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La Roche

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61

Freitag, 17. März 2017, 13:26

Doch mir fällt sogar ein heutiger Heldentenor ein und das ist Stephen Gould.
Lieber Hans,

auch ich habe Stephan Gould mehrfach live erlebt, u.A. in Dresden (entweder war es die Daphne oder die Liebe der Danae, etwa vor 10 Jahren, das Programm liegt im tiefen Keller und im Gewandhaus in der 8. von Mahler zum Mahlerfest 2011)

Bei ihm ist mir positiv der heldische Klang mit strahlender Höhe aufgefallen, aber beidemal fand ich, daß er die hohen Töne anschleifen mußte, sie kamen nicht ohne Mühe, nicht ansatzlos wie in den berühmten Wälserufen von Melchior. Und ich hätte Gould auch nicht zugetraut, diese Töne so lange halten zu können (wobei das ja nicht zu sein braucht, ein wenig Angeberei war wohl schon dabei). Wenn Du ihn in Bayreuth besser erlebt haben solltest, dann muß ich immer darauf verweisen, daß auch Sänger gute und schlechte Tage haben.

Herzlichst La Roche

PS ich erinnere mich an eine Fernsehaufzeichnung der Gurrelieder unter Jansons aus München, wo er ähnliche "Stemmprobleme" hatte.
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer

La Roche

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62

Freitag, 17. März 2017, 14:04

Also ich werde keine Sänger-Threads mehr starten und keine "Neuen Stimmen" mehr vorstellen. Das macht viel Arbeit und es ist meist nicht gelungen, für die Sänger Interesse zu wecken.
Selbst ein Thread über Vergilius NOREIKA, von dem ich nun wirklich ganz vorzügliche Aufnahmen eingestellt habe, stieß auf kein (!!!) Interesse.
Lieber Caruso41,

bitte laß Dich nicht abhalten, weiterhin neue Sänger vorzustellen. Seit ich wieder im Forum bin, habe ich alle Deine Beiträge dazu aufmerksam gelesen. Leider gehen meine Besuche im Opernhaus gegen Null (über die Gründe sind wir unterschiedlicher Meinung), weshalb sich mir kaum die Gelegenheit bietet, die von Dir erwähnten Sängerinnen und Sänger erleben zu können. Deshalb kann ich nicht mitreden, aber es interessiert mich schon.

Zu Virgilius Noreika hatte ich mich schon vor Jahren hier geäußert. Ich besitze eine Melodia-Platte von ihm, und insbesondere seine Federicoarie aus Arlesiana ist eine der besten Interpretationen dieser Arie überhaupt und sitzt fest in meinen Gehirnwindungen. Ich werde mir diese Platte mal wieder auflegen, um die restlichen Arien im Kopf zu speichern (Lenski, indischer Gast, Wladimir aus Fürst Igor, Cavaradossi, de Grieux, Edgar in der Lucia).

Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer

Joseph II.

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63

Freitag, 17. März 2017, 19:57

Zurück zum Thema:

Hier noch ein bedeutender Interpret dieser Arie: Der beliebte Wiener Kammersänger Walter Berry.

»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Sixtus

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64

Freitag, 17. März 2017, 22:37

Lieber Joseph II,
die Wahl von Walter Berry für dies Arie hat hier noch gefehlt. Es gibt sogar einen Wildchütz-Film mit ihm als Baculus.

Für mich ist Berry vor allem als Inkarnation von Papageno, Figaro und Leporello eine Ikone des Mozart-Gesangs geblieben in der unvergleichlichen Melange von Witz und Herz. Alles, was er sich später an Rollen erarbeitet hat, war mehr oder weniger Glückssache: Der Wozzeck und der Barak kamen ihm mit ihrer Verlorenheit entgegen, doch der Sachs war ihm eine Nummer zu groß. Auch sein Kurvenal war, bei aller Ausdrucksintensität und Klangschönheit, eine Grenzpartie für ihn.
Und für die echten Bassbufforollen fehlte ihm, bei aller musikalischen Intelligenz, das dunkle Basstimbre. Bei aller intelligenten und differenzierten Darbietung: Das Tumbe der Figur wird von der Freundlichkeit der hellen Tinta der Stimme neutralisiert, und dadurch kommt der Trottelhafte der Figur etwas zu kurz. Doch ihre Tragikomik tritt umso deutlicher hervor. Manche Sänger sind durch ihren Stimmcharakter dazu verurteilt, zwischen den Stühlen zu sitzen - meint Sixtus.

