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operus

Ehrenpäsident und Außenminister

  • »operus« ist männlich

Beiträge: 5 368

Registrierungsdatum: 14. Mai 2008

31

Montag, 27. Mai 2013, 10:33

Lieber Thomas,

Ausstrahlung haben die meisten Künstler, die solistisch bei renommierten Orchestern oder Opernhäusern auftreten dürfen. Bei der Fülle des Angebots von Talenten sind Soloauftritte fast schon ein Lottogewinn. Bei mir als Mitverantwortlichem bei der Solistenauswahl des Heilbronner Sinfonie Orchesters landen wöchentlich einige Bewerbungen junger Künstler auf dem Schreibtisch. Ein Teil davon würde sogar kostenlos auftreten, nur um spielen zu dürfen, was für uns auch aus sozialer Verantwortung allerdings niemals in Frage kommt.
Nur und da hast Du recht: Garrett und Lang Lang haben das aaa-Gen, das heißt, sie sind anders als alle anderen und das hebt sie aus der Vielzahl des Angebots heraus und begründet ihre Besonderheit.

Herzlichst
Operus
Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

Felix Meritis

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Beiträge: 2 208

Registrierungsdatum: 8. Juli 2012

32

Montag, 27. Mai 2013, 10:50

Es gibt aber schon krasse Fälle. Naida Cole, eine kanadische Pianistin, die 2001-03 zwei hochgelobte Platten bei Decca aufgenommen hat und aussieht wie ein Fotomodell (jedenfalls auf den Covern) hat mit Anfang 30 den Konzertbetrieb verlassen, um Medizin zu studieren... sie konzertiert wohl noch sporadisch, aber nicht mehr in professionellem Umfang und neuere Aufnahmen sind mir keine bekannt.

Da ich früher regelmäßiger Besucher des von Gidon Kremer geleiteten Kammermusikfestivals in Lockenhaus (Burgenland, Ö) war, kenne ich einige dieser angeblich "ausgepressten" Jungstars aus direkter Anschauung. Unter anderem auch Nadia Cole, welche ich zwei mal hörte, und zwar ausschließlich mit komplexem, wenig populärem Repertoire aus dem 20. Jahrhundert (an Bartók kann ich mich noch genau erinnern). Ich denke nicht, dass die Wahl dieser Stücke auf ein "Sternchen" schließen lässt. Für einen Ausstieg kann es viele Gründe geben: psychische, familiäre, etc.. Dieses Festival lässt übrigens nicht nur modernes Randreperoire erklingen (natürlich schon vermehrt):, denn z.B Sol Gebetta habe ich dort mehrere Male gehört und zwar mit absolutem Mainstreamrepertoire wie Brahms e-Moll Cellosonate oder Vivaldi Cellosonate a-Moll.

moderato

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  • »moderato« ist männlich

Beiträge: 5 170

Registrierungsdatum: 14. November 2010

33

Montag, 27. Mai 2013, 20:51


Von Gidon Kremer ist dieses lesenswerte Buch erschienen: Briefe an eine junge Pianistin. Ich empfehle die Lektüre allen, die sich aus der Sicht des Musikers mit dem Thema dieses Threads auseinandersetzen möchten.

Zitat aus der Produktinformation:
"Das Gespräch nach einem Konzert mit einer jungen, hochtalentierten Pianistin lässt dem Maestro keine Ruhe und er schreibt ihr zehn Briefe: Briefe über die Kunst und den Verrat, den sie an ihrem Talent beginge, wenn sie sich von der Karriere verführen ließe. "Das Spiel ist gefährlich, und auch der Weg. Auf dem Markt zu sein, sich von anderen einschätzen und verkaufen zu lassen, ihrer Wahl, ihren Absichten, den Versprechungen der Manager oder dem Geschmack des Publikums zu vertrauen - all das kann man nur, solange die Lust am Glücksspiel größer ist als der Wunsch, "Gutes zu bewirken", denn davon haben Sie, als Ihrem Ziel, überzeugend gesprochen. Wir spielen um das Gute (Bei A. Puschkin heißt es: 'Und gute Gefühle habe ich erweckt mit meiner Lyra'). Warum es verheimlichen? - Ich habe mich in meiner Jugend auch von Ambitionen leiten lassen. Habe nicht immer verstanden, Versuchungen zu widerstehen. Natürlich. Ich hielt es lange für wichtig, an von Publizität und Starruhm strotzenden Festivals teilzunehmen. Ich glaubte, es sei eine Ehre, im renommierten Salzburg eingeladen zu werden, oder im Schweizer Verbier mit meiner Teilnahme meine Freunde zu unterstützen. Nichts dergleichen. Blind folgte ich dem Rausch des beau monde oder den Ambitionen der Veranstalter, möglichst viele Stars mit 'Namen' zusammenzubringen und sie nach kürzester Probenzeit gemeinsam auftreten zu lassen - das diente weit mehr dem <Jahrmarkt der Eitelkeiten> als der Musik. Die Schlacht mit den eigenen Zweifeln und Versuchungen ist in Wirklichkeit nur dann zu gewinnen, wenn das Ziel und auch das Ergebnis nichts mit Selbstbeweihräucherung zu tun haben."
Zitatende
.
Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer

Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
.

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 504

Registrierungsdatum: 12. August 2005

34

Montag, 27. Mai 2013, 21:00

Es gibt aber schon krasse Fälle. Naida Cole, eine kanadische Pianistin, die 2001-03 zwei hochgelobte Platten bei Decca aufgenommen hat und aussieht wie ein Fotomodell (jedenfalls auf den Covern) hat mit Anfang 30 den Konzertbetrieb verlassen, um Medizin zu studieren... sie konzertiert wohl noch sporadisch, aber nicht mehr in professionellem Umfang und neuere Aufnahmen sind mir keine bekannt.
Da ich früher regelmäßiger Besucher des von Gidon Kremer geleiteten Kammermusikfestivals in Lockenhaus (Burgenland, Ö) war, kenne ich einige dieser angeblich "ausgepressten" Jungstars aus direkter Anschauung. Unter anderem auch Nadia Cole, welche ich zwei mal hörte, und zwar ausschließlich mit komplexem, wenig populärem Repertoire aus dem 20. Jahrhundert (an Bartók kann ich mich noch genau erinnern). Ich denke nicht, dass die Wahl dieser Stücke auf ein "Sternchen" schließen lässt. Für einen Ausstieg kann es viele Gründe geben: psychische, familiäre, etc..
Ich wollte auch keineswegs nahelegen, es habe sich bei Cole um ein Sternchen gehandelt; ich kenne keine ihrer Platten, aber obwohl sie auf den Covern natürlich in Szene gesetzt wird, sollen die wohl auch musikalisch ziemlich gut sein (hauptsächlich Ravel, soweit ich erinnere). Evtl. findet man auch ein Statement, warum sie ausgestiegen ist, im Netz. Das war anscheinend wohl überlegt und kein Zusammenbruch oder eine Kurzschlusshandlung. Sie hatte wohl keine Lust auf den Rummel und die letztliche Unsicherheit einer Virtuosenkarriere.


Felix Meritis

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  • »Felix Meritis« wurde gesperrt

Beiträge: 2 208

Registrierungsdatum: 8. Juli 2012

35

Montag, 27. Mai 2013, 22:20

Es gibt aber schon krasse Fälle. Naida Cole, eine kanadische Pianistin, die 2001-03 zwei hochgelobte Platten bei Decca aufgenommen hat und aussieht wie ein Fotomodell (jedenfalls auf den Covern) hat mit Anfang 30 den Konzertbetrieb verlassen, um Medizin zu studieren... sie konzertiert wohl noch sporadisch, aber nicht mehr in professionellem Umfang und neuere Aufnahmen sind mir keine bekannt.
Da ich früher regelmäßiger Besucher des von Gidon Kremer geleiteten Kammermusikfestivals in Lockenhaus (Burgenland, Ö) war, kenne ich einige dieser angeblich "ausgepressten" Jungstars aus direkter Anschauung. Unter anderem auch Nadia Cole, welche ich zwei mal hörte, und zwar ausschließlich mit komplexem, wenig populärem Repertoire aus dem 20. Jahrhundert (an Bartók kann ich mich noch genau erinnern). Ich denke nicht, dass die Wahl dieser Stücke auf ein "Sternchen" schließen lässt. Für einen Ausstieg kann es viele Gründe geben: psychische, familiäre, etc..
Ich wollte auch keineswegs nahelegen, es habe sich bei Cole um ein Sternchen gehandelt; ich kenne keine ihrer Platten, aber obwohl sie auf den Covern natürlich in Szene gesetzt wird, sollen die wohl auch musikalisch ziemlich gut sein (hauptsächlich Ravel, soweit ich erinnere). Evtl. findet man auch ein Statement, warum sie ausgestiegen ist, im Netz. Das war anscheinend wohl überlegt und kein Zusammenbruch oder eine Kurzschlusshandlung. Sie hatte wohl keine Lust auf den Rummel und die letztliche Unsicherheit einer Virtuosenkarriere.


