Sie sind nicht angemeldet.


JPC Amazon

AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

Joseph II.

Prägender Forenuser

  • »Joseph II.« ist männlich

Beiträge: 11 828

Registrierungsdatum: 29. März 2005

31

Montag, 21. November 2016, 13:56

Ich erwidere mal hier, weil es besser hier her passt.

In der abschließenden Coda bietet Glasunow noch einmal alles auf und bringt das Werk pompös mit Paukenschlägen zum Ausklang.

Lieber Josef,

nimmt man Deine dankenswerten Höreindrücke und Beschreibungen der Glasunow-Sinfonien-Thread´s von Dir zusammen, dann stelle ich fest, dass es bei allen Sinfonien eine "feurige Coda" gibt. Man könnte deine Sätze aus den Sinfonien-Threads hierhin kopieren und es ergäbe sich eine deutliche Ähnlichkeit.
:D Vielleicht hätte ich bei einigen Sinfonien bei den Hördurchgängen bis zum Schluss durchhalten sollen ... denn nicht alle Sinfonien habe ich bis zum Schluss durchhören wollen (mir wurde es einfach zu langatmig). :untertauch:

Jedenfalls braucht man sicher keine andere GA als die mit Swetlanow, der es schafft die Werke noch einigermaßen mit Spannung aufzuladen, sodass sich ein gewisser Hörspass ergibt ... besonders die Naxos-Aufnahmen mit Anissimow habe ich als "kalter Kaffee" in Erinnerung und erst nach langem "Wiedereinstellen" absetzen können ...

Im Grunde muss ich Dir zustimmen. In den meisten seiner Symphonien dreht Glasunow erst im Finale richtig auf. Und die letzten Minuten sind für gewöhnlich die Höhepunkte. Das ist Musik, wie wir beide sie schätzen. Leider wirkt Glasunow ansonsten oft gehemmt und arg zurückhaltend. Das Lyrische dominiert bei ihm selbst in den düsteren Werken. Wenn man Glasunow allein durch die acht Symphonien kennt, kann man ihm m. E. nicht denselben außergewöhnlichen Rang eines Tschaikowsky zuerkennen. Einzig die 6. Symphonie erinnert relativ stark an diesen. Hörenswert finde ich ansonsten noch besonders die Siebte und die Achte. Die extrem lyrische Dritte empfand ich stellenweise doch arg langatmig. Auch die so hochgelobte Fünfte wollte mir nicht unbedingt als der Highlight erscheinen. Swetlanow hat Recht, wenn er die Achte hervorhebt. Diese hat fraglos den dunkelsten und am tiefsten gehenden langsamen Satz, der durchaus mit vergleichbaren Sätzen von Tschaikowsky, Bruckner oder Mahler mithalten kann. Dies allein katapultiert Glasunow aber wohl doch nicht ganz auf deren Level.

Aber es gibt noch mehr von Glasunow als die Symphonien. Die kürzeren Orchesterwerke und Tondichtungen "Der Kreml", "Der Wald", "Das Meer", "Aus dem Mittelalter" und einige mehr zeigen einen deutlich zupackenderen, auf den Punkt gebrachten Stil. In meinen Augen würden es etliche dieser Werke verdienen, auch hierzulande aufgeführt zu werden. Von der Qualität dieser kürzeren Orchesterwerke ist Glasunow durchaus auf einem Niveau mit dem viel häufiger gespielten Sibelius. In den Symphonien wirkt er im Vergleich viel behutsamer, geht weniger aus sich heraus. Und doch wurden praktisch alle seine Symphonien von der zeitgenössischen Kritik in den Himmel gelobt, was einen aus heutiger Sicht doch wundert, bedenkt man die teilweise völlig überzogenen damaligen Verrisse der späten Tschaikowsky-Symphonien, die heute zum vielgeliebten und vielgespielten Standardrepertoire gehören. Ein mit der Genialität der 5. oder 6. Symphonie von Tschaikowsky vergleichbares Werk hat Alexander Glasunow m. M. n. nicht geschaffen. Trotzdem ist er insgesamt sicherlich ein bedeutender und hörenswerter Komponist, der knallhart an seinem Stil der 1880er Jahre bis zuletzt festhielt.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid