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Gerhard Wischniewski

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31

Sonntag, 2. August 2015, 13:06

Zitat

Zitat von Erich Ruthner: Der kommende "Fidelio" dürfte ein Festspiel des Regietheaters werden. Der Minister steht bei den Proben auf einem schallschluckenden Teppich - und es ist kein Chor auf der Bühne!

Lieber Erich,

vielleicht dürfte das dann für Einige die "richtige" Musik sein.

Liebe Grüße
Gerhard
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

William B.A.

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32

Sonntag, 2. August 2015, 13:48

Zitat

Bachiania: ...drei Damen und ein Mann, in feiner Abendkleidung, mit Stöckelschuhen und hochgesteckten Frisuren...

Der Mann auch? :D

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Bachiania

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33

Mittwoch, 5. August 2015, 17:16

Es ist so weit: Gestern Abend fand die mit Spannung erwartete Premiere des Fidelio im großen Festspielhaus statt. Interessanterweise waren die Meinungen des Publikum sehr geteilt. Offenbar hatte sich Claus Guth in seiner Regie auf ein sehr minimalistisches Bühnenbild zurückgezogen und dafür zwei neue Figuren eingeführt, sie sozusagen das "innere Ich" der Protagonisten zeigen sollten. Vielen, mit denen ich sprach, war dies viel zu reduziert, sie meinten sogar, es habe die Sänger sehr an ihrer Entfaltung gehindert. Andere wieder fanden es großartig, sich so sehr auf das wesentliche – innere – Geschehen zu konzentrieren. Jedenfalls erntete der Regisseur nicht nur einige wenige Buh-Rufe.
Zuletzt, schon fast in der Früh, brachte ich eine Gruppe Amerikaner in ihr Hotel. Diese meinten, in Amerika könne sich solch eine Inszenierung kein Haus leisten. Ich fragte erstaunt nach dem Grund, und sie sagten mir, Häuser wie die Met müssten 4000 Sitzplätze verkaufen, und das sei immerhin in Zeiten der Wirtschaftskrise nicht so einfach wie bei rennomierten europäischen Festivals wie Salzburg oder Bayreuth. Er komme gerade aus Bayreuth und habe sich gewundert, dass man dort das Waldvögelein von einem Krokodil auffressen hatte lassen ...
Doch musikalisch – dies kann ich nun auch selbst bestätigen, da ich Teile der Live-Übertragung im Radio Ö1 mitverfolgt habe – war dieser Fidelo phantastisch! Jonas Kaufmann, Adrianne Pieczonka, die Wiener Philharmoniker und Franz Welser-Möst ließen für mich keinerlei Wünsche offen! Dass ich gegen Ende hin plözlich (wieder) einschaltete und soeben die Leonoren-Ouvertüre erklang, hielt ich für eine Verwirrung meines Geistes, bis ich erkannte, dass dies offenbar dem künstlerischen Wollen der Regie entsprungen sein muss. Eventuell ein tiefenpsychologischer Hinweis? Macht ja nichts, denn diese Ouvertüre ist ja immerhin ein gutes Stück Musik. Und diese genießen die meisten Zuschauer (wie mir glaubhaft und oft bestätigt wird) in Salzburg aufgrund diverser Regie-Ver(w)irrungen sowieso mit geschlossenen Augen! ;)
Ansehen kann man sich das (Deb-?)-(Spekt-?)akel 1m 13.8. auf ORF 2 und am 22.8. auf 3sat.

Viele Grüße,

Bachiania
Man sagt, wenn die Engel für Gott spielen, so spielen sie Bach, füreinander aber spielen sie Mozart.
(Sir Isaiah Berlin)

Bachiania

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34

Sonntag, 9. August 2015, 21:09

Soeben hatte ich die Ehre, nach seinem Recital Maestro Pollini und seine Frau vom Festspielbezirk in ein Restaurant am Stadtrand zu fahren. Natürlich konnte ich mich nicht halten und begann mit ihm über Musik zu sprechen. Wir redeten über Bach und seine grundlegende Bedeutung für jede (Klavier)musik. Ich fragte ihn, ob er gut und/oder gerne Cembalo spiele und er meinte, Cembalo sei technisch leichter zu spielen, im Ausdruck aber natürlich ganz anders. Dann hielt ich mich zurück, da ich merkte, er war müde wohl von der Anstrengung eines ganzen Konzertes.
Pollini selbst ist ein ruhiger, freundlicher alter Mann, seine Frau ist nett und herzlich. Zum Abschied drückte ich seiner Frau meine Visitenkarte in die Hand. Vielleicht werde ich sie später wieder abholen dürfen...

freut sich :) :jubel: :)
Bachiania
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Dr. Holger Kaletha

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35

Montag, 10. August 2015, 00:05

Pollini selbst ist ein ruhiger, freundlicher alter Mann, seine Frau ist nett und herzlich. Zum Abschied drückte ich seiner Frau meine Visitenkarte in die Hand. Vielleicht werde ich sie später wieder abholen dürfen...

... das wäre schön und der Bericht darüber auch! :) :hello:

Schöne Grüße
Holger

JLang

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36

Montag, 10. August 2015, 00:33

Zitat von »Bachiania«

Dass ich gegen Ende hin plözlich (wieder) einschaltete und soeben die Leonoren-Ouvertüre erklang, hielt ich für eine Verwirrung meines Geistes, bis ich erkannte, dass dies offenbar dem künstlerischen Wollen der Regie entsprungen sein muss.