Joseph II.

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65

Freitag, 17. März 2017, 23:11

Lieber Sixtus,

ich muss Dir im Großen und Ganzen zustimmen. Berrys Baculus ist sehr gut, aber wohl nicht ideal. Du hast das noch viel besser begründet, als ich es gekonnt hätte. Walter Berry habe ich tatsächlich vor etwa zehn Jahren zunächst im Mozart-Gesang für mich entdeckt. In den drei genannten Parteien (Papageno, Figaro, Leporello) lieferte er zumindest für mich referenzträchtige Darbietungen, die nichts an ihrer Faszination verloren haben. Da mag ihm sein Wiener Gemüt entgegengekommen sein. Als Sachs hätte ich ihn zumindest in den großen Monologen mal gerne gehört. Ein Jammer, dass er viel zu früh abberufen wurde.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Stimmenliebhaber

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66

Freitag, 17. März 2017, 23:34

Ein Jammer, dass er viel zu früh abberufen wurde.
Ina Kringelborn ist viel zu früh abberufen worden - mit 31. Stella Doufexis ist viel zu früh abberufen worden - mit 47. Walter Berry (1929 - 2000) ist immerhin 71 geworden! Das ist kein sehr hohes Alter und man hätte ihm gerne noch einige Jahre auf dieser Erde gegönnt, aber was hätte denn da mit 71 künstlerisch/sängerisch noch kommen sollen, dass es ein "Jammer" ist, dass das nicht mehr kam? Bei allem großen Respekt vor der überragenden Lebensleistung von Walter Berry war mein Jammer in den beiden anderen aufgezählten Fällen größer, weil das in beiden Fällen wirklich viel zu früh war. Berry hat sein Leben gelebt und eine jahrzehntelange Karriere machen dürfen, die viele so schnell nicht vergessen werden.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

Erich Ruthner

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67

Samstag, 18. März 2017, 10:23

Ein Interpret dieser Arie ist bisher nicht genannt worden: Carl Dönch. Er hat den Baculus unzählige Male in seiner unnachahmlichen liebenswürdig-skurrilen Art auf die Bühne gebracht und war damit bis zum Karriereende erfolgreich.
Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

La Roche

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68

Samstag, 18. März 2017, 10:30

na Kringelborn ist viel zu früh abberufen worden - mit 31. Stella Doufexis ist viel zu früh abberufen worden - mit 47. Walter Berry (1929 - 2000) ist immerhin 71 geworden! Das ist kein sehr hohes Alter und man hätte ihm gerne noch einige Jahre auf dieser Erde gegönnt, aber was hätte denn da mit 71 künstlerisch/sängerisch noch kommen sollen, dass es ein "Jammer" ist, dass das nicht mehr kam? Bei allem großen Respekt vor der überragenden Lebensleistung von Walter Berry war mein Jammer in den beiden anderen aufgezählten Fällen größer, weil das in beiden Fällen wirklich viel zu früh war. Berry hat sein Leben gelebt und eine jahrzehntelange Karriere machen dürfen, die viele so schnell nicht vergessen werden.
Toller Beitrag. Paßt.

La Roche
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Sixtus

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69

Samstag, 18. März 2017, 11:37

Noch eine Anmerkung zu Walter Berry:

Er ist wohl als Sänger nicht zu früh gestorben. Dass er von angestrebten Partien schließlich doch in weiser Erkenntnis seiner stimmlichen Grenzen Abstand genommen hat, liegt eher daran, dass die Stimme für Verdis Baritonrollen zu weich war - und für den Heldenbariton nicht die erforderliche Durchhaltekraft besaß.

Den Sachs hatte er (für Bayreuth) schon fertig studiert - und zuletzt doch zurückgegeben. Diese Bescheidung spricht für ihn - und ist jedenfalls besser als ein Desaster. Aber die Partien, die er gesungen hat, machte er zum Erlebnis. Ich habe seinen Barak in Wien (mit Nilsson und Rysanek) bis heute nicht vergessen!

