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steppenhund

Schüler

  • »steppenhund« ist männlich

Beiträge: 106

Registrierungsdatum: 11. Februar 2008

31

Dienstag, 19. Februar 2008, 00:26

Zitat

Original von Alfred_Schmidt
Mehr als 2 Jahre musste dieser Thread ruhen, bis er "wachgeküsst" wurde.
Zahlreiche neue Forianer sind dazugekommen, zahlreiche ausgeschieden.
Einige Interpreten sind inzwischen zu "Legenden" geworden, neue Namen sind aufgetaucht, andere aus dem Kurzzeitgedächtnis verschwunden.

Neue Namen - alte Legenden - und immer noch dieselben Fragen:

Wer kann heute Oistrach oder Heifetz gleichgestellt werden ?
Wer ersetzt Pavarotti, wer die Callas
Wer kann sich mit Arrau messen ?
Wo ist der Wunderlich unserer Tage ?
Wo ist eine Leitfigur wie Karajan ?

Diese Fragen wurden bis jetzt nur sehr zögerlich zu beantworten versucht.
Beispielsweise halte ich persönlich Till Fellner für einen hervorragenden Pianisten - jedoch ist sein Bekanntheitsgrad - verglichen mit "Legenden" vergleichsweise gering. Das ist sicher nicht seine Schuld, sondern jene der mangelnden Medienpräsenz.

Die Majors "pushen" jene Stars, die ihnen (kommerziell) erfolgsträchtig erscheinen - unabhängig von deren künstlerischem Kaliber.

Die kleineren Label jedoch haben nicht jenes Werbebudget, welches scheinbar notwendig ist um einen künstler einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Das Tamino-Klassikforum wird hier in Zukunft sicher allmählich eine immer größere Rolle spielen - das ist kein Wunschdenken sondern meine feste Überzeugung, wenn ich die Entwicklung der letzten Monate betrachte......

Allerdings müssen die Tonträgerfirmen sich zumindest aufraffen die entsprechenden Aufnahmen zu machen und einem Künstler auch dann zur Seite zu stehen wenn sich die Verkaufserfolge nicht auf Anhieb einstellen...

Ich habe übrigens inzwischen einige Namen parat, von denen ich mir eine große Zukunft erwarte - aber da warte ich den weiteren Verlauf dieses Threads ab.

mit freundlichen Grüßen aus Wien

Alfred


Hi,
bei Opernsängern tue ich mich schwer, Nachfolgen zu benennen. Aber was Dirigenten angeht, sehe ich da schon einige Möglichkeiten.
Einer ist leider auch schon tot, der mir in dieser Diskussion durchaus als Gegenpol zu Karajan einfällt. Lenny Bernstein.
Bevor ich jetzt einen Lebenden nenne, möchte ich darauf hinweisen, dass Karajan nicht nur als Dirigent und Musiker Aufsehen erregt hat sondern auch mit seinem Lebensstil und seinem Kommitment für technische Leistungen. Ich denke, dass das Außergewöhnliche an Karajan wie auch an einigen anderen der Aspekt Gesamtpersönlichkeit ist, bei dem auch nicht-musikalische Aspekte eine Rolle spielen.
Insoferne würde ich heute Daniel Barenboim nennen, der neben seiner Musik durch seine politischen Handlungen über das rein technisch Musische hinausgetreten ist.
Fabio Luisi ist noch zu jung, um ihn dahingehend zu beurteilen. Doch hat er in meinen Augen eine Fähigkeit, die mich ein bisschen an Karajan erinnert. Absolute Transparenz schaffen, wenn alles Tutti und Fortissimo dahinschallt. Es liegt mir jetzt fern, Luisi mit Karajan zu vergleichen. Wie gesagt, da muss einer schon mehr Lebensjahre und die damit verbundene Außenwirkung aufweisen. Aber was nicht ist kann noch werden.
Einer der ganz großen ist für mich auch Claudio Abbado. Ich habe erlebt, als in Leningrad (so hieß es damals noch) sich zwei Geiger auf die Rekrutierung ins Jugendorchester gefreut haben. Das bringt mich auf das eigentliche Kriterien, dass ich persönlich an Dirigenten anlege:
Wie weit kann sich ein Orchester unter ihrer Leitung vervollkommnen? Wie steigert sich ein schon sehr gutes Orchester zu noch weiteren Höchstleistungen?
Also zusammenfassend:
um eine Dirigentenlegende zu werden, ist es in meinen Augen notwendig
1. musikalisch eine Höchstleistung zu bringen (der rein technische Aspekt, obwohl hier das musikalische Element auch eine große Rolle spielt)
2. ein oder mehrere Orchester zu formen, die den Standard der Berliner oder Wiener Philharmoniker aufweisen
3. eine Außenwirkung in der Gesellschaft zu zeigen, die über die Musik hinausgeht. Und da meine ich nicht die Seitenblicke, obwohl die vielleicht bei Karajan am liebsten mitgefilmt hätten.
-
Da fällt mir als Nachgedanke ein, dass die Wr. Symphoniker sehr von Fabio Luisi profitiert haben.