Liebe Bachiania,

für Deine schönen Berichte danke ich Dir sehr. Sie sind eingängig geschrieben und thematisch wunderbar abwechslungsreich. Bisweilen sorgen sie für folgende Reaktion: :hahahaha: (weil sie so schön heiter sind).
Deinen Ohren darfst Du ruhig trauen und eine so große Eigenheit der Regie war das gar nicht. Siehe hier den Beitrag 16.

Herzliche Grüße
JLang
Gute Opern zu hören, versäume nie
(R. Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln)

Milletre

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37

Montag, 10. August 2015, 02:09

Tochtermann vs. Sohnemann

Hier wird wieder ein unerlaubter Eingriff in eines der größten Opernwerke gewagt. Die Dialoge mögen zwar zum Teil bieder sein. Sie sind jedoch ein wichtiger Teil der Handlung. Sie tragen wesentlich dazu bei, den Gegensatz von der kleinbürgerlichen Welt des Rocco zur totalitären Gewalt des Pizarro zu verdeutlichen. In der Kerkerszene ist das gesprochene Wort sogar ausgesprochen dramatisch und schafft Verständlichkeit und Stimmung. Nur gut, dass ein unsterbliches Werk wie Beethovens "Fidelio" alle Eingriffe überstehen wird und auch nicht tot inszeniert werden kann. Der Genius siegt über die Stümper, die die Tollkühnheit, ja Frechheit besitzen sich an einem solchen Werk zu vergehen. :cursing:

Herzlichst
Operus

Volle Zustimmung, lieber Hans!!!

Ich habe den Fidelio im Radio gehört, kann mich also über die Regie nicht äußern - nur soviel: Diese penetrante Geräuschkulisse anstelle der Dialoge waren mehr als ärgerlich, ja geradezu primitiv.

Wenn man in deutschen Landen den verqueren Begriff "Sohnemann" (ein Scheusal modischer Wortschöpfung!) verwendet und sogar toleriert, um so lockerer kommt mir "Tochtermann" über die Lippen, auch wenn "Schwiegersohn" heutzutage en vogue ist - auch wenn der "Fidelio" in einer Monarchie Spaniens ("des besten Königs Wunsch und Wille") angesiedelt ist. Ferner ist im (gestrichenen) Dialogtext explizit von der "Straße nach Sevilla" die Rede ...

Passend dazu: Ärger bereitet mir, nur um zwei Beispiele zu nennen, das blöde Wort "kucken", das man auf diversen deutschen Sendern fortwährend hören muß, vor allem aber das unerträgliche "Tschüß", Wortschöpfungen, die der österreichischen Seele große Pein bereiten.

Musikalisch hat mir dieser Fidelio sehr gut gefallen, nur verstehe ich Welser-Möst nicht, wenn er sich vor wenigen Tagen (zu Recht!) in einem "Kurier"-Interview darüber beklagte, dass man in der Oper (wahrscheinlich als Konzession an den juvenilen Zeitgeist) immer häufiger Elemente der Popkultur integriert, sich diesen verunstalteten Fidelio antat, wenngleich sein teils straffes, teils sehr getragenes Dirigat von mir in Verbindung mit den groß aufspielenden Philharmonikern mit Begeisterung aufgenommen wurde - vor allem die Leonore 3 war mit dem überirdischen subito piano in Verbindung mit der den Atem stocken lassenden Steigerung ins ff der instrumentale Höhepunkt des Abends.

Die Sänger bildeten ein homogenes, beachtliches Team, wobei mich der Florestan von Jonas Kaufmann und der wortdeutliche, viele Farben seiner Prachtstimme verströmende Sebastian Holecek neben Hans Peter Königs Rocco am meisten überzeugte. Adrianne Pieczonka fiel es hörbar schwer, meine "Leonoren" Rysanek und Jones zu toppen. Olga Bezsmertna war mir zu dramatisch, so dass in den Szenen mit Pieczonka schwer zu unterscheiden war, wer Marzelline und wer Leonore war. Konieczny als Pizarro machte seine Sache ausgezeichnet, nur störten mich so manche Vokalverfärbungen.
Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

Bachiania

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38

Montag, 10. August 2015, 15:56

Lieber JLang, ich danke dir für die liebenswürdigen Komplimente! In der Tat würde ich natürlich gerne viel mehr schreiben, als meine Zeit erlaubt...

Seit diesem Jahr erlauben sich die Salzburger Festspiele, Wiederaufnahmen in ihr Programm zu nehmen. Nur drei der szenisch aufgeführten Opern sind in heuer neu inszeniert worden. Die anderen sind Übernahmen oder Wiederaufnahmen. Dass diese weitgehend ausverkauft sind, schuldet man eventuell ;) nicht unbedingt der Güte der Inszenierung, sondern wohl der Zugkraft von Namen wie Cecilia Bartoli oder Anna Netrebko.

Bereits am 31. 7. fand die Premiere von Bellinis "Norma" statt, einer Übernahme von den (zu den Salzburger Festspielen gehörigen) Pfingstfestspielen 2013.
Das antike Sujet wird hierbei in das Metier der französischen Résistance verlegt. Einerseits (man denke an Asterix ;) ) hatten wohl die Gallier tatsächlich einiges an Widerstandskraft gegenüber dem Regime Roms zu bieten, was vielleicht ihre späten Nachfahren im zweiten Weltkrieg geerbt haben könnten. So lückenlos schlüssig scheint diese zeitliche Verschiebung dann aber doch nicht zu sein. Ich hörte Stimmen, die forderten, man möge doch in solch einem Fall wenigstens das Libretto anpassen, wäre es doch sehr unschlüssig, die Nazis zu meinen, jedoch stets "Rom" zu singen. Man stelle sich vor, was dieser Vorschlag für andere Opern bedeuten würde!
Tamino würde dann modern vielleicht singen : "Hare Krishna herrschet hier?" oder Mimi würde auf der Müllhalde in passender Jugendsprache rufen "Hey, Alter, Rodolfo!"???

Wie es auch immer sei. Wenn man schon das Glück hat, in Genüsse wie diesen, unvergleichbaren, zu kommen, dann darf man mit so manchen Kindereien nicht mehr so kritisch sein. Es wäre "Jammern auf höchstem Niveau",

;) meint eure Bachiania !


Man sagt, wenn die Engel für Gott spielen, so spielen sie Bach, füreinander aber spielen sie Mozart.
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Melante

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39

Dienstag, 11. August 2015, 10:08

Liebe Bachiania,

zwar verfolge ich im Rundfunk weniger die Salzburger Festspiele als dafür die Styriarte,
aber einer Deiner Sätze zu Schubert hat mich lachen lassen: "..dem elenden Sterben eines jungen Mannes und den Lamentationen..."
Ist er so nicht immer?
Verzeih mir bitte!

Und so hörte ich auch eher Harnoncourt, so er denn noch dirigierte.
Die "Missa Solemnis" Beethovens, die er so viel zügiger nimmt mit dem Concentus als mit dem Concertgebouw.
Und gestern seinen Haydn.
Eine völlig vermurkste Sinfonie Nr.97, zu Tode gedacht und geradezu Karikatur der "Musikalischen Rede".
Die "Paukenmesse" war weniger Ausrufezeichen-lastig, doch wären mir schlanker singende Solisten lieber gewesen.
Dennoch schön, den alten Herren noch zu hören, der immer noch Neues zu sagen hat - auch wenn mir schwerfällt, dem zu folgen.
Um mich zu "trösten", hörte ich Beethovens 1 und 3 mit ihm und dem Concentus von 2013, auch live, und dort passt dann wieder, was er schreibt und musiziert, zusammen.

Tja, ich fahre halt nur mit den Ohren Taxi.....
Liebe Grüße,
Mike
"Man kann die Menschen zur Vernunft bringen, indem man sie dazu verleitet, daß sie selbst denken." Voltaire

Bachiania

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40

Dienstag, 11. August 2015, 15:03

Liebe Bachiania,

zwar verfolge ich im Rundfunk weniger die Salzburger Festspiele als dafür die Styriarte,
aber einer Deiner Sätze zu Schubert hat mich lachen lassen: "..dem elenden Sterben eines jungen Mannes und den Lamentationen..."
Ist er so nicht immer?
Verzeih mir bitte!

Und so hörte ich auch eher Harnoncourt, so er denn noch dirigierte.
Die "Missa Solemnis" Beethovens, die er so viel zügiger nimmt mit dem Concentus als mit dem Concertgebouw.
Und gestern seinen Haydn.
Eine völlig vermurkste Sinfonie Nr.97, zu Tode gedacht und geradezu Karikatur der "Musikalischen Rede".
Die "Paukenmesse" war weniger Ausrufezeichen-lastig, doch wären mir schlanker singende Solisten lieber gewesen.
Dennoch schön, den alten Herren noch zu hören, der immer noch Neues zu sagen hat - auch wenn mir schwerfällt, dem zu folgen.
Um mich zu "trösten", hörte ich Beethovens 1 und 3 mit ihm und dem Concentus von 2013, auch live, und dort passt dann wieder, was er schreibt und musiziert, zusammen.

Tja, ich fahre halt nur mit den Ohren Taxi.....
Liebe Grüße,
Mike

Lieber Mike, als alte Grazerin ist mir Harnocourt der "Held meiner Jugend", der erste, den ich kennen lernte, der sich um die originalgetreue Aufführung von Musik bemühte. Gut kann ich mich noch an die ersten "Styriarten" erinnern, beispielsweise das "Fest für Joseph Haydn" im Schloss Eggenberg. Hier im Forum ist bereits einiges geschrieben worden über die Entwicklung des musikalischen Ausdrucks von Harnoncourts Dirigaten. Gerade im letzen Jahr hatten wir hier in Salzburg eine sehr umstrittene Aufführung der letzten Mozart Sympohonien. Und so darf ich auch ganz offen sagen: So sehr mich seine reine, klare Musiksprache anfangs in ganz eine neue Welt entrückte, so sehr finde ich heute seinen Stil exaltiert, maniriert und manchmal auf eine Art überzogen und durchbrochen, die mir schwer erklärbar ist für jemanden, der so ausdrücklich der Musik folgen und deren Klangrede verstehen will ... Ähnliches berichteten mir auch Zuhörer der Missa Solemnis hier bei den Salzburger Festspielen.

