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Albus

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1

Montag, 16. August 2004, 10:19

Giovanni Battista Viotti und seine Violinkonzerte

Tag,

Giovanni Battista Viotti, 1755-1824, stammte aus dem Piemont. Als Geigenvirtuose und Komponist hatte er zu seinen Lebzeiten großen Erfolg. Dies erwähne ich, weil Brahms wie Beethoven Viotti schätzten, von Brahms heißt es, er schätzte Viotti gar sehr, und, weil beide von Viotti für ihre eigenen großen Violinkonzerte Anregungen empfingen (Nachweise in: Charles Rosen, Der klassische Stil, dtv-Bärenreiter Nr. 4413).

Viotti hat an die 150 Werke hinterlassen. Sehr schöne Violinkonzerte sind das Konzert Nr. 16 e-moll und das Konzert Nr. 22 a-moll. Das zuletzt genannte Konzert lieferte Beethoven und Brahms musikalische Motive.

Aufnahmen der Konzerte sind selten: LP EMI 1 C 063-02895, Yehudi Menuhin, Menuhin Festival Orchestra, Violine und Leitung Menuhin; es gibt auch eine Koppelung der Werke in der Deutung von Ulf Hoelscher. Im Konzert hinterließ der junge Uto Ughi einen bleibenden Eindruck mit Nr. 22 (Philharmonisches Staatsorchester Hamburg).

MfG
Albus

Alfred_Schmidt

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2

Montag, 16. August 2004, 10:23

Hallo Albus und Rest der Welt

Mutig, mutig.

Während ich, nachdem Du neulich Viotti erwähnt hast, erwogen habe einen Thread über Viotti zu beginnen, es dann aber doch unterlassen habe, weil ich soicher war, die Resonanz würde nicht allzu groß sein, hast Du es schließlich doch gewagt. ;)

Ja Du hast recht, Brahms hat sich durch Viottis Violinkonzert Nr 22 in a-moll inspirieren lassen, im ersten Satz seines eigenen Kopnzertes(Takt 90 ff) zitiert er es sogar. (Nr 22 war übrigens Luigi Cherubini gewidmet.

Viotti selbst hat 29 Violinkonzerte geschrieben, davon hat er 10 für Klavier transkribiert.

Wenn Die Situation in Bezug auf Aufnahmen von Viottis Konzerten vielleicht auch nicht gerade rosig erscheint, so ist sie aber auch nicht so rabenschwarz wie Du sie malst, zunächst gibt es da die Aufnahme der Violinkonzert Nr 19 und 22. auf cpo
und wie ich soeben sehe zum Budgetpreis von 7.99 Teuro.



(KKRRRRrrrr, die hab ich zum Vollpreis gekauft !!! ;( :P

Ferner wäre dann die Aufnahme des Konzertes Nr 23, sowie Sinfonia Concertante Nr 1 und 2



Naxos steht ja auch nicht gerade im Ruf teuer zu sein, also wieder Budgetprice zum Kennenlernen.

Und dann darf man nicht vergessen zu erwähnen, das ehrgeizige Projekt der Firma Dynamic, alle Viotti-Violinkonzerte auf CD verfügbar zu machen.
Etliche Kinzerte wurden für diese Edition erstmals für die Schllplatte eingespielt.
Für Einsteiger: erst ab etwa Konzert Nr 11 ist Viottis persönliche Handschrift erkennbar, davor war es gut gemachte, galante Musik.



Das Projekt ist AFAIK schon weit fortgeschritten, wenn nicht sogar abgeschlossen, Ich besitze einige CDs aus dieser Serie, die zum Vollpreis angeboten wird. Die Interpretation ist leider eher bemüht und brav, als virtuos oder inspiriert, aber alles kann man wohl nicht haben......


Grüße
aus Wien

Alfred

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Albus

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3

Montag, 16. August 2004, 10:25

Morgen,

sehr schön Alfred, es ist mit meiner Katalogübersicht nichts mehr. Meine Basis liegt eh in der Vergangenheit.

MfG
Albus

Sonnensucher

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4

Sonntag, 8. Januar 2006, 21:52

Hallo zusammen,

ich habe mir vor Kurzem die Mezzena-Box von Dynamic mit den gesammelten Violinkonzerten Giovanni Battista Viottis angeschaft und muß sagen, daß sie mich in der vorliegenden Einspielung nicht gerade vom Hocker reißen.



Franco Mezzena, Violine
Viotti Chamber Orchestra
Milano Classico Orchestra
Ltg. Franco Mezzena


Die Konzerte wirken eher gelangweilt als begeistert und engagiert heruntergespielt, so als wenn's eine ungeliebte, schon ewig vor sich hergeschobene, Sache wäre, die, koste es was es wolle, noch schnell zu Ende gebracht werden muß, um irgendwie den Vertrag zu erfüllen.
Ich persönlich war enttäuscht!

Ich kann nur empfehlen, mal einen Hörvergleich mit der (sehr empfehlenswerten) Kußmaul-Goritzki-Einspielung der Konzerte Nr. 19 und 22 zu machen.



Der Unterschied ist frappierend!


Es grüßt Euch

Laurenz
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Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel.

— Paul Watzlawick —

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Alfred_Schmidt

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5

Sonntag, 8. Januar 2006, 22:04

Zitat

Die Konzerte wirken eher gelangweilt als begeistert und engagiert heruntergespielt, so als wenn's eine ungeliebte, schon ewig vor sich hergeschobene, Sache wäre, die, koste es was es wolle, noch schnell zu Ende gebracht werden muß, um irgendwie den Vertrag zu erfüllen
.


Zitat

Die Interpretation ist leider eher bemüht und brav, als virtuos oder inspiriert, aber alles kann man wohl nicht haben......


Ja, da decken sich unsere Meinungen. Die Kritik schrieb seinerzeit auch nicht grade euphorisch über die Mezzena-Einspielungen.

Aber andrerseits - es gibt ja ansonsten keine Gesamtaufnahme - bzw
generell nur sehr wenig....

Ich bin eigentlich von cpo enttäuscht - weil ich hatte seinerziet mit der ersten Veröffentlichung den Beginn einer Serie erhofft.....

Mag sein, daß nicht ALLE Viotti Violinkonzerte debeutungsvoll sind (IMO wurde allerdings schon bedeutungsloseres eingespielt) - Aber eine Auswahl von 4-5 Cds- das sollte schon drin sein...........


LG aus Wien
Alfred

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Sonnensucher

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6

Montag, 9. Januar 2006, 16:26

Hallo allerseits!
Hallo Alfred!

Zitat

Alfred Schmidt schrieb:

Ich bin eigentlich von cpo enttäuscht - weil ich hatte seinerziet mit der ersten Veröffentlichung den Beginn einer Serie erhofft.....

Mag sein, daß nicht ALLE Viotti Violinkonzerte debeutungsvoll sind (IMO wurde allerdings schon bedeutungsloseres eingespielt) - Aber eine Auswahl von 4-5 Cds - das sollte schon drin sein...........



Vielleicht hilft es ja, das Ganze mal unter dem Gesichtspunkt der "Marktmacht" zu betrachten, in diesem Falle der "Marktmacht" eines Klassikforums!

Auch die Tonträgerindustrie kann irgendwann ein großes und, qualitativ wie quantitativ, hochwertiges Klassikforum nicht mehr einfach ignorieren.
Schließlich schauen die Leute hier nach CD-Empfehlungen, hier wird gnadenlos (aber ehrlich) schlechte Qualität gebrandmarkt und Spitzenqualität gebührend gewürdigt.

Gibt man heute irgendeinen mit Klassischer Musik eng zusammenhängenden Begriff bei Google ein, so erhält man mit großer Wahrscheinlichkeit schon auf der ersten Seite einen Treffer der zu TAMINO führt!

Und da TAMINO eines der bedeutendsten (darüber, ob DAS bedeutendste mögen sich Andere streiten) deutschsprachigen Klassikforen ist, halte ich es durchaus für wahrscheinlich, daß auch die Allgewaltigen der Tonträgerindustrie solche Foren im Blick haben!.
Denn HIER ist ihre potentielle Kundschaft! HIER sind die Multiplikatoren, die durch Empfehlen oder Verreißen einer CD die Absatzzahlen nicht unerheblich mit beeinflussen können!

