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Alfred_Schmidt

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61

Sonntag, 4. Juni 2017, 19:57

Allerdings klingt Mozart unter Böhm, da muss ich "Bertarido" bei seinen Aussagen, die Alfred ins Zitat gesetzt hat, Recht geben, beinahe so, als sei sein Ableben schon vorausgegangen... :D

Das ist falsch betrachtet. Böhm dirigiert "nach Wiener Geschmack".
Da Sommer ist und eher Ruhe im Forum weiche ich ausnahmsweise mal ab - und bleibe doch indirekt beim Thema:
Es muß so um 1980 in Wien am Graben gewesen sein, da hörte ich wie ein dicker Deutscher zu einem zweiten Mann sagt: Kuck sie dir mal an, die Wiener, wie sie dahinschleichen, träge, schlapp und ohne Antrieb. Und MIT DENEN ??? !! willst Du Geschäfte machen. ? Da wirst Du be auf die Schnauze fallen. Die sind weder manipulierbar noch zum Kaufen anzuregen, Hände weg!" Ich schaute auf die Passanten und mir bot sich ein Bild Wiener Beschaulichkeit, die Leute flanierten, sahen ein wenig in die Auslagen, besuchten die Konditoreien etc.
Gestern habe ich im Rahmen von Testaufnahmen meiner neuen Videokamera ein paar Aufnahmen von der Wiener Innenstadt am Monitor überprüft. Und was sah ich da ? Eine gehetzte Menge, teilweise Touristen, teilweise anderes. Da ich die Bewegungsabläufe in Bezug auf flüssige Darstellung genau überprüfe (wegen eventuellen Umstiegs von 25 auf 50 Bilder pro Sekunde !!) ist mir das besonders aufgefallen.
Da sind nur mehr wenige Wiener drunter - wir sind mit Ausländern durchseucht. Und so ist es auch bei den "zeitgemäßen" Darstellungen klassischer Musik, wo kein Stein auf dem andern bleibt.

Man wagt ja jetzt sogar Textumstellungen bei der Zauberflöte:
Den Gutmenschen, Menschenrechtlern und PoliticalCorrectness Fanatikern müssen ja die Schweißperlen auf der Stirn stehen, wenn Sarastro, der weise Oberpriester, stets als
Beispiel der Moral gepriesen, zu Monostatos dem Mohren sagt: "Ich weiß nur allzuviel. Ich weiß, daß deine Seele ebenso schwarz als dein Gesicht ist."*
Und ebenso wie die Political Correctness bald den Bach hinabgehen wird, so wird auch der "zeitgemäße" weil "gehetzte" und "aggressive" Mozart aus den Konzertsälen verschwinden - aufgenommen wird ja eigentlich schon lange nichts mehr, das irgendwelche Bedeutung hätte.

mfg Alfred

PS Zitieren habe ich in einem Spezilalforum über Videographie gelernt, wo ich seit vorgestern angemeldet bin. Meine neue Videokamera ist ziemlich komplex...
Aber noch etwas habe ich dort gelernt: Interessante Bereiche, wo viel Fachwissen dahintersteckt. können nur REGISTRIERTE User mitlesen - und auch nur dann, wenn sie mitschreiben - Immmerhin eine interessante Anregung....


*sprachlich übrigens inkorrekt: müsste heissen: ebenso schwarz WIE den Gesicht....."

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Stimmenliebhaber

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62

Sonntag, 4. Juni 2017, 21:04

Das ist falsch betrachtet. Böhm dirigiert "nach Wiener Geschmack"
Das ist falsch betrachtet. Böhm dirigierte nach (Wiener?) Geschmack der 1960er und 1970er Jahre.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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Stimmenliebhaber

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63

Sonntag, 4. Juni 2017, 21:07

Und ebenso wie die Political Correctness bald den Bach hinabgehen wird, so wird auch der "zeigemäße" weil "gehetzte" und "aggressive" Mozart aus den Konzertsälen verschwinden - aufgenommen wird ja eingentlich schon lange nichts mehr, das irgendwelche Bedeutung hätte.
Weder das eine noch das andere wird den Bach runtergehen, weil beides wahr und notwendig ist. Der "zeitgemäße, weil gehetzte und aggressive" Mozart hat mit dem originalen Mozart WEIT mehr zu tun als der Böhmsche Mozart.

Mein einer Prof. pflegte schon vor 25 Jahren gerne und mehrfach zu sagen: "Mozart ist nicht Mo-zart!" (Also Mo Bindestrich zart)
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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Rheingold1876

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64

Sonntag, 4. Juni 2017, 21:44

Nun warten wir es mal ab. Mit den Jahren ist der originale Mozart in Musik, Szene und Schrift immer mal wieder neu entdeckt worden - und die schreibende Zukunft hat sich freudig darauf gestürzt. Mal war es Hildesheimer, dann Miloš Forman, Peter Sellars. Die Dirigenten kann man schon nicht mehr alle aufzählen. Und nun noch ein nicht näher genannter Professor, der alles schon vor 25 Jahren genau wusst. Ich kenne nicht wenige Menschen, die sind am Ende doch wieder bei Böhm gelandet.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Bertarido

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65

Sonntag, 4. Juni 2017, 22:15

Der führende Mozart-Dirigent der Gegenwart ist für mich Kirill Petrenko und ich hoff auf eine Gesamteinspielung der Mozart-Sinfonien von ihm mit den Berliner Philharmonikern (nachdem Abbado und Rattle bei Mozart ja doch eher zurückhaltend waren, ihn zumindest selbst selten aufgeführt haben).

Das Urteil finde ich sehr interessant. Ich schätze ja Petrenko bekanntlich auch sehr, aber gerade bei Mozart fand ich ihn bisher immer am schwächsten - nicht schlecht, aber noch nicht ausgereift, noch nach einer eigenen Linie suchend, wie man bei seinem letzten Konzert mit den Berliner Philharmonikern m.E. erkennen konnte (ganz anders der meisterhafte Tschaikowski). Ich habe aber auch nicht so viel Mozart von ihm erlebt wie Stimmenliebhaber. Auf jeden Fall freue ich mich darauf, von diesem Dirigenten mehr zu hören, auch Mozart.