Und Schubert: Ja, so ist er fast immer. Daher auch kann ich Schubert nur mit einer bestimmten Brille hören, die mich seine gewaltige und geniale Musiksprache genießen lässt, jedoch verhindert, dass ich in die emotionellen Abgründe gleite, in die selbst er sich gekonnt und kompromisslos hinein steigert ;) Man verzeihe auch mir dieses...

Bachiania
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rodolfo39

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41

Dienstag, 11. August 2015, 17:19

Am Sonntag habe ich mir von den Salzburger Festspielen auf Classica Le Nozze di Figaro angeschaut. Das war endlich mal eine Aufführung die das Prädikat "Festspielwürdig" verdient hat. Es gab eine sehr schöne Inszenierung die Sänger waren bis auf die kleinsten Nebenrollen hervorragend und es gab sogar einen Hund . Die Idee hat sich der Regisseur aber von den Festspielen aus Aix en Provence abgeschaut. Das Dirigat von Herrn Ettinger war auch sehr gut und der sieht aus und spricht wie Alan Bangs .

Melante

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42

Donnerstag, 13. August 2015, 09:07

Liebe Bachiania,
danke für Deine lieben Zeilen.

Mit meinen Sätzen zu Schubert wollte ich Dich natürlich (nicht) nur necken....

Und zu Harnoncourt auch keinen neuen, abseitigen Thread eröffnen. Nur begleitet er mich ähnlich lange schon durchs musikalische Leben, seit meiner Kindheit und war und ist(!) ebenso für mich, wie Du es nennst," Held meiner Jugend".
So manches Werk hörte ich unter seiner Leitung zum ersten Male derart, dass ich glaubte, es endlich begreifen zu können.
Meine Distanz entstand erst in den letzten Jahren, da er für meinen Geschmack doch oft zu sehr den Zeigefinger ausstreckt und zunehmend weniger organisch musizieren lässt.
Nichts destotrotz hat er immer wieder neue Ideen, auch kontrovers diskutierte- aber liegt das nicht auch an uns Zuhörern, mit Hörgewohnheiten in "ausgelatschte Pfade" zu verfallen?
Und so empfinde ich es als unfair, eine neue Aufnahme nicht zu hören, weil "man" glaubt zu wissen, was da kommen würde.
So als würde ich hier Beiträge mancher nicht mehr lesen, weil ich mir anmaßte zu wissen, was geschrieben steht....

Wie auch immer, sein diesjähriger Haydn hat mich ratlos zurückgelassen. Sein Mozart des vergangenen Jahres hat mich mehr überzeugt als manch frühere Lesart. Und die Missa Solemnis finde ich sogar überzeugend, wenn auch weniger spannend und gespannt als die deutlich langsamere von vor ein paar Jahren. Darüberhinaus freut mich, dass er so manches Werk heute eben doch dem Concentus anvertraut, das er vor wenigen Jahren noch mit "normalen" Orchestern glaubte, überzeugender umsetzen zu können.

Damit belasse ich's mal dabei...was ja Optionen bietet.

Herzliche Grüße,
Mike
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Bachiania

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43

Samstag, 5. September 2015, 01:50

Liebe Festspielfreunde!

Noch weit mehr als letztes Jahr hielten mich während dieser Festspielzeit andere Dinge in Atem und in Arbeit. Gerne hätte ich euch noch von Reaktionen meiner Gäste berichtet über so manche Konzerte und Opern. Doch dafür gab es heuer praktisch keine Zeit. (hinzu kam, dass der Sommer sehr trocken und schön war und ich meine spärlichen freien Minuten dann doch lieber auf über 2000m Höhe verbrachte, anstatt am PC. [Wolfgang, wo bliebst du eigentlich diesen Sommer? Ich hatte gehofft, dich in deiner Wahlheimat St. Wolfgang treffen zu dürfen!]

Daher hier ein höchstens summarischer Abschlussbericht.

Neben Oper und Konzert nicht zu vergessen: das Schauspiel! Vorsorglich hat man in die Inszenierung der Komödie der Irrungen KEINE Pause eingefügt. Denn nach jeweils derselben wäre die große Halle auf der Pernerinsel wohl fast leer gewesen angesichts der Tatsache, dass diese Inszenierung nicht nur die Geschichte verändert hat, sondern auch noch den eigenen Shakespeare-Text! Von dessen schnellem, intelligenten Wortwitz blieb folglich nicht sehr viel übrig.... (ebenso wie vom Stück)

Sehr schön und musikalisch gut soll Massenets Werther in konzertanter Aufführung mit Piotr Beczala und Angela Gheorghiu gewesen sein, bei welcher immerhin (Originalzitat eines Besuchers) es "nicht notwendig war, wegen einer schrägen Inszenierung die Augen zu schließen. "

Purcells Dido and Aeneas rührte unter Thomas Hengelbrock zwar die Herzen mancher Liebhaber barocker Lamenti, entsprach jedoch vielleicht nicht unbedingt den gutbürgerlichen Geschmack des Salzburger Publikums. Ich hätte es gerne gehört, ist doch das Balthasar Neumann Ensemble samt Chor eine der hörenswertesten Kombinationen im Bereich der alten Musik.

