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Hüb'

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  • »Hüb'« ist männlich

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31

Donnerstag, 2. März 2017, 17:09

die behaupten, durch die Wohnungssteckdosen von Ausserirdischen abgehört und beeinflusst zu werden.

Du willst doch hoffentlich nicht in etwa in Abrede stellen, dass das stattfindet ?! :untertauch: :angel:

Bertarido

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  • »Bertarido« ist männlich

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32

Donnerstag, 2. März 2017, 17:34

im Rahmen meines Artikels it mir das Lied "Brutto-Sozialprodukt" eingefallen, darauf folgend dann noch "Besuchen Sie Europa"

Alfred, Du verblüffst mich immer wieder. Dass Du Joan Baez kanntest, war schon eine Überraschung, aber Geier Sturzflug... Du und die "Neue Deutsche Welle", das bekomme ich überhaupt nicht zusammen. Wobei die Band tatsächlich zu den besseren dieser Bewegung zählte und die von Dir genannten Songs immer noch hochaktuell sind.

  • »Joachim Schneider« ist männlich

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33

Donnerstag, 2. März 2017, 18:20

Hallo Hüb,

was es mit den Steckdosen und Ausserirdischen auf sich hat, will ich lieber nicht kommentieren, aber man kann nicht leugnen, daß die Kranken in ihren Wahnideen mit der Zeit gehen.
Während meiner Ausbildung in der Neurochirurgie war ich in einer Abteilung für Stereotaxie tätig, und dort erschien eines Tages ein Patient in der Sprechstunde, der ernsthaft fragte, ob es möglich sei, daß ihm jemand -ohne daß er es bemerkt habe- Elektroden ins Gehirn eingepflanzt habe, um ihn zu beeinflussen.
Er hatte wohl in einem Zeitungsartikel über die Deep-Brain-Stimulation zur Behandlung von extrapyramidalen Bewegungsstörungen gelesen, die damals erstmals technisch möglich wurde und für die unsere Klinik europaweit führen war.

Viele Grüße

Joachim
"Die Musik steht hinter den Noten" (Gustav Mahler)

Dieter Stockert

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  • »Dieter Stockert« ist männlich

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34

Samstag, 4. März 2017, 08:32

In der Süddeutschen Zeitung steht heute ein Artikel mit aufschlussreichen Zahlen, die den vermeintlichen oder tatsächlichen Aufschwung relativieren. So sei die Anzahl der in Deutschland geförderten Orchester von 168 im Jahr 1992 auf nun 130 gesunken. Die Planstellen für Musiker seien von 12159 auf 9816, also 20 Prozent weniger, gesunken. Und die Musiker würden zwar »noch öfter, noch länger, für noch weniger Geld« spielen. 40 der verbliebenen 130 Orchester arbeiten aber zum »Haustarif«, das heißt unter Gehaltsverzicht von durchschnittlich 10 Prozent, »damit nicht noch mehr Stellen gestrichen werden«.
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

Rheingold1876

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35

Samstag, 4. März 2017, 08:48

Hallo Dieter, wird in dem Artikel auch etwas zu konkreten Summen gesagt? Wie hoch oder niedrig ist die Förderung jetzt in Euro ausgedrückt gegenüber 1992? Wie stellt sich der "Haustarif" dar? Was wird denn den Musikern dabei gezahlt? Und warum bedeutet dieser Tarif Gehaltsverzicht? Über weiterführende Aufklärung würde ich mich freuen.

Gruß Rheingold
Es grüßt Rheingold

Erda: "Alles, was ist, endet."

Stimmenliebhaber

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  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

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36

Samstag, 4. März 2017, 09:58

Wie stellt sich der "Haustarif" dar?
Der Haustarifvertrag am Theater gilt dann zumeist für alle Beschäftigte des Theaters, also auch für die Orchestermusiker. Die gebräuchlichsten Varianten: Nur 50% Weihnachts- und Urlaubsgeld, dafür eine Woche "Freizeitausgleich", also frei - oder aber gar kein Weihnachts- und Urlaubsgeld und daür 14 Tage Freizeitausgleich.
Da solche Haustarifverträge zumeist auch mit einem Bestandsschutz der Stellen verbunden sind, hat die Landespolitik in Sachsen-Anhalt den Haustarifvertrag ihrerseits gekippt in der Hoffnung, Stellen abbauen zu können, weil sie wussten, dass die zur Verfügung stehenden Mittel andernfalls zur Finanzierung nicht reichen. Das Theater und die Beschäftigten haben darauf mit einer Vereinbarung reagiert, ihre Verträge in "90%-Verträge" umzuwandeln, damit die Sache finanzierbar blieb: man arbeitet bloß 90% des üblichen Pensums und bekommt dafür auch nur 90% Gage/Gehalt. Ein solches Herangehen an die monatlichen Grundgehälter ist zwar extrem ungewöhnlich (der Haustraifvertrag und die damit verbundenen Abstriche bezieht sich also in der Regel auf die "Zulagen" wie Weihnachts- und Urlaubsgeld, nicht auf die monatliche Gage), damit haben die Dessauer Beschäftigten der Landespolitik aber eins ausgewischt und verhindert, dass wegen der zu geringen Mittel weitere Stellen abgebaut werden müssen (denn Stellen, die erst einmal weg sind, kommen nie wieder...).
In Rostock wurde ja auch der Haustarifvertrag seitens der Stadt gekündigt, um das Theater zu einem Stellenabbau zu zwingen.
Das ist alles nicht sehr schön, aber es stimmt in der Tat, dass viele Theaterbeschäftigte an vielen Theaters durch Gehaltsverzicht (also Hausarifverträge) zum Erhalt ihrer Stellen beitragen, indem sie sich "freiwillig" untertariflich bezahlen lassen.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