Alfred_Schmidt

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66

Sonntag, 4. Juni 2017, 22:50

Auf jeden Fall freue ich mich darauf, von diesem Dirigenten mehr zu hören, auch Mozart

Und hier ist der grundlegende Unterschied zwischen den Wienern und den Deutschen - der wird unauflösbar bestehen bleiben - und der ist nicht auf die 70er Jahre beschränkt:

DU freust Dich auf den Mozart, von einem Dirigenten, der auf diesem Gebiet bislang noch nichts geleistet hat, die bis NEU-gierig im ursprünglichen Sinne des Wortes, wie die Amerikaner und Kinder.
WIR, die Mehrheit der Wiener sind indes NICHT neugierig - Wir warten ab, wie sich etwas entwickelt, und das mit eher mäßigem Interesse.
"Er soll schaun, daß ers zu was bringt im Ausland - und wann ers zu was bracht hat - dann kann er wiederkommen"

Ich weiss nicht wie das in Deutschland ist, aber ich glaube, nicht gar so viel anders. Man darf nicht vergessen, daß dieses Forum hier nicht typisch ist für die "Klassikwelt"
Hier sitzt (ich nehme mich davon aus) der weitgehend progressivste Teil der Klassikhörer. Es war für mich schon immer schwer in Wien gewisse Titel (auf Lager) zu finden, die hier im Forum hoch gelobt wurden. "Müssen wir bestellen" - kein Mensch interessiert sich hier für den." Es handelte sich damals um Beethovens Klaviersonaten mit Korstick......

mit freundlichen Grüßen aus Wien

Alfred

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Stimmenliebhaber

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67

Sonntag, 4. Juni 2017, 23:56

DU freust Dich aof den Mozart, von einem Dirigenten, der auf diesem Gebiert bislang noch nichts geleistet hat
Sorry, aber sollte es hier um Petrenko gehen, dann erzählst du Unsinn, denn Petrenko hat bezüglich Mozart schon sehr viel geleistet, hat zahlreiche Werke von ihm im Konzert und nahezu alle großen Opern von ihm im Opernhaus dirigiert.


Nun warten wir es mal ab. Mit den Jahren ist der originale Mozart in Musik, Szene und Schrift immer mal wieder neu entdeckt worden - und die schreibende Zukunft hat sich freudig darauf gestürzt. Mal war es Hildesheimer, dann Miloš Forman, Peter Sellars. Die Dirigenten kann man schon nicht mehr alle aufzählen. Und nun noch ein nicht näher genannter Professor, der alles schon vor 25 Jahren genau wusst. Ich kenne nicht wenige Menschen, die sind am Ende doch wieder bei Böhm gelandet.
Sorry, aber das ist ein sehr wenig überzeugender Beitrag von dir! Wer sind denn diese "nicht näher genannten" "nicht wenigen Menschen"? Vielleicht Musikliebhaber, die sich wie Alfred seit Jahrzehnten nicht wirklich weiterentwickelt haben, aber garantiert keine Dirigenten oder Musikwissenschaftler, die sich mit dem Notentext selbst auseinandersetzen und ihr Mozart-Bild nicht über Aufnahmen formen, die teilweise ein halbes Jahrhundert als (und älter sind), als man noch weit weniger über Mozart wusste als heute und ihn von Dirigenten präsentiert bekam, die ihn nicht selten sehr an die Romantik anlehnten. Diese "nicht wenigen Menschen" beweisen nicht mehr als der "nicht näher genannte Professor", von dem ich gelernt habe, wie man Musik analysiert (u.a. in einem Hauptseminar zu "Don Giovanni")!
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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Alfred_Schmidt

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68

Montag, 5. Juni 2017, 00:40

Vielleicht Musikliebhaber, die sich wie Alfred seit Jahrzehnten nicht wirklich weiterentwickelt haben

Einer der Vorzüge der "klassischen Musik" - isbesondere wenn sie 200-300 Jahre alt ist, ist daß sie sich nicht "weiterentwickelt" - und daß sie auch vom Hörer das nicht wirklich verlangt.
Auch das kann ein Grund sein, sich für diese Musikrichtung zu entscheiden, die eherne Unveränderbarkeit. Natürlich gibt es gewisse Moden, hat es immer gegeben und wird es immer geben. Aber irgendwie finde ich es schon merkwürdig, daß, desto weiter wir uns beispielsweise von Mozart entfernen, sogenannte Experten immer besser wissen wie denn das zu klingen habe. Mein "Weiterentwicklung" in Sachen "Wiener Klassik" und Umgebung schaut in etwa so aus: Geprägt hat mich der Mozart Stil Karl Böhms und ähnlicher Dirigenten, mit all den kleinen Varianten, die naturgegeben sind. Dann kamen die ersten Interpreten , welch auf "Originalinstrumenten" spielten. Das war in den ersten Jahre durchaus ein Gejaule und Gewinsel, daß natürich von Experten erklärt werden konnte. Als diese Phase vorbei war, erkärte man, die Interpreten von damals hätten den Umgang mit diesen Instrumenten erst lernen müssen, damals habe man das nicht perfekt beherrscht. Plötzlich tauchte ein neuer Modetrend auf: Man spielte auf modernen Instrumenten - aber vibratofrei, vibratoarm und vorallem recht agressiv, schrlll und kratzbürstig, oft noch mit übertriebener Dynamik und angezogenen Tempi. Nun habe man die wahre Erkenntnis errungen.
Inzwischen waren zahlreiche erstklassige Orchester aus den Plattenkatalogen verschwunden. In diesem Moment schaltete man auf eine moderne Gangart - allerding immer mit dem Hinweis, daß es sich um HIP Interpretationen handle. Die neue Definition war, daß man zwar wisse, daß man den Originalklang heute nicht erreichen könne, weil man es ja im Original nie habe hören können, ABER man sei NAHE am Original, man sei "historisch informiert" (daher auch HIP = Historic informed Perfomance)
Historisch informiert waren auch die Vorgängergenerationen der Musiker, aber Karajan - als Beispiel - hätte sich geweigert - solch einen quietschenden Sound abzuliefern wie er heut gelegentlich zu hören ist.
So - das nur - um den Eindruck zu zerstreuen - ich wäre von vorgestern - und habe von heutigen Tendenzen keine Ahnung. Oh doch - ich kenne das alles- aber ich verabscheue vieles davon. Irgendwie erinnert es mich ans Regietheater, wo auch alles ins Hässliche verkehrt wird. Besonders pervers finde ich, wenn bei modern inszenierten Opern ein HIP Orchester aufspielt um die Suppe völlig ungenießbar zu machen.
Weiterentwicklung gibt es in der Naturwissenschaft - nicht aber in der klassischen Musik, es sei denn, jemand wolle allen Ernstes behaupten Schönberg, Webern und alles was danach kam, sei ein Fortschritt gegenüber Mozart, Haydn, Beethoven und Schubert ? Ich weiß- so sehen das manche. Aber mit denen habe ich - zum Thema klassische Musik - keine Gesprächsbasis.

