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Uwe Schoof

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Registrierungsdatum: 11. Dezember 2005

1

Montag, 31. August 2009, 22:37

Russische Chöre - Kosaken Chöre

Hallo Musikfreunde,

gerne gestehe ich, dass ich ein Faible für den Klang einiger russischer oder ähnlicher Männerchöre habe, besonders a capella..

Zwei oder drei Mal habe ich Konzerte von Kosakenchören besucht (an die genauen Namen entsinne ich mich nicht). Die Klänge haben mich besonders ergriffen. Am meisten bei den langsam-melancholischen Stücken, die mit viel Volumen - und Zartheit - gesungen werden.

Zu Weihnachten hören wir gerne unsere Weihnachts-CD des "Schwarzmeer Kosaken Chors", wobei auch deutsche Weihnachtslieder wunderbar interpretiert werden.

Aber was macht den Klang dieser Musik aus? Entsteht da ein Gefühl der Weite - oder mag das nur Einbildung sein?

Kennt auch jemand von Euch gute Kosakenchöre - oder vielleicht die eine oder andere schöne erhältliche CD? Und - ist der Begriff: "Kosaken Chor" überhaupt ein Gattungsbegriff? Vielleicht kann ja der Eine oder Andere von Euch dieses Gänsehautgefühl bei dieser Art von Chormusik nachempfinden?

Schöne Grüße,

Uwe
Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

musica

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Registrierungsdatum: 5. Oktober 2010

2

Montag, 31. August 2009, 22:54

Ich kann mich an einen Don Kosakenchor aus meiner Jugendzeit erinnern. Der Chorleiter war Serge Jaroff. Er war ein ganz kleiner Mann der seine Mannen dirigierte, dabei immer stramm stand. Diesen Chor habe ich in der Messehalle in Köln erlebt.

Die Kosakenchöre haben immer etwas Melancholisches, Schneid und was ich besonders schätze, die Bässe kommen immer gut raus, was in anderen Chören oft die Tenöre sind, sind es hier die richtigen schwarzen Bässe.

Diese Chöre sind gut geschult und singen sehr sauber und genau, ob in forte oder piano, sie sind halt die russische Seele.... :jubel:
musica

Wer selbst keinen inneren Frieden kennt, wird ihn auch in der Begegnung mit anderen Menschen nicht finden.
Dalai Lama


kopiroska

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Registrierungsdatum: 7. Mai 2009

3

Montag, 31. August 2009, 23:15

In meiner Jugend haben wir in Ungarn sehr viele russische Chöre im Rundfunk gehört. Viel zu viele. Berühmte Ensembles waren das Alexandrow Ensemble, das existiert bis heute, sowie das Moisejew Ensemble, es tritt auch bis heute in vielen Ländern auf. Inwiefern sie echte russische Volksmusik singen, weiß ich nicht, ich habe allerdings Fragezeichen in dieser Hinsicht. Die Kosaken verkörpern nicht nur die russische Seele, sondern auch die ukrainische, ihre gemeinsame Geschichte verbindet eigentlich sehr stark diese jetzt in zwei Ländern lebenden, verschiedene Sprachen sprechenden und auf ihre Selbständigkeit stolzen Völker.

:hello: KP

Honoria Lucasta

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Beiträge: 285

Registrierungsdatum: 16. April 2009

4

Dienstag, 1. September 2009, 07:38

Sehr fein bemerkt, Kopiroska: die Don-Kosaken singen mglw. ein bißchen russische Chorliteratur, aber sie sind von der Nationalität her eher Ukrainer und haben daher auch das bißchen Leichtigkeit, das den Russen meist völlig abgeht, zumindest in der Musik (über andere Bereiche müßte man lange schreiben, aber das gehört nicht hierher..)

Die russischen, ukrainischen und sonstwie slawischen Chöre schulen sich, und das macht einen Teil der auffälligen Präzision aus, an der orthodoxen Liturgie, die in den Kirchen immer ohne Orgelunterstützung gesungen wird: polyphon und harmonisch sehr anspruchsvoll, und jeder, absolut jeder Fehler fällt sfort auf. Das diszipliniert ungemein.

Ich habe in Moldau viel mit dem Chor des Innenministeriums gesungen, der wie einst die Don-Kosaken von einem Oberst -allerdings von einem weiblichen!- geleitet wurde (und jetzt noch wird) und fand das immer hoch spannend, weil die Bandbreite des russisch-ukrainisch-rumänisch-moldauischen Repertoire unglaublich groß ist, mehrere Jahrhunderte umspannt (modernes wird völlig selbstverständlich gesungen und auch vom Publikum geschätzt!) und für uns Westler weitestgehend unbekannt ist: da gibt es viel zu entdecken.

Das erwähnte Mojisejev-Ensemble ist im übrigen auch in Rußland selbst hochangesehen, die Don-Kosaken liebt man tatsächlich eher im Ausland (einige Don-Kosaken lebten und sangen auch in der Emigration!) - für die heroische Chorliteratur hat man in Rußland immer noch die beeindruckenden Armee-Ensembles, professionelle Chorsänger in Soldatenuniform.