Cecilia Bartoli glänzte in Glucks Iphigénie en Tauride. Ihre Persönlichkeit spaltet immer wieder die Meinungen. Das Orchester jedoch, Il Barocchisti unter Pietro Fasolis, Freunden der alten Musik gut bekannt, soll jedenfalls hervorragend gewesen sein.

Nicht jedoch dass man meinen möchte, die Salzburger Festspiele würden sich in eine Barockveranstaltung entwickeln. Der letzte (und vielleicht erfolgreichste) Höhepunkt war die Wiederaufnahme des 'Rosenkavalier' aus dem Jahr 2014.

Hier darf ich meine persönliche, abschließende Festspielfreude nennen, nämlich den Besuch unseres werten OPERUS, mit dem ich einen sehr netten und anregenden Nachmittag in Hellbrunn und Anif verbringen durfte.
Tatsächlich wurde er mit seiner liebenswerten Frau auch in der realen Welt Teil meiner Taxigeschichten, da ich ihn nach der von ihm besuchten Aufführung ins Hotel zurück bringen durfte. Er war mit der Aufführung sehr sehr zufrieden. Falls du dieses liest, Operus, vielleicht dürfen wir von dir noch einen kurzen Bericht erwarten? Jedenfalls grüße ich herzlich.

Unter den Orchestern wurde besonders das Boston Symphony Orchestra bejubelt, die einmal die sechste Mahler, ein andermal ein Strauss/Schostakowitsch Programm zum besten gaben.

Das Gustav Mahler Jugendorchester spielte Mozart und die neunte Dvorak. Ich wunderte mich, wie ein Orchester so gut sein kann, das sich stets nur zu Arbeits- und Konzertphasen trifft. Eines Abends fuhr ich vier Mitglieder dieses Klangkörpers, was mir einige Antworten gab. Sie stammten aus aller Herren Länder. Eine Geigerin spielt regulär im Symphonieorchester von Quatar! (wusstet ihr, dass es das gibt? Sie geben dort immerhin jede Woche(!) ein Konzert! Und Ölscheichs werden sich wohl auch gute Musiker leisten können. Das war ja seit Jahrhunderten so: "ohne Göld ka Musi" ;) )
Andere stammten aus Holland und Australien. Sie hatten selbst nach einem langen Probentag solch eine gute Stimmung, voller 'Schmäh' und Humor, dass mir schnell klar wurde: hier ersetzt die Freude so manche langjährige gemeinsame Anpassungszeit und gibt die nötige Frische und Motivation, wirklich gut zu sein. So sollte Musizieren sein: lebendig und mit Freude getan. Dies schlägt den Bogen zum ersten von mir beschriebenen Konzert, der h-moll-Messe, in welcher Vaclav Luks selbst diese getragene, große, 'schwere' Musik mit einer freudigen Leichtigkeit musizierte, die ein wenig Schwerelosigkeit erzeugt.

Herzliche Grüße sendet
die vom Festspielstress nun bereits ein wenig erholte
Bachiania
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(Sir Isaiah Berlin)

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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44