freundliche Grüße aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Stimmenliebhaber

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69

Montag, 5. Juni 2017, 01:00

Einer der Vorzüge der "klassischen Musik" - isbesondere wenn sie 200-300 Jahre alt ist, ist daß sie sich nicht "weiterentwickelt" - und daß sie auch vom Hörer das nicht wirklich verlangt.
Das ist ein Grundirrtum. Auch klassische Musik wird immer in der Gegenwart interpretiert und zur Gegenwart in Bezug gesetzt, wenn sie aufgeführt, also gespielt wird. Mag sein, dass deine Konservenwelt sich von dieser Realität ausklingt und dass deine Böhm-Aufnahme heute für dich genauso klingt wie vor 30 oder 40 Jahren, wobei Hörer, die sich selbst weiterentwickeln, beim Neu-Hören anders hören als beim Ersthören und das Gehörte an neuen Maßstäben messen. Aber da dur dem Grundirrtum unterliegst, Mozarts Musik hätte unter Karl Böhm genauso geklungen wie zur Mozart-Zeit selbst, kannst du auch nicht nachvollziehen, dass sie heute anders musiziert wird, als zur Böhm-Zeit.

Auch der von dir gerne aufgemachte Gegensatz HIP vs. Non-HIP existiert heute so nicht mehr wie vielleicht noch vor einigen Jahrzehnten. Kein Dirigent stellt sich "uninformiert" vor ein Orchester! Kein Dirigent macht heute beim Eröffnungsmotiv von Beethovens Fünfter noch die Fermaten, welche die großen Dirigenten noch des 20. Jahrhunderts gemacht haben, weil sie es nicht besser wussten. Und was für Beethoven gilt, gilt für Mozart schon lange!
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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William B.A.

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70

Montag, 5. Juni 2017, 03:51

Zitat

Stimmenliebhaber: Allerdings klingt Mozart unter Böhm, da muss ich "Bertarido" bei seinen Aussagen, die Alfred ins Zitat gesetzt hat, Recht geben, beinahe so, als sei sein Ableben schon vorausgegangen...


Dann darf ich dir, lieber Stimmenliebhaber, mal diese Aufnahmen anempfehlen:



Bei der Zauberflöte war Böhm 70, bei der Cosi 80, beim Don Giovanni 83 und bei Der Entführung 85 2/3.

Ich hätte dir gerne die Entführung aus der Dresdner Lukaskirche gepostet mit Kurt Moll als Osmin, da war Böhm erst 79, aber Martti Talvela als Osmin ist ja auch nicht so schlecht. Ich habe vorhin noch einen Teil des ersten Aktes angeschaut, bevor ich dies geschrieben habe, und da sah Böhm noch erstaunlich lebendig aus mit seinen 85 2/3 Jahren, und die Musik klang, wie Mozart m. E. klingen muss, und als liege Böhms Ableben noch lange in der Zukunft.
In der Tat war dem nicht so, und Karl Böhm starb 16 Monate nach der Münchener Live-Aufnahme der Enmtführung aus dem Serail.
Meine Diskographie Böhms ist ziemlich umfangreich, und ich habe bei keiner Aufnahme den Eindruck, dass sie so klinge, als sei sein Ableben schon vorausgegangen, und so eine despektierliche Äußerung würde auch nie über meine Lippen kommen, und sei es auch nur, um jemand anders zu ärgern.

So viel ich weiß, hat Karl Böhm doch auch von 1934 bis 1943 kanpp 10 Jahre an der Dresdner Staatsoper gearbeitet. Vielleicht dar ich abschließend m neueste Erwerbung hier präsentieren, auch wenn sie nicht von Mozart ist:



Sie traf vorgestern bei mir ein, allerdings auf dem Landwege. :D

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Siegfried

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71

Montag, 5. Juni 2017, 06:10

Lieber Willi,
das war genau die richtige Antwort auf eine nur auf Krawall gebürstete Aussage.
Danke! :hello:
Freundliche Grüße Siegfried

Stimmenliebhaber

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72

Montag, 5. Juni 2017, 09:28

Dann darf ich dir, lieber Stimmenliebhaber, mal diese Aufnahmen anempfehlen
Lieber Willi, glaubst du ernsthaft, dass ich diese nicht kennen würde und du mir diese "anempfehlen müsstest"? Noch wenigen Tagen habe ich eine seiner "Così"-Aufnahmen wegen der Sänger gerühmt und genau wegen der Sänger höre ich mir auch immer wieder Böhm-Aufnahmen an.

http://tamino-klassikforum.at/index.php?…ght=#post606737

Wenn ich mich aber mit den Werken von Mozart beschäftigen will und nicht mit irgendwelchen Sängern, höre ich mir lieber Aufnahmen von René Jacobs und anderen an, welche in der Lage waren, die großen Kontraste, die sich in den Partituren von Mozarts Hauptwerken befinden, auch zum Klingen zu bringen, während bei Böhm alles geglättet wird - das meinte ich mit meiner zugegeben etwas polemischen Zuspitzung, dass mir Böhms Aufnahmen - mal umformuliert - zu wenig lebendig klingen.


mit Kurt Moll als Bassa Selim, da war Böhm erst 79, aber Martti Talvela als Bassa Selim ist ja auch nicht so schlecht.
Ich gehe mal davon aus, dass du selbst weißt, dass besagte Bassisten den Osmin gesungen und nicht den Bassa Selim gesprochen haben.


