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Bachiania

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211

Freitag, 2. Januar 2015, 15:53

In der Tat, diese Orgel sieht aus wie eine wunderbare, große Fuge, erhebend und berauschend, mächtig und gleichzeitig differenziert bis in alle Details !
Man sagt, wenn die Engel für Gott spielen, so spielen sie Bach, füreinander aber spielen sie Mozart.
(Sir Isaiah Berlin)

m-mueller

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212

Freitag, 2. Januar 2015, 23:03

Liebe Bachiana,

ich stimme Dir zu, daß Fugen besondere Glückmomente bereithalten, wenn der Baß (als letzte Stimme) einsetzt, das ist meist ziemlich erhaben.

In Bezug auf das geposteten Beispiel bin ich allerdings der Meinung, daß Koopmann (was er gern tut) einen Tick zu schnell spielt, "Erhabenheit" darf man auch mal ein wenig länger ausbreiten.

Bachiania

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213

Sonntag, 10. Mai 2015, 06:50

Diese Fuge hat wirklich das Kaliber, hier genannt zu werden: der erste Satz aus Bartóks "Musik für Streicher, Schlagzeug und Celesta" (hier bis 07:52)



Der Satz ist durchgehend atonal. In seiner Faktur orientiert er sich nahezu streng an den großen barocken Formenvorbildern.

Der Satz beginnt im Piano mit einer klassischen Fugenexposition durch alle Stimmen. Im weiteren Verlauf wird er immer dichter, indem das Thema in permanenter Engführung einem Höhepunkt entgegen strebt. Man meint, dieser sei mit einem starken Beckenschlag erreicht. Doch nein: die Spannung baut sich noch weiter auf, bis die Klimax im Fortissimo eintritt. Danach bleibt ein Ton als eine Art "atonaler Orgelpunkt" liegen.

Wieder treten Engführungen und Umkehrungen des Themas auf. Die Musik sinkt wieder ins Piano zurück und verklingt zweistimmig im Pianissimo in einer Engführung des Themas mit seiner eigenen Umkehrung.

Die Verbindung streng kontrapunktischer Form mit atonaler Harmonik bewirkt hier eine spannungsreiche und gut nachvollziehbare Dichte der musikalischen Textur, die leicht fasslich ist und intensives Erleben ermöglicht. Eine der ganz großen !

Viele Grüße :hello: Bachiania
Man sagt, wenn die Engel für Gott spielen, so spielen sie Bach, füreinander aber spielen sie Mozart.
(Sir Isaiah Berlin)

Gombert

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214

Sonntag, 10. Mai 2015, 11:37

Liebe Bachiania,

da sind wir uns ja wieder einmal einig (siehe "Mehr Fugen", Beitrag 275), was in diesem Fall sogar ein wenig überraschend ist! 8o ;)

m-mueller

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215

Freitag, 2. Oktober 2015, 22:24

Eines der besten Werke der gesamten Musikgeschichte in der besten mir bekannten Interpretation:

Miklos Spanyi (Otto Winter) spielt die dorische Toccata und Fuge d-moll BWV 538

Toccata:

Fuge:

hier erhältlich:

m-mueller

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216

Sonntag, 18. Oktober 2015, 19:39

Bei youtube inzwischen von einem verständigen Menschen hochgeladen. Händels Chandos Anthems in der Interpretation der 16 Choir and Orchestra, Harry Christophers.

Fuge ab 8:56 (aber es lohnt sich, alle Anthems komplett anzuhören)

Hier zu erwerben:

m-mueller

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217

Sonntag, 18. Oktober 2015, 19:51

, ab 19:17

m-mueller

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218

Sonntag, 18. Oktober 2015, 20:02



ab 0:41 und 4:12

m-mueller

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219

Sonntag, 18. Oktober 2015, 20:17



ab 1:14, ab 5:22 (fugierte Einsätze), ab 23:56 (fugierte Einsätze)

m-mueller

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220

Sonntag, 18. Oktober 2015, 20:24



ab 1:22, die imho beste Fuge der 11 Anthems; ab 19:32 ein äußerst raffiniertes Schluß-Halleluja mit Fugen-Teilen, ganz anders als eine Bach-Fuge

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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221

Sonntag, 18. Oktober 2015, 22:23

Diese Fuge hat wirklich das Kaliber, hier genannt zu werden: der erste Satz aus Bartóks "Musik für Streicher, Schlagzeug und Celesta" (hier bis 07:52)

Wieder treten Engführungen und Umkehrungen des Themas auf. Die Musik sinkt wieder ins Piano zurück und verklingt zweistimmig im Pianissimo in einer Engführung des Themas mit seiner eigenen Umkehrung.

Die Verbindung streng kontrapunktischer Form mit atonaler Harmonik bewirkt hier eine spannungsreiche und gut nachvollziehbare Dichte der musikalischen Textur, die leicht fasslich ist und intensives Erleben ermöglicht. Eine der ganz großen!


www.tamino-klassikforum.at/index.php?pag…d&threadID=8025

http://www.satzlehre.de/themen/bartok.pdf

Das Stück gilt allerdings nicht als "atonal" i.e.S. Die oben verlinkte Analyse spricht von "tonalen Eckpfeilern" mit einem Grundton a.

m-mueller

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222

Sonntag, 9. April 2017, 20:19

Bach-Busoni, BWV 564, ursprüngliche für Orgel. Der letzte Satz ist eine sehr eindrückliche Fuge, hier bestens zelebriert vom koreanischen Pianisten Dong-Hyek Lim

, ab 12:35 min

m-mueller

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223

Montag, 24. April 2017, 00:09



Das Stück gilt allerdings nicht als "atonal" i.e.S.


Stimmt - man kann es sich durchaus mal anhören - aber zugehörig zu "besten Fugen" ???

Damit konnte ich den Thread nicht enden lassen - es wird also noch ein paar weitere "beste Fugen" geben...

Melot1967

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224

Montag, 24. April 2017, 22:09

Hammerklavier-Sonate gespielt von Sokolov

Wer den 4. Satz der Hammerklavier-Sonate bisher noch nicht so ganz durchschaut hat, sollte sich mal Sokolov geben. Ich hoffe, ich liege da jetzt nicht falsch, aber es dürfte sich - jedenfalls zum Teil - um eine Fuge / um Fugen handeln. Korrigiert mich Laien bitte.


Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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225

Montag, 24. April 2017, 23:20



Das Stück gilt allerdings nicht als "atonal" i.e.S.


Stimmt - man kann es sich durchaus mal anhören - aber zugehörig zu "besten Fugen" ???

Also ich habe das Stück nicht vorgeschlagen, sondern Bachiana. Ich habe allerdings zugestimmt, dass es zu "beste Fugen" passt. :D

m-mueller

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226

Samstag, 29. April 2017, 00:17

Wer den 4. Satz der Hammerklavier-Sonate bisher noch nicht so ganz durchschaut hat, sollte sich mal Sokolov geben. Ich hoffe, ich liege da jetzt nicht falsch, aber es dürfte sich - jedenfalls zum Teil - um eine Fuge / um Fugen handeln. Korrigiert mich Laien bitte.




Im vierten Satz höre ich an einigen Stellen Fugenelemente. Wikipedia schreibt zwar:

"Beethoven schickt das Thema hierbei durch alle erdenklichen Veränderungsprozesse, die aus der barocken Fugenkunst bekannt sind: Vergrößerung, Rücklauf (Krebsgang – diese stärkste aller Veränderung steht als einer der Höhepunkte des Satzes in h-Moll), Umkehrung, schließlich sogar Original und Umkehrung zugleich."

Ich nehme das allerdings nicht so richtig als Fuge wahr. Am fugigsten ist es wohl um 9:50 min bis etwa 10:37 min (Kempff 1951).

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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227

Samstag, 29. April 2017, 10:21

Der Finalsatz von Beethovens op.106 ist nach der Einleitung mehr oder weniger durchgehend fugiert, wobei das Stück natürlich etliche freiere Abschnitte/"Zwischenspiele" enthält (was aber auch für etliche ältere Fugen gilt).

ab 29:52 Einleitung mit einer pseudobachischen "Übung", als ob die Fuge schon hier anfinge
ca. 32:37 beginnt die Fuge mit einem regulären Durchlauf der drei Stimmen
ca. 34:24 Thema in Vergrößerung
ca. 35:38 "Krebs" des Themas (h-moll)
ca. 36:36 Thema in Umkehrung (G-Dur)
ca. 37:42 "traditioneller" klingender Abschnitt mit einem neuen Thema
ca. 38:25 das neue Thema wird mit dem Hauptthema in der Grundgestalt kombiniert
ca. 38:45 Thema in Grundgestalt und Umkehrung, auch wieder bei 39:50
ab ca. 39:55 Engführungen des Themenkopfes, dann freiere Coda.



Freilich kann man dem ohne Noten nicht unbedingt im Detail folgen, aber es klingt für mich schon sehr wie eine Fuge, warum denn nicht? Der Themenbeginn mit dem Triller hat ja sogar etwas "neobarockes".

m-mueller

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228

Samstag, 29. April 2017, 12:05

ich nehme es nicht so sehr als Fuge wahr, weil der eigentliche "Fugenstoff" häufig "verschleiert" ist durch andere Themen und Einsätze - es ist eben keine "prägnante" Fuge wie die oben von BWV 564 - ich habe ja auch bei Bartok weiter oben Probleme gehabt, die Fuge zu erkennen, weniger kognitiv, sondern emotional.

Um leicht mit Lim vergleichen zu können, stelle ich hier mal die Version der BWV 546 von Kissin ein, der vielleicht noch prägnanter als Lim die Essenz einer Fuge herausarbeitet. Ich habe hier wohl erkannt, daß ich für meinen Teil nur prägnante Fugen als "große" Fugen bezeichnen würde.

, ab 13:04

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229

Dienstag, 16. Mai 2017, 23:08

Man kann beste Fugen auch arg zerrupfen.

Eine der kraftvollsten, strahlendsten Musiken, die es gibt (siehe Beitrag 215), in der Version als häßliches Schoßhündchen:

BWV 538 (dorische Toccata und Fuge d-moll) im Klaviersatz -

, ab 5:22 min

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230

Dienstag, 16. Mai 2017, 23:57

Im Gegensatz dazu: phantastische Transkription sowie gould-like-qualitative Interpretation der BWV 542 (Bach-Liszt: Fantasie und Fuge g-moll)

.ab 6:07 min

Von diesem Daniil Trifonov gilt es jedenfalls mehr zu hören!

m-mueller

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231

Freitag, 19. Mai 2017, 21:29

nochmal: Bach-Liszt, Fantasie und Fuge g-moll BWV 542

, ab 6:48 min, scheint eine etwas ältere Interpretation als die oben zu sein.

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232

Samstag, 20. Mai 2017, 00:06

Vergleicht man die beiden Interpretationen, dann ist die zweite, also die zeitlich ältere (Beitrag 231) schon sehr gut, sowohl in handwerklicher als auch interpretatorischer Hinsicht, die Version aus Beitrag 230 aber ist reifer, weicher, ohne irgendetwas an Klarheit einzubüßen, der Anschlag ist so wunderbar differenziert und hört sich so "richtig" an, das Tempo ist so stetig fließend, daß ich wohl bisher noch keine bessere Interpretation dieses Stückes gehört habe.

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233

Sonntag, 21. Mai 2017, 23:58

In meinem 3000. Post in diesem Forum möchte ich die beiden Personen ehren, die im Mittelpunkt meines musikalischen Weltbildes stehen - J.S. Bach und Glenn Gould!

Gould spielt den letzten Contrapunctus der Kunst der Fuge, das Stück, über dessen Komposition Bach vermutlich verstorben ist.