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37

Samstag, 4. März 2017, 10:10

Was hier beschireben wird, das ist IMO keine Folge des Desinteresses an klassischer Musik, sondern jener Kahlschlag der in allen Bereichen der Lebens stattfindet, allerdings brauen sich schon der ersten Wolken am Himmel zusammen, die vermuten lassen daß das alles nicht mehr alltzulange dauern wird. Die Bevölkerung der diversen Länder beginnt zu revoltieren.
Im Bereich Kunst und Kultur allerdings ist die Lage vielleicht noch ein wenig ungünstiger, da er fürs "tägliche Leben" verzichtbarer ist, bzw anders ausgedrückt, Einsparungen und Verschlechterungen in diesen Bereichen bringen nur schwer die "Massen auf die Straße"
Andrerseits ist natürlich zu hinterfragen ob Orchester und Opernhäuser, die eine permanent schlechte Auslastung haben, um jeden Preis am Leben erhalter werden müssen. Bevor der Aufschrei hier kommt möchte ich sagen, daß hier an erster Stelle die Analyse stehen sollte - WARUM die Auslastung unbefriedigend ist. Werden andauernd Programme cvon Komponisten oder Inszenierungen die niemand hören oder sehen will dem potentiellen Publikum aufgezwungen (oder zumindest versucht dies zu tun?) Oft sind es ja selbsternannte oder von der Politik beauftragte "Erzieher", die politisch gewolltes, statt vom Publikum verlangtes auf die Spielpläne setzen. Das Publikum reagiert dan dementsprechend. Nun gibt es aber sicher auch volle Häuser die der Subventionierung bedürfen und wo gerne der Sparstift angesetzt würde. Hier ist die Gefahr aber geinger, denn einerseits ist zumindest bei Rennommierorchestern der Tourismusfaktor nicht ausser Acht zu lassen, andrerseits will man Wähler nicht vergraulen, denn auch die Politik steckt in der Krise. Sie fällt Entscheidungen, die der Bevölkerung verhasst sind - und lässt sie noch dafür bezahlen. Das wird nicht ewig gutgehen.....
Genug davon - kommen wir zurück zur klassischen Musik. Das Angebot muß eben der Nachfrage entsprechen und das in konkurrenzfähiger Qualität. Leider haben wir ja keine Vergelichsdaten zur Verfügung - wir sollten wissen wieviele Orchester es 1960 etwa gab, wie deren Auslastung war und wie die Bezahlung der Musiker damals war (wertberichtigt und mit anderen Berufen verglichen) Aber natürlich hat das Fernsehen auch dazu beigetragen, daß weniger Konzerte und dergl besucht werden, mann sitz dahein vor dem TV BGerät und lässt sich die Unterhaltung zum Beinahe- Nulltarif ins Haus bringen.

Aus der Welthauptstadt de Musik kommend (die Bezeichnung mag manchem, der nicht hier wohnt, ein Gräuel sein) wo fast alle Häuser permanent eine Auslastung von weit über 90% aufweisen können, vermag ich die Situation in anderen Ländern schwer zu beurteilen - aber natürlich sind da auch Gewinner dabei. Es gibt seit einigen Jahrzehten Aufnahmen mit klassischer Musik eingespielt von Orchestern aus Ländern, die man nicht unbedingt als Musikmetropolen gesehen hat.

mfg aus Wien
Alfred
Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich (Wilhelm Busch - Prognose über die EU ??)

Garaguly

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  • »Garaguly« ist männlich

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Registrierungsdatum: 9. Juli 2011

38

Samstag, 4. März 2017, 10:38

Meiner Ansicht nach herrscht in allen Parteien gähnende Ödnis, wenn es um Verständigkeit in Kulturfragen geht.
Immerhin herrscht bei uns noch weitgehend Einverständnis über die Parteigrenzen hinweg, dass Kultur und Kulturförderung Aufgabe des Staates ist. Nirgendwo auf der Welt gibt es so viele Orchester ...