liebe Grüße, Hans
Eine Signatur, die ich 1990 verwendet habe:
"Better to create than to consume"

Alfred_Schmidt

Administrator

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Beiträge: 18 216

Registrierungsdatum: 9. August 2004

32

Montag, 24. März 2008, 21:01

Zitat

Die Klassik ist weiter als je zuvor an den gesellschaftlichen Rand gedrängt worden, es gibt immer weniger, die sich aktiv dafür interessieren


Das halte ich für ein Gerücht.

Was sich gewandelt hat ist der Begriff "Gesellschaft"

Es werden heute Leute dazugezählt, welch man früher allenfalls als "Pöbel " bezeichnet hätte - Leute bar jeder Bildung und fern von allem was man "Guten Geschmack" nennen kann.

Damals spielten dies Leute in der Gesellschaft keine Rolle - heute scheinen sie dieselbe zu dominieren.

Sogar bei WIKIPEDIA darf man nur mitarbeiten - und das GRATIS - wenn man so formuliert, daß es auch Randschichten der Bevölkerung verstehen....

Klassik war immer für eine Minderheit -für eine elitäre Mindertheit (und mag der Rest der Welt dieser Formulierung wegen zerspringen)

Was sich in der Tat geändert hat ist - dass die Wirtschaft heute in weiten Teilen von eher geistig nicht allzu komplexen Typen gelenkt wird, die sich mit der Masse identifizieren - teils weil sie sich mit ihr identifizieren (intellektuelle und Schöngeister sind ihnen ob ihrer Überlegenheit suspekt - und sie verstehen zudem nicht was diese Leute überhaupt wollen), teils weil das "schnelle Geld" einfacher dort zu holen ist. Kritiklos wird das gekauft, was die "Opinionleader" - oft selbst bezahlte Marionetten der Industrie - für gut befinden.

Zitat

und somit auch immer weniger Talente. Das lässt sich im Mittelmaß noch gut auffangen, zeigt sich aber bitter in einer Ausdünnung an der Spitze. Und dann halt der Markt, der letztlich das Ergebnis bestimmt


Talente gäbe es genügend - Pech nur, daß man keine sucht, sondern möglichst pflegeleichte Modepuppen (beiderlei Geschlechts) die nicht aufmucken - weil eben durchschnittlicher Machart.

Welch ein Triumph eines Teenagers, wenn er erkennen kann, dass der "Star" sobald er nur den Mund aufmacht - eigentlich als "Massenware" entlarvt ist.

Ich wage sogar zu behaupten, dass Extravaganz und Überdurchschnittlichkeit heutzutage jeder Karriere im Wege stehen !!!

Ich bin überzeugt, dass - irgendwann - eine Trendwende kommen wird - wo man wieder nach Stars mit "übermenschlichen Eigenschaften" suchen - und sie finden wird.......

Die Klassikgemeinde BRAUCHT "Legenden"

Um aber auch die Frage - selbst von mir gestellt - ein wenig zu beantworten:

Ich halte beispielsweise Michael Korstick und bei den Sängern Juan Diego Flores für unverwechselbare Stars.

Es gäbe - speziell unter den Pianisten - einige weitere - aber die haben noch nicht genügend Aufnahmen gemacht, als dass sich deren Ruf weiterverbreiten könnte.....

mfg aus Wien

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Violoncellchen

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Registrierungsdatum: 14. Januar 2007

33

Montag, 24. März 2008, 21:45

Zitat

Original von Alfred_Schmidt

Sogar bei WIKIPEDIA darf man nur mitarbeiten - und das GRATIS - wenn man so formuliert, daß es auch Randschichten der Bevölkerung verstehen....


