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Helmut Hofmann

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Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

691

Montag, 3. Februar 2014, 20:57

Zit:“ Meine Kenntnisse über die Technik der modernen Lyrik sind aber leider gleich Null …“

Ach, lieber hami, ich bin auch nicht klüger und wissender im Umgang mit moderner Lyrik, - vielleicht nur ein wenig geübter. Aber Übung macht in diesem Fall – wie überhaupt in allem Umgang mit Kunst – bestimmt nicht den Meister. Es ist tatsächlich, wie Du es ja - fast wie in einer Geste der Entschuldigung - bekennst, im Grunde eine Sache der unmittelbaren emotionalen Rezeption von Sprache.

Schön finde ich, dass man im Tamino-Forum Kunst in ihrer gleichsam originären Gestalt unmittelbar begegnen kann: In diesen Gedichten von klingsor. Ich empfinde das wie eine Art Ausgleich zu der permanenten Reflexion über Musik in Gestalt des Kunstliedes, der ich mich hier verschrieben habe. Reflexion und Dialog über Musik sind ja der eigentliche Gegenstand dieses Forums. Aber das ufert zuweilen doch in einen argen Grad von Gedanklichkeit aus, von den üblen Verunstaltungen des Diskurses, wie man sie gerade hier wieder einmal erlebt hat, einmal ganz abgesehen. Dabei ist das Nachdenken über Kunst und Musik doch so schön. Denn es rührt, wie Schopenhauer das einmal sehr klug formuliert hat, an das Geheimnis dieser Welt. Und zwar deshalb, weil Musik und Dichtung diese Welt nicht einfach abbilden, sondern das sind, wovon die Welt eigentlich nur Erscheinung ist.

Und deshalb braucht der Dialog über Kunst, wie er sich hier eignet – oder ereignen sollte, wie ich aus gegebenem Anlass gerade denke - gleichsam eine Kompensation durch die reflexiv ungebrochene Begegnung mit ihr, um nicht zur schattenhaften „Gedanken-Blässe“ zu werden. Diese Begegnung kann das Hören von Musik in der Realisation des Konzerts sein, oder eben das Lesen von Lyrik, wie klingsor sie hier den Mitgliedern und „Nutzern“ dieses Forums bietet.

klingsor

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692

Donnerstag, 27. Februar 2014, 18:04

vielen dank euch beiden für die intensivere beschäftigung mit dem gedicht, die diskussion und die klugen worte!
leider eben erst gesehen ...
ich freue mich und stimme zu. :)
--- alles ein traum? ---

klingsor

klingsor

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693

Donnerstag, 3. April 2014, 17:39




Aria V: Dein Ohr


Mondsicheln,
in Schläge verspannt

Ein Gang
umspielt rau

Schall
schleift die Sinne,
und ein Ton
greift ins Gesicht

In Muscheln
kauert das Lachen

und sein Tasten
wird taub



(c) 21.IV.2013
J. B.
--- alles ein traum? ---

klingsor

klingsor

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694

Montag, 14. April 2014, 00:44

Nur ein Flügel


Nur einen Flügel,

um mich
aus dem Himmel
auszulösen

Nur einen,

um als Du
in Erde
aufzusteh’n

Ja, einen nur,

ein Fallen

und einen
kurzen

bloßen Schnitt



(c) 21.IV.2013
J. B.
--- alles ein traum? ---

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zweiterbass

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695

Montag, 14. April 2014, 23:46

OT
Das Gedicht bringt mir die Erinnerung an die Filme "Der Himmel über Berlin" und "Stadt der Engel" zurück.
zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

klingsor

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696

Sonntag, 11. Mai 2014, 22:43

Lichtgeflüster


Lichtgeflüster

Nachtfersen geh’n,
und uns’re Arme
belauschen sich leicht

Sie streichen
die Wipfel

und auf dem Weg in die Augen

tasten sie Himmel
und einen Schwall

voll Mond



(c) 26.IV.2014
J. B.
--- alles ein traum? ---

klingsor

klingsor

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697

Donnerstag, 22. Mai 2014, 19:17

finale Fassung

Schattenriß


Kreisbild aus Büsten,
schwarzes Papier -
zwei Köpfe
treibt man heraus

Verletzt wird ein Dunkel:
Ein Umriß aus Klingen,
und Daumen
haben Boden verlor’n

Blind sind Figuren;
Muster verenden -
allein ein Schnitt gibt noch frei:

Das Schattenspiel lügt,
und im Halbrund der Leiber
legt eine Schere

ein Schwarz über Kreuz



(c) 24. V. 2009
J. B.
--- alles ein traum? ---

klingsor