Grüße!

Honoria
"...and suddenly everybody burst out singing"
Busman's Honeymoon

Oolong

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5

Dienstag, 1. September 2009, 09:06

Hallo Uwe,

auch ich schätze den russisch / ukrainischen Gesang sehr. Die vielen Kosaken- Truppen, die in den letzten Jahren bei uns durchs Land tingelten, haben bei manchem Konzertbesucher eine gewisse Übersättigung erzeugt. Dies lag aber wohl meist am deckungsgleichen Repertoire - Kalinka, Stenka Rasin und das Abendglöcklein muß ja eigentlich nicht in JEDEM Konzert sein. Gerade die orthodoxen Gesänge sind eine so reiche Welt - leider oft nur im ersten Teil des Programmes anzutreffen. Dennoch habe ich viele Konzerte besucht - und NIE wurde schlecht gesungen. Auf hohem Niveau gab es schon Unterschiede, insbesondere im solistischen Potenzial, beim Timbre und in der Kraft der Bässe.Dabei waren die Mehrheit Kosaken- Chöre die für die jeweiligen Tourneen zusammengestellt wurden, aber ich hörte auch - todernste- orthodoxe Priester und Mönche.
Von den Konzerten habe ich einige CDs mitgenommen - den besten Chor, den ich bisher hörte, habe ich allerdings nie live erlebt,sondern nur auf einer CD. Es ist der Moskauer Kathedralchor unter Viktor Popow.
Dort kannst Du Bässe hören, die eigentlich nicht von dieser Welt sein können und dies bei perfektem Klang. Die CD liegt im Hochpreissegment, ist aber allen zu empfehlen, die mal auf Folklore verzichten können:



Gruß
Stefan
Psalmen sprechen und Tee trinken kann niemals schaden!

Harald Kral

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Registrierungsdatum: 20. Juni 2007

6

Dienstag, 1. September 2009, 13:03

Nicht alles ist echt, was hierzulande uns als "Kosacken-Chöre" vorgesetzt wird. Der in Berlin lebende russische Schriftsteller Wladimir Kaminer macht sich in seinen Glossen lustig über deutsche Männerchöre, die sich "Kosacken" oder ähnlich nennen, die in Russland keiner kennt, die singen dann ein Pseudo-Russisch ("Wischni-waschni-basti-otschi-tschorni..."). Der legendäre Chor von Serge Jaroff bestand wohl aus Exil-Russen, die nach der 1917er Revolution in den Westen emigrierten, von denen heute aber wohl keiner mehr lebt.
Iwan Rebroff hat ja auch als Chorsänger beim Schwarzmeer-Kosacken-Chor angefangen...
Heute ist das dann u.a. der Ex-Schlagersänger Peter Orloff:



wir treffen uns dann alle im Musikantenstadel! :untertauch:

LG

:pfeif:
Harald

Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
(Vinícius de Moraes)

Oolong

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Registrierungsdatum: 13. Mai 2005

7

Dienstag, 1. September 2009, 13:52

Hallo Harald,

Du hast leider recht damit, dass da häufig " Bühnenkosaken" singen, die nicht in der historischen Tradition stehen.

Die etwas, mit Verlaub, abfällig klingende Klassifizierung von Peter Orloff als Schlagersänger geht aber im Blick auf die Kosaken gerade fehl.

Orloff stammt aus einem alten russischen Adelsgeschlecht, sein Vater war zaristischer Offizier und später studierter Theologe.

Er hat in den 30er Jahren die Schwarzmeer- Kosaken gegründet und parallel zu Sergej Jaroff entwickelt. Die geistliche Authentizität war Nikolai Orloff dem Vernehmen nach dabei stets das wichtigste ( " Singend beten und betend singen")
Wenn sein Sohn dies ehrlichen Herzen fortsetzt ( und ich weiß nichts gegenteiliges),sei ihm die verkaufsfördernde Folklore - ohne die man wohl heutzutage einfach nicht überleben kann - gestattet.

Gruß
Stefan
Psalmen sprechen und Tee trinken kann niemals schaden!

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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8

Mittwoch, 2. September 2009, 19:07

Allzu oft kann ich das zwar auch nicht hören, aber manchmal ist es faszinierend
(außerdem war Ivan Rebroff ein großer Favorit, als ich etwa 5-7 Jahre alt war; nicht zuletzt, weil auch vor unserem Haus eine (inzwischen leider längst gefällte) Birke stand ;))

"http://www.youtube.com/watch?v=RmWfWW_tQ8w"

Eine meines Wissens repräsentative Auswahl (durchweg russisch gesungen, kein Text oder Beiheft, aber für die Atmosphäre ist das egal) findet man auf dieser preiswerten CD:




:hello:

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

hart

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9

Freitag, 25. Dezember 2009, 18:48

Dieser Moskauer Kathedralchor ist wirklich ganz große Klasse; vielen Dank für diesen Tipp!

