Sie sind nicht angemeldet.


JPC Amazon

AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

Herbert Henn

Prägender Forenuser

  • »Herbert Henn« ist männlich

Beiträge: 2 889

Registrierungsdatum: 24. März 2006

31

Mittwoch, 16. März 2011, 13:33

George London als Sachs wäre eine vollendete Fehlbesetzung gewesen, das wußte er selber und das wußte man in Bayreuth.

Geoge London war ein Sänger für überdimensionale Gestalten. Holländer, Wotan, Amfortas, Don Giovanni, Escamillo, Boris, Amonasro, Scarpia, das waren seine Partien.

Der Schumacher und Poet wurde nach meiner Meinung ideal von Paul Schöffler interpretiert. Auf Tonträger hat London zwei Monologe des Sachs aufgenommen, oder die Arien des Figaro, oder auch einen Monolog aus Rigoletto. Alle diese Partien hat er nie insgesamt gesungen.

:hello: Herbert aus Troisdorf
Tutto nel mondo è burla.

Joseph II.

Prägender Forenuser

  • »Joseph II.« ist männlich
  • »Joseph II.« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 11 782

Registrierungsdatum: 29. März 2005

32

Mittwoch, 16. März 2011, 14:16

Lieber Herbert,

über eine Fehlbesetzung dieses höchsten Niveaus wäre man heutzutage wohl trotzdem froh. :D

LG
Joseph
:hello:
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Caruso41

Prägender Forenuser

  • »Caruso41« ist männlich

Beiträge: 4 329

Registrierungsdatum: 19. November 2010

33

Mittwoch, 16. März 2011, 16:32

Aber, nur, wer ihn persönlich auf der Bühne erlebt hat, ich nicht, vermag einzuschätzen, wie groß und voluminös seine Stimme wirklich war. Eine tolle Stereo-Anlage täuscht (Originalton von Erika Köth)

Da hast Du voll Recht. Ich bin ein leidenschaftlicher Verehrer Wunderlichs, aber wenn ich seine legendäre Aufnahme von Granada höre, weiss ich wirklich, dass ich DAS nie, nie, nie von Wunderlich gehört habe oder hätte hören können!

Leider! Es wär ja schön gewesen!
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • »Antalwin« ist männlich

Beiträge: 321

Registrierungsdatum: 10. Januar 2011

34

Freitag, 18. März 2011, 22:07

Hallo Bernward,

als großer Wunderlich-Fan muß ich Dir voll und ganz zustimmen! Die weitere stimmliche Entwicklung angenommen, hätte Wunderlich wohl in der ersten Hälfte der 70er Stolzing in Bayreuth gesungen. Ich bin mir sicher, er wäre großartig gewesen!

Gruß,

Antalwin

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

  • »operus« ist männlich

Beiträge: 5 339

Registrierungsdatum: 14. Mai 2008

35

Samstag, 19. März 2011, 13:02

Die Stimme von Fritz Wunderlich würde ich als mittelgroß bezeichnen. Sie trug aber und hatte eine große Strahlkraft. Das war das Kapital, aus dem noch viel mehr hätte werden können.

Herzlichst
Operus
Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • »Antalwin« ist männlich

Beiträge: 321

Registrierungsdatum: 10. Januar 2011

36

Samstag, 21. Mai 2011, 15:33

Die Abgrenzung der Stimmen.

Hallo,

ich möchte etwas in die Diskussion werfen. Ich bin der Meinung, daß die Besetzungsnöte der heutigen Zeit ganz besonders bei den Meistersingern von Nürnberg zu hören sind. Die notwendige Abgegrenzheit besonders der Männerstimmen ist nicht mehr gegeben. Weil keine heldenbaritonalen Sachs-Stimmen mehr existieren, muß der Schusterpoet meist von Bässen gesungen werden, denen die charakteristische warme Baritonfarbe fehlt und die dann wegen der schieren Größe der Partie Konditionsprobleme haben. Im Gegensatz dazu wird der Pogner oft zu leichtgewichtig besetzt. Außerdem gibt es Meistersinger-Aufführungen, in denen der Beckmesser mehr Volumen und Schallkraft hat, als der Sachs, so beispielsweise auch in der Studio-Gesamtaufnahme unter Jochum. Diese Umstände wirken sich heute auch negativ auf die Paarung Stolzing/David aus. Der Ritter wird immer lyrischer, dem gegenüber sind viele Davids zu voluminös. Gerhard Stolze, ein vielbeschäftigter David im Bayreuth der 50er und 60er, wäre heute ein veritabler Stolzing, der Klaus Florian Vogt ausstechen würde. Die Proportionen stimmen nicht mehr!

Gruß,

Antalwin

  • »Antalwin« ist männlich

Beiträge: 321

Registrierungsdatum: 10. Januar 2011

37

Samstag, 4. Juni 2016, 16:45

Hallo,

aus gegebenem Anlaß möchte ich unsere Träumerei einmal weiterspinnen:

Hans Sachs: Rene Pape; Bryn Terfel.

Veit Pogner: Hans Peter König; Roland Zeppenfeld

Sixtus Beckmesser: Roman Trekel; Kay Stiefermann

Fritz Kother: Eike Wim Schulte

Walter von Stolzing: Roberto Sacca; Pjotr Beczala; Jonas Kaufmann

Eva Pogner: Anna Netrebko; Annette Dasch

Magdalene: Waltraud Meier

David: Maximilian Schmitt; Benjamin Bruns

Nachtwächter: Kwangchul Youn

Diese Besetzung wäre vermutlich nicht zu bezahlen!

Gruß,

Antalwin

Siegfried

Prägender Forenuser

  • »Siegfried« ist männlich

Beiträge: 4 706

Registrierungsdatum: 26. Oktober 2005

38

Montag, 6. Juni 2016, 18:42

Lieber Antalwin,

deine "Träumerei" kann ich gut nachvollziehen, bis auf den Stolzing des Roberto Sacca. Ich habe ihn in dieser Rolle in Zürich erlebt und war "not amused". Er quälte sich mit seiner kehligen Stimme doch sehr über die Zeit und ich war heilfroh, dass er sein Preislied überhaupt noch über die Rampe brachte.

Fritz Wunderlichs mögliche Entwicklung dagegen bleibt geheimnisumwittert. Ich kenne Wagners erfolgloses Werben, da der Sänger sich noch nicht "reif" für eine große Wagnerrolle fühlte. Ab 40 wollte er dieses Thema angehen. Wollte...
Freundliche Grüße Siegfried

Stimmenliebhaber

Prägender Forenuser

  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

Beiträge: 7 977

Registrierungsdatum: 3. Dezember 2012

39

Montag, 6. Juni 2016, 18:55

Ich kann die "Träumerei" um Pape und Terfel als Sachs überhaupt nicht nachvollziehen: Pape sollte schon 2008 sein Rollendebüt als Hans Sachs geben, merkte, dass die Partie eine Nummer zu groß für ihn ist und zog zurück. Dann kam 2009 sein monatelanges Pausieren aufgrund von massiven Kreislaufproblemen und danach war er meines Erachtens nie wieder auf dem Level wie davor. Ich bin mir sicher, dass Pape diese Rolle nie mehr singen wird - und er tut gut daran.

Auch Terfel dürfte inzwischen seine besten Jahre hinter sich haben (ein wenig überzeugender Scarpia 2013 legt mir dies nahe), aber er hat die Partie immerhin mal gesungen.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

Joseph II.

Prägender Forenuser

  • »Joseph II.« ist männlich
  • »Joseph II.« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 11 782

Registrierungsdatum: 29. März 2005

40

Montag, 6. Juni 2016, 18:58

Erste Wahl als Sachs wäre derzeit für mich wohl der Kanadier Gerald Finley. Umwerfend, was er unter Philippe Jordan kürzlich in Paris zustande gebracht hat. Ich muss Stimmenliebhaber zustimmen: Auch ich fand weder Pape noch Terfel in dieser Partie ideal.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • »Antalwin« ist männlich

Beiträge: 321

Registrierungsdatum: 10. Januar 2011

41

Freitag, 10. Juni 2016, 17:59

Ich bedanke mich für die Antworten !

Die Probleme Saccas mit der Partie des Stolzing waren mir nicht bewußt. Von der Züricher Aufführung habe ich leider nur Teile gesehen und gehört. Von der Kritik wurde Sacca als Stolzing sehr gelobt. Die Entwicklung bei Rene Pape wußte ich auch nicht. Ich sah ein Konzert, in dem er den Fliedermonolog sang, worüber ich begeistert war. Da sieht man mal wieder, wie gefährlich es ist, von der Interpretation einer Arie aus einer Partie auf die mögliche Interpretation der ganzen Partie auf der Bühne zu schließen. Die Diskussion um Pape führt aber wieder zu einer alten Frage: Welcher Stimmtypus ist geeigneter für Wagners Schusterpoeten, Heldenbariton oder hoher Baß ?

Gruß,

Antalwin

Stimmenliebhaber

Prägender Forenuser

  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

Beiträge: 7 977

Registrierungsdatum: 3. Dezember 2012

42

Freitag, 10. Juni 2016, 18:06

Die Diskussion um Pape führt aber wieder zu einer alten Frage: Welcher Stimmtypus ist geeigneter für Wagners Schusterpoeten, Heldenbariton oder hoher Baß ?
Wichtiger finde ich persönlich bei dieser Rolle die Frage: Hat der Sänger neben dem nötigen stimmlichen Durchhaltevermögen auch das nötige stimmliche Differenzierungsvermögen, also die Zwischentöne, hat der das nötige sprachliche und interpretatorische Ausdrucks- und Gestaltungsvermögen? Das finde ich bei einer Rolle wie dem Hans Sachs ganz besonders wichtig.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

Sixtus

Prägender Forenuser

  • »Sixtus« ist männlich

Beiträge: 984

Registrierungsdatum: 2. Dezember 2015

43

Montag, 13. Juni 2016, 18:08

Nach langer Skepsis gegenüber solchen Spielen (wegen ihrer Realitätsferne) reizt es mich nun doch, gerade bei dieser Oper, eine Idealbesetzung zu basteln. Dabei möchte ich aber unterscheiden zwischen Bühne und Studio-Einspielung. Und die ganz alten Sänger aus der Zeit des Schallplattentrichters möchte ich unberücksichtigt lassen, weil ich glaube, dass wir uns heute kaum eine Vorstellung machen können, wie die Stimmen wirklich geklungen haben.
Ich stelle mal je eine Besetzungsliste der Hauptpartien auf nach dem Schema CD / Bühne:

Sachs: F.Frantz / J.Rutherford
Pogner: G.Frick / H.P.König
Beckmesser: B.Kusche / E.W.Schulte
Stolzing: H. Hopf / J.Kaufmann
Eva: E.Grümmer / R.Fleming
David: P.Schreier / B.Bruns
Kothner: G.Neidlinger

Dirigent: H.v.Karajan / C.Thielemann

Bei den kleinen Partien halte ich es für verwegen, sie einem Spitzensänger zuzumuten, wenn auch nur in der Phantasie. Und wenn sie auch noch besser sind als die Interpreten der Hauptpartien, wird die Struktur des Werkes infrage gestellt. (Man stelle sich vor: Nachtwächter - A.Kipnis! Wer soll dann den Sachs singen?)

Herzliche Grüße von Sixtus

Joseph II.

Prägender Forenuser

  • »Joseph II.« ist männlich
  • »Joseph II.« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 11 782

Registrierungsdatum: 29. März 2005

44

Montag, 13. Juni 2016, 19:18

Ein neuer Versuch meinerseits mit absoluter Luxusbesetzung, wie er Mitte/Ende der 1950er Jahre tatsächlich hätte stattfinden können:

Hans Sachs: Ferdinand Frantz
Veit Pogner: Josef Greindl
Kunz Vogelsang: Max Lorenz
Konrad Nachtigall: Jaro Prohaska
Sixtus Beckmesser: Karl Schmitt-Walter
Fritz Kothner: Gottlob Frick
Balthasar Zorn: Bernd Aldenhoff
Ulrich Eißlinger: Günther Treptow
Augustin Moser: Hans Beirer
Hermann Ortel: Otto Edelmann
Hans Schwarz: Gustav Neidlinger
Hans Foltz: Kurt Böhme
Walther von Stolzing: Hans Hopf
David: Gerhard Stolze
Eva: Elisabeth Grümmer
Magdalene: Elisabeth Schärtel
Ein Nachtwächter: Paul Schöffler

Wiener Staatsopernchor
Wiener Philharmoniker
HANS KNAPPERTSBUSCH
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Stimmenliebhaber

Prägender Forenuser

  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

Beiträge: 7 977

Registrierungsdatum: 3. Dezember 2012

45

Montag, 13. Juni 2016, 21:09

Kunz Vogelsang: Max Lorenz
Konrad Nachtigall: Jaro Prohaska
Balthasar Zorn: Bernd Aldenhoff
Ulrich Eißlinger: Günther Treptow
Augustin Moser: Hans Beirer
Die Ensembles in der Singschule und auf der Festwiese möchte ich nicht hören!
Und die Prügelfuge dieser Aufführung würde auch ganz schön auseinanderfliegen...

Für gute, homogene Ensembles ist es nämlich mitnichten besonders förderlich, die größten Solisten ihrer Zeit zu versammeln!

Fazit: Ein ser guter Stolzing ist nicht zwangsläufig auch ein sehr guter "kleiner Meister"!

Fritz Kothner: Gottlob Frick
Absurd!

Wenn du wenigstens nich Schöffler als Kothner und Frick als Nachtwächter (das ist eine Partie auch für Edelbässe) genommen hättest...

Ja, ich weiß, der alte Weber hat's in Bayreuth auch gesungen (also der Ludwig Weber den Fritz Kothner), aber erst, als er seine traditionellen Basspartien weitgehend aufgegeben hatte.

Aber Frick ist als Pogner gesetzt und Schöffler ist ein Sachs, wenn nicht sogar - nebnn Frantz - DER Sachs!
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)