Lieber Willi,
das war genau die richtige Antwort auf eine nur auf Krawall gebürstete Aussage.
Danke! :hello:
Auf "Krawall gebürstet" sind vor allem solche Beiträge wie deiner, bei denen der inhaltliche Zugewinn gleich Null ist! Warum Böhms Aufnahmen unabhängg von der Güte der beteiligten Sänger häufig edel, aber tot (im Sinne von zu wenig lebendig) klingen, habe ich inzwischen nachvollziehbar begründet, denke ich. Es ist eben genau dieser Mo-zart, der Mozart eben nicht ist oder zumindest ganz sicher nicht nur ist. Bei Böhm vermisse ich alles existentialistische und Abgründige dieser grandiosen Musik, es ist ein reines Schwelgen im Schönklang.

Dass wir in dieser Rubrik über den führenden Mozart-Dirigenten der Gegenwart überhaupt über Karl Böhm diskutieren müssen, ist lächerlich genug und hat vor allem damit zu tun, dass der Thread-Gründer seine Meinung artikuliert hat, dass dieser führende Mozart-Dirigent der Gegenwart auf den Spuren von Karl Böm zu wandeln habe - und damit zeigt, dass er selbst in der Gegenwart gar nicht angekommen ist und die gewaltigen Fortschritte der letzten 50 Jahre in der Mozart-Forschung und zugleich Mozart-Interpretation am liebsten ausklammern und Karl Böhms romantische Mozart-Sicht als für alle Zeiten gültig in Stein gemeißelt sehen will. Genau auf diese Absurdität wollte ich hinweisen, als ich mit Kirill Petrenko den Namen eines wirklichen Mozart-Dirigenten der Gegenwart ins Spiel brachte.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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Bertarido

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73

Montag, 5. Juni 2017, 10:06

Bei Böhm vermisse ich alles existentialistische und Abgründige dieser grandiosen Musik, es ist ein reines Schwelgen im Schönklang.

Das ist auf den Punkt gebracht, was ich an Böhms Mozart so gar nicht mag. Ich unterstelle Böhm da keine Ignoranz oder gar ein bewusstes Missverstehen, er hat Mozart so gesehen. Und es war wahrscheinlich auch ein Ausdruck der Zeit, die so sehr auf Schönes fixiert war, dass sie die ganz anderen Dimensionen in der Musik von Mozart (und anderen) nicht wahrgenommen hat und wohl auch nicht wahrnehmen wollte. Das mag bei einigen Personen, vielleicht gehäuft in Wien, auch heute noch so sein. Ich bin aber ganz bei Stimmenliebhaber, dass man damit Mozart nicht gerecht wird. Natürlich ist Mozart auch an vielen Stellen zum Sterben schön, das sollte man nicht ignorieren und zu eliminieren versuchen. Aber das ist nur ein Teil seiner Musik.

Harnoncourt hat das in Bezug auf die g-moll Symphonie einmal in einem Interview zum Ausdruck gebracht, die er als Musiker unter Böhm gespielt hat:

"Seitdem ich mit 21 Jahren ins Orchester gekommen bin – ich wurde damals von Karajan für die Stelle bei den Wiener Symphonikern ausgewählt – habe ich diese Werke natürlich x-mal gespielt. Ich wusste schon damals, was g-Moll für eine Bedeutung hat. Aber wenn Karl Böhm die g-Moll-Sinfonie Nr. 40 dirigierte – es war seine Lieblingssinfonie – dann war es seltsamerweise das einzige Werk, bei dem er gelächelt hat. Er hat es immer sehr langsam dirigiert, sodass die Menschen schon anfingen, sich zu wiegen, und auch zu lächeln begannen. Ich habe gedacht: „Mein Gott, die freuen sich alle, bei dieser Todestonart.“ Erst im Nachhinein wurde mir klar, dass das mit der Nachkriegszeit zusammenhing. Die Musik hat damals eine tröstende Funktion übernommen, und so gesehen kann man es in Kauf nehmen, wenn etwas zutiefst Tragisches heiter gespielt wird. Dennoch hat mir diese Interpretation überhaupt nicht eingeleuchtet." (Quelle: http://www.fonoforum.de/portraets/interp…us-harnoncourt/)

Rheingold1876

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74

Montag, 5. Juni 2017, 10:19

Bei Böhm muss man schon genauer und wiederholt hinhören können, um das Abgründige bei Mozart zu erfahren. Das liegt nicht auf dem Präsentierteller. Auch wenn es nicht gefällt: Wenn hier Böhm ins Spiel kommt, so liegt es womöglich auch daran, dass es heute vielleicht niemanden gibt, der an dieses Niveau und dieses Gründlichkeit seines Spiels heranreicht. ?( ?( ?(
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75

Montag, 5. Juni 2017, 10:26

Bei Böhm muss man schon genauer und wiederholt hinhören können, um das Abgründige bei Mozart zu erfahren. Das liegt nicht auf dem Präsentierteller.
Nein, so leicht kan man es sich in diesem Falle nicht machen. Er hat es damals noch nicht besser wissen können. Das kann man ihm nicht verübeln. Aber alle heutigen Menschen können es besser wissen, wenn sie sich mit den Primär- und Sekundärquellen dazu beschäftigt und nicht nur auf die Gewohnheit seiner Höreindrücke verlässt.
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Montag, 5. Juni 2017, 10:28

Wenn hier Böhm ins Spiel kommt, so liegt es womöglich auch daran, dass es heute vielleicht niemanden gibt, der an dieses Niveau und dieses Gründlichkeit seines Spiels heranreicht. ?( ?( ?(
Ich halte das für falsch: Man muss ja die heutigen Mozart-Interpretationen nicht mögen, wenn man die gestrigen gewohnt ist und im Ohr hat, aber dass die heutigen weniger gründlich sein sollten, halte ich offengestanden für Unsinn!
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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Rheingold1876

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77

Montag, 5. Juni 2017, 10:40

aber dass die heutigen weniger gründlich sein sollten, halte ich offengestanden für Unsinn!


Das habe ich so nicht geschrieben - also kann es auch kein Unsinn sein. :)
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William B.A.

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78

Montag, 5. Juni 2017, 11:04

Zitat

Stimmenliebhaber: Lieber Willi, glaubst du ernsthaft, dass ich diese nicht kennen würde und du mir diese "anempfehlen müsstest"?


Lieber Stimmenliebhaber,

Ich habe nur vergessen hinter diesen Satz diesen Smiley zu setzen: :D

Schönen Dank übrigens für den Hinweis auf meine Freudsche Fehlleistung. :untertauch:
Ich habe es schon weitergleitet. Und ich weiß jetzt, wie du es gemeint hast. Ich bin übrigens nicht so schwarz- oder weißsichtig wie du, was die Interpretationen der Mozart-Opern betrifft. Ich mag Böhms Sicht der Werke, ebenso wie ich diejenige Harnoncourts, der ja für seine Sicht genügend Schelte einstecken musste, noch über den Tod hinaus. Was ihn betrifft, mag ich besonders seine späte Sicht der symphonischen Schlusstrias:


Zitat

Lieber Willi,
das war genau die richtige Antwort auf eine nur auf Krawall gebürstete Aussage.


Lieber Siegfried,

alles ist gut. Stimmenliebhaber weiß genau, wie ich das gemeint habe. Sein Humor ist manchmal ähnlich abgründig wie Mozarts Musik. :D

Liebe Grüße

Willi :)
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Dieter Stockert

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79

Montag, 5. Juni 2017, 11:24

Einer der Vorzüge der "klassischen Musik" - isbesondere wenn sie 200-300 Jahre alt ist, ist daß sie sich nicht "weiterentwickelt" […] Die neue Definition war, daß man zwar wisse, daß man den Originalklang heute nicht erreichen könne, weil man es ja im Original nie habe hören können, ABER man sei NAHE am Original, man sei "historisch informiert"
Also zum einen wird behauptet, die Musik, die zwei- bis dreihundert Jahre alt ist, entwickele sich nicht weiter, und gleichzeitig wird anhand eines Beispiels (HIP) gezeigt, dass es da doch eine Entwicklung gegeben hat. Muss man das verstehen?

Zitat

daß sie auch vom Hörer das nicht wirklich verlangt […] Geprägt hat mich der Mozart Stil Karl Böhms und ähnlicher Dirigenten
Ok, damit wird zwar der Widerspruch nicht aufgelöst, aber zumindest erklärt: Man könne ohne Weiteres auf der Stufe einer bestimmten Prägung stehenbleiben, denn die klassische Musik verlange vom Hörer ja nicht wirklich, sich zu entwickeln.

Zitat

Historisch informiert waren auch die Vorgängergenerationen der Musiker
Historisch informiert waren die Vorgängergenerationen natürlich nicht bzw. nicht in dem Maß wie heute.
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

William B.A.

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80

Montag, 5. Juni 2017, 12:26

Zitat

Dieter Stockert: Also zum einen wird behauptet, die Musik, die zwei- bis dreihundert Jahre alt ist, entwickele sich nicht weiter, und gleichzeitig wird anhand eines Beispiels (HIP) gezeigt, dass es da doch eine Entwicklung gegeben hat. Muss man das verstehen?

Die Musik, die zwei- bis dreihundert Jahre alt ist, kann sich nicht weiter entwickeln. Sie steht unverrückbar und unabänderlich fest in den Noten geschrieben. Das Verständnis dieser Noten und damit dieser Musik kann sich weiter entwickeln und hat sich offenbar in den letzten 50 Jshren in besonderer Weise weiter entwickelt. Und damit hat sich wohl auch die Rezeption weiter entwickelt. Und dieser Herr war, vor allem, was Mozart betrifft, nicht ganz unschuldig daran :D :



Liebe Grüße

Willi :)
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81

Montag, 5. Juni 2017, 12:36

aber dass die heutigen weniger gründlich sein sollten, halte ich offengestanden für Unsinn!


Das habe ich so nicht geschrieben - also kann es auch kein Unsinn sein. :)

Dann schauen wir uns nochmal an, was du geschrieben hast:

Wenn hier Böhm ins Spiel kommt, so liegt es womöglich auch daran, dass es heute vielleicht niemanden gibt, der an dieses Niveau und dieses Gründlichkeit seines Spiels heranreicht. ?( ?( ?(

Daraufhin habe ich deine Aussage unter besonderer Berücksichtigung des Aspektes der "Gründlichkeit" (weil dies ein weit kokreterer Aspekt ist als "Niveau"!) wie folgt interpretiert:

Ich halte das für falsch: Man muss ja die heutigen Mozart-Interpretationen nicht mögen, wenn man die gestrigen gewohnt ist und im Ohr hat, aber dass die heutigen weniger gründlich sein sollten, halte ich offengestanden für Unsinn!

Natürlich suggerierst du mit deiner Frage, dass es bei den heutigen Mozart-Interpretationen an "Gründlichkeit" mangeln könnte. Ich halte diese Annahme für falsch, das Gegenteil ist vielmehr richtig. Die Tempivorgaben und die dynamisch-agogischen Vorgaben des Notentextes werden heute in der Regel weit ernster genommen als von Herrn Böhm, der Notentext wird gründlicher gelesen als früher. Insofern war nicht meine Interpretation deiner Aussage abwegig, sondern eher das, was du mit deiner nochmals zitierten Frage suggerieren wolltest.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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Stimmenliebhaber

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82

Montag, 5. Juni 2017, 12:48

Ich bin übrigens nicht so schwarz- oder weißsichtig wie du, was die Interpretationen der Mozart-Opern betrifft.
Auch das muss ich in aller Entschiedenheit zurückweisen. Ich höre ja diese alten Aufnahmen - vor allem, aber nicht nur wegen der tollen Sänger - sehr gerne und berausche mich an ihrem Schönklang. Aber ich brauche eben auch diese zeitgenösssicheren Aufnahmen, aus denen ebenklar wird, wer Mozart wirklich war und was er wirkich aussagt. Mozart ist eben nicht Mo-zart, also MoBindestrichZart!

Ich höre ja auch die Bach-Aufnahmen von Karl Richter nicht nur wegen der tollen Sänger sehr gerne und fühle mich von ihnen (im Gegensatz zu den Böhm-Mozart-Aufnahmen) auch emotional ergriffen, obwohl ich weiß, dass diese Interpretation den Erkenntnissen der neueren Bach-Forschung fundamental widerspricht und kein ernstzunehmender Musiker heute meint, Bach aufführen zu können oder zu sollen wie vor einem halben Jahrhundert Karl Richter. Und mit Mozart und Böhm verhält es sich ganz ähnlich.