Lieber Alfred,

deine oben stehende Äußerung kann ich mir nur damit erklären, dass du wohl das falsche Wikipedia erwischt hast.

Zum echt voll krassen Elite-Wiki gehts ->hier<-

:rolleyes:

Gruß aus der Randgruppe
:hello:
V.
What proves the hero truly great is never to despair.
(Thomas Arne -" The Masque of Alfred")

teleton

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Registrierungsdatum: 10. Dezember 2004

34

Mittwoch, 9. Mai 2012, 10:34

Nachwuchskünstler beim Van-Cliburn-Klavierwettbewerb 2010

Das ist jetzt der einzige Thread den ich über Nachwuchskünstler gefunden habe.

:jubel: Jedenfalls habe ich mich am über die TV-Sendung A Surprise in Texas am Montag 07.Mai 2012 von 23:15 bis 0:45Uhr auf dem WDR3 gefreut, der den renommierte Van-Cliburn-Klavierwettbewerb, der alle vier Jahre im texanischen Fort Worth stattfindet, zum Inhalt hatte.
:thumbsup: Ich finde es grossartig, dass es auch heute weiterhin so ausgezeichnete Nachwuchskünstler gibt.

Hauptfigur der preisgekrönten Dokumentation "A Surprise in Texas" von Peter Rosen ist der blinde, heute 23-jährige Japaner Nobuyuki Tsujii, der sich beim letzten Van-Cliburn-Wettbewerb mit traumwandlerischer Sicherheit den ersten Preis erspielte. Es wurden wegen der unglaublichen Leistung zwei 1.Preise vergeben; Hoachen Zhang aus China war der weitere Preisträger. Der Zweiter (silberner) an eine Koreanerin Yeol eum Son.
Der bulgarische Pianist Evgeni Bozhanov hatte IMO noch mehr Durchsetzungsvermögen (den hätte ich auf Platz 1 gesetzt). Er setzte seine Interpretationsvorstellungen auch gegenüber dem sehr einfühlsamen Dirigenten James Conlon bei den Proben und Konzerten durch.

:angel: Eine ganz ausgezeichnete Doku über diesen Wettbewerb !
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Alfred_Schmidt

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35

Samstag, 21. Juni 2014, 20:45

Und hier können wir - nach über 2 Jahren Pause - den Faden bereits weiterspinnen - mit der Frage: Welcher der im vorigen Beitrag so preisgekrönten, hochgelobten hat eine nennenswerte Karriere gemacht, oder noch weniger anspruchsvoll formuliert.: Wer von denen ist Mitgliederen unseres Forums heute überhaupt noch namentlich bekannt?

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

JLang

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Beiträge: 1 926

Registrierungsdatum: 4. August 2013

36

Samstag, 21. Juni 2014, 23:43

Na ja, Evgeni Bozhanov ist dem Liebhaber von Klaviermusik schon ein Begriff, er gastiert ja bei verschiedenen Klavierfestivals (u. a. Vermont Festival, Klavier-Festival Ruhr etc.). Einspielungen kenne ich nur von Hörschnipseln (er hat vor allem Chopin eingespielt), die ein Recital aber meine Wunschliste, aber noch nicht zu mir nach Hause befördert haben.

Mit bestem Gruß
JLang
Gute Opern zu hören, versäume nie
(R. Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln)

Alfred_Schmidt

Administrator

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Beiträge: 18 216

Registrierungsdatum: 9. August 2004

37

Mittwoch, 20. April 2016, 12:30

Interessant, daß solch ein an sich essentielles Thema immer wieder ins Stocken kommt Aber es verliert auch nach über 10 Jahren Laufzeit nicht an Brisanz. Zahlreiche Künstler sind von der Bildfäche verschwunden und wurden durch andere ersetzt. Bewertungen von "Legenden" wurden neu definiert - was ja an Hand von bestehenden Tonaufnahmen relativ leicht möglich ist. Wir sind nichr von "verklärten Erinnerungen" abhängig, sondern dürfen uns an Hand existierender CDs von Aufnahme der vergangenen Größen stets informiert halten und Stil, Technik, Zeitgeist hinterfragen.

mfg aus Wie
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix