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Don_Gaiferos

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Beiträge: 1 275

Registrierungsdatum: 4. Juni 2013

1

Montag, 23. Dezember 2013, 09:39

James McCracken - dramatischer Tenor, der kaum Wagner sang

James McCracken -
Das erste Mal, als ich ihn hörte, war mehr durch Zufall - ich hatte eine Audio-Kassette mit italienischen Opernchören geschenkt bekommen, und beim Glockenchor aus I Pagliacci hörte ich diesen einzigen Tenoreinwurf, den es in diesem Stück gab "Ma poi, ricordatevi, a veintitre ore!", und diese einzige Phrase elektrisierte mich, so dass ich die Kassette immer. und immer wieder zurückspulte...
Was ich hörte, war eine Stimme, die mächtig und überwältigend war, satt in der Tiefe, von strahlendem squillo in der Höhe, mit einem Volumen und einer Durchschlagskraft, einem prachtvollen, farbenreichen Timbre, dass es eine Wonne war.

Diese Stimme gehörte James McCracken, der von manchen Kritikern als der größte amerikanische Tenor bezeichnet wird - und das, obwohl er nur sehr wenig Wagner gesungen hat, aus Angst, dadurch seine Höhe einzubüßen. Dafür war er umso erfolgreicher in anderen Rollen, v.a. als Othello.

1926 geboren, gelangte er nach Anfangsjahren am Broadway an die MET, entschloss sich, ab 1957 seine Gesangstechnik in Europa zu verbessern, weitere Stationen waren Bonn und Zürich, in Konstanz studierte er lt. engl. wikipedia bei Elsa Seyfert. Den Rest seiner Karriere trat er v.a. als feste Größe immer wieder in der MET auf, auch wenn es mindestens zweimal zu größeren Streitigkeiten kam (einmal ging es darum, dass er fast nur Nebenrollen singen durfte, ein anderes Mal um eine TV-Produktion, die man ihm zugesagt hatte und bei der er dann doch außen vor blieb), weswegen er dem New Yorker Opernhaus zeitweilig den Rücken kehrte. Auch in Salzburg und Wien sang er öfter.

An seiner Stimme scheiden sich die Geister. Manche kritisieren seine unorthodoxe Gesangstechnik oder den Klang seiner Stimme, viele waren und sind von ihm beeindruckt, zumal er auch eine beeindruckende Erscheinung auf der Bühne gewesen sein muss.

Er starb 1988 mit nur 61 Jahren nach mehreren Schlaganfällen.



Aufgrund vertraglicher Querelen ist die Zahl seiner Plattenaufnahmen leider recht überschaubar.

Beethoven: Fidelio / Lorin Maazel, Birgit Nilsson, Mccracken, Tom Krause




Bizet: Carmen / Leonard Bernstein, Marilyn Horne, Adriana Maliponte, Tom Krause



Meyerbeer: Le Prophete / Henry Lewis, Marilyn Horne, Renata Scotto, Mccracken



Schoenberg: Gurrelieder / Seiji Ozawa, Jessye Norman, Tatiana Troyanos, Werner Klemperer



sowie mit dem LSO unter Stokowski



Verdi: Otello / John Barbirolli, Mccracken, Gwyneth Jones, Dietrich Fischer-Dieskau



Es gibt ein Album mit irischen und schottischen Liedern, das aber wohl leider nicht mehr erhältlich ist, daher hier leider nur das Coverbild ohne Link:

, hier ein Beispiel auf youtube:

James McCracken - Kathleen Mavourneen


Ein Porträt Album mit verschiedenen Arien



Wer ihn einmal gehört hat, wird diese eigenwillige, ungemein kraftvolle, üppige, verschwenderisch leuchtende Stimme nicht mehr vergessen. Leider ist James McCracken bereits mit Anfang 60 gestorben. In seinen
Aufnahmen lebt er weiter. Bravo, Jimmy!

9079wolfgang

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Beiträge: 7 153

Registrierungsdatum: 15. April 2010

2

Montag, 23. Dezember 2013, 10:53

Hallo, Don Gaiferos!

Ich habe McCracken mehrmals in Bonn erlebt und war von seiner Stimme sehr angetan. Warum er niemals (oder kaum) Wagner sang, entzieht sich meiner Kenntnis. Als Florestan finde ich ihn nicht ideal, aber in Verdi-Partien gehörte er m. E. doch zu den besten Tenören.


Gruß Wolfgang
W.S.