Mit dieser Feststellung hast du glücklicherweise Recht, lieber Holger, und ich empfinde tatsächlich so etwas wie Stolz auf dieses Land, das eine so ausdifferenzierte, öffentlich finanzierte Kulturlandschaft eingerichtet hat. Und damit wären wir dann schon bei der Verbindung zum kulturpolitischen Zustand der Parteien.
Die Zeiten sind vorbei, in denen diese Kultur-Strukturen, so sie bei Gründung der BRD bereits existierten, vom neuen Staat übernommen wurden oder in dessen Dunstkreis neu errichtet wurden. Wir reden von den ersten drei bis vier Nachkriegsjahrzehnten, in denen man sicherlich einen ausgeprägteren Kunstsachverstand in den Parteien vorfand, in denen auch die Grundüberzeugung, dass der Staat für ein großes Kulturangebot zu sorgen habe, verbreiteter war, in der noch nicht die Kunst in erster Linie als Kostenfaktor gesehen wurde.
Und schließlich waren es die Politiker selbst, die noch in größerer Zahl auch persönlich der klassischen Musik zugetan waren - in sehr vielen Politikerbiographien stößt man immer wieder auf Hinweise darauf. Von Adenauer bis Schmidt. Gerhard Schröder schickte dann Ende der 90er, kurz nach seiner Amtsübernahme nicht wie noch von der Vorgängerregierung vereinbart die Münchner Philharmoniker als Kulturbotschafter zu einem Festival nach Moskau, sondern die aus seiner politischen Heimat Hannover stammende deutsche Rockgruppe "The Scorpions". Die russische Seite soll darüber wenig erfreut gewesen sein. Man sage bitte nicht, dass das nur ein Einzelereignis ohne Relevanz sei. Darin kündigte sich ein Paradigmenwechsel an. Wenn gesellschaftlich relevante Kreise nicht mehr die Überzeugung vertreten, dass diese Kunstformen essentiell für gesellschaftliche und staatliche Repräsentation sind, dann ist auch ihre Finanzierung keine heilige Kuh mehr. Und sage nun weiterhin nicht, dass dies unkünstlerisch gedacht sei. Das Interesse der Mächtigen an bestimmten Kunstformen zum Zwecke der Repräsentation sorgt immer auch dafür, dass Künstler Arbeit und Aufträge erhalten, an deren Ergebnis sich dann vor allem die wahren Kunstfreunde, - kenner, -liebhaber erfreuen können, während die Auftraggeber sich halt im Glanz ihrer Finanzierungsbereitschaft sonnen. Sollen sie doch! Sie ermöglichen ja aus mitunter unkünstlerischer Absicht großes Künstlertum.
Der Rückwärtsgang ist bei uns doch längst eingelegt: Orchesterfusionen, Theaterschließungen, Auflösung von Ballettsparten usw. usw. Man kann heute als bildungsbürgerlich gelten, ohne Kenntnisse auf dem Gebiet der klassischen Musik zu haben.

Grüße
Garaguly

Stimmenliebhaber

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  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

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39

Samstag, 4. März 2017, 11:01

Andrerseits ist natürlich zu hinterfragen ob Orchester und Opernhäuser, die eine permanent schlechte Auslastung haben, um jeden Preis am Leben erhalter werden müssen.
Du lässt dich von Tatsachen auch nicht von deinen vorgefassten Meinungen und Urteilen abbringen, hm? ;)

Und es ist eine Tatsache, dass gerade die Konzerte auch an unterfinanzierten Häusern mit Haustarifvertrag VOLL sind! :)

Außerdem finde ich es immer lustig, dass Leute, die sich für besonders elitär halten und nichts auf die Meinung der Masse geben, dann mit Auslasungszahlen argumentieren, wenn es Ihnen gerade in den Kram passt...

Das Sein bestimmt bekanntlich das Bewusstsein, und wenn die als Wiener mit einem Übermaß an Kultur vor Ort scheißegal ist, wenn irgendwo in der Pampa ein Theater geschlossen wird, dann ist das sicherlich ehrlich, aber es spricht nicht für deine Intelligenz, das so zu äußern, weil es zeigt, dass du nicht in der Lage bist, dich in die Situation der Menschen anderswo hineinzuversetzen. Wenn dort ein Theater oder Orchester geschlossen wird, gibt es dort gar kein Theater oder Orchester mehr, weil es das einzige Theater/Orchester ist/war.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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Registrierungsdatum: 12. August 2005

40

Samstag, 4. März 2017, 11:34

In der Süddeutschen Zeitung steht heute ein Artikel mit aufschlussreichen Zahlen, die den vermeintlichen oder tatsächlichen Aufschwung relativieren. So sei die Anzahl der in Deutschland geförderten Orchester von 168 im Jahr 1992 auf nun 130 gesunken. Die Planstellen für Musiker seien von 12159 auf 9816, also 20 Prozent weniger, gesunken.

Das ist größtenteils dem "Aufschwung Ost" geschuldet, vermute ich, weil dort überproportional viele Orchester abgebaut wurden. Und der allgemeinen "Landflucht" der letzten Jahrzehnte, die nicht nur Mecklenburg oder Brandenburg betrifft. (Man sollte nie Zahlen um 1990 herum, als Vergleichspunkt für irgendetwas nehmen, weil das durch die teils gravierenden Entwicklungen im Osten immer ein verzerrtes Bild ergibt, aber auf keinen Trend schließen lässt. So betrügt man sich z.B. selbst mit "Erfolg" bei Klimazielen, weil man Zahlen kurz vor dem flächendeckenden Schließen von Braunkohlekraftwerken Anfang der 1990er als Ausgangspunkt nimmt.)

Insgesamt hat Deutschland aber immer noch eine der größten Orchester- und Theaterdichten der Welt, besonders wenn man es mit ähnlich großen Ländern (also nicht Baltikum, Österreich, Schweiz) vergleicht. Und ungeachtet der Schwierigkeiten in der Provinz wird diese Struktur auch im wesentlichen als erhaltenswert gesehen, selbst wenn es mancherorts brutalen Abbau gegeben hat. Jedenfalls können Bewohner von Haupt- oder Kurparkstädten wie Wien oder Dresden hier schlicht nicht mitreden. Es wäre auch total unfair, mittelgroße Städte "in der Pampa" mit solchen Orte, in denen allein die Touristen für volle Häuser sorgen, zu vergleichen.

Stimmenliebhaber

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  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

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41

Samstag, 4. März 2017, 12:56

Das ist größtenteils dem "Aufschwung Ost" geschuldet, vermute ich, weil dort überproportional viele Orchester abgebaut wurden.
Das stimmt, wobei auch im Westen Theater geschlossen und Orchester abgewickelt wurden, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie in der ehemaligen DDR.

Und die Orchester- und Theaterdichte in Deutschland ist im Vergleich zu allen anderen Ländern immer noch erfreulich hoch, wenn auch nicht mehr so hoch wie in der alten BRD oder gar in der DDR - und das, obwohl heute in Deutschland nicht weniger Menschen leben als damals in BRD und DDR zusammen.
Jedenfalls können Bewohner von Haupt- oder Kurparkstädten wie Wien oder Dresden hier schlicht nicht mitreden. Es wäre auch total unfair, mittelgroße Städte "in der Pampa" mit solchen Orte, in denen allein die Touristen für volle Häuser sorgen, zu vergleichen.
Absolut, ja!
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

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42

Samstag, 4. März 2017, 13:17

Zitat

Außerdem finde ich es immer lustig, dass Leute, die sich für besonders elitär halten und nichts auf die Meinung der Masse geben, dann mit Auslasungszahlen argumentieren, wenn es Ihnen gerade in den Kram passt...

... nur daß in Wien die Auslastungszahlen nicht durch die Breite masse bestimmt werden, sondern durch ein eher breite Schicht des Bildungsbürgertums.

Zitat

weil es zeigt, dass du nicht in der Lage bist, dich in die Situation der Menschen anderswo hineinzuversetzen


Ich gehe davon aus, daß das so ist - Aber das mit Intelligenz gleichzusetzen halte ich für gewagt, um es freundlich auszudrücken

"aber es spricht nicht für deine Intelligenz, das so zu äußern, weil ...."

Tu mir bitte einen Gefallen und laß meine Intelligenz aus dem Spiel, da bin ich nämlich eitel
Es wurde im Rahmen einer Untersuchung in Bezug auf meine Depressionen ein Test gemacht, mir einen IQ am Rande der Genialität zugestnden hat, und der durchführende Fachmmann hat noch erklärt, daß er vermutlich höher läge als berechnet, das sei aber auf Grund meiner allgemeinen Einstellung zum Leben und Umwelt nicht mehr feststellbar, da ich zu verschlossen sei. Mir wurde auch mitgeteilt, daß ich auf Grund meiner eher einzelgängerischen und abweisenden Art niemals mein intellektuelles Potenzial werde nützen können. Ich weiß sowas liest sich eitel und selbstgefällig - musste in diesem Zusammenhang einmal gesagt werden.

Ende des Unterthemas.

Was sind eigentlich die Politiker, die die Zusammenlegungen von Orchestern beschliessen ?
"unintelligente, von Kultur unbeleckte Ignoranten"
oder
"eiskalte intelligente Manager, denen das Nutzen-Schaden Prinzip über allen anderen Werten steht ?

Und wie sieht es bei den Streichungen bei den Tonträgerfirmen aus ?
Womit ich hoffentlich den großen Bogen (trotz angeblich geringer Intelligenz) geschafft habe und wir sind wieder beim Thema "Trendwende" bei Klassischer Musik.

