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William B.A.

Erleuchteter

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151

Montag, 25. Mai 2015, 17:20

Wieso scheint mit meinem Tempogefühl etwas nicht zu stimmen, lieber Liebestraum? Von den letzten 10 Aufnahmen, die ich hier mit Zeitangaben gepostet habe, sind 8 teilweise deutlich über 10 Minten:

Abbado: 10:45, Gielen: 10:04, Karajan 70er: 10:17, Kempe: 12:37;
Giulini: 12:32. Rattle: 10:20, Leibowitz: 10:23, Leinsdorf: 11:18;

Bei denjenigen, bei denen mir das zu schnell schien, habe ich das auch deutlich gemacht, z. B. bei Jansons und von Dohnany. Selbst der von dir stets gescholtene Järvi (TGV) kommt auf 9:46 min.

Oder willst du allen Ernstes behaupten, dass alle diese o. a. Herrschaften zu langsam dirigiert hätten? Larghetto ist immerhin nach Larghissimo, Grave und Largo das viertlangsamste Tempo überhaupt.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Liebestraum

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152

Montag, 25. Mai 2015, 17:25

Ich wollte damit sagen, dass der D-Zug von dir selbst-satirisch eher auf Jansons und Chailly gepasst hätten.

:hello: LT
Arm bin ich auf die Welt gekommen,
alle meine Mitgift ist Haupt und Hand.
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Beharrlichkeit führt zum Ziel!
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Das wahre Genie wird bei Bewunderung des Fremden nicht dessen Nachahmer,
sondern erhält dadurch nur den schönen Anstoß, neue Bahnen zu finden.
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... wenn ich keine Oper unter den Fäusten habe ist mir nicht wohl!
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(CMvW -- Carl Maria von Weber)

teleton

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153

Dienstag, 6. Oktober 2015, 13:14

Szell / Cleveland Orchestra

Egal mit welchen Komponisten ich eine Szell-CD auflege - er begeistert mich immer !

Die Szell-Aufnahme der Sinfonie Nr.2 (SONY, 1960) hatte ich hier schon 2006 in Beitrag 3 in einem Atemzug mit Karajan´s Aufnahme (DG, 1977) genannt. Und nun festgestellt, wie lange solche Schätze liegen bleiben, weil so unglaublich viele Alternativ-Einspielungen vorliegen.

Szell kann es natürlich auch mit meinen favorisierten Aufnahmen der Sinfonie Nr.2 (Bernstein (SONY); Solti (Decca, DDD); Leibowitz (Chesky); Chailly (Decca); P.Järvi (SONY-DVD)) aufnehmen und gessellt sich als weiterer Favorit dazu.
Aus Zeitgründen möchte ich jetzt nicht auf Einzelheiten eingehen. Jedenfalls liefert Szell mit seiner zügigen straff und packenden Leseart eine glänzende Aufnahme die richtig Spass macht. Der beleuchet Details, die mir selbst bei den geschätzten Karajan-Aufnahmen unbelichtet bleiben. Ganz exqusisit auch die Blechbläser des Cleveland Orchestra.

Die angemessenen Spielzeiten der Sinfonie Nr.2 mit Szell = 10:09 - 11:30 - 3:37 - 6:16


SONY, 1964, ADD


Ich habe auch die Sinfonien Nr.3 und 5 mit Szell nach Jahren mit Genuss wiedergehört = :thumbsup:
und kann hier nur die gleichen positiven Worte finden.
Gruß aus Bonn, Wolfgang

William B.A.