Don_Gaiferos

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Beiträge: 1 275

Registrierungsdatum: 4. Juni 2013

3

Montag, 23. Dezember 2013, 12:27

Lieber Wolfgang,

danke für Deine Antwort. Ich habe in einem Interview folgende Aussage gefunden:

"(...)At a certain point, a lot of Wagner was being offered to me. I had to say no if I wanted to keep my high notes, and keep singing what I was singing. I have a theory that there's just not enough high notes in Wagner for a real tenor to stay a real tenor. So that's one of the reasons I haven't done much Wagner. I did Tannhäuser, but that was the only one. And it was early. I suppose had it been offered to me somewhat later and under the right auspices, I might've done it. But I was having too much fun doing the Trovatores and the Aïdas and so forth."

Das ganze Interview findet sich hier:

link

Ich übersetze: "Zu einem gewissen Zeitpunkt wurden mir viele Wagnerrollen angeboten. Ich musste ablehnen, wenn ich meine Spitzentöne behalten wollte, und musste weiterhin die Rollen singen, die ich bisher gesungen hatte. Ich habe die Theorie, dass es in Wagnerrollen nicht genug hohe Noten gibt, damit man als echter Tenor auch ein echter Tenor bleibt. Das ist einer der Gründe, warum ich nicht viel Wagner gesungen habe. Ich habe den Tannhäuser gesungen, aber das war die einzige Rolle. Und das war sehr früh. Ich nehme an, hätte man mir die Rolle später angeboten und mit den richtigen Rahmenbedingungen, hätte ich es vielleicht getan. Aber ich hatte eh gerade so viel Spaß mit all den Trovatores und Aidas und so weiter."

Eine eigenwillige Theorie, die er da vorträgt, aber nun ja. Ansonsten beneide ich Dich, dass Du ihn live erlebt hast, ich kenne ihn leider nur von Tonträgern.

Erich Ruthner

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Beiträge: 2 000

Registrierungsdatum: 19. März 2009

4

Montag, 23. Dezember 2013, 22:50

Ich konnte diesen Ausnahmesänger in Wien oft hören: unvergessen sind mir sein beeindruckender Canio und Othello sowie sein fulminanter Bacchus.

:angel: :angel: :angel:

Erich
Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

Don_Gaiferos

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Beiträge: 1 275

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5

Dienstag, 24. Dezember 2013, 02:26

Lieber Erich,

ich glaube gerne, dass dies sehr eindrucksvolle Erlebnisse waren. Gerade als Othello war er offensichtlich recht gefragt. Von daher möchte ich gerne dazu einladen, diesem Ausschnitt aus der Met lauschen, in dem James McCracken zusammen mit Zinka Milanov einen Ausschnitt aus dieser Oper zu Gehör bringt. Trotz der eingeschränkten Tonqualität ist diese live - Aufnahme m. E. ein interessantes Zeugnis.


Manfred

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6

Mittwoch, 29. April 2015, 20:20

Ich stoße gerade auf den James McCracken-Thread und möchte auf die in der tollen "Decca Most Wanted Recitals"-Serie erschienene CD-Premiere hinweisen. Die Klangqualität ist außerordentlich gut.

"Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
Enrico Caruso

"Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
Giuseppe di Stefano

Milletre

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  • »Milletre« ist männlich

Beiträge: 1 388

Registrierungsdatum: 18. März 2008

7

Freitag, 1. Mai 2015, 00:13

McCracken durfte ich in Wien öfter hören, wo er im italienischen Fach (Kalaf, Otello, Manrico ...), aber auch in Fidelio und Ariadne fulminante Auftritte hinlegte. Seine eher schwere, eigenartig timbrierte Stimme mit elektrisierende Höhe fand hier ein begeistertes Publikum.

Den Tannhäuser sang er ein einziges Mal (Met, 1977) unter Levine mit der großartigen Leonie Rysanek, Grace Bumbry, McCurdy als Landgraf und Bernd Weikl als Wolfram, was zugleich auch dessen Met-Debüt war. Ich schätze mich glücklich, eine Aufnahme dieser denkwürdigen Produktion zu besitzen.
Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

Caruso41

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8

Freitag, 1. Mai 2015, 12:15

Ich stoße gerade auf den James McCracken-Thread und möchte auf die in der tollen "Decca Most Wanted Recitals"-Serie erschienene CD-Premiere hinweisen. Die Klangqualität ist außerordentlich gut.

Lieber Manfred,

die Duette habe ich auf LP aber lange nicht mehr gehört! Dass man neben McCracken hier immer seine Ehefrau hören muss, ist schon ein bitter!

In den 60er Jahren haben beide ja öfter in Berlin gesungen. In Meyerbeers Prophet, in Verdis Aida und so weiter!

