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Daskalos

Schüler

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Beiträge: 147

Registrierungsdatum: 5. August 2005

1

Montag, 22. August 2005, 17:13

Der Pianist: William Kapell

Habe gerade auf der Suche nach Liszt Stücken in ebay diesen Pianisten aufgespürt:
Scheint ein riesiges Talent gewesen zu sein. Leider höre ich diesen namen jetzt zum ersten Mal. Kann einer von euch genaueres zu ihm sagen?

William Kapell (* 20. September 1922 in New York City; † 29. Oktober 1953 bei einem Flugzeugabsturz über Half Moon Bay, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Pianist.

Der tragisch früh Verstorbene galt als größte Pianistenhoffnung Amerikas vor Van Cliburn und dem Kanadier Glenn Gould.

Nach seinem Studium u.a. an der renommierten Juilliard School in seiner Heimatstadt, gewann er 1942 sowohl den Preis des Philadelphia Orchestra als auch den Preis der Naumburg-Stiftung und debütierte kurz darauf in New York. Im selben Jahr führte er das Klavierkonzert von Aram Chatschaturian auf, das in den folgenden Jahren zu seinem "Paradepferd" werden sollte - so sehr, dass man ihn scherzhaft "Khatschaturian Kapell" nannte.

Doch Kapell war alles andere als ein Spezialist - in seiner kurzen Karriere spannte er sein Repertoire von Johann Sebastian Bach bis Sergej Prokofjew und bewies an unterschiedlichsten Werken nicht nur seine spektakuläre Technik, sondern vor allem auch einen gänzlich modernen Interpretationsansatz, der Romantik nicht mit Sentimentalität gleichsetzte, was vor allem den Klavierkonzerten von Sergej Rachmaninoff hervorragend bekam.

Sein filmstarmäßiges Aussehen und seine glückliche Ehe mit Rebecca Anna Lou Melson, aus der zwei Kinder hervorgingen, machten ihn zum geborenen Idol der Titelseiten. Seine Aufnahmen, u.a. mit Antal Dorati, Dimitri Mitropoulos und Leopold Stokowski, zeigen Kapell jedoch als seriösen Künstler, dem bei längerer Lebenszeit sicherlich auch der europäische Durchbruch gelungen wäre.

Aaron Copland sagte über ihn: "Seine einzigartige Leidenschaft für die Kunst, die wir beide liebten, war geradezu furchterregend, selbst für einen Komponisten wie mich."

AcomA

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Registrierungsdatum: 8. Juli 2005

2

Montag, 22. August 2005, 21:43

hallo,

erstaunlich, dass ein professioneller pianist diesen namen erstmalig hört (nicht böse gemeint !). IMO immer noch interpretatorische referenz: khatschaturians klavierkonzert, chopins 3. sonate.
übrigens hat arthur rubinstein diesen pianisten 'entdeckt, als er als teenager vor dem steinway-geschäft in new york stand und angesprochen antwortete, dass er schon etwas klavier spielen könne, aber leider zuhause kein instrument zum üben habe, da die eltern es sich nicht leisten könnten. rubinstein ließ sich im geschäft beethovens appassionata vorspielen und finanzierte ihm dann ein instrument.

gruß, siamak
Siamak

Richard

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Beiträge: 2 597

Registrierungsdatum: 2. November 2004

3

Montag, 22. August 2005, 22:05

Von Kapell gibt es auch eine Einspielung des von mir so sehr geliebten Rachmaninov Klako No.2!
Übrigens gekoppelt mit dem o.g. Khachaturian Klako!

Konnte letztlich einmal in die Aufnahme reinhören. Die Klangqualität ist zwar eher mäßig allerdings steht die Aufnahme bereits auf meinem Wunschzettel!



@AcomA,

meinst Du die 1944 Aufnahme des Khachturian Klako's, die hier auf dieser Aufnahme ist?
S. Rachmaninov:
Music must first and foremost be loved, it must come from the heart and it must be directed to the heart.’

Cosima

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Registrierungsdatum: 11. März 2005

4

Dienstag, 23. August 2005, 13:22

Hallo Richard, hallo allerseits,

ich besitze diese zwei Kapell-Aufnahmen:



Interpretation IMO hervorragend (eine meiner liebsten), Klangqualität ordentlich, erträgliches Rauschen im Hintergrund – Rach2 ist aus 1950.



Die hatte ich mir zugelegt, um das Khachaturian-KK kennen zu lernen. Klangqualität finde ich gut, besser als auf der Naxos-Aufnahme – das KK ist aus 1946. Zur Interpretation kann ich nichts sagen, weil ich nur diese eine Aufnahme des KK kenne.