In diesem Sinne:




Hallo, liebe Leute von cpo;
liebe Interpreten, die ihr, möglicherweise zufällig, auf diese Seite gelangt seid;
liebe Leser, die ihr vielleicht jemanden von cpo oder einen der beteiligten Musiker kennt:

Hier gibt es Musikfreunde, denen die CD von Viottis Violinkonzerten Nr. 19 und 22 mit Rainer Kussmaul und der Deutschen Kammerakademie Neuss unter Johannes Goritzki richtig gut gefallen hat!

Exzellente Arbeit! Wir hätten gern mehr davon!




(mal schau'n, vielleicht hilft's ja ... :hello: )

Es grüßt Euch

Laurenz
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— Paul Watzlawick —

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diotima

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7

Freitag, 3. Oktober 2008, 18:22

Giovanni Battista Viotti

Auch eine sehr schöne Einspielung! Erscheinungsdatum: 20.09.2004 zum Preis von 15,99 Euro.



Detailinformationen

* Künstler: Guido Rimonda, Camerata Ducale Orchestra, Rimonda
* Label: Bongiovanni , DDD, 2002

Violinkonzerte Nr. 4 & 10
Ich glaube an die Magie der Liebe (H. Hesse)

Alfred_Schmidt

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8

Samstag, 23. Mai 2009, 16:28



Besten Dank liebe Diotima für diese Empfehlung, ich würde sie jedoch nicht als "auch eine sehr schöne Einspielung" beurteilen, sondern ich meine, sie zählt zum Besten was derzeit in Sachen Viotti am Markt ist, weit überlegen den eher "braven" Einspieluingen von Dynamic (die allerdings sehr achtbar sind - es gibt in den meisten Fällen keine Alternative dazu)

Aber diese Aufnahme ist eine Ausnahmeerscheinung, sowohl in Sachen Interpretation, Geigenklang und Tontechnik allgemein. Soviel Schmelz, soviel harziger Klang, soviel Süsse findet man sonst nirgends, meiner Meinung nach..........

Kommt in meine Liste "unverzichtbarer" Aufnahmen..

mfg aus Wien

Alfred

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Hüb'

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9

Donnerstag, 21. April 2016, 07:37

Hallo zusammen,

Nr. 22 wurde unter anderem auch von Arthur Grumiaux eingespielt:

Ludwig van Beethoven (1770-1827)
Violinkonzert op.61
+ Viotti: Violinkonzert Nr. 22
Arthur Grumiaux
New Philharmonia Orchestra, Alceo Galliera (Beethoven)
Concertgebouw Orchestra, Edo de Waart
Philips, ADD, 1966/70

Ich muss gestehen, dass dieses Konzert für mich nur "Beifang" vor dem Hintergrund des Kaufs des Beethoven-Konzerts war. Aber obwohl von meiner Seite keine Erwartungen in dieses Werke gesetzt worden sind, muss ich sagen: sie wurden nicht erfüllt. :D Das Konzert ist sehr solistisch gedacht und reißt mich insgesamt nicht vom Hocker. Wenn die Nr. 22 aus dem VK-Schaffen von Viotti herausragt, dann erscheint mir das vielmehr als Warnung vor dem Rest. :stumm: Ich würde zumindest so weit gehen, dringend zu empfehlen, nur in umfassender Kenntnis von diversen Hörproben der verschiedenen Werke zu einer Edition mit sämtlichen seiner Violinkonzerte zu greifen.

Viele Grüße
Frank

Alfred_Schmidt

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10

Donnerstag, 21. April 2016, 22:05

Viottis Violinkonzerte darf man natürlich nicht mit jenem von Beethoven vergleichen. Eigentlich gibt es überhaupt niemanden mit dem am Viotti vergleichen könnte. Vielleicht könnte man sie als leichtgewichtigen Mozart einstufen, Viotti wollte seine Hörer unterhalten, das war es was von ihm verlangt wurde - und was er auch blendend beherrschte. Seine Konzerte sollten weder aufrütteln, noch innovativ oder gar revolutionär sein, sie sollten gefallen. Was sie ja auch taten. Sie sind in der Tat dem galanten Stil verpflichtet, stellenweise leicht süsslich, mäßig virtuos. Ich habe mir zur Kontrolle das Violinkonzert Nr 20 in D-dur angehört und finde, dass die von mir gewählte Beschreibung einigermaßen passt. Zumindest bei jpc ist die Aufnahme als nicht mehr verfügbar gemeldet.