Ich weiß natürlich auch nicht mehr als Du, aber ich könnte mir schon vorstellen, dass sie keine Lust hatte, den Wünschen der Musikindustrie zu folgen. Vielleicht hatte sie keine Lust auf Rachmaninow, Tschaikowsky, etc..

Bartolifan

Schüler

  • »Bartolifan« ist weiblich

Beiträge: 117

Registrierungsdatum: 6. August 2012

36

Montag, 1. Juli 2013, 15:19

Ich weiß nicht, ob es dazu inzwischen Statistiken gibt, aber ich halte es inzwischen für falsch, dass "die Älteren" automatisch zu Klassikhörern werden. Ich vermute, dass die (überwiegende) Mehrzahl der Klassikhörer relativ jung (bis etwa Anfang 20) zu solchen geworden sind. Selbst bei solchen, bei denen Klassik erst später den Schwerpunkt bildete, gab es meistens ein gewisses Interesse schon vorher, das dann vorübergehend in den Hintergrund getreten ist. D.h., die heute 50-80jährigen haben normalerweise nicht mit 40 begonnen, Klassik zu hören, sondern eben auch als Teenager oder ein wenig später.
Zwar gibt es wohl auch eine Gruppe von Hörern, die in etwas fortgeschrittenem Alter (zwischen Ende 20 und 40 oder so) zur Klassik kamen, weil sie dann endgültig der Popmusik ihrer Jugend überdrüssig wurden oder eben mal Neues entdecken wollten. Aber das ist m.E. nicht die Mehrheit und auch wenn ich nicht an eine genetische Festlegung glaube, so werden viele Interessen und Abneigung in der Jugend festgelegt und die meisten Menschen werden spätestens ab 40 mental und überhaupt immer weniger flexibel (ich darf das sagen, weil ich inzwischen selbst dazu gehöre, jedenfalls vom Alter her, ob von der mentalen Flexibilität mögen andere beurteilen )

Insofern ist das Argument, dass man irgendwie "die Jugend" gewinnen muss, nicht von der Hand zu weisen.

Das sehe ich genauso. Ich kenne niemenden und kann es mir auch nicht vorstellen, dass jemand, der immer POP, Rock oder andere moderne Musikrichtungen gehört und bevorzugt hat, nur weil er jetzt das Alter xy erreicht hat, plötzlich den Drang spürt: Ich muss mich jetzt klassischer Musik beschäftigen.

Interesse für Kunst und Kultur wird schon in jungen Jahren geweckt. Wenn die Kinder niemanden haben, der sie darauf aufmerksam und damit bekannt macht, haben sie kaum eine Chance in dieser Richtung Erlebnisse zu bekommen. Das muss ja nicht unbedingt von den Eltern kommen. Kindergarten, Schule kann da einiges bewirken. Deshalb finde ich es so schade, dass in diesen Bereichen soviel eingespart wird. Wir hatten in der Grundschule ausgiebigen Musikunterricht und die Möglichkeit Instrumente zu erlernen. Aber eben auch nur weil wir engagierte Pädagogen an der Schule hatten. In andern Schule gab es das Angebot nicht. Später gab es das Schülerabonnement am städtischen Theater, das mir tolle Theatererlebnisse beschert hat.

Thomas Sternberg

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  • »Thomas Sternberg« ist männlich

Beiträge: 735

Registrierungsdatum: 19. Juni 2010

37

Dienstag, 2. Juli 2013, 06:37

Interesse für Kunst und Kultur wird schon in jungen Jahren geweckt. Wenn die Kinder niemanden haben, der sie darauf aufmerksam und damit bekannt macht, haben sie kaum eine Chance in dieser Richtung Erlebnisse zu bekommen. Das muss ja nicht unbedingt von den Eltern kommen. Kindergarten, Schule kann da einiges bewirken. Deshalb finde ich es so schade, dass in diesen Bereichen soviel eingespart wird. Wir hatten in der Grundschule ausgiebigen Musikunterricht und die Möglichkeit Instrumente zu erlernen. Aber eben auch nur weil wir engagierte Pädagogen an der Schule hatten. In andern Schule gab es das Angebot nicht. Später gab es das Schülerabonnement am städtischen Theater, das mir tolle Theatererlebnisse beschert hat.