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred
Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich (Wilhelm Busch - Prognose über die EU ??)

operus

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43

Samstag, 4. März 2017, 13:43

Das ist alles nicht sehr schön, aber es stimmt in der Tat, dass viele Theaterbeschäftigte an vielen Theaters durch Gehaltsverzicht (also Hausarifverträge) zum Erhalt ihrer Stellen beitragen, indem sie sich "freiwillig" untertariflich bezahlen lassen.
Lieber Stimmenliebhaber,

Du schilderst die Realität. Wirklich nicht sehr schön. Manchmal sind Projekte in der Tat nur machbar, wenn die Musiker und der Orchestervorstand idealistisch und kooperativ sind und zu einem niedrigeren Satz als üblich oder ohne Probenvergütung spielen. Das Abstruse daran ist, dass die Zeche wieder auf dem Rücken der Ausführenden ausgetragen wird. Auf der anderen Seite sind dann für im Grunde begrüßenswerte Prestigeobjekte wahnwitzige Summen vorhanden. In der ehemaligen DDR besteht eine Sondersituation. Positiv war, dass auch aus politischen Gründen damals eine Zahl von Theatern und Orchestern aufgebaut wurde, die wahrscheinlich weltweit einmalig sein dürfte, jedoch in einer freien Marktwirtschaft nicht auf Dauer zu finanzieren sind. Eine Kleinstadt wie Rudolstadt hat als Theater ein Dreispartenhaus und dazu noch ein Sinfonie-Orchester. Hier werden wir in dne nächsten Jahren, egal wie weh es tut und ob wir dies wollen oder nicht einen Schrumpfungsprozess erleben. Leider! X(

Herzlichst
Operus

Stimmenliebhaber

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44

Samstag, 4. März 2017, 15:41

... nur daß in Wien die Auslastungszahlen nicht durch die Breite masse bestimmt werden, sondern durch ein eher breite Schicht des Bildungsbürgertums.
Lieber Alfred, sorry, aber da merkt man doch sehr deutlich, dass du seit Jahren nicht in der Wiener Staatsoper warst, deren Auslaustung nicht durch eine breite Schicht des Wiener Bildungsbürgertums, sondern durch die breite Masse der Touristen bestimmt wird.

Ende des Unterthemas.
Weißt du, wenn du, wie schon bei deinem ersten Beitrag dazu ("Genug davon - kommen wir zurück zur klassischen Musik"), auf den ich dann deutlich reagiert habe, schon beim Schreiben da Gefühl hast, dass da deutliche Reaktionen kommen und solche Beiträge mit solch einem Satz abschließt, dann weißt du, dass das so nicht klappt! Du kannst nicht deiner polarisierenden Meinung freien Lauf lassen und noch im gleichen Beitrag verlangen - nun das "Unterthema" zu beenden und zum nächsten überzugehen. So intelligent solltest du nachdem, was du schreibst, dann ja wol sein, einzusehen, dass das unredlich ist!
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Stimmenliebhaber

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45

Samstag, 4. März 2017, 15:51

Eine Kleinstadt wie Rudolstadt hat als Theater ein Dreispartenhaus und dazu noch ein Sinfonie-Orchester.
Lieber "Operus", bitte informiere dich gründlicher, bevor du so etwas in die Welt setzt! Rudolstadt hat schon seit vielen Jahren kein eigenständiges Dreispartentheater und kein eigenständiges Orchester mehr. Schon in den 1990er Jahren war man mit Eisenach und Saalfeld fusioniert. Die Fusion mit Eisenach wurde dann aufgelöst, Eisenach wird jetzt von Meiningen mitbespielt, aber auch heute hat Rudolstadt kein eigenständiges Dreispartentheater, sondern ein Schauspiel und die Saalfeld angesiedelten Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt, die dann ihre in Saalfeld Konzerte auch in Rudolstadt spielen. Ein Musiktheater gibt es dort seit Jahren nicht, Nordhausen(!) macht 2-3 Mal im Jahr eine Operngala und noch die eine oder andere "halbszenische" Aufführung in Rudolstadt. Es gibt auch schon längst keine Tanzsparte mehr, sondern Rudolstadt ist ein Schauspielhaus, in dem - dank Saalfeld - auch regelmäßig Konzerte erklingen. Angesichts dessen zu behaupten, Rudolstadt hätte als Theater ein "Dreispartenhaus und dazu noch ein Sinfonieorchester" ist eine Verhöhung der Realität und allem, was dort in den letzten Jahren bereits an schmerzhaften einsparungs- und Fusionsprozessen stattgefunden hat. Also bitte ein bisschen mehr Redlichkeit und Recherche, bevor man sich zu diesem heiklen Thema äußert! Vielen Dank!
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

