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Rheingold1876

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  • »Rheingold1876« ist männlich

Beiträge: 4 644

Registrierungsdatum: 5. Mai 2011

31

Dienstag, 14. August 2012, 07:19

Richtig so, dass Du bei Deiner Meinung bleibst, Eric !!!

Ich höre Haydn auch viel lieber "größer". Erst dadurch erschloss sich mir seine unendliche Vielfalt. Bei Bruno Weil bin ich - mit Verlaub - eingeschlafen. :huh: Für mich ist ein "romantischer" Haydn kein "verfälschter" Haydn. Im Gegenteil. Das ist die rasante, ins gegenwärtige geholte Erweiterung der Interpretationsmöglichkeit.

Persönlich halte ich gar nichts von diesem Rückgriff auf vorgebliche Originalbesetzung, Originalinstrumente etc. Man kann 100 oder 200 Jahre veränderte Hörerfahrung und Interpretationsgeschichte nicht einfach beiseite legen. Wie grotesk das ist, wurde erst neulich bei der "Zauberflöte" in Salzburg deutlich. Unten lässt Harnoncourt auf originalen Instrumenten spielen, oben wird diese wunderbare Oper verhackstückt. Eine Rockband hätte dazu spielen sollen, das wäre ehrlicher, konsequenter und am Ende noch spannender gewesen. :jubel:

Dieser Tage habe ich mir - ich liebe Hörbücher - wieder einmal Joseph Kainz und Gustav Gründgens hervorgesucht. Die sind am Original ja näher dran als wir Heutige. Nun ja. Und es geht gar nicht mehr. Wenngleich beide über einen Detailreichtum und eine Resonanz der Sprache gebieten, die inzwischen niemand mehr beherrscht, ist es doch strenges Museum. Warum soll das bei Musik anders sein?

Für mich ist der Rückgriff auf Originale zwar interessant aber immer auch ein bisschen verlogen. Es wird sich nur das Positive herausgepickt. Original ist viel, viel mehr.

Es grüt Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

dr.pingel

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  • »dr.pingel« ist männlich

Beiträge: 4 227

Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

32

Dienstag, 14. August 2012, 10:20

Ich kann euch da leider nicht folgen. Ich kenne ja auch alle Haydn-Sinfonien und schlafe bei den groß besetzten ein, während die subtilen Deutungen wie etwa von Hogwood und Weil mich mehr interessieren. Außerdem habe ich ein Argument auf meiner Seite: Haydn selbst hätte im Traum nicht an diese Riesenbesetzungen gedacht. Anderes Beispiel: als ich ein Junge war, gab es in meiner Heimatstadt Düsseldorf jedes Jahr die Matthäus-Passion. 8 Kontrabässe, 16 Celli, 32 Geigen, also der ganze Apparat, dazu ein Chor von 100 Sängern und Opernsänger als Solisten. Wollt ihr dahin zurück? Auch wenn man sagt, das mag man, ist das objektiv falsch. Die Salzburger Zauberflöte trifft als Beispiel nicht, weil der Mangel nicht bei der Musik liegt, sondern in der Regie.
Fazit: ich respektiere natürlich eure Meinung in Bezug auf Haydn, aber dass es der romantisch verfälschte ist, dagegen habt ihr kein Argument, außer dem, dass ihr es gerne so hört!
Eichendorff, In der Fremde.
Aus der Heimat hinter den Blitzen rot/ da kommen die Wolken her,/ aber Vater und Mutter sind lange tot,/ es kennt mich dort keiner mehr./ Wie bald, wie bald kommt die stille Zeit,/ da ruhe ich aus und über mir/ rauscht die schöne Waldeinsamkeit,/ und keiner kennt mich auch hier (vertont von Robert Schumann).