Immer diese Pauschalisierungen!
Bis zum 45 Lebensjahr hatte ich mit Klassik nichts, aber auch gar nichts am Hut. Rock und Pop war meine Welt.
Ich kenne inzwischen viele, die einfach durch die Qualität der Musik zur Klassik kommen und denen es egal ist, was sie in der Schule hatten.

Klaus 2

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  • »Klaus 2« ist männlich

Beiträge: 1 415

Registrierungsdatum: 28. Oktober 2011

38

Dienstag, 2. Juli 2013, 09:09

Da muss ich Thomas heftig zustimmen. Ich stamme aus einer Bergmannsfamilie, bin in einer Bergwerkskolonie großgeworden und in die Volksschule gegangen, wo 99% Bergmannskinder waren. Da war aber so was von wenig von Kuluturförderung finden, das glaubt Ihr gar nicht. Ein Instrument lernen? Ha! Es gab in jeder Straße einen alten Mann, der Quetschkommode spielte und dann noch den örtlichen Instrumentalverein. Das war unsere Kultur! Ich war ein erwachsener Mann, als ich zum ersten Mal ein Theater betrat. Einen Konzertsaal so ungefähr mit 40.
Ich fühle mich regelrecht diskriminiert, wenn ich so was wie oben lese.

Tschö
Klaus
ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

Bartolifan

Schüler

  • »Bartolifan« ist weiblich

Beiträge: 117

Registrierungsdatum: 6. August 2012

39

Dienstag, 2. Juli 2013, 09:45

Ich sage ja nicht, dass man überhaupt keine Kultur kennenlernen kann, wenn man als Kind oder Jugendlicher nicht damit bekannt gemacht wird. Es ist aber bestimmt schwieriger. Außerdem ist es sicherlich so, dass Menschen, die sich nicht mit klassischer Musik beschäftigen oder ins Theater, die Oper gehen, deswegen schlechtere oder ärmere Menschen sind.

Rheingold1876

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  • »Rheingold1876« ist männlich

Beiträge: 4 705

Registrierungsdatum: 5. Mai 2011

40

Dienstag, 2. Juli 2013, 10:35

Interesse für Kunst und Kultur wird schon in jungen Jahren geweckt. Wenn die Kinder niemanden haben, der sie darauf aufmerksam und damit bekannt macht, haben sie kaum eine Chance in dieser Richtung Erlebnisse zu bekommen. Das muss ja nicht unbedingt von den Eltern kommen. Kindergarten, Schule kann da einiges bewirken. Deshalb finde ich es so schade, dass in diesen Bereichen soviel eingespart wird. Wir hatten in der Grundschule ausgiebigen Musikunterricht und die Möglichkeit Instrumente zu erlernen. Aber eben auch nur weil wir engagierte Pädagogen an der Schule hatten. In andern Schule gab es das Angebot nicht. Später gab es das Schülerabonnement am städtischen Theater, das mir tolle Theatererlebnisse beschert hat.

Mein eigener Musikunterricht war hausbacken bis abscheulich. Und in der Kirche sangen die Leute meist nur falsch. Nur der Pfarrer konnte singen mit gewaltiger Donnerstimme. Das hat mich sehr fasziniert als Kind. War das ein Auslöser, das zu erwecken, was in mir war? Ich glaube nämlich nicht daran, dass man Menschen durch Unterricht Musik sehr nahe bringen kann. Sie muss als Anlage in ihnen sein wie ein Talent für bestimmt Sachen. Mein bester Freund in sehr jungen Jahren wollte unbedingt auch Opern hören wie ich. Ich denke schon, dass ich ihm manches erklären konnte. Er war sehr willig, konnte aber nach einem Jahr immer noch nicht Wagner von Bach unterscheiden. Es war ihm nicht gegeben. Das ist nicht schlimm. Er wurde sein sehr erfolgreicher Mediziner.

Gruß Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Bartolifan

Schüler

  • »Bartolifan« ist weiblich

Beiträge: 117

Registrierungsdatum: 6. August 2012

41

Dienstag, 2. Juli 2013, 11:21

Ich glaube nämlich nicht daran, dass man Menschen durch Unterricht Musik sehr nahe bringen kann.