operus

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46

Samstag, 4. März 2017, 16:26

Eine Kleinstadt wie Rudolstadt hat als Theater ein Dreispartenhaus und dazu noch ein Sinfonie-Orchester.
Lieber "Operus", bitte informiere dich gründlicher, bevor du so etwas in die Welt setzt! Rudolstadt hat schon seit vielen Jahren kein eigenständiges Dreispartentheater und kein eigenständiges Orchester mehr. Schon in den 1990er Jahren war man mit Eisenach und Saalfeld fusioniert. Die Fusion mit Eisenach wurde dann aufgelöst, Eisenach wird jetzt von Meiningen mitbespielt, aber auch heute hat Rudolstadt kein eigenständiges Dreispartentheater, sondern ein Schauspiel und die Saalfeld angesiedelten Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt, die dann ihre in Saalfeld Konzerte auch in Rudolstadt spielen. Ein Musiktheater gibt es dort seit Jahren nicht, Nordhausen(!) macht 2-3 Mal im Jahr eine Operngala und noch die eine oder andere "halbszenische" Aufführung in Rudolstadt. Es gibt auch schon längst keine Tanzsparte mehr, sondern Rudolstadt ist ein Schauspielhaus, in dem - dank Saalfeld - auch regelmäßig Konzerte erklingen. Angesichts dessen zu behaupten, Rudolstadt hätte als Theater ein "Dreispartenhaus und dazu noch ein Sinfonieorchester" ist eine Verhöhung der Realität und allem, was dort in den letzten Jahren bereits an schmerzhaften einsparungs- und Fusionsprozessen stattgefunden hat. Also bitte ein bisschen mehr Redlichkeit und Recherche, bevor man sich zu diesem heiklen Thema äußert! Vielen Dank!
Also bitte ein bisschen mehr Redlichkeit und Recherche, bevor man sich zu diesem heiklen Thema äußert! Vielen Dank!
Lieber Stimmenliebhaber,

Du hast recht, mein Wissenstand ist überholt. Ich wollte am Beispiel Rudolstadt nur die Fülle des kulturelllen Reichtums in der ehemaligen DDR aufzeigen und darauf hinweisen, dass dies heute im reichen Westen leider nicht mehr zu finanzieren ist. Erstaunt bin ich allerdings, dass Du meine Aussage mit mangelnder Redlichkeit verbindest. :no: Das ist schlicht ein Irrtum, bitte sehe mir diesen nach und fahre wegen eines solchen Fauxpas nicht gleich solche schweren Geschütze auf. Diese Reaktion soll nur ein Hinweis auf meine Befindlichkeit auf Deine Aussage sein und keine Belehrung, denn eine solche hast gerade Du nicht nötig.

Herzlichst
Operus

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47

Samstag, 4. März 2017, 16:42

Lieber "Operus",

ich bin in deinem Fall auch nicht auf die Idee gekommen, du könntest das trotz Informiertheit bösweillig in unlauterer Absicht geschrieben haben. Du hast dich einfach ncht gut genug über den Ist-Zustand informiert, und das sollte man eigentlich machen, bevor man so etwas schreibt:

Hier ist die Premierenübersicht der aktuellen Spielzeit, in der sich neben Schauspiel nicht viel findet, kein Tanz und auch kaum Msuiktheater, sondern nur die 3-4 Einzelveranstaltungen, mit denen Nordhausen dort gastiert:

http://www.theater-rudolstadt.de/spielplan/premieren/

Der Premierenplan eines Dreispartentheaters liest sich anders.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Rheingold1876

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48

Samstag, 4. März 2017, 19:30

Das Theater und die Beschäftigten haben darauf mit einer Vereinbarung reagiert, ihre Verträge in "90%-Verträge" umzuwandeln, damit die Sache finanzierbar blieb: man arbeitet bloß 90% des üblichen Pensums und bekommt dafür auch nur 90% Gage/Gehalt.


Besten Dank für die Aufklärung. Um sich aber ein Bild machen zu können, muss man nur noch wissen, wie hoch denn die Gage bzw. das Gehalt ist. Prozente sagen nicht sehr viel. Ich will keinen Vergleich mit den Managern in der freien Wirtschaft anstellen. Es fällt mir aber das Beispiel ein, dass wer auf zehn oder zwanzig Prozent der Boni verzichtet. Das klingt edel, in Wahrheit aber git es statt fünf "nur" noch vier Millionen. ;)
Es grüßt Rheingold

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Rheingold1876

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49

Samstag, 4. März 2017, 20:46

Den Pessimismus über die finanzielle Ausstattung der Kultur kann ich nicht teilen. In Deutschland haben die Ausgaben im vergangenen Jahr fast die 10-Milliarden-Grenze erreicht. Die einschlägigen Kulturberichte können im Netz eingesehen werden. Demnach gab es immer nur Steigerungen - es sei denn, es wird ungeniert gelogen, wovon ich mal nicht ausgehe als Bürger und Steuerzahler. Eben habe ich in der deutschen TAGESSCHAU den Bricht über die Eröffnung des Pierre-Boulez-Saales in Berlin vernommen. Er ist der Mittelpunkt einer neuen Akademie, für die jährlich aus dem Staatshaushalt sieben Millionen Euro bereitgestellt werden. Die Kosten für den aufwändigen Umbau eines alten Gebäudes auf dem Gelände der Staatsoper Unter den Linden wurden in dem Bericht nicht genannt bzw. verschwiegen. Darüber gibt es allerlei Spekulationen. Nicht zuletzt sollen die drastischen Verzögerungen bei der Sanierung des großen Hauses und die enormen Mehrkosten auf dieses Projekt zurückzuführen sein. Die Folge ist auch, dass das Kulissenmagazin für die Akademie ausgelagert werden musste. Dadurch entstehen drastische Kosten für die umständlichen Transporte durch die ganze Stadt. Demnächst wird mit dem Neubau einer Neues Nationalgalerie begonnen, der auch Millionen verschlingen wird. Das Schloss geht als so genanntes Humboldt-Forum auch seiner Vollendung entgehen. Berlin gönnt sich was. Drei große Opernhäuser, etliche große Sinfonieorchester, zig Schaupielbühnen, jede Menge alternativer Spielstätten. Auf der Museumsinsel werden gerade alle Häuser unterirdisch miteinander verbunden und mit einem zentralen Eingangsbereich versehen. Persönlich bin ich sehr für neue Kulturbauten, die aber ihren Preis haben. Und dafür ist offenkundig sehr, sehr viel Geld da.