Schwarz-weiß-sichtig bin nicht ich, sondern Alfred, der die Böhmsche Interpretation auf einen Sockel erhebt und als gültigen Maßstab für alle Zeiten festlegen will - und dann solche Rubriken wie diese eröffnet, um zu zeigen, wie schlecht die Gegenwart ist und wie tolle die (seine) Vergangenheit war. Könnte er sich tatsächlich in die Mozart-Zeit beamen, wäre er wahrscheinlich entsetzt, wie wenig der Mozart zur Mozart-Zeit nach Böhm und wie sehr er nach dem ihm verhassten HIP klang! :D

Gerade deswegen wäre es so wichtig, wenn das führende Orchester der Welt unter seinem neuen Chefdirigenten Kirill Petrenko mal dokumentieren würde, wie Mozart heute klingen kann und sollte, auch interpretiert von einem großen, romantisch geprägten Orchester - auch damit klar wird, dass die Böhm-Aufnahmen für die Gegenwart kein gültiger Maßstab mehr sein kann und die klassischen Orchester den Mozart nicht kampflos den Barock- und Spezialorchestern überlassen dürfen! Eben deshlab würde ich eine Gesamteinspielung der Mozart-Sinfonien durch die Berliner Philharmoniker durch Kirill Petrenko herzlich begrüßen. Mit schwarz-weiß hat das nichts zu tun, es gibt genügend Mozart-Aufnahmen, die ich bereits jetzt sehr schätze, Harnoncourt und auch Marriner zum Beispiel!
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La Roche

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83

Montag, 5. Juni 2017, 14:51

führende Orchester der Welt unter seinem neuen Chefdirigenten Kirill Petrenko
Ich wußte noch gar nicht, daß Petrenko das Gewandhausorchester übernommen hat!
La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer


Dieter Stockert

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84

Montag, 5. Juni 2017, 15:42

Zitat

Dieter Stockert: Also zum einen wird behauptet, die Musik, die zwei- bis dreihundert Jahre alt ist, entwickele sich nicht weiter, und gleichzeitig wird anhand eines Beispiels (HIP) gezeigt, dass es da doch eine Entwicklung gegeben hat. Muss man das verstehen?

Die Musik, die zwei- bis dreihundert Jahre alt ist, kann sich nicht weiter entwickeln. Sie steht unverrückbar und unabänderlich fest in den Noten geschrieben.
Ja klar (wenn man mal davon absieht, dass eben längst nicht alles eindeutig in den Noten fixiert ist). Aber da Alfred genau wie ich keine Noten lesen kann, ist er auf das angewiesen, was die Musiker hörbar machen – also doch Entwicklung.
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

Alfred_Schmidt

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85

Montag, 5. Juni 2017, 20:55

"Entwcklung" findet immer statt - auch wenn man sie nicht will. Ich nenne das "altern" oder "resiginieren" ;)
Aber prinzipiell kann man doch eine gewisse Kontinuität bewahren. Das Mozartbild, mit dem ich groß geworden bin, wird als der "sachliche" beschrieben

Da es offenbar nichts nützt, wenn man Notenlesen kann (die oft radikal divergierenden Interpetationen sind ein Hinweis dafür), dann ist es auch kein Nachteil, wenn man es nicht kann. Man muß dann eben mehrere Interpetationen anhören, und sich die schönste heraussuchen. Hier erwarte ich Widerspruch, aber genau das machen die Interpreten auch, sie lesen dann den (Noten) Text und deuten ihn nach ihrem Geschmack. Ich will beispielsweise keine Klüfte, innere Zerrissenheit, Wirren des Lebens in der Musik hören. Wenn ich das wollte, dann würde ich Musik des 20. und 21. Jahrhunderts hören.

Ich verstehe nicht, daß die heutigen Generationen sich besonders für die Hässlichkeiten dieses an und für sich schon unerträglichen Lebens interessieren, sozusagen als Verschärfung der Lebensumstände.

Es kann mir ja an sich egal sein, aber ich ärgere mich immer, wenn in Medien verbreitet wird, was die Allgemeinheit will - und ich weiß ganz genau, daß das nicht stimmt.
Tamino - auch ein Medium - hat auf Grund seiner Zusammensetzung die durch ein Medium, wie das Internet quasi vorgeprägt ist, einen relativ zeitgeistbejahenden Mitgliederpool.
Dies könnte den Eindruck erwecken, die öffentliche Meinung entspräche jener unserer progressiven Mitglieder. Um diesen Eindruck zu relativieren, bin sozusagen ich als Korrektiv im Spiel.

Ich kann es beispielsweise nicht unwidersprochen stehen lassen, wenn Karl Böhms Mozartdirigat als "langweilig" dargestellt wird.

Deshalb als Gegengewicht einige Aussagen zu Mozart-Gesamtaufnahme aller Mozart Sinfonien unter Karl Böhm:

Münchner Merkur:"Mozart-Glück sondergleichen."
Hannoversche Allgemeine:"Böhm ist der Mozart- Dirigent par excellence."
Kölner Stadtanzeiger:"Man höre und staune."
Düsseldorfer Nachrichten:"Wir sind auf einmal reicher geworden, die Glücksquelle Mozart sprudelt noch kräftiger als zuvor."

Der Neue Merker: Karl Böhm ist im Lauf seiner Karriere immer besser geworden und zwar nach denselben Prinzipien, die ihm seinen Erfolg sicherten: Detailversessene Interpretationen, auf Millimeter mit den Angaben in der Partitur abgestimmt, eine hohe Innenspannung im strukturellen Aufbau der Symphonien, große Emphase und Leidenschaft für den emotionalen Ausdrucksgehalt, Bodenständigkeit, im Zweifel Ausdruck vor Präzision, Sanglichkeit. Keine Suche nach dem kosmischen Klang und akustischer Künstelei, keine Außer Rand und Band Exzentrik und sicherlich keine abgemagerte Analytik, aber auch nicht höchste Finesse.

Ein Internetuser (2004)Karl Böhm zeigt uns hier wieder seinen lebhaften, schönen Mozartstil und seine Genauigkeit (Kommentare wie: „Nach ihm kann man ein Metronom stellen" waren damals gang und gebe), wofür er ja bekannt war. Die Berliner Philharmoniker klingen gewohnt schön und leidenschaftlich und befinden sich absolut unter der Kontrolle von Böhm.

Bei aller Unvereinbarkeit der Standpunkte ist es doch schön, daß Mozart und Böhm (und natürlich noch ein paar andere) für heisse Diskussionen sorgen....

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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Alfred_Schmidt

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86

Dienstag, 6. Juni 2017, 23:02

Zitat

Dieter Stockert: Also zum einen wird behauptet, die Musik, die zwei- bis dreihundert Jahre alt ist, entwickele sich nicht weiter, und gleichzeitig wird anhand eines Beispiels (HIP) gezeigt, dass es da doch eine Entwicklung gegeben hat. Muss man das verstehen?


Eine gute Frage. William B.A. hat ja darauf schon eine Antwort gegeben. Meine fällt etwas unfreundlicher aus, aber in ersten Teil des Satzes sind wir voll d'accord.
Die Musik, die zwei- bis dreihundert Jahre alt ist, kann sich nicht weiter entwickeln. Sie steht unverrückbar und unabänderlich fest in den Noten geschrieben. Das Verständnis dieser Noten und damit dieser Musik kann sich weiter entwickeln und hat sich offenbar in den letzten 50 Jshren in besonderer Weise weiter entwickelt. Und damit hat sich wohl auch die Rezeption weiter entwickelt. Und dieser Herr war, vor allem, was Mozart betrifft, nicht ganz unschuldig daran :D :

Ich würde den 2 Teil soo formultieren:
"Weil aber die Menschheit nichts unberührt lassen kann, versucht sie in alles, das hineinzuinterpretieren, was ihr ins jeweilige Weltbild passt. Die Musik hat sich im Kern nicht geändert, sie wird nur nach eigenem Gutdünken einiger, neu "interpretiert"
Interpretation ist da notwendig, wo der Notentexkt (oder eine beliebige Anweisung) mehrdeutig ist. Man legt den betreffenden Text, dann idealerweise so aus, wie man glaubt den Intentionen des jeweiligen Schöpfers möglichst nahe zu kommen. Davon sind wir leider inzwischen schon Lichtjahre entfernt, Interpretation ist heute sehr oft eine WILLKÜRLICHE AUSLEGUNG, aus dem eignen Geschmack heraus,, wobei es dem "Interpreten2 völlig egal ist, was der Autor, Komponist etc eigentlich wollte.

Herr Harnoncourt ist - wie schon weiter oben richtig bemerkt "nicht ganz unschuldig" und ich verstehe seht gut, warum herbert von Karajan ihn von den Salzburger Festspielen fernhalten wollte....

mfg aus Wien
Alfred

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Hüb'

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87

Mittwoch, 7. Juni 2017, 10:59

Deshalb als Gegengewicht einige Aussagen zu Mozart-Gesamtaufnahme aller Mozart Sinfonien unter Karl Böhm:

Münchner Merkur:"Mozart-Glück sondergleichen."
Hannoversche Allgemeine:"Böhm ist der Mozart- Dirigent par excellence."
Kölner Stadtanzeiger:"Man höre und staune."
Düsseldorfer Nachrichten:"Wir sind auf einmal reicher geworden, die Glücksquelle Mozart sprudelt noch kräftiger als zuvor."

Der Neue Merker: Karl Böhm ist im Lauf seiner Karriere immer besser geworden und zwar nach denselben Prinzipien, die ihm seinen Erfolg sicherten: Detailversessene Interpretationen, auf Millimeter mit den Angaben in der Partitur abgestimmt, eine hohe Innenspannung im strukturellen Aufbau der Symphonien, große Emphase und Leidenschaft für den emotionalen Ausdrucksgehalt, Bodenständigkeit, im Zweifel Ausdruck vor Präzision, Sanglichkeit. Keine Suche nach dem kosmischen Klang und akustischer Künstelei, keine Außer Rand und Band Exzentrik und sicherlich keine abgemagerte Analytik, aber auch nicht höchste Finesse.

Hierzu die Anmerkung, dass die Bewertungen vermutlich überwiegend aus der Zeit der ursprünglichen Veröffentlichung der Aufnahmen stammen dürften, somit dann von einem "alten" Mozart-Bild ausgingen.
Beim letzten Zitat aus dem "Neuen Merker" sollte man IMHO den vollständigen, etwas relativierenden bzw. zumindest einordnenden Kontext benennen:

Zitat

(...)The best of Haydn und Mozart nehmen einen breiten Platz in der Box ein. Ein fleischig-saftiger, sozusagen „kalorienreicher“ Haydn, rhythmisch hingegen manches Mal etwas zu starr für meinen Geschmack (Symphonien Nr. 88-92 und die Sinfonia concertante) und ultimative klassische Mozart Einspielungen vom Feinsten. Über Böhms Mozart Interpretationen wurden zu Recht schon viele Elogen geschrieben. Daher nur ein Tipp: Nochmals anhören, auch und erst recht wenn man die Originalklangbewegung schätzt. Eine gute Abwechslung im musikalischen Speiseplan hat noch nie geschadet. (...)

Quelle: KLICK

Viele Grüße
Frank

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88

Mittwoch, 7. Juni 2017, 11:24

Was ich mich hier immer frage, ist, warum Alfred überhaupt ein Interesse an "Mozart-Dirigenten der Gegenwart" äußert.
Das Ergebnis ist doch schon von vornherein klar: Wie Böhm es gemacht hat, ist es richtig, d.h. wer es heute so ähnlich macht, ist ein fader Abklatsch, dann könnte man auch gleich Böhm hören, weil der eh besser war.
Oder aber: Wer es anders macht, verzerrt Mozart, das will man erst recht nicht hören.
Es ist also bestenfalls überflüssig, schlimmstenfalls falsch, was Jacobs, Rattle (übrigens meiner Erinnerung nach alles andere als "schockierend modern" bei Mozart; leider sind die letzten drei Sinfonien in Mitschnitten aus Berlin anscheinend nicht auf dem allgemeinen Markt erhältlich), Petrenko u.a. anstellen könnten.

