
Opernabend in Kooperation NDR / FAS, im Rahmen des Ring Barock
Agostino Steffani (1654-1728) "Orlando generoso" (1691)
Konzertante Aufführung des vierten, für das neue Schlossopernhaus in der Leinstraße komponierten Opernwerks A. Steffanis
Gesangssolisten, Musica Alta Ripa, Leitung: Bernward Lohr
(NDR Ticketshop)

4. Februar, Neustädter Hof- u. Stadtkirche St. Johannis
Öffentliche Proben (Geistliches Konzert) für Schulklassen
(Eintritt frei)

5. Februar, 18.00 Uhr, Neustädter Hof- u. Stadtkirche St. Johannis
Geistliches Konzert in Kooperation FAS / Bach-Archiv Leipzig
"VANITAS— in memoriam Königin Sophie Charlotte"
Werke von Ruggiero Fedeli
(1655-1722, Venedig / Hannover / Berlin / Kassel)
u. a. mit der bisher verschollen geglaubten großen Trauermusik
zum Tode Sophie Charlottes (1705)
-- Neuzeitliche Erstaufführungen --
forum-vocalconsort, la festa musicale, Leitung: Lajos Rovatkay

17.00 Uhr, Einführungsvortrag
Prof. Dr. Peter Wollny, Direktor des Bach-Archivs Leipzig




(Kartenvorverkauf: www.vvk-kuenstlerhaus.de
im Künstlerhaus Sophienstraße 2, 30159 Hannover
(Mo.-Fr. 12:00-18:00), Tel. (0511) 168 412 22)

(Die Konzerte am 3. und 5. Februar werden vom NDR-Hannover und vom
NDR-Hamburg mitgeschnitten.)
;) - ;) - ;)

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Alfred_Schmidt

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15

Montag, 15. Mai 2017, 23:18

Seit Weggang der "alten Barockbelegschaft" dierses Forums hat es ja geradezu eine "Steffani-Renaissance" gegeben. Erfreulicherweise hat sich auch das Label BRILLIANT für diesen Komponisten interessiert, sodaß auch der weniger betuchte, sparsame oder neugierige aber skeptische Musikfreund hier auf Entdeckungsreisen gehen kann. Soweit ich es recherciert habe, handelt es sich hier um Eigenaufnahmen - keine Lizenten. Hier zeige ich nun eine Ende 2013 in den Handel gebrachte Aufnahme von 6 weltlichen Kantaten , welche 2012 im Teatro Cucinell di Solomeo, Perugia aufgenommen wurde. Keine durchwegs fröhliche Musik, wie schon der Titel einer der Kantaten (Schmerzliche Tränen) signalisiert, aber gut durchmischt und in jedem Falle betörend schön.

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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16

Sonntag, 20. August 2017, 09:34

Seit Weggang der "alten Barockbelegschaft" dierses Forums hat es ja geradezu eine "Steffani-Renaissance" gegeben.


Na, ob das schon eine "Steffani-Renaissance" genannt werden darf, lasse ich mal dahingestellt sein.
Auf jeden Fall ist jetzt bei Vandenhoeck & Ruprecht ein neues Buch über den ehemaligen hannoverschen Hofkapellmeister Agostino Steffani (1654–1728) erschienen. Darin sind Vorträge versammelt, die ganz unterschiedliche Aspekte dieser vielschichtig begabten Persönlichkeit beleuchten. Natürlich auch seine Kompositionen!




Eine Besprechung ist in der HAZ erschienen:

Zitat

Die Werkstatt der europäischen Musik

Zitat


Ein neues Buch über Agostino Steffani erinnert daran, warum Hannover sich mit Recht Musikstadt nennen kann

Zitat



Von Stefan Arndt

Erst die Details eröffnen einen verständigen Blick auf das Ganze. In einem neuen Buch über den ehemaligen hannoverschen Hofkapellmeister Agostino Steffani (1654–1728) sind Vorträge versammelt, die ganz unterschiedliche Aspekte dieser vielschichtig begabten Persönlichkeit beleuchten. Es geht natürlich um Steffani als Komponisten, aber zusätzlich auch um seine Tätigkeit als Diplomat in weltlichen wie kirchlichen Diensten, um die Bedingungen, die er in Hannover vorfand, und um die Nachwirkung, die seine Arbeit in der Musik- und Geistesgeschichte gehabt hat.

„Agostino Steffani – Europäischer Komponist, hannoverscher Diplomat und Bischof der Leibniz-Zeit“ (Vandenhoeck & Ruprecht, 406 Seiten, 45 Euro), heißt das neue Buch. Darin sind Beiträge von Wissenschaftlern wie dem britischen Musikwissenschaftler Colin Timms dokumentiert. Sie wurden 2014 auf einem internationalen und interdisziplinären Symposium in Herrenhausen gehalten. Erst aus der Vielfalt der Autoren und Themen ergibt sich ein Gesamtbild, das einer Figur wie Steffani viel gerechter wird als eine Schilderung aus nur einer Perspektive.

Die Tagung stand am Anfang eines Unternehmens, das sich einer ähnlich differenzierten Arbeitsweise verschrieben hat. Das Forum Agostino Steffani (FAS) ist seit dem Symposium vor allem mit einer jährlichen Festwoche in Erscheinung getreten – die nächste Ausgabe ist für Juni 2018 geplant –, die mit einer besonderen Mischung aus Konzerten und Vorträgen deutlich macht, dass er hier nicht nur um ein Musikfestival zu Ehren eines Komponisten geht.

Der künstlerische Leiter des FAS, Lajos Rovatkay, hat ein kulturgeschichtliches Panorama vor Augen, in dessen Zentrum zwar Steffani und sein wichtigster Wirkungsort Hannover stehen; zugleich nimmt er aber eine europäische Dimension weit über die Stadtgrenzen hinaus in den Blick. Ähnlich wie das Steffani-Buch aus vielen Einzelaspekten ein Gesamtbild zusammensetzt, will Rovatkay dem Festwochen-Publikum nach und nach vor Augen und Ohren führen, welchen außergewöhnlichen Rang Hannover als Musikstadt schon vor 300 Jahren hatte.

Wichtige Rollen spielen dabei Herzog Ernst August und sein vor ihm regierender Bruder Johann Friedrich, die im Streben nach der Kurwürde größtmöglichen Glanz in Hannover entfaltet sehen wollten. Während Ernst August (vermutlich auf Anraten von Leibniz) mit Steffani einen der wichtigsten Komponisten seiner Zeit nach Hannover holte, der die Hofoper mit prachtvollen Werken bespielte, sorgte sein Vorgänger dafür, dass auch die geistliche Musik auf in Norddeutschland bis dahin ungewohnte Höhe gehoben wurde.

Der zum Katholizismus konvertierte Johann Friedrich ließ in der Kapelle des Leineschlosses kunstvolle italienische Kirchenmusik musizieren. So war der Boden bereitet für einen Musiker wie Steffani, der in seinen Werken eine Synthese aus italienischer und französischer Musik vollzog und so auf deutschem Boden einen neuen Stil und eine Basis schuf, auf die bald darauf Bach und später die Wiener Klassiker aufbauen sollten.

Hannover war in den Neunzigerjahren des 17. Jahrhunderts eine „Werkstatt der europäischen Musik“, wie Rovatkay im Begleitwort zum Steffani-Buch schreibt. Wer diese Werkstatt versteht, gewinnt auch ein besseres Verständnis der klassischen und modernen Musik, die das Konzertrepertoire beherrscht. Die neue Veröffentlichung ist dabei die wissenschaftliche Variante der durchaus auch pädagogischen Bemühungen, die die Macher des FAS antreibt. Wer verstehen will, warum Hannover sich tatsächlich mit Recht Musikstadt nennen kann, sollte ihnen unbedingt zuhören.


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