Samstag, 5. September 2015, 12:10

Liebe Bachiania,

die Begegnung und die Diskussion mit Dir und Gombert war interessant, was für mich jedoch immer wichtiger ist, der Funke ist spontan übergesprungen und es ergab sich eine menschlich sehr angenehme, anregende Beziehung, die hoffentlich fortgeführt und intensiviert werden kann. Ganz dezent erinnerst Du mich jetzt an meine Tamino-Pflichten. Ja ich werde einen Kurzeindruck von der "Rosenkavalieraufführung", die ich am 26. August besuchen durfte, geben. Für mich ist das Schreiben im Forum zur Zeit schwierig, denn ich habe, wie Du weißt interimistisch die Aufgabe des Vertriebsdirektors bei einem Industriebetrieb übernommen. Das Unternehmerehepaar, in dessen Betrieb ich jetzt arbeite, hast Du ebenfalls kennengelernt, weil wir zusammen in Salzburg waren. Auf jeden Fall ist im Moment bei mir zeitlich Land unter. In meinem Alter fast ein Witz. Aber nun zum "Rosenkavalier:" Dem Altmeister Harry Kupfer ist es gelungen, das Werk stimmungsvoll und vor allem stimmig in Szene zu setzen. Bühnenbild und Kostüme passten nobel zum Stil der Zeit. Die Elemente des Bühnenbildes konnten variabel verschoben werden, so dass sie in allen drei Aufzügen verwendet werden konnten. Die Personenregie war gekonnt, die Verkleidungsszenen und die Turbulenzen im 3. Aufzug wurden perfekt gemeistert. Größte Überraschung war die neue Sicht und Darstellung des Ochs. Das war kein alter Schwerenöter in der Tradition der großen Ochsdarsteller Richard Mayr, Ludwig Weber, Otto Edelmann, Kurt Böhme, Oskar Czerwenka. Günther Groissböck stellte einen eher jungen, mitten im Leben stehenden, vitalen, großspurigen, egoistischen Landedelmann dar. Bei ihm war jederzeit zu spüren, dieser Ochs kann im Liebesreigen voll mitmischen. Unterstützt wurde diese Rollenauffassung, weil im ersten Aufzug ein Strich aufgemacht wurde und Ochs nun seine Liebesabenteuer und seine Philosophie über Frauen und deren Liebesbedürfnisse frivol, drastisch schildern konnte. Was Groissböck stimmlich und darstellerisch leistete war für diese Auffassung der Rolle maßstabsetzend. Ihm ist es gelungen, die Figur eines neuen Ochs zu schaffen. Krassimira Stoyanova spielte und sang ebenfalls eine voll überzeugende liebende, lebenskluge und letztlich entsagende Fürstin. Dazu kamen mit Sophie Koch ein groß gewachsener, jungenhafter Oktavian mit gut geführtem hell klingendem und hoch liegendem Mezzosopran, Golda Schultz als liebreizende Sophie. Alle anderen Sänger waren erwartetes Salzburger-Festspielniveau. Adrian Eröd wird vor allem in Wien hochgelobt. Für mich blieb er als Faninal an diesem Abend stimmlich und darstellerisch erstaunlich blass. Franz Welser-Möst und die Wiener Philharmoniker sind nicht nur beim "Rosenkavalier" ein ausgezeichnet eingespieltes Team. Dadurch wurden die musikalischen Schönheiten des Meisterwerkes von Richard Strauss voll zum Klingen gebracht und die klanglichen Raffinessen besonders in den lyrischen Teilen und den Walzerfolgen delikat und transparent herausgearbeitet. Lediglich eine Eigenheit des Dirigats von Welser-Möst störte. Bei allen Forte-Einsätzen geht er ohne dynamische Steigerung voll drauf und erzeugt dadurch an manchen Stellen einen zu forcierten, laut grellen Klang und deckt die Sänger dadurch zu.
Insgesamt war es ein großer, überzeugender Opernabend, der vom Publikum frenetisch gefeiert wurde. Nur zu gerne möchte man der Marschallin zustimmen, wenn sie sinniert: "Alles hat seine Zeit". Hoffentlich ist die Zeit angebrochen, wo wieder mehr so gelungene, spannende, werkgetreue Inszenierungen angeboten werden wie dieser wirklich festspielwürdige Salzburger "Rosenkavalier", für den wir sogar gerne den enorm hohen Eintrittspreis zahlten.

Herzlichst
Operus
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45

Samstag, 5. September 2015, 14:13

Lediglich eine Eigenheit des Dirigats von Welser-Möst störte. Bei allen Forte-Einsätzen geht er ohne dynamische Steigerung voll drauf und erzeugt dadurch an manchen Stellen einen zu forcierten, laut grellen Klang und deckt die Sänger dadurch zu.

Lieber "Operus",

diese deine Kritik an Welser-Möst deckt sich genauso mit meinen Eindrücken wie das viele Positive, von dem du berichtet hast. :hello:
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

Gerhard Wischniewski

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46

Samstag, 5. September 2015, 19:49

Liebe Bachiania,

auch wenn ich nicht viel dazu beitragen kann, deine Salzburger Taxigeschichten lese ich immer gerne und mit besonderem Vergnügen. Vielen Dank auch für die Zusammenfassung der Salzburger Festspiele

Lieber Hans,

vielen Dank auch für deinen Bericht über den Rosenkavalier. Ich habe ihn schon voriges Jahr im Fernsehen gesehen und unter "Der Rosenkavalier in Salzburg 2014" meine Eindrücke dazu geschildert. Sie decken sich weitgehend mit deinen. Auch ich habe gerade Groissböck als Ochs besonders hervorgehoben, aber auch die Marschallin und Oktavian gesanglich als besonders gut empfunden. Was mich lediglich an dieser sehr schönen Aufführung gestört hat, waren die riesigen Projektionen. Die Breitwandbühne ist für meine Begriffe eben nicht in allen Teilen der geeignetste Ort für den Rosenkavalier. Aber vielleicht empfindet man das, wenn man dabei ist, nicht so. Aber ansonsten durchaus ein Lichtblick in der trüben Soße der heutigen Inszenierungen.

Liebe Grüße
Gerhard
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operus

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47

Samstag, 5. September 2015, 20:41

Was mich lediglich an dieser sehr schönen Aufführung gestört hat, waren die riesigen Projektionen. Die Breitwandbühne ist für meine Begriffe eben nicht in allen Teilen der geeignetste Ort für den Rosenkavalier. Aber vielleicht empfindet man das, wenn man dabei ist, nicht so. Aber ansonsten durchaus ein Lichtblick in der trüben Soße der heutigen Inszenierungen.

Lieber Gerhard,

danke für den Hinweis. Erst durch Deinen Beitrag wurde mir bewusst, dass die Großprojektionen in der Tat zu dominant waren. Sie belasteten, ja zerstörten häufig den intimen Charakter des Werkes. Nicht immer sind im Grunde gut gelungene Bilder im Zusammenspiel der Medien förderlich. Es geht nicht ums Einzelne, sondern ums Ganze. Du hast ein Licht der Erkenntnis bei mir entzündet. Gleich werde ich mit Ingrid darüber diskutieren, der Abend ist gerettet. Dank sei Dir und dem Taminoforum.

herzlichst
Dein
Operus
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48

Samstag, 5. September 2015, 22:49

danke für den Hinweis. Erst durch Deinen Beitrag wurde mir bewusst, dass die Großprojektionen in der Tat zu dominant waren. Sie belasteten, ja zerstörten häufig den intimen Charakter des Werkes.

Das ist halt der Unterschied zwischen live und Fernsehen: Was im Fernsehen nicht so recht überzeugend war (und Gerhard hatte es ja nur im Fernsehen gesehen), störte mich im Großen Festspielhaus überhaupt nicht (und dich ja wohl auch nicht, sonst hättest du es ja gleich geschrieben und nicht erst nach Gerhards Hinweis darauf), ganz im Gegenteil! Diese riesige Bühne muss man ja auch bei einem solch intimen Werk erst einmal sinnvoll füllen und ich habe in diesem Großen Festspielhaus noch kein überzeugenderes Bühnenbild gesehen als dieses.

Meine Eindrücke hatte ich hier beschrieben:

Eure liebsten Opernregisseure
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operus

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Sonntag, 6. September 2015, 09:35

Lieber Stimmenliebhaber,

"Wie sich die Bilder gleichen"! Nachdem ich jetzt Deinen Bericht vom Salzburger "Rosenkavalier" nochmals las war ich überrascht, wie übereinstimmend unsere Eindrücke und Aussagen über die Aufführung - die wir zu unterschiedlichen Terminen besuchten - doch waren. Ich hätte mir fast meinen Bericht sparen können.
In der Reflexion kamen bei mir fast kuriose Fragen auf: Beeinflusst jahrelange, aktive Mitarbeit im Forum mit Diskussionen über Aufführungen, Regisseure, Sänger Dirigenten die eigene Meinung und Einstellung? Bildet sich so etwas wie ein Tamino-Meinungsbild heraus? Wie weit prägt es, wenn ich zum Beispiel X-mal in Beiträgen lese, "dieser Tenor zeichnet sich durch... aus, seine Stimme ist hervorragend geführt, spricht in allen Lagen gut an, strahlt in der Höhe usw." Entsteht jetzt so etwas wie eine unterschwellige, unausgesprochene kollektive Tamino-Grundhaltung? Inwieweit prägen die Tamino-Partner, die als Experten anerkannt werden, unsere Einstellungen? Weit banaler ausgedrückt: In welchem Maße beeinflusst und verändert das Tamino-Klassikforum unsere Meinung, unsere Einstellung und unsere Urteile?

Herzlichst
Operus
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Stimmenliebhaber

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Sonntag, 6. September 2015, 09:48

"Wie sich die Bilder gleichen"! Nachdem ich jetzt Deinen Bericht vom Salzburger "Rosenkavalier" nochmals las war ich überrascht, wie übereinstimmend unsere Eindrücke und Aussagen über die Aufführung - die wir zu unterschiedlichen Terminen besuchten - doch waren.
Lieber Operus,

ja, das dachte ich auch sofort, als ich deinen Bericht las.


Ich hätte mir fast meinen Bericht sparen können.
Das wäre sehr schade gewesen, weil ich dann nicht dieses Aha-Erlebnis ("Wie sich die Bilder gleichen") gehabt hätte.


In der Reflexion kamen bei mir fast kuriose Fragen auf: Beeinflusst jahrelange, aktive Mitarbeit im Forum mit Diskussionen über Aufführungen, Regisseure, Sänger Dirigenten die eigene Meinung und Einstellung? Bildet sich so etwas wie ein Tamino-Meinungsbild heraus? Wie weit prägt es, wenn ich zum Beispiel X-mal in Beiträgen lese, "dieser Tenor zeichnet sich durch... aus, seine Stimme ist hervorragend geführt, spricht in allen Lagen gut an, strahlt in der Höhe usw." Entsteht jetzt so etwas wie eine unterschwellige, unausgesprochene kollektive Tamino-Grundhaltung? Inwieweit prägen die Tamino-Partner, die als Experten anerkannt werden, unsere Einstellungen? Weit banaler ausgedrückt: In welchem Maße beeinflusst und verändert das Tamino-Klassikforum unsere Meinung, unsere Einstellung und unsere Urteile.
Das ist vielleicht ein wenig übertrieben. Wir lesen hier viel und lesen auch woanders (in den üblichen Medien usw.) viel, trotzdem gibt es ja gerade in Bezug auf Oper bei "Tamino" viele unterschiedliche Auffassungen und Bewertungen, also vermutlich auch unterschiedliche Wahrnehmungen. Nun verbinden gemeinsam Live-Erlebnisse im Opernhaus ganz selten Taminos, eher schon Fernsehübertragungen, die aber eben doch einen anderen Eindruck erwecken, als wenn man live drin sitzt und durch zig Sachen, durch die man zu Hause abgelenkt ist, nicht abgelenkt ist. Die Unmittelbarkeit des Erlebnisses ist eine andere und die vorgegebene Bildregie im Fernsehen macht die Inszenierung zu einer anderen. :hello:
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Gerhard Wischniewski

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Sonntag, 6. September 2015, 16:01

Zitat

Zitat von Operus: Beeinflusst jahrelange, aktive Mitarbeit im Forum mit Diskussionen über Aufführungen, Regisseure, Sänger Dirigenten die eigene Meinung und Einstellung?
Lieber Hans,

ich glaube nicht, dass sich ein einheitliches Meinungsbild herausbildet, dafür sind die Meinungen zu unterschiedlich und sollen es auch sein. Ich sehe den Einfluss vielmehr darin, dass man durch die Beiträge im Forum auf vieles aufmerksam gemacht wird, was man selbst nicht in dieser Weise beachtet hat. Die Denkanstöße führen also eventuell dazu, dass sich der Gesichtskreis des Einzelnen erweitert. Ich habe in den 4 1/2 Jahren nicht nur sehr viel Neues hinzugelernt, sondern eben auch den Anstoß bekommen, über Verschiedenes nachzudenken, was ich bisher kaum betrachtet habe. Und vielleicht habe ich auch manchem anderen einen Denkanstoß geben können. Zusammengefasst: Das Forum hat unser Denken doch erheblich befruchtet, ohne dass die Einzelnen ihre grundsätzliche Meinung geändert haben.

Lieber Stimmenliebhaber,

was du vom Fernsehen sagst, mag richtig sein, vor allem, weil man ja auch nicht immer das Gesamtbild zu sehen bekommt. Dennoch lässt sich eine Meinung grundsätzlich von dem Gezeigten ableiten. Es ist bei mir auch nicht so, dass ich mich von dem häuslichen Umfeld ablenken lasse. Wenn ich nicht die Zeit und Muße habe, mich vor den Fernseher zu setzen und intensiv zuzuschauen, dann nehme ich mir die Inszenierung auf und schaue sie in einer Mußestunde an. Hier in diesem Falle muss ich allerdings sagen, dass mir diese mächtigen Projektionen doch - wie ich damals schrieb - doch ein wenig die Intimität des Werkes zerschlagen haben. Es ist für den Regisseur - wie du sagst - sicherlich nicht leicht, bei diesem Werk eine solche Breitwandbühne sinnvoll zu füllen. Mich hat jedoch diese Art des Füllens nicht überzeugen können, obwohl ich sonst von der Inszenierung durchaus angetan war.

Liebe Grüße
Gerhard
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

Stimmenliebhaber

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Sonntag, 6. September 2015, 17:36

Hier in diesem Falle muss ich allerdings sagen, dass mir diese mächtigen Projektionen doch - wie ich damals schrieb - doch ein wenig die Intimität des Werkes zerschlagen haben. Es ist für den Regisseur - wie du sagst - sicherlich nicht leicht, bei diesem Werk eine solche Breitwandbühne sinnvoll zu füllen. Mich hat jedoch diese Art des Füllens nicht überzeugen können, obwohl ich sonst von der Inszenierung durchaus angetan war.

Und der Grund ist der, dass du nicht drin warst und deshalb überhaupt nicht die Chance hattest, diese eindrucksvollen Projektionen dauerhaft(!) im Raum auf dich wirken zu lassen. Ich habe dir ja voraus, sowohl die Fernsehübertragung als auch eine Live-Aufführung gesehen zu haben. Bei der Fernsehübertragungen wirkten die immer mal kurz zu sehenen Ausschnitte(!) dieser Bilder wie Fremdkörper, im Raum machten sie aber großen Sinn. Schavernoch hat sein Bühnenbild nicht primär für die Fernsehübertragung samt Bildregie mit vielen Nahaufnahmen erstellt, sondern für den Raum, und das ist etwas völlig Anderes, das musst du mir jetzt einfach glauben. Bei der Fernsehübertragung fand ich diesen Teil des Bühnenbildes auch etwas merkwürdig und nicht so ganz zum Rest passend, aber im Saal selbst war das Ganze plötzlich eine runde und vor allem stimmige Sache. :yes:
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operus

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Sonntag, 6. September 2015, 19:18

Und der Grund ist der, dass du nicht drin warst und deshalb überhaupt nicht die Chance hattest, diese eindrucksvollen Projektionen dauerhaft(!) im Raum auf dich wirken zu lassen. Ich habe dir ja voraus, sowohl die Fernsehübertragung als auch eine Live-Aufführung gesehen zu haben. Bei der Fernsehübertragungen wirkten die immer mal kurz zu sehenen Ausschnitte(!) dieser Bilder wie fremdkörper, im Raum machten sie aber großen Sinn. Schavernoch hat sein Bühnenbild niht primär für die Fernsehübertragung samnt Bildregie mit vielen Nahaufnahmen erstellt, sondern für den Raum, und das ist etwas völlig Anderes, das musst du mir jetzt einfach glauben. Bei der Fernsehübertragung fand ich diesen Teil des Bühnenbildes auch etwas merkwürdig und nicht so ganz zum Rest passend, aber im Saal selbst war das Ganze plötzlich eine runde und vor allem stimmige Sache.

Diese sehr schlüssige Argumentation von Stimmenliebhaber löste den Widerspruch bei mir auf und überzeugte mich vollends. Wieder ein Beispiel dafür, welchen Erkenntniszuwachs unsere Diskussionen doch bringen.

Herzlichst
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Gerhard Wischniewski

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Sonntag, 6. September 2015, 19:36

Lieber Stimmenliebhaber,

ich glaube dir. Ich habe ja deshalb in meinem Beitrag Nr. 46 bereits gesagt, dass man das, wenn man dabei ist, vielleicht anders empfindet.

Liebe Grüße
Gerhard
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(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)