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Helmut Hofmann

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31

Mittwoch, 7. Juni 2017, 18:41

Vielleicht – animiert durch Alfreds Freude über das „gute Laufen" dieses Threads - noch eine Anmerkung zu Josef von Spaun.
Es wurde ja schon darauf hingewiesen (durch Alfred selbst und durch hart), welche Bedeutung er für das kompositorische Schaffen von Schubert hatte, indem er ihn immer wieder ermutigte, gleichsam seine schützende Hand über ihn hielt und ihn „fleißig mit Vorwürfen“ versorgte. Aber es war wohl auch ein wechselseitig enges menschliches Verhältnis, was beide miteinander verband.

Als Spaun 1821 nach Linz versetzt wurde, beklagte er, dass Schubert nun für ihn „verklungen“ sei. Dieser wiederum verspürte durch diese Versetzung von Spaun eine „unausgefüllte Leere“ und widmete ihm sein „Liederheft oo.13“ mit den Titeln „Der Schäfer und der Reiter“, „Lob der Tränen“ und „Der Alpenjäger“.
Vielsagend ist der die Widmung begleitende briefliche Kommentar, weil er erkennen lässt, dass sich Schubert sehr wohl dessen bewusst war, was Spaun für ihn bedeutete und wie viel er ihm schuldete. Sie lautet:
„Ich hoffe Dir durch die Dedication dieser drey Lieder eine kleine Freude zu machen, die Du aber so sehr an mir verdient hast, daß ich Dir wirklich u. ex officio eine ungeheure machen sollte (…). Auch wirst Du mit der Wahl derselben zufrieden sein, indem ich die wählte, die Du selbst angegeben hast.“

Spaun steuerte zu Schuberts Liedkompositionen den Text von „Der Jüngling und der Tod“ bei und widmete sich in engagierter Weise seinem Andenken, indem er einen Nekrolog „Über Franz Schubert“ verfasste und die letzte „Schubertiade“ vom 23. Dezember 1828 initiierte, auf der durch Vogel späte Liedkompositionen Schuberts vorgetragen wurden, unter anderen „Der Doppelgänger“ und „Die Taubenpost“.

Alfred_Schmidt

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32

Freitag, 9. Juni 2017, 11:07


FERDINAND HILLER

Bildarchiv ÖNB Inventar Nr PORT_00154264_01


Heute steuere ich unserem "Puzzle" eine Szene bei, die vom 16 jährigen Ferdinand Hiller erlebt und aufgezeichnet wurde. Man beachte hierbei das analytische Ohr, das, bei aller Begeisterung, die Schwächen der Stimme des alternden (er war 59) und schon in Pension befindlichen Hofkammersängers Johann Michaek Vogl bemerkt, und auch Schuberts Klavierspiel unbarmherzig entmystifiziert - und dennoch hat Hiller die Ausstrahlung der beiden gespürt und eindrucksvoll schriftlich festgehalten.

Ferdinand von Hiller (1811-1885) war seit seinem 10 Lebensjahr ein Schüler Hummels, mit dem er im März 1827 Wien besuchte, wo er kurz vor dessen Tode Ludwig van Beethoven traf, und auch Franz Schubert. Über einen solchen Besuch hinterließ er folgende Aufzeichnungen;

Zitat

Als ich im Winter 1827 mit meinem Meister nach Wien reiste, wo ich Beethoven , wenige Wochen vor seinem Tode noch sehen und sprechen sollte, hatten wir Schubert nie nennen hören. Eine Jugendfreundin Hummels, die frühere Sängerin Buchwieser, damals die Gattin eines reichen ungarischen Magnaten schwärmte für ihn, oder vielmehr für seine Gesänge, und in deren Hause wurde er dem berühmten Kapellmeister vorgestellt,
Wir speisten dort mehrmals in Gesellschaft des stillen jungen Mannes und seines Leibsängers, des Tenoristen Vogl. Letzterer, schon ältlich, aber voller Feuer und Leben, hatte sehr wenig Stimme mehr – und das Klavierspiel Schuberts war – trotz einer nicht unbedeutenden Fertigkeit - weit entfernt meisterlich zu sein.
Und doch habe ich die Schubertschen Gesänge nie wieder gehört wie damals! Vogl wusste seinen Mangel an Stimme durch innigsten, treffendsten Ausdruck vergessen zu machen, und Schubert begleitete wie er begleiten musste. Ein Stück folgte dem anderen - wir waren unersättlich – die Ausführenden unermüdlich. Ich habe noch meinen dicken, treuherzigen Meister vor Augen, wie er in dem großen Salon, seitwärts vom Piano auf einem bequemen Sessel saß - er sagt wenig, aber die hellen Tränen liefen ihm über die Wangen. Wie mir dabei zumute, vermag ich nicht zu schildern, es war eine Offenbarung.


Mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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33

Samstag, 17. Juni 2017, 23:11

Ein weiterer Stein in unserem Puzzle ist die Beschreibung Schuberts durch Joseph von Sonnleithner.
Er beschreibt Schubert als schüchtern und wortkarg, nicht auf Ruhm und Komplimente ausgerichtet, gefällig auf Hausbällen in Famlienkreisen Walzer am Klavier zu inprovisieren, wovon er jene die ihm am besten gefiele spiäter niederschrieb. Er selbst war Nichttänzer (wie später auch Johann Strauß)
Sene Ideale waren Mozart und insbesondere Beethoven dessen Sinfonien ihn begeisterten. Interessant ein Satz bei Sonnleithner "Von einem Zukunftsmusiker hatte er keine Spur an sich "

mfg aus Wien
Alfred

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34

Montag, 19. Juni 2017, 03:25


Franz Lachner 1835 - Lithographie von Staub


Interessant sind auch die Erinnerungen von Franz Lachner (1803-1890), der im Alter von 19 Jahren nach Wien kam, Schubert war damals 25. Lachner und Schubert speisten unabhängug voneinander des öfteren im selben Lokal, namens „Haidvogel“ in Stephansplatznähe Es wurde noch zu Lachner Lebzeiten abgebrochen. Man lernte sich bei einem Konzert näher kennen und befreundete sich, Lachner lernte durch Schubert Bauernfeld, Schwind, Randhartinger, Lenau, anastasius Grün, Grillparzer, Castelli, Theodor Georg von Karajan, Dessauer, Feuchtersleben ua. Im Gasthaus „Zum Stern“ auf der Brandstätte traf man sich dort, es gab Dichterlesungen und Gedichte wurden den dort teilnehmenden Komponisten zur Vertonung überlassen.
Lachner und Schubert unternahmen Regelmäßig Spaziergänge nach Hietzing, Dornbach, Klosterneuburg auf den Kahlenberg und den Leopoldsberg.
Lachner und Schubert zeigten einander ihre Kompositionsentwürfe. Lachner wohnte in einem Gartenhaus und Schubert besuchte ihn oft (Wenn ich mir die Anzahl von Schuberts Freunden und seine Kontakte ansehe, dann frage ich mich, wann der überhaupt zum Komponieren Zeit fand, In ebendiesem Gartenhaus wurden zahlreiche Werke Schuberts im privaten Kreis uraufgeführt, z.B: die vierhändige Phantasie in f-moll op 103 (heute D 940, aber das konnte Lachner natürlich noch nicht wissen).


Phantasie in f.moll op 103 D 940

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mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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Alfred_Schmidt

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35

Freitag, 30. Juni 2017, 11:12

Eine weitere Person im Leben von Franz Schubert war Albert Stadler (1794-1884)
Von ihm scheint es nicht mal ein Portrait zu geben, die Recherche bei allen in Frage kommenden Quellen war negativ. Und dennoch ist er eine für die Schubert-Forschung bedeutende Persönlichkeit. Er kannte Schubert noch vom Konvikt in Kremsmünster her. Hatte mit ihm aber auch noch später Kontakt, was lt. seinen Berichten nicht gerne gesehen war, da man (vermutlich zu recht) Ablenkung von Schuberts Studien – und da waren nicht die musikalischen gemeint - befürchtete.
Ich komme nun auf Stadlers Berichte zurück, wer die treibende Kraft hinter dem ganzen Projekt war. Das habe ich bislang noch nicht herausgefunden – vermutlich war es Ferdinand Luib (Redakteur, Schriftsteller, für kurze Zeit (1847/48) Herausgeber der "Neuen Wiener Musikzeitung“, der seit 1847 eine Schubert Biographie plante - aber sämtliche Freunde und auch Bekannten wurden aufgefordert, aus ihren Erinnerungen über Erlebnisse mit Schubert zu berichten. Da kam eine ganze Menge an Material zusammen, beispielsweise viele Briefe. Sogar ein Teil der verschollenen konnte grob rekonstruiert werden, wenn Antworten darauf vorhanden waren.
Stadler berichtete, dass Schubert in der Zeit um 1815 oder knapp danach, sich oft mit Freunden traf und dass er ihnen oft seine Gelegenheitswerke überließ. Stadler sammelte einige davon und fertigte teilweise auch Abschriften an. Diese sind oft die einzige Quelle zu diesen Werken, deren Original verloren gegangen ist.
Albert Stadler selbst war Beamter, Komponist und Schriftsteller. Es wird vermutet, dass er seine musikalische Ausbildung durch Salieri erhielt, Schubert vertonte einig seiner Dichtungen und widmete ihm zwei seiner Kompositionen (D 565 und D 685)
Ein von Stadler komponierter Streichqartettsatz wurde früher Schubert zugeschrieben.

Mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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Helmut Hofmann

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Freitag, 30. Juni 2017, 11:56

Zit. Alfred Schmidt (schön, dass wir ihn nun in Original-Foto unter uns haben): "...vermutlich war es Ferdinand Luib...".

Aus einem Brief Ferdinand Schuberts geht hervor, dass Ferdinand Luib seit 1847 großes Interesse "an dem Renommee" Schuberts zeigte. Er plante eine Schubert-Biographie und besorgte sich dazu Material vom Schubert-Biographen Ludwig Gottfried Neumann. In den Jahren 1857/58 sandte er Fragebogen an Angehörige des Schubert-Kreises und erhielt zahlreiche Antworten, u.a. auch von Stadler. Das Material soll dann, nachdem Luib den Plan aufgegeben hatte, in die Hände von Heinrich Kreißle gekommen sein, der 1865 eine Schubert-Biographie publizierte (Verlag Gerold´s Sohn, Wien).

Rheingold1876

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37

Donnerstag, 13. Juli 2017, 23:12



Mit dem Hinweis auf dieses kleines Büchlein möchte ich den schönen Thread wieder hervorholen. Es ist in der Insel-Reihe erschienen und mehrfach aufgelegt worden. Inhaltlich bietet es eine sehr kompakte Zusammenstellungen von Auszügen aus Briefen, Erinnerungen und Tagebüchern. Als Motto ist ein sehr hintergründiger Eintrag aus Schuberts Tagebuch vorangestellt: "Glücklich, der einen wahren Freund findet. Glücklicher, der in seinem Weibe einen wahren Freund findet."

Und noch zwei weitere Literaturhinweise zum Thema:

Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."