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

PS: Auch wenn die Serie nicht mehr komplett zu haben ist, so werde ich in Bälde eine weitere dazukaufen, mir sind die Konzerte aus dem Gedächtnis entschwunden.....

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Reinhard

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11

Freitag, 22. April 2016, 17:24

Das mit der Nr. 22 scheint ja wohl das beliebteste zu sein. Da gibt es auch eine Aufnahme mit David Oistrach und dem Staatsorchester der UdSSR unter Kondraschin. Eine 10"-LP müßte sich in meinem Plattenschrank befinden.


 
Leiste guten Menschen Gesellschaft, und du wirst einer von ihnen werden. Miguel de Cervantes

Alfred_Schmidt

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12

Samstag, 23. April 2016, 15:00

Ich habe soeben meine Sammlung durchgestöbert. Ganze 4 CDs aus dem Dynamic-Projekt aller Viotti Violinkonzerte sind in meinem Besitz. Irgendwann habe ich aufgehört zu sammeln, weil die Kritik doch sehr durchwachsen war, ich erinnere mich, daß einst ein Kritier drüber schrieb: "Nicht Fisch und nicht Fleisch". Persönlich hätte ich mit etwas mehr Brillianz und Eleganz gewümsch - und so entschloss ich mich auf ein Konkurrenzprojekt zu warten, welches ab auch im Verlauf von zehn Jahren von keinem Label in Angriff genommen wurde. Viele der Dynamic - Einspielungen sind "Erstaufnahmen" - und zugleich sind die oft die einzigen geblieben. Inzwischen ist ein Teil der Aufnahmen bereits aus den Katalogen verschwunden, und ich muß nachkaufen was eben übriggeblieben ist...
Wie auch immer: Viotti ist einer der bedeutendsten Komponisten von Violinkonzerten im 18, Jahrhundert.....
Für alle, die einfach "galante" und elegante Musik hören wollen eine optumale Anschaffung, nicht aber für jene die nach "Dramatik" und "Innovation" suchen......

mfg aus Wien - Alfred

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13

Sonntag, 24. April 2016, 11:34

Das 22. war anscheinend auch im 19. Jhd. durchweg bekannt, Brahms soll das Werk geschätzt haben und spielt in einem Thema seines Doppelkonzerts (das Seitenthem in den Bläsern nach dem "Anfangssolo") auf das Hauptthema des Kopfsatzes bei Viotti an. Ich habe eine einzelne CD von cpo seit Jahren auf der Liste, gekauft habe ich sie bisher nicht. Bin zu oft von Konzerten aus den einschlägigen Reihen (hyperion) enttäuscht worden. Das waren Virtuosenvehikel und oft leider nicht viel mehr (oder jedenfalls so viel weniger interessant als die bekannt gebliebenen Stücke, dass es sich für mich nicht lohnt... ich finde ja selbst von den berühmten Konzerten viele nicht besonders toll :untertauch: ).

Hüb'

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14

Sonntag, 24. April 2016, 11:45

Zitat

Das waren Virtuosenvehikel und oft leider nicht viel mehr

Sehe ich - sogar im Falle von Nr. 22 - ebenso.
Es wundert mich auch nicht, dass selbst in Zeiten, in denen "alles" in enzyklopädischer Art und Weise veröffentlicht wird, es keine Bemühungen in Richtung Viotti und seiner VK zu geben scheint.

Zitat

Viotti ist einer der bedeutendsten Komponisten von Violinkonzerten im 18, Jahrhundert.....

"War", würde ich vielmehr schreiben. Seine aktuelle Rezeption relativiert seine Bedeutung scheinbar doch erheblich.

Zitat

nicht aber für jene die nach "Dramatik" und "Innovation" suchen.

Man könnte auch "Substanz" schreiben. Instrumentale Beherrschung als Artisterei ist mir als Qualitätskriterium jedenfalls deutlich zu wenig, zumal in der heutigen Zeit, wo Profession zu allermeist Mindestvoraussetzung dafür ist, dass ein ausführender Künstler überhaupt wahrgenommen wird.

Viele Grüße
Frank

zweiterbass

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15

Sonntag, 24. April 2016, 12:19

Hallo Frank,

zum letzten Satz
:jubel:
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

Alfred_Schmidt

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16

Sonntag, 24. April 2016, 17:38

Zitat

Man könnte auch "Substanz" schreiben. Instrumentale Beherrschung als Artisterei ist mir als Qualitätskriterium jedenfalls deutlich zu wenig, zumal in der heutigen Zeit, wo Profession zu allermeist Mindestvoraussetzung dafür ist, dass ein ausführender Künstler überhaupt wahrgenommen wird.


Nicht alles was unangenehm klingt oder hässlich aussieht ist "Substanz, obwohl das immer wieder bei Werken behauptet wird, die in vergangen Zeiten den Schöpfer ins Irrenhaus oder auf den Scheiterhaufen gebracht hätten.
Viotti hat - wie unverzeihlich von ihm - für seine Zeitgenossen geschrieben, und keineswegs für die Nachwelt.
Der Adel und die bürgerliche Oberschicht des 18, Jahrhunderts beherrschte etwas, das heute verloren gegangen ist, nämlich die Kunst sich auf hohem Niveau zu unterhalten ohne immer wieder die Abgründe des Lebens vor Augen zu haben. Es ist aber nich nehr verloren gegangen, Noch um ca 1970 beklagte man, daß die "Individualität" der Interpreten verloren gegangen sei, (heute nennt man dies "Unarten" )und daß eine roboterhafte Interpretationstechnik um sich greife, Man spiele nicht miehr, um dem Publikum zu gefallen, sondern bei der Jury von Wettbewerben Eindruck zuschinden.
Ich ziehe jedenfalls ein Wert von Viotti und Co jedem "substanzreichen" Werk des 20. Jahrhunderts vor.
Denn wir dürfen nicht aus den Augen verlieren, daß Musik, und die "schönen Künste" im allgemeinen, lediglich dazu gedacht waren, den unangenehmen Alltag zu verdrängen und das Leben zu versüssen. Darüber kann von mir aus gern diskutuert werden - aber bitte nicht im Viotti Thread......

Beste Grüße aus Wien
Alfred

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17

Sonntag, 24. April 2016, 19:14

Was bei mir Interesse weckt, ist allerdings, dass Brahms (und vermutl. Josef Joachim) nicht gerade dafür bekannt war(en), oberflächliche Virtuosität zu schätzen. Wenn irgendein Komponist Virtuosität eher versteckt hat (obwohl alle seine Konzerte wohl technisch beträchtliche Herausforderungen bieten) und so dicht und substanzreich wie möglich komponiert hat, dann Brahms und man sollte eigentlich davon ausgehen, dass sich seine Vorlieben, zumal bei Musik, die damals über 100 Jahre alt war und ihn, anders als vielleicht Schütz, Bach oder Beethoven kaum "technisch" etwas lehren konnte, nicht völlig quer zu seinem sonstigen Naturell verhalten... D.h. Brahms muss in besagtem Konzert sicher mehr gesehen haben als ein dankbares Stück für einen Geiger oder gepflegte Unterhaltung.

Alfred_Schmidt

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18

Sonntag, 24. April 2016, 19:59

Zitat

Was bei mir Interesse weckt, ist allerdings, dass Brahms (und vermutl. Josef Joachim) nicht gerade dafür bekannt war(en), oberflächliche Virtuosität zu schätzen. Wenn irgendein Komponist Virtuosität eher versteckt hat (obwohl alle seine Konzerte wohl technisch beträchtliche Herausforderungen bieten) und so dicht und substanzreich wie möglich komponiert hat, dann Brahms und man sollte eigentlich davon ausgehen, dass sich seine Vorlieben, zumal bei Musik, die damals über 100 Jahre alt war und ihn, anders als vielleicht Schütz, Bach oder Beethoven kaum "technisch" etwas lehren konnte, nicht völlig quer zu seinem sonstigen Naturell verhalten... D.h. Brahms muss in besagtem Konzert sicher mehr gesehen haben als ein dankbares Stück für einen Geiger oder gepflegte Unterhaltung

Ich zitiere ausnahmsweise mal den ganzen Beitrag (was ja bekanntlich als Unart gilt) weil hier das Ausschneiden einzelner Passagen nicht sinnvoll wäre.