Da kommt es auf denjenigen an, der den Unterricht macht. Wenn ich als Pädagoge die Schüler begeistern kann, dann bringe ich Ihnen die Musik oder auch andere Fächer nahe, was oft zu einem lebenslangen Interesse an dem Sujet führt. Ich hatte auch viele Lehrer, die mich von den Naturwissenschaften (Chemie, Physik) fern gehalten haben. Ich kann das bis heute nicht, obwohl ich mich immer mal wieder bemühe da noch einiges zu lernen. Es bleiben einfach "böhmische Dörfer" für mich.

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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Registrierungsdatum: 12. August 2005

42

Dienstag, 2. Juli 2013, 13:24

Da muss ich Thomas heftig zustimmen. Ich stamme aus einer Bergmannsfamilie, bin in einer Bergwerkskolonie großgeworden und in die Volksschule gegangen, wo 99% Bergmannskinder waren. Da war aber so was von wenig von Kuluturförderung finden, das glaubt Ihr gar nicht. Ein Instrument lernen? Ha! Es gab in jeder Straße einen alten Mann, der Quetschkommode spielte und dann noch den örtlichen Instrumentalverein. Das war unsere Kultur! Ich war ein erwachsener Mann, als ich zum ersten Mal ein Theater betrat. Einen Konzertsaal so ungefähr mit 40.
Ich fühle mich regelrecht diskriminiert, wenn ich so was wie oben lese.

Wie soll man das denn verstehen? Weil Du vor 40 Jahren keine Kulturförderung erlebt hast, soll niemand irgendwo anders in diesen Genuss kommen? Mit demselben Argument könnte man die Schule ganz abschaffen, denn es gibt Millionen Kinder, die nie eine von innen gesehen haben.
Der Punkt war doch hauptsächlich, dass es eine Illusion ist, zu meinen, Hörer würden sich "typischerweise" mit 30 oder 40 Jahren "aus Altersgründen" klassischer Musik zuwenden, obwohl sie vorher jahrzehntelang Pop, Rock etc. gehört haben. Dass es das vereinzelt gibt widerspricht doch nicht der Tatsache, dass es KEINE allgemeine Tendenz ist, sonst müsste es viel mehr Klassikhörer geben.

Ebenso ist es ein bizarrer Schluss aus schlechtem Unterricht auf die Wirkungslosigkeit jeglichen Unterrichts zu schließen. Wiederum könnte man mit so einem Argument die Schule komplett abschaffen...

Rheingold1876

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43

Dienstag, 2. Juli 2013, 13:50

Also ich verstehe den Klaus 2 sehr gut, der erzählt bewegend aus seiner Jugend. Dass er schließlich doch noch zur Musik fand, zeigt mir, wie stark dieses Bedürfnis in ihm schlummerte, auch wenn es nicht von früh an gefördert wurde. Es setzte sich einfach durch. Das ist doch wunderbar. Ich würde das so akzeptieren und mich mit ihm freuen. :hello: Wer will da gleich die Schule abschaffen? Die kann aber auch nicht alles.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Klaus 2

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44

Dienstag, 2. Juli 2013, 14:32

Danke, lieber Rheingold!
Natürlich will ich nicht die Schule abschaffen oder Förderung überhaupt.
ABer wenn weiter oben gesagt wurde, dass ohne frühes Heranführen Hopfen und Malz verloren ist, dann fühle ich mich persönlich diffamiert.
ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

Bartolifan

Schüler

  • »Bartolifan« ist weiblich

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Registrierungsdatum: 6. August 2012

45

Dienstag, 2. Juli 2013, 16:26

ABer wenn weiter oben gesagt wurde, dass ohne frühes Heranführen Hopfen und Malz verloren ist, dann fühle ich mich persönlich diffamiert.
Ich habe gesagt:

Zitat

Wenn die Kinder niemanden haben, der sie darauf aufmerksam und damit bekannt macht, haben sie kaum eine Chance in dieser Richtung Erlebnisse zu bekommen.
Kaum heisst nicht gar nicht. Ich wollte damit ausdrücken, dass es dann eben schwierig(er) ist eine Beziehung oder Interesse für ein bestimmtes Gebiet ( Musik, Literatur, etc.) zu entwickeln. Ich stimme Rheingold zu, dass wenn die Anlage dazu in einem schlummert wird sich der Weg zu dem Thema auch finden. Egal ob von irgendwem gefördert oder nicht.

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