Alfred_Schmidt

Administrator

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  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 18 206

Registrierungsdatum: 9. August 2004

70

Samstag, 18. März 2017, 13:24

Die Beurteilung der Interpretation dieser Arie wird natürlich sehr von der Erwartungshaltung geprägt und von der Auffassung des Sängers, seines Timbres.
Eine Binsenweiseheit, die prinzipielle auf jede Arie passt ? - Prinzipiell ja - im konkreten Falle eher nein, denn ich würde sagen sie zählt zu den "Chamäleons unter den Arien.

Man kann - was oft geschieht - die Arie als Paradenummer für Bassisten sehen, die zeigen was sie drauf haben und wir grollend tief sie singen.

Man kann seine nicht allzu tiefreichende Stimme durch übertriebenes Schauspiel zu kaschieren versuchen - und die Sache damit noch offensichtlicher machen (zumindest sehe ich das so)

Man kann die Arie als ein Produkt des ungeliebenten Spielopernrepertuoires sehen, entsprechend lieblos routiniert vortragen - oder auch so hören

Man kann aber auch einfach den Witz, die Doppelbödigkeit, den Spott, und die Gesellschaftskritik der Arie (und es Stückes !!) erfassen UND stimmlich überzeugend agiern.
Das sind dann die Glücksmomente - wo auch die wahre Qualität Lorzings als Komponist UND Librettist zu erkennen ist - wenn man sie nur erkennen will.

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Sixtus

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71

Sonntag, 19. März 2017, 08:57

Lieber Alfred,

deinen Thesen bezüglich der Interpretation von Bassbuffo-Bravourarien kann ich nur zustimmen - mit der Eischränkung, dass grade die Baculus-Arie sich für eines nicht eignet: Basstiefe zu zeigen. Sie verzichtet auf tiefe Noten gänzlich (unter dem c ist nichts zu finden, und das ist eine Lage, die auch Tenöre erreichen). Für diesen Aspekt eignet sich die Arie des van Bett schon viel besser.
Alles andere kann ich nur unterschreiben. Lortzing greift hier tief in die Kiste der Boffo-Effekte, die leicht dazu verführen, bloß als solche präsentiert zu werden: das schnelle Plapper-Parlando, die Einbeziehung des Publikums - und nicht zuletzt die Platzierung der Arie am Aktschhluss (ähnlich wie "Non piu andrai" im "Figaro").
Nur wenige Sänger widerstehen der Versuchung, sich selbst zu präsentieren, und stellen diese Effekte in den Dienst des komödiantischen Textes, von Lortzing, demTheatermann, selbst punktgenau auf die Figur zugeschnitten. (Das ist auch der Grund, weshalb ich diese Oper für unseren Kanon vorgeschlagen habe.)
Herzliche Grüße von Sixtus

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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72

Sonntag, 19. März 2017, 10:19

Ich will nicht nerven: Die schwereren Bässe Hann, Frick, Böhme, Sotin, Ridderbusch, Moll bringen gerade in dieser Arie repektable Leistungen und bewähren sich selbst in flüssigem Parlando. :jubel: Das liegt auch daran, dass Bässe, wenn sie denn gute Stimmen haben, fast alles singen können. Die Grenzen vom seriösen Bass zum Bassbuffo sind fleißend, wie höchstens noch bei Sopran und Mezzo. Nun ist es wieder Geschmackssache, wie die Figur des Bacculus aufgefasst wird und welcher Stimmtyp iin dieser Rolle favorisiert wird.

Herzlichst
Operus

Sixtus

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73

Sonntag, 19. März 2017, 22:41

Lieber Operus,

da trägst du Eulen nach Athen. Ich finde, das gilt eigentlich für alle Stimmlagen: Das Spektrum der Vielseitigkeit ist umso breiter, je besser die Stimmtechnik - und je höher die Musikalität und die Intelligenz.
Wirklich große Künstler auf diesem Gebiet waren schon immer in der Lage, Fachgrenzen zu überschreiten und in benachbarten Revieren erfolgreich zu wildern. Trotzdem ist es nützlich, dass die, die in der obersten Liga nicht mitspielen können, diese Grenzen zur Kenntnis nehmen, damit die künstlerische Kompetenz nicht allzu sehr der Willkür ausgeliefert wird.
Ich habe erst heute wieder eine Aufführung erlebt, wo diese Grenzen, die nicht ohne Grund gezogen wurden, missachtet wurden. Das Resultat war entsprechend. (In der Rubrik: Gestern in der Oper, Salome in Straßburg, nachzulesen)

Herzliche Grüße von Sixtus