Zunächst ist die Auswahl - hier Brahms' Violinkonzert gegen Viotti auszuspielen, denkbar unglücklich denn ich bekomme hier sozusagen gleich zwei argumentative Waffen quasi in die Hand gelegt.

Zum ersten ist (schriftlich) überliefert, daß Joachim Brahms das Viotti Violinkonzert erstmals gezeigt hat, um ihm zu animieren, selbst eines zu schreiben. Brahms soll sich "mit hochrotem Kopf" über die Noten gestürzt haben und sich voll Begeisterung geäussert haben, dass es so etwas überhaupt gibt.

Weiters ist mir eine Bemerkung von Brahms in Erinnerung, wo er sinngemäß sagt oder schrieb: "Seien wir froh, daß nur wenige die Konzerte von Viotti und (Komponistennahme entfallen) kennen, denn sonst würde kein Mensch unsere hören wollen" Die Quelle dürfte im Beitext einer meiner Schallplatten gewesen sein - darüber verfüge ich aber leider nicht mehr.

Ganz so abwgig ist das letztlich nicht, denn der Dirigent Helmesberger äussertes sich sinngemäß, daß Brahms hier kein Konzert für die Violine, sondern eines GEGEN die Violine geschrieben hätte. Ein teilweise ablehnendes Urteil ist auch von Pablo de Sarasate überliefert, Henryk Wieniawski bezeichnete es gar als unspielbar.....

Zum später komponierten Doppelkonzert von Brahms (1. Satz) schreibt Wikipedia :

Zitat

"Das von den Bläsern intonierte Seitenthema spielt deutlich auf den Beginn des 22. Violinkonzerts a-Moll von Giovanni Battista Viotti an, eines Werks, das sowohl Brahms wie auch Joseph Joachim sehr schätzten."


Ähh- soviel zur fehlenden Substanz von Viottis Wiolinkonzerten

mfg aus Wien
Alfred

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Hüb'

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19

Montag, 25. April 2016, 09:06

Ich will Viotti seine musikhistorische Bedeutung und insbesondere seine Rolle in der Fortentwicklung des Violinkonzerts gar nicht absprechen.

Die Urteile anderer Musiker über Viottis Werke sind zweifellos gewichtig - aber sicher auch dem Kontext ihrer Zeit geschuldet. Aus der heutigen Perspektive stellt sich die Musik vermutlich anders da, sonst wäre sie präsenter (Tonträger, Aufführungen).

Viotti gegen Brahms oder moderne Musik abzuwägen halte ich allenfalls aus der Perspektive für sinnvoll, wessen Musik man sich heutzutage denn tatsächlich noch anhören will. In meinen Ohren verliert Viotti da doch sehr eindeutig.

Zitat

Weiters ist mir eine Bemerkung von Brahms in Erinnerung, wo er sinngemäß sagt oder schrieb: "Seien wir froh, daß nur wenige die Konzerte von Viotti und (Komponistennahme entfallen) kennen, denn sonst würde kein Mensch unsere hören wollen" Die Quelle dürfte im Beitext einer meiner Schallplatten gewesen sein - darüber verfüge ich aber leider nicht mehr.

Solche Fehlurteile zeigen, dass selbst Brahms auch nur ein irrender Mensch war... :angel: :D

Zitat

und keineswegs für die Nachwelt

Wer schreibt schon nur für die Nachwelt?
Die Argumentation ist aber IMHO insofern schwach, lieber Alfred, als dass andere Komponisten mit umfangreichem Schaffen, welches in Richtung eines Auftraggebers oder auch "Zielpublikums" geschrieben haben, durchaus eine andere Tiefe und Nachwirkung erreichen konnten (Haydn, Mozart, ...). Daher werden ihre Werke ja auch noch eingespielt, aufgeführt und wegen ihrer musikalischen Qualität von heutigen (!) Hörern geschätzt, was durchaus die Definition eines "Klassikers" sein mag. :)

Publikumswirksam zu schreiben halte ich übrigens für absolut legitim, solange sich ein Komponist nicht gar zu sehr anbiedert (wobei das eher ein Phänomen der massenmediengetragenen Popkultur des 20. und 21. Jahrhunderts sein dürfte) bzw. allzu beliebig und identitätslos komponiert.