Ob diese beiden nun besser oder schlechter sind als auf Deiner o.g. CD, weiß ich natürlich nicht.

Gruß, Cosima

P.S. an Siamak: Seine Appassionata würde mich sehr interessieren. Weißt Du, ob es eine gute Aufnahme noch auf dem Markt gibt?

AcomA

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5

Dienstag, 23. August 2005, 14:37

hallo Cosima und Richard,

ich habe die aufnahme des khatschaturian-konzertes mit dem boston symphony unter serge koussewitzky (siehe Cosima). die remasterten sachen von dutton sind klanglich wirklich gut !

leider ist mir eine aufnahme kapells mit der appassionata beethovens nicht bekannt, dafür eine der 3. sonate chopins. neben lipattis die bis dato leidenschaftlichste gerade im finale ! jüngst kommt nelson freire mit seiner aufnahme an diese leistungen heran (und übrigens ivo pogorelich vor wenigen wochen live was den 2. und 4. satz angeht, der rest war schon ziemlich pathologisch !).

gruß, siamak
Siamak

Cosima

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Beiträge: 1 110

Registrierungsdatum: 11. März 2005

6

Dienstag, 23. August 2005, 15:03

Zitat

Original von AcomA
leider ist mir eine aufnahme kapells mit der appassionata beethovens nicht bekannt, ...


Hallo Siamak, hallo allerseits,

ich suchte eben noch einmal nach Kapell und der Appassionata. Von RCA gab es eine ganze Kapell-Edition (Vol. 1-9), die noch zu horrenden Preisen gebraucht erhältlich ist. Aber selbst auf diesen CDs ist sie leider nicht mit drauf. Schade….

Gruß, Cosima

Daskalos

Schüler

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Beiträge: 147

Registrierungsdatum: 5. August 2005

7

Dienstag, 23. August 2005, 17:53

Zitat

Original von AcomA
...erstaunlich, dass ein professioneller pianist diesen namen erstmalig hört (nicht böse gemeint !).


Hi,
sicherlich sehe ich das auch nicht akls bösgemeint an, trotzdem möchte ich deshalb noch einmal einige Schritte aus meinem Leben erzählen die ich hier für wichtig halte:

hatte 1973 einen schweren Verkehrsunfall - 6 Wochen bewußtlos 14 Monate in verschiedenen Krankenhäusern / Transport per Hubschrauber - danach totalen Gedächnisschwung und spastig gelähmt sprich Rollstuhl - Trotz der absolt hoffnungslosen Lage begann ich wieder zu lernen -> Jahre später: Preisträger in Bundesjugendspielen, Besuch eines Gynasiums, hoffnungsloser Versuch Geige zu lernen (linkes handgeleng konnte wegen Sehnentransplantation nicht tiefer als in waagrechter Position zum Arm gebogen werden), nach einem jahr Lernen Aufgabe des Cellospiels; auf dem Internat wurde mir ein Horn + kostenloser Unterricht zur Verfügung gestellet -> nach einigen Monaten durfte ich im Schulorchester mitspielen. Seit etwa 1980 Klavierunterricht bei Musikhochschullehrer und Komponist Peter Dorrossief.
Wegen der linken Hand ging mein Spielen nicht über: Mondscheinsonate 1. / 2. satz hinaus, Träumerei, Moonlight Serenade, Album f. d. J. (einige Stücke daraus) usw. Also nur langsame Sachen.
Ab 9ter Klasse, Chordirigieren und singen im Chor.
Aufführung eines eigenen Chorstückes im R. W. Festspielhaus unter Jugend musiziert.
Platte und CDs besitze ich einige tausend (vor ca 20 jahren zuletzt gezählt). Klaviernoten und Partituren habe ich Schränke voll (auch wenn ich sie nie spielen kann z.b. Horowitz)
Die Musik ist leider - aus beruflichen Gründen - nicht mehr mein ein und alles. Seit gut 15 jahren habe ich mich kaum noch damit beschäftigt. Aber seit ich hier Mitglied bin, wieder - neben dem PC - mein größtes Hobby...

Nochmal:
Ich will hier weder den armen leidenden spielen, noch einem eins reindrücken oder weiß ich was.
Wie gerne würde ich Liszt spielen können oder komponieren können oder weiß ich was. Aber ich muss halt damit leben, dass das bei mir Märchen sein wird.