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154

Donnerstag, 26. Mai 2016, 04:17

Nun möchte ich hier auch noch einige Sätze zur Zweiten in der neuen Gesamtaufnahme der Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle sagen:
Nachdem ich als Letzte aus der GA die Siebte gehört hatte, habe ich die Zweite noch einmal hinterher gelegt:


Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 2 D-dur op. 36
Berliner Philharmoniker
Dirigent: Sir Simon Rattle
AD: Oktober 2015
Spielzeiten (brutto): 11:33-9:54-3:18-6:00 -- 30:54 min.;


Auch in der wunderbaren Zweiten legt Sir Simon klassisches Ebenmaß an, d. h. vor allem mit dem temporalen Impetus nach der herrlichen Adagio-Einleitung im Kopfsatz. Und auch hier ist dank der reduzierten Besetzung (47 Instrumentalisten) eine großartige Transparenz zu bemerken.
Obwohl das Larghetto etwas schneller ist als bei seinem Vorvorgänger Karajan, erreicht Sir Simon auch hier ein hohes Maß an Ausdruck, vor allem in der durchführenden Streichersteigerung in der Mitte des Satzes. Wenn es in meinem Rücken kribbelt, dann war es richtig. Es kribbelte.
Scherzo und Allegro hielten das hohe Niveau.
Ich kann sagen, dass m. E. keine einzige schwache Aufnahme bei dieser GA vorhanden ist, auch nicht die Eroica, obwohl ich von einem Tamino etwas Anderes gelesen habe.

Sir Simon hat mit dieser Gesamtaufnahme seinem Nachfolger Petrenko ein gewaltiges Pfund vorgelegt, dass dieser erstmal kontern muss, wenn er es denn überhaupt kann.

Liebe Grüße

Willi :)
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William B.A.

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155

Freitag, 27. Mai 2016, 00:20

In der Reihe "Klavierolymp" des WDR-Sinfonieorchesters unter Jukka Pekka Saraste mit Yefim Bronfman fand heute der erste Teil bei uns in Coesfeld statt Ich habe mal die Ankündigung von der WDR-Homepage nach hiert kopiert und dabei die Anfangszeit korrigiert:
Do 26.05.2016, 18 Uhr, Coesfeld, Konzert Theater
Klavier-Olymp I





Yefim Bronfman stammt aus einer Musikerfamilie in Taschkent, die vertrauten Umgang mit Größen wie Emil Gilels und David Oistrach pflegte. Nach dem Studium in Israel übersiedelte der junge Pianist in die USA, wo er rasch in die Weltspitze aufstieg. Yefim Bronfman ist für seine luziden Klassiker-Interpretationen ebenso bekannt wie als wirkungsmächtiger Darsteller romantischer Virtuosität.
Ludwig van Beethoven
Ouvertüre zu Collins Trauerspiel
„Coriolan“ op. 62

Konzert Nr. 3 c-moll für Klavier und Orchester op. 37

Sinfonie Nr. 2 D-dur op. 36
Mitwirkende:
• Yefim Bronfman, Klavier
• WDR Sinfonieorchester Köln
• Jukka-Pekka Saraste, Leitung
Klavier-Olymp I
Datum: Donnerstag, 26.05.2016
Ort: Konzert Theater
Osterwicker Straße 31
48653 Coesfeld
Beginn: 19.30 Uhr

Ich schreibe keinen zweigeteilten Bericht, sondern lasse auch das, was ich über die beiden ersten Stücke zu sagen habe, hier stehen.
Die Akustik des Konzerttheaters Coesfeld ist herausragend, und so konnte das WDR-Sinfonieorchester in normaler Klassikgröße (gut 50 Mitwirkende) schon in der einleitende Coriolanouvertüre, die ja im gleicvhen Zeitraum wie die tonartgleiche Fünfte entstanden ist, ihr ganzen dynamisches Potential voll ausschöpfen, und der Saal mit seinen knapp 650 Plätzen packte das Phon-Gewitter weg, als wenn es nichts wäre, sondern es bildete die hellen dynamischen Spitzen fein sauber ab, wobei seine klangliche Transparenz eminent war, vor allem in den mittleren Streichern in den niedrigen dynamischen Bereichen
Die Orchesteraufstellung war in den streichern eine Variante der amerikanischen Aufstellung, in der die 1. Violinen vorne links an 5 Pulten saßen, die zweiten Violinen parallel dahinger, die Violen an dreieinhalb Pulten rechts vorne (der siebte Violaspieler saß am 4. Pult alleine), dann die vier Kointrabässe rechts nach hinten in Reihe und die Cellivon rechts hinten nach vorne in die Mitte reichend.
Die Hörner saßen hinten links, die Holhbläser hinten in der Mitte und die Trompeten hinten rechts. Ganz hinten in der Mitte thronte leicht erhöht der Solopaukist Werner Kühn, der sich eindrucksvoll in Szene setzte (alles natürlich vom Saal aus gesehen).
Jukka Pekka Saraste:

ließ vom ersten Akkord keinen Zweifel daran, dass man hierhergekommen war, um ein tolles Konzert abzuliefern, was denn ja auch vollends gelang. Man merkte, wie weit Musiker und Dirigent in den nun schon über fünf Jahren gemeinsamen Musizierens zusammengewachsen sind.
Nach der höchst beeindruckenden Coriolan-Ouvertüre stand mit Yefim Bronfman:

ein kongenialer Partner zur Seite, um das tonartgleiche 3. Klavierkonzert op. 37 aufzuführen. Bronfman ist m. E. ein Pianist von hohen Graden, dessen pianistische Mittel keine Grenzen zu kennen scheinen und der trotzdem oder vielleicht gerade deshalb mit voller Konzentration zur Sache ging. Er spielte Beethovens eigene recht umfangreiche Kadenz von über drei Minuten Dauer.
Temporal würde ich das ganze Konzert, auch wenn das abgedroschen klingt, als ein "Konzert der klassischen Mitte" bezeichnen, in dem die Musik wohltuend atmen konnte.

Dies war auch nach der Pause bei Beethovens Zweiter zu verspüren, der Saraste auch die klangliche Größe zukommen ließ, die ihr gebührt. Nachdem ich tags zuvor ja noch die Zweite mit Rattle und den BPh auf Blue Ray gehört und gesehen hatte, war ich von der Live-Wirkung mehr als überrascht, vor allem in dem himmlisch anmutenden Larghetto, dem Saraste alle Zeit der Welt angedeihen ließ (im Gegensatz zu dem doch signifikant rascheren Rattle). Da hat es mich durchgeschüttelt, und ich brauchte mich meiner Tränen nicht zu schämen.
Dass Saraste auch "schneller" kann, stellte er im Scherzo und im Finale unter Beweis, in denen er das Orchster zu größten Ausdruckshöhen und rhythmsichen Meisterleistungen antrieb, und in dem die Mitwirkenden direkt nach Verklingen des letzten Tons spontanen Jubel des Publikums ernteten.

Es war ein berührender Musikabend, auf dem ich zudem noch im Gegenstz zu meinen häufigen Besuchen in Köln auch viele bekannte Gesichter entdecken und so manchen Meinungsaustausch vornehmen konnte.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
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teleton

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156

Samstag, 28. Mai 2016, 00:37

RE: Saraste und die Zweite

Lieber Willi,

ich habe auch in den letzten 2 Jahren (in TV-Übertagungen von Beethoven Sinfonien mit dem Kölner Orchester) festgestellt, dass Saraste einen unwarscheinlich positiven Reifungsprozess durchgemacht hat. Das sind heute alles unwarscheinlich gute und spannend ausgehörte Interpretationen. Mir gefällt (genau wie Dir) natürlich, dass er bei Beethoven die Pauken nicht lapadar in den Orchesterklang integriert, sondern effektvoll einsetzt. Gemäss Deinem interessant zu lesenden Hörprotokoll entnehme ich, dass er diese Richtung weiter verfolgt.
Ich habe zufällig gerade u.a. die Sinfonie Nr.2 als Festplattenaufnahme als wichtiges Dokumente zurückbehalten, die ich sehr gerne höre.

Wenn ich als Beispiel an Sarastes frühe Aufnahmen der Sibelius-Sinfonien denke (die ich auf CD hatte), wie langweilig diese waren, dann erkennt man, dass sein Reifungsprozess nicht nur von seinen Interpretationstil zugenommen hat ... sondern auch optisch. (Man siehe dazu die Coverbilder seiner frühen Sibelius - Aufnahmen auf Finlandia.) Saraste ist heute zu einem ernsthaften charismatischen Dirgenten geworden.
Gruß aus Bonn, Wolfgang