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Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
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Beiträge: 18 770

Registrierungsdatum: 9. August 2004

1

Donnerstag, 15. Juni 2017, 16:48

Haydn, Joseph: Sinfonie Nr.52 c-moll

Joseph Haydn: Sinfonie Nr 52 in c-moll

Besetzung: zwei Oboen, zwei Hörner, zwei Violinen, Viola, Cello, Kontrabass.

Da die Originalpartitur nicht mehr existiert kann die Enstehungsszeit nur grob eingeschätzt werden, im allgemeinen wird das Jahr 1771 (plus/minus) angenommen.
Schon bei den ersten Klängen, weiß man das die Sinfonie dem Sturm und Drang zuzuordnen ist. Von Haydns, ihm nachgesagtem Witz und Spritzigkeit ist hier nichts zu hören.
Der erste Satz ist besonders harsch und schrill, was von mir als unangenehm empfunden wurde, aber auch andere Beschreibungen gehen in diese Richtung, wobei die Beurteilung ob diese besondere Ausprägung ein Vor- oder Nachteil sein mag, natürlich divergieren, Teilweise wird dem ersten Satz das Gefühl des "unverhüllten Zorns" unterstellt, ein Vergleich, der mir eigentlich rechtr gut gefällt.
Der Musikforscher Robbins Landon verglich diese Sinfonie mit "einer feurigen Explosion" In gewisser Weise ist das richtig, lediglich daß die Mittelsätze nich wirklich feurig sind. Hier herscht Düsternis, de gelegentlich von einiegen "Eruptionen" aufgewühlt wird. Einen Lichtblick aus meiner Sicht, bietet lediglich ein Teil des dritten Satzes, wo Hörnerlang die Finsterniss ein wenig aufhellt und vorläufige Ruhe ins Geschehen bringt. Am besten gefällt mir indes eine Beschreibung die den ziemlich abrupten Ausklang der Sinfonie als "mürrisch" bezeichnet, Das trifft es IMO punktgenau, Ich empfand indes die gesamte Sinfonie als aggressiv, schlill, harsch, düster und mürrisch....
Sie wird indes von einigen Musikforschern auch als "herausragend" angesehen, da Haydn hier "gewohnte Pfade" weitgehend verlässt. Aber gibt es denn bei Haydn überhaupt "gewohnte Pfade ?
Ich habe die Aufnahme mit dem Orchester "Tafelmusik" unter Bruno Weil gehört, deren Mozartprojekt leider nach 7 CDs eingestellt wurde (oder gar nicht größer geplant war ?) Sechs davon bessitze ich. Leider ist dieses Projekt nur mehr komplett als Box - allerdings zu einem moderaten Preis (28.99Teuro) im Angebot.

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 468

Registrierungsdatum: 12. August 2005

2

Freitag, 16. Juni 2017, 11:30

Unter den "Sturm-und-Drang-"Sinfonien in Moll ist das vorliegende Werk anscheinend eines der weniger bekannten. Es hat, wie Nr. 39, ja auch keinen Beinamen. Was die "Konventionalität", bei der man in dieser Epoche immer aufpassen muss, da die Konventionen, die 20 Jahre später verbindlich scheinen mögen, ja erst im Entstehen sind, betrifft, gehört sie eher in die Mitte. Am stärksten "streng-klassisch" scheint mir die "Trauersinfonie" Nr.44. Dagegen sind die "Abschiedsinfonie"Nr. 45, die "La passione" Nr.49 und die "Lamentatione" Nr.26 allein aufgrund der Satzfolgen, aber teilweise auch in einigen Details ungewöhnlicher. Ungewöhnliche Merkmale des vorliegenden Werks sind das Finale und die Reprise/Coda des ersten Satzes, vgl. dazu den wikipedia-Eintrag, vielleicht schreibe ich hier später nochmal etwas mit Zeitangaben dazu.

Das Menuett wird dort als "wenig tänzerisch" beschrieben. M.E. liegt das an einer leichten (oder zumindest in der Interpretation (Fischer?), die ich gestern im Netz (Haydn 107) angehört habe, hörbaren) rhythmischen Verschiebung: Durch den Auftakt und die Bindebögen tendiert man dazu, halbe Noten (statt Viertel oder ganze Takte) als Zeitmaß wahrzunehmen, wodurch das 1-2-3, 1-2-3 des Menuetts abgeschwächt wird. (Das Trio scheint mir dagegen regulärer dem üblichen Rhythmus zu folgen.)

Der langsame Satz ist tatsächlich etwas fade. Wie oft in dieser Phase ein sehr starker Gegensatz, weitgehend auf gedämpfte Streicher beschränkt und etwas langatmig (gerade auch im Vergleich zu der Dichte der Ecksätze). Und in "Stimmung" und Melodik kann er nicht mit den herausragenden Sätzen in 44 und 45 mithalten (ist aber auch weit von einem "Ausfall" wie dem Andante in der früheren Nr. 39 entfernt).

(Es gibt inzwischen zu den meisten Sinfonien, so auch zu dieser, ziemlich gute wikipedia-Einträge. Das war allerdings 2008, als wir hier mit dem Überblick begonnen haben, noch nicht der Fall.)

Alfred_Schmidt

Administrator

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Beiträge: 18 770

Registrierungsdatum: 9. August 2004

3

Freitag, 16. Juni 2017, 11:45

(Es gibt inzwischen zu den meisten Sinfonien, so auch zu dieser, ziemlich gute wikipedia-Einträge. Das war allerdings 2008, als wir hier mit dem Überblick begonnen haben, noch nicht der Fall.)


In der Tat sind die Wikipedia-Beiträge sehr ausführlich. Ich habe mir daher auch die Frage gestellt, ob damit unsere Werkeinführugen überflüssig sind.
Nach einiger Zeit kam ich zu dem Schluß, daß sie es keineswegs sind, wenn sie WIKIPEDIA Einträge sind eigentlich nur von Musikern zu verstehen, der Klassik-Normalhörer wird mit den Beschreibungen wenige anfangen können. Kritiker (und auch ich) verwenden daher eine art "Jägerlatein" - eine blumenreiche, mit Symbolen und Vergleichen bereicherte Sprache zur Beschreibung von gehörten Musikwerken, die zwar oft belächelt , aber andrerseits von fast jedem verstanden wird. Zudem brauchen wir hier nicht unbedingt objektiv zu sein, sondern können gewisse Vorlieben und Abneigungen mit in unsere Beschreibung einfließen lassen. Den professionellen Autoren in den diversen Konzertführern fällt zu Haydns Nr 52 sehr wenig ein, sie wird in der Regel recht kurz, einmal sogar mit einem Satz, abgehandelt.

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix