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m-mueller

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1

Montag, 26. Februar 2007, 00:37

Händel - Chandos Anthems

Von der Aufführungspraxis weitgehend ignoriert gibt es 11 Perlenschätze im Barockmeer, die darauf warten, geborgen zu werden.

James Brydges, der Duke of Chandos, machte zwischen 1702 und 1714 sein Vermögen als Zahlmeister in den spanischen Erbfolgekriegen. er soll die für damalige Verhältnisse irrwitzige Summe von 600.000 Pfund in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.

Jedenfalls unterhielt er ein Orchester (ziemlich abweichend von der heutigen Besetzungsnorm, einer der Gründe für die heutige Nichtbeachtung der Anthems in den Konzertsälen), für das Händel zwischen 1717 und 1718 diese 11 Anthems schrieb.

Anbei die Definition für "Anthem" aus wikipedia:

"An anthem is a composition to an English religious text sung in the context of an Anglican service. The term has evolved to mean a song of celebration, usually acting as a symbol for a certain group of people, as in the term "national anthem"

Die Anthems sind in my humble opinion mit das Beste, was im Barock für kleinen Chor und Orchester geschrieben wurde, sogar die allermeisten der Bachschen Kantaten erreichen nicht die Qualität dieser unglaublich intensiven Stücke.

Leider gibt es nur wenige Einspielungen. Der jpc-Katalog zeigt 9 CDs, ich empfehle die 4 CDs von The Sixteen Choir & Orchestra unter Harry Christophers. Ich habe sie seit vielen Jahren und achte sie als 4 meiner besten CDs überhaupt.

sagitt

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2

Montag, 26. Februar 2007, 08:37

RE: Händel - Chandos Anthems

Sagitt meint:

Wurde dazu nicht schon gepostet ? Ich meine mich zu erinnern, auf die wunderbare Lynne Dawson hingewiesen zu haben, die bei Harry Christophers and the sixteen mitsingt. Diese Aufnahme der anthems ist ohnehin grossartig ( 4 CDs von Ende der achtziger Jahre) Dawson stand noch ziemlich am Anfang ihrer Karriere und hatte damals ein wunderbar lyrische Stimme, einen glockenhaft-reinen Ton. Ebenso zu loben ist der formidable Chor ( zB die Homogenität der Soprane). Es sind Werke ohne Alt ( hatte Händel wohl nicht zur Verfügung), im Umfang und Anspruch so, dass sie auch in kleinerem Rahmen aufgeführt werden konnten und lohnen sich schon wegen dieser Interpreten, angehört zu werden.

m-mueller

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3

Mittwoch, 28. Februar 2007, 00:11

hatte keinen Thread dazu gefunden und deshalb einen installiert - vielleicht gibt es ja noch mehr Forianer, die Kommentare zu den Chandos-Anthems geben...

es ist doch erstaunlich, daß die Werke eher selten aufgeführt werden, soo groß ist doch die Abweichung von den Normbesetzungen wieder nicht

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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4

Mittwoch, 28. Februar 2007, 17:40

Hier hatte Sagitt unter dem Thema Anthems auch die Chandos-Anthems erwähnt.

Ich habe bisher nur die im verlinkten thread genannten ArteNova-CD; für die Chandos-CDs war ich bisher zu geizig. Mal sehen, über marketplace oder in England ist die Box mit allen Vieren einigermaßen bezahlbar.

Da man die großen Oratorien, die außer Messiah regelmäßig außerhalb von Händelfestspielen aufgeführt werden, an einer Hand abzählen kann, wundert mcih jedoch wenig, dass diese kleineren Werke erst recht ignoriert werden...

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

sagitt

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5

Mittwoch, 28. Februar 2007, 18:06

Nebenwerke

Sagittmeint:

Nein,an der Besetzung liegt es nicht.Anthems kann eine Schule aufführen ( ich habe vor 45 Jahren Psalm 94 in der Schule gesungen,O sing the Lord).
Es sind Nebenwerke- bei Händel ja fast alles ausser Messias. Veranstalter trauen sich nicht, diese Werke aufzuführen, weil sie befürchten, dass dann niemand kommt. Die Menschen hören wohl lieber zum tausendsten Mal Messiah als einmal Belshazzar oder eben einerder Chandos-anthems.
Aus dem gleichen Grund werden doch höchst selten Bach-Kantaten aufgeführt. Weihnachtsoratorium ja, Weihnachtskantaten nein.

m-mueller

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6

Mittwoch, 28. Februar 2007, 20:03

Zitat

Original von Johannes Roehl

Ich habe bisher nur die im verlinkten thread genannten ArteNova-CD; für die Chandos-CDs war ich bisher zu geizig. Mal sehen, über marketplace oder in England ist die Box mit allen Vieren einigermaßen bezahlbar.

JR


Ja, sie sind sauteuer, wie so ziemlich alles von Händel, außer die Concerti Grossi und das Feuerwasser des Messias. Wo bleibt hier die Brilliant-Gesamtaufnahme ??

Dennoch lohnen sie sich. Sollte Dich Dein Weg zufällig in die Nähe von Iserlohn führen (so die A45 rauf), können wir gern mal zusammen reinhören.

Bernhard

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7

Samstag, 20. Juni 2009, 21:03

RE: Händel - Chandos Anthems

Guten Tag

Zitat

Original von m-mueller

Leider gibt es nur wenige Einspielungen. Der jpc-Katalog zeigt 9 CDs, ich empfehle die 4 CDs von The Sixteen Choir & Orchestra unter Harry Christophers. Ich habe sie seit vielen Jahren und achte sie als 4 meiner besten CDs überhaupt.


Eine neue Einspielung der Chandos Anthems Nr. 7, 9 & 11a mit dem
Trinity College Choir Cambridge und der Academy of Ancient Music



liegt jetzt vor.
Stephen Layton hat eine Schar englicher Händelsolisten wie
Emma Kirkby, Iestyn Davies, James Gilchrist und Neal Daviesdafür gewinnen können.

Gruß :hello:

aus der Kurpfalz

Bernhard

Ulli

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8

Mittwoch, 6. Januar 2010, 09:16

RE: Händel - Chandos Anthems

Wie dem auch sein, ich hab das Package jetzt auch - und bin... begeistert:



Ich hab mir die 11 Anthems gestern am Stück angehört, quasi als 'ein großes' Oratorium mit dem Vorteil, daß gelegentlich ein paar Ouvertüren, die hier meistens als 'Sonata' (Nrn. 1 bis 8, 11) oder 'Sinfonia' (10) bezeichnet sind (Nr. 10 verzichtet darauf), dazuwischenfunken.

Ich finde, hier wird sehr gefühlvoll, transparent und schmeichelnd musiziert - nicht kratzig, kein Knödeln in den Gesangsstimmen. Keine großartigen 'Knalleffekte', aber trotzdem äußerst mitreißend!

:faint: :jubel: :jubel: :jubel: :faint:

Siegbert Rampe schreibt in einem 2009er 'Georg Friedrich Händel und seine Zeit' (erschienen beim Laaber-Verlag) auf S. 143:

Die verbreitete Bezeichnung 'Chandos-Anthems' ist insofern falsch, als der Earl erst 1719 den Titel eines 1st Duke of Chandos verlieen bekam.

Gemeint ist James Brydges (1674-1744), zunächst Earl of Carnavon, welchem Händel in den Jahren 1717/18 diese 11 Anthems schrieb. Bei Rampe ist auch die Rede von zwölf geistlichen Werken, denn das Cannons Te Deum HWV 281 wird bei Rampe mitgezählt, ist aber bei dieser Einspielung nicht dabei. Man findet es aber unter dem Titel 'Chandos Te Deum' auf dieser CD:



Vocalsolisten Frankfurt
Drottninholms Baroque Ensemble
Gerhard Jenemann


Ich kenne diese Einspielung allerdings nicht (enthalten ist auch der-die-das Anthem "Let God arise" HWV 256a).

Zitat


Veranstalter trauen sich nicht, diese Werke aufzuführen, weil sie befürchten, dass dann niemand kommt. Die Menschen hören wohl lieber zum tausendsten Mal Messiah als einmal Belshazzar oder eben eine der Chandos-Anthems.


Wenn sie die Anthems hören, haben sie das ja im Prinzip :beatnik:

Die Musik steht der des Messiah m. E. in keiner Weise nach. Wer also 'mehr Messiah' hören möchte, sollte sich die Box der Chandos-Anthems unbedingt zulegen.


:hello:
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

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9

Freitag, 16. November 2012, 23:16

Ich habe inzwischen (wohl auch schon seit zwei Jahren) die Chandos-Box mit allen 11 Anthems. Von der Musik bin ich auch sehr angetan, von den Interpretationen nicht in dem Maße wie andere hier im Thread. Der Chor ist sehr gut, Orchester und Dirigat auch, wenngleich manches etwas dramatischer sein könnte. (Die Besetzung entspricht nicht der für Cannons zu vermutenden Minimalbesetzung). Ein gewisser Wermutstropfen ist für mich (stellenweise) der Tenor, Ian Partridge. Zwar hat die Stimme die notwendige Beweglichkeit, aber manche der Koloraturen klingen für mich "meckernd". Das ist schade, da der Tenor mit die meisten Soli hat.
Es gab wohl auf LP schon eine Gesamtaufnahme in den frühen 1970ern oder so, mit Willcocks und King's College Choir + Academy of St. Martin in the Fields. Davon ist anscheinend nur eine Auswahl je auf CD erschienen; dieses Double Decca set habe ich mir bei amazon.uk bestellt, es ist aber noch nicht eingetroffen.



Erstaunlich, dass es hier kaum Einspielungen gibt. Die Stücke sind erheblich abwechslungsreicher als die dem Anlass entsprechenden etwas bombastischen Coronation Anthems.
Ungeachtet des Reichtums des Kriegsgewinnlers Brydges waren die Kräfte in Cannons für diese Stücke recht begrenzt: In den meisten ist der Chor nur dreistimmig (S T B) und das "Orchester" hat nur zwei Violinstimmen, Bass und manchmal noch eine Oboe oder Blockflöten. Ich bin dennoch ganz froh, dass bei den Aufnahmen keine Minimalbesetzung gewählt wurde, wie es vermutlich historisch korrekt wäre (1-2 Sänger pro Stimme) Denn obwohl es insgesamt eher intime Stücke sind, kommt dann doch Donner, Blitz, Zorn Gottes vor und für die festlicheren Passagen ist eine etwas stärkere Besetzung ebenfalls effektvoller.
Die ArteNova-CD besitze ich ebenfalls; die kann aber (bei Let God arise) mit The Sixteen nicht mithalten.

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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10

Montag, 1. April 2013, 23:46

Von der Musik bin ich auch sehr angetan, von den Interpretationen nicht in dem Maße wie andere hier im Thread. Der Chor ist sehr gut, Orchester und Dirigat auch, wenngleich manches etwas dramatischer sein könnte. (Die Besetzung entspricht nicht der für Cannons zu vermutenden Minimalbesetzung). Ein gewisser Wermutstropfen ist für mich (stellenweise) der Tenor, Ian Partridge. Zwar hat die Stimme die notwendige Beweglichkeit, aber manche der Koloraturen klingen für mich "meckernd". Das ist schade, da der Tenor die meisten Soli hat.
Je mehr ich von diesen CDs gehört habe, desto lascher kommt mir Christophers Interpretation vor. Es ist wirklich schade, dass das die einzige erhältliche Gesamteinspielung ist.


Zitat

Es gab wohl auf LP schon eine Gesamtaufnahme in den frühen 1970ern oder so, mit Willcocks und King's College Choir + Academy of St. Martin in the Fields. Davon ist anscheinend nur eine Auswahl je auf CD erschienen; dieses Double Decca set habe ich mir bei amazon.uk bestellt, es ist aber noch nicht eingetroffen.

Diese Doppel-CD ist leider nie angekommen, Geld wurde immerhin zurückerstattet :rolleyes: Ich habe mir dann (etwas teurer) die beiden Einzel-CDs besorgt; die andere enthält Nr. 5, 6 und 9. Diese Aufnahmen enstanden zwischen ca. 1965 und 75, mit unterschiedlichen Solisten. Sie sind nicht schlecht und der Knaben/Männer-Chor ist für mich ein Bonus. Die Solisten eher gemischt, das Dirigat manchmal zupackender als Christophers, manchmal eher recht traditionell-gepflegt-britisch. Es wurden wohl alle Stücke aufgenommen, aber auf CD sind anscheinend nur 6 erschienen, das Duo enthält dieselben wie die Einzel-CDs.


Zitat

In den meisten ist der Chor nur dreistimmig (S T B) und das "Orchester" hat nur zwei Violinstimmen, Bass und manchmal noch eine Oboe oder Blockflöten. Ich bin dennoch ganz froh, dass bei den Aufnahmen keine Minimalbesetzung gewählt wurde, wie es vermutlich historisch korrekt wäre (1-2 Sänger pro Stimme) Denn obwohl es insgesamt eher intime Stücke sind, kommt dann doch Donner, Blitz, Zorn Gottes vor und für die festlicheren Passagen ist eine etwas stärkere Besetzung ebenfalls effektvoller.
Es gibt tatsächlich eine minimalistische Einspielung von 3 Anthems (Let God arise, As pants the hart, O sing unto the Lord a new song), leider ist es bei der einen Folge (es steht im Booklet "Vol.1) geblieben, mit dem Ensemble gibt es noch eine ebenfalls sehr klein besetzte Einspielung des Dixit Dominus). Vermutlich auch durch die Aufnahmetechnik bedingt, wirkt das teils packender als Christophers, auch wenn die Solisten (teils mit franz. Akzent) auch nicht ideal sind. Für mich aber eine lohnende Alternative.