Gruß Rheingold
Es grüßt Rheingold

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50

Sonntag, 5. März 2017, 01:08

Das Theater und die Beschäftigten haben darauf mit einer Vereinbarung reagiert, ihre Verträge in "90%-Verträge" umzuwandeln, damit die Sache finanzierbar blieb: man arbeitet bloß 90% des üblichen Pensums und bekommt dafür auch nur 90% Gage/Gehalt.


Besten Dank für die Aufklärung. Um sich aber ein Bild machen zu können, muss man nur noch wissen, wie hoch denn die Gage bzw. das Gehalt ist. Prozente sagen nicht sehr viel. Ich will keinen Vergleich mit den Managern in der freien Wirtschaft anstellen. Es fällt mir aber das Beispiel ein, dass wer auf zehn oder zwanzig Prozent der Boni verzichtet. Das klingt edel, in Wahrheit aber git es statt fünf "nur" noch vier Millionen. ;)
Lieber "Rheingold1876",

dass die Gagen an kleineren, mittleren oder selbst großen Theatern rein gar nichts mit den Millionengehältern der Mager zu tun haben, ist dir ja auch klar.
Für Schauspieler, Sänger und einige andere Beschäftigte gilt am Theater der "Normalvertrag Bühne", und nach diesem ist die Gage Verhandlungssache, es gilt aber eine Mindestgage. Diese lag 2004 mal bei 1500 Euro und liegt inzwischen (wohl) bei 1800 Euro, was auch mit dem Mindestlohn zu tun hat. Viel mehr ist diese umgerechnet dann auch nicht wirklich. Natürlich kann man so kühn sein und wesentlich mehr verlangen, das ist aber ein sehr gefährliches Spiel mit dem Arbeitsplatz. Nach den entsprechenden "Dienstjahren" steigt dieMonatsgage quasi auch automatisch an, aber letztlich dürften die meisten nach NV-Bühne Beschäftigten eine "2" an erster Stelle und die wenigsten eine "3" an erster Stelle bei ihrer vierstelligen Brutto-Monatsgage haben. Diese Steigerung bei mehr Dienstjahren ist allerdings hochgefährlich, weil man dann umso mehr damit rechnen, dass man nichtverlängert wird, weil stattdessen ein Berufsanfänger für die Mindestgage angestellt werden kann und man so mal 1000 Euro Personalkosten auf einer Stelle sparen kann (beim Arbeitsgeberbrutto sogar noch mehr). Schon in den 80er Jahren war es in Westdeutschland mitunter üblich, bestimmt Stellen alle zwei Jahre neu zu besetzen, um so Personalkosten zu sparen und immer wieder zur Mindestgage besetzen zu können.
Hinzu kommt, dass der einzelne Theaterangestellte mit niemandem über die Höhe seiner Gage sprechen darf, auch dieser Geheimhaltungsparagraph hilft natürlich der Lohndrückerei durch die Theater. Von rosigen Zuständen wie bei den Magergehältenr, die auch mal locker auf 20% verzichten können und im Falle ihres kläglichen Versagens mit einer Millionenabfindung geschasst werden, ist man am deutschen Theater also weit entfernt, selbst bei den wenigen wirklich gut verdienenden internationalen Sänger-, Regisseur- und Dirigenten-"Stars".

Dass die nahezu unkündbaren udn gewerkschaftlich bestens vertretenen Körperschaften Chor und Orchester finanziell besser dran sind als die nach NV-Bühne Beschäftigten, ist zwar richtig, aber auch diese können sich am Theater keine goldenen Nasen verdienen.

Ein mir sehr gut bekannter Intendant hat immer gerne erzählt, dass er bei Gesprächen mit den Geldgebern, wenn diese die Höhe der Personalkosten kritisiert haben, immer gerne die Höhe des durchschnittlichen Verdienstes der Theaterangestellten genannt hat, und dass es dann auch der anderen Seite immer sehr schnell still geworden ist und das Thema gewechselt wurde...
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

operus

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51

Sonntag, 5. März 2017, 08:23

Die Personalpolitik (sofern es denn überhaupt eine gibt) an deutschen Theatern und bedingt auch bei Orchestern ist fast skandalös. Nun könnte ein begabtes Ensemblemitglied sein festes Salär ja durch sogenannte Mucken aufbessern. Dafür muss allerdings vom Theater eine Freigabe erfolgen, die ist in der Regel schwierig zu erreichen, selbst wenn man nur als Cover angesetzt ist. An manchen Bühnen muss man sich diese Freigabe sogar erkaufen. Wechselt der Intendant kann es sein, dass nahezu das gesamte Ensemble gekündigt und ausgewechselt wird. Eine sehr bescheidene Sicherheit bietet für alle nicht sozial versicherten Künstler die Künstlersozialkasse. So hart es klingt, bei vielen Schauspielern, Sängern, Musikern besteht die Gefahr, dass sie am Ende der beruflichen Laufbahn von Altersarmut bedroht sind. Da zur Zeit wieder mehr soziale Fragen diskutiert werden, hoffe ich, dass auch die Bezahlung und Altersversorgung von Künstlern beachtet wird. Nur da müsste diese Gruppe eine starke Lobby haben. Können wir im Tamino-Forum durch häufiges Ansprechen dieses Themas, das Stimmenliebhaber erfreulicher Weise aktiviert hat, eventuell eine gewisse Unterstützung bieten?

Herzlichst
Operus

Rheingold1876

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  • »Rheingold1876« ist männlich

Beiträge: 3 528

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52

Sonntag, 5. März 2017, 09:04

Danke, lieber Stimmenliebhaber, dass Du mich auf den Stand der Dinge gebracht hast.

Gruß Rheingold
Es grüßt Rheingold

Erda: "Alles, was ist, endet."

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 050

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53

Sonntag, 5. März 2017, 11:09

Einzelne Zahlen wie "x Millionen" sind nicht sehr aussagekräftig.

Eher wäre ein Vergleich der relativen Anteile an den öffentlichen Haushalten insgesamt aufschlussreich. Oder analog eben die Lohn- und Gehaltshöhe und -entwicklung der Beschäftigten unterschiedlicher Kulturinstitutionen, wiederum immer in Relation zum öffentlichen Dienst, zur allg. Entwicklung usw. Und natürlich auch in der zeitlichen Entwicklung. Kurz gesagt, "verschlingt" der Kulturbereich anteilig mehr Geld als 1960, 1980, 2000, verdienen die Beschäftigten deutlich mehr/weniger als zu früheren Zeiten und im Vergleich zu anderen Beschäftigten.

Das muss man sich bei allen solchen Diskussion als erstes vor Augen halten. Schaut man sich die Entwicklung von Wirtschaft/Sozialprodukt in den letzten 40 Jahren in D (oder A oder CH oder sonstwo) an, wird man kaum ein Jahr mit tatsächlicher Schrumpfung finden; vielleicht Stagnation oder geringeres Wachstum, aber immer noch gewisses Wachstum. D.h. wenn es heißt, auf einmal sei für X kein Geld mehr da, muss man erst einmal stutzig werden. Sofern X nicht in Relation zu anderen Gütern, Dienstleistungen usw.deutlich teurer geworden ist, ist das ein ganz schlechtes Argument und deutet darauf hin, dass die Mittel anders verteilt werden (und man evtl. nicht offen sagen will, wie diese veränderte Verteilung zustande gekommen ist). Wenn etwas tatsächlich deutlich teurer geworden oder anteilig mehr Mittel benötigt, muss man auch fragen, warum das der Fall ist.
Das kann sehr gute Gründe haben, z.B. bestimmte gestiegene Anforderungen an Arbeitsicherheit, Arbeitszeiten, Umweltauflagen, relativ hoher Anteil von Personalkosten und keine oder kaum Rationalisierung, Mechanisierung usw. möglich - daran kranken z.B. fast alle Diskussionen über die angeblich explodierenden Gesundheitskosten.

In den allermeisten Fällen dürfte sich aber herausstellen, dass die Mittel schon vorher anders verteilt oder für etwas anderes, "wichtigeres" gestiegen sind, nicht, dass in dem besagten Bereich (hier der Kultur) die Kosten unverhältnismäßig gestiegen sind.

Dann muss man sich das Verhältnis von einzelnen "Flaggschiffen" zu dem Betrieb "draußen im Lande" anschauen: Vielleicht verschlingen die Flaggschiffe überproportional viel vgl. mit 20, 40 Jahren früher? (Vielleicht auch nicht.) Vielleicht finden wir eine solche unproportionale Verteilung auch o.k., denn es ist unbestritten wichtig, Flaggschiffe in großen Städten zu haben.

Aber alle diese Zahlen, relativ zu anderen Gebieten und Zeitpunkten, müsste man kennen, um überhaupt Vermutungen über Trends oder gar "Trendwenden" anstellen zu können.