Zu dem Post: was spielt ihr gerade? habe ich ja Liszt und Horowitz angegeben, was vielleicht auf einen Profipianist schließen lässt.
Ich studiere diese Stücke so gut ichs kann. Und wenns nur 15 takte sind. Spielen werde ich so etwas NIE können. Aber ich versuchs trotzdem zu lernen.
Und betreffs meiner paar Kompositionen, hatte ich ja mit 17 jahren ein Gespräch mit Kompositionslehrer Herr Kokoschka der MHS Stuttgart. Und der sagte mir klar: Lass es! Siehs als Hobby an. Aber mehr nicht!
Und das tue ich.

Ok. das wars. Nicht denken ich wäre böse oder so. Ich sagte es nur nochmal um nicht vielleicht als Angeber oder so dazustehen. :hello:

AcomA

Profi

  • »AcomA« ist männlich

Beiträge: 563

Registrierungsdatum: 8. Juli 2005

8

Dienstag, 23. August 2005, 20:56

hallo Daskalos,

ich bin tatsächlich davon ausgegangen, dass es sich bei dir um einen berufspianisten handelt. deine biographie ist sehr beeindruckend ! ich vermute, dass du das schwere SHT im kindesalter erlitten hast. gottseidank ist der krankheitsverlauf gerade bei kindern häufig viel erfreulicher als bei erwachsenen. es sieht so aus, dass du ein hochbegabter mensch bist. die leistungen, die du während deiner jugendzeit (ungeachtet des schweren krankheitsverlaufes) vollbrachtest, sind sensationell, um es mal so zu formulieren.

gruß, siamak
Siamak

  • »pt_concours« ist männlich

Beiträge: 438

Registrierungsdatum: 11. März 2008

9

Freitag, 31. Oktober 2008, 21:08

Hallo,

mir, als großer Liebahber der Klaviermusik (und Verehrer vieler historischer Pianisten-Persönlichkeiten) war der Name W- Kapell schon ein Begriff-allerdings bisher nur der Name.
Deshalb habe ich folgende Neuerscheinung genutzt Kappel endlich mit seinen Aufnahmen kennenzulernen.



Kapell Rediscovered
S. RACHMANINOV Klavierkonzert Nr.3 in d-moll, op.30
J.S. BACH Suite in a-moll, BWV818
M. MUSSORGSKY Bilder einer Ausstellung
trad. God save the Queen
W.A. MOZART Klaviersonate B-Dur K.570
C. DEBUSSY Suite bergamasque
F. CHOPIN Barcarolle, in Fis-Dur, op.60
F. CHOPIN Nocturne in Es-Dur, op.55 No.2
F. CHOPIN Scherzo No.1, in Es-Dur, op. 20
S. PROKOFIEV Klaviersonate No.7 in B-Dur, op.83

Es handelt sich bei den Aufnahmen auf dieser CD um Mitschnitte von Konzerten einer Australientournee, die Kappel kurz vor seinem Tod im Jahre 1953 unternommen hatte.
Obwohl die Tonqualität wirklich meistens sehr schlecht ist, habe ich den Kauf dieser Doppel-CD nicht bereut und sehe den legendären Ruf den Kapelll genießt hier voll bestätigt. Zudem hört man ihn mit einem wirklich sehr reizvollen und abwechslungsreichen Programm. Besonders angetan hat es mir bisher die Suite bergamasque von DEBUSSY! Obwohl ich bereits eine Reihe von guten Aufnahmen besitze, bin ich fast geneigt ihr den Vorzug vor allen anderen zu geben. Fantastisch wie Kapell immer wieder Details "herausholt" und mit großen Lienen Zusammenhänge herstellen kann!
Herrliche Stellen findet man auch in den Interpretationen der Werke von CHOPIN, und auch die Klaviersonte MOZARTs gefiel mir beim ersten Hören sehr gut. Ich werde mich wohl weiter mit Kapell beschäftigen!

Gruß pt_concours
Hören, hören und nochmals hören: sich vertraut machen, lieben, schätzen.
Keine Gefahr der Langeweile, im Gegensatz zu dem, was viele glauben, sondern vielmehr Seelenfrieden.
Das ist mein bescheidener Rat. (S. Richter, 1978)

William B.A.

Erleuchteter

  • »William B.A.« ist männlich

Beiträge: 17 599

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

10

Sonntag, 20. September 2015, 16:28


William Kapell, der im Alter von gerade einmal 31 Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, hat heute Geburtstag. Zu seinem Ehrentage habe ich diese Aufnahme ausgesucht:





Heute wäre er 93 Jahre alt geworden.


Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).