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michael74

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Montag, 17. April 2017, 20:43




als Hörbücher beim spazieren gehen:



und wikileaks ... find ich gerade nicht bei jpc.

Gruß
Michael

Rheingold1876

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Montag, 17. April 2017, 22:32



"Der Dirigent Leo Borchard. Eine unvollendete Karriere": Diese Biographie des russischen Dirigenten, die ich kürzlich antiquarisch erworben habe, ist meine Lektüre. Borchard leitete unittelbar nach Kriegsende die Berliner Philharmoniker. An einem Kontrollpunkt wurde er am 23. August 1945 am Bundesplatz in Berlin-Wilmersdorf von einem amerikanischen Soldaten erschossen.
Es grüßt Rheingold

Erda: "Alles, was ist, endet."

Andrew

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Dienstag, 18. April 2017, 09:30

Ich habe einiges anlässlich des Reformationsjahres gelesen.
Hier zwei Werke des Kirchengeschichtlers Thomas Kaufmann.

Das Standardwerk „Geschichte der Reformation in Deutschland“ des Göttinger Kirchenhistorikers Thomas Kaufmann ist zuerst 2009 erschienen und war schnell vergriffen. Nun ist eine erweiterte Neuauflage im Suhrkamp-Verlag erschienen. Auf über 800 Textseiten werden alle wichtigen Themen der Reformation komplex und ausführlich dargestellt. So werden z.B. auf über 100 Seiten die gesellschaftlichen, politischen, kirchlichen und religiösen Voraussetzungen der Reformation veranschaulicht. Hier wird die Reformation nicht auf Luther reduziert, sondern auch andere Akteure werden ausführlich dargestellt.

Richtig viel Lesefutter, anspruchsvoll und doch in guter Lesbarkeit geschrieben. Man braucht bei der Lektüre einen langen Atem, dafür wird man mit einem sehr gut erarbeiteten Buch belohnt, dass die komplexen Themen anschaulich und differenziert darstellt.

Wer es etwas weniger ausführlich möchte, ist mit Thomas Kaufmanns neuem Buch „Erlöste und Verdammte. Eine Geschichte der Reformation“ sehr gut bedient.

Mit etwa 500 Seiten ist dieses Buch auch nicht gerade schmal, aber diese Veröffentlichung enthält sehr umfangreiches Bildmaterial und stellt die wichtigen Hintergründe, Personen und Ereignisse der Reformationszeit dar. In diesem Buch wird die Reformation noch stärker in ihren europäischen Zusammenhängen dargestellt.

Auf dem Plan habe ich noch sein Buch über Luthers Judenfeindlichkeit. Aber das liegt noch relativ unten in einem großen Stapel zu lesender Bücher. Momentan 'luthert' es etwas viel, aber mir scheint, es gibt auch einige gute Bücher darunter. Interessant und hilfreich finde ich hier die Bücherschau zu den Themen Luther und Reformation in der ZEIT.

Mit freundlichen Grüßen aus dem protestantischen Nordwesten, Andrew
„Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

MSchenk

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Dienstag, 18. April 2017, 11:46

Obwohl ich an Christian Krachts ersten beiden "Romanen" Faserland und 1979 keinen allzugroßen Gefallen gefunden habe, bin ich doch konsequent fortgeschritten und habe nun auch die beiden folgenden gelesen:

veröffentlicht 2008

Für seine Dystopie mit dem ausgesprochen sperrigen Titel Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten entwirft Kracht eine Welt, in der Lenin sein schweizer Exil nicht in einem verplombten Eisenbahnzug verlassen, sondern seine Zukunftsvisionen direkt vor Ort verwirklicht hat. Die Folge ist eine Schweizer Sowjet Republik natürlich im Krieg mit Deutschland, aber auch anderen Teilen der Welt. Leider führt der Autor seine Idee nicht wirklich aus, sondern erzählt im Weiteren die Geschichte eines Politkommissars mit dem Auftrag, einen jüdischen Oberst Brazhinsky (wieder) zu finden und zu verhaften. Der einzig wirkliche Clou der Geschichte besteht vielleicht darin, dass der Politkomissar und gleichzeitige Ich-Erzähler ein Schwarzafrikaner ist; Kracht findet diese Pointe wohl so gut, dass er den Leser hierüber eine Weile im Unklaren läßt - tatsächlich scheint mir die Hautfarbe des Protagonisten innerhalb der Handlung allerdings relativ bedeutungslos. Allerhöchstens auf einer Methaebene, nämlich vor dem Hintergrund, dass die beschriebene Suche und vor allem das Finden in einer labyrinthartigen Bergfestung in den Schweizer Alpen stark an Conrads Herz der Finsternis (und sogar noch stärker an Coppolas Verfilmung des Stoffes in Apocalypse Now) erinnert, bekommt das Schwarzsein des Suchenden vielleicht eine etwas tiefere Idee. Am Schluß jedenfalls war Suchen und Finden eigentlich garnicht so wichtig und das Ganze verliert sich mit einem quasi-religiösen Ton im Nirgendwo.

veröffentlich 2012

Das für mich bezeichnende an Christian Krachts wohl bekanntestem Werk Imperium ist - neben dem an Hergés Illustrationen zu Tim im Kongo oder auch Der Arumbaya-Fetisch erinnernden Titel-Cover - vielleicht, dass es sich das erste Mal tatsächlich um einen Roman handelt, während die vorhergehenden "Romane" vor allem inhaltlich m.E. kaum über die Form von Erzählungen hinausgekommen sind.

Der deutsche "Aussteiger" August Engelhardt macht sich um 1900 herum auf den Weg in die Südsee. Er will dort eine Gemeinschaft von sogenannten Kokovoren Gründen mit dem Ziel, sich nicht nur einzig und allein von Kokosnüssen zu ernähren, sondern vollständig von der Kokospflanze zu leben. Wem dies also Anlaß eines Romans zu "spinnert" erscheint, möge bedenken, dass es sich bei Engelhardt immerhin um eine historische Figur handelt. Kracht versucht, die interessante, amüsante und tragische Geschichte in einer gemeinten Sprache des beginnenden 20ten Jahrhunderts zu erzählen und scheitert dabei, wie ich finde, kläglich. Seine "Schreibe" wirkt im Vergleich zu seinen bisherigen Werken umständlich und ungelenk und die Bilder geraten zum Teil außerordentlich schief. Insbesondere Referenzierungen auf die spätere Machtergreifung Hitlers, den er u.a. als den anderen Romantiker und Vegetarier bezeichnet, sowie auf Thomas Mann oder auf Franz Kafka, kommen nicht über kleine Rätselspiele für den Leser hinaus, welche dieser eher verärgert, als amüsiert löst.
Irgendwann auf der Hälfte des Romanes wird es dann doch wieder zunehmend episodenhaft und der Protagonist Engelhardt zugunsten des Schiffskapitäns Slütter zur Nebenfigur, die es - völlig unnötig eigentlich - am Ende des zweiten Weltkrieges immerhin und anders, als der wirkliche Engelhardt, der 1919 gestorben ist, bis auf eine amerikanische Militärbasis schafft.

Es sei noch daran erinnert, dass seinerzeit im Feuilleton aufgrund einer Kritik im SPIEGEL eine kurze Debatte entflammte: Georg Diez schrieb, der Roman Imperium sei "durchdrungen von einer rassistischen Weltsicht", an Krachts Beispiel "könne man sehen, wie antimodernes, demokratiefeindliches, totalitäres Denken seinen Weg findet hinein in den Mainstream." (SPIEGEL 7/2012). - Nun, dass der Roman in einer Zeit spielt, die zumindest in Deutschland sicher nicht demokratiefreundlich gewesen ist, dass die Kolonialpolitik per definitionem rassistisch ist und sich der "Held" August Engelhardt in einen massiven Antimodernismus flüchtet, wird man Christian Kracht kaum vowerfen können; es sei denn, man fordert, er solle doch bitte eine gänzlich andere Geschichte zur Grundlage wählen. Und so wird man nach dem Lesen feststellen, dass Diez Vorwürfe einerseits ziemlich an den Haaren herbeigezogen sind und andereseits dem Roman mehr Bedeutung beimessen, als er vielleicht hat.

Am Ende sei mir nach nunmehr vier Krachtschen Romanen die Bemerkung erlaubt, dass der Autor aufällig wenig mit weiblichen Charakteren anzufangen weiß: Entweder tauchen sie garnicht auf (1979) oder sind Staffage (Faserland) oder bestenfalls Symbol (Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten). Erst in Imperium spielen die Plantagenbesitzerin Emma Forsayth und mehr noch ein kleines Mädchen namens Pandora eine Rolle, die über bloßes Beiwerk hinausgeht.
mfG Michael

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dr.pingel

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Mittwoch, 3. Mai 2017, 22:46

Hans Fallada

Seit meiner Jugend ist mir Fallada ein Begriff; kein Wunder, er stand in der Bibliothek meines Vaters, der ein Bibliothekar war. Das hat mich zum Bücherverschlinger gemacht. Aber schon in unserem Haushalt damals waren wir Verächter von Grass (außer (Das Treffen in Telgte) und Böll (außer Dr. Murke). Fallada war aber einer der Favoriten.



Nach Bauern, Bonzen und Bomben (hier besprochen) habe ich jetzt wieder Wolf unter Wölfen gelesen, es war noch packender als die letzten Male. Diesmal lag bei mir der Schwerpunkt nicht auf der Handlung und der Schilderung der Krise der Weimarer Republik, sondern auf der Psychologie der Personen. Ein absolutes Meisterwerk, das man nach 1250 Seiten ungern aus der Hand legt.

"Aber abseits, wer ist´s? (Goethe Harzreise/Brahms Altrhapsodie). "Abseits? Der Gegner ist immer drin - wir nie" (Fritz Eckenga)

dr.pingel

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Dienstag, 30. Mai 2017, 00:09

Der neue Alpenkrimi von Jörg Maurer ist raus: "Im Grab schaust du nach oben". Spannend und witzig wie immer (die andern empfehle ich auch: Föhnlage, Hochsaison, Niedertracht, Oberwasser, Unterholz, Felsenfest, Der Tod greift nicht daneben, Schwindelfrei ist nur der Tod).
Witzig, musikalisch, spannend, intelligent.
Im aktuellen Krimi gibt es eine erfundene Musikanekdote, die auf dem gleichen Level stattfindet, die Robert Gernhardt vorgegeben hat und von denen ich auch einige hier habe.
Also: Graf Erdödy, Ritter, Reiter, Fechter, Militär, Ungar, steht Mozart gegenüber in einem Duell. Der Graf: erfahren im Schießen, Mozart: nicht. Der Graf schießt daneben, Mozart nicht. Er muss versteckt werden. Das geht im Kloster am besten. Draußen wird erzählt, er sei tot und in einem Massengrab verscharrt. Nichts dergleichen. Er bekommt den Auftrag, in seinem Exil das berühmteste evangelische Weihnachtslied, "Vom Himmel hoch, da komm ich her" zu überbieten. Nach 20 Jahren hat er es geschafft. An einem Weihnachtsabend übergibt der siebzigjährige Mozart das Lied "Stille Nacht" an die beiden Österreicher.
Danach hat man nie mehr etwas von ihm gehört.
"Aber abseits, wer ist´s? (Goethe Harzreise/Brahms Altrhapsodie). "Abseits? Der Gegner ist immer drin - wir nie" (Fritz Eckenga)

dr.pingel

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Montag, 5. Juni 2017, 00:50

Denis Johnson ist tot

Denis Johnson war einer aus der Fülle der amerikanischen Autoren, die eher im Verborgenen blühten. Er ist am 24.5. an Leberkrebs gestorben. Meine beiden Lieblingsbücher von ihm waren: "Jesus´Son" und "Train Dreams".
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MSchenk

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Dienstag, 6. Juni 2017, 20:26

Nach Faserland, 1979, Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten, und Imperium habe ich mein kleines "Christian Kracht-Leseprojekt" in den letzten Tagen mit seinem aktuellen Roman abgeschlossen:

(veröffentlicht 2016)

Alfred Hugenberg, Charlie Chaplin, Fritz Lang, Lotte Eisner, Siegfried Kracauer, Heinz Rühmann, Putzi Hanfstaengl - Ein buntes Panoptikum historischer Figuren, die mehr oder weniger eng mit der Geschichte des deutschen Films in den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts verbunden sind. Neben dem fiktiven Schweizer Regisseurs Emil Nägeli, seiner Verlobten Ida von Üxküll [sic!] und dem wiederum verbürgten japanischen Ministerialbeamten Amakasu Masahiko bilden sie das (zumeist karikaturenhaft-überzeichnete) Personal dieses Werkes, dessen Geschichte wohl auch irgendwie davon handelt, dass Nägli einen Film, womöglich gar einen "Gruselfilm" in Japan drehen soll.
Lesenswert von den ca. 210 Seiten ist vielleicht der "Dritte Teil" (25 Seiten): Allerdings nicht wegen der vollkommen absurden Idee, Amakasu, von Chaplin gezwungen, sich mitten auf dem pazifischen Ozean ins Meer zu stürzen, sondern eher um zu erfahren, wie Ida an der "Traumfabrik Hollywood(land)" zerbricht.

Was ich inzwischen einige Male gehört und gelesen habe, dass Kracht ironisch zu verstehen sei. Insbesondere wurde dies ins Feld geführt, wenn ich behauptet habe, das Gelesene sei vielleicht ein wenig albern, aber gänzlich unlustig bis hin zur Substanzlosigkeit, aber vor allem frei von jeglicher Ironie. - Ich will darüber nicht streiten, denn das lohnte im Angesicht des Krachtschen Œuvre m.E. den Aufwand nicht: Das Geschriebene mag gefallen, zum Teil sogar das Feuilleton für sich einnehmen oder - noch besser, weil wirkungsvoller - gegen sich aufbringen - mich hat es nicht überzeugt.
mfG Michael

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lohengrins

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Mittwoch, 7. Juni 2017, 08:14

Lieber Michael, an dieser Stelle nur ganz kurz: Vielen Dank für deine Einlassungen zu Christian Kracht.
Ich habe das mit großem Interesse gelesen, da ich Kracht seit "Faserland" verfolge und jede neue Veröffentlichung mit Freude zu mir nehme (wie sonst vielleicht noch bei Norbert Scheuer, Hans-Joachim Schädlich, Christoph Hein, Peter Stamm - ja, eine bunt gemischte Reihe).

Bei "Faserland" war es vermutlich das mir durchaus bekannte Umfeld, das mich mit Interesse zum Buch greifen ließ. Die Ironie war da schon wesentlich, und blieb es für mein Empfinden auch in allen weiteren Büchern. Wenn sie so wichtig daher kommt, kann sie schnell alles abwerten, da Ironie neben viel Distanz zum Gegenstand auch dessen Nichtigkeit begründen kann. Das empfinde ich bei Kracht aber nicht so, ich lese da eher ein Staunen über die Menschen und ihre Verhaltensweisen, das mir aber nicht abgewendet erscheint.

Deine Betrachtung ist jedenfalls ein guter Grund, mal wieder einen Kracht zur Hand zu nehmen.

:hello:

MSchenk

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Sonntag, 11. Juni 2017, 21:35

Hallo lohengrins,

[...] Bei "Faserland" war es vermutlich das mir durchaus bekannte Umfeld, das mich mit Interesse zum Buch greifen ließ. Die Ironie war da schon wesentlich, und blieb es für mein Empfinden auch in allen weiteren Büchern. Wenn sie so wichtig daher kommt, kann sie schnell alles abwerten, da Ironie neben viel Distanz zum Gegenstand auch dessen Nichtigkeit begründen kann. Das empfinde ich bei Kracht aber nicht so, ich lese da eher ein Staunen über die Menschen und ihre Verhaltensweisen, das mir aber nicht abgewendet erscheint.

ich habe mich am Freitag nach einem Konzert mit einem guten Freund über Kracht unterhalten und im wesentlichen kommt er zu einem ähnlichen Urteil, wie Du. Interessant für mich ist, dass ich zu einem geradezu gegensätzlichen Urteil komme: Zum einen vermag ich Krachts Ironie nicht zu erkennen und zum anderen vermisse ich eine gewisse empathische Nähe zu den Figuren. Zu letzterem würde allerdings passen, dass besagter Freund Kracht eine eher journalistische Sichtweise unterstellt und insbesondere meint, Kracht sei kein Romancier. - Bei letzterem Urteil gehe ich dann wieder mit, allerdings eher im negativen Sinne, da ich zwischen den gelesenen Büchern keinen wirklichen Roman entdeckt habe.
mfG Michael

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dr.pingel

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Donnerstag, 22. Juni 2017, 18:33

Fleisch ist mein Gemüse

Dieses Buch von Heinz Strunk (der auch häufig in "extra3" neben Christian Ehring auftaucht) ist inzwischen ein Kultbuch. Noch besser sind allerdings Hörspiel und besonders der Film, da man da auch die Tanzmusik, die von "Tiffanys" (nicht etwa "die Tiffanys") abgelassen wird, hören und sehen kann. Das alles ist tragikomisch, zeigt es uns doch eine Welt, die wir sonst nicht kennen, die Welt der Alleinunterhalter, Tanzkapellen wie auch die Welt ihrer Kunden, besonders der Schützenfeste, bei denen die entfesselten Rentner den Ton angeben.

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dr.pingel

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Donnerstag, 22. Juni 2017, 18:43

Der goldene Handschuh

Eines der schrecklichsten Bücher, das ich je gelesen habe; nicht etwa, weil es schlecht geschrieben ist, ganz im Gegenteil. Strunk hat damit den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis gewonnen. Wie schon in "Fleisch ist mein Gemüse" taucht Strunk in eine Welt ein, in der es mit Suff, Prostitution, Arbeitslosigkeit, Gewalt und Obdachlosigkeit eigentlich der Vorgeschmack der Hölle ist, eine " dunkle Welt von Kiez, Tresen und Abbruchquartier, deren Bewohnern das mitleidlose alles Menschliche raubt" (Klappentext). Strunk schildert hier das Leben des Frauenmörders Fritz Honka nach den Akten, die normalerweise unter Verschluss sind. "Der goldene Handschuh" ist eine Spelunke im Stadtteil St. Pauli (Reeperbahn).

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michael74

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Donnerstag, 22. Juni 2017, 18:47

Hallo für die nächste Zeit:



Gruß
Mike

dr.pingel

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Donnerstag, 20. Juli 2017, 23:14

Es ist natürlich sonnenklar, dass man nicht nur Literatur "auf Kunstbasis" lesen kann. Aber die Unterhaltungsliteratur, die man dann konsumiert, soll wenigstens gut gemacht sein.
Dieses Kriterium spreche ich John Grisham zu, dessen Bücher ich alle kenne bis auf die vier Bände "Theodor Boone"; das ist Literatur für Kinder.
Sein bestes Buch, was auch literarischen Rang hat, ist The Painted House. Es basiert auf seinen Kindheitserinnerungen.
Die Bücher von Grisham zeichnen sich aus durch originelle Plots, durch Spannung, durch relativ gut verstehbares Englisch, vor allem aber bringt es einem auf unterhaltsame Weise das amerikanische Rechtssystem bei, das so völlig verschieden ist von unserem. Ohne Grisham kann man einen der berühmten amerikanischen Thriller aus dem Gerichtssaal kaum verstehen.
Sein neuestes Buch heißt "Camino Island" (eine Insel vor Florida), auf deutsch "Das Original".
Zwischen all den großen spannenden Büchern sind ihm auch einige misslungen, wie dieses hier. Handlung und Auflösung am Schluss sind wie immer hervorragend. Aber in der Mitte gibt es Durststrecken, weil Grishams Heldin eine Schriftstellerin mit Schreibblockade ist. Schriftsteller, die andere Schriftsteller mit Schreibblockade als Hauptpersonen ihrer Romane charakterisieren, entscheiden sich damit für pure Langeweile. Zudem kommt noch der Vorwurf der Projektion hinzu.

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Alfred_Schmidt

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Donnerstag, 20. Juli 2017, 23:58

Was liest man im Sommer? Natürlich einen Krimi. Eine reine Schutzbehauptung, weil ich lese VORZUGSWEISE Krimis. Irgendwann wurde es knapp mit den klassischen englischen Kriminalromanen aus der Schule à la Agatha Christie, und da habe ich dann zu Andrea Camillieri und seinem Commissario Montalbano geschwenkt, was eine gute Wahl war. Aber auch diese Bücher, soweit sie bereit ins Deutsche übersetzt wurden (auch das dazugehörige Kochbuch besitze ich bereits), gehen bald zur Neige - Zeit sich nach was Neuem umzuschauen. Ich wurde im Wiener Milieu fündig. Damit hatte ich zu Beginn Schwierigkeiten, denn Hermann Bauers Umgebung, in der er die Geschichten ansiedelt, erschien mir im ersten Moment als zu alltäglich. Er lässt seine Krimis im 21. Wiener Gemeindebezirk spielen, der nicht gerade ein Nobelviertel ist, dem aber auch nichts Geheimnisvolles anhaftet, wie beispielsweise all den erfundenen englischen Städten englischer Krimis (obwohl Martha Grimes beispielsweise Amerikanerin ist). Bauer nennt Straßennahmen, aber sein Café Heller ist frei erfunden, wo seine Hauptfigur, der Oberkellner Leopold sein Unwesen treibt, in der Form, dass er immer über Kriminalfälle fällt, die er dann erfolgreich löst. Sehr zum Missfallen seiner Chefin, Frau Heller.
Bauer hat bereits mehrere Bücher mit dieser Hauptfigur (und einigen weiteren) geschrieben, sie alle haben zumeist literarisch-kulturelle Bezüge. Das Rätsel warum das so ist, ist schnell gelöst, der Autor ist im Hauptberuf Lehrer, eigentlich müsste er bald in Pension sein - und hoffentlich benutzt er die freie Zeit für weitere Romane. Auch das Schulmilieu wird oft angesprochen - und nicht immer schmeichelhaft. Hermann Bauer lässt stets zahlreiche verschrobene Typen auftreten, die alle irgendwie miteinander verwoben scheinen und am Schluss des jeweiligen Buches wundert man sich, dass nur einer der Mörder ist.

mit freundlichen Grüßen aus Wien

Alfred

Die wichtigste Aufgabe des Forenbetreibers besteht darin, an allem was im Forum passiert, prinzipiell schuld zu sein
(Alfred Schmidt)

dr.pingel

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Gestern, 18:39

Die Erfindung des Cliffhangers und des Fortsetzungsromans

ist die Geschichte von Scheherazade, die jetzt in einer reich gestalteten Neuübersetzung von Claudia Ott vorliegt. Der Cliffhänger: Schahrasad unterbricht am Morgen ihre Erzählung an einer spannenden Stelle, damit der König weiter ihr zuhört und sie nicht tötet. Der Fortsetzungsroman ist der, dass jede Geschichte in die andere übergeht. Aus diesem "Wunderbuch" habe ich ein "Wanderbuch" gemacht, was heißt, dass es mit oder ohne Anlass an Freunde und Bekannte weitergereicht wird. Gespannt bin ich, ob und wann es zu mir zurückkehrt!

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