McCracken war zu der Zeit noch wirklich eindrucksvoll!
Frau Warfield war leider alles andere als ein Vergnügen! Sie sang übrigens in der großartigen Wieland-Wagner-Inszenierung tatsächlich sowohl Aida als auch Amneris - in ein und der selben Spielzeit! Was Karl Böhm damals über sie sagte, kann man in einem Internetforum, zu dem auch Jugendliche Zutritt haben, beim besten Willen nicht zitieren!

Aber für den Preis, werde ich mir die von Dir eingestellte CD wohl doch bestellen!

Beste Grüße

Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

9079wolfgang

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Beiträge: 7 153

Registrierungsdatum: 15. April 2010

9

Freitag, 1. Mai 2015, 12:41

Zitat

Ich stoße gerade auf den James McCracken-Thread und möchte auf die in der tollen "Decca Most Wanted Recitals"-Serie erschienene CD-Premiere hinweisen. Die Klangqualität ist außerordentlich gut.

Mein lieber Manfred!

Eine interessante Aufnahme. Für den Preis kann man wahrlich nicht viel verkehrt machen, wenn man McCracken hören will. Sandra Warfield reißt mich allerdings nicht vom Hocker!


Gruß Wolfgang
W.S.

Manfred

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10

Freitag, 1. Mai 2015, 13:47

Dass man neben McCracken hier immer seine Ehefrau hören muss, ist schon ein bitter!

In den 60er Jahren haben beide ja öfter in Berlin gesungen. In Meyerbeers Prophet
Lieber Caruso, lieber Wolfgang,

ja, das stimmt, Sandra Warfield bereitet wirklich nicht unbedingt Hörvergnügen.

Gestern hörte ich McCracken in Meyerbeers "Prophet". Der u. a. Mitschnitt scheint wohl nirgendwo mehr erhältlich zu sein. McCracken schlägt sich erstaunlich gut. An diese Leistung kommt er in der Studioeinspielung nicht heran. Hollreiser gibt zudem richtig Gas! Kennt ihr diese Aufnahme?

1966 Heinrich Hollreiser; Chor & Orchester der Berliner Staatsoper

Berthe: Annabelle Bernard

Fidès: Sandra Warfield

Jean de Leyden: James McCracken

Jonas: Otto Heuer

Le Comte Oberthal: Victor von Halem

Mathisen: Tomislav Neralic

Zacharie: Peter Lagger

GAM 302 (3 LP) (live)

Gruß
Manfred
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9079wolfgang

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  • »9079wolfgang« ist männlich

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11

Freitag, 1. Mai 2015, 14:00

Hallo, Manfred!

Ich besitze eine Gesamtaufnahme Meyerbeers "Prophet". Leider ist die LP-Box auf anhieb nicht zu finden und die Besetzung mir momentan nicht bekannt. Sollte ich in meinem Fundus auf die Aufnahme stoßen, melde ich mich. Rein gefühlsmäßig würde ich aber auf eine andere Besetzung tippen. Mir schwebt eine Box der CBS vor.





Gruß Wolfgang
W.S.

Caruso41

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Beiträge: 4 342

Registrierungsdatum: 19. November 2010

12

Freitag, 1. Mai 2015, 14:05

Gestern hörte ich McCracken in Meyerbeers "Prophet". Der u. a. Mitschnitt scheint wohl nirgendwo mehr erhältlich zu sein. McCracken schlägt sich erstaunlich gut. An diese Leistung kommt er in der Studioeinspielung nicht heran. Hollreiser gibt zudem richtig Gas! Kennt ihr diese Aufnahme?

Lieber Manfred,

ich habe sie auf Tape, kann sie aber nicht mehr hören, weil das Band im Laufe der Jahre arg gelitten hat. Es läuft nicht mehr ungefährdet durch die Revox!

Vor allem aber habe ich die Aufführung in der sehr sonderbaren Herlischka-Inszenierung mehrmals live gehört!!!

McCracken war damals wirklich ein Ereignis!!!!
"In the flesh" sicher entschieden mehr als sich über den Mitschnitt vermittelt!
Auch Annabelle Bernard war damals eine echte Entdeckung!
Das Problem ist eben leider Warfield als Fides!!!
Auch die vielen Striche sind sehr schade!

Trotzdem: Ich wäre schon interessiert, eine technisch befriedigende Kopie des Mitschnittes zu haben.
Es gibt den Mitschnitt bei Musicstack auf CD, aber die haben oft arg bescheidene Qualität!
Sonst werden wohl nur MP3-Downloads angeboten! Und da bin ich vorsichtig!



Beste Grüße

Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!