Oolong

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10

Freitag, 24. August 2012, 09:08

Hallo, mal wieder!


Ich möchte mich mal ein wenig mehr mit dem Stimmfach des " Basso Profundo" befassen. Kennt Ihr - neben der o.g. CD mit dem Moskauer Kathedralchor-Aufnahmen, die die "schwarzen" Bässe besonders in den Mittelpunkt stellen und aus Eurer Sicht empfehlenswert sind?


Danke im Voraus!

Oolong
Psalmen sprechen und Tee trinken kann niemals schaden!

zweiterbass

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11

Donnerstag, 6. September 2012, 00:06

Hallo Oolong,

entspricht diese CD Deinen Vorstellungen?


zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

Oolong

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12

Donnerstag, 6. September 2012, 07:46

Hallo, Zweiterbass!

Danke für die Empfehlung - die Chrysostomos- Liturgie in Rachmaninows Vertonung habe ich schon in 2 anderen Varianten. mir ging es dieses Mal um eine Aufnahme, die vielleicht bewußt die Effektstücke für den Basso Profundo in den Mittelpunkt stellt. Ich habe mich mittlerweile für folgende Aufnahme entschieden, die ich aber noch nicht anhören konnte



Gruß

Oolong
Psalmen sprechen und Tee trinken kann niemals schaden!

zweiterbass

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13

Donnerstag, 6. September 2012, 08:08

Hallo Oolong,

kennst Du vielleicht eine deutsche Übersetzung der Texte der von Rachmaninov vertonten Liturgie oder wo ich die bekommen könnte?

Viele Grüße
zweiterbass
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musikwanderer

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14

Donnerstag, 6. September 2012, 12:14

Lieber zweiterbass!

Ich könnte mir vorstellen, daß der liturgische Text bei Tschaikowsky identisch ist. Es gibt mehrere Websiten, die den Text bereithalten. Eine davon wäre

http://kreuzgang.org/pdf/goettliche-litu…mus.deutsch.pdf

Du könntest mal versuchen, ob Dir damit geholfen wäre.

:hello:
.

MUSIKWANDERER

Oolong

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15

Donnerstag, 6. September 2012, 12:36

Hallo, Zweiterbass,

Musikwanderer hat recht, die Chrysostomos- Liturgie ist ein festgeschriebener Messtext der Orthodoxie. Es handelt sich dabei um eine Festmesse (analog Missa Solemnis), die die Eucharistie prunkvoll feiert. Sie wird auch "Göttliche Liturgie" genannt und häufig vom Bischof zelebriert - ist also eine Art Pontifikalamt. Egal wer sie vertont, die Textgrundlage ist gleich. Hier mal noch ein anderer Link:

http://www.obkd.de/Texte/GoettlicheLitur…hrysostomus.pdf

Gruß

Oolong
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zweiterbass

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16

Donnerstag, 6. September 2012, 15:01

Hallo,

vielen Dank euch Beiden für die Hinweise - ich melde mich, sollte ich weiterhin Probleme haben.

zweiterbass
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9079wolfgang

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17

Mittwoch, 3. Oktober 2012, 23:19

Zitat Oolong:

Zitat

Ich möchte mich mal ein wenig mehr mit dem Stimmfach des " Basso Profundo" befassen. Kennt Ihr - neben der o.g. CD mit dem Moskauer Kathedralchor-Aufnahmen, die die "schwarzen" Bässe besonders in den Mittelpunkt stellen und aus Eurer Sicht empfehlenswert sind?

Hallo, Oolong!


Ich besitze diese wunderbare CD mit russischen Liedern. Hier singen drei der besten Bässe der Kathegorie "Basso profundo". Es sind EWGENIJ NESTERENKO, IWAN PETROW und PAATA BURCHULADZE. Herz, was willst du mehr? Sehr empfehlenswert!

Gruß Wolfgang
W.S.

m-mueller

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18

Samstag, 14. Januar 2017, 19:43

Hier ist so ein russischer Wunderbaß, er dürfte für die Aufnahme extra verstärkt worden sein, wie mitlaufende Tiefbaßrumpelgeräusche andeuten - nichtsdestotrotz: wunderbar!


m-mueller

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19

Samstag, 14. Januar 2017, 19:46

Der Petersburg Chamber Choir war (ist ?) bekannt dafür, besondere Basso Profundi in seinen Reihen zu haben.
Auch die Komposition von Chesnokov ist großartig, kann man sich so reinfallen lassen.


Lohengrin

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20

Sonntag, 5. Februar 2017, 17:28

Eine schöne CD mit russischer Chormusik von Alexander Gretchaninov (1864-1956) "Liturgia Domestica" op. 79 mit dem Svetoslav Obretenov-Chor und dem Solisten Boris Chris1toff erschien 1979 beim Label "Balkanton". Es ist vor allem Boris Christoff, der fasziniert.