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 498

Registrierungsdatum: 12. August 2005

33

Dienstag, 14. August 2012, 11:00

Haydns Sinfonien entstanden über einen Zeitraum von über 35 Jahren (ca. 1757-95) und wurden seinerzeit in stark unterschiedlichen Besetzungen gespielt. Die sehr schlanken Besetzungen am Eszterhazy-Hof wie sie von Hogwood reproduziert werden, sind ein Extrem, das andere sind die Besetzungen, die wir von den Pariser und Londoner Konzerten kennen. (Und in Paris wurden vorher ja auch frühere Sinfonien Haydns gespielt, es ist daher unrealistisch davon auszugehen, Haydn habe immer nur eine knapp über minimale Besetzung im Auge gehabt) Diese entsprechen durchaus modernen ("romantisierenden") Besetzungsstärken, mit dem Unterschied, dass wenn 40-60 Streicher zur Verfügung standen, typischerweise die Holzbläser im Tutti verdoppelt bis verdreifacht wurden. (Man vgl. die berühmte Briefstelle bei Mozart: 40 Violinen, 10 Bässe und die Bläser alle doppelt besetzt). Da es sehr wenige Einspielungen von Karajan und Co der Sinfonien vor #82 gibt, ist die Besetzung daher gar nicht so "unoriginal".
Das Problem bei zB Karajan ist m.E daher weniger die Besetzung als solche, eher der zu streicherlastige Klang und überhaupt ein Klangideal das einer Musik wie Haydns nicht unbedingt angemessen ist

dr.pingel

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  • »dr.pingel« ist männlich

Beiträge: 4 227

Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

34

Dienstag, 14. August 2012, 14:27

Ich muss meine Einstellung nach dem Beitrag von Johannes etwas korrigieren, denn natürlich ist die Besetzung bei Haydn nach den Parisern auch größer geworden, und die letzten (90er und 100er) sind schon sehr üppig besetzt; obwohl gewiss nicht so üppig wie bei einem modernen Sinfonieorchester. Aber ich liebe nun mal die frühen Sinfonien, die Sturm- und Drang-Sinfonien der 40er-Nummern, und die kann man einfach nicht mit großen Orchestern spielen. Verteidigen muss ich auch die Originalinstrumente, ich finde den Klang viel schöner und wärmer als den der modernen Instrumente.
Aber natürlich ist hier wie bei allen Interpretationen Spielraum für subjektive Klangbildvorstellungen, das würde ich nie bestreiten.
Eichendorff, In der Fremde.
Aus der Heimat hinter den Blitzen rot/ da kommen die Wolken her,/ aber Vater und Mutter sind lange tot,/ es kennt mich dort keiner mehr./ Wie bald, wie bald kommt die stille Zeit,/ da ruhe ich aus und über mir/ rauscht die schöne Waldeinsamkeit,/ und keiner kennt mich auch hier (vertont von Robert Schumann).

  • »kurzstueckmeister« ist männlich

Beiträge: 6 808

Registrierungsdatum: 16. Januar 2006

35

Donnerstag, 16. August 2012, 10:46

Für mich ist der Rückgriff auf Originale zwar interessant aber immer auch ein bisschen verlogen. Es wird sich nur das Positive herausgepickt. Original ist viel, viel mehr.

Das verstehe ich nicht. Was - an Negativem - wird denn weggelassen zugunsten der Rosinen?

  • »Eric Hoffmann« ist männlich

Beiträge: 145

Registrierungsdatum: 4. Juli 2012

36

Samstag, 29. September 2012, 09:07

Ich möchte an dieser Stelle nun mal eine Aussage von mir teilweise Korrigieren! Ich habe gesagt mir würden HIP Aufnahmen der Haydn Symphonien Prinzipiell weniger gefallen als jene Karajans ec.!
Ich habe mir vor einer Woche die "Sturm und Drang" Symphonien von Pinnock für 10€ Günstig bei einer amazon Aktion bestellen können und muss heute nachdem ich alles durchgehört habe sagen... Wow! Mir gefällt diese Aufnahme Wesentlich besser als z.b jene von Dorati :jubel: Mit den späteren Symphonien so ab 70 geht es mir allerdings immer noch das ich ein großes Orchester bevorzuge!

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 498

Registrierungsdatum: 12. August 2005

37

Dienstag, 7. Oktober 2014, 00:07

Kaum zu glauben, aber das nächste Haydn-Jahr, 2032, wirft seinen Schatten voraus. Bis dahin soll eine weitere Gesamtaufnahme der Sinfonien entstehen. Eine erste CD mit den Sinfonien 1, 39 und 49 ist demnächst erhältlich. Konzerte fanden anscheinend schon im Juni und jetzt wieder ab November in Zürich, Basel und Eisenstadt statt.

http://www.haydn2032.com/
http://haydn2032.com/shop_interim/

Schneewittchen

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  • »Schneewittchen« ist männlich

Beiträge: 2 512

Registrierungsdatum: 5. Oktober 2010

38

Dienstag, 7. Oktober 2014, 16:28


Zitat WDR: "Haydn2032" heißt ein visionäres Musikprojekt, das die Joseph Haydn Stiftung Basel in diesem Sommer aufgelegt hat. Unter der Musikalischen Leitung von Giovanni Antonini werden das Ensemble "Il Giardino Armonico" und das Kammerorchester Basel in den kommenden Jahren alle 107 Sinfonien von Joseph Haydn aufführen und neu einspielen.
Knapp 20 Jahre soll das dauern – eben bis 2032. Jetzt ist die erste CD erschienen, mit dem Titel "La Passione".
Informationen zur CD:
Haydn2013
No. 1: La Passione
Giovanni Antonini
Il Giardino Armonico
Alpha Productions

Fragen, die ich mir heute stelle ;) :
Werde ich mir jede CD nacheinander einzeln kaufen oder auf die CD-Gesamtausgabe bis 2032 warten?
Wird man 2032 noch Musik auf CDs pressen?
Wird es 2032 noch Alpha Productions geben?
Wird Giovanni Antonini (wird nächstes Jahr 50) 2032 noch dirigieren?
Werde ich (jetzt 65 Jahre alt) 2032 noch erleben?
Werde ich mit 83 Jahren noch hören können?
Werde ich 2032 mir von meiner Rente noch eine CD-Gesamtausgabe leisten können,
wenn der Euro weiter an Wert verliert?
mfG
Michael

lutgra

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  • »lutgra« ist männlich

Beiträge: 5 140

Registrierungsdatum: 9. April 2013

39

Dienstag, 7. Oktober 2014, 16:50

Wird man 2032 noch Musik auf CDs pressen?
Vermutlich nicht, weil dann das bisschen Öl, das noch gefördert werden kann, für den Betrieb der wenigen verbliebenen Fahrzeuge benötigt wird und nicht für die Herstellung von Kunststoff.


Wird es 2032 noch Alpha Productions geben?
Vermutlich ja, aber unter dem Namen Warner Productions.


Wird Giovanni Antonini (wird nächstes Jahr 50) 2032 noch dirigieren?
Vermutlich ja, denn Dirigenten werden in der Regel alt. Das stundenlange Herumfuchteln in der Luft hält die herznahen Blutgefäße frei.


Werde ich (jetzt 65 Jahre alt) 2032 noch erleben?
Wenn Du jeden Tag zwei Stunden zur Musik dirigierst.


Werde ich mit 83 Jahren noch hören können?
Wenn Du jeden Tag zwei Stunden dirigierst.


Werde ich 2032 mir von meiner Rente noch eine CD-Gesamtausgabe leisten können, wenn der Euro weiter an Wert verliert?
Nein, aber Du kannst durch den Verkauf Deiner umfangreichen über Jahrzehnte gehorteten CD-Sammlung die Rente aufbessern. :D

Theophilus

Administrator

  • »Theophilus« ist männlich

Beiträge: 10 824

Registrierungsdatum: 1. Dezember 2004

40

Mittwoch, 8. Oktober 2014, 12:36

Vermutlich nicht, weil dann das bisschen Öl, das noch gefördert werden kann, für den Betrieb der wenigen verbliebenen Fahrzeuge benötigt wird und nicht für die Herstellung von Kunststoff.