Ich kann mir aktuell jedenfalls nicht mal auf Tonträger eine Viotti-Renaissance vorstellen. Der Markt scheint mit der adäquat mediokren Dynamic-Produktion vollauf gesättigt. :stumm:

Viele Grüße
Frank

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20

Montag, 25. April 2016, 16:37

Ich verstehe Alfreds Antwort nicht recht, denn ich hatte doch gerade geschrieben, dass Brahms anscheinend in dem Viotti viel mehr als ein "Virtuosenkonzert" gesehen hat und dass das für mich durchaus eine Motivation wäre, sich das Stück anzuhören.

Dass die Bescheidenheitsgesten Brahms' gegenüber Bach, Mozart oder Beethoven vielleicht manchmal etwas übertrieben, aber im Grunde ernst gemeint gewesen sind, glaube ich schon. Dass er meinte, er sei kein besserer Komponist als Viotti, glaube ich nicht... Gerade beim Konzert hat sich Brahms außerdem sehr deutlich der "symphonischen Variante", die ja keineswegs dominant gewesen ist, angeschlossen, so dass Viotti schon von daher gar keinen echten Vergleich zulässt, denn dessen Konzerte stammen ja noch aus der Zeit vor der "Spaltung" ins sinfonische bzw. "Virtuosenkonzert"

Nur kann ich diese Vorliebe Brahmsens jedenfalls anhand der Schnipsel nicht nachvollziehen, deswegen ist die CD immer wieder nach hinten auf die Warteliste gerutscht.

Alfred_Schmidt

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21

Montag, 25. April 2016, 18:45

Ich bin sehr froh über diese verschiedene Sicht auf Viottis Werk, denn wenn wenn er einen "Schwachpunkt" hat, dann, dass man über ihn und seine Werke nur schwer diskutieren kann. Es gibt keine "politische Aussage", kein "Fehlverhalten" keinen ausschweifenden Lebenswandel, allenfalls eine nicht ganz uninteressante Biographie. Viotti war sozusagen ein Opfer der französischen Revolution, er musste nach London fliehen, wo er nach einiger Zeit als Spion der französischen Jakobiner gesehen wurde und erneut das Land verlassen musste. Stets hatte er mit Intrigen zu kämpfen. Einflussreiche englische Adelige und vermutlich Johann Baptist Cramer haben gegen ihn beim König interveniert. Viotti stellte seine Konzertauftritte ein und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Eine Beteiligung an einer Weinhandlung endete mit einem Desaster. Viotti starb in Armut, schwer verschuldet.
Nach diesem kurzen Exkurs ins Private, wieder zurück zum Komponisten. Johannes hat gemeint, Mozarts Werke würden - im Gegensatz zu Viotti - heute noch gespielt. Allerdings geniessen nur die Violinkonzerte Nr 4 und 5 eine gewisse Berühmtheit, die anderen werden, ebenso wie jene von Josoph Haydn heut allgemein nicht so hoch eingeschätzt, wie sie es eigentlich verdient hätten.
Viotti war indes ein Komponist für die Violinie, allerdings hat er von einigen seiner Violinkonzerte eine Fassung für Klavier angefertigt, ähnlich wie das später Beethoven mit seiem machte. Die momentane Reputation krank vermutlich daran, dass kein Label sich an eine Gesamaufnahme mit einem Orchester und Solisten erster Wahl wagt. Ich könnte mir hier sehr gut Giuliano Carmignola vorstellen, beispielsweise mit demVenice Baroque Orchestra unter Andrea Marcon oder der Accademia Bizantina unter Ottavio Dantone . Die "Archiv-Produktion" könnte beispielsweise aus dem Dauertiefstschlaf erwachen und wieder ein markantes Lebenszeichen setzen. Wahrscheinlicher allerdings sind Neuaufnahmen der Label Naxos oder Brilliant Classics...