Es ist natürlich auch falsch, dass z.B. Böhms Mozart-Interpretationen zwischen, sagen wir 1930 und 1980, die einzige oder bevorzugte Option gewesen wären. Zwar gibt es andere Künstler, die grosso modo einen ähnlichen Zugang zeigen (z.B. Krips, Jochum), aber es gibt eben auch ganz andere. Klemperer und Szell dirigierten Mozart im Grunde "wie Beethoven", d.h. Klemperer eher wuchtig, monumental, weitgehend ohne Eleganz, Grazilität oder Gemütlichkeit. Szell eher schlank und drahtig. Auch Markevitch, Erich Kleiber, Rosbaud, der junge Fricsay sind meistens weit von der drögen Gemütlichkeit Böhms (in den Studio-Sinfonien, in den Opern oder live wacht er manchmal auf) entfernt. Ebenso Fritz Busch. Der alte Bruno Walter ist zwar ebenfalls eher auf der "mozärtlichen" Seite, aber z.B. der Don Giovanni aus der MET 1941 unter Walter zeigt eine ganz andere Seite: rasante Tempi und zupackendes Drama. Furtwängler oder Mitropoulos in den Salzburger Giovanni-Mitschnitten gehen beinahe in Richtung Musikdrama des 19. Jhds.
Verglichen mit dieser Vielfalt im mittleren Drittel des 20. Jhds. ist die Dominanz von Böhm und Marriner auf den verbreiteten Platten der 1970er und 80er etwas frustrierend und es ist kein Wunder, dass ein wiederum ganz anderer Zugang wie Harnoncourts dann wie eine Bombe eingeschlagen hat.

Hüb'

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89

Mittwoch, 7. Juni 2017, 15:31

Hier noch ein Beitrag zum Thema, welcher möglicherweise durch Alfreds Löschungen ein wenig zusammenhanglos erscheinen mag:

Zur Frage HIP/non-HIP oder auch "moderne" vs. "altbackenne" Aufführungen:
Es ist müßig darüber zu diskutieren, was die überwiegende Zahl der Hörer nun mag oder
ablehnt. Wir wissen es einfach nicht, mangels geeigneter Erhebungen. Und selbst wenn es
diese gäbe, würde man noch diskutieren können und dürfen, was denn nun historisch
und/oder ästhetisch "richtiger" wäre, denn der Massengeschmack ist wahrlich weder ein
Qualitäts- und noch viel weniger ein "Richtigkeitskriterium".
(Die Frage lässt sich übrigens bequem auf den Regietheater-Dissenz erweitern.)

Ich für meinen Teil mag keinen Mozart ("Mo-zart") á la Böhm oder HvK hören. Mir ist das
zu langweilig und es entspricht in meiner Wahrnehmung auch nicht dem Charakter der
Musik oder meinem Musik- und Kunstverständnis im Allgemeinen. Musik/Kunst muss nicht
"nur"/durchgängig schön/erbauend sein. Gerade aus Kontrasten heraus wirken schöne
Momente noch einmal eindrucksvoller. Sie sind somit wichtig für Dramatik,
Spannungsaufbau und die (emotionale) Wirkung von Werken.

Viele Grüße
Frank

Alfred_Schmidt

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90

Mittwoch, 7. Juni 2017, 16:21

Was ich mich hier immer frage, ist, warum Alfred überhaupt ein Interesse an "Mozart-Dirigenten der Gegenwart" äußert.

Weil es derzeit offensichtlich keinen wirklichen Mozart-Dirigenten gibt, der derart anerkannt wird wie eins Bruno Walter, Joseph Krips und Karl Böhm. Dazu kämen noch Bernhard Paumgartner, der heute leider nahezu vergessen ist und auch Sandor Vegh, Eugen Jochum nicht zu vergessen, ferner noch Ferenc Fricsy, der eigentlich eher ein "Universaldirigent" war, aber unter anderem eine "Jupitersinfonie" auf Platte für DGG eingesielt hat, die IMO sogar eindrucksvoller ist, als jene von Karl Böhm. Vielleicht werde ich einen Schwesternthread mit großen Mozart Dirigenten der Vergangenheit starte - mal sehen.

Das Ergebnis ist doch schon von vornherein klar: Wie Böhm es gemacht hat, ist es richtig, d.h. wer es heute so ähnlich macht, ist ein fader Abklatsch, dann könnte man auch gleich Böhm hören, weil der eh besser war.

Das ist ein Vorurteil mir gegenüber. Prinzipell bräuchte ich - das hat was für sich - gar nicht nach einem Dirigenten von heute suchen - aber die Aufnahmetechnik von heuite ist nun mal besser. Böhm hat seine an sich gute Aufnahmee mit den Berliner Philharmonikern durch eine neuere mit den Wienern ersetzen wollen, aber sie kam über die Anfänge nie hinaus, weil Böhm zuvor starb. Das wenige, das aufgenommen wurde, weist aber eine bessere Wiedergabe des Baßfundaments.- Schade
Die geplante Ersatztaufnahme mit Levine (ca 1985-90) war - ich schrieb es schon weiter oben - IMO ein Desaster.

Es ist natürlich auch falsch, dass z.B. Böhms Mozart-Interpretationen zwischen, sagen wir 1930 und 1980, die einzige oder bevorzugte Option gewesen wären.

Das wird von mir auch nicht behauptet

Klemperer und Szell dirigierten Mozart im Grunde "wie Beethoven", d.h. Klemperer eher wuchtig, monumental, weitgehend ohne Eleganz, Grazilität oder Gemütlichkeit. Szell eher schlank und drahtig.


Genau - beide EIGENTLICH am Thema vorbei, aber auf ihre Art großartig, Szell finde ich beeindruckend, er verändert den Eindruck - zerstört aber Mozart nicht wirklich, Krips geht übrigens teilweise einen ähnlichen - wenngelich weniger ausgeprägten Weg. Auf den alten Philips Schallplatten konnte man die Strenge hören - auf den mit zur Verfügung stehenden CD Überspielungen indes nicht. (?)

und es ist kein Wunder, dass ein wiederum ganz anderer Zugang wie Harnoncourts dann wie eine Bombe eingeschlagen hat.

Der Vergleich gefällt mir gut. Leider hinterlassen Bomben in der Regel nichts anderses als Tote, Tümmer, Asche und Einschlagkrater.....

Eine -leider kurze - und natürlich unrealistische - Liste einiger Dirigenten, von denen ich mir Mozart- Gesamtaufnahmen - oder aber zumindest Torsi davon vorstellen,könnte, bzw wünschen würde.......

mfg aus Wien
Alfred

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