Unwahrscheinlich. Erstens sichern die vorhandenen Reserven die Förderung weit über 2032 hinaus und zweitens wird eine beginnende Verknappung und die damit einhergehende Verteuerung die größten Verbrauchergruppen am schnellsten Treffen. Eine deutliche Verteuerung des Öls wird die Umstellung auf alternative Antriebskonzepte bei Autos am stärksten beschleunigen. Die industrielle Verarbeitung von Erdöl zu Kunststoff wird darunter weniger leiden.

:hello:

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

lutgra

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  • »lutgra« ist männlich

Beiträge: 5 140

Registrierungsdatum: 9. April 2013

41

Mittwoch, 8. Oktober 2014, 14:13

Eine deutliche Verteuerung des Öls wird die Umstellung auf alternative Antriebskonzepte bei Autos am stärksten beschleunigen.
:D

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 498

Registrierungsdatum: 12. August 2005

42

Donnerstag, 20. November 2014, 12:03

Zwar kam das Orpheus Chamber Orchestra nie auch nur in die Nähe einer Gesamtaufnahme, aber die Auswahl der Sinfonien erscheint so bunt und willkürlich, dass ich vermute, dass erheblich mehr Einspielungen geplant gewesen sind. Das Ensemble (gegr. 1972) hat sich den demokratischen Meinungsfindungsprozess, der den Interpretationsentscheidungen vorhergeht, inzwischen als "Orpheus Process" patentieren lassen...
http://de.wikipedia.org/wiki/Orpheus_Chamber_Orchestra

Ich kenne inzwischen vier der anscheinend 7 CDs, die eingespielt wurden. Sie sind weitgehend vergriffen und die Gebrauchtpreise schwanken durchaus mal um einen Faktor 10, von 2-3 EUR zu überhöhten Mondpreisen. Die Interpretationen sind stellenweise etwas neutral, allerdings klanglich gut und virtuos und "blitzsauber" gespielt, also vielleicht bei einigen Stücken für HIP-Verächter eine willkommene Analyse. Überdies haben sie sich einiger ziemlich selten eingespielter Werke wie den Sinfonien 77-81 angenommen

Empfehlen würde ich die CD mit 22,63,80, evtl. auch 45/81 wegen der kaum je eingespielten Nr. 81, die 45 ist mir eher zu nüchtern und zu zahm, die findet man bei den einschlägigen HIPisten wie Pinnock oder Harnoncourt deutlich aufregender gespielt.

44+77
48+49
45+81
78+102
60+91
53,73,79
22,63,80


  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 498

Registrierungsdatum: 12. August 2005

43

Donnerstag, 26. Februar 2015, 11:15

Orpheus Chamber Orchestra

Inzwischen habe ich noch die CDs mit 44/77, 48/49 und 53/73/79 hören können. Alle bieten die gewohnte Qualität und Virtuosität (die beiden erstgenannten nur LP-Länge unter 50 min), allerdings fand ich besonders die CD mit 48/49 eher blass, zumal hier zahlreiche gute (HIP)Aufnahmen erhältlich sind. Die würde ich nur denen, die auf modernen Instrumenten bestehen, empfehlen. Aufgrund der diskographisch weit schlechter abgedeckten Sinfonien 77 und 79 sind die anderen CDs weit lohnender, auch wenn mir die "Trauersinfonie" hier etwas zu mild ist und zB Harnoncourt in 53 und 73 weitaus farbiger musizieren lässt.
Die beiden CDs, die ich noch nicht kenne, habe ich in der Priorität deutlich heruntergestuft, da ich davon ausgehe, dass mir hier schon vorziehenswerte Alternativen zur Verfügung stehen.

NB: Die 2nd-Hand-Preise für alle vergriffenen Scheiben dieses Ensembles schwanken erheblich zwischen <5 und >20 EUR. Abwarten und unterschiedliche Quellen beobachten lohnt sich auf jeden Fall. Mehr als 8-10 EUR würde ich nicht pro CD ausgeben.