Im Rahmen meiner Recherche habe ich endlich eine Textstelle gefunden, die aus einem Brief von Johannes Brahms an Clara Schumann stammt: "Das a-moll Konzert von Viotti ist meine ganz besondere Schwärmerei .... Es ist ein Prachtstück von einer merkwürdigen Freiheit in der Erfindung; als ob er phantasiere, klingt es, und ist alles meisterlich gedacht und gemacht"

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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22

Sonntag, 22. Mai 2016, 21:44

Giovanni Battista VIOTTI - Violinkonzert Nr 1

Ich zitiere nur selten aus Wikipedia, aber im konkreten Falle halte ich es für angebracht, vor allem weil Viotti weiter oben im Thread indirekt als Langweiler abgetan wurde.

Zitat

Komponisten wie Pierre Rode, Pierre Baillot, Rodolphe Kreutzer und in Deutschland Louis Spohr folgten dem Stil und Modell seiner Konzerte, in geringerem Maße auch Ludwig van Beethoven.


Na - nicht schlecht, meine ich.

Fragen wir uns wie denn nun das Ganze wirklich klingt. Günstig ist es, bei den ersten Konzerten zu beginnen, denn Giovanni Battista Viotti (1755-1824 lebte ja von der Übergangszeit der späten Klassik zur Romantik. Ein Jahr vor Mozart geboren, überlebte er diesen um 33 Jahre.
Das Violinkonzert Nr 1 ist durchaus dem Stile der frühen Mozart Violinkonzerte ähnlich. Es entstand, ebenso wie die Konzerte Nr 2-6 im Jahre 1782. Bei der Dynamic-Aufnahme handelt es sich um eine Ersteinspielung.Und natürlich sind sie auf den Virtuosen Viotti zugeschnitten - Komponist und Interpret in Personalunion, auch das italienische Temperament kommt hier durch. Zudem ist alles übersichtlich gegliedert

mfg aus Wien
Alfred

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Hüb'

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23

Dienstag, 31. Mai 2016, 11:29

Hallo,

wenn auch nix für mich, aber weitere Werke bzw. Bearbeitungen Viottis sind auf dieser noch recht neuen CD zu haben:



Viele Grüße
Frank

orsini

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24

Freitag, 21. Juli 2017, 17:24

La Marseillaise auf Italienisch


Giovanni Battista Viotti
Violinkonzerte Nr. 12 und Nr. 25
Tema e Variazioni für Violine und Orchester
Camerata Ducale, Guido Rimonda, Violine

Eine fesselnde und auch klanglich für sich einnehmende CD mit zweien der insgesamt 29 Violinkonzerte von G.B. Viotti, ergänzt durch ein Variationsstück, das besondere Aufmerksamkeit verdient...
Das Thema dieser Variationen ist das Hauptthema der Marseillaise, die gemeinhin auf Rouget de Lisle zurückgeführt wird, der sie im April 1792 komponierte.
Interessanterweise stammt Viottis Thema aber bereits aus dem Jahre 1781, ist mithin gut 11 Jahre älter...
Es gibt Spekulationen, ob z.B. Rouget de Lisle die Noten von I. Pleyel bekommen haben könnte, der Viottis Verleger war. Bereits 1791 hatte es eine Zusammenarbeit zwischen Pleyel als Komponisten und Rouget de Lisle gegeben, als dieser einem Militärmarsch von Pleyel die entsprechenden Verse unterlegte. Ähnliches könnte hier passiert sein... Viotti, 1792 auf Grund seiner Verstrickungen mit dem alten Regime nach London geflohen, hätte wenig Möglichkeiten gehabt, die Urheberschaft für das Thema für sich zu reklamieren und musste aus der Ferne tatenlos zusehen, wie sein Thema unter einem anderen Namen um die Welt ging.

Nun sind Musikhistoriker gefragt zu urteilen: hat der eine vom anderen oder hat er nicht... Im Internet finden sich einige interessante Artikel zum Thema Marseillaise und Plagiat. Ungeachtet dessen ist es sehr hörenswerte Musik...

Der Youtube-Clip zeigt auch Tema e Variazioni mit dem gleichen Ensemble, allerdings liegen Welten zum Klang auf CD.
Man soll nicht lügen. Es sei denn, daß man mit der Wahrheit noch schlechter führe.
Curt Goetz

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